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26.4.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 97

scheint tL-llch mit Ausnahme des Sonntags.

mer

Straße 86, hier.

TieGießener KamMenblStte^ werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Urei,blatt für den Breis Gießen" zweimal wöchentlich. Die Landwirtschaftliche« Seil» fragen" erfcheinen monatlich zweimal.

wählten Ausschuß an der Spitze. Das Kapital ist in größeren ober kleineren Anteilen in den Händen des Personals selbst. Der Louvre" dagegen vertritt das rein kapitalistische Unternehmer syslern. DerPrintemps" hat eine gemischte Verfassung.

Mittwoch, 26. April 1911

-Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'schen Universität» - Buch- und Eteindruckerei.

9L Lange, Gießen.

Aus KtttSt und Land.

Gießen, 26. April 1911.

* T i e ältesten Zeitungsanzeigen. Während all» gemein angenommen wird, daß der englische Erwerbsgeist damit angesangen hat, die periodisch erscheinenden Zeitungen .;u An zeigen zu benutzen, nimmt die chinesische ZeitungKinPana", die nebenbei gesagt, auch die älteste Zeitung der Welt tu, für sich den Vorzug in Anspruch, als erste in ihren Spalten be zahlte Inserate ausgenommen zu haben. Dieses offizielle Mic gierungsblatt des chinesischen Reiches, dessen TitelKln-Pana" in wörtlicher UeberjctzungVater der Presse der Welt" lautet, geht in seinem Ursprung bis aus das Jahr 989 n. Ehr. zurück, begann im Jahre 1361 wöchentlich zu erscheinen, tommt, seit 1800 täglich heraus und begann von 1457 an im Anschluß an seinen Handelsteil bezahlte Anzeigen auszunehmen. Tie nächsten nach ihnen sind allerdings Die Engländer. Einige aus dem Jahre 1588 stammende Zeirungsnummern des English mercurv enthalten Anzeigen von eben erschienenen Büchern, deren dem Zeitgeschmack huldigende Titel einen recht absonderlichen Wort­laut, wieSeufzer aus der Hölle" oderTie erschrecklichen Greueltaten des grausen Menschenschläck)ters Tonnerlan in Per­sien", haben. Die erste seit 1622 regelmäßig erscheinende eng lische ZeüungWeekly News" nahm anfänglich gar keine Inserate auf; diese wurden erst um die Mitte beeil'/. Jahrhunderts häufiger. Tie schon damals stark entwickelte Jagdleidenschaft der Engländer brachte es mit sich, daß es 'ich bei Den Anzeigen viel­fach um verloren gegangene kostbare Hunde handelte, wobei die Meute König Karls II., des 1660 auf den Thron gerufenen Stuarts, den Vorzug der Einrückung an hervorragender Stelle besaß. So heißt es in einer Zeitungsnummer aus dem 3abr. 1663wir müssen wieder nach einem schwarzen Zagdhuno, einer Pttcuzung zwischen Windspiel und Wachtelhund fragen, ohne Ab zeichen außer ein an weißen Streifen auf der Brust und mäßig ge stutzt em Schwänze, der dem König sicher gestohlen ist, da er nid): in England geboren und großgczogen ist, feinen Herrn also nie freiwillig verlassen würde. Warum hört man Denn nie auf, die Majestät zu bestehlen? Der König muß sich dock einen Hund halten!" Schon in Den ersten Zeilen des Anzeigenwesens tauchen auch, breiten Rmim einnehmend, die prahlerischen Anzeigen von Geheimmittelschwindlcm und Kurvmschcr.c auf, denen sich Zauber­künstler, Athleten und Boxer würdig anschließen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Sckml- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion. 112. Teb-AbrsAnzeigerDießen.

Au; dem hessischen Zinanzaurfchuh.

R.B. D arm st ad 1,25. April.

Die deuische Strafrechtsreform.

