montag, 21. zevruar 19p
W Jahrgang
Erstes Blatt
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GietzenerAn«iger
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
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nungen ber tonangebenden rcpublikanischoit Blätter über bi/n, in einer Krise ein Portefeuille 511 ergattern, unb die Sage. ' bfercn Machenschaften nur einen Horizont Haben, ber nicht
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her Trennnng und dem Minister der Zuerteilung her Kirchengüter zu verweigern Man kann sich unter solchen Verhältnissen fragen, ob die aus den Wahlen von 1910 hervoraegangene Sammer nicht unrettbar von Beginn ihm liitigfat" an durch die ekelhaften Intrigen von Gruppen und Untergruppen der Ohnmacht eisgegeben ist, von Gruppen, deren.Führer nur einen einzigen Ehrgeiz tennen, nämlich
Tod feiner Tockner Tom, die zu dieser Zeil starb, hatte Svrel-- Hagen aujS tiefste erschüttert: damals zog er sich auch eine Erkaltung zu, die iräter durch eine Lunqsnenlzündung lomvliziert wurde Tie Beisetzung findet voraussichtlich am Dienstag statt, ihr soll eine Trauerieier im Hause Zpielhagens voronqeheii Wahrscheittlich werden sich auch die siäbliscknui Kollegien von Berlin und Ebarlottenburg au den Trauerieierlichleiten beteiligen, ebenso Vertreter von Magdeburg, her Geburtsstadt Spielhagens, di- ihn gelegentlich seittes SO. Geburtstages dttrch eine Gedenktafel an seinem Paterhause geehrt hat.
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von Mdrich Spielhagenr Leben und werk.
Mit Friedrich Spielbagen, der am Samstag früh in Ebar- lottenburg int Alter von 82 Jahren gestorben ist, hat etn Dichter vollendet, der jahrzehntelang nicht nur der gelesenste, sonderni aurf) der gefeiertste Schriftsteller Deutschlands war. Ursprungs lich zum Mediziner bestimmt, liest er sich in Bonn als Jurist einschreiben, ging bald zur Philologie über imb wurde nach einem mistlungeneu Versuch als Schausvieler Lehrer in Leipzig, feit 1860—62 Feuilletonredaktcur der Zeitung Mr Norddeutsch- land, 1878—81 von Westerrnanns Monatsheften Von feinen Werken ist kürzlich eine schone Auswahl seiner besten Werke tm Verlag von L. Staacktnamt in Leipzig erschienen
Der Drang nach Freiheit war es, ,,itach der Freiheit, und) auszuleben, iebe Kraft, die ich in mir fühlte, Jviehm und wirken zu lassen bis an ihre Grenze," der früh das Streben in ihm er weckte, sein Lebensichich'al in die Hand zu bekommen und be wustt über seinem eigenen Sein wie über dem Treiben der Welt zu stehen. So ist beim sein eigentliches Erstlingswerk, der Roman „Problematische Naturen", eine großartige Selbstbefreiung, eine ..achtbändige Beichte", in der die langaufgesveichert Last von Erfahrungen und Erinnerungen eine erste Dor läufige Objektivierung gewann Aus der Gegenwart, aus dem lyetRcn Kampf des Tages ist seine Kunst, geboren. Nur Ereignisse, die er selbst erlebt oder mit denen er sich wenigstens durch persönlichste Bande nahe verknüpft fühlte, hat er dargestellt. Dasjenige feiner Werke, das zeitlich am weitesten zurückliegt, der JRoman „Noblesse oblige" spielt in den Befreiungskriegen: er ist gleichsam her Anstatt für das in farbenreichen Szenen gemalte Bild einer Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts, wie es sich in der langen Reihe seiner andern Werke entfaltet.
Freilich ist cs nicht nur des Menschenlebens vielgestaltiger Reichtum, der Svielhagen^zum Fabulieren unb Dichten antreibt: e, will nicht nur ein Stück von. Natur in feiner Phantasie wiederspiegeln, sondern er will eine bestimmte Weltanschauung »um Ausdruck bringen Es ist die Ideenwelt des Liberalismus, die in Spiellmgens Romanen ihren stärksten dichterischen Aus druck gesunden bat. Der heilige Glaube an die Entwicklung und den Fortschritt der Menschheit, an Befreiung und Freiheit von allen Hemmnissen einer politischen und moralischen Rückständigkeit, die Hoffnung auf ein drittes Reich der Liebe, da Menschen nach Gottes Ebenbild in ewiger Eintracht und Freude leben werden, das find die Grundgedanken, die immer wieder aus den Reden und Predigten seiner Helden berpprtrefrn.
