Nr. 122
Drittes Blatt
161. Jahrgang
Erscheint fL-Nch mit Ausnahme des Somitagi,
Tie ,,-tetzener $aetllienblärter" werden dem .Anzeiger' viermal roöd)entlief) beigelegt, da» ..Kreisblatt für bat Krell Liehen" zweimal wöchentlich. Tie ..kandwirtichaftllchea -eit» fragen" erfcheinen monatlich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhch'en
Sreitag, 26. Mat 19U
Rotationsdruck und Aerlag der Brühl'fchea Unwersitäi» - Buch- und Sieindruckcrei.
x R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und Tnicfcrei: ®4ul- ftrone 7. Expedition und Verlag: 51-
Redaktion: 12. rel.-AdruAnzeigerDießen.
mb Deutscher ?\cid)^(aci.
183. Sitzung, Mittwoch, den 24. Mal.
Am Tuche bei Bundcörat«: v Bctbmann Hollweg, Tr. Delbrück, Zorn v. Bulach, Mandel, Mahn- schaffe.
Präsident Straf Schwerin Löiriy eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 Stin <!t macht Mitteilung von einem Schreiben bei französischen Bois cha fterS , wonach dieser von dec einte il nähme de» Reichstags an dem Jssver 11 n • glück feiner Regierung Kenntnis neneben bade und diese dadurch sehr wohltuend berührt sei; er übermittelt dem Reichstag den Lank seiner Regierung.
Die zweite üefung des ellah-lolkringlscken
Wahlgefefoes.
? 1 enthalt die Ma KlkreiLeinteilung Ter ttorn- mifiwnSbeschluß siebt fX) Mandate vor, d e sich auf 23 Wahlkreise verteilen; davon entfallen auf Straßburg und Mickhausen je 6, auf die anderen Wahlkreise je zwei oder drei Mandate. Tie elsässische (Kruppe Tr. Ricklin und Gen. beantragen, Straßburg und Colmar in ländliche und städtische Wahlkreise zu Vifen, wovon dfa beiden Straßburger je drei, Colmar Stadt ein! und Colmar Land zwei Mandate erteilten sollen. Zu § 2 beantragen die Elsässer, auck das Wahlrecht von der Voraussetzung zugehörigkeit ohffaitflfa zu machen. Tic Sozial, bemofrntcu hi'.’cn ihre :1utrage aus der .(lommifitem wieder, holt: ^rauenwablrecht. Herabsetzung de; Wahlalters vom 25. auf teil 20. Lebensjahr, durchweg nur cinjabuger, statt eines brr • jäfingen Wohnsitzes im Lande als Voraussetzung für das Wahlrecht.
Der Antrag der elsässischen (Kruppe verlangt die Einsübrung Irr Listenwahl, jeder Wahlberechtigte wählt so viel Abge« ordnete, alS auf seinen Wahlkreis entfallen.
Abg. Emme! (Soz):
von der Gestaltung de« § 1 hängt unsere endgültige Stellung«
'c zum finnirn verfass,ingsiverk ab. ES fehlt in den Man. missionvbeschknssen u. a. eine Reibe von Dingen, die wir für nötfa -allen. Bon der Einbringung einev Proporzantragcr seben tou ob. da eine Mehrheit dafür nicht z,, hoben ist. obgleich früher manche (Gruppen, die jetzt nicht« davon wissen wollen, dafür ein» traten. SEBij teilten aber die Forderungen unserer Anträge für geboten. Entschieden verwerfen wir die Anträge Ricklin. Sie zeigen so recht die parteipolitischen Ziele dicker Herren. Ter kleinere Landkreis Colmar fall doppelt soviel Abgeordnete erhalten al» der größere Stadtkreis, und die beiden Mandate de« Wahl« kreu'es wollen Sie sich durch Listen sichern. Sorgen Tie jetzt dafür, daß nufer Jnlcresse an dem Zuftandekonnuen de- Gesetzes erhalten bleibt.
