Ausgabe 
27.2.1911 Drittes Blatt
 
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man in einem solchen Fall 5ie Sache genauer unkersucht, stellt sie sich ganz anders, als ne Bier vorgetragen wurde. (Sehr richtig, rechts, stürmischer W.versprach links?) Zu mir kam ein Vater, der sich über Nichtbeförderung seines Sohnes beschwerte. Ich habe mir die Akten kommen lasten und bin mit ihm Punkt für Punkt durchgegangen, um ihn zu überzeugen, daß sein Sohn den Anforde. rangen nicht entsprochen Hai. Natürlich ist mir das nicht gelungen, denn einen Vater kann man ja nicht davon überzeugen, daß sein Kind nicht genügend befähigt ist. Nun wird behauptet, daß seit 1885 m Preußen fein Jude Offizier geworden ist. Der Grund 7'Erstir entspringt ganz sicher antisemitischen'Regungen, (Lebhaftes Hort? Hort! links.) Das gebe ich rückhaltlos zu. Aber ^enl6 mochte ich dick unterstreichen, daß ich das nicht billige. (Dort. Hort? links.) Aber was soll in der Frage geschehen? Eine augememe Verfügung ist nicht nötig und sie würde auch keinen 0 ~alLen-. bleibt nichts übrig, als daß man in jedem spe- zielten ?vaH eingreift. Das habe ich im Vorjahre versprochen und links ^spreche ich auch heute wieder. (Lebhaftes Hört! Hört!

&.e ^rmee wirklich so antisemitisch? Wir haben ja tatsächlich noch jüdische Offiziere, die allerdings früher schon be. fordert worden sind (Rufe: Aha? links), 1894 und 1896 sind fie in ihre Chargen als Reserveoffiziere noch befördert worden. -Wenn alfo, wirklich an höchster oder an maßgebenden Stellen antT p1*lJ$c Neigungen vorhanden wären, so hätte man leicht Mittel und Wege gefunden, die Juden nicht in der Urmee zu lassen. Diese Neigungen sind den maßgebenden Stellen aber durchaus fern. Meine Verfügung bezüglich der Material- Sammlung zur Entscheidung der Frage, ob jemanb befördert wer­ben soll ober nicht, ist durchaus angebracht. Es werden bei den .rncn.$cu^en*c,:kn dücher geführt, in die von Zeit zu Zeit Urteile eingetragen werden, die später gute Dienste tun, wenn man sich persönlich nicht mehr erinnern kann. Es wird also ehrlich und redlich versucht, die Sache auf eine annehmbare Grundlage zu stellen. Die Verfügung will allerdings den Offi­zieren entgegentreten, die liebenswürdig und wohlwollend einmal einem Manne etwas sagen, das ganz falsch aufgefaßt wird. Dann geht der Aspirant damit hausieren und hält sich für einen tüchtigen Feldherrn, während vielleicht tatsächlich an ihm nichts daran ist. (Heiterkeit rechts.)

Der Abg. Gothein hat befürwortet, wir möchten einen Ver- such mit FeldwebelleutnantS machen. Eine Resolution im vorigen Reichstage ist abgelehnt worden. Ich habe auch starke Bedenken, in dieser Richtung vorzugehen, denn wir würden damit eine Zwitter st ellung zwischen Offizieren und Unteroffi­zieren schaffen, die zu nichts Gutem führen kann Die Aufgabe unserer Armee geht nicht dahin, daß wir uns nach Straßen- kämpfen sehnen. Ich habe schon früher gesagt, die Armee weiß, daß ihr aus der Straße fein Lorbeer blüht. Auf dem Standpunkte stehen wir heute noch. Die Aufrechterhaltung der Disziplin im Heere wird uns dadurch erschwert, daß unsere Rekruten zum Teil im verhetzten Zustand- in die Kasernen ge- bracht werden. Ein objektiv unrichtiger Befehl braucht zwar nicht befolgt zu werden. Aber dadurch, daß die Sozialdemokraten dauernd den jungen, noch nicht urteilsfähigen Leuten diese kniff- lichen Bestimmungen vorlegen, verwirren sie sie nur. Sie sollten rhnen sagen: geht in die Kasernen und tut eure Pflicht! Was soll es heißen, wenn die Sozialdemokratie bauenib die Mann- schäften gegen die Offiziere ausspielen, und uns doch keinen Pfennig bewilligen werden. (Sehr richtig!) Es ist behauptet worden, ich nähme eine mildere Stellung zu den

