Samstag, 29. Zull 19H
161. Jahrgang
Erstes Blatt
Die heutige Nummer umfafct 14 Seiten.
Aus Briefen Robert Kod)$.
gc itranrgeit yandeit, Deren fortiaufenDc Deovamrung viel Zeil erfordert. Aber fie gehen vorwärts, und ich bin mit unseren Resultaten recht zufrieden. Auch gesundheitlich
Sie Mcetengenfrage von Gibraltar.
Tie „Kreuzztg." erhält eine .'Zuschrift, in der wesentliche Bedeulen gegen die Einverleibung von ganz Marokko in Frankreich geäußert werden:
Tatsache ist, baß von dem Augenblick an, Ivo ganz Marokko an Frankreich hcle, em? Wer rvcränderung im 'JJi 111el • meer erfolgte, die sich allmählich bis m die entfernten Winkel aui der langen Linie über Genua, Neapel, Venedig, Trieft, Fiume, Salonik, Konstantinopel, Odessa, Smnrno und Llc^anbra er- streckte. Ta Frankreich früher oder später nicht unterlassen würde, gegenüber von Gibraltar 'ich eine beseitigte Stellung zu verschaffen, so kämen dann, da der Suestanak in englischer Hand liegt und and) für ichwere Kriegsschiffe unzulänglid) ist, alle User- floaten unter franzöiisdser Kontrolle. Diejenigen Politiker de- Mittelmeeres, baten ein weiter Blick eignet, berufen sich für diesen Fall auf — England. Fd) nehme nun ohne weiteres an, das; Frankreich ben Engländern in bezug aus Fiottenrüstung, auf Die atlantische zinste und namentlid) in bezug auf Befestigung der Meerenge in der Gegend von Tanger ganz bestimmte Zusagen gemacht hat, und Englands Staatsmänner werden über diese Zusagen, beispielsweise Italien gegenüber, fane besondere Verschwiegenheit geübt haben Aber das alles schlummert in Geheimnissen ! Die Gesahr unsrer Zeit ist die geheime Diplomat!.. Wie Zusagen gehalten werden, sieht man ja deutlich an der Befestigung von Biferta, wie neuestens bei der Akgecirasakte. Nicht geheime Versprechungen sind geeignet, in solchen Lebensfragen
anklagender Besserwisserei vor die Fuße Hüpfen. Kritik kann unsere Auslandspolink, die in den letzten Jahren jo häufig die Richtung verloren hatte, vertragen, aber mit effektvollen Ratschlägen zu unrechter Zeit sollte man sie verschonen.
Das Vorkommnis in der Luisenkircke zu Charlotten' bürg, wo eine Mitttärabteilung den Gottesdienst verließ, als Pfarrer Äraatz den Fall Iatl sehr unerquickliche Unterbrechung der sommerlichen Stille in der inneren Politik. Der Fall hat natürlich mehr als lokale Bedeutung. Heute wird bekannt, daß der Mirdicn- Vertretung der Luiscngemeindc ein Antrag vorliegc, den Vertrag zu kündigen, ivvnach die betreffenbe Truppe das Recht hat, den Gottesdienst zu besuchen. Tic in der Regel iurz entschlossene „Deutsche Tageszeitung" erhebt daraus hm schon die Forderung, die in Betracht komnienden Avmmandobehörden müßten prüfen, ob nicht der Gottei dienst da zu mciben sei, wo nicht das reine Evangelium gelehrt werde. So weit sind wir also schon! Offiziere entscheiden über religiöse Wahrheiten oder Irrtümer? Wir glauben, daß sie btefe neuen Befugt isse gern von sich cchschütteln werden. Der Auszug aus der Luisenlirche Hal ,a schon den Eindruck erweckt, daß rauhe Soldatenherzen l-ci den Heilsprüfungen religiöser Bedürfnisse der ihrer £bl,ut unterstellten Kirchgänger mit einer Kriegserklärung an den Pastor allzu rasch bei der Hand find Wir wollen ce- nicht entscheiden, ob Pfarrer Kraatz in seiner Predigt dem Falle Iatho nicht einen zu breiten Raum gewahrt habe Es wird neuerdings behauptet, vierzehn Tage vorher habe rselben Kanzel das Thema Iaiho scharf in entgegengesetztem Sinne behandelt Vielleicht hat dieser Wetteifer zweier Theologen vor versani- melier Gemeinde in manchen Herzen begreiflichen Unwillen geweckt Aber für einen Abzug ganzer Truppenteile war unter keinen Umständen Anla Dem komman
