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29.6.1911 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

161. Zayrgang

General-Anzeiger für Oberyejfen

llr.^50 ^«rfics öiatt 161. Jayrgang Donnerstag, 29. Juni 1911

g®vHvDviivi uiijviyvi a ZUM . General-Anzeiger für Oberhessen WM für die Tagesntmunec Rotationsdruck und Verlag der vrübl'schen Univ.-Vuch- und Ztcindruckerei R. Lange. Redaktion. Lrpedition und Druckerei: 5chulstratze 7. <£r?-ta(üt Seit bi* vormittags 9 Uhr. Büdingen: jernsprecher Nr. 5V Geschäftsstelle vahnbofstrahe (6a. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.

Schlutz öes preußischen Landtags.

Tas Spiel ist aiiv! Es mar wirNich nur mehr ein «Spiel, und zwar ein Momöbienfpief, wie es in den Annalen bei preußischen Parlamente noch nicht verzeichnet ist. Tic Mehrheit de- Hauses, Rechte und Zentrum mit ihrem Prä sidenten v. .Krocher an der Spiiie, haben ihrem Treiben aus den letzten Tagen heute die Krone ausgesetzt. Es ging um den Preis der rheinischen Landgemeindeordnung Tic Obstruktionspolitik des Zentrums fand ans der Rechten Miib beim Präsidenten willige Helfer zur Vergewaltigung der Minderheit, und das Ergebnis ist, daß alles, was nicht gestern noch endgültig erledigt worden war, unter den Tisch fiel.

Trei Sitzungen lang wehrte sich heute die Minderheit gegen die Gcwaltspokitik. Präsident v. 5t rödi ec judjte, nnd) dem die erste Sitzung infolge der abermaligen Obstruktion des Zentrums bei der rheinischen Landgemeindeordnung ein vorzeitiges Ende gefunden, für die zweite Sitzung bart itädig seine Tagesordnung durchzudrücken, aus der natur lid) die rheinische Landgeineindeordnung' und andere ivid; tige Tinge jehlten. Aber Nationalliberale, Volksparcci und Sozialdemolraten traten seiner Willkür entgegen und er reichten, daß das Haus über die Gültigkeit der nicht gc druckt vorliegenden Tagesordnung culjmcibcn sollte. Tie namentliche Abstimmung ergab zum zweiter Male die Be­schlußunfähigkeit. Herr v. Mrödiev ließ nun zwischen der zweiten und dritten Sipiiiig. eine Tagesprpnnng verteilen, auf der abermals nur die der Rechten und bem Zentrum genehmen Punkte verzeichnet waren Wiederum erhob die Linke Widerspruch, indem sie burd) Herrn Packmickc an her Hand der Geschäftsordnung nachivics, daß die bloße Ver­teilung der Tagesordnung auf den Plätzen des Saales zu ihrer Gültigkeit nicht genügt Tic Aussprache dar über­nahm durch eine, unglaubliche Taktlosigkeit des Abg. von Pappenheim (Kons.,, der die Linke als unter der geistigen Leitung des Herrn HpssmannPehend charakterisierte, einen recht stürmischen E Hara Her an Unverschämtheit! Frechheit! schwirrte es burd) den Saal, nnd der Pappenheimer mußte es sogar erleben, das; der Abg. Graf v. Moltke in fried- lidicr Erklärung inert von ihm und seinen Manieren ab ruckte. Was sachlich darauf zu jagen war, das besorgte bernad) der Abg. Schiller natl. , der betonte, daß seine Partei hier in dieser Geschäslsorchiungsfrage mit ben So- zialdemokraten übercinftimme, daß aber .Herr v. Pappen- heint anscheinend vergessen habe, baß gestern bi£ .Konserva- tiven in einer grundsätzlidfen Frage mit den Sozialdemo­kraten gemeinsame Sache gemacht hatten Ta gabs ziemlich verdutzte Gesichter auf der Rechten Von der Linken lottrbc der Antrag gestellt, morgen oder übermorgen eine ord nungsgemaße Sitzung anzuberaumen, auf bereu Tages Ordnung alle zur Entscheiduna reiten Materien stehen soll­ten. Tic Beratung hierüber sand ein Emde durch das Ein­treffen der Nachricht von dem auf 3 Uhr angesetzten Land- tagsschluß. Tas gab mehreren Rednern der Linken Anlaß, sich nod) etwas mit der Führung der Präsidialge. sdiäfte burd) Freiherrn v Mröcher zu befdtättigen, und Dereinseitige" Beifall, den die üblichen Tankesworte des Abg. Frhr. v. Zedlitz an bett Präsidenten weckten, mag diesem gezeigt haben, baß er gut daran tut, auf seine Wiederwahl zu verzichten 'Noch tönte das Konigshoch durch den Saal, bann senkte sich der Vorhang and) über den letzten schmählichen Akt dieser Session.

