Ausgabe 
28.1.1911 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

161- Jahrgang

Zweites Blatt

. 24

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

NN

Stabt

größte Heiterkeit

liefet,

eiijo bot)C mit Türmen

tag

on2eri

Eintritt

bcmoFrnten zum Sieg verhelfen gegen einen fortschrittlichen und bürgcrlidxm Kandidaten, der ein Programm wie Grünewald der-

tatttthe and

Ltadt, die sich durch ihre mehrstöckigen Häuser auszeichnet, umgibt eine 810 Meter dicke und eo

bewehrte Mauer aus Lehm und an der Luft getrockneten

hat Jemen als Turchzugsgebiet für den Handel mit Indien und später auch für den Pilgerverkehr eine hervorragende Rolle, gespielt. Zwar war der Landweg von Aden über Lana, Mekka und Medina nach dem Norden lang und durch Räuber manchmal gefährdet, aber er war noch immer sicherer, alS der Seeweg durch das Rote Meer. Seit der Ent­deckung der Route um" das Kap und vollends nach der Er­öffnung des Suezkanals hat Jemen in dieser Beziehung 'seine Bedeutung allerdings cingebüßt, aber es ist noch der voltreichste und fruchtbarste Teil des türkischen Arabiens

Die Debatten über die Aussichten führen zu keinem Ziel. Wir lagen: Ein gemeinsamer Kandidat aus dem nationalliberalen Lager verliert so viele Stimmen nach links, baf* er überhaupt nicht in die Stichwahl kommt. Nur ein Linksliberaler ist imstande, tausende von Mitläufern der Sozialdemokratie bei der bürgerlichen Fahne festzuhalten. Dafür haben wir Dutzende von Aeutzerungen und Zuschriften einzelner und ganzer Vereine. Die anderen rechnen: Ein Fortschrittler bekommt in der Stichwahl van rechts her weniger Stimmen als ein Rationalliberaler. Aber gerade die. welche den Kamps gegen die Sozialdemokratie als das Hauptziel des Wahlkampfes hinstellen, werden nicht so leicht dem Sozial-

Ziegekn. Sie gliedert sich in ein arabisches und ein jübb sches Viertel und in die Vorstadt Bir-el-Asib. Das Arabern viertel birgt das Regierungsgebäudc, die meisten Schulen (u. a eine Militäroorschulc, zwei Bürgerschulen und eine Gewerbeschule, die großen Moscheen, mehrere öffentliche Bäder, die Basare und die ansehnlichen Geschäftshäuser. Das Baumaterial sind zum Teil Steinquader, zürn Teil ge­trocknete Ziegel: die oberen Stauwerke zeigen lebhastc und mannigfaltige farbige Ornamentik. Zn der sehr weitläufig- angelegten Vorstadt wohnen die hohen türkischen Beamten und Offiziere in gewöhnlich von ausgedehnten Gärten um­gebenen Häusern. Die jemenitischen Juden sind heute zu-

TieGießener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beizelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dietandwirljchastlichei, Sett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 28. Januar 1911

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Jemen.

Von H. Singe r.

verklärten Leben einfacher Leute unserer Tage spielen läßt. (Rast und frohe Botschaft.)

Der andere Teil des Ausstellungsraumes steht unter dem Zeichen der deutschen Landschaft Engel- Hards Bilder beweisen ein feines und zartes Talent, das etwas von Caspar David Friedrich, dem großen Bieder" mcierlandschafter, hat: das zeigt sich vielleicht am besten bei dem Bildepommersche Seen" aus dem Teil der deut­schen Landschaft, den ja auch Friedrich oft gemalt hat. Es entspringt einem fein differenzierten Auffangen der Licht­wirkung, wie hier hinter einer Wolkenwand die Sonnen­strahlen durch feuchte Luft fallen, wie beimaussteigenden Wetter" Sonnenblitze durch schwere Wollen brechen. Den Hessen wird vielleicht am meisten dasMotiv von Lehr­bach" interessieren, wo in einer typisch hessischen Landschaft das Sonnenlicht zart auf grünen Hügeln verklingt.

