Nr. 276
Erscheint tlffi* mtt Hulnolmt bei Bonntagk
General-Anzeiger für Oberhesjen
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Li« „Siez,»er Lo»NIendlLtter- werden dem yflnifigtr* viermal wöchentlich beig»leflt, bal „Krtliblati ftr bte Kreis «leben" zweimal wöchentlich. Die ^LaobwirNchasiliche» Leit- fragen** erid? einen menailid) iroeimaL
Arbeiter bcivcaMtiQ.
Ein Ausstand in der Tamenkonfektion.brauche.
Berlin, 22. Nov. Line heute morgen abgehaltene öffentliche Versammlung der Zwischenmeister und der dazu gehörigen Arbeitnehmerorganisationen der Damenkonfektion beschloß wegen des namentlich zugunsten der Heimarbeiter eröffneten Lohnkampfes für morgen früh einen Ausstand in der Damenkonfektionsbranche. Tie Arbeitseinstellung bezieht jid) sowohl auf die Fertigstellung der neuen "Fruhjayrsmusler wie auf die noch zu liefernden Wintersachen.
’ den Indianern sehr M Ampfer.
m VolkSmunde bek
i und Kämpfen mit
himmlischen Heerscharen mit der großen Chorszene: „Vollendet ist das große Werk" und der Doppel fuge: „Alles lobe seinen Namen" besungen.
Ter dritte Teil zeigt uns Adam und Eva im Paradiese. Tie von drei Flöten getragene Jnsrrumcntaleinlcitung gibt die Stimmung einer gesegneten Landschaft beim Erwachen eines schönen Tages aniprcchend wieder. Duette, mehrere Rezitative und der grandiose Schlußchor: „Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit" geben dem ganzen Werl einen würdigen Abschluß.
Tie Schöpfung wurde im Jahre 1790 zum ersten Male in Wien ausgeführt uiü> trug dem Komponisten bis zu seinem am 31. Mai 1809 erfolgten Tode unzählige Ehren unb Auszeichnungen ein. Sie bildete das musilausche Ereignis des 19. Jahrhunderts und machte igren Siegeszug durch ganz Europa. Alles in allem ijt es ein Werl, bas für jedermann leicht verständlich und von Anfang bis Ende einen Melodienreichlum auswcist wie kaum ein zweites.
Versammlung des heilstättenoercins.
Gießen, 23. Nov.
Ter Heilstätten-Vcrein für das Großhcrzogtum Hessen hielt gestern nachmittag hier im Hörsaal der Meoizinischen K.inik seine ordentliche Mitgliederversammlung ab, die sich neben geschäftlichen Angelegenheiten hauptsächlich mit der Errichtung eines Lupus heims in Gießen beschäftigte.
Ter Vorsitzende, Geh. Regicrungsrat Tr. Tievin Taimiiadt, machte einige Bemerkungen zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht, dessen wichtigste Angaben wir schon mitgeteüt haben. Tie Haupltatigkeit hes Vereins erstreckte sich aus den Betrieb der Heilstätte, die ständig besetzt war und nicht alle vorliegenden Ausnahmegesuche berücksichtigen konnte. Im übrigen wurden die Vercinsmittel hauptsächlich zur Bekämpfung der Tuberkulose verwendet. Daß der Verein so viel leisten konnte, wie es geschehen ist, ist zum großen Teil dem Fonds der Großherzogin zu verdanken. Ter Vorsitzende rechifertigte die Errichtungen der Kinber- Heilstätten gerade in Lampertheim und Hirschhorn, die aus dem Grunde dort erfolgt sei, weil andere Krankenhäuser sich nicht dazu bereit erklärt hatten. Tie Invaliden Heime haben sich sehr bewährt, leider sind zwei Heime in letzter Zeit gekündigt worden, für die bis jetzt noch kein Ersatz geschossen werden konnte. Bedauerlicherweise wird die Zahl der Vereinsmitglieder immer geringer, wodurch der Verein in seinen Geldmitteln und damit in seiner Wirksamkeit sehr beschränkt wird. Es wird deshalb erwogen, den Verein auf eine breitere Grundlage zu stellen. Gerade in einigen Kreisen mit viel Tuberkulosekranken ist die Zahl der Mitglieder sehr gering, z. B. in den Landkreisen Darmstadt, Offenbach, Gießen, Alzey und der Stadt Mainz. Erfreulich ist, die große Zunahme der Mitglieder in der Stadt Lftenbach durch die Tätigkeit des Bürgermeisters Tr. Tulio. Ter Vorsitzende
die engste Wahl gekommenen Entwürfe ist nachstehendes beschlossen worden: Zur Ausführung an er ft er Stelle wird vorgeschlagen der Entwurf von Hahn und Bestelmeyer in der srühercn Fassung mit 11 gegen 5 Stimmen; an zweiter Stelle die Entwürfe von Franz Brantzky - Köln mit 11 gegen 5 Stimmen; an dritter Stelle wurde der Entwurf von Cfann und Pfeiffer einstimmig angenommen. Ferner an dritter Stelle der Entwurf von A. Fischer, früher Düsseldorf jetzt Essen a. d. Ruhr, mit 14 gegen 2 Stimmen. Tie Minderheit von Stimmen empfahl den neuen Entwurf von W11 h. Kreis-Düsseldorf an erster Stelle zur Ausführung. Von der im Januar d. Js. tätig gewesenen ersten Jury fehlten Prof. L. Gras o. Kalckreulh und Geheimrat E. Kirdorf. Für sie traten Prof. v. Stuck und Geh. Regierungsrat Prof. Tr. Max Klinger ein. Die Eröffnung der Ausstellung der Wettbewerbentwürfe erfolgt am Donnerstag dem 23. November.
