doner Botschafters. Tie Beratung wird morgen beendet. In den unterrichteten Parteik^eisen heißt es, daß man Hakki Bay doch das Vertrauen votieren werde.
Der präsi-entenwechje! in Mexiko.
Mexiko. 2b. Mai. Der bisherige Präsident .£ i a 8 ist heimlich nach Veracruz ab gereift. Dc In Barra leistete den Eid auf die Verfassung. Er führt die Präsidentschaft bis zu den nächsten allgemeinen Wahlen.
Präsident Porsirio Diaz hat über 30 Jahre die Geschicke Mexikos zum Segen für das Land geleitet. In seinen Adern fließt das Blut der Indianer. Er bildete sich die halbnackten Indianer, zu Truppe:; aus und stieg als rauher- Kriegsmann an ihrer Spitze von Erfolg zu Erfolg bis zur Präsidentenwürde. Diaz erkannte den Nutzen, den fremdes Kapital und fremde Arbeit dem Lande brachten, und wenn er auch, aus den Verhältnissen erklärlich, den Amerikanern den Vorzug einräumen mußte, )o verschloß er sich doch auch nicht den Vorteilen, die gerade der emsige deutsche Handel der Republik gebracht hat. Er rühmte oft die Art der Deutschen, die sich zu beliebten Staatsbürgern gemacht hätten. Den deutschen Kaiser schätzte er persönlich hoch, dessen Bild hing über seinem Arbeitstisch. Er führte die deutsche Sprache neben der engliscl)en in den Schulen ein. Deutsches Kapital ist in großem Umfang in Mexiko tätig, und deshalb haben wir auch ein weitergehendes als nur ein Interesse des Zuschauers an der späteren Gestaltung der Dinge in Mexiko. Diaz hatte während seiner Regierung einen schweren Stand zwischen den Bedrängungen von Washington und der amerikafcindlichen Gesinnung des mexikanischen Volkes. Er hat geschickt die Gefahren zu umsegeln vermocht, aber nun scheint dem Volke seine aus der Natur der Verhältnisse zu erklärende Abneigung gegen die Vereinigten Staaten aus dem Gedächtnis gekommen zu sein, dank der geschickten Aufhetzungen und Bestechungen mit dem amerikanischen Dollar. Mexiko wird wohl wieder in das Stadium der amerikanischen Nevolutionsreviibliken, aus denen man es eine Zeitlang heraus glaubte, zurückfallen.
Ausland.
Die jung türkische Kammerpartei drückte am Freitag in ihrer Konferenz dem Großtvcsir mit 96 gegen 11 Stimmen ihr Vertrauen aus. Der Beschluß ist, da er mit zwei Drittel Mehrheit gefaßt ist, für die ganze Partei obligatorisch.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 27. Mai 1911.
•• Ordensverleihungen. Der Grobherzog hat das Kommandeurkreuz 1. Klasse des LudwigS-Ordens dem Oberst v. Küchler ä la suite der Kavallerie, daS Nitterkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Oberleutnant Alfred Wern her im Infanterie-Regiment Vogel v. Falkenstein (7. Westfälischen Nr. 56), seither im Leibgarde-Jnfanterie-Regiment (1. Hess) Nr. 115 verliehen.
•• Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Hch. Seid auS Reisen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schneppenhausen. — Bestätigt wurde der von dem Stadtvorstand 511 Gießen auf eine Lehrerstelle (1. Klasse der Stadtmädchenschule) an der Volksschule zu Gießen präsentierte Lehrer JohS. Reul zu Annerod für diese Stelle. — Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Steinheim; eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Roden.
** Prinzessin Heinrich von Preußen und Gefolge reiften heute morgen 8 Uhr hier durch und nahmen hier das Frühstück ein.
** Die erste Ballonfahrt von hier. Heute vormittag 91/4 Uhr stieg der Ballon „Marburg" von dem Flugplatz an der Gassabrik auf. Die Vorbereitungen zu dem Aufstieg, dem eine außerordentlich zahlreiche Zuschauermenge beiwohnte, hatten schon gegen 7 Uhr begonnen. Außer dem Führer des Ballons nahmen vom hiesigen Lustschisferverein Zahnarzt Dr. Reinewald und Lehrer H. Schmidt teil. Der Ballon trieb nach seinem Ausstieg in ruhiger Fahrt und in müßiger Höhe nach Süden über der Stadt hin. Der erste Gießener Ballonaufstieg wurde mehrfach photographiert; vom Aufstieg sind schon von heute nachmittag ab im Schaufenster des Photographen Zimmer Bilder zu sehen.
