Au» Stadt und Land.
liegen, 25. April 1911.
Bi änderungen im Beurlaubten stände be& 18. Armeekorps. Befördert: Zum Hauptmann der Oberleutnant d. Res. Scheel (Wetzlar) deS Jnf.-Leib-Regirnents Grobherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117; zu Oderleutnants: die Lts. der Nes. Münzenberqer (Mainz) des Jnf.-RegtS. Prinz Karl (4. Grobh. Hess.) Nr. 118. Reichard (Mainz, des Grobh. Hess. Train-BatS. Nr. 18; zu Leutnants d. Nes.: die Vizefeldivebel bezw. Vizewachtmeister: Maehler (Hanau). deS 1. Kurhess. Jnf.-RegtS. Nr. 81, Scherer (WocmS). VosfiuS (Gießen), deS Jnf.-RegtS. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Koehler (Worms), des Ins.-Negts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Ehlert (Wetzlar), des 2. Unter-Elsäss. Jnf.-RegtS. Nr. 137, Schindler (Hanau), des 1. Nassau. Feld-Art -Regts. 9k. 27 Oranien. — Angestellt: Büschl er (Rtainz), Oberlt. der Landm. a. D., zuletzt in der Landw.-Jnf. 1. Aufgebots (I Essen), als Oberleutnant mit Patent vom 21. Oktober 1903 bei den Offizieren der Landwehr-Infanterie 1. Aufgebots.
** Die Benutzung des hessischen Staatsschuldbuches hat wiederum eine weitere Ausdehnung erfahren. Für das abgelausene Geschäftsjahr beträgt der Zugang über 7y2 Millionen Mark, wovon allein auf Bareinzahlungen über 4 Millionen Mark entfallen. Die Geschäftscrgebnisse bei dem Staatsschuldenbureau weisen bis zum Schlüsse des Rechnungsjahres 1910 folgende Zahlen auf: Bis zum Schlüsse des Rechnungsjahres 1909 waren eingetragen 8 042 000 Mark 4proz. Buchschuld, 31853 400 Mark 3y?proz., 20 377 700 Mark 3proz., insgesamt 60 273 100 Mark. Der Zugang im Jahre 1910 belief sich auf 3 473 900 Mark 4proz., 2 058 400 Mark 3y2proz., 2 084 200 Mark 3proz., Buchschuld, insges. 7 616 500 Mark. Es ergeben sich also als Sunime der Eintragungen 67 889 600 Mark. Die Summe der Ausreichungen betrug bis zum Schlüsse des Jahres 408100 Mark 4proz., 1829 000 Mark 3y?proz. und 656 100 Mark 3proz. Buchschuld, insgesamt 2 893 200 Mark Ausreichungen; so daß ein Bestand von 11 107 800 Mark 4proz., 32 082 800 Mark 3y2proz., 21805 800 Mark 3proz. Buchschuld, insgesamt 64 996 400 Mark verblieben. Die Zahl der Konten belief sich auf 472 bei 4 Prozent, auf 814 bei 3y2 Prozent und 463 bei 3 Prozent Buchschuld, insgesamt 1749 Konten.
Landkreis Gichen.
ch. Ebersta dt, 24. April. In diesen Tagen olickt Herr August Kambeitz auf eine 35jährige Tätigkeit auf dem Hofgut Hofgill zurück. Er hat in dieser langen Zeit die dortige GutSgärtnerei verwaltet. Sein Fleiß, nicht minder sein stets heiteres Wesen haben ihn allseits beliebt gemacht.