Das blühende Distelfeld und die beiden Hafenmotive von Fischer-Gurig sind gute impressionistische Stu­dien in kräftiger Farbe.

Ganz besonders möchte ich dann noch Hinweisen auf die sehr guten Aquarelle von Güterig, besonders ihrer Technik wegen. Die bescheidene Technik der Wasserfarben fängt ja eben erst an, Geltung zu gewinnen, nachdem sie so lange Zeit durch die viel brillantere der Oclfarben gan$ in den Hintergrund gedrängt war. Diese flott gemalten kleinen Bilder das Heidebild macht mir den stärksten Eindruck zeigen gut, daß für ganz bestimmte Landschafts­stimmungen, gerade die zarte Wasserfarbentechnil beson­ders geeignet ist. Schließlich das Gegenbeispiel : gibt es noch jemanden, der für das einer übermalten Photo­graphie gleichende Bildchen mit dem freundlichen Mönch 600 Mk. hinauszuwerfen hat'?'?

Die nächste Ausstellung wird Gotthard m lief) f, dem Dresdener Altmeister der Moderne, gewidmet sein.

Dr. Christian Rauch.

Zu den schlimmsten Schmerzenskindern auch der neuen türkischen Regierung gehört die Provinz Jemen, der Süd- westen der arabischen Halbinsel. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde ein Teil von Jemen endgültig von den Türken 'besetzt und die im Norden anstoßende Landschaft Asir erobert, und es wurde schließlich ein ganzes Armeekorps dorthin gelegt: aber die Aufstände hörten nie auf. Im vorigen Jahre schien endlich nach langwierigen Kämpfen der Zwist mit den einheimischen Fürsten, unter denen der Imam Seyd Jahia und der Scheck Jdris eine besondere Rolle spielen, beigelegt zu sein, aber jetzt ist schon wieder eine Erhebung ausgcbrochen, die an Umfang und Gefährlichkeit die früheren weit zu übertreffen scheint und bekanntlich in den letzten Tagen die Pforte zu ganz außerordentlichen militärischen Aufbietungen genötigt hat.

Jemen, zum Teil den gebirgigen Westanstieg zum inne­ren Plateau der Halbinsel, zum Teil auch dieses selbst um fassend, zerfiel in der ältesten Zeit, von der wir wissen, im ersten vorchristlichen Jahrtausend in die Reiche der Mi näer und Sabäer (die Königin von Sabai) mit ihrer hohen eigenartigen Kultur, deren inschriftliche Schätze erst zum Teil gehoben sind. Dann fiel es dem erobernden Himjaren- reiche anheim, kam später zeitweise unter die Herrschaft der Acthiopicr (Abessinien) nnd Perser und schließlich, im 7. Jahrhundert, unter die der Kalifen von Mekka. Im 10. ' Jahrhundert fielen die Türken ein, ohne sich jedoch be­haupten zu können. Seit 1871 eroberte der türkische Pascha ' Muchtar das Innere mit der Stadt Sana, und seitdem ist ein Teil Jemens den Türken verblieben. Das nördliche " Jemen aber konnte nicht auf die Dauer gehalten werden, und so haben sich dessen kriegerische Bergstämme ihre Unab- hängigkeit im allgemeinen bewahrt. Tort führen die ein- heimischen Fürsten, die ihre Herkunft von den Nachfolgern Mohammeds ableitcn und damit zugleich die religiösen Ober­häupter sind, fast ständig den heiligen Krieg gegen die ver­haßten Türken, die in den Augen der Jemeniten Ungläubige sind. Allein sogar in seinem eigentlichen Machtbezirk, der über die nächste Umgebung der Hauptstadt Sana nicht sehr weit hinausreicht, hat der türkische Gouveriienr immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen, so bei der Steuereintreibung. Gestärkt wird die Widerstandskraft der Jemeniten durch den Mangel an Straßen im Lande.