Um 5 Uhr erfolgte der friedliche Schluß beider Hauser burdi den M i n i st e r p r ä i i b c n t c n In Gegenwart des gesamten Staatsministeri.ims Tie ipaiitche Besetzung des

Hauses tat kund, in welch greller Disharmonie diese Tagung ihr Ende sand.

Das Herrenhaus hat heute in seiner IS Sitzung an der Vorlage über die Reinigung öffentlicher Wege einige Äenderungen vorgenommen, so daß der Entwurf ans Ab geordnetenhaus hatte zurückgehen müssen Ta dieses aber seine Beratungen bereits gcfmlossen hatte, so ist die Vor läge gescheiten. Tas Ausführungsgesetz zum Reichsvieh tließung, wonach ans dem Dispositionsfonds den Verbänden mindestens ein Trittei, in besonderen Fällen die Hälfte der von ihnen gewährten Beihilfen zu erstatten ist Rack) Erledigung mehrerer Petitionen war aud) hier die Tagesordnung er schöpft. Prof. .Küster Marburg sprach dem Präsidenten den üblid)en Tank aus und mit einem .Hock) aus den .König ging man auseinander.

Tic gesetzgeberische Arbeit des Landtags in der verflossenen Session. Ter Landtag ist nach sechs monatlicher arbeitsreicher Tätigkeit geschlossen worden. Tas gesetz

rial, )a i er in dicsci feit ci

die lange Zeil verlioltmsmäßig gering gewesen. Während der Landtag die Zeit dis Lstcrn hanvlsädüich für die Voranschlags bcratnng verwandt hatte, sind die übrigen größeren Gesetze erst im zweiten Tagungsabschnitt erledigt worden. Das Abgcord netenhaus bat 99 Sitzungen, das Herrenhaus 18 Sitzungen ab gehalten. Zn diesen Sitzungen wurden folgende Rcgicrungs Vorlagen verabschiedet: Ter Etat für 1911, das Zwectver bandsgesetz für Groß Berlin, das allgemeine ZtveckvcrbandSgesctz, das Feuerbestattungsgesetz, das Gesetz über den Erwerb von Fischereibercchtigungen, der Entwurf betreffend die Losgescllschas tc», die Veräußerung von Iuhabervapieren mit Prämien und der Handel mit Lolterieloien, der Entwarf über die Beschulung blinder und taubstninmer Minbcr, das Eisenbabnanleihegesetz, der Entwurf bcirihenb Entlastung des Obcrvcrwaltungsgcrichts, bei Entwurf eines Aussührungsgefetzes zum Rcichszuwachsstcucrgcfetz, der Entwurf eines Ausführungsgesctzes zum Biehscnchcngesetz, der Entwurf über die Polizewerwoliung in den Bezirken Tüst'eldors, Arnsberg und Munster, der Entwurf betreuend die Auflösung der Tertialvcrhältnissc im Regierungsbezirk Stralsund, der Ent Wurf betreffend die Schulversättmnilsc in dein ehemaligen .Kur siirstentum Hessen, Entwürfe betreffend die Umlegung von Grund stucken in Posen und Köln, eine Bergwcrksanlethe, eine Novelle zur Landgcniemdcordnuug für Hannover, die Wcgeordnuug für Lstpreußcn, Eingemeinduug-'vorlagen für Stettin, Breslau, Er furt, daneben eine Reihe Heinerer Vorlagen iVerandcrmtg von Amtsgerichtsbezirkcn, Grenzberichtignngen unb Rechnungsvor­lagen

