Ausgabe 
23.3.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Zweiter Blatt

Nr. 70

Erscheint ILgNch mit Ausnahme de- Sonntag«.

mn

auf

s I Donnerstag 1 Mir: Kolonialetat.

!.| Schluß geaen 8 Uhr.

seine Partei im amtlichen Handbuch den Bund der Landwirte.

oranschlag des

des Voranschlags bestimmt.

setzte

zwei über

Wochen verpflichtet sind. Ein Folgeparagraph enthält die« noch besondere Kautelen.

Der Ausschuß gegen das Kurpfuscherwesen

ist geblieben. In den Statuten heißt es im Vordersatz, daß Politik nicht getrieben werden dürfe; im Nachsatz aber wird gesagt, man müsse dafür sorgen, daß Anfänger in die Parlamente gewählt werden. (Hört! Hört! links.) Und auch Herr Noesicke nennt als

(30. März bis 1. April) wäre .

Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes zu erledigen, so das; am Sonnabend, den 1. April die zweite Lesung des ganzen Voranschlags abgeschlossen wäre. Ter 3. bis 5. April wäre dann für die dritte Lesung

mb. Deutscher Reichstag.

164. Sitzung, Mittwoch, den 22. März. Am Tische bei BundesratS: Dr. Delbrück, Richter,

Abg. Dr. freim CZenfr.):

Die Dudgetkommission hat sich Schritt für Schritt meinen An­schauungen genähert, in der AuSlqndSvropaganda usw. Ich hoffe, daß die Propaganda in Amerika wirksam weiter betrieben wird, und daß der amerikanische Bauer von dem Wert des Kalis über­zeugt wird. Bei der Iulandspropaganda muß Mischen wissenschaft­licher und kaufmännischer Propaganda unterschieden werden. Da muß Klarheit geschaffen werden! Ick bin für wissenschaftliche Pro­paganda, aber sie darf nicht nachträglich korrigiert werden nach dem Grundsätze: Wenn das Geld im Kasten klingt, die Analyse aus der Röbre springt! (Heiterkeit.) Jedem soll man etwas geben, der etwas leistet, lieber die Propagandagelder wurde in der Kom­mission erst Klarheit geschaffen, als ich eintrat. Ich macke des­wegen niemand einen Vorwurf, denn diese Dinge kann nur jemand versieben, der die Dinge aus eigener Ansckcnmng kennt, wie ich. Die Rabattpolitik zwang die kleinen Verbände, sich den großen anzuschlicßen. Es war mein Fehler, daß ich mir bei den Geld­geschäften zwisckcn den großen Verbänden und dem Kalisyndikat etwas gedacht habe. Man ist glücklicher, toenn Man nicht denkt. (Heiterkeit.)

Die Kalidebatte wird geschloffen.

Die freisinnige Resolution über die politische Organisation wird abgelehnt.

bei dauern würde. . ,

Für die Tage dis Ostern ist der Arbeitsplan folgender: Am Donnerstag und Freitag dieser Woche ioil der Kolo- nialvoranschlag erledigt werden. Wenn dies gelingt, wurde nicht nur der Sonnabend als katholischer Feiertag, son-

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: «-«51.

Redaktion: e« 112. Tel.-Ad ru AnzeigerGießen.

Donnerstag, 25. März M

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität« - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

ein Jahr.

Abg. Tove (23b.)i

Unsere Stellung hat sich seit gestern nicht geändert. Die Behauptung deS Staatssekretärs, als ob wir auf ein negatives Ergebnis dieser letzten Session hinarbeiten, weise ich entschieden

Der Aeltestenrat der Reichstags

stellte am Mittwoch vor der Voll)itzung einen Arbeits­plan für die lausende Tagung fest und besprach die Art und 'Weise, wie die im Reichstag vorliegenden Gesetzent­würfe noch erledigt werden könnten. Man hofft, den Vor­anschlag bis zum 5. April fertig zu stellen, in welchem Falle die O st e r f e r i e n v o m 6. A p r i l b i s z u m 2. M a i dauern würden. Sollte es jedoch nicht gelingen, den

Aus den Neichstagsausschüsien.

:: Berlin, 22. Marz.

