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2.10.1911 Erstes Blatt
 
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pedoboote bei Prevesa sich bcrfantmcltcn, mit dem offenbare nZicl, in das Adriat l s ch eMcercin- 5 u l a u f e n a n d d i e i t a l i e n i s ch e n 5) a n d e l s s ch i f f e in Beschlag zu nehmen, die offenliegenden Städte zu beunruhigen und gegebenenfalls die Transporte zu stören. Infolgedessen wurden Maßnahmen getroffen, um diese .Absichten zu durchkreuzen. Ter Herzog der Abruzzen schickte hierüber an den Marineminister.nach­stehendes Telegramm:

Ich bin heute, am 29. September vor Prcvcsa emgetrotfen und nahm mit meinem Kreuzer hier Ausstellung. Um 3 Uhr meldeten die Befehlshaber dec kleinen Geschwader durch Funken­spruch, daß zwei türkische Torpedoboote Prcvcsa nach­einander passierten. Das eine Geschwader machte Jagd auf einen Torpedo, der gegen Norden zu entfliehen versuchte. Nachdem nur wenige Kanonenschüsse gewechselt worden waren, fuhr der türkische Torpedo aus das Land lo«, wo er zerschellte. "An Bord brach ein Brand aus, der ihn vollständig unbrauchbar machte. Tas zweite Torpedoboot, gegen das sich zwei Torpedobootzerstörer wendeten, kehrte sofort nach Prevesa zurück und blieb unverletzt. Ich habe dem Kommandanten telegraphisch meine Freude über die Durchführung bekannt gegeben.

Die Schritte der Garnison in Tripolis.

Giornale d'Jtalia" meldet aus Tripolis: Aus einer Freitag früh veranstalteten Versammlung der Offi­ziere der türkischen Garnison ließ der stellver­tretende Mali eine Depesche der ottomanifchen Regierung vorlesen, in der die allergrößte Ordnung und absolute Zurückhaltung gegenüber den europäischen Einwohnern anempfohlen und die Ankunft von zwei Schiffen mit Truppen, Waffen und Munition angelündigt wird. Sams­tag mittag verließen mehr als 1000 Kamele d i e Stadt, mit Gewehren und Munition bela­den, die aus dem DampferTerna" ausgeschifft worden sind. Dieser Transport ist für die Araber be­stimmt, welche die türkische Regierung zu gewinnen hofft.

Der Kriegsschauplatz im adriatischeu Meer.

Bark, 1. Okt. Wie versichert wird, kreuzen mehrere tür­kis cheTorpedobootc im Adriatischen Meer und bedrohen die Tampfer, die die Adria durchkreuzen oder an der Stiiflc von Dalmatien, Montenegro und Epirus entlang zu fahren suchen. Tie Handelsschisfahrt stockt.

Tie Apulische S ch i f f a h r t s-G e scl l sch a s t bat die Regierung, einigen ihrer Schiffe Kriegsschiffe zur Begleitung bei­zugeben, da sie Kenntnis erhielten, daß türkische Torpedoboote int Ionischen Meer Jagd auf die Schiffe italienischer Kaufleute machten.

Rom, 1. Okt. (Agenzia Stefani.) Tas int Ausland ver­breitete Gerücht, der PanzerkreuzerPis a" sei g e st r a n- i) et, ist falsch.

Die Entschlüsse der Jungtürkcn.

Saloniki, 30. Sept, Trotz tiefgehender Er­regung der Mohammedaner herrscht Heer völlige Ruhe. Das Komitee für Einheit und Fortschritt sorgte bisher dafür, daß sich keine Zwischenfälle ereigneten. Ein endgültiger Entschluß, wie gegen die italienischen Staatsangehörigen vorzugehen fei,, wurde noch nicht gefaßt. Tas Komitee, das mit den Komitees in Konstantinopel und Tripolis int Meinungsaus­tausch steht, ist fest entschlossen, Angriffe auf den Be­stand der .Türkei bis zum letzten Blutstropfen zurückzu­weisen.

DaS Komitee für Einheit und Fortschritt droht öffent­lich mit dem wirtschaftlichen Kampf gegen alle italienischen Einrichtungen. Ta sich unter der jüdischen Bevölkerung von Saloniki an 4000 italienische Schutzbe­sah l e n e befinden, wird die Lage als überaus ernst emp­funden, Lumal diese Israeliten' sehr großen Grundbesitz haben und hervorragend an Handelsunternehmungen be­teiligt sind. I

Eine Beschlagnahmung.