Bezug»vrel». monatlich 75'1^.,merttf- lährlich ML. 220; durch Abbole- il Zweigstellen monatlich to Pf.: durch diePost Mk.L. — viertel- sährl. ausfaK Bestellq. .-)CiIeuprci5: lokal löPs-, aieSroärtö 20 Pfennia. d ijcircöarteur: A Goetz. Verankworttich für den volitischcn Teil: August Goetz; für .Feinste- lon", .Vermischtes' und
Paris, 25. Febr. Neber den gestrigen K o b in e lt5- rat wird noch gemeldet: die Beamten des politischen Bu reaus des Ministeriums des Innern waren nach einer ge nauen Prüfung der Abstimmungsliste her geftrigen Mainnvr^ sipung zu dem Ergebnis gekommen, dah-dieWeiterung in der Vertrauensfrage eine rein republikanische Mehrheit von ?fi Stimmen erhalten habe hierüber entspann sich unter bett Ministern eine lange Erörterung. Mehrere Mitglieder des Kabinetts, darunter der Minister des Aeußern Pichon, und der Jufttzminister Girard erklärten, es scheine ihnen schwer, bar. die Minister unter den gegebenen Umständen noch am Ruder bleiben könnten, andere dagegen hoben hervor, daß das Kabinett die Mehrheit der Stimmen der Republilancr auf sich vereinigt habe. Diese, sowie das taub würden es schwer begreifen, bah Briaub, der Urheber des Trennungsgesetzes, sich stach Interpellation über die uongrcgationsgefetze zurück,ziehen tönnte. »9iad) einer amt« lichen Zusammenstellung besteht die Regierungsmehrheit von 2's stimmen aus 57 Mitgliedern dec demotratischen Linken, links Radikalen, 10 sozialistisch Radikalen, 12 sozialistisch Republikanern, 65 Proaressisten, elf Unabhängigen und elf Mitgliedern der katholischen Action Liberale, sowie den neun Stimmen der Minister und Unterstaatssekretäre. Die 212 Stimmen der Opposition setzen sich aus 40 links Radi laten, zwei Mitgliedern der demokratisckien Linken, 91 sozia listisch Radikalen, 19 sozialistisch Republikanern, 72 geeinigte -Sozialisten, ein Progressisl, 17 Mitgliedern der Rechten und der Action Liberale zusammen. Bei der dem Minister- rat vorgelegten Zusammenstellung waren lediglich die der demokratischen unb der radikalen Linken, den sozialistisch Radilalen und den sozialistisch Republikanern angehörige Stimmen als rein republikanisch gezählt worden.
Ministerpräsident Br taub empfing zahlreiche Parlamentarier, die ihm ihr Bedauern über den gefaxten Ent schluß ausdrückten. In voller Würdigung der Anschauungen, Die für das Verhalten Briands maßgebend gewesen seien, erkannten sie an, das; die parlamentarische Lage n it h a l t b a r geworden sei. Man habe im Palais Bourbon
Die sranMsche Ministertrisir. _
Von unserm Pariser Mitarbeiter wird uns geschrieben :
Die Stellung des Kabinetts Briand war seit geraumer Zeit trotz der überwältigenden Mehrheiten, die es bei allen Abstimmungen auf sich zu vereinigen wußte, nicht sehr be ha glich. Dem oft charakterisierten Treiben der Nörgler war es gelungen, einen Teil der sozialistisch-radikalen Gruppe schwankend zu machen, besonders durch den unans- hörlich wiederholten Hinweis auf die Beschlüsse des Partei tages von Rouen, der eine antiklerikale Kampfpolitik verlangt hätte. Die Briandsche Beschwichtigung wurde als Schwäche, wenn nicht gar als Entgegenkommen den Reak tionären gegenüber glaubhaft gemacht. Dazu kamen tu letzter Zeit noch Verstimmungen über die heftigen Zeitungs- beschwerden hinsichtlich der Verschleppung der Parlamentär rischen Arbeiten, dte man, wenn auch nur mit erzwungener Logik auch auf Rechnung der Regierung zu stellen suchte. Von diesen Gesichtspunkten aus muß man dem Verlauf der Kammersitzung vom