Der Reichsverücherungsauöschuß

Dieiefoener ZamlliendlStter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, baß Kreisblatt für den Kreis rietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Caspar.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung

2 Uhr 20' Minuten.

Zunächst steht auf der Tagesordnung die dritte Lesung de« Gesetzes über dis Verlängerung der le x Trimborn

der Landwirtschaft bqcbäftigten gleichstellen kann, war in der zweiten Lesung ausgesetzt worden. Diese Bestimmung wird jetzt gestrichen.

Einen besonderen Streitpunkt hatte der folgende Paragraph dargestellt, der die Befreiung von der Versicherungspflicht bei Vorhandensein eines Anspruchs an den Arbeitgeber aus gleich­wertige Unterstützung nicht wie bei der sonstigen Krankenver­sicherung von einem Antrag des Arbeitnehmers abhängig macht, sondern von dem des Arbeitgebers. Diese Bestimmung war in zweiter Lesung abgelehnt moroen. Jetzt wird nach lebhafter Be- lämpfung durch Volkspartei und Sozialdemokraten die Bestim­mung wiederhergestellt, aber daran die Voraussetzung geknüpft, daß der Arbeitgeber die volle Unterstützung aus eigenen Mitteln deckt, daß seine Leistungsfähigkeit sicher ist und daß er den An­trag für seine sämtlichen in der Landwirtschaft Beschäftigten stellt, soweit sie durch Vertrag zur regelmäßigen Arbeit Tür minocstens

Am darausfolgenden Dienstag soll der Voranschlag ber I liebe Aenderung erfolgte nur bei den Bestimmungen über die Reichseisenbahnen, der Reichsdruckerei und des Reichstages, Krankenversicherung rn der Landwirtschaft. Tie am Mittwoch der des Reich1sch.tz.mts und der Zolle durch. MtaS

die in ländlichen frandwerlsbetrieben beschäftigt sind, den in

heute die Verhandlung über die Vollmacht brt, di nach der Regierungsvorlage Der Buildesrat dahin erhalten soll, den nrchtapprobierten gewerbsmäßigen freilbesUssenen, abgesehen von den im § 3 ausdrücklich aufgeführten Krankheiten, über die in Den letzten Sitzungen des Ausfchusses verhandelt worden ist, die Behandlung auch anderer übertragbarer Kranlheiten uno Tiers.uck)en zu untersagen. Tiefe Vollmacht wurde von vielen Seiten bekämpft und schließlich auf Antrag von Zentrumsabgeordueren durch fc*

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhesjen

anschlag der! hseisenbahnen, der Reichsdruckerei und des Reichstages, Mittwoch der des Reichsschatzamts und der Zölle durch-1 beraten werden. Vom Tonnerstagbis Sonnabend

Das amtliche Buch kann er doch nicht abschutteln wie den Kürschner, denn diese Angaben Hot er selbst gemacht.

Hat der Bund für die Geschenke die er von der Verkaufs­stelle erhalten bat, au* die Erbschaftssteuer bezahlt? Wenn nicht, so muß er wenen Steuerhinterziehung belangt werden. (Lacken rechts. Vizepräsident S ck u l tz : DaS gebärt zum R e i chS cka h- a nt t !) Gut, dann werde ick eS dort Vorbringen. (Heiterkeit.) ES ist das gute Recht der deutschen Landwirtschaft, sick zusammcn- zuschließen, aber dazu darf niemand gezwungen werden. Leider beherrschen die I n t e r e s s e n v e r t r e t e r d,e Parlamentär,'ckc Diskussion. Sorgen wir dafür daß im nächsten Reichstag nur d,e allgemeinen politischen Interessen des Volkes zur Geltung kommen (Beifall links.)

Abg. Dr. Arendt (Rp.):

Das war auch eine Jnteresienten-Rede. (Cfa. Rufe links.) Wir haben doch nickt über das Kaligefeh zu sprechen, wir sind doch beim E'.atl Die erste Pflicht it dafür zu sorgen, daß er rccktze-.sig fertiagestellt trirb und ballen mir nickt lange fließen! (Lebhafter Beifall, Unruhe lmkS.) Sw wollen doch nickt etwa bebannten, daß die Reckte zuviel redet (Zurufe links: Dr. Habn!) frier handelt eS sick überhaupt nickt um Reichsgelder. DaS Reich ist nur der Treuhänder, ^'e pessi­mistischen Anschauungen des Abg. Gotheim über die Zukunft deS Kali teile ick vielfach. Eine Kalisteuer zugunsten des Reiches halte ich für bedenklich.

