' 3n der sranzSsischen Kammer
tourbcn am !Tienstag die Verhandlungen über den Marokko- Vertrag fortgesetzt. Ter Sozialist Jairrös hielt eine große Rede, in der er u. a. sagte: Ter Ministerpräsident jrre sich, wenn er 'glaube, daß Frankreich in der marokkanischen Staatsbank immer die Mehrheit haben werte. Tiese Bank werde gewissermaßen einen großen europäischen Aufsichtsrat zur Kontrolle der wirtschaftlichen Gleichheit in Marokko bilden, und da werte die Einmütigkeit bald geschwunden sein. 'Tie Deutschen würden sich in Marokko entsprechend ihrem gewohnten Vorgehen festsetzen, hätten sie doch schon eine Gewerbeschule gegründet. Eine machtvolle deutsche Kolonie werde sich in Südmarokko niederlassen. Der große Fehler der marokkanischen Politik Frankreichs sei der gewesen, Deutschland ans schalten zu wollen. Deutschland mit seiner ungeheuren wirtschaftlichen Entwicklung und seiner Bevölkerungszunahme sei genötigt, immer neue ?llgatzgebiete zu suchen. Es sei daö tragische Geschick Deutschlands, daß es immer zu spät gekommen sei. Seit 40 Jahren habe es in Europa keinen Krieg gegeben, und da müsse er sagen, daß die deutsche Diplomatie im Grunde genommen wesentlich Mäßigungbewahrt hat. (Wiederholte Rufe: Agadirs Jaurös setzt darauf auseinander, daß die englisch-fran- zösische Entente für ihn der Vorteil zu einer deutsch-französischen Entente gewesen sei und protestiert gegen die Geheimverträge.
Jaures wurde oft stürmisch unterbrochen. Er protestierte zum Schluß gegen das Vorgehen der Italiener in Tripolis. Auf seinen Antrag wurde die Fortsetzung der Beratung auf Mittwoch vertagt._______________________________
Deutsches Reich.
Das kro nprinzl ich e H o f m a rsch allarnt gibt folgenden Bericht bekannt: Die Kronprinzessin ist heute (Dienstag) morgen 1 Uhr von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Die Kronprinzessin und der Prinz befinden sich wohl. In Berlin wurde am Dienstag aus Anlaß der Geburt des Prinzen Salut geschossen. Auf Befehl des Kaisers fiel der Unterricht in allen Schulen Groß-Berlins und Potsdams aus.
Die beiden Häuser des preußischen Landtages sind zum 15. Januar 1912 ernberufen worden.
Airche und Schule.
Tas Motu proprio deS Papstes.
Roin, 19. Dez. Gegenüber der „Tribuna", die gestern unter Bezugnahme auf die Rote der „Nordd. Allg. Ztg." über das Motu proprio behauptete, der Kardinal-Staatssekretär habe der preußischen Regierung eine zweideutige und nicht bindende Antwort geben wollen, erklärte gestern abend in der „Osservatore Romano", die Erklärung ter „Nordd. Allg. Ztg." widerspreche nicht tem „Osservatore Romano", ivnoern vestä- tige die Loyalität der Absichten des Heiligen Stuhls gegenüber den Auslassungen deutscher Zeitungen. ♦
F. C. Frankfurt a. M., 19. Dez. Eine Konferenz von hessischen Geistlichen, aus den Dekanaten Ofsen- oach, Groß-Gerau und Rodheim v. d. H., die hier tagte, sprach sich nach einem Vortrag dee- Pfarrer Wolf-Ztunepenheim für die Beibehaltung des konfessionellen Religionsunterrichts in den hessischen Schulen aus.
Aus Stadt nnd Land.
Gießen, 20. Dezember 1911.