Unerledigt geblieben sind die Novelle zur rheinischen Landgemeindeordnung, das Wegereiuigungsgesetz, der Entwurf bi treffend die Errichtung und den Besuch von Pflichtfortbildungs schulen, der Entwurf betreffend die Verpflichtung zum Besuche ländlicher Fortbilduugs'chulcn in den Provinzen Brandenburg, Pommern, Sachfen. Westfalen, Rbeinprovinz dieser Entwurf scheitert bereits zum dritten Male, lorotc die Novelle zum Eilen bahuanliegcrgesetz. Von Staatsvcrträgcn wurde ein Vertrag zwischen Preußen und Sachscn-Meiningeu wegen Uebertragnng der Leitung der Grundstückszusammenlegungen auf die preußucheu Ausctuandcrsctzuugsbehördeu angenommeit.

Von den über 100 Anträgen, die von den Mitgliedern des Hauses gestellt worden waren, sind etwa 20 beraten worden Von den emgebrachten Interpellationen, die zur Besprechung gelangten, seien solgende erwähnt: Beschwerde gegen die Hebei griffe bet Landrätc, Anfragen wegen der Winzernot, Beiorcchnng des Selbstmordes eines rusfifchen Studeulen an der Berliner Universität. Neben einer größeren Anzahl von Petitionsberichten wurden noch 11 Wahlvrusungsberichte erledig:.

Das neue französische Kabinett.

Paris, 28. Juni. Tie Minister hielten gestern abend einen .Kabinetts rat ab und stellten die im Parlamente abzugebende ministerielleErklärungin öcu Haupt- zügen fest. Sic beschlossen, alle Anstrengungen zu machen, um die Erledigung des Budgets zu besdUennigen.

Zcteli über seine vallonfahrt im russischen Kugelregen,

Z ckä 1 i, der bekannte Lustschisser uitD Erfinder mann facher S i ch e r h c 11 s v o r r i ch t u n g c n i m B a 1 l o n d t e n u , bet jungst in seinem BallonBerlin" an der rtmtscheu Grenze bcsaiossen wurde, gibt folgende ausführliche Schilderung jetner gefahrvollen Fahrt, die mannigfache neue Anhaltspunkte amwetft:

Tie Fahrt im BallottBerlin" wurde von Z c k 611 und Ojcrirfc zu dem Zwecke ougetreten, um neue Beobachtungen zu machen, die er zum Bau feiner Ballonsicherungcn notig hatte Iii langfamer Fahrt kamen sie dabei in oithdic JhidKiuig unb fufccii in einer Löhe von 3600 Metern mehrere «tunbtn lang, öier hatten fic den Anblick einer ivundcrvollcn Wolkenbildung, so unabsehbar und lückenlos, wie sie selten von Luntchmern ge- etzen wird. Als sie fid> bis ans 600 Meter dcrablietzen, wurden sic von russischen Soldaten dclchosieu. Es war aber nicht trgeiu ein Zufall oder die Willkür einzelner Soldaten, wie mannigfach derichtci wurde, sondern es war ein militärnches .Kommanio das ledcs Mal durch T r o mvctei ab g c b l en wurde, wenn bic Schießerei aufhören sollte. Turch widrige Winde würben nc fortwährend bald über die dentsck>e, bald über Vie ruvi'die Grenze aetrieben Mit welchem Eifer die rnnuchen Soldaten )ic be schossen, geht daraus hervor, daß bei Lubttz allein < «alven nut 6070 Schüssen gegen sie abgeseuert worden find. ^alnau ihrer Fahrt tounteu sie seststellen, daß 6er Wind, der ui einer Höbe von über 3000 Metern berrfchle, nach ^.eutfchland nchrie. Um dem Kugelregen zu entgehen, begaben Ite fi* nun ui btcje vöbc und wurden glücklich nad> Deutschland gifuhrt. LI eine divlomatische Verhandlung eingele.tet werden wird i,t dem Lu', schisser unbekannt. Bon ihm selbst oder von Gertcke wurde ein Antrag dazu nicht gestellt. Er kann höchstens von dem.herein au-geben, wenn nicht das Auswärtige Amt ^ea^nchrtgt, Schritte in dieser Angelegenheit zu ergreifen. Bon Rußland aus bic Frage angeblid) auch behandelt werden. Einen wirklich ernsten Erfolg kann man sich davon aber nicht verfprechttt, da bisher alle Vorstellungen zu keinem Ergebnis geführt haben. Nekölt Wstchtigt, in nächster Zeit eine neue <vam. oci grm'Ng.m Wind zu machen, um die Beobacktzungen, die mit Ballon ..Ber.in ÄÄKÜ sind. iortsuicee.L E» Danbclt um .neDrer Apparate, die die Verhütu n g v o n B a 11o.n ka t a u i ov hin bezwecken Zn erster Reihe komm: eine Erfindung 3ur c r - wns d^z Kas- und Bal la stocrluiics ,n Stage.

