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21/12/1911 Erstes Blatt
 
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werde! hierzu willkommene Gelegenbeit geben. Auch die feste jlSestaltung des Landes zum Reich hält die Erste Kammer für wünschenslvert: auch hält sie es für angebracht, den Staats­haushalt von Schwankungen des Wirtschaftslebens möglichst un abhängig zu machen und ist dafür, eine gesetzliche Vorkehrung da- tzegen zu treffen. An der Erledigung der Vorlage über die Tilgung der Staatsschuld will die Erste Kammer gleich falls mitarbeiten. Tie Mitteilung, daß der Anteil des Landes an den ^Einnahmen der Eisenbahngemeinschaft ge­stiegen sei, und aus ihm erhöhte Mittel für die laufende Verwal­tung zur Verfügung gestellt werden können, wird mit besonderer Freude begrüßt. Tie Erste Kammer nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, daß die Bemühungen der Regierung und des Ausschusses zur Vereinfachung der Staatsverwaltung weitere Er- sparnisse erwarten lassen. Tie hierdurch flüssig werdenden Mittel sollen eine Erhöhung der Bezüge der Beamten, Staatsdienst­anwärter, der Lehrer, der Pensionäre und der Hinterbliebenen möglich machen.Tie Besserstellung der Beamten liegt auch, so heißt es weiter, uns schon seit Jahren am Herzen. Wir wer den die in der Thronrede in Aussicht gestellte Vorlage besonders genau zu prüfen haben, und es wird unsere Pflicht sein, einer­seits auf die Lage der Staatsdiener, jedoch auch andererseits auf die finanzielle Lage des Landes und seiner Bewohner Rücksicht zu nehmen. Ebenso halten aber auch wir zum gleichen Zeitpunk eine Erhöhung der Zivilliste aus denselben Mitteln für not­wendig." Auch den Vorlagen über das Abkommen mit der ©toi)' Mainz wird die Erste Kammer mit Interesse entgegen sehen Die Maßnahmen, die zur Abwendung der Folgen der D u r r e gc troffen worden sind, oie Herabsetzung der Eisenbahntarife fottrip das helfende Einschreiten der Forstverwaltung, der Landwirt schaftskammer und der Gemeindevertretungen werden, wie wir hoffen, dauernde Schäden abwenden. Auch in der Entschädigungs­frage für an Maul- und Klauenseuche gefallenen Tiere wird die Kammer ihr besonderes Interesse für die landwirtschaft­treibende Bevölkerung des Landes betätigen. Alle anderen in Aussicht gestellten Vorlagen werden einer ernsten und gewissen­haften Behandlung unterzogen werden.

Tas Haus erklärt sich mit der Fassung dieser Adresse ein verstanden. Tie Ueberreichung dieser Adresse erfolgte heute abend 3/48 Uhr durch eine Abordnung, bestehend aus dem Präsidenten, den beiden Sekretären und den Mitgliedern .Prinz Viktor zu Erbach-Schönberg und Oberbürgermeister Tr. Göttelmann.

Nun folgt

die Wahl der Ausschuss<

Es werden gewählt:

In den 1. Ausschuß: Graf zu Erbach-Fürstenau, Fürst zu Jsenburg-Birstein, Prinz Friedrich zu Solms-Braunfels, Erb- marschall Ludwig Riedesel Freiherr zu Eifenbach, Freiherr Hehl zu Herrnsheim, Bankdirektor Parcus, Geh. Kommerzienrat Dr. Strecker.

In den 2. Ausschuß: Fürst tzu Leiningen, Fürst zu Solms Hohenfolms-Lich, Graf Kuno zu Stolberg-Roßla, Graf Wilhelm zu Solms-Laubach, Professor Geh. Justizrat Dr. Schmidt, Justiz­rat Dr. Kleinschmidt, Landgerichtspräsident Dr. Hangen.

In den 3. Ausschuß: Graf Wilhelm zu Solms-Laubach, '©raf zu Dftnburg und Büdingen in Meerholz, Domkapitular Dr. Bendix, Oberstallmeister A. Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Geh. Kommerzienrat Dr. Merck.