Beigeordneter Dr. Schäfer f»
Gestern nachmittag starb unerwartet der erst kürzlich fn sein Amt einaeführte unbesoldete Beigeordnete Geh. !Justizrat Dr. Wilhelm Schäfer. Dr. Schäfer, ein Sohn her Stadt Gießen, hat die besten Jahre seines arbeitsreichen Gebens in seiner Vaterstadt verbracht und hat ihr 16 Jahre lang seine Dienste als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung gewidmet. Ohne viel von sich reden zu machen, gehörte er zu den geschätztesten Arbeitskräften unserer Stadtvertretung, was seine Wahl in die Finanz-, juristische nnd Vorschlagskommission beweist. Auch dem neugeschafse- teen Kunstbeirat gehörte er als Mitglied an. Heute vor acht.Tagen erhielt Dr. Schäfer die landesherrliche Bestätigung als unbesoldeter Beigeordneter, doch sollte er sein bei der Vereidigung abgegebenes Versprechen, stets für das /.Allgemeinwohl im Sinne seines Amtsvorgängers Georgi Zu wirken, nicht mehr erfüllen, da der Tod dazwischen trat. Dr. Schäfer gehörte der nationalliberalen Partei an und ärat stets für das Zusammengehen der beiden liberalen ^Parteien ein. Dr. Schäfer wurde am 2. Februar 1845 als jSohn des damaligen Universitätsprofessors Dr. Schäfer ge- choren. Er studierte hier und bestand 1866 das juristische jFakultätsexamcn mit der Note „sehr gut" und 1868 das Staatsexamen. Seine richterliche Lausvahn begann er in Schotten. Später war er am hiesigen Stadtgericht, in Waldmichelbach und Vllbel (hier als Amtsrichter) tätig. 1882 wurde er als Amtsrichter nach Gießen versetzt und 6 Jahre später an das Landgericht berufen. Zunehmende Kränklichkeit veranlaßte iim Januar 1909 seine Versetzung in Ben Ruhestand. Mehrfache Auszeichnungen durch den Groß- erzog bezeugen die Zufriedenheit mit seiner dienstlichen 'Tätigtest. Die Bürgerschaft Gießens bekundete ihm sein Vertrauen durch seine mehrmalige Wahl in die Stadtver- irdnetenversammlung und wird ihm, dem treuen Sohn seiner Vaterstadt, >ein ehrendes Andenken bewahren.
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** Ta g eskalender für Mittwoch, 20. Dezember: Stadt- Heater: „Ern toller Einfall." ttnfang 7 Uhr.
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** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schülamtsafpiranten Hch. Basselli aus Vernsfeld die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Haingrund.
*♦ Die hessische Vereinigung für Volkskunde hrelt am Montag abend im Cafö Ebel ihre Haupt- w er s am m l u n g ab. Ter , Vorsipeii.de, Pfarrer Schulte- Großen-Linden, erstattete den Geschäftsbericht. Der Rückblick auf die Zeitschrift zeigt erfreuliche Eisprüngen, die 'Zertschrrst rft um die Mitteilungen der Flurnamen- Sammlung reicher geworden, andere Mitteilungen be- ltrcsfen Sagen über Ortsnamen. Das Archiv hat Fräulein Kalbhemi geordnet. Im Winter 1910/11 sanden drei Vorträge statt: einer von Lehrer Weber über „Geheimsprachen im Vogelsberg", ,mii> zwei von Geh. Baurat Walbe-Tarm- 'stadt über „Dorfkirchen in Oberhessen". Im kommenden Winter finden Vorträge statt: von Pfarrer Schulte in Großen-Linden über die Flurncunensammlmlg, von Dr. Martin in Bad-Nauheiin üoer Bodenverhältnifte und von Prof. Dr. Alb. Haupt ein Lichtbilderoor.rag über „Baukunst der Germanen". Die Flurnamensammlung soll veröffentlicht und an das Staatsarchiv in Darmstadt zur Durchsicht abgegeben werden. Es erfolgt eine Priffung nach volkskundlicher und sprachlicher Seite hin. Biete Sammler der Flurnamen haben großen Fleiß anfgewandt, die sorgfältigste Sammlung ist die des Herrn Ludwig Fieck- .Kohden bei Nidda, sie ist zugleich die M u st e r g e s ch iaj t c eines deutschen Dorfes, die wohl einzig dasteht. '.Lehrer Weber-Reuters und Pfarrer Dr. Becker haben andere Sammlungen begonnen. Ueberall L i\ .
