Ausgabe 
28.4.1911 Zweites Blatt
 
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besonderem Werte zur Verlesung tarnen. Lehrer Krug teilte uns interessante Beobachtungen aus dem Tierleben mit, Mähren. Lehrer Müller seinen Hörern auseinandersetzte, Mas den Grafei Bodmer veranlaßt hatte, den Vorsitz im Wiesbadener Tierschutz verein niederzulegen.

Alten Brauches gemäß unterzog sich Lehrer Fritzel miederuv der BeurteÜung des Tierschutzkalenders. Auf sein Gutachten hii bezogen wir vom Berliner Tierschutzverein 2640 Kalender, di den hiesigen höheren Schulen und den Oberklassen her Volksschulei überwiesen wurden. Beim Verbände der Tierschutzvereine de Deutschen Reiches bestellten wir 2200 Kalender, die unseren Mit gliedern und ben Volksschülern der Unter- und Mittelklassen zu gestellt wurden. ä

An Prämien bewilligte der Vorstand 279 Mark. Die Geu darmerie wurde mit 60 Mark und die Schutzmannschaft mit 12( Mark bedacht. Die Verteilung dieser .Summen überließen wi ihren Vorgesetzten, mit dem Ersuchen, uns die Verteilungsplän zuzustellen. Die Schutzleute erhoben 24, die Gendarmerie 18 An zeigen; in 33 Fällen verhängte der Richter Geldstrafen vor 6 Mark bis zu 40 Mark, während er in 4 Fällen aus Hast voi 5 Tagen bis zu 14 Tagen erkannte. Vier Flurschiitzen wurder Prämien fcron je 6 Mark bewilligt, weil sie wildernde Katzen, Raub Vögel und anderes Raubzeug abgeschoßen hatten. Für schonend Behandlung und gute Pflege der Pferde wurden 55 Mark ausgesetzt Dieser Betrag kam in Gaben von je 5 Mark zur Verteilung Ihre Ueberreichung erfolgte am 2. Weihnachtstage durch den Vor stand. Gleichzeitig händigte der Vorsitzende dem Fuhrmann B Stier anläßlich seiner 25jährigen Dienstzeit bei der Firme I. Kann Söhne eine Ehreirurkunde ein. 4 Metzgerburschen, di beim Töten der Tiere möglichst human verfuhren, brachte bei Vorstand seine Anerkennung .durch Gaben von je 5 Mark zum Ausdrnck. Besondere Verdienste erwarb sich der Vorschlagsaus schuß, bestehend aus den Herren Heil, Kitz, Löber und Modde dadurch, daß er sich der mühevollen Aufstellung der Listen unterzog

Ter Vorsitzende, dem das Polizeiamt den Entwurf der neue, Polizeiverordirung für die Stadt Gießen zur Begutachtung zu gestellt hatte, bat um Aufnahme eines Paragraphen, der Rad fahrcrn verbietet, ihre Hunde neben den Fahrrädern herlaufen zu lassen. Ter Vorstand machte außerdem eine Eingabe an obige Behörde, worin er uni Maßnahmen zur Verhütung von Tier­quälereien auf den hiesigen Vormärkten gebeten wurde.

Besonderer Fürsorge bedurste unsere heimische Vogel­welt im vergangenen Jahre. Groß war ihre Rot; denn der Winter war lang und streng. Doch brauchten unsere Vögel nicht zu darben, da die Bürgerschaft Gießens mit dem Tierschutz­verein wetteiferte, ihren Hunger zu stillen. Verfüttert wurden Unsererseits 3 Zentner und 13 Pfund Vogelfutter. Außerdem bereitete ihnen der Vorstand vier köstlicheTischlein deck dich". 4 Fichtenbäumchen, die ihm die Stadt in dankenswerter Weise überlassen hatte, ließ er in Futterbäume umwandeln und ein? flüssige Mischung, bestehend aus 3 Kilogramm ausgelassenem Hammeltalg, "00 Gramm Spratts Griffel, 400 Gramm Hanf­samen, 200 Gramm Mohn, 100 Gramm Mohnmehl, 200 Gramm Hirse, 100 Gramm Hafer, 100 Gramm getrocknete Holunderbeeren. 100 Gramm Sonnenblumenkerne und 100 Gramm Ameiseneier, auf die Zweige und Aeste schöpfen, wo sie rasch erstarrte, um dann von den heimischen Vogelarten gierig weggepickt zu werden. Ge­suchen seftens unserer Mitglieder, ihnen Futterhäuschcn zu über­lassen, konnte der Vorstand entsprechen, da er 25 Stück von M. Peterseims Blumengärtnerei zu Erfurt bezogen hatte. Bei Heinemann in Erfurt bestellten wir ein selbsttätig wirkendes Futterhäuschen mit Schlafraum und bei Parus in Hamburg 4 Meisendome, um mit eigenen Augen zu beobachten, wie sie sich bewähren. Aus der Fabrik von Berlepsch'scher Nisthöhlen zu Büren in Westfalen bekamen wir 12 Stück Nisthöhlen A und ebensoviel Nisthöhlen B, womit wir annähernd die Wünsche unserer Mitglieder erfüllen konnten.