Mißhandlungen

ein als früher. Das ist durchaus unrichtig. Mr hm alles, mn bie Mißhandlungen einzuschränken. Es geschieht aber auch alles, um das Vertrauen zwischen Offizieren und Mannschaften aufrecht zu erhalten und zu fördern. (Bestall rechts.) Die Regi- mentSjubiläen, die jetzt gefeiert wurden, zeigten deutlich den Zusammenhang zwischen Regiment und früheren Angehörigen.

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Aus Stadt ttnd Land.

Gießen, 27. Februar 1911.

** Erledigte Lehrerftellen: Eine Lehrerftelle attt ver kath. Schule zu Bensheim. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Seidenbuch. Die mit einem evcrng. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Nieder-Stoll. Mit der Stelle ist Organisten- uitb Lektordienst verbunden. Die Lehrer­stelle an der evang. Schule zu Hering. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

** Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbruche der Seuche sind gemeldet aus: Bennweier, Bezirk Ober- Elsaß: Oberbaldingen, Baden: Straßburg, Regie­rungsbezirk Niederbayern. Erloschen ist die peuche im Schlacht-Viehhofe zu Mannheim.

Kreis Lauterbach.

= Heisters, 24. Febr. Ein Dienftfnecht von hier nurr am Sonntag nachmittag in seinem Heimatsort Landen­hausen. Nach seiner am Abend erfolgten Rückkehr sprengte er in den hiesigen Wirtschaften ans, er sei in dem sogen. Steigerwald von zwei bis an die Zähne bewaffneten Strolchen unter der Drohungdas Geld her oder das Leben" angesallen worden. Er habe diesen darauf 30 Pfg., bie er in seiner Westentasche gehabt, übergeben und hierauf eiligst die Flucht ergriffen. Seine Uhr und Portemonnaie hätte er, da er in Stockhausen vor Zigeunern gewarnt wor­den wäre, schon vorher in die Strümpfe versteckt. Die An­gaben hatten in einem Lokalblatt Aufnahme gefunden und hierdurch die Polizei zur Untersuchung der Angelegenheit veranlaßt. Sie ergab, daß die Geschichte von dem Dienft- knecht erfunden war, da er den Leuten etwas aufbinden wollte. Jedenfalls wird ein Strafbefehl der Schluß des . ,Miubanfalles" sein

Kreis Friedberg.

= Bad-Nauheim, 24. Febr. Der Kur - und Ver- ichönerungs -Verein hielt dieser Tage imSprudel-Hotel" ferne 43. ordentliche Hauptversammlung ab. Der'Vor­sitzende, Lehrer A. Wagner, hielt dann einen längeren Vor­trag, m dem er besonders hervorhob, daß der Verein vor 43 Jahren aus der Not der Zeit als geschlossenes Band der Badcinduftriellen hervvrgegangen fei, sich allzeit bewährt habe und im Stcklen viel Gutes wirke. Er selbst sei auf Wunsch des Vorstandes im Jahre 1869 in den Verein eingetreten und habe stets an der Hebung des Bades mitgewirkt. Mit großer Freude gedenkt er der Anwesenheit der russischen Kaiserfamilie in unserem Bade und wünscht, daß der Aufenthalt ihnen gut bekommen fei. Zum Schluffe gedenkt er unseres Großhcrzogs und seiner Famckie, die so lange Wochen unter uns weilte, und bezeichnet den Großherzog als eifrigen Förderer der neuzeitlichen Entwicklung Bad-Nauheims Mit dem Wimsche, daß unsere Badestadt sich kraftvoll entwickeln möchte, läßt der Redner feine Worte in einem mit großem Beifall aufgenommenen Hoch auf den Grobherzog austlingen. Aus dem von dem Vorsitzenden erftatletcn Jahresbericht fei hervor­gehoben, daß wieder dem Ausschuß für Blumenschmuck, sowie dem Verkehrsausschuß und dem Volksbildungsoerein ein größerer Beitrag bewilligt wurde. Für Füller ung der

