pedoboote bei Prevesa sich bcrfantmcltcn, mit dem offenbare nZicl, in das Adriat l s ch eMcercin- 5 u l a u f e n a n d d i e i t a l i e n i s ch e n 5) a n d e l s s ch i f f e in Beschlag zu nehmen, die offenliegenden Städte zu beunruhigen und gegebenenfalls die Transporte zu stören. Infolgedessen wurden Maßnahmen getroffen, um diese .Absichten zu durchkreuzen. Ter Herzog der Abruzzen schickte hierüber an den Marineminister.nachstehendes Telegramm:
Ich bin heute, am 29. September vor Prcvcsa emgetrotfen und nahm mit meinem Kreuzer hier Ausstellung. Um 3 Uhr meldeten die Befehlshaber dec kleinen Geschwader durch Funkenspruch, daß zwei türkische Torpedoboote Prcvcsa nacheinander passierten. Das eine Geschwader machte Jagd auf einen Torpedo, der gegen Norden zu entfliehen versuchte. Nachdem nur wenige Kanonenschüsse gewechselt worden waren, fuhr der türkische Torpedo aus das Land lo«, wo er zerschellte. "An Bord brach ein Brand aus, der ihn vollständig unbrauchbar machte. Tas zweite Torpedoboot, gegen das sich zwei Torpedobootzerstörer wendeten, kehrte sofort nach Prevesa zurück und blieb unverletzt. Ich habe dem Kommandanten telegraphisch meine Freude über die Durchführung bekannt gegeben.
Die Schritte der Garnison in Tripolis.
„Giornale d'Jtalia" meldet aus Tripolis: Aus einer Freitag früh veranstalteten Versammlung der Offiziere der türkischen Garnison ließ der stellvertretende Mali eine Depesche der ottomanifchen Regierung vorlesen, in der die allergrößte Ordnung und absolute Zurückhaltung gegenüber den europäischen Einwohnern anempfohlen und die Ankunft von zwei Schiffen mit Truppen, Waffen und Munition angelündigt wird. Samstag mittag verließen mehr als 1000 Kamele d i e Stadt, mit Gewehren und Munition beladen, die aus dem Dampfer „Terna" ausgeschifft worden sind. Dieser Transport ist für die Araber bestimmt, welche die türkische Regierung zu gewinnen hofft.
Der Kriegsschauplatz im adriatischeu Meer.
Bark, 1. Okt. Wie versichert wird, kreuzen mehrere türkis cheTorpedobootc im Adriatischen Meer und bedrohen die Tampfer, die die Adria durchkreuzen oder an der Stiiflc von Dalmatien, Montenegro und Epirus entlang zu fahren suchen. Tie Handelsschisfahrt stockt.
Tie Apulische S ch i f f a h r t s-G e scl l sch a s t bat die Regierung, einigen ihrer Schiffe Kriegsschiffe zur Begleitung beizugeben, da sie Kenntnis erhielten, daß türkische Torpedoboote int Ionischen Meer Jagd auf die Schiffe italienischer Kaufleute machten.
Rom, 1. Okt. (Agenzia Stefani.) Tas int Ausland verbreitete Gerücht, der Panzerkreuzer „Pis a" sei g e st r a n- i) et, ist falsch.
Die Entschlüsse der Jungtürkcn.
Saloniki, 30. Sept, Trotz tiefgehender Erregung der Mohammedaner herrscht Heer völlige Ruhe. Das Komitee für Einheit und Fortschritt sorgte bisher dafür, daß sich keine Zwischenfälle ereigneten. Ein endgültiger Entschluß, wie gegen die italienischen Staatsangehörigen vorzugehen fei,, wurde noch nicht gefaßt. Tas Komitee, das mit den Komitees in Konstantinopel und Tripolis int Meinungsaustausch steht, ist fest entschlossen, Angriffe auf den Bestand der .Türkei bis zum letzten Blutstropfen zurückzuweisen.
DaS Komitee für Einheit und Fortschritt droht öffentlich mit dem wirtschaftlichen Kampf gegen alle italienischen Einrichtungen. Ta sich unter der jüdischen Bevölkerung von Saloniki an 4000 italienische Schutzbesah l e n e befinden, wird die Lage als überaus ernst empfunden, Lumal diese Israeliten' sehr großen Grundbesitz haben und hervorragend an Handelsunternehmungen beteiligt sind. I
Eine Beschlagnahmung.