Die Bezirkssparkasse Gießen bewilligte unserem Verein aus bem! Reingewinn für 1909 eine Unterstützung von 100 Mark, während Justizrat Grünewald und Geh. Kommerzienrat Heichel­heim ihm 5, bezw. 20 Mark spendeten. Rentner Daniel Heil stiftete dem Verein ein schönes Protokollbuch.

Am 13. Februar legte Prokutist Wolff die Rechnung vvr, die in (Annahme'mit 1369,70 Mark, in Ausgabe mit 1362,68 Mark abschloß. Der Vermögensbestand des Vereins beträgt gegenwärtig 2058,33 Mark. Die Rechnung wurde von den Lehrern Fritzel und Krug geprüft und richtig befunden, worauf der Vorsitzende dem Rechner im Namen der Hauptversammlung dankend Entlastung erteilte.

Alles in allem kann man sagen, daß der Tierschutzverein im abgelaufenen Jahre wieder sehr tätig war und recht segens­reich gewirkt hat. Groß sind aber die Aufgaben, die seiner noch warten. Dorums ergeht an die noch Fernstehenden die dringende Bitte, uns in der guten Sache zu unterstützen, indem sie dem Ti-erschuhverein als Mitglieder beitreten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 28. April 1911.

** Der Hessische Landeskriegerverband veröffentlicht nachstehende Preisbewerbung, Aufsätze über Gegen stände der Bürger künde betreffend. Das Präsidium fordert hiermit cmft unter den nachfolgen­den Bedingungen ihm Aufsätze einzureichen, welche ge­eignet sind, im Sinne der Ausführungen in der Ein­leitung des vorigjährigen Rechenschaftsberichtes der Hassia, als Vorträge in den Vereinen zu dienen. Ein solcher Vortrag soll die Dauer von 35 bis 45 Minuten nicht überschreiten. Die Behandlung des Stoffes muß volkstümlich und auch für den gemeinen Mann gut ver­ständlich sein. Statistisches Material ist auf ein möglichst geringes Maß zu beschränken. Jeder Vortrag soll mit kurzer Nutzanwendung im Sinne unserer monarchisch-vater­ländischen und kameradschaftlichen Bestrebungen schließen. Für die beste Bearbeitung jedes Vortragsgegenstandes wird ein Preis von 50 Mark ausgesetzt. Der Aufsatz wird damit Eigentum des Verbandes. Die Arbeiten sind bis zum 1. Sept, an den Schriftführer Med.-Rat Dr. Vogt-Butzbach einzureichen. Die Zustellung des Preises erfolgt durch den geschäfts'führenden Vorstand. Aufsätze, die nicht preis­gekrönt werden können, erhalten die Verfasser, unter Zu­sicherung strengster Diskretion, zurück. Es sind Arbeiten über die nachstehenden Gegenstände erbeten: 1. Rechte und Pflichten des deutschen Staatsbürgers, 2. Finanzwesen des Reiches, Zölle, Steuern, Schulden, 3. Freihandel. Schutz­zoll. Allen Bewerbern um diese Preisaufgaben, auch Nicht­hessen, stellen wir den oben angezogenen Jahresbericht 1909 kostenlos zur Verfügung.

Landkreis Gießen.

= Daubring en, 27. April. Dem hiesigen Männer- Turnverein, ein Glied des Lahn-DünSberg-Turnerbundes, wurde die diesjährige Bundes-Turnfahrt übertragen und auf den 21. und 22. Mai festgesetzt. Als Festplatz hat die hiesige Gemeinde die sogenannte Schafwiese neben dem Waldes­rande an der Alten-Bnsecker Straße zur Verfügung gestellt. Die Vorbereitungen zu diesem Feste sind bereits in vollem Gange.

