W. Zahrgang
Zweites Blatt
Nr. 25
Erscheint täglich mit Ausnahme des SonntagS.
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General-Anzeiger für Oberhejfen
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Befr»edigunS
Der Papst will Hom verlassen?
0 Paris, 26. Jan.
Mit dieser sensationellen und vorläufig nicht glaub- t<2|ten Nachricht wartet die Zeitschrift „La Nouvclle Eu- rope", die über die internationalen fragen ost gut orten- hcrt ist, ihren Lesern auf. Pius X. wäre entschlossen, die Herausforderungen nicht zu dulden, die die Freimaurer während der Feste in Rom im Fahre 1911 zu vrgani sieren gedächten. Es wären bereits Maßregeln ergriffen, nm den Sitz der geistlichen Verwaltung in ein anderes katholisches Land verlegen, und mehrere Botschafter und Gesandte sollten im Hinblicke auf die feierlichen Per sprechungen Italiens der katholischen Welt gegenüber cm Konsortium bilden, um über die Exterritorialität des Vatikans zu wachen. Im Anschluß werden die Folgen, die eine Entfernung des Papstes ans Rom für Italien mit sich bringen müßte, in den grellsten Farben geschildert. Der „Gil' Blas" vervollständigt noch diese Mitteilung nach den Angaben des in den Vatikankreisen sehr angesehenen Gelehrten, Herrn Giacomo Eonsalvi, mit dem mindest seit samen Zusätze, daß hieriiber bereits Verhandlungen mit — Herrn Briand angeknüpft worden seien. Die betreffende Stelle der Auslassungen Herrn Consalvi's ist zu interessant.
Tie „Gießener Zamilienblätter" werden dem 91rueifltr* viermal wöchentlich beiqelegt, daS ' Kreisblatt fär den Kreis -iehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit’ fragen" erscheinen monatlich zweimal.
um nur auszugsweise wiedergegeben zu werden, wenn man sich auch darauf gefaßt machen muß, daß das Ganze ein < Schwindel ist. Sie folgt also im Wortlaute:
„Der heilige Vater hat seil langer Zeit bei seinen Spazier gongen in den Gärten des Vatikans sich mit dem Gedanken getragen, Rom zu verlassen. Und er denkt manchmal, wenn er vor der Mutter Gottes in Lourdes stehen bleibt, die er in einem ihm teuren schattigen Winkel nachbilden ließ, jmc angenehm es für ihn wäre, als Zufluchtsort die kleine Stadt zu wählen, wo Maria zu erscheinen geruhte und die die Gläubigen der ganzen Welt besuchen. Der Kardinal-Staatssekretär, der zuerst mit diesen vertraulichen Mitteilungen geehrt Ivurde, hatte einen anderen Zufluchtsort vorgeschlagen, nämlich das kleine Benediktinerklofter von Einsiedeln in der Schweiz, in das er sich selbst ost zum Gebete zurückzuziehen pflegt. Aber Pius X., der bekanntlich an den ihm teuren Ideen festhält, blieb immer iür den Hügel von Maisabiclle eingenommen. Man weiß nun nickt, auf welche Weise diese Pläne über die Mauern des Vatikans hinausdrangen und zur Kenntnis der srauzösischeu Regierung und Herrn Briand's selbst gelangten. Dieser geschmeidige Staatsmann, der originelle Verwirklichungen liebt nnb machtavelltitiscker ist. als man annimmt, faßte sofort ermtbaft das Mittel ins Auge, um den röniischeii Pontifex in Frankreich zu empfangen und für ihn, um uns seines eigenen Ausdrucks zu bedienen, eine Art „päpstliches Monte-Carlo" zu schaffen. Freilich mußte er mit den Antiklerikalen zählen und sich sagen, daß die Ver Handlungen sich nicht vielleicht sehr leicht gestalten würden. Unno größer war sein Erstaunen, als die erltcn radikalen Persönlich leiten, mit denen er zaghaft darüber in Besprechungen treten wollte und die zn den Unbändigsten gehören, einen autzerorbent lieben Eifer