Ausgabe 
3.7.1911 Erstes Blatt
 
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Saarbrücken den Austritt aus dem Hansa- bnnd. Ferner zeigten ihren Austritt aus dem Hcmsa- bund an: Der Vorsitzende des Stahlwerksverbandes, Kom­merzienrat Roechlincj-Bölklinghausen, Mitglied des Direk- toriun'.s und Großen Ausschusses des HansabundeZ, die Mitglieder des Tirektoiiunis des Zentralberbandes deut­scher Industrieller Major v. Bopelins, Dr. Title, der Ge­schäftsführer der Ortsgruppe Saarbrücken, der General­direktor der Burbacher iuitte, Kommerzienrat Weisdorff, das Mitglied des Gesamtausschusses und Vorsitzender der Orts­gruppe Saarbrücken, vüttendircttor Müller-Neunkirchen, in Firma Gebr. Stumm, Mitglied des Gesamtausschusses, und die Vorstandsmitglieder Kommerzienrat Roth, Rocchting und Dr. v. Vopelius.

Deutsches Aereh.

Die Kaiserin empfing den hessischen Gesandten Frciherrn von B i e g c l e b e ii in Audienz.

DieNorddeutsck'e Allgemeine Zeitung" Itemerft zu der Ver­handlung Mer den freisinnigen Antrag tvegen des preußischen Wahlrechts: Auch wenn dieser Antrag nach dem Wunsche der Antragsteller bereits zu Beginn der Session zur Verhandlung gekammen wäre, bezweifeln wie, daß er die erhoffte Aktion der Regierung zur Folge gehabt höüc. Denn in den Voraussetzungen für das Gelingen einer solchen Aktion hat sich seit dem Scheitern des früheren ReformvlN'suck»s nichts geändert. Ein fachlicher Er­folg war von denr Antrag nicht zu erwarten. Durch die Ab- itinmiungcit nmrde wieder nur nach der negativen Seite fest- gestellt, das; die Abgrenzung der Wahlkreise nach der Bevölke- rnngszahl sowie die Uebertragung des Reichstagswahlrechts und dabü insonderheit die Einführung des gleichen Wal;lrechts von der Mehrheit des Abgeordnetenhauses abgelehnt werden. Ver- schiÄenrlich ist eine Aufklärung darüber vermißt worden, ob und intwresern sich die Stellung der Regierung zunt vreußischen Wahl- rccht durch ihre Stellung zur elsaß-lothringischen Verfassung^, refvrnr veränderte. Die Antwort hierauf ist vorn Reichskanzler bereits im Reichstage bei der Einführung der rcichsländisch m Verfastungsgesetze gegeben worden. Der Reichskanzler hat damals ansgefiührt, daß die Ordnung des Wahlrechts in einem Lundes - stadte oder im Reichslcurd völlig unverbindlich ist für die Gestaltung des preußischen Wahlrecht S.

107 G r v ß - B e r l i n e r e v a n g e l i s che G c i st l i ch c, die der politiven geistlichen Vereinigung angehören, erklären zum ^-al l c t bo, daß sie auf dem Boden des biblischen Christen­tums stehen und ihre Gemeinden bitten, mit ihnen bei dem Ernste der Zeit umso entschiedener dem Bekenntnis der evangelischen Landeskirche die Treue zu halten.

Von einem Streit der W e r f t t e ch n i ke r wurde von vergebenen Zeitungen berichtet. «Wait erfährt hierüber, daß den Tenchikern der Marincbehvrden ein neuer Vertrag vor- gelegt lpurde, der sie ihres seitherigen Charakters als Beamte entfterdet. Er gewahrt das Gehalt bei Kranchcik nur bis zu 14 -Lagen imb besagt ferner wörtlichdauert die Krankheit länger als Vier Wochen, so wird in der Regel gekündigt". Ein Anspruch aus Urlaub besteht nicht. Sountagsarbeit und Uebcrftunben werden nabt bezahlt. Ein Erfinderrecht erkennt der Vertrag nicht an dadurch ist der Vertrag so unsozial wie möglich und eines Reichs- 9tttUo§ Die Weigerung, sich diesen Verschlechterungen

