Ausgabe 
29.7.1911 Zweites Blatt
 
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vermerk bedruckt, worauf er in einen verschlossenen, dem Publikum unzugänglichen Aufnahmebehälter fällt. Die­selben Typen, welche den Brief bedruckten, drucken nochmals den gleichen Vermerk auf eine Papierstreifenrolle; ein Messer im Apparat trennt den bedruckten Streifenteil ab, der in die Schale herausfällt und den Einlieferungsschein darstellt. Ein Drehen der Kurbel kann nur stattfinden, wenn der Brief eingeschoben und wenn die Tür ge­schlossen ist.

** Vo m H e s s i s ck en S t a ats s ch uld b u ch. In den Monaten April und Mai 1911 beträgt der Zugang an Schuldbnchsorderungen auf 83 Konten 2 606 500 Mark, wo­von 1 550400 Mark bar eingezahlt wurden. Die steigende Inanspruchnahme des Staatsschuldbuches ist in besonderem Maße zu beobachten seit dem Inkrafttreten der Aenderungen zum Schuldbuchgeseh, die neben der Befreiung von den Ein­tragungsgebühren wesentliche Erleichterungen bei der Legi­timation brachten und ferner Bareinzahlungen zur Begrün­dung einer Schuldbuchforderung zulassen. In letzterem Falle können entweder zum Eintrag bestimmte Schuldver­schreibungen aller- Zinsgattungen provisionsfrei angekauft werden, oder es erfolgt die direkte Eintragung nach dem jeweiligen .Kurswert. Tie direkte Eintragung ist zurzeit auf 4prozentige bis 1918 unkündbare Anleihe beschränkt. Annahmestellen sowohl für einzutragende Schuldver­schreibungen als auch für Geldeinzahlungen sind in Darm­stadt : das Großh. Staatsschuldbuchbureau (Luisenstraße 1), die Großh. Staatsschuldenkasse und die Hessische Landes- Hypothekenbank: außerhalb Darmstadts sämtliche Reichs- bankanstalten, die Großh. Bezirkskassen (mit Ausnahme der Bezirkskassen Gießen I und Mainz I und II), sowie das Steueramt Gernsheim. Geldeinzahlungen für Schuldbuch­zwecke werden auch von der Reichspost auf das Postscheck­konto der Großh. Hauptstaatskasse (Nr. 17, Frankfurt a. M.) entgeaerrgenommen. Der Antrag ist in diesem Falle un­mittelbar an das Staatsschuldbuchbureau oder an eine der obengenannten weiteren Annahmestellen zu richten. Die näheren Bedingungen wegen der Eintragung sind aus denAmtlichen Nackrichteu über das Staatsschuld­buch" zu ersehen, die nebst den erforderlichen Antragsformu­laren bei dem Großh. Staatsschuldbuchbureau in Darmstadt wie auch bei sämtlichen vorgenannten Annahmestellen un­entgeltlich zu haben sind. Die Vorteile, welche die Schuldbucheintragung für eine sichere und kostenlose Vermögensverwaltung und Vermögens­anlage bietet, gewährt in gleicher Weise das Reichs­schuldbuch für die Besitzer von Schuldverschreibungen des Reiches. Hierfür kommen als Annahmestellen neben dem Reichsschuldbuchbureau in Berlin sämtliche mit Kassenein­richtung versehenen Reichsbankanstalten, die Großh. Haupt- staatskasse in Darmstadt, sowie die Großh. Bezirksrassen, mit Ausnahme derjenigen, an deren Sitz sich eine Reichs- bankanstalt befindet, in Betracht. Von diesen Stellen können dieAmtlichen Nachrichten über das Reicksschuldbuch" sowie ein Merkblatt unentgeltlich bezogen werden, die über alles Wissenswerte Aufklärung geben.

