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22.11.1911 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

161. Jahrgang

Ur. 275

<t14ttnJ täglich mtt «ulnatjmt bei YonntagS.

erworbenen

rnflige chcmi- in i)ie|

löcteuluiig, die ter Zugang oeuliche Ltolonicupolittt Irtwe. Hoheit über d.n [yliüj bi; zur tmrd) sranzönsches ti-cbui mit rrahcnren gelegt werden.

freie Atmosphäre übertragenen Unierfuchungsmethoden haben demnach keine 5pur des Kometen entdecken können. Und ebenso gilt dies für die mcteorologlschen Beobachtungen aus der Atmospl-äre Tas war von vornherein auch zu er­warten; denn Kometeneinwirkungen könnten nur von eurer so kleinen Größenordnung sein, daß ihre Messung unseren Instrumenten gar nicht möglich gewesen wäre, wegen der den Apparaten selbst anhaftenden Unsicherheiten. Mögen die nut Anstrengung aller Strafte überall angestellten Unter- suchungcn in Bezug auf einen Einfluß des Kometenschweifes auch negativ verlaufen sein, für die Aerologie stellten sie ein nicht zu unterschätzendes förderliches Ereignis dar.

für Deutschland.

Ein Redner d.'r Nationalliberalen geht aus die Ge­fahr der Schlafkrankheit naher ein. Es werde vermut- lia) eine Verdoppelung der Schutztruppe erforderlich fein. Ein anderer nalionallwcraler Reoncr betont, daß die ein­gehenden Verhandlungen int Ausschuß das weitgehendste In­teresse der deutschen Vollsvertretuirg auch an ben Einzelheiten beweise. Es sei l-öchil bedauerlich, daß die deutsche Regierung nicht, wie die französisch, sich des Rückhalts der Volksvertretung versichert habe. Von s o r t s ch r i 11 l r ch c r Seite wird die Aus­fassung vertreten, daß an eine wirtschastliche Erschließung nicht zu denken sei, solange nicht Landwege durch ganz Kamerun bis bis zum Flußgebiet gebaut seien, was große Kosten verursachen werde. Tie Schifsahrt sei in sranzösstchen Händen, auch hier

Mittwoch, 22. iiODcmhcr Ml

fUtoncnlbmrf unb Verlag der vrübliche» Untperfuäll - Buch- unb 6tetnbru(fcctL 0L Lang«, Gießen.

wartigen eine Erklärung ab. Es handele sich um eine gleiche Einrichtung, wie sie die von Frankreich im englischen Nigeria angelegten Straßen bedeuten. Tas sür die Straßen benötigte

Redaktion. -Spedition unb Druckerei: Schul» straße 7. ErvediNon unb vertag: 5L

Redaktion:«-Eilt. r«l.-Abr^AnzetgerEleDen.

Zwei absonderliche Beiträge zum Erdbeben.

Von einem unserer Leser werden uns zu dem lebten Erd­beben solgende imeressante Beobachtungen mitgdcilt;

Zunacyft die Xatiaujen.

1. Ich sitze nach lu Uhr an meinem Schreite, "ch und arbeite. Plötzlich überiomint mich ein eigentümliches Unwohlscrn: böser Kopidruck und unleid.ichcs Herztlopsen! Beides tritt so schnell unb heilig auf, daß ich die Arbeit aborechen muß. Ich lege mich aut das Soia, und mein Herz klopft, daß ich es mit der Hand deutlich durch die foeiter führe. Für einen Augeiiblick verliere ich das Bewußtsein, nicht eine Lhnmacht, sondern wie Schlaf. Ta weckt mich ter Anru' meiner Frau aus tem Neben»immer, wo sie eben zu Bett geben wollte. Ich springe aus. Kopfweh uno Herzklopfen iuib vorbei: ich denke überhaupt nicht mehr daran. Ich gehe ins Schlafzimmer und frage meine Frau, was es gebe, «ic berichtet etwas aufgeregt: Tas Fenster habe zweimal auf­fällig geflirrt; sie habe zuerst gedacht, es sei von außen etwas Datangcflogen oder geworfen worden. Ta aber der Fcnstervorhang sich bewegte, meine sie, das Fenster sei nicht ganz gefchloiscn, ter Vind habe cs vielleicht angestoßen. QMeiawüig habe auch das Bett, aus dessen Rand sie saß, wie geschaulelt. Ich unter» suche das Fenster^ es ist fest geschloffen. Air lauschen nach tem Wind, hören aber nichts. Sästießlich mache ich eine harmlvs- lustige Bemerkung über ihre Äengmickckstt, die ihr sogar ihr festes Bett in ein schaukelndes Schiff vc. .andele. An em Erd- teben dachten wir beide nicht.