Abg. Haußmann (Vv.)5
Tic Verbesserungen in der .Kommission haken eine große null rettende Mehrheit gebracht. Tie Proteste vom Westen und vom Cften sind daran abgeprallt. Tic Herren von der äußersten Rech« ton haben d-.'S C-fesetz verworfen, weil es zu viel Freiheit bringt und die Proteste an« dem Westen sind ^rugellracht worden, weil eß zu wenig Freiheit für Slfaß.Lothringen enthält. Tiefe beide» Argumente heben sich gegenseitig vollständig auf. Ta» Land wird von Stufe zu Stufe um so mehr Autonomie erhalten, je mehr eS felbst müarbcitet an den beutfdicn Tingen. Auch doS Wahlgesetz ist. in der Kon,Mission wesentlich verbessert worden. Die Wahl« kreiSgeometrie ist auSgeschallet, dafür sind gesetzliche Wahlbezirke geschaffen. Gß ist die SonntagSwahl eingeführt, die nach der Aussage ein?» den geistlichen Ständen angehorenden Mitgliedes ter .Kommission, sich in'Bauern vollständig bewährt hat und keinerlei Störung verursacht. ES sind Wahlurnen eingeführt und der Pro« porz ist verworfen worden, der keine Mehrheit finden konnle, ob« wobl viel für ihn gesprochen hat Abgelebnt wurde ebenso baß Pluralwahlsystem, da« den gegnerischen Argumenten so
wenig stand halten konnte, daß eS schließlich von keiner Seite mehr vorgcschlagen wurde. (Hört! Hort! links.) Man wollte schließlich den Wählern über 40 Jahren zwei Stimmen geben« Ta» wäre immerhin eine Konzession an da« Schwabenalter gewesen, das nebenbei bemerkt bereits im floran vorkommt, wie mir College Grober gelegentlich mifteiltc. (Heiterkeit) Man hat aber auch schließlich diesen Vorschlag verworfen und mit gutem Recht. Tenn dlc Folge wäre gewesen, daß jeder Elfüsier, der unter deutscher Herrschaft bereits geboren ist, nur eine Stimme erhalten hatte, alle jene aber, die noch unter französischer Herrschaft geboren sind, zwei Stimmen. (Sehr gut!) Daß allgemeine Wahi- recht hat feine Kraft wieder erprobt und eö hat sich erwiesen, daß eß immer noch, wenn es auch nicht fehlerlos ist, weniger Nachteile aufweist als irgend ein anderes Wahlrecht. (Lebh. Zustimmung links.) ES taugt auch besonders für Elsaß.Lothringen, wo man seit mehr als hundert Jahren überhaupt keine andere Vorstellung kennt als den Glcichivert der Persönlichkeit. Deshalb finde ich eS so außerordentlich bedauerlich, daß die Konservativen ge« rade in diesem Punkt so heftigen Widerstand leisteten. Die Stonfer« vativen haben geglaubt, daß die übrigen Parteien sich nicht zu einet Mehrheit zusammensinden werden, wenn sie sich zurückzichen. Tann würde die Regierung ihre Abhängigkeit von den Konser- kativen empfinden. Sie haben aber diese Rechnung falsch aufge- stellt; denn sie haben die steigernde Wirkung einer gerechten Lösung VcS Rcformwerkes unterschätzt. Eigentlich können wir den Herren von der Rechten dankbar fein. Denn sie haben die Re« gierung förmlich auf b i c linke Seite herüber« gedrängt. Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein» (Sehr gut! NnkS.) Ein Mitglied der Rechten bat für das allgemcina Stimmrecht gestimmt in der Hoffnung, eS der Regierung zu verekeln. Ein derartiges Motiv für die Entscheidung ist sonst im Reichstage nicht üblich. (Sehr gut! links.) Das haben denn über« Haupt die konservativen für Elsaß al5 Programm sich gedacht? Eines ihrer führenden Lrganc. der -Rcicksbote", hat in einem
Artikel eS offen ausgesprochen, man solle die Reform biß zu den» Zeitpunkt verschieden, wo einmal ein .<! r i e n neu über Elsaß. Lothringen entschieden bat (Lebh. Hört! Hört! links.) Das ist der Lankerott der konservativen Politik. (Sturm. Pcisall links.) Es ist der Ausdruck der vollkommenen Unfruchtbarkeit der konservativen Partei, daß sie die Tinge jo lange ruhet, .assen wollen. 6i3 ein neuer Krieg auSgeiragen ist. Die verlöt ist auch daS Argument von der kaiserlichen y 1 aJ*bQ.VV* uii die Sie sich scharen wollen! Hat doch der Trager ber lieben Gewalt unter der kaiserlichen Standarte von «lragburg den fliäfiern versprochen, daß daS Gesetz zustande kommt. Denn ^ luf die Konservativen angclommen »rare, fa‘tc c* b