Der Zirkus Blumenfeld setzte gestern sein vor­gestern so günstig begonnenes Gastspiel mit demselben Glück fort und hatte vor allem mit seinen ausgezeichneten Pferde­vorführungen einen durchschlagenden Erfolg. Auch die geradezu musterhaften Darbietungen des Holmes-TrioS fanden die wohlverdiente Anerkennung. Neu war ein vorzüglicher Jockey­ritt der Gebrüder Blumenfeld, der sehr gut gefiel. Erne be- sondere Sehenswürdigkeit des Unternehmens sind die reich­besetzten Ställe, in denen außer einer großen Anzahl prächtiger Pferde, darunter etwa ein Dutzend herrlicher Schimmel, die Zebras, Elefanten und Lamas und die niedlichen Ponys die Hauptanziehungspunkte bilden. Die Ritterspiele wurden wieder mit lebhaftem Beifall aiifgenommen. Die darin vorkommenden Ballette, die von 12 Damen getanzt wurden, wurden besonders lebhaft ausgenommen.

Kreis Schotten.

Lardenbach, 28. Juli. Trostlose Zustände herrschen zurzeit auf dem Bahnhof Weickartshain. Seit Eintritt der heißen Witterung sind dort fast alle Brunnen, auch derjenige der Eisenbahn, ganz ausgetrocknet. Man sucht sich damit zu helfen, daß man in Kübeln Wasser von auswärts, besonders von der nahen Haltestelle Stockhausen, herbeischafft. Diesem Mißstand könnte doch so leicht ab- geholfen werden, wenn die Station Weickartshain samt chren Anwohnern an die Wasserleitung Lardenbach Anschluß bekämen, da dort gutes Wasser im Ueberschuß vor­handen ist. Dies war ja auch bisher vorgesehen, doch ist die Genehmigung der Eisenbahnbehörde wegen ihres Zu­schusses zu den Baukosten noch nicht eingetroffen. Sehr erfreulich ist nun, daß die Anwohner von Bahnhof Weickartshain gestern abend vertraglich festgelegt haben, ohne die Einwilligung der Eisenbahn abzuwarten, das Trinkwasser von dem hiesigen Wasserwerk zu beziehen. Mit dem Weiterbau von hier nach der Station W. wird nächsten Montag begonnen werden. Die Wasserleitungs- arbeiten sind hier fast beendigt und die Hausanschlüsse alle ferttggestcllt. Der Hochbehälter auf demGalgen­berg" geht seiner Vollendung entgegen. Die Fassung der Quelle, die bisher etwas Schwierigkeiten bereitete, hofft man in allernächster Zeit beendigen zu können. Der Wasser­reichtum unserer Quelle (über 250 Kubikmeter je Tag) bei dieser trockenen Zeit ist uns eine sichere Bürgschaft, daß unsere Wasserleitung für die Zukunft nicht versagen wird. Hierzu erhalten wir die Nachricht, daß am Freitag morgen die Einwilligung der Vahn- behorde, betr. einen Zuschuß von 1000 Mark, ein­getroffen ist.

Kreis Friedberg.

... Bad-Nau heim27. Juli. Den Rekord der Anwesenheits- rntcr erbrachte der 20. Juli mit 8300 an diesem Tage amtlich eingetragenen Kurgästen. Die höchste Zahl der verabfolgten Bäder wurde am 24. Juli mit der Ziffer 4449 sestgestellt. Die öei'arnf* lumme aller in diesem Jahre verabreichten Bäder betrug bis 20. Juli 26O O75. Alle drei Zistern sind seit Bestehen des Bades noch niemals erreicht worden. Gegenüber dem Vorjahre sind 1700 51^00(16 rncbr anwesend. Die Gattin desGaikwar" von Ba- roda (lndlsches Maharadja-Reich) und zwei Prinzessinneii-Töchter ist mit Leibarzt und Bedienung zur Kur eingchoifcn.