Zufügen will ich nocy Folgendes: Mein körperliches Un­behagen erschien mir unerklärlich, ohne daß ich allerdings damals weiter Darüber nachdachte, da es ia oorb-n war. Ich kann mich | launj truwKQü MtV» lahrigen Lschen ie bejontzere Herz-

Vie wiffenfchaftlichcn Untersuchungen wahrens der am 18. und 19. Mai 19(0 erwarteten Durchgänger der Erde durch den Schweis d.r Yalleyschen Kometen.

Dr. A. Peppler.

Tie Iraner ^amlllenbiatter* werden tem tlniftfler* oiermal ip öd) entlief) beig-tegt. bal Hüllblatt fflr tee Kreis »letzen" zweimal wöchentlich. Tte .^anbwtrttchastllchen Leid fragen" erscheinen monatlich iroeimaL

zum Mungo unb llbanghi für Die Ter Be,ttz des Ufers bed.ule bic Milte, viine Etsenuahn tunnc auch Zustimmung des sranzosisä-en Kon-

Von sozialdemokratischer Seite wird über den wirt­schaftlichen Wert tes Mongogebietö ein ungünstiges Urteil ge­fällt. ES handle sich zum größten Teil um sumpiige Streiten. Tie Grenzr.gnlierungen wie die Zipselgebicte seien ungünstig

für uns von Terrain und es

gebaut und die erforderlichen Anlagen gemacht werden Tonnten. Ter Redner ter Reichspartei gab einer mehr zuversichtlichen Erwartung Ausdruck. Er war der Meinung, daß bie|c Neuerwerbung zu guten Aussichten für die Zukunst berechtige. Bedenlen, wie sie jetzt erhoben werten, seien früher bei allen kolonialen Neuerwerbungen geltend gemacht Worden.

-Staatssekretär v. Kiderlen-Wach ter gab einen noch­maligen Rückblick aus Die Entwicklung der Verhandlungen über Die Mongoablreiung. Schon früher sei über Abtretungen von Jhjngogeüicte verhandelt worden, deshalb sei es auch jetzt sosort als Mvmpensation in Betracht gekommen. Im ersten istaoium Der Kompensation so er Handlung en habe die französische Regierung nur Kameruner Ärenzregnlierungen angebotfu; das wurde von deutscher Seile als ungenügente Kompensation abgelehnt. Tie teutiic Regierung mußte Wert darauf legen, einen Zugang zum Longo zu erhalten, Da es Dann bei etwaigen Jünntgen Ver­änderungen in Zentralafrika in ganz anderer Art in Der Lage sei, mitzusprechen. Tas französnche Vorkaufsrecht habe bisher den deutschen Anspruch, im Kongobecken muzusprcch.n, ausge.