Vom Altertum bis zum Ausgange des Mittelalters

bei dem allgemeinen Zug nach liicks sicher. Tas haben selbst nationalliberale Vertrauensmänner zugegeben.

Tie Volts park ei hat zweimal hintereinander auf einen eigenen Kandidaten verzichtet. Hat sie nicht ein gewisses Anreckü darauf, jetzt, wo die ganze politische Lage auf s i c hinweist, den Kandi­daten aus ihren Reihen stellen zu dürfen?

Bei den Rationollcheralen liegt die Entscheidung. Gibt cs da niemand, t.er den Unmut vieler über jenen berüchtigten Bries des Wahlkreisvorsitzenden an den antisemitisclien Abgeordneten offen zum Ausdruck bringt, und die Parolerccktts wird gefahren" als unzeitgeßiäs: abzulehneir wagt?

Ein vernünftiger Arzt bekämpft nicht die Krankheitserschei' nungen, sondern die Ursachen der. Krankheit. Ein vernünftiger Politiker gekämpft die Sozialdemokratie, indem er die Ursachen ilnes gewaltige), Stimmenzuwachses bekämpft, d. h. die ungercchteStcuer- politik und die frecheitsfeindliche Herschsucht des schwarzblauen Blocks.

Wenn der besonnene Flügel der Nalionalliberalen jetzt schweigt, bann ist er mitschulbig an dem beginnenden Kampf zwischen den liberalen Parteien.

i ctroa 750 000 Bewohner auf 190 000 Quadratkilometer' Vor allem wird Kaffee produziert und ausgesührk. Es iit der sogenannte Mokka, der früher über die nun verödete Hafen­stadt gleichen Namens seinen Weg in die Außenwelt fand, heute über Hodeida uiib 'Jlbeu exportiert wird. Der Kaffee

die Güte ist nach der örtlichen Herkunft verschieden - langt aus dem Innern mit naincltarawanen ungereinigt an. Zur Hälfte ist er enthülst, zur anderen nur au der Sonne getrocknet, er muß daher ausgeleseiz oder enthülst werden. Hiermit -- so berichtet Charnan sind Trupps von Arbeitern und Arbeiterinnen in jedem Hause beschäftigt: Freie und Sklaven, Neger und Hindus, aber nur wenig.' Araber. Tas Auslesen besorgen Frauen und minder, dic schwerere Arbeit des Enthülsens, das durch kräftiges Mahle.,' zwischen einer Steinplatte und einem großen Mahlstein bewirkt wird, die Männer. Wie der deutsche Reisende Bur- chardt erzählt, verirren sich aber die besten Sorten des Jemenkafsces nur selten nach Europa: schon in Aden wird der Jemenkaffce mit schlechteren Arten, so mit abessinischem Kaffee, vermischt. Eigentümlich ist, daß die Jemeniten selber fast gar keinen Kaffee trinken; sie ziehen ihm einen Aufguß aus Kaffechülsen (Isohr) vor, der dort im .Hause etwa dieselbe große Rolle spielt wie in Rußland der Tee Teshalb sollen manche Hülsensorten ebenso teuer sein, wic Bohnen besserer Art. Andere wichtige Erzeugnisse sind Tatteln, Gummi, Harze, Tabak, Weihrauch und Balsam.

Ter Hafen .Hodeida, der 40 000 bis 50 000 Bewohner zählt, ist ein höchst heißer Ort, so daß dem erwähnten Bur- chardt der übrigens Ende 1909 in Jemen ermordet worden ist die im Dezember herrschende Temperatur von 26» (£. als ganz ungewöhnlich niedrig bezeichnet wurde Aber Modcida ist ziemlich sauber und soll nicht so ungesund sein, wie lstiusig versichert worden ist. Tie Hafcnanlagen sind schlecht, und dieser llmstand trägt im Verein mit den stän­digen Unruhen in Jemen dic Schuld, daß dort die .Kafsce- ausftlhr immer mehr zurückgeht. Vor 12 Jahren betrug sie noch 80000 Sack, 1908 nur die Hälfte davon. Tic Kauf­leute sind vorzugsweise Inder.