△ Grü nberg, 25. April. Der Kreisrinderzuchtverein für das Vogelsberger Rind tagte am Samstag hier im Saale zum „Hirsch". Der Verein hat in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht. Die Zahl der dem Kreisverein angehörenden Ortsvereine beträgt 10 mit 347 Mitgliedern. Die Zahl der angekörten Tiere flieg auf 319, 18 Bullen und 301 Kühe. Der Vogelsberger Zucht gehören in Heuchelheim 60, Leihgestern 50, Watzenborn-Steinberg 31, Großen-Linden 29, Grünberg 29, Steinbach 53, Klein-Linden 19, Lauter 31, Queck- born 13, Weickartshain 21 und in Stockbausen 7 angekörte Tiere an. Angekört wurden 1910 9 Bullen und 105 Kühe und Rrndcr. Zum ersten Male fanden im verflossenen Winter Vorträge statt in Heuchelheim, Steinbach, Leihgestern und Grünberg. Dank der Vortragstätigkeit hat die Zucht eine erfreuliche Weiterentwicklung genommen. Auch hofft man von den begonnenen Kreuzungsversuchen mit Frankenvieh das Beste. In Heuchelheim und Busenborn stehen Frankenbullen, auf den Zuchthöfen Zwiefalten und Bingmühle bei Lauter Frankenkühe. Daß das Vogelsberger Rind für unsere Gegend das bodenständigste ist, zeigt eine Statistik vom Schlachthof Wetzlar. Daraus geht hervor, daß diese Rasse z. B. gegen Tuberkulose viel widerstandsfähiger ist als ändere Viehrassen. Da die Viehausstellung in Kassel wegen der Maul- und Klauenseuche abgesagt ist, so ist das Aussuchen der Tiere für Kassel unnötig. Im Frühjahr fand in Gießen eine Sitzung wegen Gründung einer Vereinigung Mitteldeutscher Rotviehzüchter statt. Der Verband ist zustande gekommen, er umfaßt folgende Nassen: Vogelsberger, Bayern, Vogtländer, Sauerländer, Franken, Waldecker, Harzer, Schlesier, Odenwälder. Die Jahresrechnung für 1910 zeigt ein Gesamtvermögen von 2068 Mk., die Einnahmen betrugen 809 Mk., die Ausgaben 775Mk. Die Bezirkssparkasse Gießen unterstützte den Verein mrt 60 Mk., die Bezirkssparkasse Grünberg mit 50 Mk. Die Mitgliederbeiträge werden für jedes Herdbuchtier auf 20 Pfg. erhöht und sollen in Züttmft fdjon im Januar eingesandt werden. Der Voranschlag für 1911 wird mit 360 Mk. angenommen. Für Ausstellungen und Schauen sind 200 Mk. und 150 Mk. aus 1910 vorgesehen, also 350 Mk. Die Abhaltung der Kreisschau ist wegen der Maul- und Klauenseuche fraglich geworden, die Entscheidung fällt Anfang Juli. Vorträge beantragen Saasen, Grünberg, Großen-Linden, Göbelirrod, Weickartshain und Stockhausen. Der Weidegang soll in größerem Maße stattfinden, die Gemeinden werden zur Anlage von Viehweiden bei Einführung der Feldbereinigrmg angeregt und die Viehweiden. der Landwirtschafts- kammer empfohlen. Der Vorsitzende verliest die Bestimmungen über die Aufnahme auf die Viehweiden, und die Revision des Herdbuches. Die Versammlung stimmt beiden zu. Von größter Wichtigkeit war die Anregung eines Vogelsberger Zu ch t - vi e hmar'ktes in Grünberg. Der Vorsitzende, Beigeordnete Fu l da t und Z im m e r - Bingmühle sprachen für einen solchen Markt. Es könnten damit Ankörungen und Prämiierungen verbunden werden. Der Antrag soll dem Ausschuß überwiesen und der Landwirtschaftskammer vorgelegt werden..
Kreis Friedberg.
Friedberg, 24. April. An der Großh. Obstbau- schnle Friedberg finoet vom 15. bis 20. Mai (1. Teil) und vom 31. Juli bis 5. August (2. Teil) der Obstbau- kursus für Geistliche, Lehrer und sonstige Freunde des Obstbaues statt. Der Lehrgang soll den Gartenliebhaber soweit ausbilden, daß er in die Lage versetzt wird, seine Obstbäume, sowohl Hoch- als Niederstämme und Formbäume, selbst richtig schneioen, behandeln und pflegen zu können. Die Einrichtung ist so getroffen, daß vormittags der theoretische Unterricht erfolgt, und in drei Stunden die Teilnehmer mit den wichtigsten Obst- baumkrantheiten, Nodenverbesserung, Düngung usw. vertraut macht. Nachmittags finden ausschließlich nur praktische Unterweisungen statt. Es wird also nicht nur Theorie getrieben, sondern es ist vor allen Dingen der Praxis ver größere Teil der zur Verfügung stehenden Zeit zu- gemessen. Vom 22. bis 27. Mai schließt sich der Gartenbaukursus an. Derselbe umfaßt die Einteilung und Einrichtung eines Hausgartens, Freunde und Feinde des Gartenbaues, Gemüsebau, Blumenzucht, Beerenobstkultur, Düngung der Hausgärten usw. Auch hier ist vormittags der theoretische Unterricht, während nachmittags nur praktische Unterweisungen stattfinden. Zu beiden Kursen werden Männer, Frauen und Mädchen, letztere nicht unter 16 Jahren, zugelassen. Die Direktion der Anstalt ist zu jeder Ausmnft bereit.
