Herren auf der Kaiserjacht Wohnung nahmen. Der Kaiser empfing den Reichskanzler und v. Kiderlen-Wächter bald darauf. Um 5 Uhr unternahm der Kaiser mit den Herren der Umgebung eine Ausfahrt in Automobilen, bei sehr schönem' Wetter. Im ersten Wagen saßen der Kaiser und der Reichskanzler Tas Publikum begrüßte den Kaiser mit andauernden Hochrufen.
Swinemünde, 30. Juli. Der Reichskanzler ist heute nachmittag 3 Uhr 58 Min. nach Hohenfinow abgereist; ebenso der Staatssekretär v Kiderlen-Wächter, welcher nach Berlin zurückkehrt.
Eine Kundgebung der englisch-deutschen Freundschaftsgesellschaft.
London, 29. Juli. Auf einer Versammlung der englisch-deutschen Freundschafts-Gesellschaft, die gestern nachmittag unter dem Vorsitz von Sir Frank Lascelles abgehalten wurde, gelangte folgende Erklärung zur Annahme:
Die englisch-deutsche Frcundschaftsgesellschaft betrachtet mit Besorgnis die Meinungsverschiedenheiten, die bezüglich Marokkos entstanden sind, und wünscht der aufrichtigen Hoffnung Ausdruck zu geben, daß die öffentliche Meinung in England wie in Deutich- land während des Verlaufes der Unterhandlungen die Haltung ruhiger Abwägung der auf beiden Seiten vertretenen Ansichten bewahren und alles in ihrer Macht stehende tun werde, um die herzlichen, freundschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland zu erhalten.
Deutsche Kolonien*
Erfolgreicher Patrouilleuritt in Südwest.
Im Sandf eld Südafrikas sind, wie ocr aus Windhuk ein- getrofsene „Südwestbote" zu melden weiß, der berüchtigte Hererokapitäu Kanjemme fe st genommen und mehrere Hererowerften aufgehoben worden. Auf Anzeige zweier ins Sandfeld gezogener Südtvester, daß sich dort zahlreiche Hererowerften befänden, hatte das Gouvernement eine Patrouille in das Sandfeld gesandt, die den gefährlichen Kapitän Kajemme nebst 70Hereros jetzt gefesselt in Windhuk eingebracht hat. lieber den kühnen Patrouillenritt werden folgende Einzelheiten berichtet:
Die Festnahme Kanjemmes erfolgte nicht ohn e Blutvergießen. Die Patrouille war bis zu der Werft vorgedrungen, wo Kanjemme bisher gesessen hatte. Man traf indes nicht ihn, sondern seinen Bruder dort an, den man zwang, den Aufenthaltsort Kanjammes zu verraten. Dorthin, nach Ombu Omonde, etwa 150 Kilometer südöstlich von Waterberg, beaab sich die Patrouille in vielstündigem, fast ununterbrochenem Ritt. Als die Werft in Sicht kam, ritten Hauptmann Holländer, Oberleutnant Frhr. von Hirschberg, Wachtmeister Scharps und ein Wachtmeister aus Grootfontein in gestrecktem Galopp darauf los, während die Polizeisergeanten seitlich ausschwärmten. Beim Herannahen der Offiziere an die Werft schoß Kanjemme aus seinem Pontok mit einem 88er Gewehr aufHauptmann Hollander, glücklicherweise ohne ihn zu treffen. Ehe der Herero das Schloß des ziemlich verrosteten Gewehres für den zweiten Schuß öffnen konnte, hatte ihn Wachtmeister Scharps an der Kehle gepackt, konnte aber Kanjemme — der sich auch unter dem Griff des Wachtmeisters wetter abmühte, das Schloß zu öffnen, und dem Wachtmeister naiv genug zurief: Kurama, Kurama (Wart' noch!) — nicht überwältigen. Erst ein Schlag des Hauptmanns auf den Arm Kanjemmes machte diesen wehrlos. Die Polizeisergeanten hatten inzwischen das Feuer aus eine Anzahl sich zur Wehr setzender oder fliehender Hereros eröffnet, vier Hereros fielen, die anderen ergaben sich. Beim Weiterretten traf die Patrouille noch eine eben verlassene Hererowerft an; der Bewohner tonnte sie nicht habhaft werden. Uebrigens konnte die Patrouille and.) das Vorhandensein einer Anzahl Wasserstellen im Sandfelde feststellen. Der gefangene Hererokapitän Kanjemme, der seiner .Aburteilung in Windhuk entgegensieht, hatte int Jahre 1904 drei Polizeisergeanten in Otjituo ermordet.