In den 4. Ausschuß: Graf zu Solms-Rödelheim, Prinz Viktor zu Erbach-Schönberg, Fürst zu Psenburg und Büdingen in Büdingen, Prälat D. Dr. Flöring, Geh. Kommerzienrat Gail, Oberbürgermeister Dr. Göttelmann, Gewerberat Falk.

In den dlnsschuß zur Vereinfachung der Staatsverwaltung klommen als Mitglieder: Graf Kuno zu Stolberg-Roßla, Geh. Kommerzienrat Gail, Oberbürgermeister Dr. Göttelmann: als .Ersatzmänner: Fürst zu Jsenburg-Birstein, Prinz Friedrich zu Solms-Braunfels, Prof. Geh. Justizrat Dr. Schmidt.

Freiherr von Riedesel schlägt vor, als Stellvertreter des Kontrolleurs für Staatsschuldenverwaltung den Kanzlisten Werner zu wählm.

Die Sitzung wird damit geschlossen.

Nach Erledigung der Tagesordnung bringt Gras von Schlitz den bis jetzt für dieses Haus bestehenden Frackzwang zur Sprache und schlägt vor, auf Anregung mehrerer Mitglieder von einem Frackzwang künftighin absehen zu wollen. Graf Erbach-Erbach will aus Prinzip den Frack er­halten wissen. Er sei em Zeichen des Konservatismus. Er sehe es als eine Ehre an, daß die Erste hessische Kammer noch Frackzwang hat. Auch Fürst Solms- Laubach bricht eine Lanze für den Frack. Da aber die Mehr­heit liberaler denkt, wird also der Frack in Zukunft nicht mehr unbedingt notwendig fein. Aber immerhin einigt man sich dahin, daß der schwarze einreihige Schoßrock das niedrigste Kleidungsstück fei, das in der Ersten Kammer getragen werden dürfe.

Die Reichstagrwahtbswegung.

Die liberale Einigung in Gießen endgültig vollzogen!

Wie wir hören, hat der liberale Einigungsausschuß am gestrigen Mittwoch sich endgültig über das gemeinsame Vorgehen geeinigt und die Kandidatur Erkelenz wird jetzt auch von den Nationalliberalen nach Kräften unterstützt. Es wurde unter Ausscheidung der Alsfelder Wahlkreisstrei­tigkeit grundsätzlich beschlossen, daß die Nationalliberalen und die Fortschrittspartei im Wahlkreis Gießen künftig bei allen politischen Wahlen gemeinsam vor­gehen, das heißt also bei der Reichstagswahl, den Landtags­wahlen und den Stadtverordnetenwahlen in Gießen, und zwar auf der Grundlage der Gleichberechtigung. Wir werden den genauen Vertrag, der diese Festsetzung erhält, wohl morgen zur Veröffentlichung bringen können.

Es ist erfreulich, daß der alte Bruderstreit endlich bei­gelegt ist und daß die Extreme, die in beiden Parteien vorherrschend waren, jetzt zum Schweigen kommen müssen. Die nächsten Tage werden eine kraftvolle Agitation für den gemeinsamen Kandidaten in Erscheinung treten lassen.

Aus dem Wahlkreis Alsfeld Lauterbach-Schotten.

st. Schotten, 20. Dez. Gestern abend 8 Uh«r fand in der Turnhalle hier eine von der hiesigen fortschrittlichen Volkspartei einberufene Wählerversammlung statt, die recht gut besucht war. Nachdem Landtagsabgeordneter Pfarrer K o r e l l - Wnigstätten in kurzen Worten das Recht der Pfarrer, Politik zu treiben, klavgelegt und etwas aus­führlicher die Schattenseiten der Reichsfinanzreform von 1909 beleuchtet hatte, entwickelte Reichs tags kandidat Pfarrer Möbus-Udenhausen sein Programm in ausführlicher und sehr sachlicher Weise .Beiden Rednern wurde sehr lebhafter Beifall gezollt. Eine Aussprache fand nicht statt.

Deutscher Reich.

Wie das Wolffsche Bureau mitteilt, ist die Ernennung de§ Gouverneurs Dr. Solf, der seit dem Rücktritt des Staatssekretärs Lrndequist die Geschäfte int Reichskolo­nialamte in Vertretung führt, zum Staatssekretär des Reichskolonialamts in Aussicht genommen.

