Nr. 230
Dritter Blatt 16t Jahrgang
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fwr*' eri*^«, mMaui* i-.-m-L General-Anzeiger für Oberhefjen
Samstag, 50. September ptz
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R. Sengt,
Reiwftien. f^pebthon an! Trwfrtri: ®tW* Krage 7. «rvedinon and Betteg: W«
Rrtafiiorce^ni. IeL-ilduÄatttcher^ega»
Kaiferin Augusta.
Zur 100. Wiederkehr ihres GeburtStaaes 30. September 1911.
Von Hr. Karl Hauck.
MS um die Mitte der ^Oer Jahre de» vor. Jahrhunderts ein hervorragender französischer Gelehrter in Kaden Baden der Kaiserin Lugusta vorgestellt nnirbc, äußerte er nach der Audienz, in der firf) die Kaiserin mit ihm ausschließlich üb r die fran.^sische Literatur unterhalten hatte, das; er in ih eine J-rau von seltener Ok-iftcsfdhirfc kennen gelernt habe, die das klassische Zeitalter Weimars, dessen letzte Strafen noc! auf ihre Jugend yefallen feien, in würdiger Weise verkörpere. So war ein treffendes Wort, denn in der Gedankenwelt GoetheS und durch die Erziehung ihrer feinsinnigen Mutter, der tGroßfürstin-Gros;herzogtt« Maria Pat lenma, hatte s.. ihre juaendliä-e Seele mit Eindrücken gefüllt, die bis zu, letzten Stutrde in ihr fortlebten Seit den Tagen her preußi scheu Königin, der im Jahre 170.', verstorbenen Sophie El,ar lotte, der Tvrcunbin von Leibniz, hat keine preußische Fürstin mehr gelebt, die sich an geistiger <^roße mit der ersten deut scheu Kaiserin vergleichen ließe.
Als die Prinzessin ".'lugusta von Weimar, die Tochter de wenig bedeutenden Großherzogs Karl Friebrich und Enkelrn Karl Augusts, in der Jrühzeil ihres Lebens mit ihre- Schwester, der späteren Prinzessin Marie von Preußen im Prinzessitmertgarten zu Weimar in harmlosem Getändel il,r Tage verbrachte, und der alternde Goethe dem Spiele de. aroßherzoglichen Kinder zuschaute, sormten sich sene t^>e kühle in ein Gedicht an die Prinzessin, in dem er ihr al. seinen Wunsch ausfprach:
Erzeige sich dein ganzes Leben so. Nach außen herrlich, innen hold und froh.
Nur der erste Teil dieses Wunsches sollte sich erfüllen narb außen vertief bad Leben der Prinzes in Augusta glan- voll und l»errlick), aber tieses Glück und damit wahre Seele freubc ist ihr versagt geblieben. Sie hat alle Tag? auf da größte Glück des Weibes, die befcltaenbc Liebe bei Gatten verzichten müssen, aber sic hat den Verzicht mit Würde un Seelengröße getragen.
AIS sich die Prinzessn, am 11. Juni 1829 mit der Prinzen Wilhelm von Preußen vermähiie und Weimar ver ließ, begleitete Goethe ihre Abreise mit den Worten: „Ma. es ihr Wohlergehen in bern ungelnnier weiten und b w gt Element." Es war der Ausdruck herzlichster Anteilnaym des Dichter» an den Schicksalen eines jugendlichen Wesen dessen Emporblühen er gleichsam Tag für T g v rfolgt hatt . und niemals ist in der ersten deutschen Kaiserin baS Gesüh tiefer und bankbarer Verehrung für tvoethe erloschen Ro, als Greisin äußerte sie, auf die Zeiten ihrer Jugendsalir zurückblickend: „Mles, waS sich an die Erinnerung eine Erscheinung wie Goetl^e knüpft, gehört zu den Gefühlen, bi empfunden, aber nick>t beschrieben werden können"
Ihr Bedürfnis, sich mit geistig bedeutenden Männer, zu unterhalten, führte sie in ihrer neuen Heimat mit bei Größen des damaligen Berlin zusammen Bor allem nxirci eS die Brüder Humboldt, Wilhelm und Mexander, von den . der erstere ihr schon in Weimar nahegestanden halte, m : denen sie vertrauten Verkehr pflog, und mit der Tocht Will-elms, Ofadricle von Bülotv, verband sic innige Freun schäft. Diese Freundschaft überdauerte alle Wandlung des Lebens, und als im Jahre 1885 vor der Berliner Un versität die Denkmäler des berühmten Brüderpaares ent hüllt wurden, plauderte die alte Kaiserin mit ihrer 85jähri- gen Freundin von glücklichen Tagen ferner Vergangenheit.