Der „Messagero" meldet aus Tripolis: Der türkische Transportdampfer „Terna" wurde int Hafen von Tripolis beschlagnahmt, sobald der Beginn der Feindseligkeiten bekannt gemacht war. Ter Kommandant und die Besatzung widerstanden nicht. Der noch nicht ausgeladene kleine Teil der Ladung wurde ebenfalls beschlagnahmt.
Die Ereignisse in Konstantinopel.
Die Ereignisse in Konstantinopel.
Konstantinopel, 10. Okt. Das Personal des italie- nischen Konsulats ist abgereist; die Postanstalten sind geschlossen.
Der.Großwesir Said Pascha richtete an den Minister des Innern ein Schreiben, in dem er empfiehlt, für die Wahrung der Ordnung und die persönliche Sicherheit der Fremden sowie für die Achtung der Verträge zu sorgen. Insbesondere verlangt er Ergreifung der nötigen Maßnahmen, damit bis zur Regelung der Tripolisfrage den Italienern nichts geschehe.
In der Nacht zum Sonntag fand unter Zuziehung des Generalstabs ein Ministerrat statt, in dessen.Verlauf ein EommuNiqus veröffentlicht wurde, nach dem die Pforte die türkischen Botschaften instruierte, bei den Großmächten Schritte zur Wahrung der Rechte der Türken zu unternehmen. Tie Bevölkerung wird aufgefordert, Ruhe zu bewahren. Der Ministerrat beschloß, die Deputierten einzuladen,, zur Parlamentseröffnung baldigst ein- äutreffen.
Das Marineministerium kündigt an, daß keine türkischen Schiffe aus den Dardanellen ouslaufen dürfen.
.Alle Leuchttürme außerhalb der Dardanellen sind feit gestern abend gelöscht. Tas Transportschiff „Sehäm", mit einer Proviantladung nach Tripolis bestimmt, wurde nach Konstmitinopel zurückbefördert.
Ter General st. ab beriet im Kriegsministerium Pläne zur Verteidigung Albaniens. Er erläßt Befehle nach Janina zu dem Zweck, die Italiener zur Rückkehr zu zwingen und womöglich einzuschließen. Gleichzeitig wird hier die Nachricht verbreitet, daß Oesterreich-Ungarn Kriegsschiffe nach Prevesa gesandt habe, ein Gerücht, das hier zu den mannigfachsten Hoffnungen Anlaß gibt.
Das englische Geschwader.
Tas Reutersche Bureau meloet aus Malta: Der englische Kreuzer „B a r h a m" ist von seiner Fahrt nach Aranei auf funken telegraphisch en Befehl nach Malta zurückgekehrt, wo er Kohlen einnimmt, und weitere Befehle abwartet. Es heißt, das gesamte Geschwader ist nach Malta beordert.
Dem Reuterschen Bureau wird aus Malta gemeldet: Tie Vorbereitungen zum Kohlen des Geschwaders werden mit Beschleunigung getroffen. Mau glaubt, daß das Geschwader nach Ergänzung seiner .Vorräte ohne Verzug in See geht.
Tie englische Regierung erteilte den in Tien st e n der türkischen Flotte stch befindlichen Offizieren den Befehl, die türkischen Kriegsschiffe zu verlassen.
Nachrichten aus Nom.
O.5 7., ' 3. 2e.„.. „eün icre d'Jtalia" erfährt c/j ...... . tzaS in Paris auf Grund einer
Depesche aus Tunis verbreitete Gerücht über die beabsichtigte Besetzung Dombas durch den englischen Kreuzer „M e d e a" jeder Begründung entbehrt. — Dasselbe Blatt veröffentlicht die schriftliche Antwort auf ein Interview mit einem Kardinal, in welchem dieser erklärt, die italienischen Katholiken müßten in dieser schweren Zeit au Has Vaterland denken und an dem Triumph der gemeinsamen Sache mitarbeiten. — Der Großmeister der Freimaurerloge erließ ein Rundschreiben, in dem dem^Wunsche Ausdruck gegeben wird, düß Italiens Sache in Tripolis triumphieren möge. — Heute abend kam es während einer Musikaufführung auf der Piazza Colonna zu einer Massenkundgebung für daS Vorgehen Italiens in Tripolis. Ter Zug bewegte sich unter Beifallsrufen zur Consulta und zum Viktor-Emanuel-Tenkmal. Ein großer Zug marschierte zur deutschen Botschaft und bereitete dort unter Rufen: Es lebe der Kaiser! Es lebe Teutschland! eine herzliche Kundgebung.