Ter Ballonführer soll sich dadurch Tage lang ini Luftmcer schwebend erhalten können. Ein anderer Apparat betrifft einenF a b r 1 riästungsanzeigcr", burd) ben der Ballon bie Möglich feit erhält, sich bei Nacht, Nebel ober zwischen den Wolken stets über die Fahrtrichtung orientieren zu können uno so Oer Gabi, unerwartet auf bas offene Meer getrieben zu werben ober mit bem Gebirge in Berührung zu kommen, entgehen zu löuiien. Tic dritte Erfinbung stellt den H ö h e n v e r ä u d e r n n g s m e I ber bar. Er unterrichtet den Ballonführer 'ofort von icdcr auch der geringsten Bewegung des Ballons nach oben ober nach linta:. Wahrend bei einer tangeren Ballonfahn burdjjnc er forderliche nnuntcrbrochcnc Beobachtung bes jciöciligot steigens ober Fallens an den Fustrumentcu bcr Balloniührer o't derart adgefvannt und ermüdet werden kann, daß er ein ihn möglich . weise verhängnisvoll werdendes unerwartetes rasches steigen ober Fallen bes Ballons überleben kann, wird der Balloniührer burd) Pen Avvara: sofort darauf aufmerksam gemacht. Endlich wäre noch ein Windrichtungsanzeiger zu nennen.

Der Maler Professor 3- M. Heinrich Hof- mann Mitglied der Akademie der bildenden .Künste zu Drcs her ist im Alter von *8 Fahren gestorben Lemc Vater stadi ist T arm ft adt, mo er am 19. Marz 1821 geboren wurde, unb den ersten Zeichenunterricht von dem Kuvi.r'techer^Ern't Rand emnnnq. Seine weiteren S;ub..r. : .. an ? xit"

borfer Akademie unter SäKihom und vJbcbranht g.macht. kolaten Wander und Studieniahrc in Münck .'.', .Frankfurt, Rom und wiederum Tarnt stad: Bon M fam Ho,mann .m >abre 1S4)3 nach Tresdeti, wo er dis in die neunziger '-i-rc hinein a\Ä Professor an der 'Kunstakademie vcrdienswoll ivirkte. r'.: bekanntesten Bilder von ;hm find moblTu- Ehcorechertn vor

u den iierden der Trcsdener Gcmaldegaler'.e gehören., «-.'.ne Grablegung" iit im Darmstädter Privatbefitz und icmeGe

saugennahme Christa" ist im Landesmu,eum.