Ter freie politische Geist, der in Weimar geherrscht halte, war auf die Prinzessin nicht ohne Einfluß geblieben: ihr ganzes Leben blieb sie liberalen Ideen zugeneigt, oft im schroffsten Gegensätze zu den Mintstern ihres Gatten In dieser liberalen Cfefiitmntfl wurzellc auch ihre Borliebe für >ie Westmächte Europas, für Frankreich — sie bediente sich mit Borliebe der französischen Sprache — und England. Irotz der ihr wenig angenehmen Erscheinung deS Bürger- önigs LouiS Philippe unterhielt sie doch eng frcunbfduift- tdte Beziehungen zu dem Hause LrleanS, und sie hat es dem brüten Jiapofeon nicht vergessen können, daß er das Erbe der vertriebenen Orleans mit Gewalt an sich gerissen hatte.
Als am 18. Oktober 1831 ihr ältestes Kind, der spätere aiser Friedrich, geboren wurde, dem am 3 Dezember 1.838 ?tc einzige Tochter des FürstenpaareS, die noch l.bende Groß- erzogiuwkttve von Baden, folgte, beglückwünschte Goethe ic zu der frischen Belebung de» au; alten ehrwürdigen rundwurzeln immer neu sich verzweigenden Stammes &ie Ibst aber erkannte fetzt ihre höchste P.icht in der Erziehung .'.res SohneS, und ob sich auch die Charaktere beider nicht 'erstanden haben, wie man behauptet hat. so ist der Sohn doch allezeit feiner Mutter in kindlicher Liebe zugetan ge- vefen.
So gingen die Jahre dahin: der alte König Friedrich Bilhelm III. starb, und an feine Stelle trat Friedrich Wil- dm IV., der eine neue Zeit für Preußen berausführen elfte. Ter schwankende Charakter deS Königs, seine sprung- 'aften Entschlüsse zeitiat-m einen tiefwurzelnden Gegen- atz zwischen ihm und feinem Bruder, dem Prinzen von Ireußen inib ber Prinzessin, ber sich vor allem in den Revv- futionsfahren zu einer Schärfe steigerte, bic eine banernbe Jntfrembuug znüschen den Brüdern nach sich zog ES ist •ft erzählt worden, wie die Prinzessin nach den Märztaaeu ■ 848 ii rem Gatten zur Flucht behilflich war, wie sie offen nit den liberalen Ideen, die damals genroitfam zum Durch- ruch gelangten, sr mpat! i iertc, und in manchen Berliner oi und Gesellschaftskrersen naunt? man bic „schwarz-rot ;olbene Prinzessin ' in batcrcr S-därfe „la pciite Jacobine", ine Bezeichnung, bic Ernst 'August von Hannover vor fahren schon auf sie amvanbte, aU er ihre liberalen An chaunngen kennen gelernt hatte In ber stürmischen Z it ach den Märzereiguissen tauchte in ihr ber Gedanke auf, n Stelle de> schwachen, zur R gi. rung in so schwerer Ze t i!fähigen Königs unb ihres vom Volke löblich g haßten •itten, der in England weilte, die Regentschaft für hren noch unmündigen Sohn zu übernehmen in dem vermein lf-ck) gefäTfrbctcn Hohenzoilernhanse die errschaft über Preußen z i retten, aber der Widerstand, ans -en sie dabei stieß, criötclc den Plan bereits in feinen ersten tcimcn.