ihrer 2agc zu beugen, müssen die Marinctechniker nunmehr mit ihrer Entlassung büßen. Das Reichsmarineanit hat damit be- wresen, das; es nicht gewillt ist, die so notwendige Besser-ung der io saften Verhältnisse in seinen Betrieben herbeiz-uführen, sondern eher geneigt ist, sie zu verschlechtern. Der Deutsche Tech- utke r- V e r ba n b, ber die Altivn zur Verbesserung der sozialen Verhaltmsse üt den Marinebe tri eben cingelcitct Hut, wird die Betroffenen mit dem ganzen Gehalt unterstützen und die tech>- mschen Verblrnde werden den Marinebehörden keine technischen Arbeitskräfte vermitteln.

Ausland.

Der türkische Thronfolger Prinz Jussuf Jzzedin ist in Rom eingetroffen und am Bahnhofe vom König und den Spitzen der Behörden empfangen worden.

Rach einer in Paris von den sozialistischen Studenten und der sogen, revolutionären jungen Garde abgehaltenen Ver­sammlung, itt der gegen das jüngst unter dem Vorsitz des Straßburger Exstudenlcn Munk stattgehabte Meeting Protest erhoben wurde, kam, es zu einer argen Rauferei zwischen den sozialistischen Studenten und den Camelots du Roy. .Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor.

DieDaily Rews" melden den einstimmigen Beschluß des englischen Kabinetts, dem Könige demnächst den Mt zu erteilen, seine Prärogative auszuüben und neue Peers zu ernennen, wenn das Oberhaus seine ^lhänderungsanträge zur Vetobill nicht fallen lassen wollte.

Der spaitische Mini st errat beschäftigte sich mit dem Einspruch des deutschen Botschafters gegen die Be­schlagnahme des deutscheil DampfersGemme" bei Corbuion in der Nähe von Carurm, rvelchcr im Verdacht stand, Waffen für die portugiesischen Monarchisten zu führen. Tie Untersuchung soll ergeben haben, daß die Papiere derGemme" in Ordnung waren und die Ladung nach Genua bestimmt war.

Der nach der Suche nach dem entführten Ingenieur Richter betraute .Hamid Bey reifte mit 200 ausgewählten Soldaten nach Khafferina und von oort nach Kotinvpia und Livadia. Er wirb so weit Vordringen, als die Spuren reichen. Er ist überzeugt, daß er den Aufenthalt der Räuber ausfindig macht. Er kennt Lollios mld Strati als verwegene, zu allem fähige grausanie Gesellen. Wenn der vorher mit der forzierteren Verfolgung be­auftragte Truppenkommandant Halib Bey vorsichtig operiert habe, so hoffe er, Richter noch retten zu können.

Der Neubau der Siegener Amtsgerichtsgebäudes.

Von dem Landtagsabgeordneten Juftizrat Grünewald erhalten wir folgende Zuschrift:

Das Eingesandt betr. den Neubau bes Gießener Amtsgerichts gibt mir Anlaß, Sie zu ersuchen, bic beifolgenbe Zuschrift des Vorstandes des Obcrhenischen AnwaltSvercins an mich gefälligst zum .Mdruck zu bringen und folgenden Bemerkungen Aufnahme zu gewähren.