dierenden Offizier stand cs keinesfalls zu, mit feinem — vielleicht berccktigien — fubjelliven Urteil unter Mithilfe seiner Soldaten während des Gottesdienstes eine Kundgebung zu veranstalten. Ein mit Talt begabter Zuhörer hätte, wenn er die Ausführungen des Pastors and) innerlich ablehnte, feinen Lärm verursacht, es vielmehr vor- gezogen, nicht einmal eine Miene zu verziehen. Kommen wirklich Entgleisungen der Prediger vor, so ist in der Regel dafür gesorgt, daß andere, unmilitärische Autoritäten den crfi rbcrlid)eu W>-' s,rudj ins Werk sehen. Mein Zweifel, das Verhalten der Ofsiziere tu der Luisenlirche entsprang einem überraschenden angel an Talt. Es heißt, über den Vorfall solle auch dem Kaiser Bericht erstattet iverbcn. Bei der Strenggläubigicit, die ihm eigen ist, wird er dennoch zweifellos die uelcuigten Lifiziere eines
Handlungen ist und bleibt ans jeden Fall eine unbegreifliche Rk । Kvürdigkeit.
„Ich befinde mich/
15. August 1905, „abgesehen von Kleinigkeiten, die nicht der Rede wert sind, recht wohl. Etwa vier Monate lang war ich im Innern von Afrika, habe viele Strapazen, anstrengende Märsche durch Sümpfe und über hohe Gebirge machen müssen und habe mich daoei besser geühtt als an der Küste mit ihrem Treibhausllima. Deswegen bin ich auch wieder ins Gebirge gegangen, wo es lühler ist. Amani, wo ich mich jetzt befinde und Vorläufig auch bleiben werde, liegt im Cftufambaragebirge, etwa 900 Meter hock', auf allen Seiten von Bergen und von Urwald umgebe::. Mit meinen Arbeiten habe ich viel Glück gehabt; es ist mir alles, was ich in Angriff genommen, über alles Erwarten gelungen. Augenblicklich beschäftige ich mich noch mit der Tsetsekrankheit und hoffe auch damit zu einem befriedi- genden Abschluß zu gelangen. Tarnt erst kann ich an
| ' schreibt < r, „da eS fmi um eine seh'-
und Strapazen. „Ich befinde mich," schreibt er am s wierige urankljeit handelt, deren fortlausende Beobachtung
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Ibbole- il 3roriflfitnert •nonatfid) 65 PI.; durch die Post Mk.L—viertel- hibrL auSldil Bestelle Zeilenprert: lokal lüPs^ aulmärN 80 Vlennig. Chefredakteur: A-Goetz. Verantwortlich für den volinschen Dell: ttuaufi
tftt .Feuilleton^, ,13ermÜd)tc6* und ,®frid)(*|aale: ft. Neu- raih; für .Stadt und Vonb': LHeß; iür den Anzeigenteil: H. Beck.
geht es nur gut, und es wäre soweit alles sehr schön, wenn das Leben hier nicht so eintönig wäre. Ich muß den ganzen Tag mitroflopicrcu und fast immer dieselben Dinge, das ist sehr ermüdend. . .
Morgen will ich in eine neue Hütte ziehen, die besser gelegen ist und eine schönere Aussicht hat, Sie wird auch trockener und behaglicher sein Man lernl eben immer mehr, wie man Hütten aus Holz und Gras zu bauen hat Tie ersten waren» recht schlecht, besonders das Dach taugio nichts, es war zu flach und ließ deswegen den Regen durch. Jetzt habe ich mir eine Hütte mit sehr steilem Dach bauen lassen, von dem der Regen besser abfließen kann. In meine bisherige wird Regierungsrat Beck ziehen, und besten Hütte bekommt ein junger Arzt, der von Dar- efsalam geschickt wird, um Schlafkrankheit zu lernen. So vererbt sich eine Hütte immer von einem auf den anderen." Irn Juni wird Koch recht ernstlich krank. „Fünf Wochen habe ich beständig liegend oder sitzend zubringen müssen", schreibt er unter dem 27. Juli 1907 an seine Tochter. „Aber kaum konnte ich wieder auf fein, da habe ich mich auf die Reise gemacht und bin nach Hiiiba und Schirati gefahren, beides deutsche Stationen am See, wo nach allen Anzeichen die Schlafkrankheit zum Ausbruch gekommen war. Ta bot sich mir Die Gelegenheit wieder, wie in früheren Jahren, durch die afrikanische Steppe zu marschieren, ab und an auch auf die Jagd zu gehen, und das hat mich bald wieder gesund gemacht. Ich fühle mich jetzt so wohl wie kaum zuvor. 9hin sitze ich aber schon wieder Tag für Tag nm Mikroskop, und da furchte ich fast, daß das nicht gut für mich ist."
