Die heutige Nummer umsaht 20 Seiten.
Vision trags
alsbaLb fest stellen:
daß und in welcher Höhe die hessischen Linien fettTicr über das ursprüngliche Teilungsverhältnis hinaus Transporte geleistet haben für welche der Staat nicht die entsprechenden Bezüge erhalten hat und ferner,
daß nnb in welcher Höbe Aufwendungen für Neu- und Umbauten, sowie für Fahrzeuge usw. zur Be> wältigung dieser Transporte von Hessen verlangt und geleistet worden sind.
Aus Hessen.
lieber die Revision des p r e n ß i s ch-h e s s i < scheu Eisenbahngcmernschaftsvertrags haben der tfbq. R e ly und Gen. folgenden Antragin der Zweiten
politische Wochenschau.
Gieszen, 25. Febr.
VezuqSpret»: m0natlicb75‘Bi.,üierteI- lähdidi Mk. 2.20; burrf) Ad do le- il Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch fiePostwrk.S.—Pleuet- UbvL airtirt'L BesleÜq. /jCÜciiDrcid: lokal löPfv auoibdi-te 20 P'enmq. (llieftedaktcur: A Goeiz. Bernulwortlich für den r-olitischen Teil: Augn'l Goetz, für .Feuilleton', .Vermischtes' und „®end)i3faal : K. Neu
ost en kommend, gesehen wurde. (Line Wolke schi.'N durch einen- Wirbel, der die Gestalt eines umgekehrten Kegels besah, mit dem. (Lrdboden verbunoeit zu sein, indem die fein ausgczogene Spitze-, öic Erdoberfläche berührte. Man tonnte den Tamm der Wolke mit reihender Geschwindigkeit umherwirbeln und an der gesamten Drehung teilnchmen sehen. Zuweilen zerstreute sich der Wirbel, scheinbar für einige Sekunden, nm sich dann von neuem zu, bilden. Nur 30 bis 40 Sekunden blieb der Wirbel sichtbar, ohne daß man eine Fortbewegung noch irgend einer Richtung an ihm bemerken konnte. Dann war er plötzlich verschwunden, als ob r- sich in Staub ausgelöst hätte. Es dauerte ober nicht lange* bis die an der Küste versammelten Leute aufs neue auf ein ähn- liches Naturwunder aufmerksam wurden, das nun ober einen gauzs anderen Eharakter annahm und geradezu eine Panik verursqchte. Bon weitem sah die Wasserhose aus wie eine Rauchsäule, die »ich mit größter Eile näherte, während das Meer in einen kochenden Zustand zu geraten schien. Ter Wirbelsturm zeigte seine Gewalt an Menschen wie an leblosen Wesen. Ein aus dem Strand? liegendes Boot wurde ergriffen und 40 bis 50 Meter weit au» ein als Badeanstalt dienendes Gebäude geworfen, wo es eine riemlich gründliche Zerstörung anrichtete, dabei aber selbst völlig in ^tiide ging Auch, ohne solche Wurfgeschosse demolierte der Wind sämtlich? in der.« Nähe befindlichen .Häuser. Ter Umsang des Lustwirbels betrug 30 bis 4Cl Meter und seine Gewalt schien schon nach eui£nt Lauf von einigen 100 Metern ins Innere des Londes gebrochen ’U — Die Liebe der Quäkermaid. Man schreibt uns:, Ein junger Quäker hatte seine Augen auf eine anziehende junge Quäkerin geworfen. Aber er verstand es lange Zeit nicht, stch ihr- zu nähen Als er endlich den Mut sand, sich ihr zu offenbaren, erhielt er zunächst, den zurückhaltenden Gewohnheiten der Quäker oemäß, eine eigentümliche Antwort. Tenn auf feine Frage: '.Maria, liebst du mich?" antwortete ihm dos Mädchen: „Gewiß, John, cs ist uns do-ch befohlett, einander zu lieben." Und er ft als er sich zu der weiteren Frage aufschwang: „Za, Maria, ich möchte aber wissen, ob du das für mich suhlst, was die sündige Welt Liebe nennt!" erhielt er die Antwort: „Es ist sehr schwer für mich, John, dir zu antworten. Ich habe per suckft, meine Liebe auf alle gleichmäßig zu verteilen, aber ich l>abe mand-mal die Empfindung, daß du mehr davon erhältst, als dir rechtmäßig zukommt. . .