Jlalicnische Begeisterung.
Tem italienischen Uricgslniniu^c liegen, nach einer Meldung aus Rom, lausende Gesuche von Dm;iereil und Ilnterostiziereu vor, die an dem tripolitanischen Feldzug teilnehmen möchten: außerdem baten in aiuit lAcgiiiiat.c.H, oie ^eiuärrung des Expeditionskorps bestimmt sind, die Offiziere so zahlreich um ihre Teilnahme, daß ihre Auswahl durch daS Los stattfinden mußte. Bei den Truppen, die zur Teilnahme an der Expedition bestimmt sind, kam es zu enthusiastischen Kundgebungen.
Icr Schutz der Europäer.
Rom, 1. Okt. Tie Regierung icyicktc zwei Dampfer unter Bedeckung von Kriegsschiffen nach Tripolis, um die Europa e r jeder Nationalität, die sich noch dort befinden, und die Stadt zu verlassen wünschen, an Boro zu nehmen.
Der deutsche Schuh.
Berlin, 30. Sept. Aus Wun,iy der türkischen Regierung übernahm Deutschland den Schutz der türkischen Untertanen in Italien.
„Giornale d'Jtalia" schreibt zu der Meldung, daß Deutschland die in der Türkei lebenden Italiener unter seinen Schutz genommen hat: Die verbündete Nation gab hierdurch unserem Lande einen neuen Beweis der Freundschaft und Sympathie. Die Handlungsweise Deutschlands berührt um so sympathischer, als seine Lage wegen seiner Freundschaft mit der Türkei sehr delikat ist. Die Haltung Deutschlands könnte unter diesen ernsten Umständen nicht freundschaftlicher sein. Es muß bemerlt werden, daß die Italiener unter dem Schutze Deutschlands, das großen Einfluß auf die türkische Regierung hat, sicherer jind als unter dem Schutze anderer Mächte.
Die Zirlularnote der Pforte.
Die von der Pforte am ^amvtag oeu Mächten übersandte Zirkularnote lautet:
Trotz der überaus kurzen, von Italien in dem Ultimatum festgesetzten Frist von 24 Stunden beeilten wir uns, lange vor Ablauf zu antworten, daß die italienische Regierung nicht nötig habe, zu einer militärischen Besetzung zu schreiten, um von uns in Tripolis und Cyrenaika Bürgschaften wegen der wirtschaftlichen Ausdehnung zu erlangen. Wir erklärten uns bereit, diese Bürgschaften zu gewähren, soweit sic unsere territoriale Integrität nicht verletzten, wobei wir die Verpflichtung übernahmen, während den Verhandlungen unsere militärische Lage in den genannten Provinzen nicht zu verändern. Ohne auf dieses versöhnliche Anerbieten auch nur zu antworten, schickt uns die italienische Regierung — zu derselben Zeit, da fic ihre Florte anssendet und vor dem Ablauf dec Frist eines unserer Torpedoboote in den Gewässern des Adriatischen Meeres angreifen läßt — die förmliche Kriegserklärung. Peinlich überrascht von dieser unerwarteten Feindseligkeit, welche durch unsere SDaltimg gegen Italien keineswegs gerechtfertigt ist, wollen wir glauben, daß es noch Zeit ist, angesichts der versöhnlichen Stimmung, von der wir beseelt sind, die unhstloollen Wirkungen des Krieges, der keine tatsächliche Ursache hat, auszuhalten. Wir wenden uns deshalb an die friedlichen und menschlichen Gesinnungen, sowie an die Freundschaft der P. T. Regierung, bahnt sie bei Italien Einspruch erhebe und es von unserem aufrichtigen Wunsche überzeuge, mit ihm zu unterhandeln, um unnützem Blutvergießen vorzubeugen.