** Turnverein 1846. Die Himmelfahrtswanderung nahm in jeder Beziehung einen guten Verlauf. Der am Atrttwoch einsetzende Regen har manchen abgehalten, die Wanderung mitzumachen, aber trotzdem sand sich Donnerstag zu dem Frühzuge eine stattliche Anzahl
Turner ein, die die Wanderung wie geplant ausführten. Tie Bahn brachte die Teilnehmer gegen 7 Uhr nach Mücke. Im Vogelsberg hatte es auch gut geregnet, was das Wandern sehr angenehm machte. Der ilNarsch führte nach Ruppertenrod, Unter- und Ober-Seibertenrod vorbei nach Ulrichstein, das um 10 Uhr erreicht wurde. Hier wurde nach einer Rast und Besichtigung der Burgruinen der Weitermarsch um 1/212 Uhr angetreten. Den roten Markierungen folgend, erreichten die Wanderer I1/2 Uhr den Taufstein. Nach Besichtigung der Gegend — der Himmel war etwas bedeckt — gelangte man um 2 Uhr auf dem Hoherodskopf an. Eine längere Ruhepause folgte hier, die mit verschiedenen Unterhaltungen ausgefüUt wurde. Nun wurde der Heimmarsch über Breungesheim, Busenborn, Lehrerheim nach Schotten angetreten. Dort langte man um 61/2 Uhr an und verbrachte dort in gemütlicher Stimmung die kurze Zeit bis zum Abgang des Zuges.
Landkreis Gietzeu.
X Lich, 26. Mai. Große gottesdienstliche Veranstaltungen, die im Freien abgehalten werden, sind in unserer Gegend schon eine Seltenheit geworden. Wo sie sich aber einmal erhalten haben, da hangt die Bevölrerung noch ganz an der alten Ueberlieferung aus früheren Zeiten. So ist es wenigstens noch mit der Feier, die alljährlich an Himmelfahrr in dem ausgedehnten Waldgebiet zwischen Lich und Hattenrod, in dem „M eilbach" genannten Distrikt, veranstaltet wird. Auch gestern waren die Leute, altem Herkommen nach, wieder aus der weiten Umgebung in Scharen herbeigeströmt, von Albach, Steinbach, Burkardsfelden,Hattenrod,Ettingshausen, Münster, Ober- und Nieder-Bes singen und Lich. Eingeleitet wurde die schlichte Feier durch gemeinsamen Gesang. Darauf hielten Pfarrer Fritsch?Ruppertsburg und Stadtmissionar Freitag-Braunschweig Ansprachen, denen inmitten der Waldeinsamkeit eine stille Gemeinde andächtig lauschte. Auch der Tourist, den die neue Markierung von Gießen über Albach und Münster nach Laubach durch die Weilbach führte, und der so ganz unerwartet zu dem erhebenden Gottesdienst unter freiem Himmel kam, stand im Banne der Andacht und machte eine kurze Rast im Walddome. Verschönt wurde der Gottesdienst noch durch einige Gesangsvorträge des gemilchten Chors von Burlärdsfetden, sowie durch gemeinsame Lieder, deren stimmungsvolle Wirkung durch die Pistonbegleitung des Pfarrers Freitag-Lich noch erhöht wurde. Das Sll)lußgebet sprach Dechant K l i n a e l h ö f f e r- Lich. Noch bis in die Abendstunden war das sonst so stille Waldgebiet belebt. Wer dem Gottesdienste unter freiem Himmel nicht beiwohnte, juchte Maiblumen oder Waldmeister für den Psingsttrank. Es gibt in den genannten Ortschaften ältere Leute, die schon von früher Jugend an jährlich „in b ie Meilbach gehe n". Die Himmel- fahrtseier ist für die Gegend ein schlichtes Volksfest, bei dem sich Freunde und Bekannte aus den verschiedensten Orten ein Stelldichein geben.