Geheimrat A ß m a n n, Der Direktor des Aeronautischen Observatoriums bei Lindenberg, verössentlicht soeben einen ausführlichen Bericht über Die wissenschaftlichen lliitersuchun. gen, die mit HUse zahlreicher Luft|chisfahrtsvereinc und aero­logischer Institute bei Turchgang des Halleyschcn Mometcii angestellt wurden. Tiefer Bericht, Der Die Frage eines Kometeneinslusses exakt untersucht, hat auch tut weitere Kreise Interesse. Zunächst handelte es sich darum, feslzu- stellen, ob der Kometenschweif gasige oder staubför­mige Beimengungen in die Atmosphäre getragen habe. Es wurden datier 40 Freiballone mit Luflprobeniammlern und Staubzählern ausgerüstet. Leider gelang es nur in acht Fällen, Luftproben aus größeren Hohen herabzuholen. Eine Analyse durch Prof. Erdmann vom Hallescyen Uni­versitäts-Institut für angewandte Chemie ergab mit Be­stimmtheit die völlige Abwesenheit von Eyangas und Eyan- wasserstofffäure. Tie gefürchtete Blausäure, von der einige Phantasten im vorigen Frühjahre geiaselt hatten, konnte demnach nicht fcftgestellt werden. Ebenso negativ verlief eine Untersuchung der Lustproben aus schweflige Säure. Tie seltenen Edelgase, die der Atmosphäre nur in ganz geringen Mengen beigemcngt sind, Helium und Mon, fanden ich ül gattz normalem Prvzentgehalt, desgleichen Waiser- u>|f. Der Halleysche Komet hat demnach während seines Vorübergangs die Z u s a m m e n s e tz u n g d e r Erdatmo­sphäre in keiner Weise geändert. Ebenso ergebnislos verliefen dieStaubunterfuchungen. Ter in den Lust- proben nachweisbare Staub bestand aus kohligen Partikeln und Quarzkörnchen, die zweifellos von der Erde selbst herrührten. Magnetische Bestandteile konnten nicht gc- fundei. werden. Was die optischen Beobachtungen an- langi, so lauten einzelne Meteore und Sternschnuppen zur Beooachtung, wie sie in jeder Nacht vorkommen. Äonfiige außergewöhnliche Erscheinungen fehlten. Die aus dem r1* scheu Laboratorium und dem physikalischen Kabinett

würde für deutsche Interessen wenig Raum fein.

Schatzsekretär Wermuth erhob Einspruch gegen die Be­hauptung, daß mit Sicherheit große Mehrkosten aus den Neu­erwerbungen zu erwarten feien. Er werde im Gegenteil dahin wirken, daß Ersparnis)« im Kolonialetat gemacht würden. Gou­verneur Tr. Sols iintet es befremdlich, daß man in deut Augenblick, wo eine Gebietvergrößerung erfolge, die zweifellos Mehrausgaben erfordern werde, eine Verbilligung der Vcrwal- tungskosten von ihm erwarte. Tie Finanzsragen wurden in der weiteren Aussprache eingehend behandelt. Tabei wurde von fort­schrittlicher Seite eiitschieden Einspruch dagegen erhoben, daß die Bahnen einer verständigen Kvlonialpolitik, Die aus Die wirtschaft­liche Erschließung der Kolonien und die Verringerung der Rcichs- zuschüsse hinarbeiten, verlassen würden. Es wurde noch über die Fragen der K v n z e s s i o n s g e s e 11 sch a s t e n und der iran- zösif'chen Etappen st raßen verhandelt. Aus die in Bestehung auf diese geäußerten Bedenken gab Der Staatssekretär des Aus- Erklärung ab. Es handele sich um eine gleiche

Terrain bleibe in deutschem Eigentum, unter Deutschem Recht unb deutscher Hoheit. Frankreich zah.e iür die Erini tung et uni Deinem Pachtzins Grundstücke von höchstens 50 Hc tar werden in 2agematid)enticrnuiiQcn auSge acht, wobei Mominu arc beiter Staaten mimnrttfn. Bauten Dürften nur nach dcutichei Vor­schrift cmai.ct lucrDcn, gegen Schmuggel werde durch Einwallung und Dgl. Vorsorge getragen: außer dem Flusse her Der zu ».rich­tenden Proviaiumagazine nut Familie und etwaigen Ti.nstboten dürfe sich mcmaiiD aui den Grundstücken umbauen. Bon irgend­welchen sranzösilchen Rechien sei im übrigen nicht bic Rede; Die französische Irngge dürfe nicht gelnist werden.