— Eiweißmilch — ein neues Milchpräparat. Bei schweren Magcndarmstörungen der Säuglinge wird neuer- diNgS mit gutem Erfolge ein Milchpräparat angewandt, das von dem bekannten Berliner Kinderarzt Prof. Finkelstein angegeben wurde und den Namen Eiweißm il ch trägt. Diese zeichnet sich durch geringen Gehalt an Milchzucker aus. Milchzucker ist bekanntlich für Säuglinge ein Abführmittel, das den Darm leicht reizt. Um so wunsä^nswener ist es, diese Tarm- reizung bei ohnehin schon an Diarrhöen leidenden Kindern aus- zuschaUen. Tie Herstellung ter Eiwerßmilch geschieht so, daß Vie Milch mit Labefsenz versetzt wird, also zu Käse gerinnt. Tas Käfegerini'el, mit Wasser veroünnt, wird dann mehrmals durch ein Sieb gerührt. Schließlich kommt zu dem Ganzen noch Buttermilch.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Aus der letzten Satzung des Vorstandes der Kaiser- Wilhelm-Stiftung w.ro berichtet: Tie Zoologische S.atwn Rovigne ist durch Kauf in den Besitz der Gesellschaft übcr- gegangen. Der Bau des großen Kaiser-Wilhelm-Instilut in Dahlem ist begonnen und kann bei günitigcr Witterung noch im Lause des Winurs unter Dach kommen. Tie Ausgrabungen, Die di. Kommission für islamüisch-archäologische Forstungen leü.l, nehmen guten Fortgang. Tie Zahl der Mitglieder d.r GZetzs^aft ijt ständig un Wachsen begriffen.
Redaktion. Expedition unb Druckerei: 6rbul* straße 7. Expedition unb Verlag; &L Reba!non:Ul rel.-4lbr^AnzeigerEießv»
der Arie: „Mit Würd und Hoheit angetan".
Ter Schluß des zweiten Teils, mit dem gleichzeitig das Ende des Schöpfungswerkes erreicht ist, wird von den
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Fürst mit den Dorten entgegen: „Während mein Dockckwn sich im Grünewald amüsierte, habe ich mich an meinem Lieblings- gelrank delektiert und sieben Becher Buttermilch getrunken." — „Wenn eS Ihnen nur gut bekommt," erwiderte ,ch, „jetzt bin ich mit meiner Kunst zu Ende." Ich habe den Vertrag gekündigt und erklärt, daS sei ein solcher Eingriff in bie besser gewordene Gesundheit, daß ich fürchte, ähnliche könnten folgen, und meine B. Handlung wäre beim Teufel. Daher müßte ich sofort abreikn. Nun ersuchten mich alle, meinen Entsch.uß au i- jugeben. Ich bin bei meinem Entschlüsse geblieben und abends sand ein keines Abschiedsdiner statt. Tie Stimmung roar wie bei einem Leichenschmaus. Während des Essens wurde der Fürst von einer furchtbaren Kolik mit wahnsinnigen Schmerzen besaiten, daß er jo or: ins Bett gebracht werden mußte. Mitten in seinen Leiden mahnt? er: „ES i st Zeit für b ie Eisenbahn". Tock ich erwiderte: „Nein, so gemein bin ich nicht, den Fürsten jetzt, wo cd ihm so schlecht geht, zu verlassen."