kei imbt reges Interesse. Ein großes Unternehmen der hessischen Volkskunde ist für Herbst 1912 vorgesehen. Der Verbands tag der deutschen Volkskundevereine wirdinGießenundGroßen-Lind en tagen, die geschäftlichen Verhandlungen werden in Gießen, die wissenschaftlichen in Großen-Linden stattfinden. Es ist dies das erste Mal, daß eine derartige Tagung auf dem Lande stattfindet. Eine Festschrift soll herausgegeben werden. Nach Anhörung der Jahresrechnung wurde dem Rechner für seine sorgfällige Arbeit Entlastung erteilt. Die Wahl des Lehrers Römer-Großen-iLinden zum Schriftführer wurde genehmigt. "Tie beabsichtigte Aenderung der Satzungen soll in der nächsten Hauptversammlung erfolgen. Die von der Vereinigung für Kinder veranstalteten Märchenabende (Ubbelohdes Märchenbilder mit Lichtbildern") in der neuen Aula waren von etwa 900 Kindern besucht. Ein Menschen- freund hat die Kosten zu diesen schönen Veranstaltungen der Vereinigung übernommen.
** Märchenvorlesung. Am Montag und Dienstag nachmittag veranstaltete die Vereinigung für Volkskunde in der großen Aula ter Universität M ä r ch e n v o r l e s u n g e n für bestimmte Klassen der städtischen Schulen. Fräulein Ida Strack, die uns durch manche treffliche Refttation bekannt ist, hatte sich opferfreudig in den Dienst der Kleinen gestellt. Mit vollendeter Kunst trug sie der lauschenden Schar die herrlichen Grimmschen Märchen vor. Ihr biegsames Organ vermochte die auftretenden Figuren vorzüglich zu charakterisieren: Ob die zarte Jungfrau sprach, oder der strenge König, die böse Hexe oder der gemütliche Brummbär, alle Gestalten erstanden leibhaftig vor ter Seele. Unterstützt wurde der Vortrag durch die Vorführung ter Ubbelohteschen Zeichnungen, die mit den einfachsten Mitteln höchste künstlerische Wirkungen erzielen. Von der Dankbarkeit der kleinen und auch der großen Zuhörer zeugte der geradezu stürmische Beifall. Es herrschte eine fast weihnachtliche Stimmung in dem schönen Saal. Der weite Raum dicht gefüllt L-cn wispernden und raschelnden Kindergestalten, eingehüllt in geheimnisvolles Halbdunkel, nur unten, am einen Ende, hell bestrahlt die lichte Gestalt der anmutigen jungen KüuiUerin gleich der Märchenfee selber, die ihren Lieblingen wundersame Geschichtchen aus ihren: Reich erzählt — und darüber wie aus unbekannter Ferne ein magischer Lichtstreif, der herrliche Bilder an die Wand zaubert. Unseren Kleinen war das alles gewiß ein großes Erlebnis und wird ihnen noch lange in leuchtender Erinnerung stehen — namentlich denen, in deren Leben selten ein heller Schein heiliger Poesie fällt. , .
** D e r Evang. Arbeiterverein hält am dritten Feiertag in der Turnhalle seine Weihnachtsfeier ab. Außer Gesangsvorträgen, Ansprachen, Kinderausführungen usw. stehen musikalische Darbietungen in Aussicht. Ein Weihnachtsspiel, „Das C h r i st g e / ch e n k", verfaßt von einem hiesigen Einwohner, wird abends seine erste Aufführung erleben. Die Festansprache hat Prof. Schlau übernommen.
Lanokreis Gießen.
/X T r a i s - H o r l o f f, 19. Dez. Zum drittenmal einstimmig wiedergewählt wurde unser Bürgermeister Born mann.