Ter Gegensatz zwischen den beiden Br b rn, dann tauch ic wachsende Abn. igung leitender und einslußr. iüer ft'rci.e i Berlin gegen bic Pein; s,in veranlaßten den K'o> ig b ni Prinzen das M'intman o re: achte i p.eußischen Armee orp im Md;ein zu übertragen. Mit oi fer Verletzung des Pr uz n in Jahre 18.',0 begann ein entscheidender Abschn tt im £ b n ■r Prinzessin. Fürderhin verbrachte sie den größten Tri s Jahres in Koblenz und nach ber Vermahlung ihrer achter mit dem Großherzog Friebrich von Baben m aden -Baden; nur ungern ging sie nach Berlin zurück o sie sich beengter fühlte als in ber freien katholischen ft des R.-einlandes unb in ihrem geliebten Selwarzwalb
In Koblenz war ihr zum ersten Male bic Macht be. atholizismus entgegengetreten, ber in das weiche unb rmp sangliche Gemüt der PnnzesFn Spuren zog, bic sich mit b u fortschreitenden Jahren nur noch vertieften. Wenn sie mit
dem späteren Aordinal-Erzbischos von Köln, Vnffppus Ihre» mcntz, der damals noch als bescheidener Pfarrer bet Auftor« firdic in Koblenz lebte, in vertrauter Unterhaltung über religiöse Fragen manche Stunden verbrachte, und sich bei ibm über die Bibelstunden des im gleichen Schlosse mit ihr roch- nrnben Cbcrpräfibentai der Rbeinprovinz, v. Deist Netzen, beklagte, dessen fromme Abendgefange bis in ihre i^mätbcr vernehmbar waren, so mochte wolK auf katholischer Seite die Hinneiaung der Prinzessin zu dem römischen Bekenntnis alS nebentfanier aufgefaßt werden, als sie es in Wahrheit gewesen ist; Tatsache aber bleibt, daß der üütholizismuS an ihr bis zu ihrem Tode eine ber stärksten Stichen besaß, und noch heute ist das Andenken an „die Kaiserin" in den katholischen Kreisen be» Rheinlandes unvergessen.
Denn auch vom Sitze ber Politik entfernt, betrachtete sie dennoch mit aurmcrliamem Auge die polttisckien Ercig- niffc, mit denen sie sich auch fetzt näht einnerftanixn erklären konnte; der Tag von Llmuv, am 3 November 18.'<0, an dem Preußen von Oesterreich unb d m ihr rief verhaßten Ruschind get>cnniiigt wurde, ließ in ihr eine derartig- Erbitterung gegen den leitcnbeii preußischen Staatsmann, den Frciderrn v Manteuffel, zurück, daß sie den üops adwandte, wenn He ihm begegnete. Die Aknieigung der Prinzeffin hätte sich ertragen lassen, aber mit Entsetzen bemerkte man in Berlin, daß auch ihr Gatte, ber Thronfolger, ihre Empfrnbungcn teilte.
In ber Zeil ihres Koblenzer Aufenthalte» fand bie Vermählung Ihrer einzigen Tochter mit dem Großherzog von Haden statt, unb Baden-Baben wurde, wie schon bemerkt, sürberhin neben Koblenz ihr bevorzugtester Aufenthalt. Hier hat sie al» Herrscherin mit ihrem Gemahl oft ernste Zwiegespräche geführt, bic nicht selten bic Politik seines leitenden Staatsmanne- zu durchkreuzen drohten. So wissen wir heute, daß sie nach ber Ernennung Bismarck» zum preu- ßischen Ministerpräsibenten, der kurz darauf als einzige- .v-ilmilCl für Teuttschlands Entwicklung zur Einheit die Politik von ,^lrt und Eisen ' bezeichnet hatte, ihren (Gemahl m der eindringlichsten Weise vor biefem gefahrvollen Be- gimten warnte, unb am 7. Mai IHM ist sie unter feierlicher er Wahrung gegen bie Kriegspolitik Preußens nach Baben- Baden abgercisl, um bort Die letzten Wochen vor Ausbruch de» Krieges mit Oesterreich zu verbringen.
Hatte sich die Prinzessin schon 184B politisch betätigt ber zu betätigen versucht, so bot ihr die Ucbernahmc der Negenlschast durch ihren Gatten unb seine Thronbesteiaung un 2. Januar 1861 erneute Gelegenheit, ihre politischen 3beeil und Gedanken zur Ausführung zu bringen So sehr sich auch der König von jeder Beeinflussung fern zu alten suchte, so wußte sie doch ihren (Hatten, besonders zur Jrilhstücksstundc, in ernste politische (Hespräche zu Der- ickeln, in dem sie ihre mehr von (Hcfuhl und Leidenschaft us kühl prüfender Bemunst becinslußten Ansichten in wvrt- hlDanbier Weife barlegte.