Die Stadtverordnetenversammlung hat die Frage, ob das neue Gebäude notwendig und zweckmäßig ist, niemals zu erörtern gehabt: als die Angelegenheit einmal in meiner Anwesenheit »ur Sprache kam, habe ich es als im Interesse der Gerichte, der .Anwälte und der Rechtssuchenden, also im Interesse der Rechtspflege für höchst bedauerlich erklärt, daß man die .Gerichtslokalitäten in zwei Gebäude legen wolle. Es wurde mir gerade wie cs das Eingesandt tut entgegnet, es schade nichts, wenn die Anwälte sich umziehen müßten, der Hanbwerks- mann sei oft in gleicher Lage. Ich hatte selbstverständlich diesen nebensächlichen Umstand nur nebenbei erwähnt, beschränkte mich !aber darauf, dem Redner zuzurufen, er möge sich beruhigen, der Bau sei ja genehmigt, seine Wiesen würden hierdurch zu wert­vollen Bauplätzen. Daraufhin war er beruhigt, denn das mar das Einzige, was ihm Sorge gemacht hatte.

Wenn nun Richter und Anwälte mir nahe legten, noch ein­mal den Versuch machen, ob der ungeheure Unsinn, als der der geplante Neubau sich darstellt, nicht vermieden werden kann, so habe ich vom Standpunkte meiner Pflichten als Stadtverordneter wie als Landtagsabgeordueter aus mich dahin entschieden, daß ich bieten freilich schwierigen Versuch unternehmen müsse. Daß ich niich in Erkennung dieser Pflicht nicht kümmere um baS Geschrei einiger Interessenten, bas gebietet mir die Ehre und geitattet mir meine Unabhängigkeit. Haben jie doch gestern bc- reits die Einberufung einer außerordentlichen Stadtverordneten- Ntzung begehrt, um meiner.Anregung cntgegenzutreten. Ich will cherbei, wie ich oft schon getan habe, betonen, baß für bas Rordostvieitel getan roerben muß, was getan werben kann ein überflüssiges Gerichtsgebäube nützt diesem Stadtteil im Ganzen nichts, sondern nur einigen .Wiesenbesitzern.

Ist der Neubau nicht oder nicht mit dem großen Kostenauf­wande nötig, können einige hunderttausend Mark gespart werben, so muß der Landtagsabgeordnete Regierung und Stände hieran' Hinweisen, zumal in einer Zeit, in der an allen Ecken, an den halben Bogen, den Gehältern, den Beamten, gespart werden soll.

Es liegt aber auch im wolstverstandenen Interesse ber Stadt Gießen, ich meine ber ganzen Stabt, daß nicht Staats­gelber unnötig hier verbaut werden. Es wird den Ansorde- rungeit, die für Gießen in Betracht kommen, jeweils entgegen­gehalten, daß für Gießen zuviel geschehe es leidet die Er­füllung anderer dringender Wünsche Not, wenn ohne zwingenden Grund Staatsmittel hier investiert werben. Das neue Amts­gerichtsgebäude bringt zwar einigen Leuten im Norboften Vor­teil, es bringt ber Mlgememheit feinen Nutzen. Jeder Student, beit die Ohrenklinik, die Hautklinik, das zahnärztliche Institut, die Kinderklinik anzicht, bringt jährlich Tausende von Mark in die Stadt, nicht zu gedenken der sonstigen weniger materiellen Vorteile, welche dem Gemeindewohl erwachsen, wenn die Bedürf­nisse, die ich damit andeute, endlich erfüllt werden. Und ihrer sind noch viele.

*

Das in dieser Zuschrift erwähnte Schreiben des Vereins oberhessischer Rechtsanwälte an Landtagsabgeordneten Grünewald besagt folgendes:Der Verein der oberhessischen Rechtsanwälte sieht sich veranlaßt, nachdem Sie zum Landtagsabgeordneten der Stadt Gießen erwählt worden sind, hiermit im Interesse der Rechtspflege an Sie das dringende Ersuchen zu richten, durch eiilsprechende Anregungen und Anträge im Landtag mit aller Entschiedenheit dahin wirken zu wollen, daß die Ausführung der leider von beiden Kammern der Stände debattelos angenommenen Regierungsvorlage den Neubau eines Amtsgerichts zu Gießen betreffend unterbleiben möge.