(Eine preuhifch-füdveutfche Klaffenlotterie.
Die bayerische Staatsregierung schloß nach vorausgegangenen Besprechungen mit Württemberg und Baden vorbehaltlich der landesherrlichen 'Genehmigungen mit der preußischen Staatsregierung einen Staatsvertrag betreffend die gemeinsame Durchführung einer Klassenlotterie ab. Darnach soll die preußische Klassenlotterie künftig unter der Bezeichnung preußisch-süddeutsche Klassenlotterie fortge- führt werden. In die Generallotteriedirektion sollen die drei süddeutschen Staaten ein gemeinschaftliches Mitglied stellen, das von der bayerischen Regierung vorgeschlagen wird. Der Gewinnanteil des bayerischen Staates soll für die ersten fünf Jahre der zunächst auf fünfzehn Jahre berechneten Vertragsdauer 2 215000 Mark und vom sechsten Jahre an 42 Mark für jedes im vorausgegangencn Jahre im Durchschnitt der beiden Ziehungen avgesetzte Los betragen. Auf Grund dieses Vertrages kann Bayern ohne eigenes Risiko auf erhebliche Einnahmen rechnen, ohne daß bei der Art des Betriebes eine durch künstliche Erweckung der Spiellust veranlaßte unwirtschaftliche Steigerung des Spiels zu befürchten ist.
Dcutscties Gleich*
In Dresden wurde in der abgelaufenen Woche die endgültige Gründung des Arbcitgeber-Schutzverbandes für das deutsche Fleischer-Gewerbe beschlossen.
Die Korrespondenz Hoffmann meldet: Tie in den letzten Tagen umlaufenden alarmierenden Nachrichten über das Befinden des Prinzregentcn von Bayern geben den unterzeichneten Leibärzten Anlaß zu folgender Erklärung: Zu einer besonderen Sorge besteht keine Veranlassung. Der Prinzregent leidet bei seinem hohen Alter unter der Einwirkung der anhaltenden abnormen Hitze, hat aber bisher seine Lebensgewohnheiten beibehalten, nimmt die gewohnten Vorträge entgegen, erledigt die Regierungsgeschäfte und unternimmt auch täglich Spazierfahrten. Der Appetit ist sehr gut, nur ist die Nachtruhe vielfach gestört. Es ist zu hoffen, daß mit dem Rückgang der hohen Temperatur auch die Ermüdungserscheinungen zurückgehen werden, gez. Dr. v. Anger er. Königlicher Geheimer Rat, Tr. Kastner, Königlicher Medizinalrat.
Ausland.
Aus Ofenpest wird gemeldet: Ter c h c m a l i g e P rä s i- de.Nt des Abgeordnetenhauses, Tesider Perczel, schlckte dem Abgeordneten Julius I u st h seine Zeugen zu. Perczel suhlte fich dadurch beleidigt, daß Justh im Abgeord- netenpau3 wm iuricf: „Mit Empfängern von Guadengelstiltern debattiere ich mdjt.' Justh verweigerte das Duell Tie Bemerkung über das Gnadengehalt" betrifft, so sügl der Bericht- erstalter der „Franks. Ztg." hinzu, den Umstand, daß Perczel nn Gnadenwege eine höhere Pension bezieht als ihm sonst zu- Itande, weshalb jein Mandat von der Koalition, die Perczel wegen der gewaltiamen Abänderung der Hausordnung unter Tisza mü unocriotMschem Haß verfolgt, seinerzeit annulliert wurde.
Mer turkyche Mari^mimster unterzeichnete in London die
mit der Firma Armstrong abgeschlossenen Verträge über den Bau zweier Dreadnoughts, von denen einer sosort gebaut werden soll. Gerüchten zufolge unterhandelt der Minyter mit englischen Werften auch über die Bestellung von 17 verschiedenen Einheiten.