Freitag beurteilen, in der die Interpellationen der Sozialistisch-Radikalen Paul Mem nier und Malvh über bie Durchführung der Gesetze gegen die M'ongrcgationeu zur Erörterung gelaugten. Die uorgebrad)- ten Argumente liefen darauf hinaus, daß nur wegen der Schwäche der Re-gierung bie Gerichte die gesetzlichen Vor schrifen nichtt durchführtcn, sondern in skandalöser Werfe die Wieberbilduna der aufgelösten Kongregationen gestat t et eit, inbem sie ailc daraus bezüglichen Klagen sollen ließen. Die Erwiderung des Ministerpräsidenten, daß er ja aus die Gerichte keinen Druck' ausüben lönne, und daß von einer
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über die Grenze ihres Arrondissements hinausgeht. Wenn das Parlament nicht das parlamentarifdK Regime vor dem Lande diskreditieren will, so wird es gut daran tun, nicht oft solche elenden Komödien zu wiederholen, wie die vom Freitag." Iubclnb betitelt die ,^umanile ihren Bericht von der Freitagssitzung der Kammer : „Das Ende eines Abenteuers" und setzt als Untertitel hinzu. „Das Ministerium Briand ist unrettbar verloren." Unb i'm Leitartikel macht sich Iaurös über die Armee der Furchtsamen und Weichlinge lustig, die. die Gefolgschaft Briands bildeten und bic >eyt sich tu alke Winde zu zerstreuen begönnen. Tie meisten anderen Zeitungen geben ihren Artikeln ebenfalls bic Ueberschrist „Krise", aber mit einem Fragezeichen. Abg. Gerankt Richarb meint int „Paris-Journal", baß Herr Brianb sein persönliches Interesse wohl barin finben würde, sich zurückzuzicheu, baß aber, wenn er bas täte, seine Nachfolger nur kurze Zeit am 'Huber bleiben könnten unb baß bi,1 britte Republik wieder zu. Der Periode von 1876 unb ISS1) zu rückkehren würde, m Der bic Ministerien eine Durck'schnittsdauer von sechs Monaten hatten. Tic Geschichte ivicberhoie sich eben immer Taß schließlich bie realtionärcn Blätter einerseits auf eine Tivfrebitierung bes parlamentarischen Regimes unb sonnt ber Republik triumpbierenb schließen, anberersciks aber vor einem Kabinettswechsel Furcht bekunden, da sie für sich eine Berschiimmerung der Sage besorgen müßten, braucht kaum erwähnt zu werden.
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12. Dan M chtn. Gertt- T»Mr, Mm idjter, Lathm» im Tichmaa, sabüha Ws-
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Die starke stoffliche Anteilnahme, bic hinter der scheinbaren Objektivität Spielhagens durchzittert und fernem Stil leicht etwas Grelles, Demagogisches gibt, liegt nun in einem beständigen Mampr mit der künstlerischen Unparteilichkeit, der fouDcränen Ruhe unb Besonnenheit, auf bic des Dichters ganzes Streben geriditfi war. Während ein großer Teil seiner Werke piellncht m nicht su langer Zeit nur noch Dem »ulturhlstorcker wertPolles Material bieten wird, während fdum heute den Leser in manchen feiner Erzählungen dos rhetorifche Element stört, werden diejenigen Werke, in denen ihm eine Vermählung von Form unb Inhalt zum harmonifdien Kunstwerk gelang, Spielhagens Bebeutung in der deutschen Literatur- und Geistesgeschichte lebendig erhalten.
Die „Problematischen Naturen", „Hammer unb Amboß", Was will das werden?" imb mit Sturmflut die am mciftrn gelesenen Bücher ihrer Zeit gewesen. Den Höhepunkt ^erreicht spielhagens Technik m seinen beiden stärksten Romanen „Stnrm- slut" unb „PlattLand" Was bic „Problematischen Naturen" an- Ürebten, ist hier erreicht: es ist „ent Triumph der Technik", wie Wilhelm Scherer in einer sein zerglieberten Besprechung sagte.
