Ausgabe 
31.8.1911 Zweites Blatt
 
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Awetter Blatt

16b Jahrgang

Nr. 204

Lrlchevrl tL-Nch mit Au-nahme bei Sonntag».

TieGtetzener La»lltmbliNer" werden dem gUntetfler* Btermal wöchentlich beigelegt, bat Krtlsblett für bei Kreil »ießm" iroeimal wöchentlich. Dielrnidioinl-aftltchea LeU-

I regel erlchemen monatlich iweimaL

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

Donnerstag, 3b August 19U

Rotanon'druck und Verlag der Br üblichen Universität- - Buch- und kteindruckerei.

R. Lange, Sieben.

Redaktion, Expedition und £ ruderet: Schul-

snnhe 7. Erped.tton und Verlag:

Redaktion: 12. Tel>-AdraAnzeigerGießen,

Jreie Lernmittel in den hessischen voll;schu>cn.

Die Korrespondenz de Deutschen LehrcrvorcinS schreibt aus dem Großhcrzoglum Hessen:

Im Laufe der Jahre wurden namentlich in den Städten auf dem Gebiete des Schulwesens immer mehr Verpflich­tungen der Familien auf die Gemeitrde übernommen. Tiefe slenoerung trat da am stärksten zutage, ivo die Familien- Hande sich lockerten, namentlich dadura,, daß auch die Mutrc . außerhalb des Hauses Verdienst suchen muß. Die erste leichterung für die Eltern [am in der Regel durch die Lui Hebung des Schulgeldes. Tie Lteuerzakfler gewohnten sich daran, baß die Gemeinde auf diese frühere ümnähme verzichtete In den Städten kamen mu oer Zeit für die Gesamtheit noch dazu: Tie Losten für die Ferienkown e r, s und für Badekuren besonders kränklicher .Uuider, bi? < gaben für Zwangserziehung, die unentgeltliche Bcha"o,'u,g ut der Zahnklinik, die Gewährung von Schuhen, Brillen, Bändern usw., die wtterbringung gefährdeter Lender in Heil­anstalten, in Spitälern usw., ferner die Einrichtung der Iugendspiele, der o^rientoaubcrungen, des Milchfrühstückc. der Linderhone u. dal. m. Jetzt stehen di- Stodlgemeindr > vor einem tveiteren schritt her freien Lic.erung der Lern­mittel für sämtliche Schulender. Den Anfang damit haben die schweizerischen Städte gemacht. Allmählich bricht ich der Grundsatz, die Lehrmittelfreiheit als eine .Won equenz des Schulzwangs zu betrachten, auch in Süddeutsch and Bahn. Bon den hessischen Städten z. B. liefert Main- allen Schülern, deren Eltern es wünschen, bic großen uph FI einen Lernmittel, und jie zahlte im letzten Jahr bei einer Gesamtausgabe für bas Schulwesen von etwas über eine Million Mark für diesen Posten 34000 Mark. Tie Mainzer Volksschulen, vor allem die unteren Klassen derselben, werden auch von den Lindern von Post-, Bahn- und anderen Beamten besucht, die ohne Frage die Ausgaben für die Lernmittel tragen können; trotzdem lassen sich heute schon etwa 99 v. H. der gesamten Schüler ihre Bücher und Hefte von der Stadt geben. Man fieht bicraud, wie die Bedürftigkeit schließ- sich nicht mehr in Betracht gezogen wird, aber auch, wie rasch sich die Bevölkerung an diese Neuerung gewöhnt, ob­wohl doch die meisten Schüler beim Austritt auS der Schule gerne ihre Bücher als Andenken behalten. In Mainz und Darmstadt werden die Bücher am Ial/resschluß an die neuen »lassen weiter gegeben; auf Wunsch der Eltern ,edoch können die Lernmittel auch im Besitze der Linder bleiben. Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen ist Der größte Teil der abaeliefcrtcn Bücher noch in solch gutem juftanb, daß die Kosten für die Neuanschaffungen nicht besonders hoch werben, ja, es tritt jedenfalls eine Vermin- öerung derselben für bic folgenden Jahre ein. In Vor­orten von Mainz hat man auf diesem Gebiet ähnliche Ber- suche gemacht, und man ist bereit» nach kurzer Zeit soweit gekommen, daß z. B. in Weisenau mit 6300 Einwohnern bic Hülste der Schüler die Schulbücher und Hefte von der Gemeinde erhält. Ohne Frage wird im Laufe der Zeit die Uebernahme der gesamten Lernmittel auf die Gemeinde lasse in den meisten Industrieorten erfolgen."