Kreis Bübingen.
H. Büdingen, 19. Dez. Nacy längerer Pause fand heute nachmittag eine Gemeinteratsfitzuug statt. Anwesend waren Bürgermeister Fendt, die Gemeinderatsmitglieder Schulz, Schön, Treser. Schäfer, Klein, Tiemer, Wittekind, Methsessel und Hinkel. Als Vertreter des Fürsten: Kammerdirektor 'Dr. Weimer. Vor Eintritt in die Tagesordnung wird beschlossen, daß der Firma Glasfabrik Büdingen von tem demnächst zur Versteigerung kommenden dürren Abfallholz etwa 25 Raummeter aus der Hand zum Durchschnittspreis abgegeben werden. — Ein Betrag von 20 Mk., der dem Dreschmaschinenbesitzer Wies von Spielberg angefordert war, wird erlassen, nach tem dieser nachgewiesen hat, daß er das betreffende Grundstück bei Aufstellung seiner Dreschmaschine nicht benutzt hat. — Die Bewohner des Junkern- hofs bitten um Herstellung des Zugangswegs zu ihrem Anwesen. Der für Herstellung eines Fußweges aufgestellte Voranschlag beträgt 150 Akt. Gemeinderat Schäfer befürwortet die Herstellung des Wegs. Gemeinterat Wittekind macht gellend, daß den Bewohnern mit Herstellung des Fußwegs nickst gedient fei und empftehlt, eine gute gewölbte Fahrbahn herzustellen. /Ter ^sachverständige soll gehört werden und endgültige Beschlußfassung bei Beratung des Voranschlags erfolgen. — Schon längere Zeit gibt ein Graben, der eine ganze Strecke an ter unteren Bahn- hofsstraße herziedt, Anlaß zu Klagen und Beschwerden. Der Graben hat wenig Gefalle, das Wasser bleibt in ihm stehen und verbreitet namentlich zur Sommerszeit einen abscheulichen Geruch. Das Wasser des Grabens dient zur gleichen Zeit zur Bewässerung des Wiesengrundes und es war angeregt, den Graben in Royre zu legen. Dies ist nach tem vorliegenden Gutachten des Sachverständigen nicht möglich. Da nun von den Wiefenbefitzern schon oft gegen die Bewafi erung des Wieseng rundes Einspruch erhoben wurde, beschließt ter Gemeinderat, mit den Wiesentesitzern wegen Einstellung der Bewässerung zu verhandeln. Hiermit wird der Wiesenvorstand beauftragt. — Gemeinderat Methsessel hat beantragt, die Herstellung ter Bergs hohle auf die Tagesordnung zu setzen. !Tieser Weg ist der hauptsächlichste Zufuhrweg zu den Grundstücken des südlichen Pfaffenwaldabhanges und befindet sich in einem geradezu trostlosen Zustand. Es wird die Einstellung eines Kredits von vorläufig OÜO Akk. in den Voranschlag 1912 beschlossen. 'Der Weg soll in 3 Jahren vollkommen hergestellt werden. — Die Bewohner der unteren G y m- nasiumsstraße ersuchen schon mehrere Jahre um Zulegung eines vor ihren Wohnhäusern herführenden Grabens. Ein TeÜ der Anlieger hatte sich zur Uebernaljme der Hälfte ter Kosten bereit erklärt. Der Gemeinderat hatte dieses Gesuch wegen anderer dringenderer Ausgaben immer zurückgestellt. Auch heute wird demgemäß beschlossen. — Ein Bewohner der Mühltorstraße will die Zuführung ter Gasleitung zu seinem Nebengebäude durch einen städtischen Graben legen laßen und ist bereit, ihn käuflich zu erwerben. Da die israelitische Neligionsgemeinde ebenfalls auf Ankauf des Grabens rechnet, beschließt der Gemeinderat aus Antrag des Gemeinderats Andrä, den Graben dem Höchstbietenden von den beiden Interessenten zum Kauf zu iw erlaßen. — Bei der S chu l h au s d a ch re ch nu n g ist noch ein Betrag von 118 