DerMessagero" meldet aus Tripolis: Der türkische TransportdampferTerna" wurde int Hafen von Tripo­lis beschlagnahmt, sobald der Beginn der Feind­seligkeiten bekannt gemacht war. Ter Kommandant und die Besatzung widerstanden nicht. Der noch nicht ausgeladene kleine Teil der Ladung wurde ebenfalls be­schlagnahmt.

Die Ereignisse in Konstantinopel.

Die Ereignisse in Konstantinopel.

Konstantinopel, 10. Okt. Das Personal des italie- nischen Konsulats ist abgereist; die Postanstalten sind ge­schlossen.

Der.Großwesir Said Pascha richtete an den Minister des Innern ein Schreiben, in dem er empfiehlt, für die Wahrung der Ordnung und die persönliche Sicherheit der Fremden sowie für die Achtung der Verträge zu sorgen. Ins­besondere verlangt er Ergreifung der nötigen Maßnahmen, damit bis zur Regelung der Tripolisfrage den Italienern nichts geschehe.

In der Nacht zum Sonntag fand unter Zuziehung des Generalstabs ein Ministerrat statt, in dessen.Ver­lauf ein EommuNiqus veröffentlicht wurde, nach dem die Pforte die türkischen Botschaften instruierte, bei den Groß­mächten Schritte zur Wahrung der Rechte der Türken zu unternehmen. Tie Bevölkerung wird aufgefordert, Ruhe zu bewahren. Der Ministerrat beschloß, die Deputierten einzuladen,, zur Parlamentseröffnung baldigst ein- äutreffen.

Das Marineministerium kündigt an, daß keine türki­schen Schiffe aus den Dardanellen ouslaufen dürfen.

.Alle Leuchttürme außerhalb der Dardanellen sind feit gestern abend gelöscht. Tas TransportschiffSehäm", mit einer Proviantladung nach Tripolis bestimmt, wurde nach Konstmitinopel zurückbefördert.

Ter General st. ab beriet im Kriegsministerium Pläne zur Verteidigung Albaniens. Er erläßt Befehle nach Janina zu dem Zweck, die Italiener zur Rückkehr zu zwingen und womöglich einzuschließen. Gleichzeitig wird hier die Nachricht verbreitet, daß Oesterreich-Ungarn Kriegsschiffe nach Prevesa gesandt habe, ein Gerücht, das hier zu den mannigfachsten Hoffnungen Anlaß gibt.

Das englische Geschwader.

Tas Reutersche Bureau meloet aus Malta: Der eng­lische KreuzerB a r h a m" ist von seiner Fahrt nach Aranei auf funken telegraphisch en Befehl nach Malta zurückgekehrt, wo er Kohlen einnimmt, und weitere Befehle abwartet. Es heißt, das gesamte Geschwader ist nach Malta be­ordert.

Dem Reuterschen Bureau wird aus Malta gemeldet: Tie Vorbereitungen zum Kohlen des Geschwaders werden mit Beschleunigung getroffen. Mau glaubt, daß das Geschwader nach Ergänzung seiner .Vorräte ohne Verzug in See geht.

Tie englische Regierung erteilte den in Tien st e n der türkischen Flotte stch befindlichen Offizieren den Befehl, die türkischen Kriegsschiffe zu verlassen.

Nachrichten aus Nom.

O.5 7., ' 3. 2e...eün icre d'Jtalia" erfährt c/j ...... . tzaS in Paris auf Grund einer

Depesche aus Tunis verbreitete Gerücht über die beab­sichtigte Besetzung Dombas durch den englischen Kreu­zerM e d e a" jeder Begründung entbehrt. Dasselbe Blatt veröffentlicht die schriftliche Antwort auf ein Inter­view mit einem Kardinal, in welchem dieser erklärt, die italienischen Katholiken müßten in dieser schweren Zeit au Has Vaterland denken und an dem Triumph der ge­meinsamen Sache mitarbeiten. Der Großmeister der Freimaurerloge erließ ein Rundschreiben, in dem dem^Wunsche Ausdruck gegeben wird, düß Italiens Sache in Tripolis triumphieren möge. Heute abend kam es während einer Musikaufführung auf der Piazza Co­lonna zu einer Massenkundgebung für daS Vorgehen Ita­liens in Tripolis. Ter Zug bewegte sich unter Beifalls­rufen zur Consulta und zum Viktor-Emanuel-Tenkmal. Ein großer Zug marschierte zur deutschen Botschaft und bereitete dort unter Rufen: Es lebe der Kaiser! Es lebe Teutschland! eine herz­liche Kundgebung.