Diese Werke, die Muster für eine ganze Richtung ber deut fchen^Romanlitcrattii aufftelltcu, werden den Namen Spielhagens nickt nur in ber Literaturgeschichte, sonbern auch in der deutschen Leserwelt lange lebendig erhalten. Bedeutende ^grobferne und Jijpcn ber Menschhint haben hier eine glänzende künltleri'cke Prägung erhalten unb sie empfangen noch einen bedeutenderen Reiz burck die markante in sich begründete unb abgescklosien Persönlichkeit, die hinter ihnen steht Leben und MUnif, in Spieltagen-' Wesensart so häutig nrtanöcr entgegengesetzt, ’tnb hier durch einen machtvollen. Willen ,u jener Einheit verbunden, aus der allein dos Schöne entsteht. *
lieber Spielhagens letzte Stunden meldet der „Tag": Seck gestern morgen war es den Angehörigen Spielhagens zur trau riqen Gewißbcil geworden, daß die Stunden des greisen Dichters gezählt waren. Alle Erleichterungen wurden ihm zwar zuteil, aber mmeist lag er apathisch do. Seine lüngste im Hause lebende Dochter Fannh und seine zweite Tochter Frau Direktoi Barne- Witz weilten am Sterbelager, ebenso cute Enkeltochter (Mtern abend nahmen, die Kräfte Spielhagens in beängstigender Lrcue ab- aber die Auflösung zog stck dock nock bis zmn Morgen hin, und erst gegen ü', Uhr hauchte Spielhagen ferne ^?fl£ aus. &c hat seine Umgebung wohl kaum noch erfimnt, unb friedlich ist er, ohne sichtbaren Todeskampf, himibergeschlummcrt. Seck Oktober v. I. hatte Spielhagen nicht mehr fern Haus verlasseu. Der
Zritz von Uhde t*
Am jclbcn Tage wie Spicihagcn ist in München Fritz voii Uhde einer unserer besten Maler, im Alter von 62 Jahren, gestorben.
Der Künstler hat in ben letzten Monaten stark an Ar terienverkalknug unb Herzbentelwasscrfucht gelitten und in ber letzten Zeit wicbcrlwlt Ohnmachtsanfälle gehabt, ist' aber bis in die letzten Tage geistig frisch geblieben.
Uhde hinterläßt brei Töchter, bie den kranken Vater feit Jahren in bei" liebevollsten unb aufopferndsten Weise pflegten. Seine Gattiii ist schon vor zwanzig Jahren ge storben. Die Leiche wird zur Feuerbestattung nach Ulm übergeführt.
Uhde war ursprünglich säckstischcr Offizier, da ihm der Besuch der Dresdener Akadeniie das K-unststudinm verleidet hatte, unb roanbte sich erst roieber nach dem Krieg von 1.87l' der Malerei zu. Ohne eigentlichen Untcrrüh-t wurde er einer unserer größten Maler In seinen Bildern aus den 80er Jahren Derroanbte er mit Vorliebe die Reize bes freien Lichtes, beiten fpätcrlstn anbcrc Beleuchtungsprobleme wichen, wie wir sie aus seiner Prebigt am See, Grablegung und anberen kennen. In ber letzten Zeit beschastigte er sich namentlich mit bem xtubium bes unmittelbaren Sonnenlichtes, das in lauschige Winkel fällt unb im Gießener Äunstverein im vorigen Jahre durch das Cl)ristusbild prächtig illustriert war
Den größten Anteil an seinem Ruhm haben zweiselln seine christlichen Bilder, von denen Komm, Herr Jesus, sei unser Gast', und Lasset bie Kind lein zu mir kommen! seinen Namen in alle Weltteile getragen haben.
Der „Rappel" als Organ der Nörgler ruft triumphierend aus: „Der gestrige Tag war ein großer Parlamente rischer Tag. Es genügt, um seine Bedeutung zusammen- zniaslen, der Hinweis darauf, daß am Vormittag die Kammer Herrn Delcafie einen Triumph bereitete und daß am Abeno bic Volksvertreter auf ben Ruf Herrn Malvhs die Politik ber Entspannung und ber Beschwichtigung ver urteilte " — Also scheint Delcasse ber Mann zu sein, aus ben diese Herren als Nachfolger Briands rechnen. AVer bic bisher Briand unentwegt treuen radikalen unb unabhängigen sozialistischen Zeitungen wollen noch nichts von einer Nolwenbigfcit Tür bas Kabinett erkennen, zurückzutreten So erklärt bic „Petite Repubtiqnc" hestig: Die Gesamtheit der vier Gruppen der Linken hat HerrnBriandin ihrer Mehrheit hr Vertrauen bewahrt Die sozialiilisch-rabikale Gruppe hat das größte Kontingent den Opponenten geliefert Das beweist, daß Herr Thalamas unb Herr Pcllctan von ber Republik und her Verweltlichung eine besonbere Auffassung haben, über bic man sich bemnäck'st ausführlich auseinanber setzen muß. Man wirb sich dann auch über bie Auffassungen bfeier Herren hinsichtlich ber parlamentarischen Arbeit klar werben müssen, bie sie absichtlich zum Nichts hinl itcii, nur um so leichter bic Regierung antlagen zu können. Unter folchen llmitänbcii wirb die Ausgabe eines Kabinetts sozii sagen unmöglich. Anstatt sich ber Vertcibigung ber großen Interessen ber Nation unb ber Demokratie widmen zu füitnen, muß es stündlich sich mit ben elcnbftcn Intrigen herum schlag en. Dauert dieses Regime noch eme Zeit frrf, jo werden wir sehen, wie tief bi? Mvublik sinken wird, die die Barbaren unbewußt in die Netze der Reaktion werfen."