a. Hungen, 26. Mai. Heute trifft die Prinzessin- Witwe zu Solms - Braunselö zum Sommeraufenthalte wieder in dem hiesigen Schlosse ein. Das Schloß ist in seinem Hauptteü einer äußerlichen Renovation unterzogen ivorden und macht einen gefälligen Eindruck. Altertuius- sreunde seien auf den im Schloßhofe wieder errichteten Zieh- brunnen vom Jahre 1572 aufmerksam gemacht, dessen Haupt- leile zufällig noch vorhanden waren. Auch die Umgebung des Schlosses, der Park, der letzter Zeit viel dem leichtsinnigen Zerstörungsdrang ausgesetzt war, i|i schön hergerichtet.
----- Bettenhausen, 26. Mai. Hier findet am 16. und 17. Juki das Oberhessische Bauern- und Volksfest statt. Die Vorbereitungen hierzu sind in vollem Gange und dürfte sich dieses Fest den vorhecgegangenen Bauernfesten würdig anreihen. Bettenhausen ist von der Station Langsdorf in 20 Minuten, von Station Muschenheim in % Stunde, von der Station Obbornhofen-Bellersheim tn 3/* Stunden zu erreichen.
Kreis Büdingen.
— Bobenhausen, 26. Mai. Bei der Bürgermeisterwahl wurde Beigeordneter Alb r and mit 36 Stimmen gewählt. Sein Gegner, Landwirt K. D i e tz I., erhielt 33 Stimmen.
--- Eckartshausen, 26. Mai Ein schönes Zeugnis von Einmütigkeit zeigte die einstimmige Wiederwahl
an Baudenkmälern jebem Freunde deutscher Kunst eine reiche Fülle des Interessanten unb Schönen bietet. Von Bad MergeiUheun aus, der Deutsch-Ordensburg, führt der Weg zuerst in das Hohen- lohesche, zur Besichtigung des großartigen, vom Zauber alter Erinnerungen üb ersonnenen Reuaissanceschlosses Weikersheim im Taubertal. Das nächste Reiseziel ift Schloß Langenburg, das auf langem Bergregel an der Jagst stolz emporragt, noch bewohnt von der protestantischen Linie des mit bem preußischen Königshause mehrfach oerroanbten uralten Geschlechts der Hohenlohe. Weiter führt die Fahrt nach dem malerischen Städtchen Schwäbisch-Hall, von wo aus die Ruine Limpurg und die alte befestigte Kirche Comburg, eine Anlage aus der romanischen Zeit, besucht werden sollen. Eine weitere Besichtigung gilt dem neuerdings von seinem Besitzer großartig wiederhergestellten Schlosse Neuenstein des Fürsten Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen. Hieran schließt sich ein Besuch von Heilbronn und Stuttgart, sowie ein Besuch der Burg Hohen-Neuffen. Am nächsten Tage wird ein Ausflug nach Tübingen, verbunden mit der Besichtigung des alten Schlosses Hohentübingen ftattfinben. Eine Fahrt nach dem in stiller Waldeinsamkeit unweit Tübingen gelegenen Schloß und Kloster Bebenhausen, wo dessen Besitzer, König Wilhelm von Württemberg, die Teilnehmer persönlich begrüßen wird, wird den Abschluß der Burgenfahrt bilben. Bei genügender Beteiligung ist für den 15. Juni noch ein Besuch des H ohen-S tauff en unter sachkundiger Führung in Aussicht genommen. In Mergemhetm, Weiiersheinl, Comburg und Hohen-eiltuffen werden ortskundige Spezialforscher die Führung übernehmen unb die Baulichkeiten durch eiuleitenbe Vortrage erläutern. In Heilbronn wirb Oberbürgermeister Kilian, in Tübingen Landeskonservator Pros. Dr. Grad- maiui unb Prof. Dr. K. v. Lange die Fül/rung übernehmen. Tas äußere Arrangement ber Burgenfahrt liegt, wie schon in früheren Jahren, in den Händen bes geschäftsführenben Leiters ber Vereinigung z. E. b. .B., Architekten Prof. Bodo Eb Hardt. Der Protektor ber Vereinigung, Herzog Ernst Günther zu Schleswig- Holstein, hat auch diesmal seine Beteiligung an der Fahrt in Aussicht gestellt. Ausführliche Programme mit Angaben über die Bezugsweise und ben Preis ber Teilnehmerkarten, bie auch für einzelne Tage ausgegeben werben, sind bei der Geschäftsstelle der ^Bereinigung (Grünewald-Berlin, Jagowstr. 28) zu erhalten.