2b- Juli. Aus der Gemeinderatssitzung vom 2 c. Juli 1911. Nach einem von dem Eifenbahnbetrtebs- amt 1 Gießen vorgelegten Lageplan sollen in unserer Ge- Wartung zum Weichensteller-Doppelhaus zwei Stallgebäude errrchtet werden. Da diese außerhalb des Bereichs des Stadtbauplans erbaut werden, wurde auf Grund des § 6 beS Ortsbaustatuts hierzu die Genehmigung erteilt unter der Bedingung, daß die Abortgrube einen Anschluß an den vorhandenen Kanalstrang erhält, damic der etwaige Ueberlaus nicht die Umgebung verunreinigen kann. Ter Brunnen bei dem Forsthause hat gegenloartig lein Wasser und es. wurde deshalb, beschlossen,. eine Wasserleitung bis

an die Chaussee von Hausen zu legen. Das Ministerium der Justiz hat eine Aenderung der zwischen der,Zellen­strafanstalt und dem angrenzenden Gelände vertrags­mäßig festgelegten Grenze nicht zugestimmt. Die Bau­kommission hat beschlossen, eine Eingabe an die Land­stände zu richten. Der Gemeinderat erteilt hierzu seine Zustimmung. Gemeinderat Braubach hatte beantragt die große Glocke bei jedem Begräbnis, ohne Rücksicht auf die gesellschaftliche Stellung oder die Vermögenslage der Verstorbenen läuten zu lassen. Es wurde hieraus beschlossen, die große Glocke beim Läuten auszuschalten. Die Be­gräbnisordnung soll einer Revision unterzogen und der technischen Kommission zur Prüfung vorgelegt werden. Gemeinderat Oppenheimer rügte, daß der festliche Empfang der großen Glocke nur von den evangelischen Geistlichen ausgegangen sei. Die Glocke sei Eigentum der politischen Gemeinde und es hätten sich die Vertreter aller hiesigen Kultusgemeinden daran beteiligen müssen. Nach Auf­klärung des Sachverhaltes durch Bürgermeister Flach wurde die Angelegenheit als erleoigt betrachtet. Ge­meinderat Oppenheimer stellte für die nächste Tagesord­nung den Antrag: Kostenlose Beerdigung und Abänderung des Ortsbaustatuts. Die beantragte Zwangserziehung einiger schulpflichtiger Kinder wurde abgelehnt. Als Erheber der Gebühren für Wasser- und Kanalleitung, für elektrischen Stromverbrauch und für Straßenreinigung wurde Gerber Julius Reith dahier angenommen. Der Gambrinusbrauerei Butzbach soll Wasser aus der städti­schen Wasserleitung verabfolgt werden.

Starkenburg und Rheinhessen.

ck. Aus Rheinh"ssen, 27. Juli. Die starke Litze der WAptu.j.l;d ivÄrA VwW'.v ' / > i' >

lehren Zeit rtcr. .ar o.e ^taubert von der Ocircit la>iC?ung, uenn sie kommen sehr schnell voran und werden bald in den Saft über­gehen, mit welchem Augenblick auch jede Sauerwurmgefahr be­seitigt ist. Bei fernerem Anhalten der günstigen Witterung wird sich der Unterschied in der Blüte diese ist ziemlich unregelmäßig verlausen noch einigermaßen ausgleichen können. Im all­gemeinen sind viele Trauben in den Weinbergen zu zählen.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, den 28. Juli. Zwei jugendliche Verbrecher.