Auch in Gießen wird an die Zkrnder solcher Eltern, die mit einem Einkominen von weniger als 900 Mark zur Steuer veranlagt sind, die Gewährung freier Lehrmittel zugesagt. Im Jahr 1909 haben nach dem Verwaltungs- bericht 461 jtnaben und 446 Mädchen an dieser Vergünsti­gung teilgenommen, die einen Aufwand von etwas über 4000 Mark erforderte.

Der Kaiser in Stargard.

Stettin, 30. Aug. Das Kaiserpaar, die Prin- zessin Viktoria Luise, der Kroiiprinz und Prinz Oskar sind um 103 4 Uhr im Automobil nach Stargard zur Weihe der wiederhergestellten Marienkirche abgerciit. Unterwegs sand in Altdamm Begrüßung durch die städtischen Körper­schaften statt. ______________________________________

Stargard (jammern), 30. Aug Ter Kaiser und btc Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Oskar sind um IN, Uhr hier eingetragen. Auf dem Marktplatz hielt £berbürgermeiftcr Kolbe eine Ansprache und reichte dem Kaiser einen Ehrentrunk.

Tir Ar'vreche deß PeiftrS

bei Entgegennahme Ehrcnt77'.nis lautete:

SKeis verehrter Herr ©üt jettaeifter' Ich bitte Sie in meinem Namen vtb im Namcn Ibr ; Majeftät btt jlai'crin bcr Bürger- tdjiüi _ v : Stargard von ganzem Her,.: unteren luiif auS

i.bmü ^1115 bcr Stadt, Die uns ein Bewec? find für bi» Liebe ühb u* des pommerichen Volkes, ein farbenreicher und bildcr-

- Tic huionidicH Beziehungen, die 2: na* in

Ibrc'- "ITJolid flcfdjiloeit haben, zwischen meinen Vorfahren anb d n .oc.mcrfcbcn Herzögen vor ihnen und bcr Stab' Star narb sind ein Beweis dafür, wie sehr von alterSher feiten» bcr dürften bic Treue bcr Pommern geschätzt wurde und wie sehr ihnen bas Wohl Der Stadt am Herzen gelegen hat. Sie ent­behrte niemals in Kriegszciten und Zeiten bcr Not, wi in Zeiten der friedlichen Arbeit die Fürsorge des verrfcherbauseo. Mit Stargard verbindet mich ein besonderes Band insofern, als ich in meinem 10. Jahr 18 69 hierher kam, nm teiljuncbmen an der letzten Revue, wobei mein

. ter fein 2. pvmmerscheS Korps seinem Baier, dem da­maligen König Wilhelm, vorführlc. Ich erhielt damals hu Um form des 2. pommerfchen Regiments, die ich mit 5toi» feil 42 Jahren trage. Niemand ahnte damals, als hier die fncblidic Heerschau gehalten wurde, welch großen bedeutenden Zeiten wir hamalt- ^tgegengingcn. So mochte ich von ganzem Herzen wünschen, daß die bisherige Geschichte der Stadl vorbildlich sei für ihre Weiterentwicklung und daß auch sie von der allgemeinen Hebung der wirtschaftlichen Lage in unserem Bat erlaube ihren Anteil haben möge. Jedenfalls mag die Stadt Stargard ver­sichert sein, daß auch ich gleich meinen Vorfahren zu ihr flehe und mit Wohlwollen ihrer gedenke. Ich trinke aus das Wohl her Stadt Stargard.

Das ääi,>rpaar begab sich bann nach bcr St. Marien- .iiche zur Weihe des wieberhergestcllteu Gotteshauses.

Nach dem Gottesdienst besichtigte bas Kviserpaar die Kirche, trug sich in bas golbene Buch Stargards ein und nahm ein Album von photographischen Ausnahmen bcr Kirche und vielen in Stargard mit besonderer Schönheit er yaltcncn mittelalterlichen Backsteinstautett entgegen. Schließ, lich empfing es die Huldigung von 50 Wei^ackcr- leuten, vierzig Frauen und Mädchen und zehn Männern, in ihrer bunten, malerischen Tracht. Tie Frauen über­reichten eine Puppe in Weizackcrtracht. Tas Kaiserpaar fuhr um iy» Uhr nach dem Bahnhof.