bekundeten, eine solche Frage zu prüfen. Vielleicht schwebte diesen alten Widersachern der katholischen Einheit dn Möglichkeit eines neuen großen Schismas des Okzidents vor Sie stellten vielleicht im Geiste dem Papp' von Lourdes einer neuen Urban VI. entgegen, den sie zweitellos in der Gellal: des in Rom verbleibenden Kardinals Rampolla sich vor,teilten dem der schwarze Papst und die Kongregationen zur Seite [teilen würden. - Nachdem der Ministerpräsident sich der wenigil n stummen Mikhilse der Antiklerikalen versichert hatte,, dachte ei an die Vorbesprechungen, lieber diesen Punkt muß ick vor läusig noch die größte Zurückhaltung wahren. Ich dars obe sagen, daß im zwanzigsten Jahrhundert die materiellen Schwierig feiten solcher Verhandlungen gegen trüber bedeutend geeint, sind und daß lseutzutage nicht mehr Unterredungen erforderlich erscheinen, wie sie zwischen Philipp dem Schönen und Elemens V. im Walde von Saini Jean d'Angel» stattfanden. Natürlich spielte der sehr bewegliche Bischof von Tarbes, Mgr. Schepser, eine große Rolle dabei, unterstützt von dem ehrenwerten Herrn P. Tupul), der wohl wissen muß, weshalb er Abgeordneter der Hochpiirenäen geworden ist. Ick füge für heute nur noch hinzu, daß die französische Regierung ganz geneigt ist, dem Pachte das alte Schloß von Lourdes einzuräuuien, das so lange von
— I n dem Wettbewerb s ür das Bismarck- N a t i o n a l d e n k m a l am Rhein fand am Donnerstag in Düsseldorf die Preisverteilung statt. Ten ersten Preis erhielt Hermann Hahn-München, einen zweiten Franz Brantzky- Köln, Alsred Fischer und W. Kniebe-Düsseldors, einen dritten Bernhard Bleeker und Otto Orlando Kurz-München, einen weiteren dritten Richard Riemerschmicd-München.
Der Rosenkavalier.
Uraufführung in Dresden am 26. Januar.
Von Paul B c k k e r , Berlin.
Wer etwa nach Dresden gekommen lonr, um in der neuen Straußschen „Komödie für Musik" eine Steigerung über die .^Latente" und „Elektra" hinaus zu finden, wer sich durch aockpualiges Vertiefen in die beiden älteren Partituren am würdigsten au* die neue vorzubereiten versucht hatte — der wird sich mit Erstminen überzeugt haben, daß Strauß diesmal die Maske gewechselt und ein in Stil und, Charakter von den vorangehenden durchaus verschiedenes Werk geschaficn hat. Wagner schrieb nach dem Tristem die Meistersinger, Verdi nad) dem Othello seinen Falsta'i. Aus einem ähnlichen Verlangen nach Befreiung der Phantasie von den dunklen, grauenvollen Bilderet düsterer Tragit, nach beruhigender Entspannung fromm artig erregter Nerv en träne mag i" „Richard Strauß das Bedürfnis nach Gestaltung eines heiteren Stoffes entstanden sein.
Daß der Künstler Strauß von Natur aus eine Italic Veranlagung zum Humoristen besitzt, ist ans seinem „Eulenspiegel", 'einem „Don Quixote", seinem Singspiel „Feuersnot" bekannt. In jedem dieser Stücke tritt als besonderes Kennzeichen ^traum = "eher Eigenart eine oufsällige Neigung zur Karikatur, zur mu,i- lalischen Persiflage, zur witzigen Ironie hervor. Tic,er paro- disttscke lGrundzug der Straußschen Heiterkeit kommt am elementarsten wohl in der neuesten Schöpfung? dem „Rosenkavaltete , zum Ausdruck. Nicht ohne Grund haben die Autoren ihr die Bezeichnung „Komödie mit Musik" gegeben. Der Titel „Komische Oper" wäre zu anspruchsvoll gewesen, die Uebermnnt „Operette" hätte zu Mißdeutungen Anlaß gegeben. Der ^til des Werkes ist eine Mischung der Elemente beider Gattungen — nicht etma aus Verlegenheit, sondern aus parodistischer^M'sicht.