Vicht cinlöjcn können. (Lebst. Beirall links.) Auch die Deutung les preußischen Staates in dieser vcragc haben«SfabTn geschäht S>e hätten sich fragen mutten, wo» eS rur das -rns^fan kcs führenden Staates von Deutschland bedeuten wurd^wonn oicse Vorlage scheitert: und die Antwort ist. da« eS cm Er^gniS gewesen wäre. daS nickt bloß.sür Deutschland von großer Tragweite wäre sondern ein F i a S k o v o r g a n z Europa bebrüten würde. iScbr wahr! links.) Und \n dieses Fiasko locte Preußen al- der führenbe Staat in Deutschland mithmcingczogev Ä. Ä liegt alfa im Höheren'Interesse Preu.enS wenn man mit hilft, die Vorlage zu einem positiven Ergebnis zu nck ren. V,e. leicht ist die Gruppierung v o n g e tr e r n ein - Perspektive für die Zeit des nächsten Reichstages, derdann^ fruchtbare Lrbeit machen und eine starke Mehrheit unter Aus»
ickaltung der Konservativen haben könnte, wenn tich die Wahlparole, die ber Reichskanzler gestern auSgegeveu hat, in den Wahlkampf übertragen würde: entweder stille ft eben j ber vorwärts schreiten l (Lebhafte Zustimmung links.) Unter dem PorwärtSschreiten wird sich eine Entwicklung vollziehen, die nicht nur für die innerpolitischen Verhältnisse, sondern für bal ganze Teiitfdic Reich ven Segen jein wird. .(Lebh. anhaltender Beifall links.)
Abg. v. Certirn (Rf )k
Gegen die Demerkung über den Krieg muß ich namcnl meiner Freunde und namens aller Konservativen Verwahrung eiplcgen. (Zuruf: Sind Sie konservativ?) Gemäßigt Ionier- oaliv. Stein konservativer Deutscher wird einen Krieg herbei- wünschen und km Konservativ, r wird glauben, daß durch einen Krieg baS Reichrland Deutschland mehr angegliedert wird. ES ist uns Konservativen nur unter Zur.ickstcllung sehr wesentlickier Qfebenfrn möalick gewesen, für bic'c Vorlage zu stimmen. Wie halten die Einführung dcS allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts in den Einzelstaatcn für sehr fehl- sam. Anders liegt es ijn Deutschen Reich mit den gleichen Steuericistuiigeu; da ist es durchaus billig und gerechtfertigt, daß ieber Deutsche auch in den ReickLIag wählt; aber in den Ein;e'- ftonfeh hat nicht jeder persönliche Leistungen an den Staat zu keiften und cS ist durchaus gerechtfertigt, wenn die mit höheren Leistungen auch in ho (je rem Maße am Wahlrecht beteiligt werden (Zurufe links. > Daß Sie anderer Meinung find als ich. weiß ich. (Vizepräsident Tr. Spahn: 3d) bitte, auf Zwischenbemerkungen nickt einzugehen. — Große Unruhe.) Denn ich und ber größte Teil meiner Freunde trotzdem in Elsaß- Lothringen für daS vorliegend- Wahlgesetz bin. so geschieht eS einmal, weil bofct bereits die politischen Wahlen nach diesem Maßstabe vorgenommen werden und weil eine rückläufige WaHländer'ing nicht möglich ist Aber ich betone ausdrücklich. daß wir das nur mit Rücksicht auf Elsaß- Lothringen tun und eS nickt als Präzedenzfall für linfarc Stellung in anderen Staaten gelten lassen. Ten § 1 ber KornmisiignSbeschl st sie halte ick für viel besser als die ursprüngliche Regierungsvorlage. Die Dahlh-'zirke sinb ange- »lieber! an die ^terwaltungSbezirke und gesesilick, festgelegt; b-^8 Ist richtig. 3ur eine onbere (Gestaltung der Wa!-||"-zirkc oder für da» Listenwahlsystem kann isi nickt siimmen. Mit dem weiblichen Wahlrecht kann ich mich nickt einverstanden erklären. TaS ist rinc fo schwierige prinzipiell- Frage, baß ich jetzt Hier nicht darauf eingehe, fonberu nur erkläre, wir stimmen dagegen. Ebensi werben wir gegen eine Herabsetzung des Wahlalters stimmen Der wählt, muß eine gewisse Reife haben. Und ebcnfatociü( stimmen hur für eine Herabsetzung ber Wohnmw.Sbauer. Wii halten an ben stomiuisiioi'^beschliisten fest, unb ber gröjtt Teil meiner Freunde wird für diese stimmen.
