Ausgabe 
22.11.1911 Erstes Blatt
 
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chauvinistischen Ton der französischen Presse könnten die Verhand­lungen nicht gefördert werden. Sollten diese scheitern, so hätten wir doch auf marokkanisches Gebiet keine Absicht. Wir müssen aber dann mit allem Nachdruck und Entschiedenheit von Frankreich die volle Ausführung der Algecirasakte nach Wort­laut und Geist verlangen. Als Großmacht könnten wir uns nicht von Frankreich entgegen geschriebenen Verträgen in unseren Rech.en kränken lassen. Wir hofften aber noch immer, daß eine freund­schaftliche Aussprache ä deux verhindern werde, daß es soweit komme. Wir rechneten auf die Unterstützung der anderen Mächte, speziell Englands, wenn die Franzosen eine Verständigung auf den von vns vorgeschlagenen Grundlagen nicht wollten, und wir in Marokko die Wiederherstellung des Status quo ante verlangten.

Ter Staatssekretär stellte fest, daß die in einem Teil der deutschen Presse aufgestellte Behauptung, die deutsche Regierung habe der englischen auf eine Anfrage 14 T a g e keine Antwort geschrieben, hinfällig sei. Als die Antwort an den deutschen Botschafter auf die von Grey angeregten Fragen abgegangen war, sei in Berlin der Wortlaut der Rede bekannt geworden, die Lord George in Mansion House am Abend des 21. Juli, also gerade am Tage der Unterredung zwischendemBotschafterunddemenglischenMini- ft er des Auswärtigen gehalten hatte. Am 24. Juli sei der Botschafter in London beauftragt worden, darauf hinzuweisen, daß in einem großen Teil der englischen Presse und in der gesamten französischen Presse die soeben im Wortlaut bekannt gewordene Rede des englischen Schatzkanzlers Anlaß zu heftigen Angriffen aus Deutschland gegeben habe, könne dahingestellt b'cibcn, wie weit diese Wirkung von dem englischen Mini­ster beabsichtigt gewesen sei. Sollte die englische Re­gierung die Absicht haben, die politische Lage zu ver­wickeln und zu verwirren und einer gewaltsamen Entladung entgegenzuführen, so hätte sie allerdings kein besseres Mittel wählen können als die Rede des Schatz­kanzlers.

Daraufhin habe der Botschafter gemeldet, Sir Edward Grey habe zwar zugesagt, die Mitteilungen über die Absichten Deutsch­lands, ein Gäiet in Marokko zu erwerben, parlamentarisch nicht zu verwenden, aber bemerkt, er habe dann auch kein Mittel, hin­sichtlich dieser angeblichen Absichten auf Agadir die öffentliche Be­unruhigung zu beschwichtigen. 'Tie Rede des Schatzkanzlers habe der Minister als maßvoll verteidigt, und behauptet, es sei durchaus richtig gewesen, daß sie gehalten wurde. Sie enthielt keine Drohung gegen Deutschland.

Der Botschafter habe dann den Minister erneut auf die Tatsache hingewiesen, daß die englisch-französische Presse die Rede des Schatzkanzlers als eine Drohung gegen Deutschland hin­stellte. Der Minister habe hervorgehoben, daß Deutschlands even­tuelle Absicht, die Wiederherstellung des Statusguo ante allein vorzunehmen, geeignet sei, der MarokLofrage noch eine ernstere Bedeutung zu geben. Der Botschafter habe daraufhin betont, drohende Warnungen würden Deutschland nur zum Festhalten an seinem Recht ermuntern.

Später sei dann die bekannte Reutermeldung veröffentlicht wvrden.

Aus Hessen.

Die amtlichen Stichwahlergebniffe.