— Wie Lsbar Walzer komponiert. Franz Lehar, dessen „Graf von Luxemburg" in Gegenwart des engliichen Köntgs- paares bei seiner Erstaufführung in Lvudoll eine begeisterte Aufnahme fand, wird augenblicklich in der britischen Hauptstadt viel gefeiert. König Georg ließ ihn sich vorstellen unb sprach ihm in fließendem Deutsch sein Entzücken über die Musik aus und schloß mit dem Wsbruck der Hosjnung, daß er den „Graf von Luxemburg" sich so oft ansehen werde wie die „Lustige Witwe". Die rasche Karriere des Komponisten vom armen Wiener üapell- Deister zum erfolgreichsten und weltberühmten Beherrfcher der
Operettenbühne wird in lebendigen Farben geschildert. Man rechnet aus, daß der „Graf von Luxemburg" jetzt von 1800 Theatern auf der ganzen Welt von Stockholm bis Buenos Aires gespielt wird, daß in ganz Europa überall Lsharsche Weisen er Hing en. Ter Vertreter eines Londoner Blattes hat aus diesem Anlaß den berühmten Mann befragt, wie er feine Walzer komponiert. Er war erstaunt, in dem großen Operettenkönig einen kleinen, recht bescheiden aussehenden Herrn anzutrefsen, mit einem pausbäckigen Gesicht, einem schon etwas graumelierten Schnurrbart und blaßblauen Augen, die zwinkern und lachen, wie wenn das Leben )elb)t nichts anderes loare als eine luuige Operette. „Ich setz mich nicht hin und versuche dann Walzer zu schreiben", erzählte er. „Dabei würde nichts raus kommen. Die Melodie steigt mir bei wunderlichen Gelegenheiten auf, wenn ich spazieren gehe ober recke oder auch, wenn ia> im Beit liege. Ein richtiger Walzer hat alle die unausgesprochene Liebe eines Mannes für eine Frau in sich. Er ist ein einfaches Liebesgedicht in Musik. Ta bars feine Note zuviel sein. Ich kann feinen Walzer schreiben, wenn mich bie Sache nicht packt. Um mein Bestes zu geben, muß ich mich in meine Heldinnen verlieben; sie müssen mir so lebendig sein, daß ich mit ihnen in Tönen sprechen kann. Ach! wie habe ich meine unsichtbaren Heldinnen alle geliebt, eine immer mehr wie die andere, wie sehr muy ich die Sonja in der „Lustigen Witwe" geliebt haben" . . . Wer unter all den schönen Walzern Löhars fehlt sein bester, den das Publikum nie zu hören bekommen wird, denn er hat ihn voriges Jahr verloren. Tas war eine gar tragikomische Geschichte. Lshar ging im Wald bei Ischl spazieren, als ihm plötzlich eine entzückende Walzermelodie einfiel, in der die Musik der Vögel roiebertlang. Es war sehr heiß an dem Tage, er hatte seinen üragen abgenommen und trug ihn in der Hand. Was war natürlicher, als daß er die Noten seines neuen Walzers rasch auf das weiße Leinen schrieb? Ein Gewitter endet jäh sein Schäften. Ganz naß kommt er nach Hause und legt den sorgsam behüteten iTragen auf den Tisch im Wohnzimmer. Aber dann kommen wichtige Geschäfte, er vergißt Walzer und Kragen, und als er sich am nächsten Aiorgen des kostbaren Wäschestücks erinnert, da hat es bas Zimmermädchen bereits der Waschfrau überantwortet, und Lehars^ beiter Walzer ist dem schonungslosen Ansturm von Wasser und Seife erlegen. „Die Melodien, die mir so plötzlich eimallen, sind säst immer die besten", plauderte Lähar weiter. „Einmal war ich während eines Regens in Hay-Marfet. Ich hatte nrich unter eine Wagenremise geflüchtet und sah zu, wie die Leute eckig hm und her liefen. Der Rhythmus der lausenden Füße brachte mich auf ein Lieb. Ich schrieb es in ber Wagenremise aus einen alten Briesumschlag hin, und es war eine der besten Sachen in der „Lustigen Witroe". L6har arbeitet augenblicklich an zwei neuen Operetten „Eva" unb „Endlich allein". Die erste hat einen belgischen Schauplatz, bie zweite spielt in ber Schweiz.