Erst im November 1907 kehrte Koch von dieser afri- lanischen Studienreise zurück. Er hat danach nur noc. eine große Reise, 190b nach Nordamerika und Japan, unter nommen.
Oie Verhandlungen um litaroho werden fortgesetzt.
Einige Llütler haben schon wieder „festgestellt", die deutsch-französischen Verhanoliinaen seien „so gut wie abgeschlossen", und Herr v. Kioerlen-Wächter habe den Abschluß beschleunigt, um den Kaiser bei feiner Rückkehr vor rollendere Tatsachen stellen zu tönnen. Was von diesen Gerüchten zu hallen ist, geht aus folgenden Meldungen hervor:
Tic „Köln. Ztg." meldet au-5 Berlin:
Aud) in hiesigen maßgebenden Kreisen sieht man mit Befriedigung, datz England eine freundschaftliche V e r ft ändiguug -wischen Teutfchland und Frankreich wünscht: ist aber nicht der Ansicht, daß dec u n m i 11 c 1 b a r c Einslu ß
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politische Wochenschau.
Gießen, 29. Juli.
Die glühend heißen Hundstage pflegen auch der besten fiulturmenfdicn Interest an(, wenn nicht lahni'
zulegen, so doch erheblich zu vermindern Aber neben den großen Feuersbrünsten, die in allen Gegenden einvorloder- ten, war ein Gespenst wachgerusen worden, das seine Glieder reckte und mehr als der Elemente Zerstörungswut die Welt in Sorge versetzte: die Kriegsgefahr. „Sollen wir Marokkos wegen vom Leder zieheni“, diese Frage des Fürsten Bülow schien noch einmal bejaht werden zu sollen. Der alte deutsch-englische Hader war wieder ertoao.it. Vom Kanal herüber erschollen die alten tzetzrufe des uniicbene- toürbigcn Vetters. Durch die deutschen Zeitungen zog sich ein tiefer Groll über die englische Mißgunst. Die vielen Ansätze, das Verhältnis zwischen beiben Völkern zu beffern, schienen mit einem Schlage vernichtet zu sein. Es ist nicht das geringste Ergebnis der voracftrigen Rede des englischen Ministerpräsidenten, daß diese Gewitterwolteu vielleicht ioieder einer dauernden Klärung weichen werden. In ben Verhandlungen um Marokko selbst ist es ja zwar noch zu reinerlei Entscheidung gekommen. Aber Herr Eambon toiio jetzt dem Blick des Herrn o. üiderlen nicht mehr answeichen können, wird die werbende Handbewegung nach London einstweilen ausgeben müssen. Tas ist besser al 5 eine neue Algeeiras-Konferenz. Und hoffentlich bringt der deutsche Staatssekretär in dem feinen Vorgängern so häufig entwischten marokkanischen Schmetterling nicht ein an wertlosem ftongoftrid) heimisches Insekt in die deutsche Sammlung.