Von einem plötzlichen Tode ereilt wurde in Paris der dortige türkische Botschafter Naum-Pascha, nachdem er kurz vorher einen Schlaganfall erlitten hatte. Er war seit 1908 auf dem Pariser Posten und zählte gerade 60 Jahre.
Tie konstituierende Versammlung in Portugal nahm eine Anzahl Paragraphen des Versassungsentwurfs an, u. a. denjenigen, der die T o d e s st r a f e a b s ch a f f t. Dieser wurde dahin erweitert, daß die körperlichen Strafen ebenfalls für immer abgeschafft werden.
Aus S al o n i k wird gemeldet: Tie Nachforschungen nach dem Versteck der Räuber des Ingenieurs Richter konzentrieren sich zurzeit in der Gegend des griechischen Klosters Dionysios, das einige Wegstunden von Skala-Katerinia entfernt liegt. Von allen Seiten sind Truppen zur Umzingelung herangezogen. H a m i d B e y begab sich nach dem genannten Kloster, um persönlich die Verfolgung zu leiten.
Das kanadische P a r l a m e n t ist aufgelöst worden. Tie Neuwahlen finden am 21. September statt. Nachdem der Rezi- prozitätsvertrag von dem Bundesparlament der Vereinigten Staaten von Amerika angenommen war, lenkte sich das Interesse auf Kanada, wo das Parlament dem Verttag entschieden feindlich gegenüberstand und man erwartete dessen Auflösung.
Ans StaOt und CanO*
Gießen, 31. Juli 1911.
L ü. Land e§ Universität. Bei den am Dienstag beginnenden Festlichkeiten zur Hundertjahrfeier der Universität Breslau wird die Landes-Universität durch ihren derzeitigen Rektor Geheimen Justizrat Dr. Biermann vertreten fein.
" * Der Großherzog empfing am 29. Juli u. a. den Baurat Berth von Alsfeld, den LandgerichtsratOr. jur. Friedrich, außerordentlichen Professor an der Universität Gießen, die Professoren Dr. VerSlnys, Dr. Thomas und Dr. Glaue von der Universität Gießen.
* * Lehrerpersonalien. Uebertrag en wurde dem Schulamtsaspiranten Ernst Ploch aus Romrod die vierte Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Grünberg.
• * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind an der Volksschule zu Offenbach 4 Lehrerstellen, von denen 2 mit evangelischen Lehrern zu besetzen sind und je eine nut einem katholischen und israelitischen Lehrer zu besetzen ist, sowie 6 Lehrerinstellen, von denen 4 mit evangelischen Lehrerinnen zu besetzen sind und je eine mit einer katholischen und altkatholischen Lehrerin zu besetzen ist.
• • Bestellung des Denkmalrats. Mit Ermächtigung de§ Großherzogs wurde der Oberlehrer Dr. Fritz Herrmann bis auf weiteres zum Mitglied des Denkmalrats bestellt.
* * Großh. Hess. Regierungsblatt Nr. 19, ausgegeben den 29. Juli d. Js., hat folgenden Inhalt: 1. Bekanntmachung des Textes der Gebührenordnung für die Großherzoglichen Notare vom 30. Dezember 1904 in der jetzt geltenden Fassung. — 2. Bekanntmachung, die Verleihung neuer oder die Wiederverleihung heimgefallener Apothekenkouzesstonen an Gemeinden oder Kreise betteffend. — 3. Bekanntmachung, die örtliche Verwaltung der Reichssteuern betreffend. — 4. Gesetz, den Arbeiterschutz und die Unfallverhütung bei Bauten betreffend. — 5. Gesetz, die Ausübung der Stockholzberechtigungen betreffend. — 6. Bekanntmachung, die militärgerichtlichen Verhältnisse des Großherzoglichen Gendarmeriekorps betreffend.