TerReick»s- und Staatsanzeiger" gibt aus den bisherigen Beschlüssen deL am 4. April im Reichsjustizamt znsammengc- tretciien S tr a f r e ch t s a us s ch folgende Beschlüsse zu den 1 bis 12 bekannt:

Tie Dreiteilung der strafbaren Handlungen in Verbrechen, Vergehen und Ucbertretungcn soll beibehalten werden. Die zeitliche und räumliche Geltung des Strafgesetzes will der Ausschutz im wesentlichen nach den Vorschlägen des Borentwurfs, jedoch mit verschiedenen Ergänzungen regeln. Beim Wechsel der L-trafgesttz- gebung soll grundsätzlich das dem Täter günstigste Gesetz an- geroenbet werden. Für bas Einführungsgesetz sinb gewisse lieber» leilungsbeslimmungen Vorbehalten, insbesonbere über bie Aenbe- rungen im Strasvollzug. An bem Territorialprinziv bes § 3 des Vorentwurss ist festgehalten. Dabei sind bie beutschen Schutzgebiete und Konsulargerickstsbezirle ausdrücklich bem Inland gleichgestellt. Als Zeit ber Begehung soll bie Zeit anzusehen sein, zu bet bet Handelnde tätig gewesen ist, als Crt ber Begehung bagegen jeber Ort, wo ber Tatbestand der strafbaren Hanblung ganz ober teilweise sich verwirklichte.

Die Bestimmung im internationalen Strafrecht, baß straf­bare Hanblungen eines Deutschen im Auslanbe im Inlanbe auch dann verfolgbar sind, wenn bie Tat nach bem am Begehungsort gclteubcn Recht straflos ist, lehnt ber Ausschuß ab, bagegen stimmte er den Vorschlägen hinsichtlich ber W e l t v e r b r e ch e n zu, b. h. öer Delikte, bie ohne Rücksicht aus bie Staatsangehörigkeit des

Der Halfer in Korfu.

Achilleion, 25. April. Ter Maijcr besichtigte das LinienschiffErzherzog Franz Ferdinand" ein gehend und sprach sich ancrleiMicnb über bin Zustand b.s Schiffes, namentlich über bie Uebcrfichtlichkcst des gaitg.it Baues unb die Klarheit der Decke aus. Er brückte seine Anerkeilnung baburd) aus, daß er noch ben ersten Offizin, Korvettenkapitän Graf (So lorebo mit bem Roleit Ablerorben 3. Klasse bedachte. ^Noch vom Flaggschiff aus telegraphierte der Kaiser an Kaiser Franz Josef die Freude anssprechend, Gelegenheit gehabt zu haben, seine Schisse zu sehen.

Korfu, 25. April. DaZ österreichisch-ungarische Geschwader hat heute nachmittag Korsu verlassen.

Lin preuhischcr Eisenbahnanleihegesetz, das dem preuß. Abgeordnetenhaus zugegangen ist, fordert insgesamt die Summe von 263 376 000 2)1 L Im einzelnen werden gefordert zur Herstellung weiterer Ge- eise auf bestehenden Strecken28410000 Mk., zum Bau von 4 neuenHaupteisenbahne n(Witten-West nach einem geeigneten Punkte der Bahnstrecke Schwelm- BarmenRittcrshausen, von Mors nach Geldern, von Wiesenburg nach Roßlau, von Nienburg a. Weser nach Min­den i. W.) die Summe von 51864000 Mk. Für den Bau von Nebenbahnen wird eine Summe von 46 493000 Mark gefordert und zwar für folgende Nebenbahnen (Bar­tensteinHeilsberg, MogiliwOrchheim, TarnowchMi- tultschuy, FlatowDeutsch-KroneZastrow, TorgauBel­gern, Mansfeld-Wippra, UclzenTannenberg, Eichenberg Velmeden, MeinerzhagenOlge, PolchMünstermaiseld. Zur Beschaffung von Fahrzeugen für diese Strecke fordert der Entwurf die Summe von 818o000 Mark. Zur Errichtung elektrischer Zugförde­rung werden 27 330 000 Mk. gefordert (für die Strecke MagdeburgBitterfeld 17 430 000 Mk., für die schlejischcn Gebirgsstrecken LaubanDittersbachKonigszclt mit ihren Zweigstrecken HirschbergGrünthalSchmiedeberg, Ruh­bankLicbau, NicdcrsalzbrunnHalbstadt 9 900 000 Mart). Ferner fordert der Entwurf 3 500 000 Mk. für den Ausbau der Nebenbahn PosenSchneidemühl zur Hauptbahn, 4 530 000 Mk. für den Bau einer rechtsrheinischen Eisenbahn­verbindung zwischen Mülheim a. Rh. und Kall-Süd bei Köln an Stelle der aufzugebenden Schifsvrückenlinie und 5 048 000 Mark zur Deckung von Mehrkosten für bereits genehmigte Bauausführungen. 82 Millionen Mark werden gefordert zur Beschaffung von Fahrzeugen für die bestehenden Staats- bahncn unb 6 Millionen Marl zur weiteren Förderung des Baues von Kleinbahnen.