Jlalicnische Begeisterung.

Tem italienischen Uricgslniniu^c liegen, nach einer Meldung aus Rom, lausende Gesuche von Dm;iereil und Ilnterostiziereu vor, die an dem tripolitanischen Feldzug teilnehmen möch­ten: außerdem baten in aiuit lAcgiiiiat.c.H, oie ^eiuärrung des Expeditionskorps bestimmt sind, die Offiziere so zahlreich um ihre Teilnahme, daß ihre Auswahl durch daS Los stattfinden mußte. Bei den Truppen, die zur Teilnahme an der Expedition bestimmt sind, kam es zu enthusiastischen Kundgebungen.

Icr Schutz der Europäer.

Rom, 1. Okt. Tie Regierung icyicktc zwei Dampfer unter Bedeckung von Kriegsschiffen nach Tripolis, um die Euro­pa e r jeder Nationalität, die sich noch dort befinden, und die Stadt zu verlassen wünschen, an Boro zu nehmen.

Der deutsche Schuh.

Berlin, 30. Sept. Aus Wun,iy der türkischen Re­gierung übernahm Deutschland den Schutz der tür­kischen Untertanen in Italien.

Giornale d'Jtalia" schreibt zu der Meldung, daß Deutschland die in der Türkei lebenden Ita­liener unter seinen Schutz genommen hat: Die verbün­dete Nation gab hierdurch unserem Lande einen neuen Beweis der Freundschaft und Sympathie. Die Handlungs­weise Deutschlands berührt um so sympathischer, als seine Lage wegen seiner Freundschaft mit der Türkei sehr deli­kat ist. Die Haltung Deutschlands könnte unter diesen ernsten Umständen nicht freundschaftlicher sein. Es muß bemerlt werden, daß die Italiener unter dem Schutze Deutschlands, das großen Einfluß auf die türkische Re­gierung hat, sicherer jind als unter dem Schutze anderer Mächte.

Die Zirlularnote der Pforte.

Die von der Pforte am ^amvtag oeu Mächten über­sandte Zirkularnote lautet:

Trotz der überaus kurzen, von Italien in dem Ultimatum festgesetzten Frist von 24 Stunden beeilten wir uns, lange vor Ablauf zu antworten, daß die italienische Regierung nicht nötig habe, zu einer militärischen Besetzung zu schreiten, um von uns in Tripolis und Cyrenaika Bürgschaften wegen der wirtschaftlichen Ausdehnung zu erlangen. Wir erklärten uns bereit, diese Bürgschaften zu gewähren, soweit sic unsere terri­toriale Integrität nicht verletzten, wobei wir die Verpflichtung übernahmen, während den Verhandlungen unsere militärische Lage in den genannten Provinzen nicht zu verändern. Ohne auf dieses versöhnliche Anerbieten auch nur zu antworten, schickt uns die italienische Regierung zu derselben Zeit, da fic ihre Florte anssendet und vor dem Ablauf dec Frist eines unserer Torpedoboote in den Gewässern des Adriatischen Meeres angreifen läßt die förmliche Kriegs­erklärung. Peinlich überrascht von dieser unerwarteten Feind­seligkeit, welche durch unsere SDaltimg gegen Italien keineswegs gerechtfertigt ist, wollen wir glauben, daß es noch Zeit ist, angesichts der versöhnlichen Stimmung, von der wir beseelt sind, die unhstloollen Wirkungen des Krieges, der keine tatsächliche Ursache hat, auszuhalten. Wir wenden uns des­halb an die friedlichen und menschlichen Gesinn­ungen, sowie an die Freundschaft der P. T. Re­gierung, bahnt sie bei Italien Einspruch erhebe und es von unserem aufrichtigen Wunsche überzeuge, mit ihm zu unter­handeln, um unnützem Blutvergießen vorzubeugen.