Berlin, 30. Aug. Tas Kaiserpaar traf, von Star- garb kommend, um 4.28 Uhr auf dem Stettiner Bahn- Hof ein.__________________________________________________________

Die wirren in Persien.

Teheran, 30. Aug. Wie hierher gemeldet wurde, kam am vorigen Montag in bcr Gegend von Lavadku eine Neiterabtcilung bcs Ex sch ah s nach dem Lager ber Regicrungötruppen, angeblich um Fricdcnsvcr- hanblungen anzulnupsen. Ta man seitens bcr Regic- rungstruppen Verdacht schöpfte, wurden bic Leute während bcr Nacht entwaffnet. ES würben 400 Gewehre abge­nommen. Auch bie Führer wurden gefangen und sollen nach Teheran geschickt werden.

Die Petersburger Telegraphen-Agcntur meldet aus Aftr ab ab vom 29. August: Laut ergänzenden Meldungen über die letzten Gefechte besetzte Ismail Khan, bcr einen Teil ber Truppen des Exschahs befehligt, einige Positionen der Regierungstruppen bei Firneskuh, wurde jedoch am nächsten Tage aus dieser wieder herausgedrängt.

Dem Siege Sardar Arschads wird hier große Bedeutung beigemessen. Man nimmt an, daß bie Regic- rungstruppcn baburch gezwungen werben, jetzt aus ihrer passiven 5?altuug herauszutreten und den Mampf aufju- nehmen.

R"F? . _____

ICircbc litt6» Schule.

Iatho und die kirchlich-positive Vereinigung für Hessen.

Wir werden um Ausnahme der folgenden von 187 hessischen Pfarrern, darunter 18 emeritierten Pfarrern, unter* eichneten Erklärung ersucht:

TaS SpruchkoUegiuin, das dazu bcfilmmt Ist, die preußische Landeskirche in ihrem BekeuntuiSstaud vor dem zerstörenden Radikalismus zu schützen, hat dem Kötner Plärrer Iaido die C'öbtg- tc.i und d,e Berechtigung, das Ptarroint in der preufchchen Ltiiideo- ( rd)2 zu versehen, adgeiprochcu und ihn damit seines riniteS eiit- tg. d7 hessische Plärrer, zum groxercu Teil der i-nigereu »-ud jiingstcn Generatioii angehörend, haben lich dewogcu ßcfühlt, ne ',en die Entscheidung des preußischen SpruchkoUegiumS össcuilich < lell- miq zu nehmen, indem sie gegen dieses deii Borivurs .gänzlicher Beriiüiivmvlosigleit' erheben, es sogar der .Goitlosigkcif l-e- zichtlne.l u>id der Hossuung AuSdriick geben, daß der ^.ag fomincit möge, .da Ialho traft des höheren Rechte» des Glauben» in da > Anii - er eoangelischeii Kirche zurückgerulen wird-. Nicht genug damit, erheben auch vier von den fünf ordentlichen Prosestoren der Theologie an unserer Lande-»Universität, die dazu be­rufen s»nd, die künstigeu Diener unserer Kirche auSzubilden, ihre Elimine für den den persönlichen Gott unb den Erlöser Ehristuv leugnenden und deshalb seine» Amte- Enisctzien, mdem ic mit 83 ihrer Kollegen an anderen deiitschen Universitäten gleich- foll» eme Erklärung gegen die Entscheiouug des Svruchtollegiinns veröffentlichen. Tie» gerade, da» Eintreten einer größeren Anzahl von Pfarrern unseres Landes im Verein mit den Lehrern und Er­ziehern der tünstigen Diener unserer Kirche für einen die Wahrheiten des Evangelium» leugneiiden Alami, i|t in hohem Alaße geeignet, .da- Vertrauen zu der Wahrhaftigkeit unserer Veikundigung auf da» tiefste zu erschüttern', ivie e» in der Protest-Erklärung der h7 heißt. Wir sehen uns deshalb veraiilaßt, ohne uns in ivcucrc Er­örterungen emzulassen, indem wir uns der von einer großen An­zahl Geistlicher der preußischen Landeskirche erlassenen Üundgebuug anschließen, zu erklären:

,Wir stehen fest auf dem Bodeii des biblischen Ehrislenlum- und bitten unsere Gemeinden, mit unS bei dem Ernst der Zeit um so entschiedener dem BekeiintmS unserer evangelischen Landes­kirche Treue zu halten.'

