Ausgabe 
26.5.1911 Erstes Blatt
 
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tonnbct wurden ein Sergeant und fünf Schützen. Das Gefecht wird als vereinzelter Zwischenfall angesehen.

Das russische Ministerium des Innern erlieft ein Rundschreiben an die Gouverneure betreffend genaue Befolgung der kaiserlichen Erlasse von 1905 und 1906 über die Gewissens­freiheit Der Uebergang vom orthodoxen Bekenntnis zu einem anderen soll von den Ortsbehörden nicht gebindert werden. Ortho­doxe dürfen religiöse Versammlungen Andersgläubiger besuchen, doch bleibt die Katechication orthodoxer Kinder durch Prediger anderer.Konfessionen "strafbar. Insbesondere wird erklärt, daß die Bestimmungen über die Taufe der Jürden, die nur mit Genehmigung des Ministers des Innern vorgenommen werden darf, unverändert bleiben.

Nach dem vorläufigen Volkszählungsergebnis be­sitzen/'England und Wales 36 075 269 Einwohner gegen 32*527 843 im Jahre 1901. Die Bevölkerung Groß-Londons beträgt 7 252 963 gegen 6 581402 im Jahre 1901.

Auf eine Anfrage im englischen Unter Hause, ob die Regierung beabsichtige, ein Gesetz einzubringen, das den Flug von F l u g s ch i s f c n während des K r ö - uungszuges verbietet, erklärte Churchill, ein Gesetz, welches sich mit dieser offenbaren Gefahr beschäftige, sei in Vorbereitung und er rechne mit der Annahme des Ge­setzes. Das Gesetz werde nur eine kurze, vorläufige Ver­fügung bilden, da eine eingehender durchgearbeitete gesetz­liche Regelung der Frage in Vorbereitung sei.

LustWffahrt.

Vom oberrheinischen Znverlässigkeitsflng.

Von einem Straßburger Mitarbeiter erhalten wir folgenden Bericht:

Straßburg, 25. Mai.

Gestern letzter Tag. In früher Morgenstunde Abfahrt -£er noch konkurrierenden und außer Konkurrenz mitstarten­den Flieger. Aller Gedanken sind noch im Banne des Schrecklichen, das sie am Tage zuvor gesehen haben haben sehen müssen, des Todessturzes ihres Kameraden. Der junge Flieger, dem alle Herzen entgegenschlugen ob seines natürlichen gemütlichen Wesens, wird, wie auch seine .Hinterbliebenen, vom Straßburger Publikum außerordent­lich bedauert. Seine Leiche wurde nach Mülhausen ver­bracht,, wo heute mittag die Beerdigung stattfindet. Ich hatte Gelegenheit, mit dem Passagier zu sprechen, der Laemmlin von Freiburg nach Schliengen begleitet hat. Er erklärte, daß er sich mit L. in den Lüften sicher ge­fühlt und angstfreier befunden habe, als auf L.'s Begleit­lastwagen, auf welchem er mit von Oos nach Freiburg gefahren war. lieber den Unfall selbst kursieren die verschiedenartigsten Auslegungen doch der einzige Mund, der sprechen könnte, schweigt für immer. Von Prinz Heinrich erhielt die Witwe Laemmlins ein in warmen Worten gehaltenes Beileidstelegramm.

Als erster startete Mackenthun 5.02, Richtung nach Karlsruhe; darauf 5.11 Jeannin, 5.32 Hirth, gleich­zeitig Witt erst ätt er, und als letzter Brunhuber 5.35, sämtlich Richtung nach Weißenburg. Nach Lan­dungen in Weißenburg landeten in Karlsruhe Jeannin 6.50, Witt er statt er 6.54, Hirth 9.59. Macken­thun, direkt von Straßburg kommend, landete glatt 5.35. Brunhuber hatte unterwegs zweimal Defekt, erst­mals bei Herlisheim, dann bei Trimbach, Nähe Weißen­burg.

Wie ich eben erfahre, sind Jeannin, Witter st ät- ter und Hirth, von Karlsruhe kommend, in Mann­heim gelandet Lt. Förster ist bei Walldorf üb gestürzt, doch unverletzt. Werntgen landete auf sumpfiger Wiese bei Schwetzingen.