Tarin liegt die Originalität, die Kraft und die Schwäche des Werkes. Es ist eine Groteske iür Musik, verblüffend geilt/ reich angelegt und durchgeiührt. Aber leider für eine EKoteske )ii weitschweifig entworfen. Die Autoren mögen dies cm munden und deswegen einige ernsthatt gedachte Momente m die jvarce verwoben haben. Doch gerade diese ernsthaften Episoden itoren. 3ie füllen nicht, — sie beschweren die Handlung und lähmen das Interesse So stellt sick bei aller Anerkennung der Unter hattungslunst der Autoren doch die Sehnsucht nach dem Ende leider früher ein, als die Verfasser beabsichtigt haben. Und man verabschiedet sich schließlich von dem Werk mit dem Gefühl dankbarer Erleichterung, mit dem man die Gei ltickaa eines anregenden und stets geistvollen, aber ermüdend redseligen Plauderers verläßt. ... . n. .
Dieser Mangel an künstlerischer Oekonomie ist in erster Linie dem Dichter zur Last tzu legen. Hugo von Hofmannsthal
, int> S3eim Kapitel Landes Universität Gießen wurden alle Anforderungen der Regierung bewilligt bis auf die im Haushalt neu angeforderte Summe von 800 Mk. als Beitrag zu den K o st c n d c r S c e l s o r g e in den Klmiken, die der Ausschuß zu streichen beschlosst Nach der Absicht des Obcrlonsistoriums sollte für einen eigenen evangeliiaicn Geistlichen ein Betrag von 600 Mk. und für die katholische Seelsorge, die etwa nur den fünften Teil der Kranken umfaßt, 200 Mk. ausgeworfen werden. Weiter wurde Kap. 37 Technische Hochschule und Kap. 40 Lehrer Scminaricn, Pädagogischer Kursus, genehmigt. Von der hierbei früher angeregten Frage, ob in Zukunft von den Zöglingen ein angenicssenes Schulgeld zu erheben fei, wurde Abgesehen, doch der Regierung empfohlen, darüber beim nächstjährigen Haushalt geeignete Vorschläge zu machen. ,
Kap. 41 Volksschulen, und dre folgenden Kapitel, wie Turn- Uild Zeichenunterricht, Landes-Waisenanstalt, taubstummen- und Blindenanstalken, Hofbibliothek, Pro vinzial-Erziehungs- und Besserungsanstalten, wurden gc- lehmigt ebenso Kap. L a n d e s m u s en m , doch wurde W >fr für Studienreisen im Interesse der Bearbeitung eines vijsenschaftlichcii Katalogs der Gemäldegalerie angeforderte Betrag von 2000 Mk. gestrichen.
Die folgenden Kapitel: Denkinalspflege, Römifch-ger- manisches Ientralmuseum in Mainz, Historischer Verein, Astorische Kommisjivn, Zentralstelle für die Laiidcsstatlstik, Geologische Landesanstalt und Geophysikalischer Landes dienst wurden genehmigt, ebenso Kap. 63, ^onds für öffent lidic und gemeinnützige Zwecke, sowie Kap. 76, Bergbau. Beim Kap. 77, K u ii st st r a ß e n w e s e n, sind von der Re «gierung die Gehälter für 18 Kreisbauinspektoren ange fordert Im Einverständnis mit der, Regierung wurden hiervon acht nur auf den Inhaber bewilligt. Annahme fanden weiter die Kap. 78, Handelskammern, Gewerbe
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Sreitag, 21. Januar 19U
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UNwersiiätS-Bnch- und Steindruckerei.
R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: «ckul« straße 7. Expedition und Verlag: e±3£»bl.
Redaktion.^sA112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
R. B. Darmstadt, 26. Ian. Der F t na n z a u s , chu ß der Ersten K a m m e r trat heute vormittag unter Vorsitz des Grafen zu Erback Fürstenau zu einer Beratung über oie von her Zweiten Kammer fertiggestellte Regierungsvorlage die Gemeindesteuerreform betreffend^ zusammen; als Ver- tretcr der Regierung nahmen die Herren Staatsminister Ewald, Minister des Innern von Hombergk, die Gehemterate Dr. Becker und B e st und Geh. Oberfinauzrat Tr. K n e l l an der Sitzung teil. Den Berickt über die Regierungsvorlage erstatteten die beiden Ausschußberichterstatter Frhr. Hehl zu Herrnsheim und der Fürst zu I s e nb u r g -Sir st e i n. Xie Beschlüsse des Ausschusses wurden den Vertretern der Regierung zur Kenntnis gebracht und es dürfte im Laufe der nächsten W^cke in einer gemeinsamen Sitzung eine nähere Beratung darüber stüllinideu. ___■
Der Marinehaurhalt tm vudgetaurschuß.