Der liberale Kandidat im ersten Mecklen­burger Wahlkreis, Seminar-Oberlehrer Siv- k o v i ch, wurde auf der Heimfahrt von einer Wahlversamm­lung von einer Anzahl von Männern mit Steinen bewor­fen. Einer ferner Begleiter unh der Kutscher trugen Vec- letzuugen davon.

Obwohl die Feuerbestattung in Bayern nicht zugelassen wird, hatten die städtischen Kollegien in Nürnberg be­schlossen, in den «Etat 33 000 Mk. für Errichtung eines Krematoriums einzustellen. Die Regierung erklärte diese Beschlüsse als ungültig und ordnete Streichung der Position an. Der Magistrat der Stadt Nürnberg erhob hiergegen Beschwerde 6eint Verwaltungsgerichtshof, der auch eine Entscheidung dahin fällte, daß die Entschließung der Regierung von Mtttelfranken außer Wirksamkeit gesetzt werde.

Ausland.

Osservatore Romano" veröffentlicht ein neues Motu- provrio des Papstes, wodurch das Brevier reformiert wird.

Die Friedenskonferenz zwischen den Kaiser­lichen und chinesischen Aufständischen wurde unterbrochen. Wutingfang vertrat dev Standpunkt, daß die Republik die einzige mögliche Grundlage zu einer Verständigung sei. Tangs Hao yi erklärterer könne ntcht eine Frage von so hoher Wichtigkeit beantworten, sondern müsse Darüber nach Peking berichten. Der Waffenstillstand wird infolgedessen um eine Woche vom 24. Dezember an verlängert.

Aus Petersburg wird mitgeteilt, falls die persische Regierung bi£ morgen abend keine Antwort auf das russische Ultimatum geben werde, würden die russischen Trup­pen den Befehl erhalten, den Vormarsch auf Tehe­ran anzutreten.

Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staa­ten nahm die Erklärung des Senats an, durch die der russische Vertrag gekündigt wird.

Aus Stadt uud Land.

Gießen, 21. Dezember 1911.

Ueberlandzentrale Wölfersheim.

Auf das Ausschreiben, das bm dem Sachverständigen der Provinz, Geheimerat Kittler ju Darmstadt am 2. Nov. an 14 elektrotechnische Firmen Deutschlands hinausging, werden die Angebote am 22. d. Mts. bei der Provinzial- direktion eingelaufen sein. Sie wwden int Lause des Monats Januar geprüft und beurteilt w-rden. Es ist demnach mit Bestimmtheit zu erwarten, daß in Monat Februar die Ver­gebung der Arbeiten an die eitzeinen Firmen stattfinden .änn und im Frühjahr 1912 mit dem Bau der Fernleitungen jcgonnen werden wird. Die Verträge mit den im Ber- sorgungsgebiet liegenden Gemeinden find nunmehr sämt­lich abgeschlossen, nachdem auch gestern die Stadtverord­netenversammlung zu Friedberg die zwischen dieser Stadt und der Eisenbahnverwaltung wegen Versorgung des neuen Bahnhofs Friedberg mit elektrischer Energie entworfenen Verträge genehmigt hat.