— Kurze Nachrichten ausKunst u. W i s s e n f 6 a f t Ter Geologe Professor Tr. Adolf Schmidt in Heidelberg vollendet am 27. d. M. das 75. Lebensjahr. 2em Lehrkörper der Ruperto-Carola gehört er seit 1876 an.
Ütamntcr eingebracht:
Wir bcantranen: Großh. Regierung im>lte zwecks Re des preußtsckß-hessischen Eisenbahngemeinschoftsver-
5ur Revision der Gemeinde-Rechnungen.
Man schreibt uns:
Die im hessischen Staatshaushalt herrschende <vutan3110t und notwendig gewordene Sparsamkeit hat die. Großh. Regierung veranlaßt, für die bei der Großh. Qberrech- nungslammer 511 prüfenden Gcmeinderechmtng.it zukünftig Gebühren, deren .Höhe sich nach dem Umfange Der Rech nun gen bemißt, von den einzelnen Gemeinden zu .erheben. Für die geprüften Rechnungen aus dem Jahre 190, werden den Gemeinden zum ersten Mal Beträge angefordert, deren Höhe im Verhältnis zur Größe der Gemeinden geradezu Erstaunen erregt. Haben doch kleine Gemeinden Revtstonc- ■ gebühren zu zahlen, deren Höhe tu vielen Fällen die |ähr liehen Gebühren der Gemeinde-Einnehmer übersteigt und dazu die Rechnungen persönlich aufstellen müssen. Wenn die Regierung auch mit einer Stcuererhöhung an die Be- röllerung nicht, herantreten wollte, so hat sie durch dte>c Maßnahmen die Gemeinden doch indirekt gezwungen, hurd) Erhöhung der Gemeindcumlagen den Ausfall der Staats- 'teuer zu ersetzen. Daß man durch dieses Vorgehen nicht gerade erbaut ist, bedarf wohl keiner näheren Begründung. Auf der einen Seite wird den Gemeinden durch staatliche Unterstützungen bei Schulhausbauten und Kosten zu den Fortbildungsschulen finanziell geholfen, auf der anderen Seite nimmt man ihnen wieder diese Zuschüsse. Jeden- falls tonnte ein solches Verfahren einfacher gestaltet werden. Man ist aber diese umschmeifigen Schreibereien längst oewöhnt und sie sind auch schon oft erörtert worden.
Während in vielen Parlamenten die Friedensfrage besprochen wurde, wobei die allgemeine Stellungnahme der Parteien bei der Beratung des Militärhaushalts im deutschen Reichstag sich nicht von den französischen, englischen oder österreichischen Erörterungen abhob, hat sich Rußland angeschietk, China, dem himmlischen Reiche, seine drückende Faust spürbar zu machen. Es hat die Netze des Handels- und K0tisularVertrages von 1881 dichter um die Pekinger Regierung zusammengezogen. Das Vorgehen erinnert an Eng- 'lands Drohung gegenüber Persien, und daß cs sich lediglich wieder um eine Machtfrage handelt, gebt auch ans der gewundenen chinesischen Antwort hervor, die man wohl als reines Angstprodutt bezeichnen kann. Ta China sich tu allgemeinen Redewendungen gedreht nnd, um drohenden Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen, in Verbeugungen und Zusagen sich ergangen hat, gibt es jetzt in der russischen Presse geteilte Meinungen. Auf der einen Seite nickt man befriedigt über die Unterwürfigkeit der Zopfträger, auf der anderen Seite herrscht eine verhaltene Wut über die ausweichende Antwort, die den Stein vielleicht am Weiterrollen hindert. Tenn cs ist klar, daß Rußland den Zeitpunkt gerade jetzt für getommen erachtet, Teile des chinesischen Reiches zu verschlucken. Ob ihm die Potsdamer Abmachung dabei als Rückhalt dient, blewe dahingestellt: sicher ist cs auch der Zustimmung Englands gewiß. Vielleicht wartet man in Petersburg jetzt auf das Perspiel, das England in der persischen Frage geben könnte. Bei den unruhigen inneren Zuständen des russischen Reiches ist es erstaunlich, wie es in Qstasicn so tatendurstig sich einer „Nttsswn" widmet. Aus dem Bali'an ist für Peters-