Aba. Korsantv fToTe):

ES ist hier viel über daS polnische Mandat des Abg. Dr. freim gesprochen worden. Es ist unrichtig, daß er sich an unS gewandt hat, um daS Mandat zu bekommen. Ich halte ihn für den b e st e n Kenner der K a I i f r a g e und einen bewährten Vertreter deS bäuerlichen Mittelstandes und wandte mich daher an ihn, um Informationen zu bekommen, da ich es als selbstverständlich annabm, daß er der Budgetkommission an- gehörte. Um der guten Sache zu dienen, hielt ich eS dann für meine Pflicht, ihm meine Stelle in der Kommission abzutreten, und wir haben fa damit einen Erfolg erzielt. Denn frerr Speck hat sa gestern unsere Forderungen über die Rabatte und Propagandaaelder für die kleineren Organisationen über­nommen (frört! börtl), und auch der Beschluß der Budgetkommission war schon ein Erfolg. Der Redner erörtert die Angelegenheit von diesem Gesichtspunkt.

Inzwischen ist eine Resolution Dr. freim eingegangen, die die verbündeten Regierungen ersuckt, die frohe der Abzüge für die Abnehmer größerer Menaen Kalisalze baldiast zu bestimmen, die Staffelung der Rabattsätze möglichst in gleiä mäßigen Abständen auszubauen und den höchsten Rabatt beim Bezug von 20 000 Doppelzentner reinen Kalis zu gewähren, die P rob e nab mebe stimm ungen baldigst zu veröffentliche,-, und den seit Jahren geltenden Bestimmungen verwandter In- dustrien (z. B. der Vereinigten Thomasmehl-Fabriken) cknzu- passen, ferner die Zuwendung en an inländische Kor­porationen usw. nur gegen Verwendungsnack weis zu gewähren und sie direkt an diese Korporationen usw. auszuzahlen unter Umaehung übergeordneter speziell zum Kalibezug gebildeter GroßeinkaufS-Vereinigungen.

Ein Antrag Dr. Arning-Bassermann (Natl.) will den nach den Kominiisionsbescklnß mit 300 000 Mark gespeisten Re­servefonds um 100 000 Mark kürzen und diese, also zusammen 200 000 Mark, zur Förderung von tropischen und subtropischen Kulturen in den deutschen Schutzgebieten bestimmen.

Abg. Hilpert (Bayr. Bauernbund) empfiehlt ebenfalls die freimschen Anträge. Ich habe nicht die Aufgabe, den Bund der Landwirte hier zu vertreten. Die Herren sind selbst Mannes genug dazu. Aber c3 ist unrichtig, daß er ein politischer Ver­ein ist.

Die Abstimmung über den fortschrittlichen Antrag, wo- nach Organisationen, die politische Zwecke verfolgen, weder mittelbar uock unmittelbar Propagandabeihilfen erhalten dürfen, wird auf Antrag Dr. Müller- Meiningen (Vp.) n a m e n t < l i ch sein.