Auf der Anklagebank nehmen zunächst zwei dreizehnjährige Knaben Platz, denen Straftaten zur Last gelegt werden, wie man sie bei Personen in so jugendlichem Alter kaum vermuten sollte. Es ist der Stadtschüler K. B. von Gießen und sein Mitschüler H. D. von da. Sie werden beschuldigt, einen Einbruchsdiebstahl versucht sowie einen zweiten Einbruchsdiebstahl verübt zu haben. Außerdem hat sich B. auch noch wegen Betrugs zu verantworten. Und dies war so. Eines Tages begab sich B. in ein hiesiges Ge­schäft und verlangte eine Hose. Er gab an, sein verhinderter Vater habe ihn gesandt. Auf diese unwahren Angaben hin erhielt B. auch die Hose. Er brachte sie alsbald, seinem vorher ent­worfenen Plan gemäß, zu einem Schneider, um sie zu ver­kaufen. Aus dem Erlös wollte er sich eine Mundharmonika kaufen. Der Schneider behielt die Hose, gab ihm aber kein Geld, sondern verständigte den Vater und so kam der Betrug heraus. In der Nacht vom Pfingstsamstag stiegen beide Angeklagte durch das Kellersenster in einen Keller ein, über dem sich ein Laden­geschäft befand. Sie hatten es auf die Ladenkasse abgesehen, fanden aber die Zugangstüren verschlossen, und außerdem hemmten so viel Kisten und Kasten ihren Weg, daß sie ihr Unternehmen als aussichtslos aufgaben. An einem anderen Abend warteten sie vor einem Geschäft, bis der Inhaber sich entfernt hatte. Alsdann stiegen sie auf das Dach eines niedrigen Anbaues und von da durch ein Fenster in den zweiten Stock ein. Im Innern suchten ie die nach dem Laden führende Türe dadurch zu öffnen, daß ie drei Schrauben aus dem Schlosse losschraubten, darauf suchten ie die Tür aufzuzwängen, wobei ihnen der Schlüssel in die Hände iel. Sie plünderten die Ladenkasse und nahmen verschiedene andere Sachen wie Kaffee, Wichse, Seife, Eier usw. mit. Vor ihrem Weggang kochte sich jeder in der Küche auf dem Gaskocher erst 78 Eier. Auf der Straße wurden sie von zwei Schutzleuten bemerkt und als verdächtig angehalten. B. ist wegen Diebstahls bereits vorbestraft und ist unzweifelhaft der Anstifter, während D. der Verführte ist. Das Urteil lautet gegen B. auf zwei Mo­nate eine Woche und gegen D. auf zwei Wochen einen Tag Gefängnis.

Die Freisprechung eines Standesbeamten.

Der Bürgermeister H. W. von M. hat in seiner Eigenschaft als Standesbeamter eine Eheschließung vollzogen, obwohl keiner der Verlobten in M. wohnte. Er ist deshalb wegen Vergehens gegen das Personenstandsgesetz angeklagt worden. Das Gericht hielt den Irrtum des Angeklagte für entschuldbar und spricht ihn frei.

Ein Dien st austritt mit Hindernissen.

Der K. H. Sch. von Schwalheim war bereits im dritten Jahre Weißbinderlehrling. Er empfand es der Würde eines solchen nicht mehr entsprechend, noch fernerhin Speis zu tragen und erklärte dies auch seinem Meister. Der Meister aber schien wenig Ver- tändnis für derartigen Berufsstolz und Standesbewußtsein zu haben und quittierte die Renitenz seines Zöglings, wie dieser an­gibt, mit Ohrfeigen. Deshalb beschloß Sch., ans dem Dienste aus- utreten. Er begegnete seinem Freunde, dem Hausburschen K. M. 2. von Bad-Nauheim und beriet mit diesem, wie er sich in den Besitz seines ihm noch zustehenden Lohnes von 4,50 Mk. setzen könne. Das Ergebnis war, daß W. an den Meister einen Brief chrieb, den Sch. diktierte. In diesem Briefe forderte angeblich )ie Mutter des Sch. den Meister auf, das Arbeitsbuch und die Jnvalidenkarte ihres Sohnes herauszugeben und den rückständigen Lohn zu zahlen. Unter den Brief setzten sie unbefugt den Namen der Mutter. W. überbrachte den Brief und erhielt das Geld. Kurze Zeit darauf aber sprach die Mutter des Sch. vor und war sehr wenig erbaut über den Mißbrauch ihres Namens. Die beiden Briefschreiber aber haben sich heute wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Das Erkenntnis des Gerichts lautet gegen jeden auf drei Tage Gefängnis.

Vcrmifdite».