*

** Eine evanaelische Wochenschrift für Gießen. In dieser Woche wird die erste Nummer einer Wochenschrift herausgegeben, die sich unter dem Titel Sonntagsgruß,GemLindeblattfürdieevan- gelische Kirchengemeinde Gießen", an die Evan­gelischen zu Gießen wendet. Das Blatt wird unter Mit­wirkung der Pfarrer der Matthäus-, Markus-, LukaS- und J-ohannesgemeinde herausgegeben; die Redaktion liegt in den Händen des Pfarrers Bechtolsheimer. Der Plan zur Begründung dieses Organs Blätter dieser Art be­stehen in vielen Städten wie z. B. in Bonn, Düsseldorf und Stuttgart ist aus der Erwägung hervorgegangen, daß in einer großen, beinahe 27 000 Seelen umfassenden Kirchengemeinde vieles ihre Glieder interessiert, das man ihnen weder im Gottesdienste, noch in Vereinsversamm­lungen mitteilen kann; hauptsächlich aber will das Blatt das Gemeinschaftsgefühl der hiesigen Evangelischen beleben. Der TitelSonntagsgruß" ist nicht willkürlich gewählt, das Blatt will in alle evangelischen Familien unserer Stadt als ein Sonntagsgruß kommen, es will namentlich auch denen dienen, die durch Krankheit, Dienst oder andere Abhaltung gehindert sind, den Gottesdienst zu besuchen. Eine kurze religiöse Betrachtung soll jedesmal voraus­gehen, dann sollen Aufsätze über die verschiedenen Arbeits­gebiete der evangelischen .Brche folgen, besonders soll die Geschichte der Stadt und Kirckumgemeinde Gießen gepflegt werden. Auch der edlen Unterhaltung soll durch ent­sprechenden Lesestoff gebient werden. Patriotisches und Soziales soll nach Möglichkeit zur Sprache kommen, da­gegen soll streng vermieden werden, auf poli­tische und kirchliche Streitfragen einzu- gehen. Nicht das Trennende, sondern das Einigende soll hervorgehoben werden. Unter der RubrikKleinere Mitteilungen aus dem Leben unserer Kirchengemeinden" sollen die wichtigsten Vorgänge unseres kirchlichen Lebens registriert werden. Der Bezugspreis beträgt 5 Pfennig pro Nummer. Er ist so niedrig festgesetzt worden, damit es auch den Geringsten und Kleinsten möglich ist, ein solches Blatt zu halten. Alles Nähere über Abonnement und Inserate kann man durch die Geschäftsstelle (Schulstraße 7) desSonntagsgruß" erfahren.

** Justizpersonalien. Der Großherzog hat die Notare Geh. Justizrat Herrn. Jöckel in Friedberg, Geh. Justizrat Wolf in Mainz und Justizrat Hallwachs in Darmstadt zu Mitgliedern des Disziplinaryofs für Notare, die Notare Justizrat Dr. 9teen in Wörrstadt, Justizrat Ernst M e tz in Nidda und Justizrat Dr. Osann in Darm­stadt zu stellv. Mitgliedern des Disziplinarhofs für No­tare: die Notare Justizrat Gallus in Darmstadt und Justizrat Dr. Kleinschmidt daselbst zu Mi gliedern, die Notare Justizrat Herrn. Metz in Darmstadt und Justizrat v. Brentano di Tremezzo in Offenbach zu stellv. Mitgliedern der Disziplinarkammer für die Notare der Pro­vinz Starkenburg; die Notare Geh. Justizrat Aug. Metz in Gießen und Justizrat Herm. Katz daselbst zu Mitgliedern, die Notare Stahl in Bad-Nauheim und Ludw. Röm- held in Gießen zu stellv. Mitgliedern der Disziplinar- karnmer für die Notare der Provinz Oberhessen; die Notare Geh. Justizrat Köhler in Osthofen und Justizrat Schwarz in Worms zu Mitgliedern, die Notare Justizrat Dr. W e i s f e n b a ch in Bingen und Justizrat Sommer in Mainz zu stellv. Mitgliedern der Disziplrnarkammer für die Notare der Provinz Rheinhessen, für die Zeit vom 1. Januar 1912 bis 31. Dezember 1914, ernannt.

..** Staatsbahn-Personalien. Versetzt: Bahn- meister Fricke v-on.'ämrg-rnn nach S'ib'rs, Bahnmeister Reining von Gre,rach nach Burgsinn, Eisenbahn-Praktikant Kauert von Braunfels nach Limburg, Eisenbahn-Gütervorst. W ü st vvn Alten­kirchen nach Limburg, gepr. Lokomotiv-Heizer Paul Moritz von Hanau nach Lungen und Jolxrnn Küch von Friedberg nach Hungen Dic Prüfung haben bestanden: Die Loko- motiv-Hrlssherzer Strecker, Weller, Adam und Hen- LT Ernannt wurden: Der kommissarische Eisen­

bahn-Assistent Egenols in Limburg (früher in Lang-Göns)