Abg. Beck-Heidelberg (92nfL):
Meine Tfrcnnbc sehen in dieser Vorlage eine gute Grundlage für ein ersorießlicheZ Weiterarbeiten, wenn auch manche; nickt so gestaltet ist. wie wir c; gewünscht hätten. Tiber gegenseitiges Entgegenkommen war notwendig. Wir erklären unS mit den, Fallenlosien des Pluralkpcckckreckt? einverstanden, nickt weil wiv an sich gegen ein Pluralwahlrecht wären, aber weil wir enfa Abstufung lediglich nach dem Sliter nickt für richtig halten, unb pimaf gerade in Elsaß-Lothrinqen. Tie Durchführung der 2?er' kaltniSwahl ist nickt zu erreichen. Entschieden lehnen wir eia» Listenwahl ab, da diese schikanös gegen die Minderheiten wirke» würde.
9T(i(t. Hansi CEls);
Wann hat die sozialdemokratische Partei je bei ihren Anträgen auf Einfuhr, ng des allgemeinen, gleichen Wahlrechts den Proporz lerlaiigt? Und jetzt wagt c5 Herr Emmel, anderen Parteien den Vorwurf zu machen, sie seien gegen ben Proporz!
Tie Aussprache schließt. Rach persönlickien Bemerkungen bet llbsig. 2S e 11 e r I e (Els.) unb Emme! (Soz.) werben sämtliche llnirage abgelehnt; die §§ 1 und 2 werden nach den siammission-- befdüuffen angenommen. § 3 ber Aemmissionöbescklüsie enthäll das gleiche Wahlrecht. Hierüber ist die ülbstimmung au* Antrag des Abg. Emmcl (Soz.) namentlich. Sic ergibt die Annahme des ölommisi'ionSbeschlusseS mit 262 gegen 17 Stimmen. In ber Minderheit stimmen geschlossen die lionservativen unb der kleinere Teil ber RcichSpartci. Tit Wirtschaftliche Vereinigung stimmt mit der Mehrheit.
Ter Rest des OJefehcd wirb onverändert angenommen.
Einige RecknungSsachen werden ohne Aussprache erledigt ES folgt die Vorlage über die vorläufige Regelung bet Handelsbeziehungen zu Japan.
Staatssekretär Tr. Delbrück verweist auf die b»r Dorlagi beigegebene Begründung und erklärt -ich bereit, in ber sionimis'ioi weitere Auskunft zu geben. Hoffentlich gelingt eS, trotz ber Aürzi ber Zeit, den Entwurf noch zu verabschieben.
Abg. Tr. Roesicke (Kons.):
Tie Regierung will bie Vollmacht haben, baß sie eine/ HanbelSverrrag mit Japan in Jlraft setzen kann, falls er zustanbe- kommt. Ta muffen doch schon Grundlagen vorhanden setut Ho'fenlkich haben unsere Unterhändler nickt wieder den Fehler »emacht und dem Gegner die Meistbegünstigung von öoruijcrein -argebracht. DaS System unserer Verhandlungen muß endlich jeänbert werden. Ter Redner beantragt Aommissionßocratung.
StaatSselretär Delbrück wiederholt: In der Kommission werde <ch weitere Aufklärungen geben.
Abg. Speck (Zentr.): Ter DundcSrat fordert fahr weitgehende Vollmachten. Dagegen haben wir Bedenken. Wir beantragen llebcrwcisung an bic Kommission für den schwedischen Handels- vertrag.
Abg. Koemps
Wir werden ja in der Kommission hören, welche Absichten die Regierungen hat. Carte blanche-Vollmacht wollen wir ihr nickst geben. Wir m.isien wcnig-tens ungefä! r wisien, waS sie will, lln'erc Unterhändler haben beim schwedischen HandelSver- trage vorzüglich gearbeitet, sic werden ek auck hier tun. Wer ben öercanbh’Hjcn des wirt'cha-'ilicken Ai'Sschuncs beiacTchnt bat, weiß, daß unsere Vertreter eine große Sachkenntnis besitzen. Frei« ich falben sie einen schweren Stand gegenüber einer Zollmauer, gegen die sie nicht anrennen können.
Tie Vorlage geht an die K o m m i s si o n für den schwedischen Handelsvertrag.
Es fofat die erste k-kuna de? neuen Niederlas sungS« Vertrags mit der Schweiz.