Starkenburg und Rheinhessen.
4 Darmstadt, 22. April. Unter Beteiligung von Vertretern von 50 deutschen zahnärztlichen Landes- und Provinzvereinen tagte hier in den Räumen der Vereinigten Gesellschaft die JahreS-Versammlung des VereinS
bundes deutscherZahnärzte. Geheimer Obermedizinal. iat Dr. Neidhardt begrüßte die Erschienenen im Namen '■er Regierung. Einen breiten Raum in den Erörterungen nahm die N ei chsver sich eru n gs or d n u n g ein, deren endgültiger Fassung die deutsche Zahnärzteschaft nicht ohne ernste Zorge entgegensieht. Dagegen konnte mitgeteilt werden, daß 'Aussicht für die Errichtung staatlicher Organisationen (Zahn- ärztekammern) in einigen Bundesstaaten vorhanden ist. Der Ausbau der Standesorganisation wurde durch Annahme verschiedener Anträge befestigt. Jin letzten Jahre haben sich mehrere neue Vereine gebildet und sich dem Vereinsbunde angeschlossen. Eine Reihe anderer Vereine konnte ihren Mit- gliederbesland wesentlich erhöhen. Es wurde das als gutes Zeichen dafür betrachtet, daß die approbierten Zahnärzte in Deutschland in starker und schneller Zunahme begriffen sind, was wohl in erster Linie dem wachsenden Verständnis des Publikums für sachgemäße zahnärztliche Hilfe zu verdanken ist. An die Tagung, die sich über zivei volle Tage erstreckte, schloß üch eine gemeinschaftliche Rheinsahrt bis Aßmannshausern
= Mainz, 24. April. Hier tagte am Freitag und Samstag der Hessische Oberlehrerverein. Die Tagung war Vvn Direktoren, Oberlehrern, Assessoren und Referendaren aller Teile Hessens zahlreich besucht; die benachbarten Staaten hatten Vertreter entsandt. Die Tagung war durch die erstmalige Veranstaltung von Fachsitzungen ausgezeichnet. Altsprachler, Neusprachler, Mathematiker, Naturwissenschaftler und Geographen hielten den ganzen Freitag über in den geräumigen Sälen der Oberrealschule gesondert ihre Sitzungen ab, in denen Berichte über die wissenschaftliche Fortbildung der Oberlehrer, die neuere Methodik der einzelnen Fächer usw. erstattet wurden. Die Berichte, sowie die jeweils folgenden Aussprachen, gaben soviel Anregungen, daß beschlossen wurde, die Fachsitzungen zu einer dauernden Einrichtung des hessischen Oberlehrertages werden zu lassen. Der Abend vereinigte die Teilnehmer zu einer Begrüßungsfeier im Gutenberg- Kasino. Im Namen des Mainzer Oberlehrervereins hieß der Leiter des Kommerses, Prof. Dr. Hellwig, die Erschienenen willkommen. Den unterhaltenden "Veranstaltungen, darunter einem von Prof. Dr. Ledroit verfaßten Lustspiel, sowie dem übrigen Verlauf des Abends gaben rheinischer Frohsinn und Humor das Gepräge. Am Samstag fanden im großen Festsaal des Gutenberg-Kasinos die geschäftlichen Sitzungen, eine geschlossene und eine öffentliche, statt. Der Vorsitzende des Hessischen Oberlehrervereins Prof. Dr. Beck und der Schriftführer und Rechner- Prof. Dr. N e ß l i n g erstatteten die Jahresberichte. Außerdem wurden verschiedene Anträge erledigt. Ein Vortrag des Prof. Altendorf (Mainz) über die Neformschule führte zu einer lebhaften Aussprache. Mit einem gemeinschaftlichen Mahle und einem Abschiedstrunk schloß der 26. Hessische Oberlehrertag. Sein Verlauf zeigt aufs neue, daß der Hessische Oberlehrerverein nicht nur eine Vertretung der Standesinteressen der hessischen Oberlehrer darstellt, vielmehr auch in der Förderung des hessischen höheren Schulwesens nicht minder tätig vorwärts schreitet.