DieDarmst. Ztg." veröffentlicht die amtlichen Stich- ^oahlzahlen:

Darmstadt: Henrich, Staatsschuldenbuchsührer, (Fortschritt!. Volkspartei) 6896, Knoblauch, Redakteur, (Soz.) 4391 Stimmen. Gesamtzahl der abgegebenen Stim­men 11419; ungültig 132 Stimmen. Henrich ist gewählt. Starkenburg 3, Höchst i. Odenw.: Fleckenstein, Straßen- meister in Höchst, (christl.-soz.) 1925, Hartmann, Landw. in Mühlhausen bei Neustadt, (Soz.) 2090 Stimmen. Ge­samtzahl der abgegebenen Stimmen 4015. Hartmann ist gewählt. Starkenburg 11, Bensheim-Zwingen­berg: Auler, Fabrikant, (natl.) 2553, Neumann, Kran­kenkassenbeamter in Offenbach, (Soz.) 2550 Stimmen. Ge­samtzahl der abgegebenen Stimmen 5103. Gewählt ist Auler. Starkenburg 12, Gernsheim-Pfungstadt: Friedrich, Landwirt in Groß-Rohrheim, (Bund der Landlos 3359, Raab, Parteisekretär in Pfungstadt, (Soz.) 2933 Stimmen. Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen 6292. Gewählt ist Friedrich. Rheinhessen 3, Wöll- stein: Schott, Bürgermeister in Uffhofen, (natl.) 2056, Eibach, Bürgermeister in Pfasfenschwaoenheim, (Fortfchr. Volkspartei) 2048; ungültig 20 Stimmen. Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen 4124. Schott ist gewählt. Oberhessen 13, Büdingen: Bähr, Landwirt in Rohr­bach, (Bauernbund) 2053, Schaub-Büdesheim (Soz.) 1843; ungültig 22 Stimmen. Gesamtzahl der abgegebenen Stim­men 3918. Gewählt ist Bähr.

Ueber die übrigen Wahlbezirke sind die amtlichen Zahlen noch nicht veröffentlicht.

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Ausland.

Die belgische Kammer begann am Dienstag nach­mittag die Beratung der von der sozialistischen Kammer- fraktion eingebrachten Anträge über die Frage der Landes­verteidigung. Kriegsminister General Helle baut erklärte, man habe durch eine übertriebene Pressekampagne in den letzten Monaten das Land beunruhigt. Alle Vor­bedingungen seien getroffen, um im Ernstfälle die Armee rn fünf bis sechs Tagen zu mobilisieren. Das Mllitär- gesetz von 1909 hätte sich bis jetzt in seiner vollen Konsequenz noch nicht zeigen können, dennoch habe der Effektivbestanb im Etatssahre 1910/11 42 850 Mann betragen gegen 36 000 Mann im Jahre 1908. Nach seiner Ansicht^te die Frie- denzpräsenz auf 44 500 Mann gebracht werden.

hessische Landwirtschajtskamnier.

R. B. Darmstadt, 21. Nov.

hessische Landwirtschaftskammer setzte heute früh schon um 9 Uhr ihre Beratungen fort, die Präsident Haas mit dem Ausdruck der Hoffnung eröffnete, daß die geizige gründ­liche Aussprache über die Maul- und Klauenseuche einen guten Erfolg zeitigen möge.

Die Versammlung wählte zunächst als Mitglied des Ausschusses für den Grunderwerb nach § 53 der Satzung das Voritands- mitglied Hensel-Dortelweil. Nach dem neuen Wahlgesetz hat die Landwirtschaftskammer für die vom Großherzog erfolgende Berufung eines Vertreters der Landwirtschaft in die 1. Kammer drei Kandidaten zu präsentieren. Es wurde einstimmig beschlossen, dafür die Herren Präsident Geh. Negierungsrat Haas, Bürger­meister mer -Erbesbüdesheim und Oekonomierat H off- mann-Hosgüll in Vorschlag zu bringen. Darauf trat die Ver- lammlung m die Beratung der Revision der Satzung ein über die der puristische Beirat Dr. Braun berichtete. Er wies m seiner Emlellung darauf hin, daß sich die Revision als not- r? ^101^ en habe unb bie jetzige Fassung einen besseren Ueberblick über die Organisation gewähre, daß aber im all- gemetnen keine wesentlichen Aenderungen erfolgt seien.