Berlin, 24. Febr. Tie „Norddeutsche Allgemeine Ztg " schreibt: Ter von uns angchinbigtc Besuch des Kron vrin • zcnpaares zum i ta l i en is cken Nat 10na I r e 11 m.Rom wurde von den größeren deutschen Zeitungen burdjroeg )_ 1) m -■ vathisch aufgenommen. Eine Ausnahme machen zunachlt nin bar- „'Berliner Tageblatt" und die „Boft'ische Zeitung". die in rül.rt-nber llcbereinstinmiung wieder einmal an einer trimchlieyuiig der Rccherung hmuiüudlcln, allerdings mit folgendem Untcrmnev. Di - „Vosnsche Zeitung" schreibt die Entschließung über den Mron- vrinz^iibefuch in Rom als Sieg dem Datilau, das „Tageblatt luh selbst anf.5 Monto. ES wird beiden. Blättern überlanen werden loimen, die Frage, welches von beiden Blättern recht hat, unter sich aus zufechten.
Nationalfeier mit gemischten Gefühlen betrachtet, periön lick; in iRoni vvrsprechcn müsse. Tas aufdringliche Geschwätz wurde auch in anderen Blä lern fortgesponnem Natürlich fehlten die Seitenblicke auf den fchwar^blauen Block in Deutschland nicht, mutzte die angebliche Rücksicht der Regierung auf das Zentrum gleichfalls wieder her halten. Tie ziemlich bedeutungslose höfische Frage, die höchstens unser Staatssekretär des Auswärtigen mit besonderen Gesichtspunkten bereichern könnte, wurde in dem erwähnten läppischen Sinne in eine x?cuibi und Staatsaktion verkehrt. Die taktlosen Macher haben es denn auch erreicht, daß an den s?öien in Rom nnd Perl in eine gewisse Unruhe entstand, denn die öffentliche Meinung spielt ja nun einmal eine Rolle. Vorgestern erklärte nun die amtliche „Nordd. Allg. Ztg.", der deutsche Kronprinz werde nach der Rückreise von Aegypten im April dem italienischen Köuigspaar in Rom einen amtlichen Besuch abstatten und dabei die Glückwünsche des Kaiserpaares überbringen. Während das „Berk. Dagebl." diesen „halben Erfolg", der immerhin etwas sei, „mit Genugtuung notiert", bringt die „Voss. Ztg." es fertig, zu verkünden: „in weiten Kreisen des deutschen Volkes werde diese Nachricht unerfreuliche Empfindungen aus lösen." Tie „Möln. Ztg." hat, wie wir berichteten, vor einigen Tagen halbamtlick) erklärt, eine Kaiserreise nach Rom sei „durchaus diskutabel", und damit sollte wohl gesagt werden, das Geschwätz von angeblicher Rücksichtnahme auf den Vatikan sei töricht und unbegründet. Mutz^man denn immer ans der Suche nach einem politischen Skandälchen sein'.-' Tas >iaif?rnaar wird im Mai zur Enthüllung des Standbildes der Königin Viktoria nach London reifen: kann man verlangen, datz er kurz vorher auch nach Rom müsse? Wir meinen im Gegenteil, der Verzicht des Kaisers auf das viele Umtierreifen werde im Volle nur einen günstigen Eindruck machen
Itanft, Wissenschaft und Leben.