)!( Main^, 24. April. Wie wir kürzlich berichteten, hat sich die 26jahrige Ehesrau des Eisenbahners Michael Rohr vom Zuge überfahren lassen, nachdem sie ihr halbjähriges Kino in einer Wanne ertränkt hatte. Als man die zerfetzten Reste der unglücklichen Frau nach Hause brachte, weigerte sich die Schwiegermutter, die Leiche in dem Hause aufzubahren und die Träger mußten sie deshalb in der Scheuer unterbringen, wo sie bis zum Abend blieb. Erst dem ernstlichen Einschreiten des Bürgermeisters gelang es, die Uebersührung der beiden Leichen — man hatte die Leiche des Kindes auch in die Scheuer gelegt — in das Haus durchzusetzen. Bei oer Beerdigung kam es nun auf dem Friedhöfe zu Streitigkeiten, da eine andere Schwiegertochter die Mutter des M. Rohr beschuldigte, sie habe auch sie früher auf die gleiche rohe Weiss behandelt. Auch die anwesenden Heidesheimer Einwohner machten der Alten für ihr herzloses Handeln laute würfe.
Kreis Wetzlar.
Wetzlar, 24. April. Em sehr verschiedenartiges Bild geben die Steuerverhältnisse unserer Kreisgemeinden. 13 davon sind in der Lage, weder Zuschläge zur Staatseinkommensteuer noch Realsteuern erheben zu müßen. Keine Emkommensteuerzuschläge, aber Realsteuern, erheben 7 Gemeinden. Bis zu 50 Prozent werden in 6 Gemeinden und 50 — 100 Prozent in 23 Gemeinden erhoben. Höhere Sätze, nämlich 200 Prozent, kommen in 13 Gemeinden und über 200 Prozent in Bellersdorf (280) und Oberlemp (300) in Ansatz. 200 Prozent und mehr Realsteuern werden in 25 Gemeinden erhoben und zwar in 17 200 Prozent, in 2 220 Prozent und 2 230 Prozent, in je einer 240, 250, 255 (Oberlemp) und Edingen 300 Prozent. Alle anderen Gemeinden erheben weniger als 200 Prozent.
z. Atzbach, 24. April. Morgen, mit Beginn des neuen Schuljahres, treten für unsere dreiklassige Volksschule geordnete Verhältnisse ein. Am 1. August 1908 wurde die dritte
zug von Arbeitskräften dadurch zu begegnen, batz man Arbeitsgelegenheit für den Bezirk der Gemeinde, des Kreises ober auch des Nachbarkreises nachweist.
Es ist bedauerlich, daß immer wieder der Einwand erhoben wird, die Organisation des Arbeitsnachweises auf dem Lande vermehre die beklagten Uebelstände noch und zi^he künstlich, durch eine schematisch wirkende Organisation, die Arbeiter in die Städte. Dieser Einwand beruht grundsätzlich aus falschen Voraussetzungen, und die Erfahrungen, die von einer Reihe von Arbeitsnachweisen in kleinen Orten — Friedberg, Limburg, Bingen — gemacht wurden, lehren, daß der heimische Arbeitsmarkt in der aller günstigsten Weise durch diese Institute beeinflußt wird. Wenn beispielsweise Limburg für die dem Kreisarbeitsnachweis angeschlossenen Kreise in der Zeit vom 1. September 1909 bis 31. Adärz 1910 — 176 landwirtschaftliche Knechte und Arbeiter und 82 landwirtschaftliche Mägde kostenlos vermittelt hat, so spricht allein diese Tatsache für den Segen dieser Einrichtung. Es ist ja durchaus begreiflich, daß gerade die Landwirte dieser Einrichtung noch mit einem gewissen Mißtrauen gegenüber stehen, da sie vielfach der Ansicht find, sie sollten.' lediglich mit Arbeitskräften aus der Stadt, die los zu werden die Stadt ein Interesse habe, beglückt werden. Nichts ist falscher als diese Meinung. Wenn die Landwirte aus der Stadt und von städtischen Arbeitsnachweisen oder auch von privaten Stellenvermittlungsbureaus, der Sitz für die private landw. Vermittlung ist bekanntlich in der Stadt, Leute bekommen haben, mit denen sie nachher nicht zufrieden .waren, weil sie, wie der Ausdruck immer r-eißt, ,,für ihren Betrieb nicht paßten", so liegt das nicht an den Städten, sondern daran, daß der Arbeitsnachweis auf dem Lande nicht organisiert ist und deshalb die städtischen Arbeitsnachweise, die ja keine Fühlung mit jedem einzelnen Betrieb bei der oft großen Entfernung oder auch nicht mit jeder Gemeinde unterhalten können, eben schicken müssen, was da ist. Es ist nun begreiflich, daß Mißgriffe häufiger sind, als sie bei der Vermittlung innerhalb der Stadt vorkommen. Denn der Beamte, und das ist das Wesentlichste, kennt jeden Betrieb und seine Erfordernisse bezüglich der Qualität und der geforderten Kenntnisse der gesuchten Arbeitskräfte, mit anderen Worten, er kann hier individualisieren, während er bei der Vermittlung nach außen in vielen Fällen generalisieren muß. Es liegt deshalb nur im1 Interesse des ländlichen Arbeitsmarktes, wenn in Mittelund Kleinstädten ländliche Arbeitsnachweise errichtet werden. Tic Aufbringung der Mittel bedeutet für den Kreis int Verhältnis zur Wichtigkeit der Aufgabe nur eine geringe Ausgabe. Der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisverband ist gerade diesen kleinen Arbeitsnachweisen in jeder Weise behilflich und hat sie auch finanziell unterstützt. Auch das in Kassel eingeführte Wander- arbeitsstättengesetz kann jetzt, nachdem die Wanderarbeitsstätten tenchisch eingerichtet sind, der Wandererverkehr durch besondere Vorschriften geregelt ist und die Wanderarbeitsslätten sich als Betriebe vollkommen bewährt haben, eher fruchtbar gemacht werden, als es seither bei den großen Schwierigkeiten verwaltungstechnischer und betriebstechnischer Art möglich war. Steht doch für den Arbeitsnachweis der Wanderarbeitsstätten von döm preußischen Minister des Innern ein erheblicher Bettag zur Verfügung. — Der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisverband stellt seine Erfahrungen auf dem Gebiete des ländlichen Arbeitsnachweises gerne zur Verfügung und ist bereit, durch Vorträge in Bürgermeister Konferenz en, in landwirtschaftlichen Vereinen usw., seine Bestrebungen auf dem Gebiete des ländlichen Arbeitsnachweises, die auch von den körperschaftlichen Vertretungen der Landwirtschaft in oen Land Wirtschaftskammern mit großem Interesse verfolgt und finanziell in steigendem Maße unterstützt werden, in Interessentenversamm langen zu erläutern. Auch viele Vorsitzende der Kreisausschüsse und der landw. Kreisvereine haben sich lebhaft für die Frage interessiert und sie zum Gegenstand eingehender Erörterungen in den Kreisausschußsitzungen, auf den Kreistagen, auf Bürgermeisterkonferenzen imb in landw. Kreisvereinen gemacht. Zur Aufklärung über den ländlichen Arbeitsnachweis sind diese Besprechungen von großem Nutzen gewesen und waren oft von nach- haltigem Einfluß, sei es, daß die betreffenden Kreise sich bestehenden Arbeftsnachweiseinrichtungen .angeschlossen und diese dadurch lebenskräftiger gemacht haben, wie z. B. in Limburg, sei es, daß neue Institute ins Leben gerufen wurden. In Nastätten, Alzey, Oppenheim und voraussichtlich auch in Dieburg treten derartige Zurichtungen ins Leben und auch im Reg.-Bez. Kassel beginnen auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises ine Vorurteile zu schwinden; wie wir hören, beabsichtigen der Kreis Fulda und die 2—3 Nachbcttkreise (Hünfeld, Gersfeld und event. Schlüchtern) ein Institut nach dem Muster des Kreisarbeitsnachweises Limburg ins Leben zu rufen.