In der zunächst abgehaltenen allgemeinen Besprechung be­merkte Abg. Korell, daß er eine bessere Berückftchtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse bei der Einteilung der einzelnen Wahl­kreise gewünscht hätte, namentlich für Oberhessen. Landwirt Hensel-Dortelweil betonte, daß fich gerade in Oberhessen die wirtschaftlichen Verhältnisse fortwährend änderten; er bitte des­halb, an der jetzt vorgeschlagenen Einteilung nichts zu ändern.

Ministerialrat H ö l z i n g e r drückt sein Bedauern darüber aus, daß die von der landwirtschaftlichen Abteilung des Mini­steriums gemachten Abänderungsvorschläge nur zum Teil be­rücksichtigt worden seien. Ob die Regierung die Satzung in der jetzt vorgeschlagenen Fassung genehmigen werde, könne er noch nicht zusichern, da die Frist zur Prüfung für die Ausschuß­abänderungen zu kurz gewesen sei. Nachdem Abg. Korell noch darauf hingewieien hat, daß auch die Regierung bezüglich der Wahlkreiseinteilung in Oberhessen nicht mit den Abänderungen des Vorstandes einverstanden sei, wird in die Einzelberatung eingetreten.

Heber § 1 entspann sich eine längere Aussprache. Im Ent­wurf war bestimmt, daß die Landwirte in Hessen einen Berufs­verband bilden und daß die Interessen dieses Verbandes von den Landwirtschaftskammern vertreten werden. Ter Vorstand wollte dagegen statt Landwirtdie Verbandsangehörigen" gesetzt wissen. Es wurde nach längerer Besprechung die Fassung genehmigt, daß die Landwirte usw. einen Berufsoerband bilden. Bei § 4, der die Feststellung der Wahlbezirke betrifft, wurde eine Fassung angenommen, daß dieKammer ermächtigt" wird, das Ministerium um Durchführung der Wahlen zu ersuchen, anstatt, wie es der Vorstand beantragte, es dem Vorstand der Kammer überlassen bleibt", zu ersuchen usw. Bei einer Reihe der fol­genden Paragraphen wurden nach umständlicher Besprechung zumeist die Anttäge des Vorstandes genehmigt. Sehr eingehend wurde u. a. über § 105 gesprochen, der die Auslagevergütung bestimmt. Bisher waren 9 Mark Tagegeld, 3 Mk. Uebernach- tungsgebühr, 6 Pfg. für den Kilometer Eisenbahnfahrt und 60 Pfg. für den Kilometer Landweg für Mitglieder der Kammer, 5 Mk. für Provinzmlausschu,,- uno 3 Ml. Ur ^e'irlsauchcyußmitgliedcr festgesetzt. Der Vorstand beantragte, als Vergütung 5 Pfg. und 30 Pfg. für den Kilometer festzusetzen. Ministerialrat H ö l - zinger ermahnte namentlich verschiedenen weitergehenden An­trägen gegenüber, angesichts der hohen Verwaltungskosten größt­möglichste Sparsamkeit walten zu lassen und Diäten und Un­kosten mehr den Bestimmungen für die Staatsbeamten zu be­schließen. Gegenüber dem Antrag Krafft, nur die Fahrkosten 3. Klasse zu vergüten, betonten die Abgg. Breidenbach, Bähr u. a. die Notwendig,.ll, b,e Vergütung Ur die zweite Klam beizu­behalten und sich nicht den Beamten gegenüber zurücksetzen zu lassen. Der Antrag wurde gegen 8 Stimmen abgelehnt, bie Vor­schläge des Vorstandes angenommen, ebenso der Rest der Satzung. Da es inzwischen schon VZ3 Uhr geworden war, nahm die Versamm­lung die gleichfalls vom Vorstand mit zahlreichen Abänderungen versehens Wahlordnung im ganzen an und vertagte sich darauf. Nachmittags 4 Uhr fand dann noch eine weitere kurze Sitzung statt, in der noch die Wahlkreiseinteilung beraten und genehmigt wurde. Alsdann vertagte sich die Kammer mit Dankesworten des Präsidenten Haas.

Aus Stadt und Land.

Gies; en, 22. November 1911.