Bon den Unterzeichnern der Erklärung sind folgende auS Lberhessen:

Adolph-Gießen, Ahlheim-Münster, AuSfeld-Gießen, Beckel- Södel, Bernbeck-Büdesheim, Bernbcck-Lkarben, Bernbeck-Wicseck, BoecknecLchlitz, Boell-Lber-Eschbach, Elemm-Btldiugcu, Elotz- Wölfersheim, Elotz-Holzhaufen, Lic. Tr. Tlcckmann Rodheim v. bcr Höhe, Doering,Breungeshain, Toeriiig-Muschcnheim, Enget Lbbornhofen, Fischer-2lllcii Bufeck, Fischer Eichclsdorf, irrtinf- Hutzdors, Freitag-Holzheim, Frentag Lich, Fritsch"Rupperisburg, Gras-Gambach, Grauling-Engelrod, Groth-Rödgen, Hainer Hun­gen, ^cllroig-jUrd.ijiiiv, Hildebrand-Echzell, Hohgraesi 1 kirchen, Holl-^kieder-Rosbach, Iacobowski Langenhaui, Jäger- Glauberg, Ztaiser-Landenhausrn, .üalbhcnn Lbcr Mockstadt, Mav- vesser-Eberstadt, rttebcracr-Friedbcrg, üliNgclhvfer.Llch, Mnab- Bruchenbrückcn, Zinott-Wallenrod, >iödding-Geluhaar, Mublcr» Steinbach, König-Bellersheim, umpf Wenings, Lehr Lber-^ioS- bad), Lenz-Stockhausen, Lühl Niedcr-Eschbach, MennerttFrcien- steinau, Moser-Wohnbach, Müller-Lauterbach, Münch-Schotten, Nebcl-Laubach, zur Nicdcn Bad-Nauheim, Pabst Eckarishanscn, Peters Ulfa, Vraetorius Hombn | « Rheinsurth-Lendhecken, Röschen.Freien n,

Schilling-Mittclgründau, Schlössci>Lautcrbach^ -schmiot-schlitz, Schorümmcr-Gießen, Hoet)nc-Angcrsbach^ Schreiber-Grebenau, Schrimpf-Hirzenhain, Scnba Wetterseld, Sommerlad-Watzenborn, Staubacki-Groß-Eichen, Beller-Maar, Bolv-Laubach, Wahl-Beien­heim, Wagner-Rieder-Florstadt, Webcr-Lang-Äöns, Weinberger- Lardenbach, Wcrner-Nrdba, Widmann-Gedern, Wissig-Bad-Rau- heim, Wols-Lehrbach, Wolf Ranstadt, Würitzhosfer-Pohl-GönS, Zatzmann-Fauerbach. Ferner die emeritierten Pfarrer Bernbeck- Gießen, Broß-Gießen, Kalbhcnn-Gießen.

)nge.iieur Richter.

S a l o n i f i, 30. Aug. Ein Kaufmann, welcher gestern abend von Serfidschc hier angekommen ist und dec Richter wahrend seines dortigen Aufenthalts gesehen hat, teilte mir über diesen mit: Richter befindet sich den Umständen angemessen ganz wohl und ist geistig frisch. Er schien ermüdet und etwas unruhig. Richter besand sich in Begleitung des Mutessarifs von serfidschc und eines französisch und deutsch sprechenden türkischen Lsfiziers. Infolge der Harten Ausbreitung

Das Wetter im September.

Bon unserem mc;.;rel.;.i'd?eh B..u matter wird uns ge schnSen:

Nach meteorologischer Rechnung treten wir am 1. September inl Gcgeuiatz zur üiironomuaicu Red-nungsweuc der Kalender- m den Herbst ein. Ter normale September Mittcldcutschlands ist bcr gleichförmigste und ruhigste Monat des jjanjen Jahres, frei von stärkeren atmosphärischen Störungen. Tie mittlere ^.ages Wärme, die sich seit Mitte August in stärkerem sinken beiindci, nimmt während des ganzen Monats gleichmäßig ab. Rach den Frankfurter Beobad-tungen von 18571907 sinkt ine Äcoiiats- lemperatur von 18.3 Grad im August aus 14.9 Grad im Sep­tember (Weilburg 13.2 Grad). Tic mittlere NachmUtagswarme gebt von 23.8 Grad aus 20.1 Grad zurück (2nhnt<iM8.4 Grad. bie Nachtwärme von 13.7 Grad auf 10.7 Grad. X/Od) vermag bei günttigcn Bedingungen (heiterer Himmel und Zufuhr warmer Lustmafsen auS füdlichen Gebieten) die Sonnencinnrahlung iwch so kräftig zu wirken, daß gdcgaitlid) Gluttage^ mit 30 Grad Wärme zustande kommen: so wurden am 2. September 1903 32.0 Grad in Frankfurt und Mitteldeutschland beobachtet, -tod) darf im Miltel nur noch mit 3.9 Sommertagen Nachmittags- Wärme über 25 Grad) in der Rhein- und Mainebcne gerechnet werden, im Lahntal etwas roaiiger, 3.4 Sommcrtagc Anderer­seits wirkt bei klarer Nackt die Wärmeausstrahlung schon so erheb- hdi, daß auch in den Ebenen Frost Vorkommen kann. Im Rheui- unb Maingebict ist bie Wahrsckeinlichkeit von Frosteintrui aber fiel geringer als in den höheren nördlichen Gegenden, so sank in Frankfurt nur einmal, am 27. September 1877. die Morgen- icmpcratur auf 0.0 Grad, wesentlich tiefer, auf 1.7 Grad im Lahntal. Eigentliche Froütage mit Nachttemveratnren unter <i Grad kamen in Frankfurt von 18571907 nicht vor, da regen hat Weilburg 0.4 Froütage im Mittel aufzuweisen

Die Septemberwitterung Mttteldeutschlands zeichnet fich burdi "häufig heiteren Himmel auS. In Frankfurt zäbli ber Monat 6.7 heitere Tage: nur der August ist in gleicher Weise begünstigt, die anberen Monate haben ungünstigere BcwölkungSoerdättuinc. Dasselbe gilt für bie Mittelgebirge. Infolge ber nädjtliajen Ad Kühlung oilbet fich morgens wohl öfter eine Wollende.:.', bic aber ehr tief lagert, so daß die Berge aus ber Wolkcmchichl heraus- lagen. Auch löst bie Mittagssonne diese Hochncbel bald aus. 3n den Alpen gibt ber September häufig Gelegenheit, ivrrii*'? in Sonnenglanze liegende Wolkcnmeer. zu beobachten, nätmcr auf bcu Bergen als in den Talern itt. Nur die Neö.i :age werden im Herbftmonat wieder zahlreicher und neigen von

durchaus regen frei war, nachstehende Regenmengen beobachtet wor­den: Worins 38, Darmstadt 21, Frankfurt 18, Gießen 11, Weil­burg 23, Kassel 48 Mulimeter, leider zu ivcuig, um die Lcge- tatwu nachhaltig zu fördern. Nur von Kassel nordwärts waren die Regen ergiebig. Da die zyklonate Tätigkeit über dem atlan­tischen Lzean langsam verlaufenden Schwankungen unterliegt, darf auf die zwei Monate dauernde zu geringe Zykloncnentwick- lung jetzt eine mindesten- cbanolangc anhaltende Zunahme der westlichen Luftwirbcl gerechnet werden. Wie oic Wetterkarten zeigen, hat bre letzte Woche bereits anc Verstärkung der Lujloruck- unterfchiede über dem Lzean gebracht, deren höcknie Ennrncklung erst im Oktober zu erwarten ist. Dieser Monat dürste sich daher durch besonders rnchttche Niederschläge und ;u niedere Temperatur ausznchnen, demnach besonders unfrenndlich ver­lauf«. - Tr . , .

falle.

Für die L u f 1 s a b r t, vor allem mit Lcnkluftschiffen, ist der Mona: wegen der geringen Anzahl der Sturm tage sehr günstig. Der September hat von allen Monaten oie meilten WmbUillcn. T:c häufigste Windrichtung ist die iüöwestlicke, auch Ost- und Norbcstwuide kommen oft vor, während Süd- und Rord- n-cstwinde stark surüdtreten. Letztere mit ihrem itiöerubaratter find mehr eine Erschcmung des Frühjahrs bis zum Früh'ommer. Vom gefunbheitlitbcn Staiidpunkl tnietefficn noch die Sckwanlung der Temperatur von Tag zu Zag^ TiefetnieiOuiine" VcranderllL-keil der Temperatur erreicht im September eut Mini- mum von nur 1.4 Grad Häufiger somienscheiu, geringe Sänne- ,'Lwanknng und große relative Trockenheit räumen der September- Witterung in lanüdrcr Hinsicht cii:. bevorzug:e Stellung ein, im Gegensatz zu den bald solgendcn trüben Etrucrtagen mit hoher Feuchligtcil und häufigem Auftreten b«er Influen^iertrankungen. Xie Tage desAltweibersommers", Oie häuirg nach Mitte Sep­tember fick ein-ust ih-n pfleg«, qehör.n zu dm retzvollttcn und crauickci.bsten Erscheirrungen int Kl um der gemäßigten Breiten.