Das Militarblalt „^icrciio Jiauano' rnndigt die bevorstehende Veröffentlichung eines Erlasses an, der den General Carlo Canova zum Befehlshaber der italienischen Streitkräfte zn Wasser und zu Lande für die Tripoliceexpedition ernennt.
Die englischen Zeitungen beschäftigen sich allgemein mit der Tripoliskrisis und verurteilen einstimmig das italienische Vorgehen. Sie hoffen durchweg, daß die Mächte noch einschreiten, um das Gebiet des Konfliktes einzugrenzen.
Die italienische Kriegserklärung
lautet folgendermaßen:
Hoheit! In Ausführung der Aufträge seines erhabenen Souveräns hat der Geschäftsträger Ihnen folgendes mitzuteilen: Tie Frist, welche die königliche Regierung der kaiserlich-türkischen zur Durchführung oer crioroerliujeii Ar aß nahmen bewilligt hat, ist abgelaufen, ohne daß eine befriediaende Antwort eingelaufen wäre. Ties bestätigt den schlechten Willen oder die Ohnmacht, von der die Regierung und ihre Beamten schon so zahlreiche Beweise, insbesondere bezüglich dec italienischen Rechte und Interessen in Tripolis und Cyrenaika gegeben haben. Die königliche Regierung sieht sich daher gezwungen, den Schutz iljrer Rechte, ihrer Interessen, ihrer Würde und ihrer nationalen Ehre mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln selbst zu übernehmen. Was an Ereignissen bevorsteht, ist nur als die peinliche Folge der bisbec von der laiserlicheu Regierung verfolgten Politik an- zufehen. Da hiermit die friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und der Pforte abgebrochen sind, betrachtet sich Italien von diesem Augenblick an der Türkei gegenüber auf dem Kriegsfuße. Ter Unterzeichnete beehrt sich demgemäß, Eurer Hoheit mitzuteilen, daß dem kaiserlichen Botschafter in Rom feine Pässe zugestellt werden, und bittet gleichzeitig um unverzügliche Zustellung seiner eigenen Pässe. Tie königliche Regierung beauftragte den Unterzeichneten, mitzutcilen, daß büe türkischen Untertanen ohne Furcht vor irgendwelcher Belästigung auf italienischem Territorium verbleiben können. Hochachtungsvoll da Martino.
Em Nechtserti^ungsversuch der Italiener.
Tie „Ageneia Stefani" veri-NLUtliast lOigeuce Note:
Tie italienische Negierung erklärte wiederholt, daß sie trotz des Krieges mit der Türkei mehr denn je fest entschlossen sei, an der Aufrechterhaltung des territorialen Status- q u o auf der B a l k a n h a l b i n s e l miizuwirken. Tie Operationen zur See, welche die königliche Marine in den europäischen Gewässern zu unternehmen gezwungen ist, stehen nicht in Widerspruch mit dieser unerschütterlichen Absicht der italienischen Regierung. Es handelt sich dabei lediglich um Operationen, um die italienischen Küsten, die offenen Städte, beii italienischen Handel und die Sicherheit der Militär- traiu Porte nach Tripolis gegen bekanntgewoc.ene bedrohliche Pläne und Vordcrcmingcn des Feindes zu sichern.
Ofen pest, 1. Ott. Dor „Pcster mot)b" gibt die Auslastung vo: Wiener unlmLini. .t ureigen wieder, nach der die Großmächte den einmimgen Wunsch hegen, jede l ü ii n g des StarUsaU 0 in d e p europäischen
Türkei s e r n z u h alten. Sie gestatten nicht, daß bi* gegenwärtigen Ereignisse zum Anlaß von Störungen ge' nommen werden. In Wien wird nachdrücklich auf jeires Erklärung Italiens hingewiefen, die diesbezügliche positive Versicherungen enthält.
Friedensvorschläge durch deutsche Vermittlung?
Berlin, 2. Okt. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Konstantinopel vom 1. Oktober: Ter deutsche Botschafter Freiherr v. Marschall überreichte bei der Pforte bet seinem Besuch beim Großwesir Vorschläge Italiens für Friedenspräliminarien. Details sind zur Stunde noch nicht bekannt, doch soll Marschall sehr befriedigt vom Großwesir zurückgekehrt fein.
Berichterstalter-PhantasikN.