- E i n Aiitikcufund in « o r r t it. Vor ein vaar Taaen sind in Sorrent bei Arbeiten an einer, Wauerlk.tung r.iuge aufeuorbcnilid) wertvolle antile Marmorkunnwerke gefunden, wor den His landen sich u. a. um ein vaar Statuen au--- oan,dxm Marmor, bic zum Teil recht gut erhalten und. Darunter finden sich eine Tiana zu Pferde, der le.der der Kov) fehlt, ein reckerü^r Amor, eine griechische Evhcbcufigur, cic autzerordcntj'.ch icbon

Die Programmerklärung des neuen Mifiisle- riums lvird sehr kurz fein und scharf den Willen des stabineltö betonen, zu regieren und dabei alle Vorrechte in Anspruck) zu nehmen, die mit der Ausübung der Re- gieruugsgclvall verbunden sind Das .Kabinett nimmt feinerseits das Rcsortuprogramm des Ministeriums Monis wieder aus und wird in erster Reihe bemüht sein, die Wahlreform burd^tiführen in einer Gestalt, die der gesamten rcpubltlanifd)en Partei die Annahme derselben möglid) macht, weiter will das .Kabinett die Steuer» rcfortn durd)führcn unb das Budget ohne Verzug be­schließen. Das Kabinett bringt einen Gesetzeulnmrf ein, der die Abgrenzungsfrage der W c i n b a u g e b i c t c regelt, und unterbreitet nach kurzer Frist der Kammer das Budget für 1912, endlich bemüht es fid), die Wiedcraustel hing der entlassenen Arbeiter zu erreidfcn, beabfiditigt aber nicht, vom Parlament gesetzliche Maßregeln zu diesem Zweck zu fordern, wie das vorausgehende Ministerium dies bcab sichtigte.

Das neue .Kabinett wird in der Presse sehr ber- schiedenartig beurteilt. DiePctite R6publique" schreibt: In seiner (Gesamtheit mädit das Ministerium EaiNaux einen guten Eindruck und die Besriedignug, die es hervvrrust, ist um so größer, als Herr Jaurös seiner Uiizusriedenheit bereits offen Ausdruck gab.Paris 3our- nal" jagt: Tas neue Kabinett lvird die Stimmen der republikanischen Mehrheit aus sich vereinigen, obgleich eine Anzahl Sozialisten ihm feindselig gesinnt sein wird. Ebenso schreibtAurore", daß die neue Regierung bereits heute das Vertrauen der Republikaner besitze. TicAction" sagt: Wenn Eaillaur die Leitung der proportionalislischen Bewegung entschieden in die Hand nimmt, bann kann er die sonst unvermeidliche Wiederauslösuug des .Kabinetts bintanhalteu. Der lonservativeFigaro" sdfreibt, daß neue Kabinett sei nur aus Kreaturen Eoinbes und Pelletaus zusammengesetzt.Libre Parole" schreibt: Die sdfwarz- fehcrischestcu Leute hätten nicht geglaubt, daß Eaillauz bei der Bildung des Kabinetts fiel) zu solchen Ungereimt­heiten und Hcraussorderuugeu verstehen merbi DasEcho dc Paris" Hübet, daß das neue Ministerium vollständig dem Kabinett Monis gleicheEclair" meint, das Ministerium sei ein seltsames Gemisch von Widersprüchen, vollends aber die Ernennung des Seloes zum Minister des Aeußcrir übersteige alle-.- TerRadical", das offizielle Blatt bcr Sozialistifch»Radikalen, spendet bereits heute bcu Absichten und Fähigkeiten Eaillaux das wärmste Lob.

Die englische Oerfaffungsfrifis.

London, 28. Juni. Bei Befviechung der politischen Lage in Verbindung mit der Vetobill warnen die libe­ralen Blätter Die Peers vor den schweren Folgen, die cm Hineinzieheu der Krone in die Politik haben würde. Die toiiservativeu Zcituugeil äußern sieh in ruhigerem Tone als gesternTailn Gravhic" glaubt nicht, daß die Peers so unparteiisch sein iverbeii, die Mtone zum Mittelpunkt: ihrer politischen Montroucrfcu zu inachcn. Nachdem die Lords ihrer Pflicht gemäß gekämpft hätten, würden sie sid, dem Unvermeidlichen sügeu.