Daß Deutschland neuen SiedelungslandeS bedarf, um den Zuwachs feiner Bevölkerung, der jährlich nahezu eine Million beträgt, künftig in deutscher Arbeitsgemeinschaft unterhalten zu tönnen, wird jetzt von fo ziemlich allen Volk klassen begriffen. Dr. Paul Rohrbach, der t-.rzlich im Buck) Verlag der „Hilfe" ein interessantes und wertvolles Buch, „Deutschland unter den Weltvölkern", herausgab, scheint recht zu haben: der Liberalismus ist an der neuen deutschen Weltpolitik in vorderster Linie in.eressierl. Roy. bad), ein ^titrämpfer und Freund Friedrich Naumanns, hegt selbst linksliberale Absichten. Richt ohne Bereckstigung behauptet er, daß bei den Konservativen, dem Zentrum und den Sozialdemokraten eine Förderung der nationalen Ans- breitungsnouvendigkeiten im Sinne des neuen überseeischen, weltpolitischen Deutschlands nur in dem Maße erwartet werden könne, in dem fie sich etwa entschließen, ihren geistigen und historischen Entwicklungspnilzipieu gegenüber inkonsequent zu fein. In diesen kritischen Tagen hat es sich aber gezeigt, daß konservative und Zentrums-Blatter der von uns hervorgehobenen nationalen Haltttng der Frankfurter Zeitung nicht nachstanden. Es gilt nicht nur, der Regierung Treue zu halten, fonbern selbst tatkräftig und freudig mitzuarbeiten. Wir teilen den Wunsch Dr. Rohrbachs — der übrigens in seinem Bilche hanplsächlich die englische Opposition dem deutschen Streben gegenüber sehr interessant, aber nicht immer einleuchtend beiiüiibelt —, daß bei uns Deutschen künftig immer mehr „unter dem Druck neuer Tatsachenerkenntnis die Trennung von dem alten Parteiideal und die Bereinigung mit der nationalen Zu- lunstshoffnung erfolgen möge“. Freilich bar: man dann nicht, wie Harden dies jetzt in seiner „Zukunft" ivtebcr tut, einer zielbewußten Regierung vor wichtigen Enk.Deibungen, chne die diplomatische Lage genau zu kennell, mit allerlei
Die Heimreise denken."
Im Sommer 1906 ist er wieder „auf der Wanderschaft und auf der Suche nach der Schlafkrankheit". Aus Sefe bei Entebbe schreibt er nach mannigfachen Wanderungen durch Deutschostafrika am 24. Oktober 1906: „Endlich hat bas Wanderleben aufgehört, und ich sitze nun fest auf den Sese-Inseln im Viktorla-Ryanza. Hier gibt es mehr Schlafkrankheit, als wir brauchen können. Ta kann ich die Schlaf- fr an 11) eit nach allen Richtungen studieren, und das geschieht bann auch gründlich. Meine Herren Asfistenten und ich selbst sind von des Morgens früh, wenmdie Sonne aufgeht, bis abends, wenn es anfängt, dunkel zu werden, an der Arbeit. Ta müssen Hunderte von Üranfen untersucht und behandelt werden, und viele mikroskopische Untersuchungen sind auszuführen. Bis jetzt geht auch alles gut. eigentlich über Erwarten gut, und wenn es Dabei bleibt, dann ist es möglich, daß ich viel früher fertig werde, als ich gedacht hatte Wir leben hier wett ab von aller Kultur. Ich wohne im Zelt: über das ich mir eine Grashütte habe bauen lassen, um gegen Wind und Regen etwas besser geschützt zu sein. . . .
Am 3. März 1907 ist Koch noch immer auf den Seje- . „Unsere Untersuchungen tonnen nur langsam vor
der Rede auf die B c r d a n d l u n a c n so «roß m, nne man an manchen Stellen anzunehmen schein: Iedemakks wird bte Haltnna Deutschlands in dieser Frage nach wie vor nur b n t di Die eigenen roohl etroogenen 3nteceffen bc- nimmt blähen. . _...
Rambouillet, 28. Iutt In der heutigen Sitzung des Ministerrats sprach de Selbes auch über die auswärtige Lage und Über die schwebenden Verhandlungen, die einen normalen Verlauf nähmen.
Tie Stimmung in England.