' lieber diese Beeinflussung des Königs durch seine Gs- inahlin hat Bismarck sich in feinen Gedanken und Erinne- ■lingcn in einer Weise geäußert, die einen Rückschluß auf ccn grimmigen Haß zuläßt, mit dem BiSmarck diese Tätigkeit feiner königlichen Herrin verfolgte. Ihr Bild wird dort in rfjarfen S.richen gezeichnet Aus dem (S ha rotier der ,nV>- igin, der sich mit dem harten Wirklichkeitsbrang Bismarcks icht verstehen konnte, sinb die Gegensätze beider Naturen • cTDorgc^angcn, bie besonders bei ber rkriegspolitik des .roßen -Staatsmannes zum Ausbruck gelangten Bis zur etzten Stunde hatte sie im Jahre IbGG ihren Ojemahl von der ntscheibenben Unterschrift unter bas UricgsdokumcM zu ruckzuhalten gesucht, unb als im Juli 1870 die Verhandlungen
Frauen-Feuilleton.
Verfälschung von Ma nee.
Neuerdings werben vielfach Glasierinittel für gerösteten Kaffee angepriesen, mit deren Hilfe eS möglich fein soll, das Gewicht deS Mn ff cce beim Glasieren in unzulässiger Weise -u erhöhen, um baburdj einen Mehrgewinn zu erzielen.
Wie durch bic Untersuchung eines neueren Glasiermmcls fest- geflell! worben ist, besteht c? aus arabischem Gummi unb Karamel. Tie Verwendung von wässerigen Lösungen solcher und anderer Stoffe, wie z. B. Rübenzucker, Stärkesirup, Tcxtrui, Stärke, Hühnerciweiß unb Gelatine zum Glasieren des Maffees^nach erfolgter Röstung ist allerdings nicht neu. Nach einer j.en!)d)ntt des Kaiserlichen Gesundheitsamtes wird, wenn biar r:one dem fertig gerösteten Maffcc zugesetzt werden, der Rösworgang nicht von ilmen beeinflußt. Tie M-ohlcnhvdrate bilden daun auf der Cbcrflädic ber Kaffeebohne eine stark glänzende, bic inrociuftone eine matt glänzende, farblose Umhüllung, 1° baß unrctrc unb schlechte Bohnen auch nadi dem Glasieren erkennbar blechen. Der llcberum der Menbnbrote ist sogar geeignet, das Aroma zu schützen: ob dies auch durch bic Eiweitzltoße geichicht, ist noch unentschieden. . r _ . ___,,
Eine bedenkliche Seite die,es Venahrens ist aber bte^ionwhl >urd) den Wassergehalt als auch durch den Ckbalt an rocken- ubstanz der angewandten Glasierlösungen herporgcrufcne Be- chwerung deS Kaffees. Tie Wasserausnadme auf ein geringes Naß zu beschränken, liegt dabei in der Hand deS Rösters, da er sonwhl konientnerte Lösungen verwenden, alS auch durch Erwärmen des glasierten Kaffees in schwach erhitzter ^romrnc^ Den Wasserüberschuß saß vollständig wieder entfernen kann, xurd) Wägen des ^asfees ist bet Röster ferner m ber Lage, bie statt- gehabte Beschwerung zu.ermitteln.
Tie „Vereinbarungen zur einheitlichen Untersuchung und Vk- vrteilnnq" von ?tadnmgs- und Gcmißmitteln sowie Gebrauchs- gegenständen für das Tcutt'che Reich" (Heft III S. 32 und 33 erachten daS Glasieren mit Lösungen der fraglichen Art für 6Ul°l'"l öic'^cnocnbung aller dieser „Ausbesserungsmittel" gekennzeichnet wird, „
2 der nach den -ulästig erachteten Vcrrahren überzogene Kaffee nicht mehr als 4 Proz. eines nach dem Verfahren von Hilger abwaschbaren Ueberzugs enthält, und
3. eine absichtliche Erhöhung des Wassergehaltes nicht stattfindet.