zum Eisenbahn-Assistenten, der Schaffner im Probedienst Hühn in Gießen zwu ^envahn-Schafsner, der Hilfsweichensteller Karl Wenzel in Bruchköbel zum Bahnwärter. Das Allgemeine E h r e n z e i che n erhielten der Eifenbahn-Rangiermeister PH l pp Luh II. in Ullendorf a. d. Lahn, der Weichensteller 1. Klasse Jakob Wag ner und der Weichensteller Jakob W er t her , beiße in Gießen. Eine Belohnung erhielt der, Hilfsbahnstcigschaff- ner S o m m e r l a t in Salzschlirf, iveil er für schnelles Löschen eines Wagens mit Briketts auf Bahnhof Lauterbach gesorgt hat.

* Die elektrische Straßenbeleuchtung vom Bahnhof bis zur West-Anlage brannte an den beiden letzten Abenden tadellos. Die Beleuchtung über die Lahnbrücke ist seit 14 Tagen verstärkt worden. Jede der dort stehenden Straßenlaternen ist mit dreifachen Brennern versehen worden, von denen allerdings von 12 Uhr nachts an immer nur einer brennen wird.

"Der Weihnachtsmarkt, der gestern aus Os- waldsgarten stattfand, ist durch das schlechte Wetter zu Wasser geworden. Aber auch unseren Geschäftsleuten in der Stadt hat der Regen gestern viel geschadet.

Der Krieger vere in hält seine Weihnachts­bescherung mit Verlosung am dritten Feiertage in Steins Garten ab. Er beschenkt auch diesmal wieder die Kinder verstorbener Vereinsangehöriger und nimmt auf etwaige Wünsche gerne Rücksicht.

* Weihnachtsverlosnngen. Vielfach wird von Ver­einen gelegentlich der Weihnachtsfeier eine Verlosung abgehalten. Derartige Verlosungen sind nichtgenehmigungspflichtig, wenn die Lose lediglich nur unter den Mitgliedern ver­teilt werden. Sobald an Nichtmitglieder Lose abgegeben werden, ist die Verlosung eine öffentliche und Erlaubnis erforderlich. Auch müssen derartige Lose versteuert werden, sobald die Summe des Erlöses 100 Mark übersteigt. Die Vereinsvorstände tun gut, sich hiernach zu verhalten.

** Kein Werber für die Fremden-Legion. Die Mitteilung, daß ein 18jächriger Bursche aus Klein- Linden von einemfeinen Herrn" für die franz. Fremdew- Legion verschleppt werden sollte und von einem Schutzmann dem Werber in dem Augenblick entrissen worden sei, als die beiden abreisen' wollten, beruht nach der Erklärung des Polizeiamts Gießen auf Erfindung. Ein harmloser Vor­gang, der sich am 30. Nov. und 1. Dez. in der StadÜ abspielte und zur Kenntnis der Polizei gelangte, ist von einem gewissenlosen Berichterstatter sensationell und phan­tasievoll bearbeitet worden. Am 30. November, vormittags, hatte der 18jährige Bergarbeiter W. mit seiner Mutter irt einer Wirtschaft in Klein-Linden einen Zwist; ein fremder Gast mischte sich dazwischen, worauf W. und der Fremde sich entfernten. Sie haben hier in Gießen tagsüber eine Bierreise gemacht, wooei aber jeder der beiden seine Zeche bezahlt hat. Frau W. in Klein-Linden verständigte die Polizei telephonisch und bat, ihren Sohn festzunehmen, was die Behörde selbstverständlich ablehnte. Wachtmeister Kümmel wies seine Beamten daraufhin an, auf ben jungen Menschen Acht zu geben und bei dem geringsten Anlaß ifjit mit seinem Begleiter aus die Wache zu sistieren Dies geschah auch gegen Abend. Der Fremde legitimierte sich als ein Reisender aus Butzbach, erklärte, wie er mit feinem Begleiter zusammengetroffen fei und daß der W. nicht wieder nach Haufe wollte. Am 1. Dezember, vormittags, ist der Reisende in der Richtung nach Frankfurt a. M. ab* gereist. Der junge W. erschien später am Bahnhof untz erklärte erregt, er wolle in die Fremde gehen Ein Bahnbediensteter aus Klein-Linden beruhigte ihn und schaffte ihn mit Hilfe eines Schutzmanns aus dem Bahn­hof hinaus, von wo er den Weg nach Klein-Linden ctn>4 schlug. Die Mitteilung, daß Werber für die Fremden- Legion in unserer Gegend tätig seien, hat auf den Dörfern eine gewisse Beunruhigung hervorgerufen. Dieser Um­stand veranlaßt uns, oen Sachverhalt, wie er aus den Akten des Polizeiamts hervorgeht, ausführlich mitzu­teilen.