Zur Herstellung eines weiteren Geleises auf der Strecke Friedrichsdorf int Taunus Friedberg-Hessen werden 3 0.8 000 Mk. gefordert.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhesien

Wölfersheim sich bereits eine Brikettfabrik befinde und andere am Main und in der Nähe von Kassel, die der staat- ichen Grube Hessens eine lebhafte Konkurrenz bereiten dürften. Die Beratung über diese Vorlage wurde gegen 2 Uhr abgebrochen und soll morgen vormittag fortgesetzt werden.

parifer Warenhäuser.

W. Paris, im April.

Die Weltausstellung 1920 wird anscheinend nicht zustande kommen unb bie Pariser atmen auf. Nickst einmal bie Gasthaus- bejitzer wollen von der neuen Weltkirmes etwas roinen. An bie Stelle einer allgemeinen Weltausstellung sollen^ internationale Au'stellnngen für bestimmte Gebiete ber Kunst, Technik, Wistcn- sck.aft treten. Eine Ausstellung für Kunstgewerbe und dekorative Kunst soll 1914 ober 1915 ben Anfang machen. Wir halten auch dies Unternehmen für überflüsfig, denn Paris ist so wie w eine staubige Weltausstellung. Alles, nxts überflusttg ift, ist,auch des­halb schon schädlich. Fede internationale Ausstellung nimmt dem Paris, Das wir lieben, etwas von seinem einzigartigen Reiz, xie Boulevards, die Avenue de IDpera, die Rue de la Paix find Ausstellung genug. Zn jedem Schaufenster können wir tranzostiche Kunst und Kunstgewerbe studiereii. Dazu kommt aber, batz Paris in seinen großen Warenhäusern fortwährend AusstcUungspalastc ausweist, bie auch ben verwöhntesten Gefchmack befriebigen. -tu Magazine ber deutschen Großstädte mögen praktischer angelegt, moberner, kolossaler sein. Es fehlt ihnen aber, wie so vielen Stabten bes amerikanisierten Neudeutschlanb, bie Geschichte, bie Überlieferung. ~ m _ ....

Die Pariser Galerien sinb ein Stück Pariser Kunstgeschichte. Wie hübsch sind schon bie Namen. Nehmen wir B. dieBelle Jordiniere". Sie ist schon eine alte Dame, Denn sie stammt aus der Restaurationszeit. Damals war sie ein kleines, schwächliches Ge­schöpf. Heute sitzt sie breit unb behäbig auf ihren Millionen am Poiit-Neuf. Jeder Jüngling, der in einem fertigen Anzug seiner Schönen ben Kopf verbreiten unb ihr Herz erobern will, geht zur Bellt» Jardiniere. Das Warenhaus würbe einst mit einem Kapital von brei Millionen gegrünbet, bas freilich niemals eingezahlt wor den ist. Heute beläuft sich ber Jahresumsatz aus etwa aO Millionen. Jedes Stadtviertel hat heute seine vefonöeren Galerien. Da haben wir benPetit Saint-Thomas,Hotel de Ville", benPygma­lion", bieTrois Quartiers", bieVille Samt-Denis", benGagne Petit", bieMenagere",Chateau dEau",Place Blanche". Sie alle arbeiten nach bcnifclben System, das ben vor zwei Jahren verstorbenen 200fachen Millionär und Kunstsammlcr Ehauckiarb zum Ersinber hat. Ehaucharb loar Laben,ünglmg imPauvre Diable", ber mit 15 Franken Monatsgehalt an fing, unb bessen Ehrgeiz über bie 100 Franken nicht hinausgehen zu bürfen schien. Aber ber junge Mann hatte Genie unb Glück Er fand einen Geldgeber, mit dessen Hilfe er fein ^Warenhaus zumLouvre" gründete. Das war 1855. Das erste Jahr brachte