Söget _ im Winter wurden 80 Mark ausgegeben. Für Neuanschaffung und Unterhaltung der Bänke wurde gesorgt. Das Verkehrs- und Wobnungsbureau wurden red>t benutzt. Ter schriftliche Verkehr wurde von dem Vorsitzenden besorgt. Der Bericht verbreitete sich noch über die staatlichen Neubauten in sehr merfennenber Weise. Der von Villenbcsitzer W. Wallmann erftattetc Kassenbericht schließt ab mit einer Einnahme von 661,97 Mark und einer Ausgabe von 659,47 Mark. Das Vereins- Vermögen beträgt 788,15 Mark. Bei der Neuwahl für neun 1 ar 'eni>e 0rstandsmitglieber wurden gewählt: Lehrer

A. Fragner, 'stadtverodneter Klinkerfuß, Stadtverordneter Ehr.

r-r' Stadtverordneter Kaufmann Warner, Stadtverordneter i ^atobi^, 5hirI)au-5rcitaurateur Moder, Schriftsteller Reinhardt, Dr. raä>. xntö cchuhmachermeister Will. In das Kuratorium ' Konrtzkyftlfts wurde wieder Lehrer Wagner ernannt. Den 1

in jeder beliebigen Schriftart und Karton-

-Vl KilSnrpPU forte, sowie mit Zirkeln aller studentischen *?»♦♦****>» Vereinigungen, liefert zu mäßigen preisen tzrühl'sche Univerfitäts-Vruckerei, Schulstrahe Z

öerfdnebenen Ausschüssen wurden Beiträge bewilligt, außerdem! dem Ortsgewerbeverein für Schulzwecke. In dem Reisebuch des! Deutschen Lehrervereins soll eine größere Annonce erlassen werden. Bon wünschenswerten Verbesserungen wurden eingehend besprochen: Fortsetzung des Ober-Mörler Weges nach dem Lichtenberg, wenig­stens durch Herstellung eines jederzeit gangbaren Fußweges, sowie Herstellung des Weges an der englischen Kirche. Erbauung der Eisenbahn von Bad-Nauheim nach Usingen, wodurch den Kur­gästen neue Ausflugspunkte erschlossen werden. Offenhaltung des staatlichen Lesezimmers während des ganzen Winterhalbjahres zur Benutzung der im Winter hier anwesenden Kurgäste.

Hessen-Nassau.

fc. Höchst a. M., 24.Febr. Aus den Bürgermeister- post en in Unterliederbach haben sich 117 Bewerber gemeldet, darunter 8 Bürgermeister, 68 Stadt-, Kreis- und Gerichtssekcetäre, 30 Juristen (Rechtsanwälte, Assessoren, Referendare usw.), 7 Offiziere, 2 Techniker und 2 Gewerbe­treibende.

Kleine Tageschronlk.

Die wen errichtete Parseval-Ballon-Halle in Bitter- fei5 hat infolge des Sturmes so sehr gelitten, daß sie nicht betreten werden darf.

In der Nacht nach einer Faschingstneipe in Mnnchen kam es auf der Straße zu. einer Rauferei, bei der ein Student von einem maskierten Unbekannten niederge- stochen und mehrere Personen schwer verletzt wurden. . In der Nahe der Braden-Kttpserwerke in der chilenischen Pro- vmz O h i g g i n s entgleiste auf einer Brücke ein Zug und stürzte in die unter der Brücke befindliche Schlucht. Die Zahl der Getöteten und Verletzten beträgt etwa 50.

In Auxcapes, einer Hafenstadt der Insel Haiti, ist ein Feuer ausgeörochen, das die ganze Nacht hindurch wütete und dre Stadt zerstörte. Der Schaden ist groß. Die Ein­wohner leiden beträchtlich.