Abg. Dr. Roesicke (fionf.)f

In der Kommission hat man sich viel mehr mit dem Bund d e r L a n d w i r t e als mit dem Kali beschäftigt. Ter Bund der Landwirte hat ebenso wie die anderen lanbnnrtsckaftllchen Organ,. ,'aticncn Propaganda für daS Kali gemacht. Die Propagandagelder sind das Sekundäre, sie werden gegeben, nicht damit Propa. ganda gemacht wird, sondern weil Propaganda gemacht wurde. Seit Bestehen deS Gesetzes sind überhaupt noch ke,ne Pro- pagandagelder gezahlt worden. Aber wenn toir alle diese Gelder selbst bezahlen sollten, woher sollen wir denn daS Geld nehmen f Auch wir sind der Meinung, daß die Verwendung dieser Gelder zu politischen Zwecken ausgeschlossen fein muß Die verbände ihrerseits werden darüber Wachen, daß mit den Gel­dern fein Mißbrauch getrieben wird. Dank der Tät,gke,t btefer landwirtschaftlichen Verbände ist der Kaliabsatz erheblich geitiegen. Tas muß dock anerkannt werden. Herr frue hat tue Verstaat. lickung der Kaliproduktion und eine Reicksverkanssstelle borge- schlagen. Glaubt er wirklich, dafür eine Mehrheit ,m Reichstag zu finden? Tie sonst so freihändleriscke Sozialdemokratie ist hier für einen Schutz der deutschen Arbeitskräfte gegen auSlan. discke Arbeiter eingetreten. Hoffentlich dehnt tue äußerste Linke diesen Grundsatz des Schutzes der nationalen Arbeit am andere Gebiete aus. Die Freisinnigen wollen wenigstens den Bund der Landwirte ausschalten. Ter Bund ist ein unpolitischer Verein, denn er ist in daS V e r e i n s r eg i ste reinge- tragen. Aber auch wenn er politisch wäre: seine Verkaufsstelle, eine G. m. b. fr. ist jedenfalls die unpolitischste Crgnmfnhom die man sich denken kann. (Widerspruch links.) Der Bund selbst ist nur wirtschaftspolitisch, aber nicht parteipolitisch. Selbst National, liberale sind BundeSmitglieder, viekleickst anck Freisinnige. (Abg. 5egter: Gott fei Dank nicht!) Ich soll im Kürschner olS Parte, Bund der Landwirte" stehen. Ich bin daran wirklich ganz un­schuldig. (Ra. na! links.) Aber wenn wirklich einige Mitglieder des ReickStagS sich als Bundesmitglieder bezeichnen, was schadet daS! (Zurufe links.) Ich weiß wie sehr es Sie geärgert, daß der Einfluß deS Bundes weiter reickt. Aber zeigen Sie mir einmal die ReichstagSsraktionBund der Landwirte". Sie müssen Ihre Argumente also besser wählen, lieber die Propagandagelder würde sick kein Mensch aufreg-n. wenn dasVerl. Tagebl." und die Frankfurter Ztg." den Streit nickt angefangen hätten. Da der Kaliprei? durch die Propagandagelder nickt erhöht wird, geht die ganze Sache niemanden etwas an. Rock mehr trifft daS zu aus die Rabatte deS SimdikatS, zu deren Erzielung sich früher mehrere Verbände zusamn'engetan haben. DaS ist eine ganz interne An- gelegeickeit. Daß die So-ialdemokratie und der Freisinn sich bei dieser Gelegenheit zu Beschützern der kleinen Bauern aufspielen, ist geradem komisch. Das haben diese Parteien für die Klein- bauern bisher geleistet? (Vizepräsident Dr. Spahn: Das ge­bärt wirklich nicht hierher ) Jedenfalls sind die Dauern gegen diese Parteien mehr als spektisch. Es ist ja niemand gezwungen, sein Kali durck eine landwirtschaftliche Organisation zu beziehen. Aber den Bauern zu verlvehren, sich die Vorteile deS Zusammen­schlusses zunutze zu machen, wäre ungerecht. Run hat frerr frue so getan als ob es sich hier um ein Panama, um einen Kor­ruptionsfonds handelte. Sie ärgern sich nur, weil sie keine Kor- ruption nachweiseu können. Wäre wirklich ein Korruption-Herd vorhanden, fo würde ihn die Linke an sich selbst zugrunde gehen lassen. Schimpfen Sie nur tüchtig weiter über eitle Korruption, die gar nicht da ist. (Beifall rechts.)

Abg. Gothein

Heber die Wirkungen des KrligeseßeL kann nach fo kurzer Geltungsdauer noch kein absckl,eßende^ Urteil abgegeben werden. Es ist allerdings eine Verbilligung der Kalisalze und dadurch eine gewisse Hebung des Absatzes einpctrcler. Die im vorigen Jahre von den Gesellschaften ausgeschütteten Dividenden rühren noch von den Gewinnen des Jahres 1900 he'-. Außerdem hatte man wegen der unsicheren Aussichten für die Syndikatserneue. runfl mit der Ausschüttung von Gewinnen vorher zurückgehalten. Man kann daher noch nicht sage.-, ob das Gesetz für die Industrie günstig war.