lagenvoriage uno Die vuriaftung einer öl neu.- fabrik bilden werden. Es wurde zunächst eine Anzahl Vorstellungen erledigt, so namentlich die der Aktuare Distel und Genossen und der Steueraufseher, betr. Schifssbeblet- tung, .Kleidergelder und Rangveryältnissc. Bezüglich dieser Vorstellungen, über die Abg. Dr. O s a n n berichtete, konnte zumeist den berechtigten Wünschen der Bittsteller Folge gegeben werden. Dagegen mußten die Vorstellungen der Beamten über Teuerungszulagen für erledigt erklärt wer­den, da ja bekanntlich schon gelegentlich bei Haushalts-- beraiung gegenüber dem Antrag Dr. Osann beschlossen wurde, Teuerungszulagen für das Jahr 1911 nicht zu ge­währen Der Antrag Köhler, betr. das Wasserwerk zu Lauter, wurde vom Ausschuß für erledigt erklärt, nachdem inzwischen die meisten der Müller und Triebwertbesitzer, welche durch das Wasserwerk Schädigungen erlitten hatten, vom Staat entschädigt worden sind.

Täters und dem im Auslande bekgenen Ort ber Begehung im Jnlande verfolgbar sinb. Außer H o ch v e r r a t, Münzner brechen unb Amtsdelikten deutscher Beamten soll auch der Meineid als Verbrechen und Vergehen gegen Deunckic ober gegen Reichsbeamte als Weltverbrechen angesehen werben, weiter Fraucnhandel, Sklavenraub, Sklavenhanbcl unb Ber brechen bes Sprengstoffgcsetzes. Deutsche sollen auch verfolgt werben bürien, wenn sie auf liaatcntoicm Gcbi.te eine nach bcuiidum Recht als Verbrechen anzuschenbe strafbare Hanblung begingen. Im Einführungsgefey soll zum Ausbruck gelangen, daß bic Grund sätze, bic für bie im Auslanbe von einem ober gegen einen Deutschen begangenen Delikte gelten, auch aus bic Schuygenonen Anwenoung finden. Die Vorschriften über bic Immunität ber Ab georbneten und bie Freiheit ber Parlamentsberichterstattung sind unccr änbert.

einen Reingewinn von 1500 Franken, und die Geschäftsteilhaüer zogen sich mißmutig von Chauchard zurück. Er fand aber neue Freunde, und man gründete eine Gesellschaft mit 1100 000 Franken Kapital. Das Geschäft ging aber so miserabel, daß die Anteil­scheine schließlich aus den zehnten Teil ihres WeNes fielen. Chau- chard verzagte nicht unb ertaub immer neue Tricks, z. B. bie Heinen RetlameluftballonL für bic Goren der kaufenden Mamas. 1870 bezifferte sich bet Umsatz des Louvre auf 40 Millionen und wird sich heute zwischen 120 bis 130 Millionen im Jahre be­wegen. Auch die anderen Warenhäuser sind meist von armen Teuselii gegründet, -so z. B. dieSamaritaine . Der junge Cognacg halte sich als Händler mit Zahrrnarktsware eine winzige Summe zusammcugespart, als er 1869 den kühnen Gedanken faßte dieSamaritaine" auszumachen. Drei Jahre später hei­ratete der Mann mit dem ansprechenden Namen eine Angestellte des Bon Marche", bie gleichfalls ein kleines Vermögen, ober genügenb Hunger nach einem großen hatte. Die beiben hatten zuerst schwere Seilen burchzumachen. 1880 überstieg ihr Waren­umsatz in berSamaritaine" bereits drei Millionen und heute wirb er aus etwa 70 Millionen berechnet. Ter Printemps" ist 1866 von Zalazot, bem bamaligen Chef der Seidenabteilung besBon Marche", ins Leben gerufen und wurde anfangs vom Unglück verfolgt. 1881 brannte er gar ab. Dann aber ging's rasch bergauf. Heute setzt er etwa 40 Millionen jährlich um. Mit amerikanischer Geschwindigkeit ist dieGalerie Lafayette", bie Hauptkonkurrenz besPrintemps", ein Warenhaus ersten Ranges geworben, bas einen ganzen Häuserblock entnimmt. Einen Platz für sich beansprucht beiBon Marche". Er war zuerst ein kleiner Kramladen und Weißwarengeschäst in der fernen Rue du Bac unb gehörte einem gewissen Vibau, ber es schließlich zu einem Umsatz von 500000 Franken jährlich brachte. Mit ihm vcrbanb sich Boucicaut, der damals Heiner Angestellter im