Man ist in Gießen nicht nur im Anwaltskreisc, sondern ebenso in den Kreisen der Richter und aller ber Personen, welche in bem Gerichtsgebäube öfters zu tun haben, im höchsten förabe, gelinbe ausgedrückt, erstaunt darüber, wie man ohne jeden ersichtlichen Grund von Regiernngswegen für das hiesige Amtsgericht ein Ncubauprojekt aufstellen konnte, dessen Ausführung der seither zur allgemeinen Zufriedenheit bestehenden Vereinigung des Land- und Amtsgerichts in einem Gebäude jäh ein Ende machen wurde, indem dadurch hier mit großen Kosten eine Trennung beider Gerichte hcrbeigcsührt würde, während man überall sonst, so z. B. in Darmstadt, mit erheblichen Kosten in glücklicher Weife eine Vereinigung ber bis babtit getrennten Gerichte herbei- geführt bat.

In den Kreisen der Anwälte, welch letztere darin ganz eiu- ftimmig sind, vermag man zunächst ii i <d) t cinzuseheu. baß ber Neubau eines Amtsgerichts überhaupt nötig sei. Es kann sich boch für einen Zeitraum von mindstens 10 Jahren uub länger nur darum handeln, etwa drei bis vier weitere Zimmer für das Amtsgericht zu beschaffen, welche durch die Anlegung des Grundbuchs notwendig geworben sind. Diese Räume konnten aber, zumal eine Abnahme der Arbeitslast bes Land­gerichts bereits cingetreten ist und noch weiter zu erwarten steht, sehr gut dadurch beschafft werden, daß das Landgericht einen seiner vier Sitzungssäle, von denen stets nur zwei gleichzeitig gebraucht' werden, und eventuell auch das nie benutzt werdende Plenarzimmer an das Amtsgericht abgäbe.

Wäre aber dies wider.Erwarten nicht ausführbar, so könnten in einem Nachbarhause auf beiden Seiten des Justizgebäudes ein paar 3immer gemietet ober es könnten solche bitreh einen Anbau aii das bestehende Gebäude oder endlich durch einen kleinen billigen Seitenbau in dem zum Justizgcbände gehörigen Garten geschaffen werden.

In allen diesen Fällen wäre es doch möglich, daß die hiesigen Anwälte, welche sehr häutig am Amtsgericht und Land­gericht gleichzeitig beschäftigt sind, ihre Termine gleichzeitig an beiden Gerichten wahren könnten, was im Interesse nicht nur der Anwälte, sondern vor allem im Interesse der Rechtspflege unbedingt notwendig ist.

Dasselbe ließe sich auch endlich dadurch erreichen, daß eins der beiden Nachbargebände an der Ost-Anlage, die beide zu haben sind und sogar bem Fiskus zum Ankauf angeboteit sein sollen, erkauft und baulich mit bem jetzigen Justizgebäubc vereinigt werben könnten.

Man hat alle biesc Projekte, die sämtlich in den Vorver­handlungen erörtert wurden, fallen gelassen und aus bem Anwalts­verein nicht bekannten Grünben ein Projekt ausgearbeitet, wonach hinter bas Arresthaus in sehr erheblicher Entfernung vom jetzigen Gebäude mit fehr großem Kostenaufwand bas neue Gebäude hm- gestellt werden soll.

Dabei verlautet allerdings, daß das Gebäude mit dem alten durch einen verdeckten Gang verbunden werden soll. Wie das aber bei der großen Entfernung des projektierten Neubaues von dem jetzigen Gebäude möglich sein soll, ist schwer verständlich. Die Entfernung ist vielmehr zu groß, als daß ein Anwalt, der an dem einen Gericht btzschästigt ist, bei Aufruf seiner Sache am anderen Gericht durch den Gerichtsdiener gerufen werden könnte, wie dies jetzt der Fall ist.