-m. Hungen, 27. April. Gestern wurde durch die hiesige Gendarmerie ttn LangSdcufer Gemeindewald eine etwa 30 ft öpfe starke Zig eunerbande aufgestöbert, unter der sich eine weibliche Person befinden soll, die schon seit zwei Jahren steckbrieflich gesucht wird. Die Bande hatte sich schon am Tage vorher im Walde häuslich niedergelassen und durch ihr Lagerfeuer konnte leicht ein Waldbrand entstehen. In ihrem Besitz befanden sich vecschledene Waffen, ein

avalleriekarabiner und ein Säbel. Tie Zigeuner wurden »on den beiden Wachtmeistern eingeschlosien und nach Lich ebracht, wo sie bis auf weiteres inhaftiert werden. Die üesige Forstwartstelle ist zur Neubesetzung ausgeschrieben wrden.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 27. April. Die in einigen Orten ie§ Kreises durch Einschleppung vorgekommene Maul- und Klauenseuche hat der Stadt Lauterbach eine angenehme, oenn auch leider nur vorübergehende Einrichtung geschaffen. Infolge der angeordneten>rsichtsmaßregeln zur Verhü- ung der Weiterverbreitung müssen nämlich die mit der 3ahn kommenden Schweinetransporte mittelst Fuhrwerk nach dem Schlachthof gebracht werden, während sie seither durch die belebte Bahnhofstraße ge­rieben wurden. Abgesehen von den hierdurch vorkommen- )en Stockungen des Fuhrwerksverkehrs wurde nicht nur )ie Straße selbst, sondern auch die Fußsteige stark ver- inreinigt. Da wöchentlich nur zweimal gereinigt wird, oar der festgetretene Kot gerade kein schönes Bild für die etzt so schön hergestellte Bahnhofstraße. Die Bewohner dieser Straße würden es mit Freuden begrüßen, wenn die jetzige Einrichtung, die man seither für unmöglich hielt, auch ferner beibehalten und das für unser Kreisstädtchen inzeitgemäße Treiben der Schweinetransporte aufgehoben würde.

Kreis Friedberg.

x Bad-Nauheim, 27. April. Die Firmir Scharfe und Albert in Frankfurt a. M. hat diese Woche mit dem Zau des vielbesprochenen neuen Badehotels be­gonnen. Die Arbeiten schreiten rüstig fort. Für den Zau des Riesenhotels sind zwei Jahre vorgesehen. Das etzte der sechs Konzerte des im Winter vom Frank­furter Rebner-Quartett veranstalteten Beethoven-Zyklus findet am Samstag abend im Kürhaussaal statt.

-m. Rockenberg, 27. April. Schon längere Zeit Sieben sich Zigeuner in den ausgedehnten Wäldern Mischen Wölfersheim, Södel, Oppershofen und Rockenberg )erum. Trotz der Schonzeit hörte man vielfach Schüsse .allen, ohne daß man die Ursache ergründen konnte. Dieser Tage nahm sich die Gendarmerie von Rockenberg der Sache in, Und es gelang ihr, die Zigeuner auf frischer Tat beim Wildern zu ertappen. Die Zigeuner wurden in das Amtsgerichtsgefängnis nach Friedberg gebracht.

Kreis Wetzlar.

w. Wetzlar, 27. April. Unser Mannergesangverein blickt in diesem Jahre auf ein 7 0 jahriges Bestehen zurück. Der heute mit einem Chor von 80 Sängern dastehende Manner­gesangverein gedenkt seinen 70jährigen Ehrentag am 2. und 3. September festlich zu begehen. Für den Samstag ist ein Kommers und für den Sonntag ein großes Gartenkonzert und abends Ball geplant. Außer den Bundesvereinen des Lahntal­fängerbundes werden auch die hiesigen Vereine eingeladen.

Hessen-Nassau.

Biedenkopf, 27. April. Auf der Eisenbahnbrücke bei Ferndorf wurde gestern nachmittag der Fabrikarbeiter Wetter aus Weidenau vom Zuge überfahren und getötet.

--Herborn, 27. April. Die Sammlung für die H e i d e n - Mission hat im hiesigen Konsistorial-Bezirk insgesamt 17 799,81 Mark eingebracht. Davon entfallen auf Wiesbaden- Stadt 313 Mark, auf Wiesbaden-Land 443 Mark, auf Gladen­bach 2967 Mark, Biedenkopf 2516 Mark und Herborn 5961 Mark.