Petit Saint-Thomas" war. Boucicaut war bereits ein Manu von 42 Jahren unb batte immer noch nicht seine Jbeen oerwirk- licheu fönncu. Tiesc Ideen waren feste, augezeigtc Preise, Rabatt­verkäufe Reklameverkäufe, Gelegenheitskäufe' Kommissionstan- liömeu für bic Verkäufer, bie sogenannteguelte", d. h. Gehalts­zuschüsse für geschickte Verkäufer: 'chließlich Herabsetzung ber Preise und G.währ Tür bic Gute der Ware. Auch Boucicaut hatte zuerst Pech. Nach els Jahren belief sich ber Umsatz zwar auf sieben Millionen, aber bei dem Prinzip bes Kleingewmncs war die Einnahme nicht bebcutenö. Ter Aufschwung erfolgte erst als Boucicaut allem wirtschaften konnte. 1887 überflieg ber'Jahresumsatz 150 Millionen unb wirb heute bie 220 Millionen hinter sich gelassen haben. TerBon Marche" ist eine Art Republik mit einem geschäftsführenden, von den Angestellten ge-

Es folgte nun noch die Fortsetzung der Beratung über die Regierungsvorlage, betr. die Errichtung einer Brikettfabrik nut elektrischer Uebcrlandzentrale au dem staatlichen BraunkohlenbergwerkLudwigshofsnung" bei Wölfersheim. Zunächst gab der Ansschußberichterstatter, Abg Ulrich, einen Bericht über das noch nachträglich von'der Regierung beigcbrachtc Material zur Beurteilung der Vorlage. Dann wurden von verschiedenen Ausschuß- mitaliiuerii die Angaben und Berechnungen der Regierung insbesondere bczügllch der Rentabilität der Britetifabrit einer cingehenden Erörterung und Kritik unterzogen. Es wurde u. a. namentlich auf Die Zweiselhaftigteit des Ab- l'atze-^ hingcwiefen und geltend gemacht, dag ein staatlich geleiteter Betrieb gerade bei der außerordentlichen Kon­kurrenz und den SyndikatsbUdnngen ut der Braunkohlen- inbuftrie einen schweren Stand haben würde; auch wurde darauf aufmerksam gemacht, daß in direkter Nähe der Grube