Abg. Tr. Müller-Meininaen (Bv.)^
Leider sind in te;n Vertrag- noch einige Spuren des alten Volizeigeistcs geblwben. Wir begrüßen aber int:n*it:crole An"ährrunfl pnd wünschen, daß sic auck auf die postalischen und Dcrkchr-verhÄtnisie allmählich ausgedehnt wird.
Abg. Stadthagen (Soz.):
Der Vertrag bringt eine Verschlechterung. E? ist ein Nuß. nobmeaelctz der preußischen Stegieruri gegen die Arbeiter. Ter Redner redet sick in große Erregung binein und sprich: von Reckt^- p-idria'.-it, ^-rtragkbriick usw. (Vi-evräsident Schultz ersucht shn, diese scharfen Ausdrücke zu vermeiden.)
(VeTictrnrof 7?rantzi«S:
Eine Verständigung uber Pol' c vorsckriflcii heroeizusühren, toirb nickt wohl mäglick fern. Öc-'cn ben «u5n»eisung0best'm. mungen h.iben wir Vorstellungen erhoben, unb bic schweizerische Regierung Hot sich bamit beruhigt.
Ter Vertrag wird in erster unb zweiter Lesung genehmigt. r , „
CS folgt bic erste Losung des Gesctzei'twurfaS betr. die SchiklSineldungen bei den flon(ulntcn de» Deutschen Reickc».
.1hg. Tr. Hecklckcr ^Vp.): Gegen die grundlegende Tendenz des Gcictze» habe ick nidjt» einzuwcnden. Ick appellierc nur an tic utertvackenden Instanzen bas man mit M,l>c gegen die Kapitäne vorgchcu möge, bic erfreulicher Weise sick noch eine tie»- Eingewurzelte Abneigung gegen bic Schreibseligkcit unfereß Zeit- plterS bewahrt haben.
Geheimrat Körner sagt dies zu
Der Gntwurj wirb in erster und zweiter Lesung an» hcnvmmen.
ES fofat bie erste Lesung b<r Uebereinkunst über da» «re- Tccht tetr bic Regeln üfar ben Zusammenstoß von 3<tii(fen uüv.
Tie Ucbcrcinlunft wirb « ach einer kurzen zustimmenden Bemerkung beS Abg. Eickhoff (Vp.) ig erftet und zweiter Lesung genehmigt. , ,
Es folgt bic zweite Lesung beö Acsetzentwuri» bctr. bic vese11! gung von Ticrkabavern.
Dov Gesetz wird bebattcloS angenommen mit bet Abäuberung, baß eS gleichzeitig mit bem Piehseiickcn» gcsetz in Kraft treten soll, wie ein Antrag Stubbcnborf (Dtp.) forbcrtc. , , ,
Er folgt bie zweite Lesung dc» GesitzentwurfS betr. ben PatentauSsührungSzwang.
Abg. Er.berger (Ztr ): DoS Gesetz selbst,.daS nur eine einzige Valentsrage neu regelt, bebarf kaum einer weiteren Besprechung. Nut muß bei biefer Gelegenheit betont werben, baß da» Paient- amt Iciber sehr zu Unrecht von gcwisien Patentanwälten- ange- griffen wirb, benen eS im wesentlichen uni eine Erhöhung ihrer Gebühren zu tun ist. , .m ,
Abg. ^chr. v. (Mamp (Rp) we.st gleichfalls b,e Tortrurfc gegen bas Patentamt zuruck. Tic Industrie ist mit der Judikatur des Patentamts durchaus zufrieden.
Staatssekretär Delbrück: Eine mehr ober mmbcr biir<t- ireifenbe Deränbcrung unserer Patcntgesetzgebuug ist von allen Seiten gewünscht worben. Ucbcr baS Wie gehen die Meinungen 'reilich weit auseinander. Darüber ist nun ein Kampf entbrannt, ber bie Ursache ber maßlosen Angriffe gegen baS Patent- omt unb gegen einzelne seiner Beamten ist. Auf>^runb ber ?IHcn unb ber genauen Kenntnis brr Verhältnisse kann ich fcitftcllcn, baß unsere Jnbustrie stets bte vortrefsl'chkcit unb ^"verlässigkeit ber Arbeiten unsere» Patent- am!S unb bic Brauchbarkcir befl jetzigen Verfahren» oncrlannt haben. Damit fällt bic Wirt sticke AngrifsSbroschure tn sick zusammen. Wenn sachlich unbegrünbetc *mb in ber norm ungehörige Angrisse gegen bic Beamten erhoben worben sind, so wirb etwa» geschehen muffen, um bic Beamten zu schützen. (Beifall.)