X. Hanau, 27. April. Im hiesigen Metallarbeiter- verband, in dem fast die gesamte Arbeiterschaft der Edel­metalindustrie Hanaus organisiert ist, will man dahin wirken, daß der hier üblichedritte" Feiertag zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten beseitigt und dafür der 1. Mai als Feiertag einges.tzt werde.

Universitäts-Nachrichten.

0 Marburg, 27. April. Als Privatdozent der medi­zinischen Fakultät der hiesigen Universität habilitiert sich am nächsten Samstag Dr. Otto 93 e i t mit einer Antrittsvorlesung über Geschichte der Wirbeltheorie des Schädels".

(ßeridmiaaL.

Die Wechsel der Kammersängerin Emmy Destinn. Im Jahre 1908 wurde der Prager Schneidermeister Kr. ersucht, Fräulein Emmy Destinn gegen Wechsel einen Betrag von 4000 Kr. zu leihen. Er zahlte den Betrag aus und Fräulein Destinn sandte ihm dann aus London einen Wechsel, den er dann, da die Einlösung nicht erfolgte, ein klagte. Fräulein Destinn erhob durch ihren Anwalt gegen den Wechsel- Zahlungsauftrag Einwendungen und behauptete, daß sie zwar oen Wechsel unterschrieben habe, jedoch mit dem von ihr gewählten Künstlernamen Emmy Destinn und daß diese nterschrift, da ihr bürgerlicher Name Emilie Kittel lautet, keine wechselverbindliche Kraft besitze. Das Han­delsgericht und das Oberlandesgerickt in Prag entschieden, daß der Zahlungsauftrag aufrecht erhalten bleibe, und zwar aus folgenden Gründen: Bei dem Umstande, daß die Beklagte, wie sie selbst eingestanden hat, ist es ohne rechtliche Bedeutung, daß sie ihn nicht mit ihrem bürgerlichen Namen unterschrieb, sondern mit dem Namen, dessen sie sich aus Anlaß ihrer künstlerischen Tätigkeit bedient. Denn bei Unterzeichnung ihres Theaternamens war sich die Beklagte sicherlich dessen bewußt, daß sie eine wechsel­rechtliche Verpflichtung eingehe. Zur Gültigkeit einer solchen Verpflichtung wird nicht unbedingt die Unterschrift mit bürger­lichem Namen erfordert; einer Person, die wissentlich einen Deck­namen gebraucht, unter dem sie als Individualität bekannt ist, kann nicht zum Nachteile dritter Personen, denen gegenüber die Verpflichtung übernommen wurde, ein besonderer rechtlicher Schutz zuerkannt werden. Der Revision der Beklagten wird letzt vom Obersten Gerichtshöfe ftattgegeben, der Wechsel­zahlungsauftrag aufgehoben und der Kläger zum Kostenersatz sämtlicher drei Instanzen verurteilt und zwar aus nachfolgenden Gründen: Für diesen Streitfall ist die Beantwortung der Frage belanglos, ob es anständig, redlich und, gerecht sei und dem Grundsatz von Treu und Glauben widerspreche, wenn jemand, der sich wechselmäßig verpflichten wollte, ein vor­handenes formales Gebrechen benutzt, um her wechselmäßigen Ver­pflichtung zu entgehen, die ohne diesen Mangel entstanden wäre. Ebenso ist es gleichgültig, ob die Beklagte zivilrechtlich ver­pflichtet wäre. Für oen Streitfall ist einzig die Beantwortung der Frage maßgebend, ob die Unterschrift Emmy Destinn, den die Beklagte eingestandenermaßen auf den Klagewechsel hinzu­gefügt hat, sie wechselmäßig verpflichten kann, da sie mit ihrem bürgerlichen Namen Emilie Kittel heißt.. Diese Frage ist ent­schieden verneinend zu beantworten. Derjenige, dessen Künstler­oder Theatername auf dem Wechsel steht, kann aus dem Wechsel keinerlei Rechte ableiten und nicht verpflichtet werden, da dies nicht sein rechtmäßiger Name ist. Da die Beklagte den Wechsel mit ihrem bürgerlichen Namen nicht unterschrieben hat, konnte ihr keine wechselmäßige Verpflichtung entstehen. .Man wird zu einem solchen Urteil, schreibt dieTägl. Rundsch.", als Laie nur den Kopf schütteln können. Die Frage, ob das Benehmen von Frl. Destinn in diesem Falleanständig, redlich und gerecht" sei, dürfte für Nichtjuristen denn doch von sehr starkem Belang sein! Und die Beantwortung dieser Frage ist wohl keinen Augenblick zweifelhaft!

vcriniscbtes.

