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23/11/1911 Zweites Blatt
 
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Meteorologische Beobachtungen der Station Siehe».

Nov.

1911

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auf der

Bürgermeistereien ermächtigt, auszustellen, er habe nicht Schotten nicht der Fall sei. den betreffenden Transvort- gehabt und nicht angesehen

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eine G fängnissttase von 1 Jahr und dreijährigem Verlust bürgerlichen Ehrenrechte.

Vergehen gegen das V ieh seu chen g esetz.

sogenannte Ausfuhrbescheinigungen wissen können, daß dies im Kreise Im Uebrigen will der Angeklagte schein nur kurze Zeit in Händen

Gietzencr Strafkammer.

Gießen, 21. November. Den eigenen Schwager bestohlen.

Ter 34 Jahre alte, wegen Diebstahls wiederholt vorbestrafte Steinbrucharbeiter L. R. von Daubringen ist geständig, seinem

Verurteilting Dörings kommen, denn es lag nnzweiielhast etue formale Beleidigung vor. Es erkannte auf eine Geldsti a>e von f ü u f Mark und svrach außerdem dem in seiner Ehre gekränklen Zuchthäusler die PubUkationsvefugnis zu.

Florenz, 21. Nov. Der Ehescheidunqs°Prozeß der Frau T o I e 111, der ehemaligen Kronprinzessin Luise von Sachsen hat heute begonnen.

O f e n p e st, 20. Nov. Henle begann die Hauptverhandlung im Strafprozeß gegen den Äninnerhankier Max Neumann, gegen den 26 BetrngSanzeigen erhallet worden sind. Geschädigt sind insbesondere reichsdemsche llmertaueu, welche ^insgesamt 1'/, Mil­lionen Kronen Schaden erlitten haben. Der Staatsanwalt bean­tragt, Neumann in sämtlichen Fällen iveoeu Verbrechens des Be- lrngs, den Redakteur eines Wmkelbläitchens Ludwig Basch, öie ".Mfleuteu Ignaz Hersfelder, Jakob Groß und Anton Kalmann wegen Mitschuld bei den Beirügereien zu verurteilen. Heute wurden die Angeklagten vernommen. Für die Geschädigten waren erschienen Dr. Retschnl-Aachen, Hoffmann-Tresden, Holih-Zittau, Blockner-Götiingen und Jordan-Bischossheim. Tie Verhundlungen dürften zwei Wochen dauern.

Israelitische Religionrgesellschast.

Gottesdienst.

Sabbat^eier am 25. November 1911:

Freitag abend 4.10 Uhr.

Samstag vormittag 8.30 Uhr.

Feier des Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit des Grotzherzogt.

Samstag nachmittag 3.30 Uhr.

Cabbat-^lnsgang 5.25 Uhr.

Wochengottesdienst: Morgens 7.00 Uhr, abends 7.00 Uhr.

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Tas Schöffengericht hatte den Handelsmann M. S. von Nieder-Ohmen von der Anklage des wissentlichen Ver­stoßes gegen die Verordnungen des Kceisamtes Schotten detr. Verhütung der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche frei» gesprochen und die Kosten, auch die der Verteidigung, auf die Staatskasse übernomm n. Hiergegen verfolgte die Staatsanwalt­schaft Berufung. Ter Angeklagte war nach Ladenbach im Kreise Schotten gekommen und 'hatte ein Kalb gekauft, er wollte es auf der Station Weikardshain mit Tieren eines anderen Handels­mannes nach Frankfurt verladen und erkundigte sich beim Bürger­meister in Klein-Eichen und beim Kreisveterinärarzt in Grün­berg, welche Formalitäten für die Verbringung des Kalbes nötig seien. Der Tierarzt stellte den Gesundheitsschein aus, auf dem der Bürgermeister das vorgedruckle Schema unterzeichnete, wo­nach das Kalb ausgeführt werden könne. Diese Ausführungs­erlaubnis hatte der Verkäufer des Tieres im Auftrage des An- geklagkeu sich geben lassen. Dem Bürgermeister aber war nachher

kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Samstag, den 25. November.

3n der Stadtkirchc.

Vormittags 98/, Uhr: Beremigier Zivil- und Militärgottesdienst Feier des Geburtstages Sr. Kömgl. Hoheit des Großherzogs Pfarrer Schwabe.

Israelitische Religionsgemeinde.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlages Samstag, den 25. November 1911

Vorabend: 4.30 Uhr.