Die Bedeutung der Zeitungsanzeigen. Wir lesen imZeitungsverlag*: Als tm Anschluß an die Arbeits­verweigerung der Scherl'fchen Rotationsmaschmenmeister die Zeitungen der Firmen Mosse, Ullstein, Scherl in Berlin nicht oder nur in verringertem Umfange erschienen, ist die Tatsache sest­gestellt warten, daß durch den Streik den Inserenten unwiderleglich der Wert der Z e lt u n g s a n z e i g e n dargetan wurde. Bei der schristlichen Propaganda soivohl, wie bei der mündlichen Akquisition wird von den Geschäftsinhabern oder deren iKetlame- chefs vielfach geantwortet, die Insertion halte keinen besonderen Erfolg gehabt, die Anzeigen wurden vielmehr nur mit Rücksicht auf die Anzeigen der Konkurrenz ausgegeben. TaS war emer der bekannten strittigen Punkte, die nicht durch theoretische Auseinander- etzungen, sondern nur durch die Praxis widerlegt werden konnte. Ter Berliner Zeitiingsstreit hat diese Widerlegung gebracht. Eine Rundfrage, die wir in großen Berliner Geschäften, namelitlich in den Warenhäusern, vorgenommen haben, hat tatsächlich ergeben, daß durch den Wegfall der großen Anzeigen in den Tageszeitungen eine wesentliche Besuchs- und U ms a tzv e r r ing eru n g in den Geschäften hervorgerufen worden sei. lieber die Höhe des Aiissalles waren leider genaue Angaben nicht zu erhalten. Ein­zelne Geschäftsinhaber gaben rückhaltlos zu, daß sie durch den Fort- ,all der Jnsertioil einen e m p f»n d l i ch e n E i n n a h m e a u S f a l l gehabt hatten. Eiile der größten Berliner Ftrineii hat die schä­digende Wirkung des Streiks für die Inserenten sofort erkannt unb ohne Zaudern ihre Vorsichtsmaßregeln getrosten. Sie ließ noch am Samstag von ihren im cak stehenden Anzeigen 600 000 Pro­spekte drucken und diese durch 400 Austräger m Groß-Berlin und

Vororten verteilen. Tie Kosten beliefen sich auf rund 4200 Mk. Die dnrch den Zeitungsstreik herbeigestihrte Einnahmeverminderung auf der einen und Erhöhung der Reklamesoesen auf der anderen Seite stellt also einen ganz konkreten Fall dar, der die Bedeu­tung der Anzeigen für den täglichen Geschäftsverkehr, beton- ders für die großen D e t a i l g e s ck ä f t e , zur Genüge kennzeichnet. Es läßt sich gar nicht leugnen, daß selbst bei stärkster Konkurrenz die Anzeigen in den gelesenen Tageszeitungen eine ganz wesentliche Belebung des Marktes durch Steigerung der Kauflust herbeiführen. Tie Hausfrau ist heute gar nicht mehr daran gewöhnt, Straße auf, Straße ab zu laufen, um in den Gefchäftsauslagen nach ihren Wünschen entsprechenden Dingen zu suchen. Es ist vielmehr zur Geivohnheit geworden, die Anzeigen in den Zeitungen zu studieren, um günstige Einkaufsgelegenheiten festzustellen.

'Höchster Respekt. Unter den Aufzeichnungen des Prinzen von Signe findet sich ein merkwürdiges Beifpiel von der unermeßlichen Tevotfon, mit der die Welt des 17. Jahrhunderts znm hoben Adel aufblickte. Ter Haushofmeister des Herzogs von Nivernais lag sterbenskrank und der Herzog, der ihn außerordent­lich schätzte, begab sich ins Krankenzimmer, um sich nach seinem Be­finden zu erkundigen. Ter Haushofmeister lag gerade im Sterben und richtete sich nur mit Mühe auf, indem er dabei mit matter faum hörbarer Stimme im Ton der tieiften Unterwürfigkeit sagte:Ach gnädigster Herr, nehmen Sie es mir doch ja nicht übel, daß ich in Ihrer Gegenwart sterbe." Im höchsten Grade gerührt versetzte der Herzog:Oh mein Bester, genieren Sie sich nicht", und der Haus­hofmeister versäumte nicht, von dieser Erlaubnis sogleich Gebrauch zu machen.