Damit war bic Arbeit des Ausschusses, an der m ter Nach­mittag«, s.tzung nur noch wenige Mitglieder lednahmen, beendet Der amtliche Bericht über die vertrauliche Sitzung Dürfte am Tvnner.tag zur Vct1cuung_!oi11men.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefjen

würde erhebliche Mehrforderungen bedingen und nicht minder die wirtschaftliche Erschlnuung der Kolonie und insbesondere tec Be- fämpfung Der Swlaitranllieit. Tic gleiche Auffasiung vertrat auch der Wortführer der Konservativen, der vor allzu opti­mistischer Ausiasiung warnte. Es sei sragiich, ob die beiden neu Zipfel, die Zugänge zum Kongo und zum llbanghi, Bedeutung seien. Es handele sich um ungünstiges fei zweifelhaft, ob Dort überhaupt Bahnen

fchlossen. Eine Folg« des SlbkommenS fei jetzt, daß Frankreic.. 5ugcfid>crt habe, sich, wenn eS zu irgendwelchen V.-rhcndlut.geii über das innere Äongoabtommcn Jomme, mit Der _bcuritten Re­gierung zu verständigen. Tcr Staatssekretär bestätigt iveiier, daß er zu Anfang neben Dem Ubangizugaug ein schmales Steck im Qstcii g cf örtert habe, aegcn die e Ford iung aber yaoe man in Franlreich unter tem teoiagrooU Der Zlvciteüung des ft.ui- zosiichen Besitzes mobil gemacht So habe fich Dann oi.mählich au.» Den schwierigen uno la».gwicrigcn VcrhüiiD.uitgen die im Abkommen fcslgilegtc Grenze ciUwickell. Um Scheuem Der '3ti- handlungcn wollte die Deutsche Regierung vcrmciDcn, u.ib Da roar eine genufc Ruckiichtnahme auf Die schwierige Lage, in Dci sich Die franz-.-'ischc 'Jicgicnuig gcgcimber ihrer Kammer befand, nicht zu umgehen. Eine Wicterhcrstclimig d.r ÄlgiciraSokte in ia unmöglich gewesen, wenn die Verhano.ungen zum Scheitern gekommen niurtn. Wrr. eit im cibcncn Iiüercise aueg Rück­licht Darauf nehmen, was für Die französische Rcgic- ruit g das 'wt a ß des Möglichen war. Taß DaS Höchste, was überhaupt erreichbar ivar, erreicht ivurteii ict, lasse «ich natürlich nicht malhematilch iiauMifcn; ater er g.aubc Die Be­hauptung veraniwoncn zu Bniun, Daß Das erreicht luotD.a jci, was gerate noch zu crre.djcn war, ohne Die VerhanDlmtgen zum Scheitern kommen zu lasjen.

Von volkspartcuicher Seite wird die Auii'assung des StaatsiCtreiärs, t-aL; ter Erwerb tes kleinen Zipfels Tcuischland ohne tu eueres in teil Stand setze, bei Verhüiid.nngen über Dvii belgischen Kongo mitziupr.cheii, bemangcit. Hoifuu.ich sei uiiv Durch eine beionDcic Abmachung das liecht getvuhrleistet ivorten.

Staatsselrctar v. KiDer len erklärte im Lause ter weiteren Besprechung, mc zum Teil wieder vertraulich >var, da mit Du erfolgten 'jiatiidaiioit tev AblouuuenS fofoii Das rccht.iche uigen- tum an tem iicu.n Bentz an DaS.Tenifche Reich uocrg<.ht, ohne Lasten unD Schulten, in D m Zustande, in Dem sich Das Gediei im 'jiuQcnblia Der biaüjifalioit b»findet. x>it Dem 'augtn-hac, m dem Die siauzoiifche ülcgiciung bic Veiwa.tung tes Gebiets auf- gtut, Horen auch Die Eimtahmin auf, ihr iujufiicucn. Gegenüber oen Zweifeln wegen teo Wertes ter ciiuurbeuui Zipiel bezieht lidj ter StaaiSsclrctar auf Die Urteile toioniiucr caai^iuKt uocr Die