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2,5

1,7

Morgens: 9.00 Uhr.

Feier des Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit deK GroßherzoaS^' ° Nachmittags: 3.30 Uhr.

Sabbatausgang: 5.25 Uhr.

haben, er hat ihn dem Fuhrmann ausgehändigt. Die Beweis- aufnahme ergab, daß die Darstellung des Angeklagten richtig ist. Ter Verteidiger bestritt die Richtigkeit der Verordnung, da

vom Gendarmeriewachtmeister mitgeteilt worden, daß nach dem Ausschreiben des Kreisamtes Schotten nur dieses die Ausfuhr von Vieh aus dem Beobachtungsgebiet erteilen kann, und als auf telephonische Anfrage das Kreisamt Schotten dies bestätigt hatte, hatte der Bürgermeister dem Verkäufer des Kalbes, der den Schein und das verkaufte Kalb noch in Verwahrung hatte, den Ersteren zurück geben lassen und seine Unterschrift durchstrichen. Der Angeklagte erklärte, er habe die Verordnung nicht gekannt. Im Kreise Güßen und 'Alsfeld seien die

Höchste Temperatur

Niedrigste .

Niederschlag: l

Schwager aus der Schublade 92 Mark entwendet zu haben. Der Gerichtshof billigte mildernde Umstände zu und erkennt

Fußball. Tie Verbandsmeisterschaftsspiele am Sonntag nahmen trotz schlechter Witterung ihren programm­mäßigen Verlauf. Tie eifie Mannschaft des hiesigen Sportvereins von 1900 spielte in Fulda gegen den dortigen Fiißballverem. Obgleich die hiesige ^.aunschaft ständig überlegen spielte, konnte sie infolge der guten gegnerischen Verteidigung nur knapv nut 1:0 Toren gewinnen. Tie zweite Mannichalt des Sportvereins von 19 io spielte auf dem Sportplätze an der Hardt gegen die erste Alannscha't des Gießener Ballspieltlubs und gewann mit 9: l Ty,en. Ter Verein für Bewegungsspiele Gießen spielte auf dem Platze an der 'JJlarburger Strane gegen Bornisia - Fulda und verlor mit 2:1 Toren In Kassel schlug der Kasseler Fußballverem den Ver­ein für Bewegungsspiele Alarburg mit 6:0 Toren und bekam hier­durch die Führung im hessischen Kreis.

E in n e n e r We l t r e k o r d i m S ch n e l I a u f en. Ter 'ranzösische Sport, der erst kürzlieh in einem Wettkampfe mit den Engländern auf dem Fußballplatz einen Triumph feiern konnte, kann sich eines neuen großen Sieges rühmen: im Stadion von Eolombes hat em französischer Amateuriäu'er Jean Bonin den englischen Weltrekord im Schnellanfen gebrochen. Seit nahezu 40 Jahren bemühten sich die Berufsläuter aller Nationen vergeblich darum, den im Jahre 1863 von dem Engländer White aufgefieilten Weltrekord zu brechen. Am 11. Mai jenes Jahres gelang White die Leistung, in 30 Minuten eine Strecke von 9,712 Kilometern zurückzulegen. White war von Beruf SchneUäuier; unter den Amateuren hielt bisher ebenfalls^ ein Engländer, Alired ShruH mit .660 Km. in einer halben Stunde den Rekord. Ter junge Franzose, der jetzt m Eolombes diese Leistungen überboten hat, bat nicht nur seinen Amateurkollegen, sondern auch den berühmten eng» lischen Bern släufer geschlagen. Er hat in 30 Minuten genau' 9,721 Km. zinückgelegt. Diese glänzende Leistung ist um so hobel zu veranschlagen, als Jean Bonin mit sehr ungünstigen Wind­verhältnissen zn kämpfen halte. Ter junge Meisterläuier will jetzt in Marseiile versuchen, auch den Stundenrekord von 18,878 Km. zu überbieten.

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Gerichtssaal.