Verlin, 2. Okt. Tie Morgenblätter bringen Nachrichten vom Kriegsschauplatz, die zum Teil unglaubwürdig sind, zum Teil sich sogar widersprechen, insbesondere über den Verlauf einer neuen Seeschlacht in den ägäischen Gewässern. In Paris und London eingelaufene Telegramme wollen wissen, daß auch gestern die türkische Flotte empfindliche Verluste erlitten habe. Nach einer Pariser Meldung des Berliner „Lokalanzeigers" sind die türkischen Kriegsschiffe auf dem Wege von Beirut nach Konstan- tinopel von drei italienischen Divisionen angegriffen worden und haben erheblichen Schaden erlitten.
,, Demselben Blatt wird aus London telegraphiert, das italienische Marilieminiperium erklärte, daß ein italienisches Geschwader ein türkisches, aus drei Schlachtschiffen und mehreren Torpedobooten beuchendes Geschwader, nahe am Eingänge der Dardanellen antraf. Es fand eine Seeschlacht statt. Die türkischen Schlachtschiffe wurden in den G r u n d gebohrt und die Torpedoboote beschädigt. Diese Siegesmeldung bezweifelt der Berliner „Lokalanzeiger" selbst mit sol-' gcnbeii spöttischen Randbemerkungen: „Da aus Rom selbst keine Bestätigung dieser Siegesbotschaft vorliegt, muß man ihnen mit starken Zweifeln entgegentreten, denn man kann doch nicht gut annchmen, daß die italienische Depeschenzensur ihre Tätigkeit auch auf Ruhmestaten dieser Art ausdehnen wird."
Noch unglaubwürdiger ist natürlich eine türkische Meldung, die int direkten Widerspruch zu obigen Nachrichten von einem Sieg der türkischen Flotte und dem Untergänge mehrerer italienifcyer Kriegsschiffe wißen will. Der Konstantinopeler Korrespondent des Berliner „Lokalanzeigers" telegraphiert nämlich unkerm 1. Oktober: Das türkische Linienschiff „Heireddin Barbarossa" übermittelt durch drahtlose Telegraphie folgendes: Als die türkische Flotte Beirut verließ, um nach den Dardanellen zu dampfen, bemerkte sie, daß ste von einigen italienischen Kreuzern verfolgt wurde. Plötzlich eröffneten die Italien erdas Feuer, das erwidert wurde. Zwei italienische Kreuzer, darunter der Kreuzer „Emanuele", sanken, der dritte erlitt ein schweres Leck, konnte aber nach Samoa flüchten.
Amtlich wird, wie der Konstantinopeler Berichterstatter des „Tageblatts" drahtet, von der türkischen Regierung bekannt gegeben, daß die türkische Flotte vollständig in den Dardanellen angetan g t i st. Tie Ankunft erfolgte Sonntag mittag IV2 Uhr bei Mermeris. Zu dem Geschwader gehören auch die beiden von Deutschland gekauften Panzer. Die Flotte soll eine Schlacht im Bereiche der Dardanellen-Forts aunehmen. lieber das Schicksal der Flotte hatte die größte Besorgnis geherrscht. Noch mittags verlautete, angeblich aus englischer diplomatischer Quelle, daß die türkische Flotte auf dem Wege nach den Dardanellen drei Gefechte zu bestehen hatte, von denen jedoch nur das zweite erfolgreich gewesen sein soll. Nach einer Version hatten die Italiener ein Schiff verloren, nach einer anderen soll ein türkisches Schiss untergegangen sein, jedoch, fügt der Berichterstatter hinzu, sind diese Berichte ungenau, denn die Flotte ist vollständig eingekehrt.
WaS ist Tripolis wert?