In dem französischen Dorfe Marches bei Roman im De­partement Drome brach in einem Kinematographentheoter Feuer aus. Bei der dadurch unter den Zuschauern verursachten Panik wurden 35 Personen schwer verletzt, darunter drei lebensgefährlich.

Die Erdbebenwarte auf dem Königftuhl bei Heidelberg verzeichnete am Freitag nachmittag 12 Uhr 58 Mm. ein ziemlich starkes Erdbeben, das um 1 Uhr 11 Min. seinen größten Aus- schlag erreichte.

Wer wollte ketzmststen, baß die allen Kameraden diese AnhllnA. lichkeit zeigen würden, wenn sie während ihrer Dienstzeit wie Hrmde L. anbelt worden wären! In Deutsch-Südwestasrika haben Offiziere und Mannschaften für einander gehungert und gedürsiet. Glauben Sie. das wäre geschehen, wenn wir unsere Leute nickst gerecht behandelten? Auf dieser gesunden Grundlage werden wir auch stehen bleiben. (Lebh. Beifall rechts.)

Abg. Graf Carmer-Osten (Kons.) bittet besonders die Reinen und mittleren Städte des OsienS mit Garnisonen $u bedenken. Der Redner bedauert die Verringe' rung der reckenden Artillerie. Allen Mannschaften in fernen Garnisonen sollte einmal im Jahre ein freier Heimaisurlaub ge- währt werden. Menn es Ht.r n Gothein tm Auslande so gut gefällt, so sollte er doch den deutschen Staub von den Füßen schütteln. Statt dessen erfreut er uns immer noch mit feiner Anwesenheit, (Heiterkeit rechts, Unruhe links.),

Abg. Linz (Rp.)

stimmt den Resolutionen, die auf eine Förderung des gewerb« lichen Miilelstaiides hinzielen, zu. Die Besetzung militärischer Stellen darf nicht nach konfessionellen und Sta'nbesrückfichten erfolgen, sondern ausschließlich nach der persönlichen Tüchtigkeit. Soztaldeniokraien sind selbstverständlich vom Offizierskorps aus­zuschließen. Da? Duell ist ein ganz unberechtigter Akt der Notwehr durch den jede Achtung vor Gesetz und Recht vernichtet mtrb. Der Redner fordert weitere Stellen für Militäranwärter, einmal tm-oaOre freie Fahrt für eine Heimatsreise des Soldaten und eine Garnison für das Wuppertal.

Abg. Raab fWirtsch. Dg.)7

Auch Vorgesetzte werden durch Untergebene mißhaiidell. Wir haben unsere Vor^setzten oft durch passive Resistenz so geärgert, daß ihnen der Schaum vor dem Munde stand.

Ter Redner wendet sich dann gegen die Zulassung der Juden zum Offizierskorps. Die Volkspartei hätte doch direkt sagen sollen, wir verlangen die Zulassung jedes Juden zum Offizier- wrps, der es werden will. Die Juden sind eine unkriegerische Rasse, deshalb eignet sich die große Masse der Juden nicht zum OfftzierSstand. In einer Zeitschrift des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus hat Dr. Paul Nathan eine Statistik aufqe- fteHt monadfe 4006 Juden desertiert sind, während im richtigen Verhältnis zu den Christen es nur 2408 hätten sein dürfen. Die Talente des fudischen Volkes liegen gewiß nicht auf militärischem (ScBiete. Sonst wäre es nicht zweitausend Jahre lang zerstreut geblieben. Die Deutschen hatten in gleichem Falle entweder ihr Reich wieder aufaerichtet oder wären zugrunde gegangen. Dan deutsche Volk hat sich Gott sei Dank eine gewisse Abneigung gegen bte Juden bewahrt Die ludischen Offiziere sind nur komische ftiguren, die wir in der Armee nicht brauchen können. Wir wollen unsere.deutschen Jungen nicht in die Gefahr bringen, sich gegen einen ludilchen Vorgeietzten zu vergehen, dessen ganze Art ihm unsympathisch fern muß.