** Tageskalender für Mittwoch, 22. Nov. Stadt- t b e a ter: yiacijmiuug o*/, Uhr: ,EharteyS Tante"; abends 7*/3 Uhr:P otnische Wirtschaft".

R e t i g i o n s w i s s e n s ch. Vorträge. Prof. E ck: Tie Persönlichkeit Gottes. Abends Bxj4 Uhr in der neuen Universitäts­aula.

*

** Hilfe für Blumenau. Während cs in Lusern alt­eingesessenes Deuischtum zu erhalten gilt, handelt es sich bei Blumenau in Brasilien darum, au।blühendes deutsches Volkstum zu unterstützen. Die Kolonie Blumenau in Südorasilien, etwa halb so groß wie das Königreich Württemberg, wurde 1850 von Dr. Blumenau aus Rudolfstodt begründet und 1859/60 von der brasilianischen Regierung angebauft. Sie zählt letzt ungefähr 50 000 Einwohner, Darunter 36 000 Deutscl-e, vorwiegend Ackerbauer und Handwerker. Wenn, wie es häufig geschieht, den Nordamerikanern namentlich von englischer Scite aus sugge­riert wirb, bie deutsche, in dieser Beziehung doch wirklich gänznch harmlose Regierung, habe Absichten auf Südamerika, und suche bie Aäonroedoktrili zu verletzen, so gründen .sich diese Verdäch­tigungen in erster Linie auf das Aufollihen Blumenaus. In der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober brach üoer bie Süolonie eine ungeheuere Ueberichwemmung herein, bie hauptsächlich bie deutschen Kolonisten in schwerster Weise traf. Viele Häuser sind emgestürzt, Werkzeuge unb Vieh würben fortgeschwemmt; bie Ernte ist vernichtet, die Aecker sinb verwüstet. In der Haupt­stadt Blumenau standen die meisten Häuser bis zum Dach unter Wasier; bie Flut war im Zeitraum von 48 Stunden auf 16,5 Meier über den normalen Stand gestiegen. An eine Rettung der Gegnstänbe war unter diesen. Unniunoen nicht zu benfen, unb was bu» Wasser verschont hat, hat der Schlamm verdorben. Hu.se tut hier dringend not; die hiesige Ortsgruppe des All- deullchen Verbandes wendet sich mit der Bitte um regen Besuch des zu Gunsten der Blumenauer unb der Lu.erncr veranstalteten GrammophonLonzertes unb in einem Ausruf (vgl. den Anzeigen­teil) auch an Gierens Bevölkerung um Hilfe.

** In dem Hessischen Verein für L u f t s ch i f f a hr t Ortsgruppe Gießen, bi eit am Montag den 20. November Herr Dr. Karl Stuchtey aus Marburg, ein bekannter Ballonführer, eitzen fesselnden Vortrag über den Freiballon. In weiten Kreisen ist bie Ansicht verbreitet, ber Freiballon habe burch bie Entwickelung der Kraftballone unb Flugapparate seine Daseinsberechtigung verloren unb werbe in nicht zu ferner Zeit seinen mit Motoren versehenen Rivalen weichen müssen. Diese Ansicht ist burchaus irrig; denn zwei Momente sind es vor allem, bie eine Verdrängung des Freiballons verhindern werden, bas wissenschaftliche unb ethische Moment. Nur im Freiballon sinb ausgedehnte wisienschafttiche Beobachtungen möglich. Ter Kraftballon erhebt sich in ber Regel nur wenige hundert Meter über bie Erbe; Höhen von 1500 Meter können schon als bie Maximalhöhe gelten, die ein Motorballon ge­fahrlos zu erreichen vermag. Der gewaltige Gasverlust dieser Schisse setzt hier ihrer Steighöhe eine unüberwindbare Grenze. Der_ Freiballon dagegen kann ohne Gefahr bie größten Höhen, selbst bis 10 Kilometer, aufsuchen, wenn seine Insassen mit Sauerstofiinhalatoren versehen sind. Ihm ist es daher allein möglich, das Reich der Wolken und der Niederschläge zu er­forschen. Tie für den Wärmehaushalt der Erde überaus wich­tigen Beobachtungen über Intensität der Sonnenstrahlung und die A l b e b e n der Erde und ber Wolken können nur in größeren Höhen angestellt werben. Desgleichen kann man nur im Frei­ballon, ber jeder horizontalen unb vertikalen Bewegung ber Lust folgt, bie Trisierscheinnngen in Hoch- und Tiefdruckgebieten stu­dieren, wie auch bie für bie Molorluftschisfahrt unb Flugapparate so gefährlichen Vertikalströme. Dem Freiballon ist in ber wissen- fchas.licyen Erforschung ber Atmosphäre noch eine große Zu- lunft beschieden. Und nun erst das ethische Moment des preiballonsporls. In unserem nervösen, unruhevollen Kultur­leben macht auf den Menschen nichts einen gewaltigeren und erhebenderen Eindruck, als jm Freiballon hoch im Reiche ber -bollen über bie Lande zu schweben, frei von allen kleinlichen Egen des Berufslebens. Nich.s stört die erhabene Ruhe des vom Winde getragenen Luftschiffes, iveder die tief unter ihm liegende Erde, noch bie Strömung des Windes, mag sie auch