Welch schwere Nachteile aber dadurch für beit Geschäftsbetrieb unb namentlich für denjenigen nm Landgericht eintreten würden, brauchen wir Ihnen als erfahrenen .Anwalt im einzelnen nicht darzulegen.

Wir erachten es überhaupt nicht für notwendig, über die durch die Ausführung des Neubaus drohenden Nachteile sowie bic ver- chiedcnen Möglichkeiten, wie dieselben durch andere Maßregeln verhindert werden könnten, uns ausführlicher zu verbreiten, da Ihnen ja die hiesigen Verhältnisse auf .Grund Ihrer eigenen Wahrnehmungen genau bekannt sind.

sJiur darauf wollen wir noch aufmerkfam niachen, daß in den in Darmstadt erscheinenden Hessischen .Volksblättern vor einiger Zeit zwei Artikel erschienen sind, die sich mit ber ganzen An­gelegenheit befassen unb teilweise noch beachtenswerte Gesichts­punkte enthalten. In biejen Artikeln ist u. ci. ausgeführt, baß ich sowohl ber Herr Laiibgerichtspräfibent wie ber dienstaufsichl- ühreude Richter im Interesse ber Rechtspflege gegen bas jetzige Projekt ausgesprochen Latten. Ob unb inwieweit dies richtig ist, können wir selbstverständlich nicht beurteilen: doch muß, da diese beiden Herren mit den tatsächlichen Verhältnissen genau bekannt sind, aus sachlichen Gründen angenommen werden, oaß Die Annahme jenes ArtikekverfafferS richtig steht.

Dem mag aber 'sein, wie ihm wolle, jedenfalls werden Sie ich, geehrter Herr Kollege, um die Rechtspflege, um bic Inter­essen unseres Vereins unb vor allem auch in finanzieller Hinsickst um bas ganze Laub ein erhebliches Vcrbienst erwerben, wenn es Ihnen gelingen sollte, die..Ausführung des fraglichen Projektes zu verhindern. Wir legen daher hiermit die meitcrc Förderung dieser Angelegenheit vertrauensvoll in Ihre Hande.

Mit kollegialer Hochachtung!

gez. Metz, Justizrat, Vorsitzender.

gez. Mcndelsohn, Rechtsanwalt, Schriftführer.

Ans Stadt nnd CaitOe

Gießen, 3. Juli 1911.

** Land esuniv erst. tät. Der Großherzog hat zum 1. Juli die Privatdozenten: Dr. phil. Jan Versluys in Gießen zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät, den Sic. theol. Paul Glane in Gießen zum außerordentlichen Professor bei der theo­logischen Fakultät und den Landgerichtsrat Dr. Julius Friedrich in Gießen zum außerordentlichen Professor bei der juristischen Fakultät ernannt.

LU. "Auf ein gelegentlich des Jahres festes der Landes-Universität an den Großherzog als den rector magnificentissimus gerichtetes Telegramm ist noch am Nachmittag des 1. Juli folgende Antwort eingelaufen: Ihnen allen aufrichtigsten Tank für den Ausdruck freundlichen Gedenkens. E r n st L u d m i g.

* Eine Veränderung in dem Personal der Krcisbauinspektionen der Kreise Gießen, Alsfeld und

Lauterbach wird am 1. Oktober d. I. cintreten. Der Kreis- bauinspektor Hechler in Lauterbach wird an Stelle des in den Nuhestand tretenden Baurats Die hm nach Gießen unb der Kreisbauinspektor Fischer in Alsseld nach Lauterbach versetzt. Mit Versetzung der Stelle des Kceisbauinspektors in Alsfeld ist der Vorsteher des dortigen Hochbauamts, Baurat Berth, in Aussicht genommen. Eine Neubesetzung der letzteren Stelle wird vorläufig nicht eintreten, da wohl das Eingehen dieses Hochbanamtes mit der beabsichtigten Neu­organisation im Bauwesen zu erwarten ist. Die Funktionen des Hochbauwesens werden künftig durch die betreffenden Kreis­bauinspektoren mitversehen.