, .. -l-Nordhaus en, 21. Nov. Der b e l e i d i g t e Zucht- Ha n s l e r. Auch die Ehre des Zuchthäuslers ist durch das Gesetz geschützt. Das mußte ein Gastwirt erfahren, der sich wegen Be­leidigung zu verantworten hatte. Ter Gastwirt Döring war in einer Verhandlung gegen einen berüchtigten Verbrecher, den Ein­brecher Praß le r, als Zeuge vernommen worden. In der Er­regung nannte ihn Döring einen Lumpen. Tiefer strengte vom Zuchthaus auS Klage an. D-r Gerichtshof mußte auch au einer

Rieselnder Regen, Nebel und Wind das sind so die allgemeinen Kennzeichen des Novembers. Und dabei soll man gesund bleiben, nicht wahr? Wer das Stund- stück fertig bringen will, der brauche, wenn er sich wohl fühlt, Fays ächte Sodener Minerat-Pastillen vorbeugend; und wer Reizungen der Schleimhäute der Luftwege roabr- nimmt gebrauche die Pastillen sofort zur Abwehr. Fays ächte Sodener versagen nie und der billige Preis <85Pfg- hu die Schachtest macht Ihre Anwendung jedermann möglich nur muß man strikte darauf sehen, daß man auch die richtigen, nämlichFays ächte Sodener" erhält. ssVn

er für diesen Zweck zurückbehalten habe. Vielleicht könne am Bau und Betrieb noch gespart werden. Mit der Einsetzung eines Aus­schusses sei er einverstanden. Regierungsrat Pistor warnt vor einer zu pessimistischen Auffassung der Sache und bittet, nichts an den Grundlagen des Projektes zu ändern. Auf eine Anfrage des Oberbürgermeisters Köhler führt Prof. Tr. Jesionek aus, daß die jetzige Art der poliklinischen Behandlung nur bei einer kleinen Zahl von Kranken möglich ist, bei benen der Krankheits­herd räumlich begrenzt sei. Für die meisten hierherkommenden Lupuskranken habe er bis jetzt nur Briese an andere Kliniken wegen Ausnahme schreiben können. 25 Kranke könnten hier ganz gut beschäftigt werden. Geh. Medizinalrat Tr. Hauser-Darm­stadt, ist der Ansicht, daß mit 25 Betten schon recht viel geleistet werden könne. Nicht alle Lupuskranke bedürften der Anstalts­behandlung und viele in der Nähe wohnende Kranke könnten über­haupt zur Behandlung hierherkommen. Regierungsrat P i st o r ist der Ansicht, daß bet der verhältnismäßig geringen Anzahl Lupuserkrankungen si'chl bei den Krankenkassen usw. ganz leicht ein Spezialtarif für Lupuskranke durchsetzen werde. Landtagsabg. Justizrat Grünewald ist der Ansicht, daß auch der Staat die Verpflichtung habe, auf diesem Geriete helfend einzugreifen und bittet, beim Finanzministerium einen entsprechenden Antrag zu stellen.

Ter Antrag, zur weiteren Betreibung der Sache einen Aus­schuß zu bilden, wird angenommen. Gewählt werden hierfür Ober­bürgermeister Köhler-Worms, die Geh. Obermedizinalräte Tr. Neidhardt und Tr. Hauser-Darmstadt, Professor Dr. Jesionek, Architekt Meyer, Oberbürgermeister Mecum, Landtagsabg. Justiz­rat Grünewald und Stadtv. Winn von Gießen.

Unseren Anzeigenkunden zur gefälligen Beachtung

Nm den größeren Anzeigen für die Samstag-snummer eine sorgfältige Satz aus stattung zu sichern, empfiehlt es sich dringend, die Aufgabe ein bis zwei Tage vorher zu be­wirken. Bei der großen Menge der Anzeigen kann nur bei rechtzeitiger Bestellung eine wirkungsvolle Anordnung ße* währleistet werden.

Verlag der Siebener Anzeiger.

sie nicht auf eine bestimmte Zeit erlassen sei. Der Angeklagte wurde auf Grund des § 66 Abs. 4 des Viehseuchengesetzes ver­urteilt, doch nahm das Gericht an, daß er nur fahrlässig ge­handelt hat, weil er den Transportschein bei lieber nähme des Kalbes noch nicht einmal angesehen hat. S. wurde zu einer Geldstrafe von 10 Mark evtl. 2 Tagen Haft verurteilt.

Rohlinge auf der Eisenbahn.