Es ist zu erwarten, daß bcr diesjährige September einen normaleren Verlauf nimmt als die beiden vorherge- gangencn Monate, unb daß die normale Regenmenge von ztrta oO Millimeter 70 Millimeter und mehr in ben Mittelgebirgm unb in ihrer näheren Umgebung- erreicht, cl-.r fogar überichriltc'' wird. -:e oem -U. .xjgui. aus oer zut-chmenden Irrlcnftla^ .östlicher Luftwirbcl zu ermatten!* regenreichere Periode ist bis nur teilweise euigtträen. Bor allem bat Aorddeutjchland

DieBcrlinerTheaierdirektorenundder Unterlaß" I a g o w s. Tic Direktoren Tr. Brahm vom Lcssrngtheater, Tr. Zickel vom Lustspielhaus und Richard Schulz vom Metropol-Theater find nunmehr zusamniengc- treten, um darüber -u beraten, welche Stellung ber Ver­band der Theaterdirettoren der Huwerfügung des Polizei- präfibenten gegenüber einnehrnen soll. Die Herren waren der Meinung, daß die polizeiliche Verfügung eine materielle Schädigung der ThearerLctter bedeute, weil zu befürchten sei, datz bie Logen entwertet würden. Es nrirb ein Eorn- muniaue des Vorstandes des Tircktorenverbandcs vorbc- rciiet, und am 4. September foll eine allgemeine Sitzung des Verbandes einberufen werden. Ter Verband will dann beschließen, welcher Weg zu beschreiten ist, um eventuell die Aushebung der Verfügung zu erreichen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. In Mukden ist eine rätselhafte Krankheit auigetreten, der gegenüber bie Acrzte ratlos find. Nach (inan stark« Schwindelamall stellen fich bet den Erkrankt« Halsschmer­zen und starker Durchfall ein, worauf rasch der Tob erfolgt. Zwilch« dem preußischen Orte Orsbach und dem hollänüisch« B o ch o l tz mürben in einem Haferacker die Mauerreste, vermtMich von einem römisch« Kastell, sowie eme Münze ckus dem Jahre MO n. §hr. gcfunjt®L

09 laacn im August auf 2.2 Tage. Sehr ncbelrcich mit fünf Iin bat letzten 10 Tagen reichlichen Regen erhalten, während in Tag« warm der September 1863, 1888, 1901. Doch beschränkten Süd- und Mitteldeutschland nur Gewitterregen nicdergmgen, sich diese Nebel vorzugsweise auf dm Morgen. Die geringe > Immerhin stnd im letzten Auguudrittet, wahrend der übrige Monat Bewölkungszisfer des September spricht sich auch in der relativ ....... *-«-*** *

geringen Regenmenge des Monats aus. Im Mittel fallen in der Frankfurter Gcgmd 47 Millimeter Niederschlag, in Weilburg 69 Millimeter Die beiden bcnachbartm Monate August und Oktober smd wesentlich feuchter. Aufjergovohnuch trocken nut kaum 1 Millimeter Regm warm der September 1865 und 1890. Im Durchschnitt dürfen in Frankfurt 12 Regentage, weiter nordwärts im Lahntal 14 Regentage erwartet werden. 1899 kamen aber 27, 1865 bngegen nur 3 Regentage vor. Auch die Gewittertatigkeit, die schon un August zurückgegangen war, erlahmt noch mehr im September. Die gleichmäßige Durchwärmung der Atmosphäre und das Fehlen stärkerer Erhitzungserscheiautigen der Erdoberfläche sind der Gewittercntwickelung ungünstig. Für die Ebenen Mittel­deutschlands bringt der normale September nur noch rund zwei Gewittertagc. Entsprechend sinkt die Wahrscheinlichkeit der Hagel-