Das Militarblalt^icrciio Jiauano' rnndigt die be­vorstehende Veröffentlichung eines Erlasses an, der den General Carlo Canova zum Befehlshaber der italie­nischen Streitkräfte zn Wasser und zu Lande für die Tripo­liceexpedition ernennt.

Die englischen Zeitungen beschäftigen sich allgemein mit der Tripoliskrisis und ver­urteilen einstimmig das italienische Vorgehen. Sie hoffen durchweg, daß die Mächte noch einschreiten, um das Ge­biet des Konfliktes einzugrenzen.

Die italienische Kriegserklärung

lautet folgendermaßen:

Hoheit! In Ausführung der Aufträge seines erhabenen Souveräns hat der Geschäftsträger Ihnen folgendes mitzuteilen: Tie Frist, welche die königliche Regierung der kaiserlich-türkischen zur Durchführung oer crioroerliujeii Ar nahmen bewilligt hat, ist abgelaufen, ohne daß eine befriediaende Antwort eingelaufen wäre. Ties bestätigt den schlechten Willen oder die Ohnmacht, von der die Regierung und ihre Beamten schon so zahlreiche Beweise, insbesondere bezüglich dec italienischen Rechte und Inter­essen in Tripolis und Cyrenaika gegeben haben. Die königliche Regierung sieht sich daher gezwungen, den Schutz iljrer Rechte, ihrer Interessen, ihrer Würde und ihrer nationalen Ehre mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln selbst zu übernehmen. Was an Ereignissen bevorsteht, ist nur als die peinliche Folge der bisbec von der laiserlicheu Regierung verfolgten Politik an- zufehen. Da hiermit die friedlichen und freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen Italien und der Pforte abgebrochen sind, betrachtet sich Italien von diesem Augenblick an der Türkei gegenüber auf dem Kriegsfuße. Ter Unterzeichnete beehrt sich demgemäß, Eurer Hoheit mitzuteilen, daß dem kaiserlichen Bot­schafter in Rom feine Pässe zugestellt werden, und bittet gleich­zeitig um unverzügliche Zustellung seiner eigenen Pässe. Tie königliche Regierung beauftragte den Unterzeichneten, mitzutcilen, daß büe türkischen Untertanen ohne Furcht vor irgendwelcher Belästigung auf italienischem Territorium verbleiben können. Hochachtungsvoll da Martino.

Em Nechtserti^ungsversuch der Italiener.

TieAgeneia Stefani" veri-NLUtliast lOigeuce Note:

Tie italienische Negierung erklärte wiederholt, daß sie trotz des Krieges mit der Türkei mehr denn je fest entschlossen sei, an der Aufrechterhaltung des territorialen Status- q u o auf der B a l k a n h a l b i n s e l miizuwirken. Tie Ope­rationen zur See, welche die königliche Marine in den euro­päischen Gewässern zu unternehmen gezwungen ist, stehen nicht in Widerspruch mit dieser unerschütterlichen Ab­sicht der italienischen Regierung. Es handelt sich dabei ledig­lich um Operationen, um die italienischen Küsten, die offenen Städte, beii italienischen Handel und die Sicherheit der Militär- traiu Porte nach Tripolis gegen bekanntgewoc.ene bedrohliche Pläne und Vordcrcmingcn des Feindes zu sichern.

Ofen pest, 1. Ott. DorPcster mot)b" gibt die Auslastung vo: Wiener unlmLini. .t ureigen wieder, nach der die Großmächte den einmimgen Wunsch hegen, jede l ü ii n g des StarUsaU 0 in d e p europäischen

Türkei s e r n z u h alten. Sie gestatten nicht, daß bi* gegenwärtigen Ereignisse zum Anlaß von Störungen ge' nommen werden. In Wien wird nachdrücklich auf jeires Erklärung Italiens hingewiefen, die diesbezügliche positive Versicherungen enthält.

Friedensvorschläge durch deutsche Vermittlung?

Berlin, 2. Okt. DasBerliner Tageblatt" meldet aus Konstantinopel vom 1. Oktober: Ter deutsche Bot­schafter Freiherr v. Marschall überreichte bei der Pforte bet seinem Besuch beim Großwesir Vorschläge Italiens für Friedenspräliminarien. De­tails sind zur Stunde noch nicht bekannt, doch soll Mar­schall sehr befriedigt vom Großwesir zurückgekehrt fein.