"In dem Llbonnementskonzert unserer Regi- mentsmusik am nächsten Donnerstag tritt der Posaunenvirtuose Paul Weschke, König!. Kammermusiker aus Berlin, auf. Herr Weschke, der Lehrer an der König!. Hochschule für Musik ist, beherrscht nach uns vorliegenden Rezensionen au§ Berlin, Bad Kissingen, Wiesbaden, Magdeburg, Nordhausen, Weimar unb Danzig sein Instrument meisterhaft, so daß den Be­suchern des Konzerts ein genußreicher Abend in Aussicht steht.

" Unvorsichtig. Der Ofensetzer Höß fuhr ver­floßenen Samstag mit seinem Fahrrad durch die Weidengasse und rannte in den Neuen-Bäuen gegen einen Wagen der elektrischen Straßenbahn. Höß wurde zu Boden geschleudert und blieb bewußtlos liegen. Außer Quetschungen hat er jedenfalls keine Verletzungen erlitten, da sich sein Zustand be­deutend gebessert hat.

* Diebstähle. In letzter Zeit sind wiederholt aus Hausgärten zum Trocknen aufgehängte Wäschestücke gestohlen worden, ohne daß es bis jetzt gelang, die Täter zu ermitteln. Aus einem Garten in der Moltkestraße wurden in der Samstagnacht wieder zwei Dutzend Herren- und Samen» strümpfe gestohlen.

Landkreis Gietzcn.

O Klein-Linden, 2. Juli. Unter sehr starker Be­teiligung wurde heute das 2 0. Stiftungsfest des Gesang-- VereinsArioii" abgehalten. .Zahlreiche Ehrenpforten rvaren errichtet. Gestern abend wurde eine Vorfeier abgchalten. Der Verein veranstaltete einen L am Pion zu g durchs Dorf nach dem Festplatz, wo die Gesangvereine unb bic Friedberger Öhftiffdjiulc die Feier verschönten. Heute vormittag begann um 9 Uhr in derDeutschen Eiche" ber Gesangswettstreit, an dem 13 Vereine teiluahmcn. Ilm 2 Uhr wurde bei; Festzug aufgestellt, in dem etwa 30 Vereine marschierten. Auf geschmückten Rädern fuhren die Radfahrer voraus, ihnen fchlosfcn sich die Fcstjungfraucn tut. Auf bem Festplatze hielt Lehrer A. Boßler eine Ansprache über bic Bedeutung des Gesangs. Fräulein Muric Germer üibcrrcidrtc eine blaue Fahnenschleife, gestiftet von den Jungfraueii des Dorfes. Festpräsident Joh. Germer dankte namens des Vereins und brachte ein Hock; auf die Spenderinnen aus. Nack) den Gesangs­vorträgen konzertierle die Friedberger Musikschule. Um 6 Uhr fand bic Preisverteilung statt. Sie hätte folgendes Ergebnis: A. ©tabtflaifc: 1. Preis mit 239 Punkten: Brod!scher Männergcsangvereiii Hanau, 2. mit 225 Punkten: Gemütlichkeit Gießen. 3. mit 215 Punkten: M a schin en bauer-Gesangvc rein Gie­ßen. B. Land klasse: Klasse 1: 1. Preis mit 225 Punkten: Heiterkeit Annerod, 2. mit 196 Punkren: Iugendgrund-Wieseck: Klasse 2: J. mit 211 Punkten: Koift'ordia-Mündcholzhausen, 2. Teutonia-Heuchelheim, 3. Uhland-Weilmüuster und Harmonie <Ja u bad), 4. Hilaria-Holz haus eit, 5. Eintracht-Ehringshausen: Klasse 3: 1. Harmonie-Reiskirchen mit 185 Punkten, 2. Mämici- gejangnercin Lützellinden. Beim Ehr e npr ei s s in gen siegten: 1. Brodtscher Männergesangvercin Hanau mit 121 Punkten, 2. Heiterkeit-Annerod mit 112 Punkten, 3. Eintracht-Ehringshausen mit 107 Punkten, 4. Harmonie-Reiskirchen mit 101 Punkten.