Wir erhalten noch folgende Wolff'sche Telegramme:

Karlsruhe, 25. Mai. Zum Start zu dem Fluge nach 'Heidelberg hatte sich in früher Morgenstunde ein zahlreiches Publi­kum auf dem Exerzierplatz eingefunden. Um 4.34 Uhr verließ Förster bca Exerzierplatz, um 5 Uhr startete Jeannin, um 5.03 Uhr Witterstätter, um 5.07 Uhr Hirth, um 5.22 Uhr Werntgen. Die Flieger waren in kurzer Zeit den Blicken entschwunden, zumal günstiges Wetter inzwiichen eingetreten war.

Heidelberg, 25. Mai. Nach ihrer Ankunft nahmen die Flieger Rundflüge vor. Den Preis des Heidelberger Ver- kehrsvereiu gewann Jeannin. Den akademischen Preis Witter- stätter, den Ehrenpreis der Stadt Heidelberg Hirth. Darauf fand der Abflug nach Mannheim statt. Um 7 Uhr startete Jeannin, 7.09 Uhr Witterstätter, 7.30 Uhr Hirth, der aber infolge Ab­springens eines Randstückes nach dem Flugplatz zurückkehren mußte. Nach vorgenommencr Reparatur trat Hirth um 8.43 Uhr den Weiterflug an.

Im weiteren Verlaufe des heutigen Flugtages kam um IO1/2 Uhr Werntgen in Sicht, welcher heute früh nicht wie anfangs ge­meldet, wegen eines Defektes, sondern zur Orientierung beim i,Dorfe Roth in der Nähe von Walldorf und Wiesloch nieder­gegangen war.

Mannheim, 25. Mai. Von Heidelberg trafen die Flieger Jeannin um 7.15 Uhr, Witterstätter 7.25 Uhr und Hirth 8.52. Uhr auf dem Mannheimer Rennplatz, der Äls Fluggelände dient, ein. Sämtliche Landungen vollzogen sich glatt. Den Platz umsäumt eine außerordentlich große Menschen­menge, die man auf 40- bis 50 000 Köpfe schätzt. Nachmittags

um 5 Uhr sollen S ch a u s l ü g e stattnnden, der S t a r t M a i n z Frankfurta. M. soll morgen früh um 5 Uhr vonstatten gehen.

Bei dem Schaufliegen stiegen Hirth und später auch Jeannin auf. Beide führten sehr gelungene Flüge aus, von dem Publittnn begeistert begrüßt.

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... Straßburg, 25.Mai. Der Preisrichter-Ausschuß Tut die am 23. Mai nachmittags auf dem Flugplatz Polygon unter­nommenen Wettflüge hat folgende Preise zuerkannt: A. Eröff- nungspreis. 1. Hirth 750 Mk. (2 Runden in 2 Min. 54 Sek.); 2. Jeannin 300 Mk. (3 Min. 26 Sek.): 3. Brunhuber 150 Mk. (3 Min. 31 Sek.). B. Preis für den kürzesten Anlauf vor dem Aufstieg. 1. Lämmlin 600 Mk. (50Vs Meter); 2. Brunhuber 300 Mk. (55 Meter). C. Wurfpreis. Dieser Preis wurde nicht zuerkannt, weil der Bewerber, Hirth, nur 69 Meter hoch flog, anstatt mindestens 100 Meter. I). Passagierflug-Preis. Hirth 750 Mk. E. Totalisations-Preis. 1. Jeannin 1500 Mk. (11 Min. 52 Sek.); 2. Lämmlin 750 Mk. (4 Min. 37 Sek.); 3. Hirch 450 Mk. (4 Min. 20 Sek.). Das Preisgericht schlug Dem Organi­sationsausschuß vor, das Geld für die nicht ausgeflogenen Preise der Witwe Lümmlins zur Verfügung zu stellen.

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Die Flnaveranstaliunaen in Sachsen.

Dresden, 25. Mai. Die Flugveranstaltungen begannen heute nachmittag 4 Uhr mit dem Start um den Preis für den kürzesten Anlauf. Es starteten ungefähr 10 Flieger. Den ersten Preis (600 Mary errang Laitsch mit 34,7 Meter, den zweiten Preis (400 Mark) Lindpaintner mit 41,9 Meter, den dritten Preis Leutnant von Schaumburg mit 42,5 Meter. Außerdem sanden auch verschiedene Schauflüge statt. Für den Fernflna nach König^^'n I?ab^n sich gerne' die Flieger Grade, Kant, Lindpaintner, Büchner, Leutnant von Schaumburg, v. Moß- ner (Wrightapparat), Laitsch, Hoffmann und Dr. Wittenstein. Da jedoch gegenwärtig ein lebhafter Wind herrscht, ist es noch zweifel­haft, ob der beabsichttgte Fernflug heute noch angetreten werden kann.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 26. Mai 1911.