Berichterstalter-PhantasikN.

Verlin, 2. Okt. Tie Morgenblätter bringen Nach­richten vom Kriegsschauplatz, die zum Teil unglaub­würdig sind, zum Teil sich sogar widersprechen, insbesondere über den Verlauf einer neuen Seeschlacht in den ägäi­schen Gewässern. In Paris und London eingelaufene Tele­gramme wollen wissen, daß auch gestern die türkische Flotte empfindliche Verluste erlitten habe. Nach einer Pariser Meldung des BerlinerLokalanzeigers" sind die türkischen Kriegs­schiffe auf dem Wege von Beirut nach Konstan- tinopel von drei italienischen Divisionen an­gegriffen worden und haben erheblichen Schaden er­litten.

,, Demselben Blatt wird aus London telegraphiert, das italie­nische Marilieminiperium erklärte, daß ein italienisches Ge­schwader ein türkisches, aus drei Schlachtschiffen und mehreren Torpedobooten beuchendes Geschwader, nahe am Eingänge der Dardanellen antraf. Es fand eine Seeschlacht statt. Die türkischen Schlachtschiffe wurden in den G r u n d ge­bohrt und die Torpedoboote beschädigt. Diese Sieges­meldung bezweifelt der BerlinerLokalanzeiger" selbst mit sol-' gcnbeii spöttischen Randbemerkungen:Da aus Rom selbst keine Bestätigung dieser Siegesbotschaft vorliegt, muß man ihnen mit starken Zweifeln entgegentreten, denn man kann doch nicht gut annchmen, daß die italienische Depeschenzensur ihre Tätigkeit auch auf Ruhmestaten dieser Art ausdehnen wird."

Noch unglaubwürdiger ist natürlich eine türkische Meldung, die int direkten Widerspruch zu obigen Nachrichten von einem Sieg der türkischen Flotte und dem Untergänge mehrerer italienifcyer Kriegsschiffe wißen will. Der Konstantinopeler Korre­spondent des BerlinerLokalanzeigers" telegraphiert nämlich unkerm 1. Oktober: Das türkische LinienschiffHeireddin Bar­barossa" übermittelt durch drahtlose Telegraphie folgendes: Als die türkische Flotte Beirut verließ, um nach den Dardanellen zu dampfen, bemerkte sie, daß ste von einigen italienischen Kreuzern verfolgt wurde. Plötzlich eröffneten die Italien erdas Feuer, das erwidert wurde. Zwei italie­nische Kreuzer, darunter der KreuzerEmanuele", sanken, der dritte erlitt ein schweres Leck, konnte aber nach Samoa flüchten.

Amtlich wird, wie der Konstantinopeler Berichterstatter des Tageblatts" drahtet, von der türkischen Regierung bekannt ge­geben, daß die türkische Flotte vollständig in den Dardanellen angetan g t i st. Tie Ankunft erfolgte Sonn­tag mittag IV2 Uhr bei Mermeris. Zu dem Geschwader ge­hören auch die beiden von Deutschland gekauften Panzer. Die Flotte soll eine Schlacht im Bereiche der Dardanellen-Forts aunehmen. lieber das Schicksal der Flotte hatte die größte Besorgnis geherrscht. Noch mittags verlautete, angeblich aus englischer diplomatischer Quelle, daß die türkische Flotte auf dem Wege nach den Dardanellen drei Gefechte zu bestehen hatte, von denen jedoch nur das zweite erfolgreich gewesen sein soll. Nach einer Version hatten die Italiener ein Schiff verloren, nach einer anderen soll ein türkisches Schiss untergegangen sein, jedoch, fügt der Berichterstatter hinzu, sind diese Berichte ungenau, denn die Flotte ist vollständig eingekehrt.

WaS ist Tripolis wert?