Ter Maurergeselle W. 'A. von Rodheim V. d. Höhe und der Taglöhner W. Z. von Kappern reisten im Juli abends mit dem Arbeiterzug von Friedberg nach Rodheim v. d. Höhe. Es war ein heißer Tag und so wollten sie mit andern Arbeitern die Plattform des Wagens 4. Klasse nicht verlassen. Der Schaffner hatte seine Last, die Leute in das Innere des Abteils zu bringen. Als er unterwegs die Fahrkarten nachsah, verlangte er von einem Fahrgast, der -auf einer Arbeiterkarte fuhr, dessen Arbeitsbeschei­nigung. A. meinte, die Bescheinigung brauche ein Arbeiter nicht vorzulegen. Als der Schaffner an ihn mit dem gleichen An­sinnen herantrat, erklärte A., der Schaffner sei doch kein Kon­trolleur. Der Beamte bemerkte, daß er bann die Fahrkarte bis zur Station Rodheim bei sich behalten würde. Der Schaffner war rasch von 1214 Mann umringt, so daß er nur mit Mühe sich rückenfrei halten konnte. Er wollte zur Tür des Abteils hinaus, die von Z. ungehalten wurde. Dabei rief dieser, erst die Fahrkarte her, dann mache ich Platz, dabei griff er nach den Händen des Beamten. Als der Zug hielt, verließen die Passa­giere des Abteils, in dem die Szene sich abgespielt hatte, den Zug und hinderten den Beamten, daß er als Erster den Wagen verlassen konnte. JOI. wurde in Rodheim dem Stationsverwalter vorgeführt. Diesem Beamten gegenüber gab er zu, daß er die verlangte Arbeitsbescheinigung nicht bei sich habe. Während der Verhandlungen tobten die übrigen Fahrgäste, die Partei für A. genommen hatten, vor dem Stationsgebäude. Der Gerichtshof verurteilte A. wegen Vergehens gegen die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung zu 15 Mark Geldstrafe und wegen Nötigung, Freiheitsberaubung und Beamtenbeleidigung zu 2 Monaten und Z. zu 4 Monaten Gefängnis.

Ein Sittenbild aus Bad-Nauheim.

Wegen Betrugs und Sittlichkeitsverbrechens aus § 176 Abs. 3 verhandelte die Kammer gegen den 16Vs Jahre alten Schreiber F. I., der im Sommer in Bad-Nauheim tätig war. Ter Fall wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt. Er führte wegen des Verbrechens zur Freisprechung des Angeklagten, wegen des begangenen Betruges wurde auf eine Geldstra e von 10 Mark, evtl. 2 Tage Hast erkannt.

Nachts auf dunkler Gasse in Borsdorf bei Nidda will der Landwirt M. D. bebauen worden ein. Er hat Wunden jm Gesicht davongetragen und will auch blaue Flecke am Korpus bekommen haben. Als Täter bezeichnet er den Steinbrecher H. K. und Eisenbahnarbeiter L. von Bors­dorf. Das Schö fengericht Nidda hatte beide Angeklagten mangels Beweises freigesprochen, wogegen die Sttafkammer als Beru- ungsgericht von der Staatsanwaltschaft angerufen wurde Die Strafkammer hob das freisprechende Urteil des Schöffengerichts auf und verurteilte beide Angeklagten wegen Körperverletzung zu ie 30 Mark Geldstrafe und Tragung der Kosten sowie zur Zahlung einer Buße von 20 Mark an den Verletztem

starrten haben höhere Ziffern. Oberhessen hat auf 100 000 Ein­wohner 36,5 Lupuskranke, Rheinhessen 33,7 und Starkenburg 21,8. Ein Lupusheim hat neben seinem Heilzweck die Aufgabe, den Kranken ein Heim zu Rieten. Sie müssen längere Zeit in Behandlung bleiben pnd können wegen ihres Aussehens nicht in Gasthäusern usw. Aufnahme finden. Ter Lupus ist außerdem sehr ansteckend. Die Lupusheime brauchen mehr als Behand­lung und Betten. Es handelt sich um sonst gesunde Menschen, die Beschäftigung haben müssen, möglichst in freier Lust. Das ist nur in besonderen Heimen möglich. Das Lupusheim hat ferner die Aufgabe, den geheilten Kranken Arbeit zu schaffen. Die Ausgaben einer Lupusheilstätte sind in sozialer Beziehung viel weitgehender als die der Klinik und letztere ist nicht imstande, das Lupusheim zu ersetzen. Es handle sich nicht nur um die Heilung, sondern um die Austilgung des Lupus. Die Heilstätten werden aufklärend und erzieherisch wirken und es bewirken, daß Lupuskranke nicht wehr ohne Behandlung auf den Sttaßen Herum­laufen. Es «werde mit dem Lupus so gehen, wie mit dem Aussatz, der durch die zenttalisierte Bekämpfung bei uns fast verschwunden sei. Der Vortragende schloß mit der dringenden Bitte, die medizinischen Hilfsmittel zur Bekämpfung und Heilung des Lupus für die armen Kranken durch die Errichtung eines Lupusheims nutzbar z-u machen. Der Vortrag,. der durch Vor­führung einer ganzen Reihe Kranker und zahlreiche Abbildungen veranschaulicht wurde, fand lebhaften Beifall.