Märkte.

F.C. Wiesbaden. Diehh o'-Marktberi cht vom 23. Juli. Auftrieb. Rinder 57 (Ochsen 11, Kühe 46, Bullen 00), Kälber 64, Schafe 23, Schweine 210.

Tendenz: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine mittelmäßig.

Preis Durch-

pro 100 Pfo. schnittspreis me«'lOO Wunb Ochsen. vcn-biSvon-üir

Dollfleischige, ausgemästete, höchsten

Schlachtivertes höchstens 6 Jahre alt 4951 8893 5'J 90

Junge, fleischige,, nicht ausgemästete und

ältere ausgemäftets......4548 8487 46 85

Ungejochte . 5053 9096 51 93

B u l l en.

Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten

Schlachtwertes 4447 8084 45 82

parsen. St ü h e.

Vollfleischige ausgemästete Zärsen höchst.

Schlachtivertes 4852 3692 50 89

VoUsteychlge ausgemästete Kühe höchst.

Schlachtwertes bls zu < Jahreu. . 4044 7780 42 78

Aellere ausgemästete Stühe und wenig

gut entwickelte jüngere Stühe u. Zärs-r? us39 7075 37 72

Mäßig genährte Stühe nnd Färsen . W 6568 81 63

st a l b e r.

Leinsle 'Mastkälber 6062 100-104 61 102

Mittlere Map- und beste Saugkälber . 5356 89-93 54 91

Geringere Mast- und gute Saugkälber 48-52 8087 50 83

Geringere Saugkälber 4749 7881 48 79

o dj a fe.

Weidemastschase 43-00 8600 43 86

Schweine.

Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner

Hevendgewicht 4849 6163 48 62

Vollfleischige Schweine über 2 Zentner

Lebendgewicht 48-49 6163 48 62

Vollfleischige Schweine über 21/, Zentner

Lebendgewicht........ 4547 5760 46 58

Fleischige Schweine nnter 80 kg Lebend­gewicht 4748 6061 47 60

Ueberstand: Rinder Uebersland, Kälber und Schafe geräumt Schweme Ueberstand.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Weickartshain, 28. Juli. Seit ungefähr einer Woche ist hier Wassermangel eingetreten, da wir seit dem an­gegebenen Zeitraum von unserer Wasserleitung, welche im vorigen Herbst im Anschluß an dieDieberggruppe", Geilshausen, erbaut wurde, kein Wasser mehr erhalten. Das wenige Wasser, welches wir noch von dort erhallen, reicht nicht für einen Teil des Torfes Für einen, zu viel, für alle zu wenig." Ta unser Dorf sehr wasierarm i|t, so ist der jetzige Zustand, bei der gegenwärtigen Hitze­lrode, doppelt empfindlich. Tie Leute sind wieder gezwungen, wre in früheren Tagen, zu Joch und Eimer zu greifen, und das föeniac Wasser, welches noch zu haben ist, mühsam herbeizuschleppen.^ Trotzdem wir hier durch die Wasserleitung fein Wasser bekommen. Joden die Quellen bei dem Orte Geilshausen nod) Wasser-Ueber- schutt haben. Sollte hier jetzt, was Gott verhüten möge, ein Brand ausbrechen, so wäre man wider Willen gezwungen, untätig zu­zuschau en Solches ttotz Wasserleitung; der reinste Hohn! An­gesichts solcher Zustände fragt man sich unwillkürlich: warum wurde dre Gemeinde von der vorgesetzten Behörde veranlaßt, sich einer Gruppe anzuschließen, welche für die völlige Wasseröersorgung uniercs Dorfes keine Garantie bieten kann, oder will? Wenn wirkttch kein Wassermangel der Quellen besteht, warum wird dre Sache nicht Eontrolliert? Hoffentlich treten bald andere Zu­stande ein.

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