Sin S ch l u ß a n t r a g ist von den Abgg. v. H e r t [ i n g, Dr. Hernze und Frhrn. v. Richthofen gestellt.

Abg. Dr. Wremer (Vp.):

Mit Rücku. ! auf die eben gehaltene Rede widerspreche ich dem Schlußautrage. Sollte er zur Abstimmung kommen, so würde ich die Beschlußrahigkeck des Hauses bezweifeln.

^Einze (Nack.) und v. Hertling (Zentr.) ziehen darauf ihre Unterschnft von dem Schlußantrag zurück.

Abg. Raab (Wirtsch. 93g.):

,, $5 freue mich, daß die Herren mir aqttporten wpllen. Ich flehen ihnen zu Diensten. - v y

Das Haus vertagt sich.

Montag, 2 Uhr: WeiterberatunL

Schluß 6% llhr.

nehmen, wenn Sie Me Imponderabilien 5er Armee nicht ge­fährden wollen. Die Gehaltsaufbesserungen für die invaliden Offiziere hat her Reichstag selber abgelehnt. Ein dringendes Bedürfnis kann in diesem Umfang auch nicht anerkannt werden, denn schließlich stehen sie noch besser, als die mit Pension verab- schiedeten Offiziere. Die

Fehlstellen unserer Sanitätsoffiziere betragen allerdings zur Zeit für die oberen Assistenzärzte 49,48 Proz.,_ das ist ziemlich hoch; der vierte Teil davon wird durch Unterärzte beseht. An dem Verhältnis zwischen aktiven Offizieren und Sanitätsoffizieren liegt e§ sicher nicht, das hat mir der Generalarzt bet Armee entschieden erklärt. Es liegt wohl im wesentlichen daran, daß die Zibilpraxis von unseren Sanitäts' offtzieren nur in kleinem Umfange ausgeübt werden kann. Es mag auch sein, daß die größere Bewegungsfreiheit eine gewisse Rolle spielt. Der Offizier bient, so lange er kann, denn er ver­liert mit dem Ausscheiben seinen Lcbensberuf, der Arzt durch­aus nicht, der gewinnt neue Vorteile.

Die Rede des Generals von Deimling kenne ich auch nur aus den Zeitungen. Danach hat er ungefähr folgenden Gedankengang ver olgt:

Zur Wehrhaf igreit eines Volkes gehört auch Erhaltung der kriegerischen Gesinnung im guten Sinne de? Wortes, dazu gehört vor allem opferwillige Gesinnung gegen den Staat, das Bewußtsein, daß man in ernsten Zeiten gezwungen werden kann, Gesundheit und Leben für den Staat zu opfern. Diese Gesinnung hineinzupflanzen war die Absicht des Generals v. Deimling, jedenfalls feine chauvinistische.

Ich bedauere es, daß zu einem Vortrag des Sfbrt. Lattmanu über ..Kolonialpolitik" zweihundert Soldaten eingeladen wurden. Die Militärverwaltung ist daran nicht schuld und auch Abg. Satt­mann nicht, sondern die Gesellschaft, die *-en Vortrag arrangiert hatte. Ich habe angeorbner, daß in Zukunft etwas derartiges vermieden wird. Unsere Ehrengerichtsverordnungen schreiben keine Duelle vor und sie wollen nur da? Verhalten vor dem Zustandekommen des Duells untersuchen. Politische Verhältnisse spielen dabei gar keine Rolle. Ich stehe ganz auf dem Stand­punkt meines Vorgängers, der jede Verfolgung eines Re- serveoffiziers wegen politischer Betätigung innerhalb der staats erhaltenden Parteien weit von sich gemieden hat. Wir kommen nicht darüber hinweg, daß die Kabinettsordre von 1843 Gesetz tft. Hinsichtlich der