Ter gegenwärtige Aufstand ist so ernst, daß sogar die Verbindung Hodcidas mit Sana gefährdet und dieses nach Zerstörung der Telegraphenlinien abgeschlossen ist. Ter Weg von Hodeida nach Sana steigt allmählich an. Alte Burgen und Ruinen, die die Bcrgeshöhen krönen, erinnern an manchen heißen Kampf mit den Türken. Ucberall sind die. Abhänge gut angebaut und durch Tcrrasseanfagen sorg­fältig dafür ausgenutzt. In 1400 Meter Höhe begegnet man den ersten Kaffeepflanzungen. Sana, der Sage nach von Noah gegründet und dieälteste Stadt der Welt", liegt in einem weiten Tal, aber schon auf der Höhe de-.- Plateaus und nicht weniger als 2*250 Meter über dem Meere. In­folge dieser großen Höhe ist das Klima angenehm und etwa dem Mittelitaliens gleich. In den Gärten sicht man zwar noch Dattelpalmen, aber ihre Früchte reifen nicht mehr. Es gedeihen alle Gemüse und Obst der gemäßigten Zone, auch Weintrauben. Aus diesen gewinnen die Juden Sanas, obwohl das verboten ist, einen ganz leidlichen Wein und einen guten Arrak, Tinc;e, die dort auch dic Bekenner der Lehre des Propheten nicht verschmähen sollen.

Sana l>at 50 000 Einwohner, darunter 6000 7000 Ju­den und bisher etwa 3000 Mann Militär. Tie

Die Organisation beider liberalen Parteien sind noch bessc- rungsbedürftig, aber die Fortschrittler haben weit mehr organisierte Mitglieder im Wahlkreis. Die nationalliberalen Vertrauens- männer an einer größeren Zahl von Plätzen stehen innerlich auf der Seite der Volkspartei. Sie sind nur durch die zweimalige gemein­same Ausstellung eines uationallibcralen Kandidaten in die natio­nalliberalen Listen gekommen. Daher sieht die Volkspartei, wenn sich der Liberalismus durch die Unnachgiebigkeit der National- liberalen zerfleischen muß, dem Kampf zuversichtlich entgegen. Daß sie dic Nationalliberalen an Stimmenzahl übertreffen wird, ist

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: esaSi51. Redaktion: ^-^112. Tel.-Adr.: AuzeigerDtcßen.

Vögel, «

rahme.

nld.

i Shüt?

ruar im KolosstM

sW#

;nkarten wie gewöhn1" v IDm n 'erbende*.

Tngel

:ama.

Mm ccSke. cdacht,

Zn letzter Stunde.

Unter dieser Ueberschrift sendet uns ein Anhänger der fortschrittlichen Volkspartei eine Zuschrift, aus der hervor geht, daß es mit einer Einigung zwischen den liberalen Parteien des Wahlkreises Gießen-Grünberg-Nidda vorläufig nichts ist. Indem wir diese Zuschrift im Interesse weiterer Klarstellungen in unjerem Reichstagswahlkreis gerne auf- nehnien, hoffen wir, daß dic Auseinandersetzungen, die sich wahrscheinlick) daran anknüpfcn werden, eine ruhige, fad)- lichc Form annehmen werden.

Bevor die endgültige Entscheidung über die liberalen Kandi­daten für den bevorstehenden Wahlkampf fällt, sei cs einem Vertreter der fortschrittlichen Volkspartei gestaltet, die Meinung seiner Freunde ganz kurz auch an dieser Stelle zum Ausdruck zu bringen.