** Landtagsersatzwahl. Heute früh um 10 Uhr wurde unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Dr. Usinger von den 1908 gewählten Wahlmännern der Stadt Gießen die durch den Rücktritt des Abg. Dr. Gutfleisch not­wendig gewordene Landtagsersatzwahl vorgenommen. Von den damals gewählten 57 Wahlmännern sind inzwischen zwei gestorben und zwei von hier verzogen, so das; 53 Wahl­männer vorhanden waren. Erschienen waren 41, von denen die drei ältesten, Zahnarzt Dr. Koch, Kaufmann Hch. Hoch- stätter sen. und Rentner Berg als Urkundspersonen tätig waren. Auf Justizrat Grünewald entfielen 39 Stim­men, während zwei Zettel unbeschrieben abgegeben wur­den. Justizrat Grünewald ist somit bis 1914 als Abgeord­neter oer Stadt Gießen gewählt.

** Aus dem Militärwochenblatt. Hoos, Major beim Stabe des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt und zum Kommandeur des Landw.-Bezirks Lennep er­nannt. v. Jlsemann, Oberst und Kommandeur des Leib-Drag.-Regts. (2. Hess.) Nr. 24, mit der Führung der 34. Kav.-Brig., beauftragt. Zierold, Major beim Stabe des Schles. Drag.-Negts. Nr. 15, zum Komman­deur des Leib-Drag.-Regts. (2. Hess.) Nr. 24 ernannt.

** Handwerkskammer. Durch Entschließung des Minisieriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, ist der zum vortragenden Nate im Ministerium des Innern und Oberregierungsrat ernannte Negierungsrat Graef vom gleichen Tage ab als Kom­missar bei der Handwerkskammer zu Darmstadt bestellt worden.

* * Ernannt wurde der Gefangenaufseher am Landes­zuchthaus Marienschloß Nich. Stremmel zum Gefangen- ausseher am Provinzialarresthau? in Darmstadt.

" Erste Gießener Ballonfahrt. Am Samstag, 27. Mai, wird der erste Ballon-Aufstieg (bemannte Freifahrt) der Ortsgruppe Gießen des Kurhessischen Vereins für Lust- schifsahrt veranstaltet und zwar vom Hof der städtischen Gas­anstalt aus. Der Beginn der Füllung ist um 7 Uhr morgens und die Abfahrt geht gegen 9V2 Uhr vor sich. Vorher sind Pilotaufstiege. Klubmitglieder und geladene Gäste haben Zu­tritt zum Startplatz. Als Ausweis gilt die Mitgliedskarte ober das Einladungsschreiben. Bei gefährlicher Wetterlage wird die Fahrt verschoben. Das Rauchen ist auf dem Start­platze strengstens untersagt. Die zweite Ballonfahrt erfolgt voraussichtlich am Verkaufstage der Großherzogin.

* * Die neue Schlachthof-Anlage ist morgen, Samstag, und Sonntag von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags dem Publikum zur Besichtigung freigegeben.

* * Auch ein Stück Jugendfürsorge. Man schreibt uns: Ueberall regt es sich in unserer Zeit, um eine bessere Fürsorge für unsere Jugend zu schaffen. Schon für das^Kind im zarten Säuglingsalter wird jetzt gesorgt, und Hunderte von diesen Kleinen würden sicher einem