Abg. Tove (vp.)' Wir werben der Vorlage zustimmen. Tic hier vorgebrachten Streitfragen staben mit ber Sacke selbst not nichts zu tun. Ich gehe gar nicht barauf ein. Schließlich hat aber doch jeder Preuße da» Recht der freien Meinungsäußerung, fo auch Herr Wirth. ___
Abg. Geck (Soz.): Dir sind'auch dafür. (Ahg. Erzberger (Zentr.): Schon wieder Regierungspartei? Heiterkeit.)
DaS Gesetz wird in zweiter, unb ba kein Wiberspruch erfolgt, auch in brittcr Lesung enbgültig angenommen. Rach einem Antrag Tr. Iunck (Natl.) tritt cs am 1. Juli 1011 in Kraft.
Ta5 Gesetz über bic Au »gäbe kleiner Aktien w,rt auf Antrag Belzer (Zeutr.) abgesctzt. Tamit ist die Tage«, ordnung erschöpft. Ä ,
Jreitag. 11 Uhr: Herbstdiätengesetz, 3 unb« Warengesetz, E I s a ß - L o t h r i n g e n und versichc» rungkordnung. (3. Lesung.)
Schluß 4 Uhr
2ht$ Sfaör unö tanO.
Giestcn, 26. Mat 1911.
Gasfernversorgung.
In einem von dec sächsischen Negierung inspirierten Artikel wurde kürzlich den Landgemeinden nahegelegk, dic Versorgung mit (SaS durch Bildung von Zweckoerbänden zu unternehmen; damit wäre in Deutschland zum ersten Male Die Frage der Gasfernversorgung ernstlich angegriffen, cii» Problem, dein man bei unS bisher geflissentlich ouSgewichen ist. Nach dein heutigen Stand der GaSIcchnik ist, wie „Tie Welt der Technik^ auSführt, die Möglichkeit, Gas ebenso, wie elektrische Energie auf größere Entfernungen rationell zu verteilen, unbedingt gegeben. Tic Praxis zeigt, daß in amerikanischen Städten, iüo die Elektrizitätsversorgung in großzügiger Weise durch Ueberlandzentralen glänzend gelöst wird, sich riesige GaSzenlralen mit gewaltigen Fernleitungen ent- wickeln, deren Wirtschaftlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Während bic Ueberlandzentralen hochgespannte Elektri- zilät dnrch cm sirahlensörmigeS vletz von Drähten über daS Land verteilen, führen b:e Unterlandzcnlralen, wie man sie genannt bat, durch cm nicht minder ingeniöses Röhrensystem unterirdisch die ebenso wenoolle Kraft, daS Gas, den Konsumenten im entlegensten Dörfchen zu. Die TruckaiiSgleichung bietet keine Schwierigkeit mehr und ebensowenig die lieber» wmduug größerer Entjernungen durch eine absolut dichte Rohrleitung. ES hat sich m Amertta, der Heimat der Gasfernleitung, gezeigt, daß ieibft eine Entfernung von 250 Kilo» meiern fast spielend vermUleiS iahlerncr oder schnuedeeiserner Röhren, mit Muffen oder Flanschen nut Gummiringen in* onandergejügt, überwunden wurde. Die Dichtigkeit dieses Röhrensyüeius, in dem daS GaS noch dazu unter Hochdruck steht, hat sich als nahezu absolut eriviesen. Ter Verlust an (LaS wurde auf höchstens ein Prozent geschätzt. Die Länge dieser Leitung wird noch übertroffen von einem neuen Pro» jeft, wonach bie Stadt Baltimore, mit 600 000 Einwohnern, von den Cclroctfen in West-Virginia Naturgas auf eine Entfernung von 320 Kilometern (gleich etwa dec Strecke von Berlin bis Bremen) beziehen will. Wenn in Deutschland Ferngasleitungen von so unpoianler Länge noch nicht bc- iiehen, so ist der Grund nicht etwa tn mangelnder Leistungsfähigkeit der deutschen GaSindnstrie zu suchen, sondern darin, daß bei uns die Notwendigkeit jo wett ausgedehnter GaS- fernlettungsgruppen noch nicht so dringend vorlag. Auch mußte auf die Verwendung des Hauptnebenproduktes bei dec