Fudenfrage

ist die Rechtslage außerordentlich klar. Eine Zurücksetzung sseS Glaubens wegen fft ungesetzlich. (Zuruf links: geschieht aber doch.) Die einzelnen Fälle, die hier vorgetragen werden, liegen meist so viele Jahre zurück, daß man sie gar nicht mehr verfolgen kann. Ich konnte nur Erhebungen über den Fall Bock anstellen, die ergeben haben, daß der Einjährige seine Dienstzeit wohl mit vollem Erfolg absolviert hat, daß er aber außerdienstlich nicht bloß Offizieren, sondern auch Untergebenen gegenüber nicht die erfor­derliche Zurückhaltung gezeigt hat und infolgedessen es sein Korn- manbeur für unmöglich hielt, ihn zum Offizier zu beförbern. lHört! Hört! rechts, große Unruhe links.) Ob der Aspirant nicht gerade durch sein Verhalten beim Bezirkskommando gezeigt hat, daß er zum Offizier ungeeignet ist, lasse ich dahingestellt. (Leb- hafteS Sehr richtig! rechts.) In dem Fall Dannenbaum, der im Vorjahr hier vorgetragen wurde, habe ich genaue Erhebun- gen eingefordert. Danach ergibt sich, daß Dannenbaum nicht später als die übrigen Einjährigen, sondern gleichzeitig mit drei anderen zum Unteroffizier befördert wurde, während zwei aller- dings schon einen Monat früher Unteroffiziere geworden waren. Er ist auch nicht allein zum Train abgeschoben worden, sondern mit zwölf anderen unter 26 Offiziersaspiranten. Es ist auch nicht richtig, daß die Offiziere ihn ursprünglich nicht für einen Juden hielten und nur solange gesellschaftlich mit ihm verkehrten, als die das nicht wußten, sie haben vielmehr von Anfang an gewußt, daß Dannenbaum Jude ist. Beim Train hat er bann feine Uebung ohne Erfolg abgelegt. (Lebhafte Unruhe links, Zuruf: das ist natürlrch bann die bequeme Ausrede!) Das ist typisch, wenn

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 24. Febr.

Daß Reviswnsbeamte oft

Fein angenehmer Besuch sind, mußte der Gr. Kreisassistenzarzt Dr. Sch. üt G. erfahren, als er am 17. November 1910 dort die Molkerei von O. F. re­vidierte. Die Wirtschafterin F. K. empfing iljin mit einigen un­gehörigen Redensarten, und als er sich diese verbat, versetzte sie chm einen Stoß und rief erregt: Hinaus, Sie elender Lausjunge! Äick Rücksicht auf ihr leicht erregbares Temperament kam sie niit 40 Mark Geldstrafe davon.

Um einer Strafe zu entgehen!

hat der Bahnarbeiter W. M. in Großen-Linden das Datum der Abmeldebescheinigung des Bezirksfeldwebels zu Höchst a. M. in seinem Militärpaß gefälscht, um die verspätete Anmeldung bet dem Bezirksamt Gießen zu verdecken. Er erhält wegen Urkunden­fälschung zwei Tage GefänMis.

Ein durstiger Musi kante

scheint der Musiker W. M. von Berlin zu sein, der nach längerer Wanderschaft bei dem Dirigenten einer Musikschule in Friedberg Stellung gesunden hatte. Anfangs ging die Sache ganz gut, als ihm aber die selbständige Leitung auswärtiger Aufführungen übertragen wurde, kam er auf Abwege. So nahm er am 18. Sep­tember 1910 in Groß-Karben die Kasse an sich, wozu er berech­tig! war, trank sich zur Feier seines auf diesen Tag fallenden Geburtstages einen gründlichen Rauschs an und ging bann mit dem Reste des Geldes auf und davon. Vom Schöffengericht Vilbel erhielt er deswegen zwei Wochen Gefängnis. Das Berufungs­gericht bestätigte dieses Erkenntnis mit der Maßgabe, daß die Strafe durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurde. Dagegen wurde er von der Anklage einer zu Rodheim v. d. H. begangenen Unterschlagung freigesprochen, da er in diesem Falle die Leitung der Kapelle eines Vereins durch Vertrag mit dessen Vorstand allerdings in unvereinbarem Widerspruch mit seinem Dienstvertrag selbtcändig übernommen hatte, so daß ihm das Honorar als eigenes Geld und nicht zur Ablieferung an seinen Dienstherrn übermittelt wurde.