die Schließung des Theaters von her Stadtverordnetenversammlung beschloßen. Seit dieser Zeit sind eine große Anzahl Theater­projekte aufgetaucht, die aber immer wieder an der Lösung der finanziellen Frage gescheitert sind. Bauinspektor Weil hat nun­mehr, wie erwähnt, einen Entwurf für den Umbau des Stadt- theaters ausgearbeitet, der die Genehmigung des Mini- jfterium5 gefunden und auch die Stadtverordneten bereits be­schäftigt hat. Tie Umbaukosten betragen nach dem Kostenanschlag 13-50 000 Mk. und die innere Einrichtung (Bühnenmaschinerie und ^-Dekoration, Beleuchtungskörper, Bestuhlung usw.) 50 000 Mark. Die Gesamtbelastung der Stadt für den Stadtgarten einschließlich des Theaters würde sich nach der aufgestellten Rechnung auf 18427 Mk. belaufen. Die Lage der einzelnen Gebäudeteile wie Zuschauerhaus, Bühnenhaus und Kvnzertsaal zueinander bleibt be­stehen. Die Zufahrt zum Theater muß für die Zukunft vom Main her erfolgen, die Abfahrt nach der Kirchgasse. Der Konzertsaal wird von dem Umbau nur insofern berührt, als die seitlichen Ausgangstüren nach außen aufschlagend umgeändert werden und die Galerie ihren Zugang von einer Treppe erhält, die in den alten Büffeträum eingebaut werden soll. Im Bühnenhaus werden i)ie Garderobeverhältnisse wesentlich gebessert. Das Gebäude wird einschließlich der Bühne und dem Konzertsaal mit einer Zentral­heizung und elektrischem Licht ausgestattet. Das Theater soll nach dem Umbau 256 Parkettplätze, 120 Parkettlogen, 192 Galerie- Plätze und 32 Proszeniumslogen, insgesamt 600 Plätze ent­halten. Dem Mangel an einer genügend großen Anzahl von billigen Plätzen, der durch den Umbau nicht behoben werden konnte, i ließe sich durch die Veranstaltung von sog. billigen Volksvorstel- ,hingen zu ermäßigten Preisen abhelfen.

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1 Ein neuer Generaldirektor für das Darm- ftäbter Hoftheater ist, so schreibt uns ein Darmstädter yJcitarbeiter, wie bestimmt verlautet, in Aussicht genommen. Der brshnige Letter unseres Kunstinstitutes, Geh. Hosrat Werner, ist schon seit Monaten leidend und wird demnächst in den wohl­verdienten Ruhestand treten. Wiederholt hatte er wegen mannig­facher Differenzen um feinen Abschied gebeten, doch hat der Grotz- herzog anscheinend erst jetzt geeigneten Ersatz für rhn gefunden.

Werner wirkte feit dem Jahre 1868 als Charakterdarsteller am hie­sigen Hoftheater und wurde dessen Leiter im Jahre 1894 nach dem Tode von Wünzer. Werner hat in Anbetracht der hiesigen schwierigen BerhÄtnisse vieles geleistet, auch den vollständigen Theaterumbau vor einigen Jahren nicht ohne Erfolg durchgeführt, vermochte es jedoch nicht, unseren Kunsttempel auf die frühere an­gesehene Höhe iu bringen. Als sein Nachfolger wird der etwa 50 Jahre alte Schauspiel-Regisseur vom Münchener Hoftheater FriedrichBasil genannt. Basil stammt aus Frankfurt a. O., studierte zuerst Philosophie, hatte aber Neigung aur Bühne, wurde von Oberländer-Berlin zuerst ausgebildet, kam bann nach Lübeck, Oldenburg und dann an das Berliner und an das Deutsche Theater in Berlin und ist seit 1896 Regisseur, in München. Er gilt als tüchtige Kraft, die auch über technisches Können ver­fügt, sich auch als Sänger mit gutem Erfolg versucht hat.

ZumDiebstahl" b er Weimarer Schiller­brief-Manuskripte wird uns aus Weimar von einem Leser unseres Blattes geschrieben:

In Nr. 120 vom letzten Dienstag bringen Sie die Nachricht von demDiebstahl" der Schillerbriefe und -Manuskripte, der sich nun, zum Gaudium aller, in Wohlgefallen aufgelöst hat. Die Manuskripte sind nämlich wieder da, aber nicht im Schillerhaus, sondern im Tivoli. Die Berliner Ausstellung hatte sie an das Stadt thectter in Weimar" gesandt und so sind sie ganz folge­richtig an das Tivolietablissement, das sich auchResidenzthcater" nennt, abgeliefert worden. Ter Besitzer dieses vauses glaubte, es handle sich um Reklameplakate und ließ das Paket ruhig liegen. Durch die Meldungen von demDiebstahl" aufmerksam gemacht, klärte er den Irrtum bald auf., Uebrigens erläßt der geschäfts­führende Ausschuß der Gesellschaft für Theatergesichte E. V. 1902 eine Mitteilung (Weimar. Ztg., Nr. 122, 3. Blatt), wonach nicht die Ausstellungsleitung, sonderndas Bureau Der Ausstellungs­halle die beklagenswerte Verwechselung und Verzögerung bei der Rücksendung der Gegenstände, der hiswrischen Wteil. der Theater­ausstellung Berlin 1910 gegenüber dem Betroffenen sowie vor der Oesfentlichkeit zu vertreten hat". Das Residenztheater entspricht dem Gießener Lolosieum.,