Geh. Regierungsrat Dr. Dietz bezeichnet es als eine schöne Aufgabe, in Hessen das erste Lupusheim überhaupt zu errichten Die Baukosten des hier vorliegenden Proiek.es sind zu 110 000 Mk. veranschlagt, den Bauplatz will die Stadt Gießen umsonst geben. Tas Baukapital will bje Versicherungsanstalt au 3Vs Prozent geben, der Heilstättenverein soll an die Stadt 6Vs Prozent des Baukapitals als Miete bezahlen. Außerdem will die Stadt das Wasser umsonst geben. Bedenken habe der Vorstand gegen die von der Stadt geforderte Verpflichtung, das Haus auf 30 Jahre zu mieten.

In der sich anschließenden Besprechung führte Prof. Dr. Scho t t-Bad-Nauheim aus, daß es sich hauptsächlich um di Errichtung eines Baues 'für die Behandlung der Kranken han­deln müsse. Für die Aufnahme der Kranken könne man Baracken bauen. Die Zahl der nach dem Projekt in Aussicht genommenen 25 Krankenbetten genüge jedenfalls nicht. Architekt Meyer er­läuterte das von ihm ausgearbeitete Projekt, das nur das un­bedingt Notwendige enthalte. Das Bett komme auf 4000 Mark, was nicht hoch sei. Prof. Dr. Jesionek macht darauf auf­merksam, daß die Heilstätte namentlich auch die Räume für die Behandlung der Lupuskranken enthalten müsse. Kreisrat Wolf- Oppenheim hat Bedenken, ob der Heilstättenverein in der Lage sei, das Heim in her vorgesehenen Weise zu errichten. Der Be­trieb werde bei der verhältnismäßig kleinen Ausdehnung der An­stalt sehr teuer sein. Er wolle anregen, ob das Lupusheim nicht vielleicht an die Provinzialsiechenanstalt angegliedert werden könne. Stadtv. Winn ist der Ansicht, daß man an dem Projekt nichts ändern solle. Die Angliederung an die Siechenanstalt sei nicht gut durchführbar und werde den Betrieb erst recht verteuern. Von dem Ausbau der 'Anstalt auf die Fürsorge müsse man zu­nächst absehen. Pros. Dr. Schott beantragt, die Versammlung solle sich grundsätzlich mit der Inangriffnahme der Sache einver­standen erklären und die weitere Behandlung der Sache dem Vorsitzenden sind Pros. Jesionek überlassen.