Auf dem Gebiete der Kaliwerte ist es immer unsolider ge­worden. Man ist von dem soliden Gewerkschaftsprinzip abge­gangen und baut vielfach alle Einrichtungen au» Anleihemitteln Man hat behauptet, daß durch das Kaligefetz die Ktlipapiere den Wert von mündelsickeren Papieren erhalten hatten. Das ist cm unerhörter (5 d) to i n b c I. Es ist ein Unsinn, zu sagen: Die Propagande erfordert pro Doppelzentner Reinkali 60 Pfg. Unkosten^ Wenn man vorsajr^ibl. bestiminle Summen auSzu- geben, so führt taS zur Vergeudung. Tie Deutsche Landwirt- sckaftSgesellschaft hat einen groß'n Teil der ihr überwiesenen Propagandagelder zu ganz anderen Zwecken verwandt. Die Deutsche Landwirtschaflögesellsckaft hat sich schon seit Jahren als Agentin deS Kalishndikats betätigt. Weil hochmögende Mi- nister ihr angehören, darf sie sick) aüe£ erlauben. Dabei bestreite ich ihre Verdienste nicht. Bestände sie nicht, so müßte sie gegründet werden, (frört! frört! rechts.) Der Bund der Landwirte behauptet, er fei nicht politisch. Schon der Gründer der Deutschen Landwirtschastsgesellschaft Max v. Eyth, erklärte, er habe sich in der Gründungsversammlung des Bundes über die innere Un­wahrhaftigkeit geärgert, mit der man jede politische Betätigung obstreiten wollte, (frört! frört! links.) Diese Unwahrhaftigkeit

Voranschlag noch bis dahin fertigzustellen, so wurde der Reichstag bereits am 27. Avril wieder zusammentreten, um in der Woche bis zum 2. Mai den Rest des Voranschlags zu erledigen. Der Tagungsabschnitt zwischen Ostern u n d P f i n g st e n soll vom 2. Mai bis zum 2. Juni dauern. In dieser Zeit sollen erledigt werden zunächst die Reia;s- versicherungSordnung, mit deren Einsührungsgesetz am 2. Mai begonnen wurde, dann der elsaß-rothrlngischc 23er» sassungsenlwurs und hieraus der deulsch-schwedische Han­delsvertrag sowie eventuell noch das ^chissahrlsabgaben- gcsctz. Für die Erledigung der Justiz- und Gewerbegesetze soll eine Herb st tag ung verauslaget werden, die am 10. Ottober beginnen und bis Mitte Dezem-

zurück. Wir haben an allen Arbeiten rege teilgenommen. Wenn trotzdem nichts zustande kommt, so ist die Regierung daran schuld, die mit den Parteien nicht die nötige Fühlung hat. Die Freude am Parlament wächst durck folcbe Verhältnisse nicht. Tas beweist ja auch die JubiläumSrede unseres Präsidenten, für den der vierzigjährige Jahrestag des ReickStagS nur einen kalkulatorischen Charakter hat. (Heiterkeit.) Wir lehnen jede Verantwortung für diese Geschäftsführung ab. (Beifall links.)

Staatssekretär Delbrück:

Die Ausführungen des Vorredners knüpfen an einen Satz an, den ich im Anschluß an eine gestrige Rede Dr. Mug- d a n s gesagt habe. Nach meiner Ansicht war die Rede Dr. Mudans recht subjektiv gefärbt und ich kann nur versichern, daß ich nicht angenommen habe, er habe den vorn Abg. Dove zuerst Sebraudjten Satz im Auftrage seiner Parteifreunde zitiert. Ich abe angenommen, daß cs sich um eine individuelle Auffassung des Abg. Dr. Mugdan gehandelt hat. Nun kann man darüber streiten, welchen Eindruck die Ausführungen des Abg Dr. Mug­dan gemacht haben. Ich gebe dem Abg. Tove zu, daß ich für meine Person keine Veranlassung habe, über eine mangelnde Mitarbeit seiner Partei zu klagen, (frört! frört! links.) Auch über mangelnde Mitarbeit des Abg. Dr. Mugdan habe ich nicht zu klagen, ebensowenig wie Dr. Mugdan seinerseits sich be­klagen kann darüber, daß die tierl ten Regier» igen mit ihm nicht Fühlung gesucht hätten. ...eine Verhandlungen mit Dr. Mugdan über bic ReichSversicherungS- orbnung z. B. gehen bis in den vorigen Winter zurück, (frort! frört! rechts.) Ich weise daher den Vorwurf gegen die verbündeten Regierungen, daß sie mit dem Reichstag keine Fühlung genommen und dadurck Schwierigkeiten hervorgerufen hätten, hiermit zurück. Im übrigen kann man ja nicht in der Seele eines Menfchen lesen. In der Bemerkung des 9lbg. Mug- ban über den Berg von Scherben war nicht» von ber tragischen Stimmung des sterbenden Kai'ers Tiberiuö zu finben, dem diese Worte entlehnt sind Ich will nicht behaupten daß er sich gefreut habe bariil er, daß nichts zustande kommen wird, wohl aber darüber, daß die verbündeten Regierungen in diese schwierige Situation hineingekommen sind. Und nur Darauf habe ich geantwortet. (Beifall rechts und im Zentrum.)