* Ter Ausschuß für internationalen Schüler aus tau sch teilt ir it, daß für dieses Jahr die Listen für bei Austausch mit Frankreich geschlossen worden sind, EA sind in

Das klassische Straßenrennen Berlin-Hamburg brachte dem Continental-Pneumatik einen geradezu unvergleich­lichen Erfolg. Wenn auch dieses Fabrikat, das sieggewohnte, von vornherein mit den größten Chancen das Rennen stritt, so war doch das Ergebnis ein überraschendes: nicht weniger als 18 von den 20 Ersten, darunter der Sieger Rosellen, fuhren aufContinental". Das Resultat gewinnt noch erheblich an Bedeutung, wenn man berücksichtigt, daß am Start nur annähernd die Hälfte aller Fahrer Conlv' nental-Reifen hatten, die andere Hälfte dagegen verschiß dene Konkurrenzfabrikate. Mit dieser dominierenden lung des Continental-Pneumatik im Rennsport wird man zu rechnen haben, denn die konsequent wiederkehrende Ln- scheinung des Frontbehauptens in wirklich großen Vayr- rennen, Sechstagerennen und Straßenrennen fuhrt ma zwingender Beweiskraft zu per Folgerung:Continental Pneumatik ist unerreicht.' »

den letzten Wochen über tausend Gesuche aus Deutsch, land eingegangen, von denen nur ein Teil berücksichtigt Werder konnte. Dom englischen Ausschuß liegen noch einige Anfrage^ vor, jedoch nur um Austausch für längere Zeit, nicht mehr: Die großen Ferien dieses Jahres. Nähere Auskunft erteilt Ober« lehr er Dr. Karl Schmidt, Berlin S. 61, Lehniner Straße 9.

* Drohender Einsturz der Gotzkowskibrücke in Berlin. Die im Nordwesten von Berlin gelegene hölzerne Gotz. kowski-Brücke droht einzustürzen und ist deshalb gesperrt worden. Die Brücke wurde 1886 auf Kosten der Moabiter Bürgerschaft errichtet, die den größten Teil der Baugelder, etwa 80 000 Mk., hergab, während Berlin und Charlottenburg sich nur mit kl ei« neren Summen beteiligten. Schon bald nach ihrer Erbauung genügte sie aber nicht mehr den ungeheuren Anforderungen, die an sie gestellt wurden. Von der Inanspruchnahme der Brücke kann man sich ungefähr einen Begriff machen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß sie täglich von über 1200 Lastfuhrwerken befahren wurde. Seit mehreren Jahren sollte die Brücke neu errichtet werden, doch wurde der Neubau durch den jahrelangen Streit zwischen Berlin und Charlottenburg über die Höhe der Zuschüsse zu den Kosten verzögert. So verfiel denn die Holz­brücke trotz Ausbesserungen immer mehr und mehr. Vor einigen Wochen unterzog ein Ausschuß des Wasserbauamtes die Brücke einet eingehenden Untersuchung und stellte fest, daß die Spannbalkm sich bedenklich gelockert hätten, und die Stützpfähle zum größten Teil morsch und angefault seien. Daraufhin durften Safttagen die Brücke nur noch in einem Ab ''and von je z hi Mctern passieren, und die Straßenbahn nur im langsamsten Tempo über bie orüde hinweg fahren. Seit einigen Tagen haben sich die Schwankungen so stark bemerkbar gemacht, daß man den gesamten Fährverkehr aufhob. Der Straßenbahnverkehr wird durch Umfteigen aufrecht­erhalten.