klopfen gehabt zu haben. Tie Luft im Zimmer war gut, ich' [jütte noch kurz vor 10 Uhr Das Fenster einige Zeü offen gehabt. Eine sonstige Indisposition, etwa von Der Verdauung oder anders­woher lag nicht vor Aber Das. will ich betonen, ich habe cm reizsames" Nervensystem!

2. Ein intelligenter und glaubroürbiger Mann berichtete mir Folgendes: Er habe um 10!< Uhr schon im Bett gelegen und geschlaseii uno von tem Erdbeben nichts gemerkt; ater er habe des RachtS einen klaren Traum gehabt, wonach kannten auf ter Straß» erzählte, soeben fei em Erdbeben gewesen, er habe den Swß deutlich gefühlt.

Zu beiten Tatsachen eine kurze, vorsichtige Anmerkung. Tas Zusammenfällen des Unwohlseins und des Traumes^ mit dem Erdbeben lann gewiß zufällig sein. Aber immerhin ist auch Die Möglichkeit einer Unächlichkeit einzuräumen.

lieber Die erste Tatsache wäre in dieser Hinsicht vielleicht so zu kallulieren. Ein Erdbeben, D. h. also in unserem Falle eine Verschiebung im Erdinnem, hat, wie alles physische Geschehen, mannigfache Ursachen, die, forocit sie im Aufbau der Erde »txr ter Erdkruste begrünter liegen. Die Geologen erforschen mögen. Nicht abzuweisen wäre aber der Gedanke, Daß auch Truckvrrhältnlsse von außen fter Lust minvirt.m konnten Tte letzten Tage brachten gewaltige Barorneterschwaniungen, ein jähes Auf- und ein ebenso lähes Nietersteigen. Lb Dreien WüterungScrichernungen vieliercyt elektrische Spannungen als Unarte oder wahncheuilich.'r als Folge lei gesellt waren, oeiDieut iLdenraUs auch Berücksichtigung. Eine lolche Spannung fönnic, das ist wis'cnscyairlicy wohl pentbar, m trgenDcmer (nmn sich zu solcher Intensität steigern. Daß sj.» einenexts minrirlcnO wird zur .»uelöfung ernee ikttonischni Erd' bebens, anteneUs wirleiw wird ;u vermthn r Herztarigleir bei einem Menschen mit labilem, al io besonders empfindlichem Nervensystem.

Zur zwecken Tay'ache wage ich einen natürlichen Erklärung! versuch der Ursächlichkeit. Tie Betttewegung trüt Dem 2c. ms Bewußnein uno gibt so einen Baustein ;u einer Traum Vorstellung:Erdbeben", den Das tiäumente Gehirn sodann ein­fügt in Den umfangreicheren Gedanke nauf bau: Unterhaltung mu anem Frcunte über em soeben erlebtes Erdbeben.

Ich teile diese beiden Erfahrungen der Qest'entlichkeit mit. Auck kleine, unscheinbare Beobachtungen können Bedeutung haben für Die GeiamterkenntniS eines großen Vorgangs uno ragen zur Aufhellung ar. Derer noch Dur Iler Gebiete, ;. B. oes Traum­lebens. Vielleicht regt mein Bericht zur Mitwikung anderer .besonderer" Erlebnisse und Beobac

ter Wifsenschast gleichgültig und wertlos erscheinen Dürs.n. y.

Das Kongoabtommen im Auss^uh.

:: Berlin, 21. Nov.