Am nächsten Tage war der Kranke hochgradig gelbsüchtig, da hat sich „die Krebsgeschwulst", wie erwähnt, in die Form eines Gallensteins aufge.öit und ich habe mich nun bemüht, den Gallenstein h.raus,ubekommcn. Von da ob ging eS ganz gut. Um allen Einflüssen von Acrzten und Frauen zu entgehen, sind wir nach Fnedrichsrnh gegangen. Tort wurde der Fürst auch gesund. Da erlebte ich die Freude, daß er auch die alte Venenentzündung und die Hämorrhoiden verloren hat.
Man hat behauptet, BiSmarck sei ein Alkoholiker und Morphinist gewesen. TaS ist natürlich unwahr. Er hatte bis in die letzten Jahre alS Sdrütze eine sehr sichere Hand, waS bei einem Alkoholiker ausgeschlossen wäre, kolossale Schußsichcr- heit und vollständige Ruhe der Hand. Jebeii Vogel schoß er auS der Luft. Man sagt BiSmarck nach, daß er bet jeder Ge- lcgenh.it geweint hätte. Ich habe ihn nur dreimal weinen gesehen: beim Tode Kaiser Wilhelms, beim Tode seiner Frau — und — bei feinem Abgang.
— Das Preis gerichk für das Bismarck-Denkmal am Rhein hat am 20. und 21. November in St ö In getagt und bic von den preisgekrönten Küniuern eingesandten Erganzungsentwürse begutachtet. Preisrichter waren Geh. Rc- gicrungc-rai Prof. Tr E 1 emen - vonn, Prof. Tr Max Tesse i r - Ber.in, Pros. Ludwig Till- Kartsruyo, Tros. Tr Theos. Fischer- München, Pros. Joses F1 o ß rn a n n - Pasing bei Münzen, Prof. Auguä Gaul- Lerlin, G h Baurar Tr. Ludw. Hoffmann- Berlin, Geh. Regierung_rat Prof. Tr. Max Klinger- Leipzig, Muf.umsdrrckor ^-rof. Dr. Lichtwark- Hamburg, Geh Regierungsrar Dr. Ing H. Muthefius - Nicolas fee bei Berlin, Tr. Walther Rathenau-Berlin, Geh. Regierungsrat Broj. Dr. Max Lchmi 0 - Lary.n, BauSirekor Schwm « che r -Hamburg, 'Tro. Franz d. Stuck-Munden, P^of. Dr. L. Tuaillon-Ber.in uns । MufcumSbirekurr Prof. Dr. Volbchr-ixagbeburg. In zwei-
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«Reporters Drama mit rounbtriJH enden Momenten.
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in der Hauptrolle.
er Liebender.
Die Schöpfung.
Oratorium in 3 Teilen für Soli, Ehor und Orchester von I o s. Haydn.
Für die Besucher der am nächsten Sonntag ftattfinden- ben Aufführung der „Schöpfung" von Jos. Haydn dürfte eS von Interesse fein, einiges über das Werk zu hören. Man schreibt uns darüber: Haydn komponierte die „Schöpfung" im 65. Lebensjahre mit einem Feuer, welches sonst nur die Brust eines Jünglings zu beleben pflegt. Troßdem dauerte es drei Jahre, bis das volkstümlichste aller Cra- rorienwerke „vollbracht war. — Wie tief fein persönliches Innere und sein kindlich-gläubiges Gemüt gerade bei dieser Komposition mitwirkte, zeigt sein eigener Ausspruch: „Ich war auch nie so fromm als während der Zeit, da ich an der Schöpfung arbeitete. Täglich fiel ich auf meine Knie nieder und bat Gott, daß er mir Kraft zur glücklichen Ausführung dieses Werkes verleihen möchte!" So kam es auch, daß in der ganzen „Schöpfung" eine heitere, eusgesöynle Andacht, ein beglückendes Stchbcwußtwcrden der himmlischen Güter herrschte. —
Tas aus drei Teilen bestehende Derk beainnt mit Einer kurzen Orchestereinleitung, die uns „die Vorstellung des Chaos" — in dem die Erde vor ihrer Erschaffung Hag — genialisch beranschaulichen will.