Umer Berücksichtigung dieser Grundsätze geben die neueren Glasierverfahren ;u erheblichen Bedenken Veranlassung. _ Sic unterscheiden sich von den älteren Verfaßten dadurch, baß bic Glasierlösung nicht dem noch heißen Kaffee, sondern dem gut ab gefühlten Kaffee zugesetzt wird. Tas mit der Lofung mgesetzte Wasser kann daher nicht mehr verdampfen, fonbern wird mm Kaffee ausgenommen unb verbleibt darin, da die lief), bu benbe Gummi'chickn das Entweichen des Wassers verhindert. Sier» durch wird ber Kaffee beschwert, liefert eine höhere Au-beute
unb eruwglicht die Erzielung eines größeren aber unberechtigten Geschäftsgewinnes. In diesem Verfahren muß unter Umständen eine Verfälschung im Sinne das 8 10 des Nahrungsmittclgeseves vorn 14. Mat 1897 erblickt werden.
Wegen der sfragc, ob und wie es möglich ist, bic gerügte Behandlung des Kaffees am fertigen, gerösteten Erzeugnisse nach- iurocifcn, ist nun folgendes zu bemerken:
Ter geröstete Kaffee neigt an und für sich sehr zur Auinahnie von Feuchtigkeit und nimmt bcabalb beim Lagern, namentlich in feuchten Räumen, nicht unerh.-bliche Mengen Wasser in sich aui. Aus einem hoben Wassergehalt kann fomit nicht ohne weiteres aus eine Ven'älschung geschlossen werdem Ter Beweis für eine solche liegt ledoch unter Umständen vor, wenn cs gelingt, in frisch geröstetem Kaffee, der wegen der nur furjen Lagerzei: feine Gelegenheit hatte, aus der Luft Feuchtigfeit anzuziehen, einen abnorm hohen Wassergerhalt sestzustellen und gleichzeitig die Verwendung der beanstandeten roafferigen Glasierlösungen nachzuweisen.
Kleidung unb Mode in Südweft
In den reizvollen, überaus frifcb geschriebenen „Briefen eines deutschen Mädchens aus Südwest", die soeben int Verlage Mittler & Sohn in Berlin erschienen sind, bietet Elara Brockmomi lebendige, aus eigener Anschauung entsprungene Schilderungen vom unserer südwestairifanischen volonte nebst schätzbaren Be tramtungen über eile Angele gen ketten, auch bei täglichen Lebens, die iür den Ausenthalt in Südwcst von Sicbtigfcit sind. Tas mit hübschem Büderschmuck ousgestavete Buck darf umsomehr als eine wettvollc Bereicherung der Kolonialliteratur empfohlen werden, als es in seiner natürlichen Sprache und untcibaüenben. Form uck an weiteste Kreise unseres Bolles wendet.
Besonderes Interesse wird bei unserer Frauenwalt, die in erster Linie Gesallen an diesen Briefen finden dürfte, da- Kapitel erregen, in dem sich die Verfasserin über Kleidung unb Mode in Südwest äußert. „Als ich mich", so schreibt sie, „nach lang- läkriger Ucbcrlegung zu dem Entschluß durchgekämpft hatte, noch Südwest zu geben, machte mir eine Frage ganz besonderes Kopf zerbrechen. Was mitnehmen? Was anziehen? Ick, war nicht im geringsten darüber umerrichtei. Als ich barm eingehende Er kundigungen von einer Dame einzog, die gerade aus Südwest zurückfchne, war ich über bie Auskunft boch überrascht. ,^Fm allgemeinen kleidet man sich drüben wie hier im Hochsommer", iagte sie. „Aber man muß selbstverständlich auch warme wollene Säcken, womöglich Wtniergarderobe, mitnebmen." Wrntergarderobc nach Afrika'? Es crithicn mir fast wie ein Avnffcherz,^ abes heute habe ich diefen guten Ratfchlag schätzen grimrt. Im Wimer __ Mai bis Sept-trnber — ist es oft emr*nnM£± kalt, bewnders be» Morgens und nach Sonnenuntergang. Für tue wärmere Jahreszeit eignet sich eine lachte Sommcrkleidung, wie^ man sie in Deutschland gewohnt ist. Weiße und möglichst lich:c warben finde ick hübsch. Tenn ick kann, mir einmal mchrbLlien, es ist in meinen Augen eine Stilwidrigfeit, in Afrika dunkle jatben
igcn Neuerlich ist b,r sehr vernünftige Gouverneu^ner« fügung befanntgegeben, daß Antr,:t-befuche der Herren ebenfonut im we.ßen An,ugc gemacht werden können. Nach meiner AriM sicht hatte es schon immer erlaubt sein sollen. Man glaubt mcht, welch sonderbaren Eindruck cs machte, die Herren im Gehrock und Zylinder unter diesem Himmel herumwandrin zu schen.