- E in Kv n a r eß fü r e x pe r i m ent e l l c P ä da g 0 g I e fand, nne uns jetzt von der Psychiatrischen Korrespondenz mck- gefcilt wird, in St. Petersburg vom 8 bis 13. ?anuar 1911, ö b 26 bis 31. Dezember 1910 ruifWr Rechnung, statt Dieser russische Kongreß war der erste dieser Art und schloß sich in den LAmndzügen an die Kongresse für cxperimcntllle Psychologie an, die seit 1904 in Gießen, Wurzburg, r>rank- surt a. M. und Innsbruck slaltgefunden haben. Tie Orgarn- falionsarbeiten wurden durch Pros. Tr. Netschaiefl von der vada- gogischcn Akademie in St. Petersburg geleitet. Beteiligt waren daran besonders die Gesellschaft tür experimentelle Pädagogik in St. Petersburg und die Gesellschaft für experimentelle Psychologie in Moskau, deren Vorsitzender, Pro). Bereistem, durch seine' methodischen Bestrebungen in der klinischen ^Watete bekannt ist. Die experimentelle Pädagogik, die sich in ~c_utfanb im engen Zusammenhang mit der experimentellen Psychologie im Lause der letzten Jahrzehnte entwickelt hat, ist in Rußland zum Kristallisationspunkt der auf die Schulreform im allgemeinen gerichteten Bestrebungen geworden. Daraus erklärt stch die ge- -adezu außerordentliche Anteilnahme, die sich für diesen Kongreß bei den russischen Aerzten, Lehrern und psychologiich inleresNerten Gebilde!en gezeigt hat. Tic Zahl der Teilnehmer aus allen Teilen des russischen Reiches betrug über 700. Neben der großen Reihe von Vorträgen, die aus dem Gebiete der Kinderpsychologie, der methodischen Untersuchung von normalen und abnormen Kindern, der .Hilfsschulen, z. B. von Prof. Rossolimo, Netschatefs, Lasurskv und vielen anderen gehalten wurden, behandelte Prof. Sommer aus Gießen im Auftrage der pädagogischen Akademie die Beziehungen der experimentellen Psyckwlogie und das Mittelgebiet zwischen Psychiatrie und Pädagogik in systematischer Weise in Form von sechs Vorträgen. Diese wurden in deutscher Sprache gehalten, wobei Pros. v. Narbut im Bedarfsfall die russische Uebersetzung gab. Tie Leitung des Kongresses lag in den Händen von Pros. Zanatiefi und Netschajejs, während Prof. Sommer zum Ehreu- ttorsitzeuden gewählt wurde, der von der Petersburger Gesellschaft für eiucriinanclle Pädagogik und der Moskauer Gesellschaft für experimentelle Psyckwlogie auch zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Der ganze Kongreß zeigte durch die Verbindung von vädagogischen, experimental-psychologischen und medstzinisch-psv- chologischen Bestrebungen ein sehr charakteristisches Gepräge und verlies unter lebhafter Anteilnahme der weiteren Ocssentlichkeit zur größten Zufriedenheit der Teilnehmer Der selbsttätige und wissenschaftlich ernste Charakter, der bei diesem russischen Lougreß
hervorgetreten ist, verdient in verschiedenster Beziehung die größte Beachtung auch in Deutschland.
— Forensisch-Psychologische Gesell, chaf t in Hamburg. Im Dezember v. Is. ist in Hamburg eine winen- schastliche Vereinigung gegründet worden, die als „Forcnmch- Psychologische Gesellschaft" die Beschäftigung mit gerichtlicher Psychologie und Psychiatrie, Kriminalistik s(H:wrschung des Verbrechertums und seine Bekämpfung st Gelängniskunde, Rewrm- fragen des Straf- und Zivilrechts und verwandten Gebieten zum Gegenstände gemeinsamer Arbeit für Juristen und Medizinar machen will. Zu diesem Zwecke sollen Vorträge, Besprechungen, fachwisfenschaftliche Kurse, Vorführungen und ^ftchligungen veranstaltet lnerden. Die Gesellschaft, die sich lelblt durch Wahl er- oünzt, zählt bereits über hundert Mitglieder, zu denen neben zahlreichen Richtern und Staatsanwälten Piychmter, P,ychologen, beamtete und praktische Aerzte, VerwaltungSbcamte, Mitglieds der Gesangnisverwaltmtg und der wohltätigen Anstalttn gehören. Die '21 erntet des aus li Herren bestehenden Vorstandes nehmen wahr Oberstaatsanwalt Irrmann,als 1-.Vorsitzender, Prot. Dr. Deygandt, Direktor der Irrenanstalt ^rredrichsberg als 2 Vor sitzetüier, Pros. Tr. Buchholz als Kassemoart, Staatsanwalt Tr. Schläger als Schriftführer.