Mk. strittig. Nach Mitteilung des Architekten Rosendahl braucht die Stadt diesen Betrag nicht zu bezahlen. Es wird beschlossen, den Betrag von ter Rechnung abznsetzen und die Rechnung zur Zahlung ansiuyelfen. — Die Abnahme des Pflasters soll nach wie vor der Bauleitung überladen werden. — Ein Grundstück, das von Gastwirt August Waltz der Stadt zum Kauf angeboten wird, soll zum Preise von 2 Mk. für den Quadratmeter erworben werden. — Dem Lehrer Pebler, der seine Abwässer aus seinem Wohnhaus über einen städtiichen Weg in ein fremdes Grundstück leitet, soll unverzüglich aufgegeben werden, die Anlage zu entfernen. — Lem Gesuch des Schuldieners um Aufstellung eines Kessels zum ycritetien von heißem Putzwaiser wird entsproa-en. — Ein weiteres Gesuch von ihm, den angefaljrentn Koks auf Kosten ter ntadt an tee Verweittungssteile bringen zu lassen, wird abgelehnt. — "Die von den Handwerkern und llebernehmern bei Erbauung des Schul- Hauses geteilten Kautionen sollen mit Ausnahme von 4 Firmen zurückgegeben werten. Wenn die heute rroch mit diesen Firmen begehenden Anstände erledigt sind, steht auch hier ter Zurückgabe mebtö mehr un Wege. — Den Flurschützen soll der Anteil der Stadt an der Hundesteuer zurückvergütet werden. — Nachtwächter Jcitpel ift zn gleicher Zeit Flnriastitz uno ist die Ausführung teeier beiten Dienste von derselben Person schon oft beanstandet ivoiten. Bürgermeister Fendi erklärt, dast Michel seinen Dienst in der besten Weu^ au£üoe und er mit testen Dienltsuhrung in leber Hiniiast zufrieden sei.
1 Wenings, 19. Dez. Zwischen hier und Nieder- -oeemen schoß der Lehrer Vogl-Wenings dieser Tage eine Lölldka 8 e, die 78 Zentimeter lang war. Das erlegte Tiei
ist vermutlich das Gegenstück zu dem Wildkater, der kürzlich von Dr. Schäfer-Hirzenhain in der Nähe von ©einbar geschossen wurde und die stattliche Länge von annähernd 1 Nieter aufwieS. Beide Tiere sind allem Anscheine nach zusammen aus einem größeren'Revier ausgewandert.
Kreis Schotten.
--Schotten, 19. Dez. Als neuer Pächter des Lehrer» heims wurde der Verwalter des Jagdhauses „Wolfslauf" bei Schotten, Hern Schäfer, gewählt.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 19. Dez. (Stadtverordnetenversammlung.) Nach Genehmigung einiger Baugesuche wird die Baufluchtlinie für den Edelspfad bis zum nächsten Gewannweg in gerader Linie und 121/? Meter Breite festgesetzt. — Für den Stadtteil Fauerbach ist eine Ortssatzung für die Bebauung dieses Stadtteils von der Versammlung genehmigt worden und hat die ministerielle Genehmigung erhalten. Die Einwände des Hch. Stöckel und G. Schwarz u. Söhne, welche glaubten, zu Straßenbeiträgen nicht herangezogen werden zu können, wurden verworfen. — Dem evangelischen Kirchen- Vorstand wurde der Preis für das Wasser, das zum Bettieb des Orgelwerks gebraucht wurde, von 28 auf 14 Psg. für den Kubikmeter herabgesetzt. — Bei der Rechnung 1910 wurden 2987 Mark Steuern, die infolge Wegzugs von Personen nicht eingingen, und 732 Mark uneinbringliche Steuern niedergeschlagen. — Seither war üblich, den städtischen Bediensteten Weihnachtsgaben zu verabfolgen. Da die neue Gehaltsordnung ihre Einkommen gründlich regeln soll, werden fortan alle derartigen Nebengaben Wegfällen, für dieses Jahr wird noch