elenden Tode erliegen, wenn nicht die Säuglingsheime sie vor dem Untergang retteten. Bei den Kindern wird auf diese Weise ein so gesunder Kern gelegt, daß sie mit zu- rückgelegtem sechsten Lebensjahre körperlich und geistig ge, nügend entwickelt sind Ausnahmen gibt es auch hier, um in die Schule eintreten zu können. Nun kommt frei» lich eine Zeit, die geeignet ist, viele von den gut ent­wickelten Kindern wieder herunterzubringen; wenn man bedenkt, daß sie von jetzt ab den größten Teil eines Tages in der Schule, in den Stuben, in engen Höfen und auf der Straße zubringen müssen, dann läßt sich leicht verstehen, daß durch den Mangel an Bewegung und frischer, sauerstoff- reicher Luft Blutarmut und nervöse Erschöpfung eintreten, zumal auch noch manche an ausgesprochener Unterernährung leiden. Deshalb sollten Eltern, Lehrer und alle Kinder­freunde mit Hand uns Werk legen, bestehende Einrich­tungen zu fördern und neue ins Leben zu rufen,- die ge­eignet sind, unseren Schulkindern mehr Bewegung in frischer, freier Luft zu verschaffen. In richtiger Würdi­gung dieser guten Sache hat darum Hauptlehrer Knauß an oer hiesigen Stadtknabenschule mit seinem Lehrerkol­legium die sogenanntenS ch ü l e r w a n d e r u n g e n" ein» geführt. Eine Anzahl Lehrer hat sich bereitwilligst in den Dienst der guten Sache gestellt, so daß vorigen Sonntag unter Führung von vier Lehrern die e r st e W a n d e r u n g durch Feld und Wald mit nahezu 200 Knaben unter- nommen werden konnte. Hoffen wir, daß diese Einrich­tung Freunde und Gönner finden möge, damit diese ein­tägigen Schülerwanderungen sich im Laufe der Zeit zu mehrtägigen Ferienwanderungen erweitern können zur Ge­sunderhaltung und Kräftigung unseres heranwachsenoen Ge- schlechts.

Landkreis Gießen.

ch. Lollar, 26. Mai. Auf der Main-Weser- Hütte war in den letzten dreißig Jahren ein Hochofen in Betrieb, der vor einigen Jahren ausaeblasen und nieder­gelegt wurde. Als letztes Zeichen standen außer dem Förderturm nur noch die vier Kamine, die durch Pioniere mittelst Sprengung beseitigt werden sollten, da an dieser Stelle ein größerer Bau vorgesehen ist. Nach Einholen der volizeilichen und kreisamtlichen Genehmigung wurde im letzten Momente von der Eisenbahndirektion für zwei Ka­mine, die in nächster Nähe des Bahngeleises stehen, die Sprengung verboten, und beide werden vorläufig stehen bleiben. Es kamen also nur noch die zwei etwas weiter von der Bahn stehenden Schlote in Betracht, die schon Mittwoch früh durch die am Abend vorher eingetroffenen Pioniere-aus Mainz-Kastell zur Sprengung vorbereitet wurden. Mittags um 1 Uhr sollte der erste fallen und abends zwischen 6 und 7 Uhr der zweite. Der erste Kamin, der etwa 50 Meter hoch war, neigte sich nach dem vierten Schuß auf die Seite uno stürzte unter donnerähnlichem Ge­töse. Die Sprengung des zweiten Kamins ging rascher vor sich: er stürzte schon nach dem ersten Schuß zusammen. Beide Bauwerke fielen genau nach der vorgeschriebenen Richtung. Die Sprengung hatte eine große Menge Neu­gieriger herbeigelockt.

B. Londorf, 25. Mai. Nächsten Sonntag nachmittag ivird hierein MissionSfest abgehalten, bei schönem Wetter im sog. Schlappsloch, am Waldrand zwischen hier unb Nordeck. Festprediger ist Missionar Gutekunst aus Basel.