Abg. Mugdan (Vv.):

Ich bin über bie gegenwärtige Sage nicht erfreut, sondern betrübt ES bleibt dabei, daß die Regierung nicht die nötige Fühlung nimmt. Ich habe wohl mit Dem Staatssekretär ge- sprochen, er hat aber meine Anregungen nicht berücksichtigt D i c Regierung i st ein schwankendes Rohr zwischen den Mehrheitsparteien.

Der Gesetzentwurf wird verabschiedet

Die Kall-Propaganda,

(Zweiter Sag.)

Abg. Dr. Bärwinckel (Nail.)k

Da? Kaligeseh war ein Experiment. Wir taten einen Sprung ins Dunkle. Für eine Aenderung des Gesetzes ist aber die Zeit nock nicht gekommen. Wir müssen erst die geforderte Denkschrift abwarten. Hoffentlich werden bie außcnstehenben Werke sick allmählich mit dem Kalisyndikat zu gemeinsamer Arbeit zusammenschließen. Wenn ber Ascherslebener Streik bazu beitragen sollte, würben wir bas begrüßen. Der Redner spricht ausführlich über bie Arbeitsverhältnisse in den Kaliwerken. Gegen den ReservefonbS, der ein Unikum im Etat darstellr, haben wir die größten Bedenken. Wir geben bezüglich der Fassung des Dispositibs dem fortschrittlichen Antrag den Vorzug vor den Beschlüssen der Kommission. Wir müssen kräftige Propaganda treiben, um den Kaliabsatz zu steigern. Eine allzugrotze Spezialisierung führt zum Schema- tiSmus. Die Regierung muß eine gewisse Freiheit haben. Es wird niemand bestreiten, daß der Bund der Landwirte Propaganda für den Kaliabsatz macht. Auch daß er die Pro- paganda durch 'die ihm nahestehenden Blätter betreibt, kann man ihm nicht verübeln. Wenn seine Danderredner nebenbei sich am Biertisch vielleicht auch politisch betätigen, so kommt das nickt in Betracht. Der fortschrittliche Antrag gegen bie politischen Organisationen ist und gewiß sympathisch, aber gesetzlich läßt sick, das dock nickt durchführen. Wir wollen nicht politische Fragen in diese wirtschaftliche Materie hineinfragen. (Abg. H u e : Sie drehen ja die Frage um.) Ja, wer soll denn entfcheibcn, welche Organisation politisch ist und welche nicht? Die sozialdemokratische Resolution lehnen wir ab. Wir wünschen nickt, daß daS Kaligesetz geändert wird und hoffen, daß durch diese Verhandlungen dem Kali sckon reichlich Reklame gemacht werden wird. (Beifall bei den National, tibetalen.)

erledigte heute das zwecke Buch über die Krankenver­sicherung zu einem großen Teil. Der gestrige Beschluß über die Ten fisten hat folgenben Wortlaut:

Wo nickt genug Zahnärzte vorhanden sind, die zu an^ gemessenen Bedingungen die Behandlung übernehmen oder mit Zustimmung des Versicherten kann bei Zahnkrankheiten mit Ausschluß von Mund- und Kieferkrankheiten die Hilfeleistung, außer in den Fällen des § 135 allgemein auch durch Zahn­techniker sowie durch geeignete öcilbiener und Heilgehilfen ge­währt werden. Tie oberste Verwaltungsbehörde kann hierüber Näheres bestimmen. Sie bestimmt, wieweit auch sonst Zahn- tecDnucr bei Zahnlrankheiten selbständige Hilfe leisten können, und wer als Zahntechniker im Sinne des Gesetzes anzuseyen ist. Ter Mschnilt über das Verhältnis der Kranken- dern auch der Daranfiümenoc Montag s^ungs.rei beiden, fassen zu Aerzten, Zahnärzten, Krankenhäusern uiu> Apo- Soluc aber der lwoMuiarvorauschiag am Freetag nicht er- cheken wurde nur redaltwneller oder umvelentlrcher Aen- ledigt sein, so würde noeg der Htontag dazu verwendet, lderung der Beschlüsse zweUn Le,ung angenommen, inne we,ent-