Die Volkspartei hat genügende Beweise ihrer Friedfertig! it gegeben. Sic hat auf die Kandidatur Rade verzirnlet, sie Hal mit keiner anderen Partei Beziehungen angefnüpit" ime cs die Nalionalliberalen taten. Irgendwe Ich e V erhandln n g e n zwischen uns und der Sozialdemokratie, die die Reichstagswahl direkt oder indirekt betrafen, haben nicht st a 11 g c f u n b e n , wer das Gegenteil behauptet, spricht die Unwahrheit.

Die Volkspartei stellte sich auf den Standpunkt: Ein ge­meinsamer Kandidat der Liberalen muß im Gegensatz stehen, zu der Parteileitung der hessischen Nationalliberalen, die den Herrn v. Henl in ihrer Mitte dulbel, obwohl ihm. bie Reichstagsfraklion ben Stuhl vor bie Tür gesetzt hat, die in beit Zeiten des schwarz-blauen Blockes Schulter an Schulter mit bem Zentrum kämpft, bie von Dietrich Halm sich loben lassen muß, und deren Gießener Vertreter sich mit den Antisemiten verbünbeu null. Steht der Kandidat auch nur in der Nähe von Hehl und Kaufmann, so wird rettungslos ein großer Teil sonst liberal wählender Männer sofort nach dem roten Stimmzettel gretten; dieser Liberale kommt überhaupt nicht in die Stichwahl.

Die Volkspartei verkennt natürlich nicht, daß es auch unter den Nationalliberalen unseres Wahlkreisesliberale" Männer gibt, sie hat daher bie Initiative zu einer Verständigung feiner zeit selbst ergriffen und als diese jetzt von anderer Seile ang;regt wurde, sich gern an Verhandlungen beteiligt. Sie hat sogar nicht nur früher, sondeiu auch jetzt noch einmal den ernstlichc-n Versuch gemacht, Herrn Professor Biermann zur Annahme einer Kandidatur zu bewegen, da dieser zwar nationalliberat i|t, zu der hessischen Landespartei aber in scharfem Gegen'atz steht, als Vermittler also wohl geeignet gewesen wäre. Da er aus persönlich.'n Gründen abgelehnt hat und der von den Nationalliberalen auf gestellte Kandidat zweifellos mehr zu Hehl und Kaufmann als zu Bassermann und Biermann gehört, hat die Volkspartei den ^ustizrat Grünewald vorgeschtagen, dessen Programm and; für weiter rechtsstehende liberale. Politiker einwairdfret i|t, erklärt er doch, für die volle Erhaltung und Stärkung unserer- Äetzrkraft zu Land und zur See, für die Fortsetzung der Kolonial jiolitir und die Beibehaltung der bestehenden Zollsätze eintreten zn wollen. Nur für die Aufhebung der Futterckttttelzölle will er stnnmcn.

Mädchen in ihrer nordischen Frische breit und kraftvoll gemalt, sind durch ein Mittel der Komposition zu nroni- mcntaler Wirkung gesteigert, daß diese vielleicht un- bcwußt die Altniederländer schott, besonders aber später Rubens, anwandtett: die großen Figuren so stark, mie es der Bildausschnitt erlaubt, in den Vordergrund zu ziehen und hinter ihnen den Ausblick in die weite niederdeutsche Ebene zu eröffnen. Besonders fein und in echtem Freilicht ist and) die Luftstimmuttg gegeben, wie die schweren Wolken ticr auf die Ebene herunterhängen. In dem zweiten großen Bilde, dem Interieur mit den Frauen von Föhr, ist das Problem auf die schummerige Wirkung des Lampenlichtes gestellt, daneben auf die psychologische Charakteristik von Ser Altenunter der Lampe zu der Jugend neben ihr. Eine andere, im Gegensatz zu dieser warmen, trübkalte Jnnen- raumi'timmung gibt das kleine, wundervoll virtuos gemalte Bild der Backstube an der Stellwand gegenüber. Auf dem Bilde,die Glockenläuter", steht die von nordischem Früh­lingssturm durchwehte Landschaft in prad)tvollem Einklang mit der scharfen Bewegung der Läutenden. Außerordentlich interessant ist es, wie )idi das Temperament des nord­deutschen Malers mit dem Vorwurf der südlichen Mond­nacht auf Rio Maggiore auseinandersetzte, dem Eindouck einer 1897 unternommenen Jtalienfahrt. Besonders fein sind die Reflexe auf den Meereswellen aufgefaßt. Cha- rafteriftifd) für die Entwicklung vom strengsten, farben­verzehrenden Freilicht zu einem tieferen satteren Koloris- mus ist der Vergleich von der StudieDilettantinnen" zu dieser italienischen Landschaft und vor allem zu dem prächtig farbensatten Bilde vom dämmerigen Jnnenraum der Dan­ziger Marienkirche.