— Radium bei der Behandlung von Gicht und Rheumatismus. Ter „llmsckwu" zufolge hat Geheimrat Prof Dr Wilhelm His (Berlin mit Erfolg Radium bei der Behandlung von Gicht und Rheumatismus angewandt. Von 100 Fällen von chronischem Rheumatismus zeigten die meisten bedeutende Besserung, fünf Patienten wurden nahezu geheilt. <non 28 Fällen echter Gicht wurden 24 gebessert und nur vier blieben ungebeten Innerhalb einiger Wochen verliert das Blut seinen Ham säur egehalt, wobei jedoch Befierung der Bcichwerden nickt immer mit der 2lbnahme des Harnsäuregehaltes vn Blute im Einklänge steht: in zwei Fällen ver,chwanden die ^hr-Tophi (steinige poröse Gebilde. Tie Heftmethode besteht teils in Ein- atniung der Radiumemanatioit, teils in Einführung von radium Irnftiaen Salzen, teils in Radium-Trintkuren.
' Eine rieftge Wasserhose, die im südlichsten Gebiet der französischen Küste am Gascogner Meerbusen nah? der spanischen Grenze beobachtet worden ist, wird in einem Brn's an die Astronomische Gesellschaft Frankreichs beschrieben, ^a die Entstehung dieser merhvürbigen und in ihrem Verlaut auch oft recht großartigen Erscheinung noch immer nicht genügend aufgeklärt ist, hat jede genaue Tarstellung eines derartigen Vorgangs 3 nt er ehe. Es war an einem regnen) eben Morgen und gerade während einer Regenpanse, als» die Waiferhase, von L>uü-
Auch) in der österreichischen Delegation ist, wie aus Q f en pest gemeldet wird, u. a. die Friedens- frage wieder angefchnitteu. Ministerpräsident Graf Aehreuthal erklärte, die Anregung, daß Oesterreich- Ungarn und Italien zu zweien die Rüstungen fixieren) mögen,,
Der Name des Kaisers spielt im politischen Tagesgespräch wieder eine Rolle. Die launige Plauderei, die er jüngst im deutschen Landwirtfchaftsrat gehalten hat, war das Entzücken vieler Zeitungen gewesen, m>n_ denen manche in Lobeserhebungen entschieden über die Stränge gehauen hat. Desto rückhaltloser darf man sich über den >iabinettsbefehl freuen, durch den der vom militärischen Ehrenrat wegen der bekannten Anschuldigunc,en zur Ausstoßung aus dem Heere verurteilte Graf Pfeil den Hanpl- mannstitel behalten darf. Der Kaiser hat seine Ansicht kund getan, daß der Selbstmordversuch des Grafen ihm nicht als Fahnenflucht angerechnet werden dürfe, wie das Ehrengericht angenommen hatte, und er fand die sympathi scheu Worte, daß „der Betreffende den Selbstmord allein vor Gott und seinem Gewissen abzumachen habe". Dieser impulsive Schritt des Herrschers wirkt geradezu befreiend, denn er schließt die Abwehr engherzigen und ledernen Phi listertums in sich. Aus der Auffassung des Ehrengerichts von dem Selbstmord als Fahnenflucht ist aber auch gar nichts irgendwie Imponierendes herauszuholen, selbst zücht bis zum Aeußersten ist gewiß eine der schönsten militärischen Tugenden, aber wie ists beim um Die höllische ILgermoral, die da meint: „Es gibt mir zwei Tina’ über Haupt: Was zur Armee gehört mtb nickst; und nur der Fahne bin ich verpflicht."