Das offi-ielle Organ der radikalen und sozialiftisck- radikalen Partei der ,Madieal", läßt sich noch .zremlich zurückholcke'nd vernciimen: UeberaTl sieht man. die tathn - lische und reaktionäre Partei wieder den Kops heben. Die Gefahr ist so ersichtlich, daß ihr unverzüglich vorgebeugt werden muß. Etwas mehr Festigkeit seitens ber öffentlichen Gewalten fjäfte uns ^-iesc Lage schon erspart, bereit (Gefahr in der Freitagslitznng der ganzen republikanischen Partei cinleuchtetc. Es ist noch Zeit, Abhilfe zu schaffen: bie Mittel bazu fehlen nicht Die Gesetze, bas weiß man ja, werben mir insoweit schwach, als bic mit ihrer Durch- sührung betraute Hanb nachgibt Der Ministerpräsibeiit hat versprochen, in Zukunft seine ganze Wachsamkeit ber Berweltlichungspolitit zu. wibmev, bie unsere Partei verlangt. Sein? Worte haben hi ■ (fineu erwarten Taten, unb wir tzshoren zu^iesen. Arn leiben sch ältlichsten gibt naütrlich die „Action" ihrem Grolle über den Erfolg brr Nörgler 2lusbrnck „s))kin hat bic anti klerikalen Führer ber Koter.ion, bic ihre eigenen Töchter in kougreganiftifchen Klöstern erziehen lassen, Herrn Briand einen Vorwurf daraus machen hören, nicht bütnen üicr> undzwanzig Sttmben die Kinder ber Franzosen, die ihnen nackahmten, indem sie chre Sprößlinge einer religiösen Anstalt anvertrautcn, aus die. Straße werfen zu lassen Unb die radikale Partei hat sich wenigstens in ber Hälfte ihrer Mitglieder' bie Lächerlichkeit nicht ersvart, ihr Vertrauen in her Verweltlichungshinsicht bem Berichterstatter
•23ieberbtfbung der Kongregationen nicht bie Rebe fei, konnte bic Mißgünstigen nicht beschwichtigen. Das hinderte natürlich Briand nicht, schars unb deutlich die Vertrauens frage zu stellen, die Tagesordnung Malvh, die nichts dergleichen enthielt, abzulehnen und sich für die Motion Drölor, die die gewünschte Bertrauenskundgebung in sich schloß, zu erklären. Die Abstimmung hatte bas unerwartete -Ergebnis, daß bic Regierung nur für die Vertraue n s frage eine Mehrheitvon l 6 -Stimmen erhielt,_näin lich 25.8 gegen 212. Mmmt man bic republikanischen Stirn men allein’ so steigt nach ber offiziellen Auszählung brr Ab ftimmungcH für bic Gefamttagesorbmmg bie Mehrheit für
Mab'üu-'lt auf 26 Stimmern Es sprachen sich nämlich hl Mitglieder der demokratisckien Linken, >7 her radikalen «inEen unb 41 Sozialistisch-Rydikalc und 15 unabhängige Sozialisten zu seinen Gunsten aus gegen ein Mitglied ber hemofratiicfrcn Linken, 41 ber rabikalen Linken, 90 Sozia listisch-Rabikale unb 19 unabhängige Sozialisten. Nimmt man nun freilich die Stimmen ber llnijizicrten in Höhe non 72 hinzu, so ändert sich das Verhältnis zum Nachteil der Regierung, da diese sämtlich gegen sie stimmten. Daher ist die S k e l l u n g des Kabinetts Briand stark erschüttert und der Miiiisterpräsident gab selbst der Ansicht Aus' hruck, daß fein Bleiben unter ben besbehendcii Verhältnissen sich sehr schwierig gestalten müßte. Die Entscheidung wird in dem Augenblicke, d»r diese Zeilen erscheinen, bereits ge troffen sein, so daß Erörterungen noch nicht am Platze wären. Nach der Abstimmung erscheint jedenfalls bic spül tische Frage des '?lbg. Thalamas sehr berechtigt: ,L6o ist denn nun eigentlich die republikanische Mehrheit^ — Vorläufig beschränken wir uns mithin auf die Wiedergabe der Mei
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