Tierquälerei. Am Dienstag abend gegen 10 Uhr wurde ein kleiner Hund (Dackel) an der Ecke der Schott- und Steinstraße, angeblich von einem Schüler, geworfen. Das arme Tier erlitt hierdurch einen Beinbruch. Der Täter ist ermittelt, so daß Anzeige erhoben werden kann.

Starkenburg und Rheinhessen.

rv Darmstadt, 20. Dez. Anläßlich des Namens­tages deS Kaisers von Rußland fand heute vornnttag in der russischen Kapelle ein Gottesdienst mit Tedeum statt, an dem der russische Gesandte und Angehörige der ruff. Kolonie teilnahmen.

Kreis Wetzlar.

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Amtlicher Wetterbericht.

WetterauSsichteu in Hessen am Freitag, den 22. Dezember 1911: Trüb, Regensälle, etwas kühler.

Kleine Tageschronik.

In Eharlottenburg schoß der 3Sjährige Schreiber Rode in einer Autodroschke aus ein 30iähriges Tienümädchen, verletzte es durch füllt Schüsse in die Brust schwer und warf es dann aus dem Wagen heraus. Das Mädchen lief noch bis jjunt Charlottenburger Pferdemarkt und starb dort. Rode gab einen Schub auf sich ab: er liegt im Krankenhaus Moabit darnieder und ist noch nicht vernehmungsfähig.

In dem französtschen Badeorte Saint Trojan brachen 15 Strafsoldaten aus der Zitadelle aus, richteten in Eafös und lokalen schwere Verwüstungen an, stahlen, was sie konnten, miß' handelten einen llnterofstzier und raubten eine Villa am Meere aus. Mit Hilfe der Einwohner gelang es, die Meuterer in die Zitadelle zurückzubringen.

Ter 19jährige Sohn des pensionierten Obersten Tschirtsch, des früheren Generaladjutanten der Könige Milan und "Alexander, wurde in der Räbe von Belgrad auf einem Eisenbahngeleise mit gefesselten Füßen erschossen und überfahren au'ge'unden.

w. Wetzlar, 20. Dez. Nach der letzten Personenstandsaus- nahme zählt unsere Stadt jetzt 13 641 Einwohner. Dies be­deutet gegen die Volkszählung 1910 eine Zunahme von 252 Per­sonen. Die Viehzählung am 1. Dezember ergab 240 Pferde, 439 Rinder, 5 Schafe und 374 Schweine.

= Niederkleen, 20. Dez. Die Gerichtstage für den Hüttenberg werden für 1912 wie folgt festgesetzt: 15. Januar, 12. Februar, 18. März, 15. April, 13. Mai, 8. Juli, 16. Sep­tember, 14. Oktober, 18. November und 16. Dezember.

Hessen-Nassau.

w. Frankfurt et M, 20. Dez. Der Reichsetat für 1912 sieht einen Neubau des Bekleidung Samtes des 18. Arm eekorps in Kastel und einen Neubau des Ge­neralkommando -Menstwohnungs- und Bureaugebäu- des des 18. Armeekorps in Frankfurt oi M. sowie einen Neubau des Gairnisonlazaretts in Darmstadt vor. Der Etat Reichspost- und Delegraphenverwaltung für 1912 sieht für Frankfurt cc. M. an der Zeil einen Um­bau uni) einen Erw eit erungsbau an der Poststraße, den Erwerb eines Grundstücks und für Friedberg Gründ' erwerb für einen Neubau vor.