unseres in der drillen Wahlperiode stehenden Bürgermeisters Lehr.
Kreis Lauterbach.
Crainfeld, 26. Mai. Unsere vor etwa 15 Jahren erbaute Wasserleitung entspricht nicht den gestellten Anforderungen, namentlich im Sommer stellt sich Wassermangel ein, was sich ganz besonders bei Ausbruch von Feuer wie bei den beiden Bränden jüngster Zeit sehr be» merkbar macht. Obwohl viele ergiebige Quellen in ber Gemarkung liegen, fehlt einer etwatgcn Reserveleitung das nötige Gefälle, da unser Torf etwas höher liegt. Die Gemeindeverwaltung muß sich daher nach Quellen in bem nicht allzuweit entfernt liegenben Oberwalbe ums eben. Sehr leicht ließe sich ein Anschluß an das Wasserwerk ber Gemeinde Grebenhain ermöglichen.
Kreis Schotten.
a. Glashütten, 27. Mai. Die Arbeiten an unserem neuerbauten Schulhause schreiten rüstig voran, so daß der Bau im Sommer ober Früh herb st seiner Bestimmung übergeben werden kann. DaS HauS ist prachtvoll gelegen unb enthält zwei Schulsäle unb zwei Lehrerwohnungent. Tie Gemeinbe hat große Opfer bringen müssen, aber sie kann auch auf ihren Neubau stolz sein.
---- Volkartshain, 25. Mai. Hier wurde der Bürgermeister Winecker zum dritten Male einstimmig wiedergewählt.
Kreis Friedberg.
----Bad-Nauheim, 26. Mai. Bis zum 25. Mai und 7 886 Kurgäste angefommen, wooon an genanntem Tage noch 5582 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 25. Mai — 71 569 abgegeben.
fc. Wobnbach, 26. Mai. Hier wurde der Landwirt Gustao Wolf einstimmig (mit 83 Stimmen) zum Beigeordneten gewählt.
fc. Vilbel, 27. Mai. Am 1. Juni d. IS. tritt zwischen Vilbel unb Frankfurt a. M. eine Automobilverbindung für den Personenverkehr in Kraft. Die Fahrzeit dauert 15 Minuten, der Fahrpreis ist für Abonnenten auf 12 Mark monatlich festgesetzt. Je 20 Per- sonen finden in dem Wagen Platz.
Starkenburg und Rheinhessen«
fc. Darmstadt, 26. Mai. Heute vollendete in voller Rüstigkeit der Oberst ä la suite des Hessisch en Kontingents, Hofmarschall a. D. Karl v. Küchler, feinen 80. Geburtstag. v. Küchler wurde am 26. Mai 1831 zu Butzbach als Sohn des damaligen Majors Küchler geboren. Er trat 1847 in das Garde-Regiment „Chevaulegers" ein, in dem schon sein Großvater und fein Vater gestanden haben, und in dem er den badischen Feldzug 1849 mit- machte. 1865 wurde er Flügeladjutant deS Großherzogs Ludwig III. von Hessen und später Hofmarschall. An den Feldzügen 1866 und 1870/71 nahm er teil. Nach dem 1877 erfolgten Tode des Großherzogs Ludwig III. schied v. K. aus dem Hofdienste aus, da Großherzog Ludwig IV. es v. Küchler nicht vergessen konnte, daß dieser in der Stellung als Hofmarschall bie Ehe Großherzogs Ludwig III. mit Frau v. Hochstaedten, geb. Magdalene Appel, nicht verhindert hatte. 1880 trat v. Küchler in den Dienst des Landgrasen Friedrich von Heften in PhilippZruhe unb wurde zu beifen Hofmarschall ernannt, welche Stellung er bis zum Herbst 1885 inne hatte. .Seitbem lebt er im Ruhestand in Darmstadt.