für die, die noch keinen Gehalt beziehm ( -nr an. teima' h./j. ■, ein: W-'>'n>acrfisg(we bewilligt. — Der Vertrag der Stadt mit der Eisenbahn wegen Abgabe von elektrischer Energie für den neuen Bahnhof ist von dem Bürgermeister, ter Eisenbahn-Direktion und einem Vertreter der Provinz in einer gemeinsamen Sitzung fest- gestellt und in allen Punkten eine Einigung erzielt worden. Er soll vervielfältigt und den Stadtverordneten zur Prüfung zugestellt werden. Auf Antrag des Stadtv. Damm wird ter Vertrag mit der Bahn und ter Rechtsvertrag mit der Provinz ui allen Teilen «'i.u.L.duig genehmig, o dag dem endgültigen Abschluß nun nichts mehr im Wege steht. Die Bahn hat einen ungefähren Jahresbedarf von 9500 Kilowattstunden. Um alle Störungen in der Beleuchtung zu vermeiden, ist beabsichtigt, die Ueberlandzentrale Wölsesheim mit der rheinischen Zentrale und der Zentrale in Gießen mittels Leitung untereinander zu verbin den, so daß, wenn in einem Werk eine Störung eintritt, sogleich die unteren Strom liefern können. — Zum gemeinsamen Kartoffelbezug hatten sich 40 Personen gemeldet. Es wurden 200 Zentner bezogen, die bis auf 19 Zentner abge- yolt wurden. >Das wcaiter geute jich auf 7 Mark öl) Psg.
Münz enb erg, 20. Dez. 98 Iahre wird morgen unser alter Schäfer K u l rn e r a l t : er erfreut sich noch einer - guten Gesundheit, liest und schreibt ohne Brille.
Starkenburg uhD Rheinhessen.
R.-B. Darmstadt, 19. Dez. Das Cafs Ernst Ludwig wird mit dem 20. Dezember seinen Besitzer wechseln. Der bisherige Inhaber, Jos. Garanfeld ans Atamz, hat es an den Pächter des Hotel-Restaurants „Einsiedel", Alfred Schmitz, verkauft.
N. Offenbach, 19. Dez. Die hiesige Kaiscr- Friedrich-Quelle beansprucht nach Maßgabe des hessischen Gesetzes vom 15. Juli 1896 den Schutz, den Heilquellen zu beanspruchen haben. Danach sollen in einem Umkreis von 5 Kilometern Tiefbohrungen über 5 Meter untersagt sein. Der Bauausschuß, der sich mit dieser Angelegenheit befaßte, kam im Einverständnis mit der Verwaltung zu dem Beschluß, die Ziistunmung nicht zu erteilen, da ein Verbot, nicht tiefer als 5 Nieter zu graben, weder im Interesse der Stadt selbst, noch in dem privater Kreise liege.
Hessen-Naffau.
X. Hanau, 19. Dez. Der Hofmetzgermeister Jos. Schraub in Hanau hat einen tragischen Tod gefunden. An der im Keller seines Hauses befindlichen Kühlmaschine war ein Rohr, in dem sich schwefelige Säure befand, undicht geworden, so daß die giftigen Stoffe ausströmten. Bei der Verrichtung der Arbeit zur Beseitigung des Fehlers atmete Schraub von den giftigen Gasen ein und erkranktt dadiirch schwer. Heute ist er, 43 Jahre alt, gestorben.
Gerichtssaal.
Berlin, 19. Dez. Wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung wurde der im Steuerbureau des Berliner Aiagistrats be- schäsiigt gewesene Bureauasslstent Otto L ü d i ck e verurteilt, der veschuldigl ist, sich unter Fälschung der Namen inehrerer Stadlräte co. 80 UUU Alk. verschafft zu haben. MN dem erschwindelten Geldk halle der Angeklagte, der em flottes Leben führte, sich außer einer Billa auch eine Fabrik gefau't. TaS Urteil lautete dem Antrag des Staalsanwalts gemäß, unter Zubilllgung mildernder Umstände, au' - vier Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust.