* * Ein Volkslieder tag, zugleich ein großes Sängerfest, veranstaltete der Mitteldeutsche Sängerverband' gestern nachmittag unter starkem Andrang auf der Liebigshöhe. Der Spielplan sah natürlich in erster Lime Volkslieder vor. Die erste derartige Veranstaltung fand im Jahre 1909 als Mendelssohnfeier statt. Um 4 Uhr eröffnete der 1. Vorsitzende des Verbandes, Provinzialdirettor Dr. U sing er, das Feit mit einer Ansprache. Er wies auf die Bedeutung des Volksliedes als ein Mittel zur Pflege der Heimat, und Vaterlandsliebe hin. Sein Hoch galt dem Volkslied und dem Vaterland. Unter den alten Volksliedern, die die Vereine vortrugen, glänzten besonders die alten Perlen wie „Im schönsten Wiesengrunde", „Heute scheid ich," „Nun leb wohl, du kleine Gasse", „Der Schweizer" u. a. m. Es beteiligten sich die Vereine: Eäcilie-Lich, Germania-Lollar, M.-G.-V.-Allendorf-Lumda, Germania-Großen-Liuden, Eintracht- Leihgestern, Heiterkeit-Annerod, Germania-Großen-Buseck, Heiterkeit-Gießen, Liederkranz-Trais, JugendmutüÄeilshauseu, Frohsinn- Garbenteich, Germania-Lang-Göns. Der Verbandschormeister, Universitäts-Musikdirektor Professor Traut mann, sprach seine Freude über den Aufschwung des Volksliedes seit den letzten zehn Jahren aus; der Geschmack werde besonders durch das Volkslied gebildet. Darauf wurde gemeinsam das Lied gesungen: „Brüder, reicht die Hand zum Bunde". Ten zweiten Teil der Feier füllten Kunstchöre und ein Jnstrumentalkonzert der Regimentskapelle. Später sollen auch in den Bezirken Butzbach, Bad-Nanheim, Friedberg, Hungen, Grünberg, Lich Volksliedertage abgehalten werden.
**DerKrieger verein hielt am gestrigen Sonntag sein Preisschießen auf dein Stande des Schützenvereins ab. Der Besuch war durch die große Hitze und durch das gegen 4 Uhr eingetretene schwere Gewitter nicht besonders stark; die Erschienenen ließen sich aber dadurch am fröhlichen Schießen nicht abhalten und es wurde wacker geschossen. Gegen 8 Uhr abends fand die Preisverteilung statt, bei der schöne und praktische Preise an die 11 besten Schützen verteilt werden konnten. Es erhielten folgende Herren Preise: Selz er 1 silb. Becher, Haupt 1 filb. Kakesbüchse, Georg 1 Reisetasche, Fr. Nickel 1 Eßbesteck, A. Dickor 6 1 Tischdecke, Trümpert 1 silb. Brodschale, Möser 1 Servierbrett, Hofmann 6 Kaffeelöffel, Wachsen 12 Taschentücher, Duts ch ke 1 lcd. Brieftasche, und Heß 1 Kommodedecke. Außerdem wurden für die gesamten drei besten Leistungen Prämien verteilt und zwar an Haupt 1 silb. Zuckerschale, A. Dickorö 1 Tortenschale und Georg 1 Zigarrentasche. Tas Schießen soll im Verein weiter gepflegt werden, vielleicht auch im Winter bei Monatsvcrjammlungen durch Beschaffung von Bolzenbüchsen.
•* Turnerische Erfolge. Auf dem gestrigen Spicherer Turnfest errangen die vom Turnverein Gießen, gegr. 18 46, entsandten Turner abermals einen schönen Sieg. Bei einer Beteiligung von über 1900 Turnern erhielt Ludwig Bepler den 2., Hrch. Hamel den 23. und in dec Jugendgruppe 1 Hrch. Schwarz den 12. Preis. Die Abholung der Sieger findet laut Anzeige heute abend 848 Uhr mit Musik statt.
Der Ruderklub Hassia errang auf der gestern in Mainz stattgefundenen 18. Regatta des Süddeutschen Ruderoerbandes die Meisterschaft vom Rhein (Karl Jüdt), sowie den Goldpokal des Großherzogs von Heften im Achter. (Jödt II., Wenzel, Friedrich, Bauer, Rupp, Rohrbach, Jüdt L, Kaiser, St. Sommerkorn).