Inzwischen waren auch die Vertreter der Regierung für bie vorerwähnten beiden wichtigen Vorlagen erschienen, die Herren Finanzminister Braun und Minister des Innern von Hombergk, die Geheimeräte Dr. Becker, Best und Geh. Lberfinanzrat Dr. Knell, sowie für tue Anlage der Brikettfabrik Geb. Rat Milbrand, Finanzrat Bal­l' e r, Baurat Schöberl und Bergwerlsdirettor Schul z. Ter Ausschußvorsitzende, Abg. Dr. Osann, gab zunächst seiner Freude über die Wiedergenesung des Finanzministers Zraun Ausdruck und sprach namens des Ausschusses die lmvailung aus, daß Exz. Braun nach Wiedererlangung seiner Gesundheit wieder seine ganze Kraft dem Wohle des Landes widmen werde. Finanzminister Braun dankte dem Ausschuß für die freundliche Begrüßung und sprach die Hossnung aus, daß er nun wieder gemeinsam mit den Kammern werde für des Landes Wohl tätig fern können. ES sand dann zunächst eine allgemeine Besprechung über die abweichenden Beschlüsse der Ersten Kammer zur Gemeindesteuerresorm statt, worüber der Ausschußvor- sitzeiide den Bericht erstattete. In der Aussprache er­klärte sowohl Finanzminister Braun, wie Minister von Hombergk, daß es das dringendste Bestreben der Re­gierung sei, diese Vorlage noch int gegenwärtigen Landtag zur Verabschiedung zu bringen. Sie yosfe, daß sich Mittel unb Wege fütben werden, um die noch bestehenden Difse- rcnzen zwischen den beiden Kammern auszugleichen. Ter Finanzausschuß war ebenfalls der Auffassung, daß man juchen müsse, wie bei den anderen wichtigen Gesetzentwursen, auch bei dieser für das ganze Land bedeutungsvollen Vorloge eine Verständigung zu erreichen.

** Wissenschaftlicher F o r t b i l d u n g s ku r. sus für Volksschullehrer an der Universität Gießen. Wie in den Vorjahren, so richtet der Gießener Lehrerverein auch in dem bevorstehenden Sommcrlialbjahr mit Genehmigung des Rektors und der akademischen Be­hörden an hiesiger Universität wieder einen wissenschaft­lichen Fortbiidungsturjus für Volksschullehrer ein. Es lesen: Geh. Kirchenrat Pros. Tr. Krüger (Die Entstehung der kirchlichen Glaubenslehre"), Prof. Tr. Sommer, Direktor ber Klinik für psychische und nervöse Krankheiten, und Pros. Dr. Dannemann, Dozent an derselben Klinik; die letzt­genannten beiden Herren je vier Stunden. Prof. Tr. Som-

befindet sich gegenwärtig noch auf Reisen und wird tbemata seiner Vorträge sofort nach seiner Rückkunft

mitteilen. Prof. Dr. Tannemann lieft über: 1. Was ver­steht man unter psychopathischer Minderwertigkeit? Wo­durch wird sie veranlaßt, und wie äußert sie sich? 2. Neu­rotische Veranlagung (Epilepsie und 5)ysterie) bei Kindern und die der Erziehung daraus erwachsenden Scbwierigteiten. 3. Geistesstörungen im Kindesalter. 4. Erzieherische Maß nahmen bei den anormalen Jugendlichen, insbesondere für die Fürsorgeerziehung. Wir glauben, daß die zu behandeln den Themata daS Interesse der Lehrerschaft in ganz be­sonderem Maße sefscln werden. Zeigt sich doch gerade gegenwärtig vielleicht mehr denn je in dieser ein Ringen und Streben nach Erkenntnis auf veiigionswissenschaftlichem Gebiete, und sucht man doch auch im öffentlichen Leben und ganz besonders in der Rechtspflege dieFälle" nicht mehr bloß vom juristischen, sondern auch vom psychologischen Standpunkte aus zu erfassen, und den gewonnenen Ein­blicken in den geistigen und seelischen Entwickelungsgang der aus der Bahn Geratenen Rechnung zu tragen. Die Vorlesungen finden von der zweiten Matwochc ab jeden Mittwoch von 4 bis 6 Uhr acht Wochen lang statt und sollen nach Möglichkeit in einem späteren Fortbildungs­kurs systematische Fortsetzung und Ergänzung finben. Nicht- lehrern, die sich etwa an den Vorlesungen beteiligen wollen, erteilt bereitwilligst Auskunft der Vorsitzende des Gießener Lehrervereins, Lehrer Valentin Müller, Frankfurter

Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer trat heute nach längerer Pause wieder zu seinen Beratungen rnsanimen, deren wichtigste Punkte bie Gemeind eum- env orlage und die Errichtung einer Brikett- ------- rden. Es wurde zunächst eine Anzahl