X Treis a. d. Lda., 25. Mai. Der hier von -er Firma Stöcker & Kunz in Mühlheim in Betrieb genommene Quarzitsteinbruch liefert fortgesetzt gute Ausbeute. Im Laufe dieser Woche wird wieder eine Schiffsladung Steine, etwa 70 Waggon, auf unserem Bahnhof verladen, die in wenigen Wochen gebrochen worden sind. Der Betrieb könnte noch vergrößert und der Firma die Erbauung tiner Chamotte- fabrik ermöglicht werden, die vielen Arbeitern willkommenen Verdienst geben würde, auch im Winter, wenn der hessische Staat der Firma durch den Verkauf einer dazu benötigten Waldparzelle entgegen kommen wollte. Wie verlautet, beab­sichtigt man durch eine Eingabe hiesiger Einwohner an baS Ministerium das Vorhaben der Firma zu unterstützen.

Daubringen, 25. Mai. (Verspätet eingegangen Am Sonntag fand unter großer Beteiligung die 6. Bundesturn­fahrt des Turnerbundes Lahn-Dünsberg nach Daubringen statt. Morgens in aller Frühe marschierten die Wett-Turner, aus allen Richtungen kommend, mit Gesang und Spiel in un­fern Ort. Um 8 Uhr fand die Sitzung des Kampfgerichts unter Leitung des 1. Bundesturnwarts Schmidt in der Wirtschaft von Weimer statt. Puntt 9 Uhr traten 173 Turner zum Turnen an, das flott und glatt von statten ging und um 121/2 Uhr beendet war. Gegen 3 Uhr bewegte sich ein stattlicher Zug durch die Straßen Taubringens. Nach Ankunft auf dem Festplatz hielt der 1. Vorsitzende Emil Schäfer die Festtede, die mit einem kräftigenGut Heil" auf die edle Turnsache schloß. Im Am- chluß fanden die allgemeinen, sehr schön zusammengestellten Frei­übungen statt. Nach den Freiübungen fand dann noch ein Schleuder­ballspiel unter Leitung des Bundesturnwarts statt. Gegen 7 Uhr sand die Preisverteilung statt, sie hatte folgendes Ergebnis: 1. Preis H. Rohrbach- Lollar 43'/e Punkte, 2. L. Hofmann- Lollar, 3. Wilh. Frank-Lollar, 4. W. Schmidt-Waldgirmes, 5. Fr. Schwarz-Lollar, 6. H. Mootz-Großen-Buseck und Karl HildÄ- heim-Lollar, 7. H. Hahn-Großen-Buseck, 8. Ernst Will-Launs- badj, 9. H. Krieger-Allendorf, 10. H. Viehl Lollar, 11. Otto Mötzer-Wieseck, 12. Karl Hofmann-Lollar, 13. Heinrich Schmidt- Großen-Buseck, 14. H. Bierau-Lollar und H. Bender-Rodheim, 15. Georg Wißemann-Lollar.

? Allendor f a. Lahn, 25. Mai. Der hiesige Turnverein unternahm heute einen Turngang. Morgens um 4 Uhr wurden die Mitglieder durch den Ruf der Trommel geweckt und um 5 Uhr der Weg in der Richtung nach Braunfels eingeschlagen. Der Marsch ging über Dutenhofen, Wetzlar, Steindorf unb Obern­dorf; hier wurde eine Stunde Rast gemacht. Um 12y3 Uhr erreichte man das Schloß Braunfels, wo sich längere Zeit durch Besichtigung des Rittersaals und des Tiergartens aufgehalten wurde, um 5 Uhr wurde der Heimweg angetreten. Der Verein Gemütlichkeit" feierte heute beim, Gastwirt H, Hört sein Sommerfest,

Kreis Friedberg.

4 Bodenrod, 25. Mai. Tie sog.Maibowle­konferenz" des Bezirks Philippseck vereinigte gestern wieder viele hessische und preußische Lehrer aus dem be­nachbarten Solmsbachtal in der Gastwirtschaft von Frau Bürgermeister Wissig. Trotz des schlechten Wetters waren 50 Lehrer in unserem abgelegenen Walddorf er- chienen, das man nur beschwerlich erreichen kann, da die nächste Bahnstation über 21/2 Stunden entfernt ist und der Weg für viele Besucher über den steilen Hausberg führt. Gemeinderechner Hofmann von hier ist der älteste und ich am längsten im Amt befindende Gemeinderechner Hessens. Er vollendet in diesen Tagen in körperlicher und geistiger Frische sein 81. Lebensjahr.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Of fenbadj, 26. Mai. Die Zweigvereine Offen­bach unb Hanau vom Vogelsberger Höhenklub kamen gestern am Himmelfahrttage auf einer Spessartwanderung durch die Mückersbacher Schlucht unb Johannesberg nach Frohn­hofen- VachbeW bereits auf bet Säuberung bie Lestengräper

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