** Der ft o n s u m verein Gießen und Umgegend hat in der am 30. Juli abgehaltenen außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen, das zwischen dem Gewerkschaftshause und der Schaffftaedtschen Fabrik gelegene, 2155 Quadratmeter umfassende H. Winnsche Grunchkuck anzukaufen. Ter Kaufpreis beträgt 32000 Mark. 2.er Konsumverein, dessen Mitgliederzahl auf etwa 1 <00 angewachfen ist, und der im vergangenen Jahre einen Umsatz von 315000 Mark hatte, beabsichtigt, im Falle die Stadt sich zur Abtretung des an das Grundstücks anstoßenden Grabengeländes bereit erklärt, dort ein Hauptlager sowie eine Bäckerei zu errichten.
** Verband hessischer Staatsunterbeamter. Die Hauptversammlung des Verbandes der Hess, staatlichen Unterbeamten wird Sonntag, den 13. August, im Restaurant .Zinn Storchen" in Frankfurt stattfinden. Auf der Tages- ocdnung stehen u. a. die Aenderung der Satzungen und die Vorstandswahl.
’• Im telegraphischen Verkehr mit Frankreich wird in Zukunft der seitherige Preis von 12 Pfg. pro Wort durch Beschluß der Reichspostverwaltung auf 10 Pfg. erniedrigt.
••Unter der Trockenheit leiden auch die Vögel. Man hat in den letzten Tagen zahlreiche verendete Vögel gefunden. Andere saßen mit aufgespertten Schnäbeln verschmachtend da. Es empsiehlt sich, zahlreiche Gefäße mit Wasser aufzuftellen.
**EtnTöpferofenausdentl2.oderl3. J a h r- hundert wurde am Samstag beim Abriß des Hochstätter- schen Hauses an der Schloßgasse freigelegt. Man hat wiederholt beim Abriß von Gebäuden in den Fundamenten Spitztöpfe gefunden, die aus dem 12. oder 13. Jahrhundert her- rührten. Durch den neuerlichen Fund, bei dem etwa 50 solcher Spitztöpfe, sowie ein sehr hübscher Henkelkrug aufgedeckt wurden, ist nun festgestellt, daß diese Töpfe in Gießen auch hergestellt worden sind. Der Konservator unseres Museums, Dr. Kramer, sorgte dafür, daß die Töpfe mit der nötigen Vorsicht der Erde entnommen und nach dem Museum verbracht wurden. Leider ging aber doch eine Anzahl davon in Trümmer.
** Ortsverbindungen. Vom Deutschen Handelstag ging an die Handelskammern die Anfrage, ob Beschwerden daraus entstanden seien, daß Ortsverbindungen vor Ferngesprächen zurücktreten müssen, ohne Rücksicht, ob das Gespräch dringend ist oder nicht. Es wurde nämlich von einer Seite aus die Gleichstellung der Orts- und Ferngespräche gegen eine gewisse Gebühr beantragt. Man ist jedoch der Meinung, daß eilte Gleichstellung beider Gespräche nicht für den Verkehr von Vorteil ist.
Laubkrcis Gießen.
/\ Klein-Linden, 29. Juli. Der Ober hessische P r o v i n z i a l v e r b a n d hessischer Kaninchenzüchter hält am 6. August in der „Deutschen Eiche" seine Vertrctcc- vcrsamnilung ab. Die Ausstellung ist wegen der Maul- und Klauenseuche abgesagt worden.
Kreis Alsfeld.
w. Alsfeld, 29. Jul:. Schon seit dein Freitag morgen währte hier ein Gewitter, das jedoch wieder ohne Regen verschioand. Gegen 6% Uhr nachmittags zog wieder ein starkes Gewitter heran, oas sich stets heftiger entlud. Rach ekiva 1/2 Stunde konnte man im Ganzen 6 Gewitter bemerken. Schaden wurde nicht angerichtet.