Tripolis (Tripolitanien im engeren Sinne), nach bent unsere Gcgiier von Algeciras, die Italiener, ihre Land ausstrecken, bildete im Altertum den östlichsten Teil des Karthagischen Reiches. Bei den Griechen führte dieser Landstrich nach den drei bedeutendsten Städten Oea, Sabrata und Leptis den Namen Tripolis. Mit der östlich angrenzenden Landschaft Barka (Bengasi) bildet er Tripolitanien im weiteren Sinne und nimmt als solches einen Flächenraum von etwas über eine Million Quadratkilometer ein. Auf dieser Fläche, die fast noch einmal so groß wie Deutschland ist, wohnt aber nur etwa eine Million Mensche n. Ter Grund für diese auch für Afrika äußerst dünne Bevölkerung ist leicht ersichtlich. Tripolitanien fehlt der Atlas, der in Marokko, Algier und znm Teil auch noch in Tunis den mächtigen Schutzwgll gegen die Sahara bildet. Tic Wüste dringt tief ins Land hinein, ja erreicht stellenweise sogar die Seeküste. Ter größte Teil ist Sand oder völlig vegetationsloses niederes Gebirgsland. Auch das südlich gelegene, durch einen Wüstenarm von dem übrigen Tripolitanien getrennte. Oasenland Fessan, ist nicht das, was man sich insgemein unter einem Oasenland vorstellt. Tas Tier- und Pslanzenleben ist hier kümmerlich. Ter Mensch begnügt sich als „Nationalgericht" mit einem Gemenge aus Würmern (Fessanwurm) und Dattelieig. Ein „Fettschwanzschaf" wird nur an hohen Festtagen geschlachtet und verzehrt. Ter einst blühende Handel zwischen Tunis, Tripolis, Aegypten und den Negerländern, der in Fcssan seinen Mittelpunkt hatte, ist seit dem Aufhören des Sklavenhandels und dem Rückgang der Küstenländer völlig unbedeutend geworden. — Aus diesem Oasenland ist also nicht viel zu holen. Aber auch int eigentlichen Tripolis sind die landwirtschaftlich aus- ge nutzten Gebiete verhältnismäßig gering. Sie werden auf ein Siebentel, bis ein Fünftel der Gesamtfläcl)e geschätzt und bestehen im wesentlichen aus der Oasenlinie längs der Meeresküste, der Llivenzone auf den Abhängen des Gebel und den meist trockenen Flußbetten und Tälern, welche sich entlang den östlichen Abhängen nach der heutigen Tags ausgetrockneten Lagune von Tauarga erstrecken. ' Tabei läßt der Mangel an Wasser und an Bewässerungsanlagen auch in den zuletzt genannten Gebieten den Ernteertrag nahezu ausschließlich von der jeweiligen, mehr ober weniger großen Regenmenge während des sogenannten Winters (November bis Ende März) abhängen. Bei der Unregelmäßigkeit der jährlichen Niederschläge ist nach den günstigsten Angaben innerhalb zehn Jahre auf vier gute, nach arabischen Quellen bloß alle fünf Jahre auf eine wirklich gute Ernte zu rechnen.
Wenn wir die,einzelnen Fruchtformen ins Auge fassen, so fallen zunächst als recht bedeutend die Dattelpalmenkulturen auf. Man schätzt die Anzahl der Dattelpalmen in Tripolitanien auf zwei Millionen. Hingegen ist der Oliv en bau ganz vernachlässigt. Unter den Ackerbauerzeugnissen steht der Wichtigkeit nach an erster Stelle die Ger ft e. Weit nach folgen Weizen und Mais. Ausgezeichnet und in höherem Maße ausfuhrfähig sind die Kartoffeln als sogenannte „Neue Karlosjeln", da sie drei mal im Jahre geerntet werden. Viel gepflegt werden auch die Tomate und der rote Pfeffer. Ter Gemüsebau geht über das Notwendigste nicht hinaus. Auch der Ertrag ber Drangen acht über den Verbrauch bes Landes nicht hinaus.
Tie Industrie Tripolitaniens liegt noch in einem absolut embryonalen Zustande. Hingegen ist die Einsuhr-Zunahme an eigentlichen Industrie-Erzeugnissen überall nur eine geringe, teilweise ist sogar eine Abnahme eingetreten.
21115 Stafct und Land.
(ließen, 2. Oktober 1911.
•• Stabttheater. Als erste Dienstags-Aufführuntz geht morgen Ibsens v9l 0 ra* in Szene, die damit zum ersten Male auf der Buhne des neuen Theaters erscheint. Fräulein Mila de la Chapelle und Herr Willy Kaiser, die gestern int „Meister von Palmyra" so außerordentlichen Beifall gefunden haben, sind luiebcrum in den Hauptrollen beschäftigt. Im Vordergrund stehen außerdem Herr Bakof, der den Gunther