Heute nad)mittag begann im Lbcrhausdie Beratung über die Belobill vor dicht besetztem Hause. Zahlreiche wichtige Abäuderuiigsauträge wurden angekündigt, dar­unter mehrere von Lord Lansdowne, und beilnriihigende (Gerüchte waren im Umlauf, daß eine Mise möglid) sei. 3n vielen Kreisen iit die Ansicht vertreten, daß die Peers tue Angelegenheit nicht auf bic Spitze treiben iverbcn, sondern daß sic iiachgeben toerben, nachdem sie ihren Widerstand bis zu einem gewissen Punkte fortgesetzt haben, ber die Regierung zwingen lvird, ihnen mit der Ernennung neuer Peers zu drohen, und daß sie auf bcu Abäuderungsauträgen

fein toll, und «-ine Gruppe von zimi Fünglingcn, bic vielleicht Eastoi und Pollur baiftcilcn. Ferner mürben zwei große Marmor- topfe gefunden, von eenen der eine einen flauer, wahrfckfemlich Hadrian, darstellt, denn in Sorrent war eine Statue von ihm vorhanden. Ter andere Kopf, ber außerordentlich hohen .Kunst- wert besitzen soll, stellt ben Fupiter dar Tiefer Fund verleiht ben Ausgrabungen in Somni zicmlictie Bedeutung, denn es gab in Italien nicht allzu viel-, 3taste, die einen Fuvitertemplt bauen. 3n bei (Gegend bei Irbeilsstälten hat in den ersten christlichen Fahrhunc.neu ein Pantheon gestanden, bas reich an Marmor- ftatuen uno anderen rdunßgegcnständen toar, f£ daß man an» nehmen darf, die Fnnbe stammen aus dieser Samnilung Sic iinü vorlänfig an Crt und Stelle gchuien worden Voraussichtlich werden Die Fnnbe nach demtaiioiialmnicum in Neapel gebracht neiden, dessen Leiter bic Aussicht über die Ausgrabungen führt.

T r. Vagclcrs Ugogo -Expedition. Tic boden- kundlictzc ltgogo Ervcditiou unter Lriluug oou Pnoatdo^nt Dr. Paul Vag ! i '.öniisberg i Pr. hat ihre 21 rbeiten int Notdost- teil Ugogos 6er Umgebung von Mpaoua, T'chungo, Kwa Nian- gallo, Mtanga und Mahoma beendet NachPeterm. Mittig." find die agrogcologi'chen Ergebniffe über Erwarten reich aus- geiallen unb bieten >ur b Klimagcfchichte bes tGebiets eine Reihe neuer Gesichtspunkte Von wi r 11 cha f 111 che m Wert ist die ' . :':elluna, saß j um im bereuten Gelände durchweg nm >ehr rcid-c Böden handelt, zu bereu Nutzung 'reilich im Moment bad ^aiier fehl'. Tic von Tr. Vageier auf Grund bet Untersuchungen in Der Mkattaebcnc an;<. uelltcn Gefichlspunkte über den engen lufammeniwng von Böden und Vegetation erroicicn sich auch Hier als fruchtbar. Turch T. O. E. Meyer, Den Geologen der Ekvedinon, find die >. a n d b r u ch e des alten <9ncisgcbirges uord- wc'üich von Mravua gegen Die Sango und i n ) a i u n g ro c - eilte feftgeftellr. Tiecibcn Senken bilden die Grenze zwischen bem allen Gnetsgebitge unb den Granitintrufionen des SO. NW. streichenden Haupigebirges, das mit Den Beresungwebergen oNlich von Mira Njangallo beginn: Tic zahlreichen Fm'elbcrgc im bipi des Gneises sind die U'tpfel von Parallel- odcl weiten* kämmen des Hauptgebirges, die im Verwitterungsschntt ertrunken sind Sur Mattographi- ist durch Leutnant idnimuc er in vier Meßtuchblättcru 1:50000 unb barometrischen Nivelle­ment- gleichfalls reiches neues Material gewonnen.