:: Berlin, 26. Jan.
Der Ban von Wohnhäusern für verheiratete Unteroffiziere in Cuxhaven wird nach einer regen Aussprache schließlich ab gelehnt und für später zuruckgestellt. .
Für den Bau einer -O f fi z i e r S P ei, c aujtal taut Helgoland, die einen Kostenaufwand von 1 /o 000 Mark e.'ordert, wird eine erste Rate von 100 000 Mark angcrorbert. Daneben gehen Forderungen iür den Bau eines Wohngebäudes iür einen Stabsoffizier, sowie den Anschluß der Helgoländer Garnisonanstalten an die Wasserversorgung. Von Volts- p a r t c i 1 i d) c r Seite wird die Höhe der Kosten für die Onizter - SpeiieanUalt bemängelt. Der Staatssekretär begründet das Bedürfnis mit dem Hinweis auf die starke dauernde Belegung Helgolands mit Offizieren und die häufige Anwesenheit der Torpedo- und Unterseeboote sowie des er st en G c - schwaders. Er bemerkt, daß diese ^ccstreit' k r ä i t c jetzt dauernd in den G e >v ä s s e r n um Helgo- land übten. Die Position wird bewilligt.
Aui Anfrage aus dem Ausschuß geht der Staatssekretär kurz auf die betannten Vorgänge auf Helgoland ein, wonach Angehörige ber Marine sittlicher Verfehlungen mit minder jährigen Mädchen beschuldigt wurden. Ter Staatssekretär stellt test' Gegen drei beschuldigte Unterossiziere mußte die em- geleitete förmliche Untersuchung niedergeschlagen werden, weil die Voraussetzung iür eine Verurteilung — Minderjährigkeit der Mädchen — fehlte. In drei Kriegsgerichten sind die Personen bCÄ O'fizierstandes, die mit der Angelegenheit m Verbindung gebracht wurden, von jeder Schuld 'reigeiprocheu worden. Ler
dagegen abgelehnt.
Dann gelangte das ebenfalls gestern sehr eingehend erörterte Kapitcl'dir e ktc St e u e r n zur Annahme, ebenso Kap. 17, Oberrechnungskammer, wobei nach den früheren Anträgen und Vorschlägen von den vorhandenen vier Obcrrechnüngsräten und zwei Sekretären zwei Ober- rechnungsräte und ein Sekretär n '.r auf den Inhaber gewilligt wurden. Im Haushalt des Ministeriums des IU' nern wurden beini Kapitel Z en tr a l b a u w c s en statt der angcforderten 209 000 Mk. nur wie im Vorjahr 203 000 Mark und beim Kapitel Allgemeine Verwaltungslosten iür Projektierungs und Anschlagsvorarbeitcn bei Nenoauten unu statt 4600 nur 3000 Mk. bewilligt und zwar mit der ausdrückliches Begründung, daß, diese Arbeiten bedeutend geringer würden, da ja in Zukunft viel weniger gebaut werden solle. Die Kaintcl der Lokal- und Polizeiverwaltung (30—34) wurden genehmigt, ebenso Kap. 35 K i r ch e n , worunter wieder, wie bisher, für die evangelische Kirche 310 000, für die katholische Kirche 171372 Mk. und für die alttatholische Gemeinde in Offenbach 1849 Mk. angesordert
bat -eine an sich nicht üble Lustspielidee durch allzu selbstgefällige Auseiuanderzerrung und 111 c rar 11 d>eft 1 e i mg f ci tef r am er ei zu einet dreiaktigen Komödie gedehnt, die weder durch ihre inhaltlicke Substanz, iiod) durch sonderlich bedeutungsvolle Eharaktcrzeichnung>.ii imstande ist, iür das Opfer eines vollen langen Abends »u entschädigen. Das erste Bild zeigt , den iimgen Nc^ehn.ahrm'' Grasen Rofrano, genannt Cuingum, al» eitolgreichen Anbiter der schönen Feldmarschallin Fürstin Werdenberg, Im letzten Bild führt ihm die einstige Geliebte leine zutumtige Braut, das Fräulein von Fauiual, in Die Arme. Dieier, gewiß weder sonderlich interessanle noch originelle Wechte! in den jungen Quinguins bildet den Grundntz der Handlung, die eist durch einzelne Charakterschilderungen lebhartere tverben erhalt.