Einen unerwünschten Besuch

statteten im Juni und später nochmals im Juli 1910 zwei Ko­lonisten bar Arbeilerkotonie Neu-Ulrichstein der zufällig unbe­wohnten Villa des Kammerberm von B. in Nicder-Ofleiden ab. Sie drangen durch die unverschlossene Kellertüre em und be- gaben sich von da in alle einzelnen Räume des Hauses. Der eine von ihnen, O. K. W. von Oberroden, gibt zu, bei beiden Gelegenheiten einige Bücher und sonstige, geringwertige Gegen­stände mitgenommen zu haben. Er erhält dafür als rückfälliger Dieb acht Monate Gefängnis. Der andere, K. Sch von Höchst a. M.» bat angeblich nichts gestohlen und erhält, da das Gericht lediglich auf die Angaben der Angeklagten angewiesen ist, denn es haben in dieser Zeit noch asndere die Villa heimgesucht, wegen Haus­friedensbruchs 14 Tage Gefängnis.

HanSel.

ed. Weilburg, 2-1. Febr. Eine bcbeutenbe H o l z - B er­st e i g e r u n g wurde tu Weiubach abgehalten. ' Es wurden eine Anzahl alter Stämme 300 Jahre alte Eichen - aus- geboten. Für zwei Stämme wurden je 1000 Mk. bezahlt. Durch­schnittlich kostete der Festmeter 65,70 Alk., einige Stämme erbrachter 100160 Mk. für den Festmeter. Ter Gesamterlös bezifferte sich auf 15 000 Alk.

Siegerländer Ei s e n ste inve r ein, G. m. b. H. Die Förderung in Eisenstein betrug im Januar 1911 174 357 "i gegen 169 020 t im Monat zuvor. Der Januarabsatz stellt sich auf 182 985 t gegenüber 189 524 t int Dezember 1910. Auf der Tages­ordnung der nächsten Sitzung des Vereins steht u. a. der Antrag der Gewerkschack Storch & Schoeneberg, die Beteiligungsziffer der angekauiten Gerverlschast Honigmund.Homburg aus ihre (Seroerb chafi zu übertragen. Tie letztere scheidet aus den: Syndikat aus.

Spielplan der vereinigten Srantjurtet Stadttheater.

Gpernhaus.

Montag, 27. Februar, geschloffen. Dienstag, 88. Febr.'): Ter Zigeunerbaron." Mittmoeh, 1. März, abends 67, Uhr: Znm ersten 'jJialc:Der Rosenkavalier.* Donnerstag, 2. März, abends 6ff, Uhr (bei aufgehobenem Abonnement):Ter Rosenkaoalier." Freitag, 3. Alärz, abends 71/, Uhr: ,Ter Graf von Luxemburg." Samstag, 4. März:Oberon." Sonntag, 5. Marz, nachmittags 37, Uhr:Die Regimentstochter/ Abends 7 Uhr:Joses und feine Brüder." Montag, 6. Biärz, abends 1% Uhr:Prima-Ballerina." Dienstag, 7. März, abends 6'/, Uhr:Der Roienkavalier." Mitt­woch, 8. März: 4. Abonnements-Loiizert.

Schauspielhaus.

Montag, 27. Febr.'):Eharteys Tante." Dienstag, 28. Febr.: Charleys Tante." Alittwoch, 1. März.Madame Bonward." Donnerstag, 2. März, abends 71/, Uhr: Amckol-Zyklus. Freitag, 3. Alärz, abends 71/. Uhr: Anatol-Zyklns. Samstag, 4. Marz: Glaube und Heimat." Sonntag, ö. März, nachmittags 31/, Uhr: Ser dunkle Punkt." Abends 7 Uhr:Ggrano von Bergerac." Montag, 6. Alärz:Aladame Bonivard." Dienstag, 7. März: Cyrano von Bergerac." Ällttwoch, 8. März: Zum ersten Male: Herr und Diener." Schauspiel in 3 Akten von Ludwig Fulda.

wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.