Ter Budgetausschuß deS Reichstags setzte beute d.c gestern abend begonnene allgemeine Aussprache über Den Wert DeS Kongo- abkommens fort. Zum erstenmal in Den ganzen Verhandlungen des Reichstag» nahm ter stellvertretende Leiter Des Kolonialamts Gouverneur Tr. Soli das Wort, um sich vorn Standpunkt d.s von ihm vertretenen Ressorts zur Kongosrage zu äußern. Ec erklärte daS, wohl veranlaßt Durch sein bisheriges Schweigen, umlaujcnDe Gerücht, Daß auch er mit Dem llongoublommcn nicht cinverstanDen sei, wie Staatsiekretar Lrnoeaaut, jur unzutrcfieno Es sei richtig, daß auch tm Holoiualamt Die Meinungen über Den Wert des erworbenen KongogedietS auseinander- Singen. E S f ei ja auch zurzeit s a st unmöglich, ich ein völlig z utreffendes Urteil darüber z u ilben. ES sei aber doch die Amicht üoerwiegend, daß die Neuerwerbung sür Deutschland von Beoeutung sei unb für die Zukunft jedenfalls auch wirtschastlichen Nutzen vecipreche. Einst­weilen müßten u. a. auch die Unieciuchungcn über die Schlaf­krankheit fortgesetzt werden, die ja Die H oft cit frage in erheblichem Maße beeinflusse. Er halte vorläufig bie Einstel­lung von zweieinhalb Millionen für cnoroerlich unb habe einen entfprechcnden Antrag an das ReichSschatzamt gestellt.

Im Anschluß an diese Ertlärungen uerbredete üaj ReicuS- schatzfekretär Wermuth über die vorauSiiajtEchen finanziellen Bedürfnisse Der nädjftan Zeit, soweit sie rnsbeiondcre am Der Grundlage der bisherigen französischen Aufwendungen zu schätzen feien. ES sei sehr fchwer, etwas fittjercs darüber zu sagen, welche finanziellen Folgen die Erwerbung für den Reichshausijalt haben werde. TaS französische 5lungogcbict weise einen Zuschuß von etwa V/4 Mcklionen Francs nach, Den Frankreich jur Die Stolon.cn zu leisten habe bei einer Einnahme in Höhe von etwa scais Millionen, Die aus der Kolonie fließe. Eine Ameihe von 21 Millionen Francs sei erst zum Teil begeben. Ter Lchatzselrctär bestätigt die Angabe deS Gouverneurs Lols über das erstmalige Erfordernis von 2* 2 Millionen Mark, bic in den nächsten Voranschlag eingestellt werden sollen. Er könne aber nicht die Sicherheit übernehmen, Daß Dieser Be- trag reichen werde. Er Hose, daß es gelingen werde, bic inanjicllcn Interessen des Reiches zu wahren. Er werde jcd.n- allS darauf dringen, daß im Kolontalamt.nach MögEcyleck ivar- ani gewirtschaftet werde, wobei natürlich die kulturellen, wirt- chaftlichcn und sanitären Aufgaben in Den Kolonien nicht zu kurz ömmen dürften.

In der Aussprache hierüber wurde vom Zentrum betont, daß man nur langsam oorgcljcn dürfe. Ter Reichszuscyuß dürfe durch den Slongoeriücib nicht vermeyrt werden. Was hier mehr an Ausgaben erfordert werde, mühe an anderer Stelle gefPart werden.

Bon fortschrittlicher Seite wurde betont, daß mit Sicherheit eine erhebliche Vermehrung der RetchSausgaben zu anvarten sei. Tie Verstärkung der militärischen Maclttmitiel

politijcbe Lngesscbau.

Ter Aufmarsch jum Wahlkampf.