? Das ist ein leichtes Wort, nnd die Herren jenes Elsrengerichtes werden es wissen, daß ein Soldat sich auch „menschlich fassen" soll. Gewiß ist der Selbstmord in gewissem Sinii eine. Flucht, aber ist er nicht oft eine Flucht vor Schande, Lebensschmutz über tiefstem Seelenleibe? Kann sich bann ein solch.Armer daran halten, daß er „nur der Fahne verpflicht" ist? Und wenn bann die völlige Abkehr vom Lebeii noch durch die Splitterrichter gekreuzt wird, btc nicht vom Buchstaben loskommen können, dann ist's ein unsckstines Schauspiel Aclftiliches Aergernis gab cs, als eifrige Wachter des Ge setze- die kühnen Eroberer der Luft, wie alle Welt be „entert die neuen Maschinen an staunte, mit kleinlichen Polizeistrasen behafteten. Solche Gegensätze wirken oft ko misch, häufig aber wegen der grell zutage tretenden Mein heil menschlicher Horizonte auch bitter abstoßend, xer offenbar von solcher Empfindmig des Widerwillen^ birtteih Befehl des Kaisers, „die Akten seien wegzulegen", wurde darum mit einer Art Befreiung aufgenommen, womit^dem verurteilten Grafen Pfeil noch keinerlei besondere ^tjm pathie eingeräirmt zu werden braucht.
Dann drehte sich das Gespräch darum, ob der Kaiser zu der italienischen Nationalfeier persönlich nach Rom fahren werde. Das fünfziyiährige Königreich wird, so l^ißt es, den französischen Präsidenten und den König von Eng^ land zu feinen Gästen zählen. Haben wtr in Deutschland irgend einen Anlaß, uns darüber voreilig ereifern ob her Kaiser selbst, ober ein anberer in seinem Austrage dem König Viktor Emanuel zum Glückwunsch die Hand reichen werde? Gewiß nicht. An höfischen Aeußerlichketten sollte namentlich das Herz derer nicht hängen, die das demokra- iische Staatsideal sonst zu verherrlichen pflegen. Aber das ..Berliner Tagebl." z. B. vergaß plötzlich alle seine Grundsätze Weil es wieder einmal tm Interesse des Liberalismus klerikale und rückständige Gespenster an die Wand malen ,...... - . . . , ,
wollte erörterte es die Notwendigkeit, daß der Kaiser, bürg allerdings nicht mehr viel zu holen, trotz der Eifersucht des Vatikans, der natürlich die; italieiiische l
Hr. 48 Erster Blatt lös. Jahrgang Samstag, 25. Zebruar M
«GietzenerAnzeM
NT82 General-Anzeiger für Gbertzefsen
«nzeiger Gießen. V ' • '' . . t rath: für „Stadt und
Annahme von Anzeige« Hofdfiottsbnitf und Verlag der Vrühl'schen Univ.'Vuch- und Steinöruderci H. Lange. Redaktion, Erpedillon und vruaeret: dasMpraye t. onni).». sür den
S "öS?” Biiöincen: zernsprccher Nr. 50 ScMft-stelle »ahnb-sstrak- Ib-..___________________ H. Brf.
a
7
to « 2
. V
la
Vo
?ö
> -!
!.L 7C
- o ^7
L-ß
Cc-
9 MS
L2.? r."
/o
o- B
»S:
S?3
4» SU 9-3-5-
70.=
Q
S.o «fö Oq C
‘25=3-
- Qfo ** ;b=s 2 ■
s»
3"'
'Ss'-
iw-5**
fei*
< 6
»•-
3^0-2.-
Oe-f’ > p a
t a
2Z.L7 3 =
-'s?. 'S»