Ms hübschesten Stoff für Südwest möchte ich Seidenbatist nennen; er ist immer duftig und zart unb läßt sich ausgezeichnet waschen. Taneben halte ich PongSn für empfehlenswert AIS etwas derbere Stoffe, besonders für Straßenkleider, kommt Leinen, Vifcc, Panama und Rohseide in Betracht. Manen sitzt du färbend sehr kühl am Körper^ Schneiderinnen sind sehr fdtcii und teuer und von einsamen Stationen aus meist nicht erreichbar Man laßt sich Kleider und Stoffe der Ersparnis halber aus Tausch- land schicken; tritt aber der Fall an, daß <me schleunige gtciL- anschaffung notwendig wird, so kann man auch Sachen tm Lande selbst beziehen. In LÄndhuk, Sivafopmund und Lüderitzbucht stnd Monseknonsgeschattc vorhanden, meist Filialen renommiertet deutscher Firmen. Für an fertiges einfaches weißes Batiükleid ;ahU man 30 bis 60 Mark und für befferc Kleider bis 150 Mark. Moftümc find mast nicht unter 100 und Hute nicht unter 30 Mark erhältlich. Handschuhe kosten etwa 4 Mark, Gürtel durchschnittlich -> Mark, seidene Bänder 2 hi» 3 Mark das Meter, 3h cf et 25 Mark, Halbschuhe 15 Mark. Man sieht, cs ist — wenn auch u ungewohnten Preisen — alles zu haben, unb bie junge .'isrifanerin braucht bas Köpfchen nicht hängen zu lassen, wenn c3 heißt, m ein paar Tagen eine Gesellschaftstoilette zu beschaffen.
Als FußbeNeidung nimmt man natürlich am besten natur« sarbenes Schuhzeug etwas derberer Att wie Boxcalf. (Sb-urcau ist für Geselffchaftszwecke sehr schön, für ben täglichen Gibrauch aber zu verwerfen. Man geht auf biefan klipp,gen Gelände wie auf Glas. Meine Stiefel besitzen eine etwa vierwöchige Hatt- barfat, und int günstigsten Falle jcichnen sie sich dann nach durch eine Versafiung aus, die das Besohlen gestattet. Leichte Spangen und Salon schuhe können, wenn man sie für die Straße rtmmt, zu Emtoq-flugen werden. Sic zerreißen frie Papü-r. 2cn meisten Nutzen habe uh stets von Lack'chu.'-m gehabt, die nicht abblättern und risfiy werden. Es crnpffehlt heb, das Schuy« werk für Südwest r.n bis zwei Nummern größer einzukanfen, als man e» in Zkutschland trägt
Wäsche kann man gar nicht genug mitbringen, und zwar leinene ebenso wie seine Batistwösche. Luft und Sonne forbvrn herrisch ihre Lrier. Alles geht hier schneller den Weg ber Ber- länglich',nt. Natürlich kann man sich Heer Mncsrocas streng an die Mode halten, da diese immer erst etwa brdmertef Jahr u ’oat su uns kommt So gehören z. B. bic viel geschmähten engen Röcke in Teutichland der Vergangenheit an, wenn sie hier bei uns widerwillig Eingang finden. Es will ^:er aber auch nicht viel bedeuten, wmn die mooemen Ströunuigen in ber Äleibcrfunü nicht augenblicküch bis zu uns herübcrrricheu."