△ Alsfeld, 30. Juli. Tas I a h r e s f e st des G u- stav- Ad ol s-Ver eins im Kreise Alsfeld fand heute unter starker Beteiligung der Zweigvereine in Stumpertenrod statt. In dem Festgoilcsoicny um 2 Uhr hielt Pfarrer Zinn-Herbstein die Festpredigt. Tie Nachfeier int Walde begann um 4 Uhr: davei fpracyen Pfarrer B echtold s h e i m e r-Gießen, Pfarrer Rausch-Groß-Felda und der Ortsgeistliche Pfarrer Skriba. Der gemischte Ehor aus Stumpertenrod und der Posaunenchor aus Ober- Seibertenrod wirkten mit.
□ Alsfeld, 29. Juli Tie landespolizeiliche Prüfung zum Bahn bau Alsfel d—E i f a—N i e d e r a u l a fand gefteni gatt. Es nahmen daran teil Kreisrat Tr. Heinrichs, Bürgermeister Tr. p-elimg, der Vertreter der Eisenbahndircktionen Frankfurt am Maut, Geheimerat Rügenberg, der Vertreter des Ministeriums Geh. Lberbaurat Kilian-Darmstadt und die Bürgermeister der betreffenden Landorte. Geheimrat Rügenberg erläuterte die neue Linienführung, die allgemeine Zuftimmung sand. Tie Ausführung der Bahn soll bald in bie Wege geleitet werden.
w. Elsa, 29. Juli. Die 22jal)tige Elise Schcifer von Grebenau, bei Landwirt Eisenach hier, erlitt gestern nachmittag auf dem Kornacker plötzlich einen Hitz sch lag, an dessen Folgen sie trotz aller sofort getroffenen Maßregeln und ärztlicher Hilfe gegen abend verschied.
, /u s U "gen , 29. ouii. Der unglückliche Veteran und
fnihcre Feldfchutze und Nachuvaaucr, Konrad Deucker II., von pter, der <nn 2<. Juni ö. I. in die Psychiatrische Klinik nach Gießen verbracht werden mutzte, ift am 2ö. Juli d. I. dort v e r- ftor den.
Kreis Büdingen.
_ Nidda, 29. Juli. Hier siel das 5 Jahre alte Söhnchen eines Gastwirts so unglücklich mit einer Bierflasche, daß ihm eine Scherbe zwischen den Rippen durchdrang und die Lunge verletzte. Trotz der gefährlichen Verwundung hofft man, daß das Kind ivieder genesen wird.
Kreis Lauterbach.
/X Wallenrod, 30. Juli. Tas Bezirkskriegerfest des Hafstabeztrks Lauterbach—Schlitz fand heute hier bet außerordentlich starker Beteiligung und von bestem Wetter begunsttgt statt. Dem Feste ging gestern abend em Zapfenstreich und Kommers auf dem Festplatz voraus. Der heutige Feftzug war sehr lang; etwa 40 Vereine mar- feierten barm. Bet Ankunst auf dem Festplatz hielt der Vor itzende eine Begrüßungsansprache, an die sich ein Lied anschloß. Lehrer Will sprach im Auftrag des Präsidiums. Rendant Frieß begrüßte die Vereine namens des Bezirks, der Vertreter des Kreisamtes namens des Kreises Lauterbach. Tie Festrede hielt der Ortsgeistliche Knott. Trotz der Hitze entwickelte sich ein buntbewegtes Treiben auf dem Zeltplatz bis um 1/26 Uhr ein heftiges Gewitter mtt ^turm und Hagel losbrach. Mehrere Buden und Stände wurden vom Sturm umgeworfen.
Kreis Schotten.
st. Schotten, 29.^ Juli. Am 8. August findet im Rathaussaale dahier eine öffentliche Gemeinderatssitzung wegen Erlaß eines neuen OrtSstatuts für das städtische Wasser- werk statt.
, § ^m vorderen Vogelsberg, 29. Juli. Die sengende Glut bringt unter den Pferden schwere Erkrankungen mit ficy- GS find aus den verschiedensten Dörfern Fälle bekannt geworden, in denen Pferde verendeten. Neben der Hitze mag auch der Futtermangel mitsprechen, wodurch zu vieles frisches Heu verfuttert werden mußte.