Ter immerhin mit einer gewissen liebevollen Sorgfalt gt zeichneten Marschallin gegenüber ist das junge Liebespaar: Qm i- auin 'und Sophie von Famnal ziemlich fluchtig jnzzlert. ^-ophu, das -einzige Kind des neugeadelten, protzigen »errn von ,yanuta tommt soeben mit einem Hauten tugendhatter --Ersätze aus dem Kloster Sie freut fick unbändig „aut» Heiraten , oerliebt aber fatalerweise statt in den ihr zugedachteu Baron -.cks von °erchenau in dessen Abgesandten, eben den jungen Cumamn, der ihr^ls Brautgabe ihres Bufümtigen dw iilberne Rche uber- brinat Diese jäh erwachende Liebe zu L-iunauin steigert ted) noch als Sophie den Bräutigam selbst erblick,
%aü die fast durchweg aui burlesken <5ituattonswitz gestellte Handlung in ihren Einzelheiten den Wünschen und ,-samg- keiten.gerade eines Richard 5traun bcwiwcrs entiorechen mutzt.', bebari 9faum eines Hinweises der Lat hat Ltrautz ut der munkalischen Ausgestaltung der Einzelheiten, des Textes wieder Beweise einer Kiinstlerschatt gegeben, wie sie in hohem ..latzc unter den Lebenden wohl nur ihm eigen ut. Vor altem ip es ihm gelungen, iür diese Komödie einen aus inotim,cher ^oraajc unb brcUgejogenem melodischen Ausdruck gemischten >tonver,a- tionston zu iinden, der in Dresden wohl des hochgelegenen d»efter§ wegen nickst in vollem Matze zur Geltung kommen konnte, der aber, 9mcnn alle Mitlivirkenden lidi allmählich an die,en -til gewöhnt haben werden, als eine Errmigenickatt von gar Nickst bo ‘ digeinig zu schätzender Bedeutung angejehen werden mutz. Taü 2traui; in formalen Ausdruck scheinbar auf. altere Muster nirürfareiien miRie, lag im Charakter des Stones begründest. Dterunden periodischen ytelobicbilDungcii, biebalD italiennchen Zuschnitt zeigen, bald schmachtende Mendüssohn Imitationen, bald aar ^alzerkopien unverkennbar Wiener Prägung barnellcn, jinb, n-.ie id) schon eingangs hervorhob, durchaus parodmisd) gemeint. Mit bewunderswerter Feinheit ist es indesten rtrauu gelungen, bi e Zcrrlinie der groben Karikatur zu vermeiden und audi Jfine Imitationen mit io kluger, dezenter llngezwungenh^n hinzustetten, daß sie im ersten Rtoment fast den Anjchem leten5Dolla; Lzriöuuu
•rroeden Es mag sogar Leute geben, die all diese graziösen Menuette und Ländlermotive, diese einschmeichelnden Walzermelo- -,icii für bare Münze nehmen und iid) darüber treuen, daß Str auf; anscheinend in sich gegangen ist und wieder „melodisch" u schreiben beginnt. Diesen Guten soll ihr Wahn nicht geraubt iierbcn. Als ernsthaft im Sinne der wahren Ltraußiicheii Natur 'ildtcincn mir nur wenige Partien des ganzon Werkes: die mit allen Raffinements orchestraler Ausdrucksweife durchgeiührte instrumentale Charakteristik ber Figur des Ochs von Lerchenau. Daun das, in seiner schlichten Anmut bezaubernde xuett zwischen Cuiuauiu und Sophie im 2. Akt bei ber lieb ergäbe der Rose. Ferner die Orchester-Einleitung zum letzten Akt — ein <stüd, das u seiner motivisch, volhvhonen Struktur wohl selbst unter den Straußschen Instrumentalstückeu einzig dasteht und enblid) das säst pathetische Schlußterzett. Im übrigen ist dieser „Rosen- tavalier" eine musikalische Verkleidungskomödie, in der die protensartige Verwandltlngsfähigkeit des Komponisten glänzend,te Triumphe feiert. Daß dieses Verkleidungsprinziv, auf die Spitze getrieben, am Ende ein ästhetisches Unbehagen weckt, soll nickt verschwiegen werden. Eine straffere textliche