Vermischte-.
lieber Spielzeug veröfiemiicht Paul Mahlbera in der Münchener Wochenschrift „Dtärz" einen gedankenreichen Aussatz. Mahlberg geht von der Beobachtung aus, daß das Kind an der mechanisch betriebenen Lokomotive erst rechte Freute findet, wenn die Feder „kapitt" ist, und meint, wie aber eine Lokomotive für Kinder beschaffen sein müßte, könnte man aus der Art ersehen, wie sie selber „Zug" spielen.
Eine Lokomotive ui voller, freier Fahrt, wo die lebendige Kraft der gezogenen Last das Gleichgewicht hält und die Dampf- fraft nur mehr zur Uebertvinbung der Reibung auf den Schienen gebraucht wird, scheint in hinter äugen eindruckslos zu fein, wie ja auch wir für die Ueberschnelligkeit der Turbine mit ein paar tausend Umdrehungen kein Auge haben und sie uns erst auf Umwegen begrifflich klar machen müssen, da sie uns an keinem Schwungrad sinnlich offenbar wird. Schon aus rein optischen Grünten übrigens kann wohl ein Kinterauge eine kaum gesetzn entschwundene Lokomotwe nicht fassen. Die Lokomotive hat die Funktion, schwere Lasten zu ziehen. Das kommt am besten zum Ausdruck in tem schwierigen, langsamen, keuchenden Anfahren nach ter Ruhe. Nun hat das Kind offenbar eine Ahnung von dieser Funktion, denn es erfrört die Zeit ihres evidentesten Ausdrucks in Permanenz. Selbst wenn cs eine Blitzz uglv ko Motive ist, geht es langsam, Schritt vor Schritt, den Zug der eingebildeten Last im Körper (mit hochgezogenen Schultern, vorgebeugtem Oberkörper und eingeknickten Knien) ausdrückend und wirklich einen Widerstand durch das Abschleißen der Schuhsohlen auf tem Boten produzierend. Datei unter rhythmischen tsch, tsch und kurbelnden Bewegungen mit den tm Ellbogen geknickten Armen. Das ist das auffallendste, denn es beweist den Blick für das Gelenk der Lokomotive, die Stange von Rad zu Rad. — Also wird in tem Spielzeug der Ausdruck des Lastenziehenden als Funktion, äußerlich auch dao Gelenkige ter sichtbaren Krasdamvendung und hörbar ihr prustendes Sichluftmachen sein müssen. Die Naivität des Kindes verlange gerade das letztere. Kinder und Völker in den Kinderschuhen wollen jete Kraftanstrengung heraushören, und die Ausübung der Wirüing gilt der Ursache gleich. Athene rät dem wütenden Achill, dem zur Beruhigung eine Zttastanstrengung nützlich wäre, sich nut Worten auszutoben. Und nimm eine Feter, hebe sie auf und ächze dabei, und das Kind glaubt an ihre Schwere.
Demolrit unterscheidet schon zwei Formen der Erkenntnis: die „dumme", rein auf sinnliche Empsindungsaualitäten gestellte, und tii- „echte" VerstanteserkeniitNis. Man darf nicht vergessen, dag fi.’> caS Kind erst au-5 Jener zu dieser, durch Sammeln sinn- llaur zur Avs:r-.ntioir entwickeln will. Daß es an
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In B e r l i n i Hugo Lubliner, In Eifenaä 1 des Allgemeinen j 1 herwarlh im 7
In der Nähe 1 riß auf dem dein I sich vom Arme se I chchrcäen, auf-das I Kleinbahn Heranno 1. von der Maschine 1 getötet.
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Vierzig Zogli I ließen die Anstall zu protestieren, i eine Untersuchung
Aus Prag . SlaDijt Professor
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