Hieran schließt sich der erste Teil, in dem der Enge! ^Raphael" die Erzählung der Schöpfungsgeschichte beginnt. Aach wenigen Tatten fährt der Chor die Erzählung weiter Kis zu der berühmten Stelle „Und es ward Licht". — Nun lösen sich die drei Engel Uriel, Gabriel und Raphael mit 8cm Chor in der Erzählung der weiteren Schoofungstage «b; mit dem ebenso bekannten als berühmten Ehor „Die Äimmel erzählen die Ehre Gottes" schließt der erste Teil.
Der zweite Teil umfaßt den 5. uiiv 6. Tag. Reizender rioloratiirgesang der Solisten, sowie die von dem Orchester veranschaulichten Miniaturbilder schildern die Erschaffung Ster Bewohner der Lust, des Wassers und des Erdbodens.
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schloß feine Erläuterung zu dem Geschäftsbericht mit der Aus« iortcning zur Werbung neuer Mitglieder
Die Rechnung für 1910 schließt mit 189211,7b Mk. in Einnahme darunter 11222,30 Mk Kassenvorrat, 9849 Mk. Mugliedcrb.itragc, 12 500 Mk Legate und Zuwendungen. 152 640,26 Mk. Einnahme der Heilstätte und 18x396,93 Mk. in Ausgabe 1805,87 Mk. Verwaltungskosten. 123 879,92 Mk. Ausgaben der Heilstätte, 11711,14 Mk. UiUerstützung unbemittelter Pfleglinge, 35000 Mk. Schuldentilgung und 10000 Mk. Betriebsfonds) ab. Dem Rechner wurde unter Ausdruck des Tankes Entlastung erteilt.
Ter Boran ichlag der Eleonoren Heilanstalt für 1912 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 136 000 Mk. feft- gefetzt und der Voranschlag deS Vereins insgesamt (also einschließlich der Heilstätte) nur 149000 Mk.
AuS dem LandeSauS schuß des BcrcmS haben durch das LoS 16 Mitglied, r anSzuickr.iden und 2 Mitglieder Dekan Matthes- Iugenh.im und Landtagsabg. Reinhart-WormS) sind gcüorben. Tic ausfdtcidenden Mngiicber wuiden wiedergeivahlt, neugcwählt wurden RcgierungSrat Plswr^Tarmstadt und Fabrikant Fritz Törr- WormS.
lieber die Gründe zur Errichtung eines LupuSbei m s gab der Vorsitzende Aufschluß Man sei zu der Erkenntnis gekommen, daß man den Kampf gegen die Tuberkulose auf alle Arten von Tuberkulose, besoiidcrs aus die Hauttuberkulosc iben Lupus) auSdchncn niünc, die ebenfalls heilbar fei Tie Bekämpfting Cer Hauttuberlulofc müsse möglichst frühzeitig einsetzen Tic Vcr- fichcrungSanstalten betätigen sich feit einigen Jahren in dieser Richtung, doch habe man speziell bei uns mit der Schwierigkeit zu lämpscn, daß man keinen Raum für die Unterbringung der ^kranken habe. Tas kleine von Pros. Iesionck cingerutncic Heim habe wieder aufgegeben werden müssen, so daß man jetzt die Kranken teilweise verschicken müsse. In vielen Fällen genüge ia die ambulatorische Bchairdlung, vielfach sei aber die Bcbanb- lung dadurch überhaupt unmöglich. Tie Bemühungen, Ablnlfe zu ichafsen, seien dis letzt crsolglos gcbliebeit. Tic Zahl der 1908 in Hessen behandelten Lupuskrankcn habe 361 betragen, die Zahl der Lupuslrankcn überhaupt betrage etwa die dreifache Zahl. Ta der Heilstättetwerein selbst nicht in der Lage sei, em Lupus - heim zu errichten, habe man den Gedanken gesaßi, die Stadt möge daS LuvuShcirn errichten und dem Verein zum Betrieb! vermieten. TaS Baugeld solle die Versicherungsanstalt der Stadt 511 einem geringen Zinsfuß zur Verfügung stellen. Ob dies möglid) lei, fei der Zweck der heutigen Beratung. Es sei zu beachten, daß bic Verpftegungs und ^eilkosten der Lupuskranken so billig wie möglich zu bemessen seien. Tcmach müsse man das Heim in seiner Anlage einrichtcn.