Landtagsabg. Grünewald bedauert lebhaft, daß in Stadt und Kreis Gießen so wenig Mitglieder sich befinden. Es müsse von allen Personen, die sich für die Zwecke des Heilstättenvereins interessieren, eine Werbetätigkeit entfaltet werden, um dem Verein neue Kräfte zuzuführen. Es gebe doch auch immer noch Leute, die unter Lebenden und von Todes wegen gerne Geld für solch edle und wahrhaft humanitäre Zwecke übrig hätten: die müßte man aufmerksam machm auf den Verein. Wer sich schon länger mit dem Gedanken des Herrn Prof. Jesionek befaßt habe, der sei ja durchdrungen von der Ueberzeugung, daß ein Lupusheim ge­schaffen werden müsse und die heutigen Darlegungen und Dar- biehingen der Anblick der armen Kranken habe wohl alle Anwesenden in tieffter Seele bewegt. Auch die Verwaltung der Stadt Gießen habe sich von der Notwendigkett der Errichtung der Heilstätte überzeugt und dem nach Uebertoinbung großer Schwierigkeiten zustande gekommenen Projekt: Hergabe eines Grundstücks, Ueberweisung des Kapitals an die Stadt, Errichtung des Hauses durch diese und Verzinsung zu 6V2 Prozent, jugeftimmt. Er warne eindringlichst vor einer Aenderung dieses Projekts, die sicher eine Hinausschiebung, wenn nicht ein Scheitern bedeute! Ob ja gerade die finanzielle Gestaltung endgültig und richtig sei, darüber könne man noch sprechen, jedenfalls sei die Annahme einer Spannung von 3 Prozent (3Vs: 6V2) wohl erwogen. Viel­leicht sei ein etwas geringerer Satz zulässig, um dem Heilstätten­verein entgegenzukommen. Verbindliches könne er in dieser Richtung nicht sagen. Aber an die Stadtverordneten-Versamm- lung mit einem ganz anderen Projekt heranzutreten, in dem Sinne etwa, daß em großes und wertvolles Terrain unentgeltlich hergegeben werden solle, sei untunlich. Wir dürfen nicht ver­gessen, daß neben den sonstigen großen Aufgaben, die die Stadt zu erfüllen hat, der Ausbau der Universität Anforderungen an sie wachrufen. Die Errichtung der Kinderklinik, der Ohren- und Hautklinik sei dringend nötig. Es handle sich insbesondere bei den zwei letztgenannten Kliniken um die Erfüllung von Aufgaben, die im Interesse der Allgemeinheit zu lösen sind und die infolgedessen dem Staat obliegen. Aber gleichwohl stehe er, Redner, nicht auf dem Standpunkt, daß die Stadt sich in diesen Hinsichten ganz ablehnend verhalte, sie möge die Errichtung dieser auch für sie nützlichen Institute fördern helfen. Bon den Ständen sei er Überzeugt und insbesondere auch von den ländlichen Abgeord­neten daß sie die Mittel bewilligen, die notwendig sind im Interesse der Wissenschaft, der Heilpflege und der Volkswohlfahrt. Eine Universität könne unmöglich, wie das Finanzministerium verlange, sich verpflichten, 5 Jahre stille zu stehen und keine An­forderungen an den Staat zu stellen. Man möge die dringend nötige Lupusheilstätte bauen, die armen elenden Menschen nicht mehr warten lassen, dem Professor Jesionek Räume und Apparate geben. Sei einmal das Haus vorhanden, so kommen die Annexe von selbst, Ländereien für die Beschäftigung der Kranken, Ba racken usw. Nur ein Anfang müsse gemacht und damit nicht wie seither, zu viele Instanzen gehört werden müßten, eine Kom­mission von wenigen Personen und an die Ausführung heran­gegangen werden.

Prof. Tr. Sommer hält die Aenderung des vorliegenden Projekts im jetzigen Stadium nicht mehr möglich. Tas Proiekt sei praktisch und billig. Mtt dem Bau von Baracken werde man nicht billiger zum Ziel kommen. Vor einer Angliederung an die ®iectenan^ait *önne w nur warnen. Durch die Personalunion mit der Klinik werde man die ärttliche Behandlung leicht und billig haben. Tie Stadt Gießen wolle mit dem Lupusheim kein Geschäft machen, sie habe ein wertvolles Gelände für den Zweck zur Ver­fügung gestellt, müsse sich aber namentlich wegen der Vertragsdauer sichern. Prof. Tr. Jesionek bittet, an der Platzfrage nichts mehr zu ändern. Er müsse darauf bestehen bleiben, daß das Lupns- heim in der Nähe der dermatologischen Klinik errichtet werde Oberbürgermeister Köhler-Worms hat Bedenken, ob der Heil­stättenverein in der Sage sei, das an sich notwendige Lupusheim zu Errichten. Es sei fraglich, ob man die Betriebskosten aufbringen Tönne Er schlage vor, zur weiteren Prüfung der Frage einen Ausschuß einzusetzen, der in der nächsten Vereinsversammlung Vorlage mach eit solle. Regierungsrat Welcker hält die Vereini­gung des Lupushetms mit dem Siechenhaus schon wegen Gelände-

Poglich. Er fragt weiter, ob in dem Vertrag y ÜJlögltW Hieben Jet, das Heim für den Verein zu erwerben.

jL Si^T®ie.rniann hält die Finanzfrage für die wichtigste Man werde jedes Jahr 800010 000 Mk. für das Heun -»schießen muhen. Auch die Verzinsung mit 6^°/° scheine tbm reichlich hoch, wenn ihm auch das Projekt eine geeignete Grund- Jage für dieErrichtung des Heims sei. Geh. Regierungsrat Dr. Dietz fuhrt aus, daß von der deutschen Zentralstelle für Tuberkulosebekämpfung für dre innere Einrichtung 5000 Mk zur Verfügung gchellt worden seien. Außerdem besitze der Heilstätten­verein ein Geschenk eines.Gießener Bürgers in gleicher Höhe die

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