Unter dem technischen Einfluß von Rembrandt in einer goldtonigen Behandlung, die reizvoll das Spiel der Sonnenstäubdien im helldunkelen Jnnenraum wiedergibt stehen die Bilder, in denen Dettmann über Themata aus der heiligen Geschichte phantasiert, wo er das Schicksal der heiligen Familie in dem auf diese Weise künstlerisch

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Unser Uunstoerein.

Die Ausstellung des .Kunstvereins verfolgt zum ersten Male wieder seit längerer Zeit moderne Prinzipien: Es sind nur wenige, möglichst gute Bilder so auf gehängt wor­den, daß sie sich gegenseitig nicht stören, sondern im Gegen­teil heben, und daß jedes Kunstwerk in gutem Licht für sich betrachtet werden kann; daß der Besdfauer sich darein vertiefen kann, ohne fortwährend durch dic dicht daraus gedrängten Nachbarbilder abgelenkt zu werden. So soll es von jetzt an immer in den Ausstellungen gehalten wer­den. Es ist nicht notwendig, daß hier in Gießen die ganze Masse des mittleren und noch schlechteren Ausstel- lunggutes, das von den Ausstellungen in größeren Städten übrig geblieben und nun für dieProvinz" noch gerade gut genug ist, hier dichtgedrängt vorgeführt wird. Da- durd)'wurden die guten Kunstwerke, die hierherkamen, schwer geschädigt, weil sic nicht zur Geltung kommen konnten, sondern^ erdrückt wurden. Bon jetzt ab wird eine Jury das künstlerische Niveau der Ausstellung wahren und be­strebt sein, lieber wenige, aber möglichst gute und bebeutenbe Kunstwerke zur Ausstellung zu "bringen. Gießens Lage zwischen großen Kunstzcntren ist außerordentlich günstig da­für: es wird möglich sein, zu veranlassen, baß sogar die Werke der Ganzgroßen öfter auf ihrem Wege von einem >lUnst- jentrum zum anbern in unserer kunstfrohen Universitäts- ftabt Halt machen.

Der Schleswig-Holsteiner LubwigDettmann, Aka- bemiebirefter von Königsberg, beherrscht dieses Mal ben Saal. Er ist zwar kein Bahnbrecher der modernen Kunst, der unerhörte neue Wege weist, aber ein großes Talent von außerordentlicher Frische. Durd) seine Vielseitigkeit und durch die Kraft seiner Ersindung behauptet er sich neben solchen Landsleuten, wie dem schwerer ringenden HanS Olde und dem scharfäugigen bedeutenden Naturalisten und Ted;- nifer Hans Peter Feddersen

D-.e DLotive der ztvei größten Bilder, die wir hier vor- sühren, entstammen seinem Heimatland. Die friesischen

!s

'ins Gieße»

ch nie gesehenen eunerkarawant jttWWMck

bei Henn

V".

«riwS/so fe K-nK-60 * errett W^'Mßiicl.

Neue' «ütr

»ar 1911

.des

SlUbv ujflbau

SaH*:»9*

$a^TeK^eniielS

W

Bahnhofstrasse 54