Der Verband macht auf die landw. Vermittlung, die besonders gepflegt wttd und die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vollständig kostenfrei ist, für die ferner eine Reihe weiterer Vorteile (billige Beförderung auf der Eisenbahn usw.) bestehen, aufnrerksam.
Offene Stellen nehmen alle Bürgermeistereien entgegen, die gehalten sind, die Gesuche schriftlich oder telephonisch weiter an den Verband oder an die Arbeitsnachweise zu geben, da alle Kosten für Porto, Telephon usw. vom Verband erstattet werden.
Märkte.
Gießen, 25. April. Marktbericht. 9luf heutigem Wochenmarkte kostete: Butter vr. Pid. 1,20—1.25 Mk., Hühnereier 1 st. 7—8 Big., Enteneier 1 Stuck 8—9 Pfg., Gäuseeier 1 Stück 10 bis 12 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pig., Kasematte pr. St. 5—6 Pia., Tauben pr Pr. 0,80—1,00 Alk., Hübner pr. Ct. 1,00—1,60 W„ Halmen vr. Stück 0,80—1,80 Alk., Enten vr. St. 1,80—2,20 Gänse das Pfd 75—80 Pfg., Ochsen fleisch pr. Md. 88—96 Pfg, Rindfleisch vr. Pfund 86—90 Pfg., Kubsieisch 70 Pfg., Schweinefleisch vr. Pfund 70—90 Pfg., Kalbfleisch vr. Psd. 88—92 Pfg., Hammelfleisch vr. Md 60—88 Pfg., Kartoffeln vr. 100 Kg. 8.00 bis 9.00 Alt., Weißkraut das Stück 30 bis 40 Pfg., Zwiebeln per Ztr. 10,00—12,00 DU., Milch das Liter 20 Pfg., Birnen per Psd. 00—00 Alk., Aepsel per Ztr. 10 bis 20 Mk., Russe 100 Stück 50—60 Pfg., per Ztr. 0—00 Alk., Bohnen per Psd. 00—00 Pfg. Marktzeit von 7—1 Nhr.
Niederschlag: — 0,0 mm.
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Klasse eingerichtet, eS standen aber seither nur zwei Schulsäle zur Verfügung, weshalb sich der Unterricht bis in die späten Nachmittagsstunden auSdehnte, was vor allem im Winterhalbjahr sehr zu beklagen war. Nunmehr bietet das alte AmtShauS fünf Klassenräume mit Lehrerwohnungen, dazu geräumige Spielplätze und auch Schulgärten fehlen nicht. Dec mächtige Bau wurde mit einer Kuppel versehen, in der die alte AmtSglocke fernerhin der Schule dienen soll.
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Landwirtschastlicher Arbeitrnachweir.
Man schreibt uns:
Mit dem Beginn der Frühjahrsarbeit tritt die Frage der Beschaffung von Arbeitskräften aufs neue an den Landwirt heran. Es ist ja eine viel beklagte Tatsache, daß so mancher, dem in der Heimat lohnende und sichere Arbeit sich böte, um eines augenblicklich vielleicht höheren, in vielen Fällen, jedoch nur vorübergehenden und unsicheren Lohnes willen, in die Säble, namentlich in die Industriegebiete zieht. Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß in vielen Dörfern, namentlich in den gebirgigen Teilen unseres engeren Heimatlandes, manche überschüssige Arbeitskräfte, wenigstens zeitweise abzuivandern gezwungen sind, daß jedoch diese Abwaiiderung sich wahllos, lediglich auf vage Behauptungen. nicht kontrollierbare Gerüchte und Angebote hin, vollzieht. Hier ist eine Lücke in der Entwickelung unserer Volkswirtschaft, die für das Land, aber auch für die Stadt von der allerweitgehendsten Bedeutung werden kann. Ob es möglich ist, diese Entwickelung auch ohne staatlichen Eingriff wesentlich zu beeinflussen, vermag nienrand zu sagen, da über das Wesen, den Umfang und die Bedeutung der Abwanderung noch )u wenige, aus exakten Forschungen beruhende Ergebnisse, vorliegen. Es bricht sich jedoch immer mehr die Ueberzeugung Bahn, daß der Arbeilsiiachweis in mittleren und u e i n e n Städten zurzeit bad einzige Mittel ist, dem ungeregelten AL-
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