Professor Dr. Iesionck führte aus, daß der LupuS nameiit« lich in feinen Anfängen durchaus l-ellbar sei. Ter LupuS sei hauptsächlich eine Krankheit der armen Kinder, die in ihren Anfängen meist nicht genug beachtet roybe. Es handle ftch dabei um kleine HautauSschläge, ine dann gefährlich werden, wenn sich Tuberkelbazillen darin scstsetzten und mangels geeigneter Heil- lekämpfung ausbreiten könnten. Tie Lupiwerkrankung störe daS Allgemeinbefinden der (Srlranttcn nicht. Sie seien arbeitsfähig, fänden aber ivcgen ihres 2luSiehenS feine Arbeit. Mit internen, Maßnahmen, wie sie die medizinische Klinik ermögliche, sei den ^upu-lranten nicht gedient. Eine Heilung sei mit ätzenden Mitteln nicht möglich und verbessere auch das Aussehen der Kranken! nicht wesentlich. Dennoch könnten die Lupuskranken geheilt werden. Der Däne Finsen habe im Licht das Heilmittel entdeckt, durch das das lirbcrkuloie Gewebe wieder geheilt werden könne. Es handle sich bei der Behandlung einmal darum, daS Krankhafte zu entfernen und dann das Aussehen der Kranken wieder gut 5U gestalten. Cs haiidle sich dabei hauptsächlich um hab konzentrierte Licht der elektrischen Bogenlampen, um die Anwendung der Röntgen- und Radium-Therapie, die aber so beschaffen sein müsse, caß es die gesunden Teile nicht verbrenne. Dazu habe man be- iuntere Apparate geschafsen. Daneben komme die operativ pla- ilische Heilmethode in Betracht. Es handle sich für uns um die Beschaffung der Apparate, des Heil- und Pflegepersonals und der für Heilung uiw Aufenthalt der Kranken erforderlichen Raume. Tie Hautklinik könne ine Heilung der Lupuskrcrnkcn nicht übernehmen, sie habe wie alle Klunien in erster Linie Unterricht-- zwecke. Die Zahl der Lupusiranken sei so groß, daß sic üic Klinik für sich ganz in Anspruch nehmen müsse, wenn man sic zu Heilzwecken in die Klinik aufnehmen wolle. Tie: poliklinische Behandlung genüge bei den meisten Krankheitsfällen nicht, eine stationäre Behandlung sei bei den hiesigen Verhältnissen nicht möglich. Die Zahl der LnpuSkranken sei in Hessen sehr groß. Es kommen z. B. in Preußen auf 100 000 Einwohner 18,2 Lupuskranke, in Bayern 15,2, in Sachsen 8,4, in Baden 23,6 und in Hessen 28,9. Nur einige deutsche Klein-
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3m hause v rwarck.
Auf Einladung der Wiener „Urania" hielt dort Geheimrat Professor Dr. Ernst Schwcninger, der langjährige Arzt, Freuuo und Berater Bismarcks, einen Vortrag über daS fesselnde Thema: „Im Hause BiSmarck". Ter berühmte Arzt erzählt:
Ansang der Achtziger Jahre bekam ich einen Brief von Wilhelm BiSmarck, ich möge mich äußern, waS mit seinem Gesundheitszustand loS fei. Kurz darauf bal mich Bill um meinen B.l'uch in Berlin. Ich kam in daS ReichSkanzlerpalaiS tnb hatte, ehe ich zu dem Grafen gelangte, in mehreren Etappen nnc vicrundzwanzigstündige Unterredung mit venchiedencn P.r- Lnlichkeitcn auS der Umgebung und der Familie. Tann habe ich meine Verordnung gegeben und verlangt, daß er, Bismarck, mindestens zehn Monate mir unbedingt folge, was auch dazwischen toftimc und ihm Cingeschwätzt werden möge. Seine Kran!heft bestand un wcscntliä-en aus einer Gicht bei einem stark Fett- süchtigen. Da habe ich zum ersten Male mich cutivickelt und bic individuelle B. Handlungsweise angewcndct. Ter Graf hatte sich verpflichtet, zehn Moiiatc lang mir zu folgen. In der ganzen Zeit sah ich ihn nicht wieder. Ta kam er plötzlich nach München, jd) ging auf beit Bahnhof, ihn abzuholen, der Zug fuhr in die Valle, die meisten Leute waren schon ansgcstiegcn, d a trat ein junger schmächtiger Mann z u mir mit den Sorten: „SB en suchen Sic?" — „Stören Sic mich nicht, ich suche den Grafen Bismarck". — ,„,D er bin i ch," lachte der Ankömmling heiter Ich war maßlos überrascht; von 236 Pjund war das Gewicht Bismarcks aus 176 gesunken, fein Lcibesumsang hatte um fast 80 Zentimeter abgenommen.