Tripolis (Tripolitanien im engeren Sinne), nach bent unsere Gcgiier von Algeciras, die Italiener, ihre Land ausstrecken, bildete im Altertum den östlichsten Teil des Karthagischen Reiches. Bei den Griechen führte dieser Landstrich nach den drei bedeutendsten Städten Oea, Sabrata und Leptis den Namen Tripolis. Mit der östlich angrenzenden Landschaft Barka (Bengasi) bildet er Tripolitanien im weiteren Sinne und nimmt als solches einen Flächenraum von etwas über eine Million Quadratkilometer ein. Auf dieser Fläche, die fast noch einmal so groß wie Deutschland ist, wohnt aber nur etwa eine Million Mensche n. Ter Grund für diese auch für Afrika äußerst dünne Bevölkerung ist leicht ersichtlich. Tripolitanien fehlt der Atlas, der in Marokko, Algier und znm Teil auch noch in Tunis den mächtigen Schutzwgll gegen die Sahara bildet. Tic Wüste dringt tief ins Land hinein, ja erreicht stellenweise sogar die Seeküste. Ter größte Teil ist Sand oder völlig vegetationsloses niederes Gebirgsland. Auch das südlich gelegene, durch einen Wüstenarm von dem übrigen Tripolitanien getrennte. Oasenland Fessan, ist nicht das, was man sich insgemein unter einem Oasenland vorstellt. Tas Tier- und Pslanzenleben ist hier kümmerlich. Ter Mensch begnügt sich alsNationalgericht" mit einem Gemenge aus Würmern (Fessanwurm) und Dattelieig. EinFettschwanz­schaf" wird nur an hohen Festtagen geschlachtet und verzehrt. Ter einst blühende Handel zwischen Tunis, Tripolis, Aegypten und den Negerländern, der in Fcssan seinen Mittelpunkt hatte, ist seit dem Aufhören des Sklavenhandels und dem Rückgang der Küstenländer völlig unbedeutend geworden. Aus diesem Oasenland ist also nicht viel zu holen. Aber auch int eigent­lichen Tripolis sind die landwirtschaftlich aus- ge nutzten Gebiete verhältnismäßig gering. Sie werden auf ein Siebentel, bis ein Fünftel der Gesamtfläcl)e geschätzt und be­stehen im wesentlichen aus der Oasenlinie längs der Meeresküste, der Llivenzone auf den Abhängen des Gebel und den meist trockenen Flußbetten und Tälern, welche sich entlang den östlichen Abhängen nach der heutigen Tags ausgetrockneten Lagune von Tauarga erstrecken. ' Tabei läßt der Mangel an Wasser und an Bewässerungsanlagen auch in den zuletzt genannten Gebieten den Ernteertrag nahezu ausschließlich von der jeweiligen, mehr ober weniger großen Regenmenge während des sogenannten Winters (November bis Ende März) abhängen. Bei der Unregelmäßigkeit der jährlichen Niederschläge ist nach den günstigsten Angaben innerhalb zehn Jahre auf vier gute, nach arabischen Quellen bloß alle fünf Jahre auf eine wirklich gute Ernte zu rechnen.

Wenn wir die,einzelnen Fruchtformen ins Auge fassen, so fallen zunächst als recht bedeutend die Dattelpalmenkulturen auf. Man schätzt die Anzahl der Dattelpalmen in Tripolitanien auf zwei Millionen. Hingegen ist der Oliv en bau ganz ver­nachlässigt. Unter den Ackerbauerzeugnissen steht der Wichtig­keit nach an erster Stelle die Ger ft e. Weit nach folgen Weizen und Mais. Ausgezeichnet und in höherem Maße ausfuhrfähig sind die Kartoffeln als sogenannteNeue Karlosjeln", da sie drei mal im Jahre geerntet werden. Viel gepflegt werden auch die Tomate und der rote Pfeffer. Ter Gemüse­bau geht über das Notwendigste nicht hinaus. Auch der Ertrag ber Drangen acht über den Verbrauch bes Landes nicht hinaus.

Tie Industrie Tripolitaniens liegt noch in einem absolut embryonalen Zustande. Hingegen ist die Einsuhr-Zunahme an eigentlichen Industrie-Erzeugnissen überall nur eine geringe, teil­weise ist sogar eine Abnahme eingetreten.

21115 Stafct und Land.

(ließen, 2. Oktober 1911.

Stabttheater. Als erste Dienstags-Aufführuntz geht morgen Ibsens v9l 0 ra* in Szene, die damit zum ersten Male auf der Buhne des neuen Theaters erscheint. Fräulein Mila de la Chapelle und Herr Willy Kaiser, die gestern int Meister von Palmyra" so außerordentlichen Beifall gefunden haben, sind luiebcrum in den Hauptrollen beschäftigt. Im Vordergrund stehen außerdem Herr Bakof, der den Gunther