Als Beleg dafür, wie die öfsenttiche Meinung in England die letzte Reoe des Herrn Asquith ausgenommen hat, bringt das amtliche Wolsstche Bureau solgende Aussührun- gen der „Westminster Gazette" zum Abdruck:
Tic „Westminster Gazette" schreibt:
Wir haben es mit einer Lage »u tun, die, wenn sie nicht vorsichtig und klug bebanbelt wird, Folgen baden könnte, die in gar keinem Verl-ällms zn den Anläfseii sieben würden, die sie berbciiulnicii Wird sie aber klug und vorsichtig bebanbelt, bann dürste sie, und wie wir hoffen, wird sie zu einem dauernden und besseren Einvernehmen zwischen allen beteiligten Mächten führen. Glüdlicherweise ist guter Grund Ali der Annahme vorhanden, daß die Tiplomatie nach einigen Tagen der Erregung in ein ruhigeres und normaleres Fahrwaver jurudlehrt. Wir bedauern osfcn, da» zwischen uns und 4.culld' I mb die Tiplomatie so bald «ach dem Bernd) des Kaisens nach einer augenidiciiUiu.eii Besserung der gegenseitigen Beziehuilgen ;u einem Punkte der Spannung gekommen tft. Wir erkannlen vlötzlich, daß Cie Aloecirasakte und die folgende deutsdi-tranzo» mdic Verständigung mehr ein diplomatisches F11ckwerk naren, als eine Lösung des Riaroklopioblenis und der tragen. Die Dein Problem zu Gruiidc tagen. ES gereicht jcpt allen zum Vorlech Daß Die Wirklidsteiten ui das '.'luge gefaßt werden, und «ine wirkliche Auseinandersetzung ßattfiiibet Wir glauben feinen Augenblick, daß dies ohne Opfer von beiden Seilen möglich in. Tas Blatt bdampft neuer die Legende, daß England bestrebt fei, eine angemessene Expansion Deutschlands zu verhindern, die iym iwtmenöigen Zugänge zur See zu versperren und seine Tiplomatie in der ganzen Welt zu durchlreuzen und nblieut: Wir haben leine solche Absicht und freuen uns. Daß der Premtermmister durch seine ufientluDC Ertlaruna beweisen konnte, daß wir einen de u t fch- i r a nzö sis ch cn AnSak e ich in Wcstasrika nicht zn verhindern beabsichtigen. Wir wünschen außcTbcm ein Auftommen der Legende ;u verhindern, die, wenn sie unwidersprochen bliebe, der deutsch-englischen Rivalität neue Gelegenheit und eine schärfere Spitze geben würde.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
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Die wissenschaftliche Bedeutung Robert Kochs ist bc reits vielfach) in ihrer scgcnbringenden Bedeutu.ig für die Menschheit gewürdigt worden; aber von dem Prwatleoen deS fellenen Mannes ist bisher ivcnig in die Oesfentlichkelt gedrungen. Deshalb sind eine Reihe von Briefen, die fein Schwiegersohn, Generaloberarzt E. Pfuhl in der „Deutschen Revue" veröffentlicht, für uns von besonderer Bedeutuitg, denn fie zeigen den großen Arzt von der rein menschlichen Seite, lassen in der Erzählung seiner Arbeiten utw Reise erlebniffe die bedeutende und liebenswerte Persönlichkeit erkennen. Die Briefe sind zum größten Teil an seine Tochter gerichtet und heben an mit einem Schreiben zum 8. Geburtstag seines „Trudchen", in dem sich Kochs V at er- liebe reizend ausdrückt. „Zn Deinem Geburtstage wünsche ich Dir reckt viel Glück. Du mir ft nun schon acht Jahre alt und mußt von jetzt ab ein recht verständiges Mädel werden, in der Schule tüchtig was lernen, der Mutter in der Küche helfen, Blumen warten, die Tiere füttern und mir beim Mikroskopieren die Gläser putzen und Algen sammeln. Das alles toirft Du schon besorgen müssen, und jedes folgende Jahr wirst Dü uns noch mehr Arbeit abnehmen. Zuletzt können Mama und Papa ben ganzen Tag im Lehnstuhl sitzen, und unser liebes Trubelchen wirb für uns kochen unb mikroskopieren unb Rezepte schreiben. Ach, bas ivird einmal eine schöne Zeit werden. Aber nun bleib auch nicht mehr zu lange fort. Tie Tiere suchen jeden Tag in allen Ecken, und Jutta Idas Dienstmädchen) seufzt immer, und ich denke manches Mal, wenn die Tür leise auf geht, jetzt kommt mein Mädel, und wenn ich hinsehe, ist es ein fremder Mensch."
Von seinen Forschungsreiseii weiß Koch der Tochter stets allerlei Interessantes zu berichten. So folgen wir ihm aus feinen Fahrten nach Aegvp:en zur Bekämpfung der Eholera, nach Indien, wo er sich weiter der Erforschung dieser Menschheitsgeißel roibmci. Am interessantesten sind die Berichte, die er ihr von seinen afrikanischen Reisen zum „ Studium der Schlafkrankheit mitteilt. In der k Am biologischen Versuchsstation Amani richtet sich der 61 lährige | ^njeln.