Nun unternahmen wir eine Tour nach Banrcuth und in beit bayerischen Wald. Von da rühren meine persönlichen Beziehungen zu Wilhelm. Ec war in b imten „ErkältungS"-Theorie ausgewachsen, und ick, Ijabc ihn ui die Abhärtungs-Theorie gebracht, ihn in allen Klammen mit vier und sechs Graden baden lassen. Wenn wir noch so sehr von einem Marsch erschöpft waren, das Bad hat ihm sehr wohl getan.
Nachdem wir so durch mehrere Wochen gewandert sind, ließ ||d) Bismarck nach Berlin zurück. Nun gingen bie H etzc- ictcn gegen m i ch los, und alS das Unglück wollte, daß BiSmarck Typhus bekam, wurde behauptet, durch die Schwcninger- kur sei Bill tuberkulös geworden. Ibn dem allgemeinen Gerede und der Beängstigung der Eltern zu entgehen, bin ich mit ihm nach dem Süden gegangen. Wir sind also anno 1882 nach Nizza gereift. AIS wir wieder nach Berlin zurückkamen, ivaren die Eitern noch mehr erstaunt über das brillante Aussehen von Wilhelm. Die Mutter wollte, daß ich den Fürsten in Behandlung nehme, der Vater, daß ich die Mutter kuriere. Ick) bin nach Varzin gegangen, auf daS Pommersche Gut deS Fürsten, wurde dort glanzend ausgenommen, und habe drei sehr angenehme Tage verlebt. Da bin ich aufgebrochen und habe erklärt : „Ich bin ja Arzt in München, ich habe auch anderes zu tun, idi muß abreisen. Der Fürst war daraufhin ernst, und nun ließ er sich -um ersten Male über seinen körperlichen Zustand auS. 3d) erwiderte ihm kurz: „Mu dem Gerede kommt nichts heraus, ich muß Sie wie den Bill in Behandlung nehmen." In dieser Unterredung ist daS geflügelte Wort entstanden, „Sic können fortwurftcln, ich glaube aber nicht, daß ci länger als einige Wochen dauern wird." Ich fuhr also nach Mündfen heim, bald darauf wurde ich aber ersucht, zu Seiner Durchlaucht Uad, Berlin zu kommen. Ich habe mich auf den Standpunkt gestellt: ich habe hier jetzt zu befehlen Ter Fürst hat scherzhaft gemeint: „Nun Tenne ich den Unterschied zwischen meinen nühcrcn Aerzten und Ihnen. Sie behandeln mich, und Ihre Kollegen habe i ch behandelt." Man halte dem Fürsten früher wegen seiner argen Schmerzen viel Morphium gegeben, zum Glück nur innerlich. Ich hatte mich dazu ent- lchlosscn, ein Drittel des bisher gewohnten Quantum- unter die Haut einzuspritz.n. Man hatte Leberkrebs diagnostiziert. Es sah auch so aus, denn es bestand eine große Geschwulst in der Lebergegend. Nach der von mir angeordneten Lebensweise hat sich diese Geschwulst in einem wohlwollenden Gallenstein aus- gelöst, der abgegangen ist, unb den ich dem Fürsten gezeigt höbe.
Jetzt bildeten sich noch mehr Legenden über meine Behandlungsweise. Nun kam es aus, ick) hätte dem Patienten durch die Wasser- und Milchkur die Gelbsucht ankuriert, ihm zum Morphinisten gestempelt, während ich ihm daS Mor- rhium abgewöhnt Italic. Tag und Nacht war ich jetzt um den Patienten. Dabci bin ich se.bst heruntergekommen, und der^Fürst hat mich gebeten, doch einmal auSzufahren. ?tui eine Stunde «Kn ich in den Grünewald. Bei meiner Rückkehr kam mir der
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Ten Eintritt des Menschen in die Schöpfung feiert Uriel mitl tägiger Sitzung wurden 15 Entwürfe, die zur Ausführung nicht geeignet erscheinen, zurückge stellt, lieber bie fünf in
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in Berlin.
Ausblick.
Zweites Blatt 161. Jahrgang Donnerstag, 23. November 19U
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