m. Offenbach, 26. Mai. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten war nur von kurzer Dauer, da alle vorliegenden Punkte glatte Erledigung fanden. Anstelle des bisherigen Belg. Walter, dessen Amtsperiode am 30. Juni b. I. abläuft, würbe Bauinspektor Ernst Weil von hier mit 38 von 40 abgegebenen Stimmen auf die Dauer von 6 Jahren gewählt; ein Stimmzettel war ungültig, der andere unbeschrieben. Das Anfangsgehalt beträgt 8U0J Mk. Tie Stadtverordneten beschlossen, daß die .Vertretung des Bürgermeisters dem juristischen Beigeordneten Rech und nicht dem dienstältesten Beig. Porth übertragen wird, da dieser weder Jurist noch Verwaltungsbeamler vor seiner Wahl zum Beigeordneten war. — Zum Polizeiinspektor wurde Kommissar v. Sillich aus Harburg gewählt. Die Anstellung erfolgt zunächst auf ein Probejahr. — Die Gemeinden Mühlheim, Rumpenheim und der Stadtteil Bürgel haben unter dem Hochwasser arg zu leiden. Um den lieber- schwemmungen wirk'iamer entgegentreten zu können, wurde- die Beseitigung des sog. Hochwasserschlauches beschlossen und zwar soll das gesamte Ueberschwemmungs- gebiet, das 666 Hektar umfaßt, eingedeicht werden. Zu diesem Zwecke soll ein Deichverband der in Frage kommenden Gemeinden gegründet werden. Die Kosten dieses Dammes betragen runv 812 000 Mk. Vom Staate rechnet man hierzu mit einem Zusckuß in Höhe von 461 OOJ Mk., während die übrigen 351000 Mk. von den Gemeinden aufgebracht werden müssen. Es entfallen auf Mühlheim 110 bOO Mk., Rumpenheim 72000 Mk. und Oftenbach-Burgel 1680JO Mk. Die Versammlung stimmte dem Projekte grundsätzlich zu. -- Dem Theaterdirektor Otto Fricke, der heute abend das Sommertheater im Schützenhof eröffnet, wurde für die Spielzeit bis zum 30. September eine Subvention von 900 Mk. gewährt, unter der Maßgabe, daß er wöchentlich 2 Vorstellungen gibt.
a i n z, 26. Mai. In den"letzten Tagen sind eine größere Anzahl falscher Zweimarkstücke angehalten worden, die aus einer größeren „Werkstatt" zu ftammen scheinen, denn es handelt sich um Produkte aus zwei verschiedenen Formen, die eine mit dem Bildnis Kaiser Wilhelms II. unb bem Münzzeichen A, die andere mit dem Bild König Ottos von Bayern und dem Münz- zeichen B. Beide tragen die Jahreszahl 1899. Die Falji- filate sind nur schlecht von guten Münzen zu unterscheiden, Denn Klang und Farbe sind täuschend, obwohl die Blecke- rung nicht zu verkennen ist. Sie füülen sich etwas fettig an und sind schwärzlich an den Rändern angelaufen. In einem Geschäft der Flachsmarktstraße sind am Sonntag zwei solcher Falschstücke eingenommen worden, aber auai Landleute haben auf dem Markt falsche Zweimarkstücke erhalten.
Hessen-Nassau.
X. Hanau, 26. Ü)lai. Wegen Wechselsälschungen ist in Salinünster der Mitinhaber der kürzlich in Konkurs geratenen Finna I. Heid & Sohn, Dampfziegeleibesitzer,Johannes Heid in Haft genommen worden. Er hat nach seinem Geständnis bie Akzepte einer Anzahl Personen in Steinau, Soden, Salmünster unb Aufenau gefälscht.
n. Diez, 26. Mai. Heute wirb hier der Achluhr- Ladenschluß für alle offenen Verkaufsstellen eingeführt.