Bellersheim, 1. Juli. Heute ist der seitherige Vorsteher des hiesigen Bahnhofs, Herr Schmidt, nach 35jähriger Dienstzeit und längerem Kranksein in den Ruhe- tand getreten und hat seinen Wohnsitz in Langsdorf, der Heimat seiner Frau, genommen. Wir haben in ihm einen äußerst gewissenhaften, sehr achtbaren Mann kennen gelernt, der im Verkehr mit den Leuten stets ein zuvorkommendes, gefälliges Wesen zeigte.

Kreis Friedberg.

X Bad-Nauheim, 2. Juli. Die hundertjährige Wiederkehr des Tages, an dem in der Hasenheide der erste Turnplatz eröffnet wurde, wurde heute vorn hiesigen Turnverein durch eine Waldseier nachträglich festlich be­gangen. Ein Festzug bewegte sich nach dem Waldhaus im Hochwald, wo unter den 100jährigen Eichen Dr. Strecker die Festrede hielt, in der er des Lebens und der hohen Be­deutung Jahns für die vaterländische Sache in begeisterten Worten gedachte. Daraus boten die verschiedenen Riegen des Turnvereins noch Unterhaltung durch Darbietung turnerischer Aufführungen, wahrend die Gesangsabteilung unter Leitung von Musillehrer Margnth noch durch verschiedene Chöre cr- sreute, die stimmungsvoll in den erhabenen Walddom hinein- schallten.

Kreis Schotten.

O Ober- Schmitten, 1. Juli. Der Lehrling eines hiesigen Ätetzgermcisters, ein Waisenknabe, wurde so vom Wandertrieb ergriffen, baß er seinem Lehrherrn entlief und sich dem Rhein zuwandte. Er wurde in Oberlahnstein sestgenonnnen und seinem Meister wieder zugeführt.

Kreis Wetzlar.

== Atzbach, 2. Juli. 'Am Samstag nachmittag wurde unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde die Weihe des Schulhauses vollzogen. Erschienen waren: Laudrat Dr. Sartorius, Krersbaumeijter Eichhof, Kreis-ausschuß- sekretär Wieser und Svarkassendirettor Hoof. Pfarrer S o h n i u s - Dorlar hielt Sie Festrede, in der er interessante Mitteilungen über bic früheren Schulverhältnisse gab. Bürgermeister Brann-Krofdorf wies daraus hin, daß die Gemeinde ein großartiges, mustergültiges Schul Haus gebaut habe, wonach Die Schlüsselübergabe erfolgte.

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 3. Juli. In Niederrad ver­suchte der Stellmacher E. Schreiber seine fünf Kin­der zu ermorden. Den drei ältesten .itinbern gelang es, sich schwerverletzt auf die Straße zu flüchten; die beiden jüngsten sind tot. Die Ursache sind traurige Famittenverhältnisse.

w. Homburg v. d. H., 1. Juli. DerTaunus­bote" beging heute das Fest seines 50jährigen Be­stehens.

nationaler Deutscher Rundfiug.

Köln, 1. Juli. Wegen überaus ungünstiger Witte­rung konnte der Mslug heute früh in Köln nicht statt- finden. Der Flieger Hoffmann ist, da sich das Wetter gegen Abeiid etwas gebessert hatte, um 6.30 Uhr nach Dort­mund aufgestiegen. Er mußte nach rascher Fahri fünf Kilo­meter vor Dortmund bei Blackenhorst Wege n Benzin- mangels' eilte Zwischenlandung vornehmen.