Mit der nationadibciaicn Waytparoie ist sogar Da5 Berliner TagcblaU' annäherird zufrieden. TieBoss. Ztg." begrüßt Die fich anbahnendc Einigung des Liberal.o- inus, üiDcm sie über den nationalltbcralen Wahlaufruf idjrcibt:

Tas alles kann jeder liberale Mann mckcischreiben, welcher Partei er auch angehvre. Und Das ist das Erbebente bei diesem uufinarsch zum Wah.iantps, daß endach Freisinnige unb Nation il­liberale von vereinzecken Ausnahimn abgrieljcn sich zu- janimcngchntD.n haben in dem Gefühl, Daß sic cm Verbrechen am Gewmtiioecati-iuus beginge: , wollten sie heb in einem Augen­blick, wo es gilt. Geriet j'i halten, in ,elbstmörDcri>chcr Bruder« fchoe zerfleischen. .

Ter siamps gilt den Parteien, die e»5 für der politifchen Weisheit letzten Schluß hielten, bic Millionen deS lache n- den Erben zu schonen und bic Streichhölzer teS tiettfl- weibcS zu besteuern. Er güt Den Parteien, die nach Dem Zeugnis Des Fürsten Bülowein frivoles Spiel mit ten 3**ereilen Der Rlonarchie und des LanteS" getrieben haben.

Freilich, so notwendig es in, Die bonietjaiio-flerirale Mehr Heck zu beseitigen, so wenig ist es tem freiheitlichen Bürgertum veschieten, die Front ausfchlicßlich nach jener einen Seite zu richten. Es ist genötigt, sich auch nach anderer Seite seiner Haut zu wehren. Tenn Die S o z i a 1D c in o 11 a t i e Denkt nicht Daran, etwa liberalen BciitzstaitD zu achten; sie ist bisher uicbt einmal zum Verzicht auf eigene ManDiDatur im ersten Wahl­gang dort zu bringen, wo ihre Taltik lediglich geeignet ist, Der Reaktion Das ManDat in die Hände zu spielen.

Wie in Baden, Elsaß-Lothringcn, Bayern liegen Die Dinge nicht überall im 'Jiciuje bei Den Reichstagswahlen. Vielmehr gibt es Streifc ^enug, wo ter Kampf in Der Hauptsache zwif'ckjen Liberalen unD sozialDemokraten auszusechten ist. Zum Exempel, was bcDeutet Der Großblock in Berlin? Von allen sechs Wahl­kreisen Der HauptstaDt hat Der Freisinn nur einen, Den ersten behauptet. Im Jahre 1207 erhielt Kaemps tm ersten Wahlgange 6067, Arons 5042 Stimmen, der konservative Siandidat 972, Der tlenlale 271, der Bodenreformer 780. Tie Sozialdemokralie sucht jetzt einen Mann von tem erprobten Liberalismus Kaempjs zu verdrängen. TaS heisst, das frinhecklich gesinnte Bürgertum wird gezwungen, seine Waffen so gut gegen linls wie gegen rechts zu brauchen.

21 u> StaOt und Canö*

ie>icuen, 22. Rooember 1911.

♦♦ Feier des Geburtstages des Groß- Herzogs bei der Garnison. Am Freitag, 24. Nov, findet großer Zapfenstreich statt. Er nimmt folgenden Wog: 7.45 Uhr Abmarsch von Der neuen Kaserne, Ltchcr Straße, Moltkestraßc, Qsi-Anlage, Watttorstraße, Marktplatz, Set- tersweg, SüD-Anlage bis zur Wohnung Des Provinzial- DirektorS Tr. Usinger. Hier ipiett Die Munk mehrere Stucke. Rückmarsch Durch Molttestrafze, Skaiser-Attee nach Der städt. Kaserne, woselbst Der Zapfenstreich geschlagen wirD. Am 25. Nov., 7 Uhr Dornt., großes Wecken, Das denselben Weg nimmt, wie der Zapfenstreich Um 9 Uhr vorm. wird von Der ScaDtiirche ein Ehoral geblasen. Um 9.45 Ubr finbet in der Sladtkirche für »Die evangettschen, um 9.30 Uhr in Der katholischen Kirche für Die katholischen, um 9 Uhr vorm. in Der Synagoge für Die jüdischen Angehörigen des Regiments Festgotlesdiensi natt. Nach Dem Gottesdienst R egt»