Diktion hätte hier vieles bessern können. Man wird nicht sagen können, daß irgendwelche Unzulänglichkeiten der Wiedergabe etwa den Eindruck ab- gcidnrädit hättest. Eine namentlich in schansvieleri?cker Himickt glänzendere Aufsührung als Dresden sie mit Eva v. b. Osten Cumaiiin , Margarethe Siems ".arschalliu , Karl Perron iLck,s von Lerckenau und dem unetmühiidien Ernst von Lchucki bot, können iid) die Autoren kaum wünschen. Es müssen al’o hier mohl organische Mängel vorliegen, zu deren Beseitigung ftür» ■’-ingen im einzelnen kaum ausreickeu, vielmehr eine durchgreifende' Umarbeitung erforderlich sein würde. Vielleicht könnte der Rosenkavalier in neuer Form noch die „musikalische Komödie" unserer Zeit werden, während er jetzt nur ein Versuch zum Entwurf emer solchen ist. *
Die Aufführung hatte einen großen, von Akt zu Akt iid) steigernden Enolg. Das Haus war voll besetzt. Strauß, v. Hosf- mastnsthal, Schuch ünd die Mivvirkenden wurden wiederholt gerufen.
einer Truppen-Abteilung besetzt war, für den Fall, daß Pius X. aui seiner Idee verharrte, in Frankreick) Zuflucht zu suchen. Für diesen Iweck lönnlc das Gebäude sehr schnell instand gesetzt werde n." _________________________
Au; dem hessischen Zinanzanrschutz.
R. B. Darmstadt, 26. Jan. Vom Finanzaus- 'chuß der Zweiten Kammer wurde heute noch der Rest der bisher unerledigten Kapitel des Staatsvoranschlags für 191,1 durch Abstimmung erledigt. Beim Kapitel über die S t a a t s e i s c n b a h n e n fand eine weitere Aussprache nach den gestrigen Erörterungen darüber mit der Regierung nicht statt: die Einnahme in Höhe von 14 980 000 Mark wurde genehmigt, der zu diesem Kapitel gestellte Antrag Raab inbetreff der ehemaligen Ludwigsbahnbeamten
aussicht und die gewerblichen Kap. 84—87, beim Finanz- haushalt Kapitel Ministerium, Hauptstaatskasfe und Kataster. _
Beim Kapitel: Ausleihungen und ctaatsichuld mut - den bisher bei der Abteilung Staatsschuldenverwaltang für ein Mitglied beider Ständekammeru je 1200 Mk. und srir einen ländständischen Kontrolleur 150Mk. vergütet, ^.er Ausschuß beschloß, diese Vergütungen in Zukunft zu streichelt. Damit hat der Ausschuß einen schönen Beweis für den Vorsatz gegeben, überflüssige Gebühren für s)t c b c 11 • ä m ter nicht m e h r zu bewilligen, ein Beispiel, das hoffentlich auch bei der Regierung bezüglich der mancherlet Gebühren für Nebenstellen Nachahmung findet. Zum ^chlup der Sitzung gelangten noch einige Rest-Kapitel aus dem Vermögenshaushalt zur Anuahme. Nur bei Kap. 140, Bauwesen des Finanzministeriums, lvurde bei Pos. 2, -crn- torial-, Fluß- und Dammbau, die Beschlußfassung ausz gesetzt, bis die Regierung das int vorigen Jahr auf Be chluß der Kammer angefertigte Obergutachtcu über dte Korrektur des Rheinstroms vorgelegt haben wird. "Nachdem somit die einzelnett K-apitcl des Haushalts vont Ausschuß durch Abstimmung erledigt sind, werden die Ausschußbcrrchl- erstatter ihre Berichte schriftlich fertig stellen, dte dann in einer auf den 7. Februar anberatimten Sitzung des Ausschusses zur Verlesung gelangen und genehmigt tverdett sollen. Um die Mitte nächsten Monats wird dte. vorgeschriebene gemeinsame Etatsberatuitg der Finanzaus- chüsse beider Kämmern stattsinden, woraus daun vermutlich die Haushaltsberatungeu in der Kaut- in er am 21. Februar beginnen werden.
Verden- uw damit zu sisen
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