* Russisches. Man schreibt uns: Die kleinlichen Schikanen, die russische Behörden häufig Ausländern gegenüber anzuwenden für ratiarn halten, schädigen meist das Land selbst. Dies zeigt sich recht klar in einem Falle, den derSt. Petersb. Herold" erzählt: Vor ungefähr 40 Jahren wanderte Baron Kutschenbach aus Deutsch­land nach dem Kaukasus aus. Er ließ sich in der Einöde des Kreises Bortschalinsk nieder und verwandelte durch unermüdliche Arbeit die Wildnis in ein fruchtbares, blühendes Land. Nähert man sich seinem Gute Mamutry, so erblickt man eine Oase. Gute väujer, Scheunen und Wege, parfartiqe Landschaft, Blumen», Obst- und Gemüsegärten wechseln mit Rieselwiesen, herrliche Viehherden von reiner Schweizer Rasse weiden auf den Bergabhängen kurz, ein wundervolles Bild des Wohlstandes, der Ordnung und bet Kultur. Baron Kutschenbach hat auch eine mächtige Käserei ge­gründet, die allmählich zum Vorbild von mehr als hundert neu­gegründeten Käsereien wurde. Diese erzeugen Millionenwerte und versorgen mit ihren Produkten einen großen Teil Rußlands. Vor etwa zwei Jahren starb Baron Kutschenhach. Seine beiden Söhne übernahmen das große väterliche Erbe und verwalteten es in des Vaters Sinn und mit demselben Fleiße. Jetzt erfährt man, daß sie das Gut verkaufen wollen. Warum? Weil man ihnen und ihren Leuten das dem Vater gewährte Recht, Waffen zu tragen, verwehrt. Im Kaukasus ist jeder bis an die Zähne bewaffnet. Es ist sonst unmöglich, sich gegen die Räuber zu schützen. Da man bloß den Kutschenbachs verbietet, sich zu bewaffnen, ist geschehen, was seit 40 Jahren nicht vorgekommen ist: im Herbst 1910 zün­deten Missetäter drei Scheunen an und im verflossenen Winter kamen wieder Brandstiftungen vor. Die Barone besorgen, auch fernerhin ähnlichen oder anderen Schaden zu erleiden oder gar getötet zu werden, und deshalb haben sie sich zur Liquidation ihres Gutes entschloffen.

Kleine Tageschronik.

In Kaiserslautern wurde durch eine Petroleum- Explosion die Fabrikarbeitersftau Reul aus Pirmasens lebensgefährlich, ihr Mann schwer verletzt.

In Berlin entstand gestern abend dadurch ein dreifacher Zusammenstoß, daß ein Krankenauto mobil und eine Automobildroschke beim Kreuzen des Straßenbahngleises z u s a nt» men stießen und in diesem Augenblick von einem <5 träfe en» bahnwagen abgefahren warben. Während das Krankoi- automobil, in dem sich eine Dame in Begleitung eines Arztes fand, die Fahrt fortsetzen konnte, wurde dis Droschke völlig zertrümmert. Die beiden Insassen, zwei Herren, er­litten erhebliche Verletzungen.

Gelegentlich des 125 jährigen Bestehens überwies die Firma Vieweg u. Sohn in Braunschw eig der Uni­versität Göttingen 10000 Mark und der Jnvalidenkasse da Firma 20 000 Mark Die Technische Hochschule in Braunschweig verlieh dem Inhaber der Verlagsfirma Bernhard Tempel mann bie Würde eines Dr.-Jng. h. c. wegen der Verdienste, die sich die Firma durch Herausgabe mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Werke erworben hat.

Durch einen explodierenden Kind er lnstb allo n würbe ein Gut bei Krotoschin in Brand gesteckt und voll­ständig eingeäschert. Ein Lehrer, der zum Vergnügen der Kinder den Ballon hatte aufsteigen lassen, ist verschwun­den.

In Zürich bereitete die Frau eines Landwirtes aus Gram über den Tod ihres Mannes ihrem Leben ein schreckliches Ende. Sie begab sich in den Keller ihres Hauses, umwickelte sich mit Decken, goß Petroleum darüber und zündete sich an. Als vollständig verkohlte Leiche wurde sie aus beut brennenden Keller geborgen.

In Zaryzin wurde ein trunkener Bursche, der eine Offi­ziersfrau beleidigte, nach dem Polizeirevier gebracht. Der Ehe- mann der Beleidigten drang in das Polizeiamt ein und erstaH den Burschen mit seinem Säbel.

In Sosnowicc erkrankten in einer Kesselfabrik infolge Beschädigung der Gasleitung ein Ingenieur und sieben Arbeit? an Gasvergiftung; vier davon sind gestorben.

kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag den 3 0. April, Mis erieordia Domini> Gottesdienst.

3n der Stadtttrche.

Vormittags SV, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Malthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser.

3n der Iohanneskirche.

Vormittags 9V, Uhr: Pfarrer B e ch t o l s h e i in e r.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die L u k a s gemeinde. Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.

Wartburg".

Christlicher Verein junger Männer.

Sonntag den 30. 'April, abends 8 Uhr: Versammlung Ntrchstrahe 9.

Gäste, besonders bie Neukonfirmierlen, herzlich willkommen.

Montag den 1. Mai, abends 8 Uhr: Versammlung beS Frauenvereins der Markusgemeinde.

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