mit ber Geschwindigkeit eines Sturmes dahinfließen. Ob untt- uns im Sonnenglanze liebliche Landschaften vorbeieilen, oder ein Wolkenmeer unter uns wogt und brandet, es sind die gleichen paradiesischen Genüsse. Gerade die absolute Ruhe, mit der wir im Freiballon durch das Lnftmeer segeln, wirkt so unendlich erquickend auf uns Kulturmenschen. Ganz anders eine Fahrt im Kraftballon; das Getöse ber Luftschrauben erschüttert das Schift und ermöglicht kaum eine Unterhaltung, ein schneidender Luftzug weht uns entgegen unb Benzingerüche erfüllen bie At­mosphäre. Nur in geringe Höhen werben wir getragen unb das Reich ber Wolken bleibt uns verschlossen. An der Hand zahlreicher, vorzüglicher Landschafts- unb Wolkenphotographien schilderte der Redner den Verlauf einer Ballonfahrt, von Beginn der Füllung bis zur Landung. Auch Gießen wurde aus der Vogelperspllsive vvrgerührt. Durch den Taunus, über den Mein unb die herrlichen Moseltäler zurück nach der Eifel und dem Westerwald führte die Fahrt, die der Vortragende mit Lichtbildern veranstaltete. Lebhafter Beifall wurde dem Redner für feine fesselnden Ausführungen.

** Der NadklubGermania* Gießen feierte am Samstag in ber Turnballe sein Winterfest, das sehr gut besucht war. Nach erfolgter Begrüßung der Gäste durch dv 1. Vorsitzenden, Herrn Nödiger, brachte bie Festfolge ein einaktiges Tbeaterstück, bas sebr flott gespielt würbe und reichen Beifall fand. Ganz besonbers gut gefielen auch bie bumoristischen Aufführungen, so baß sich bie Vortragenden zu mehreren Zugaben verstehen mußten. Ten Glanzpunkt deS Abends bot bas Auftreten ber beiben Kunstfahrer völberle unb Meurer-Wetzlar, bie die Zuschauer mit ihren vorzüglichen Leistungen und mit der Sicherheit upd Eleganz, mit der sie dieselben auSführten, in Spannubg hielten. Reicher Beifall war der Lohn für ihre Mühe. Ferner wurden ihnen von dem Verein zwei silberne Becher überreicht. Ter darauf folgende Ball, der mit einer Fahnen­polonaise eröffnet wurde, hielt die Teilnehmer bis zur frühen Morgenstunde zusamuien.

** Allg. Staats-Eisenb abn » Verein zu Gießen. Am 2. Dezember findet oas erste Winterfest des hiesigen Allgem. Staats-Eisenbahn-Vereins in Steins Garten statt. Es wird mit der Feier des Geburtstages unseres Großherzogs verbunden. Das Konzert wird von der hiesigen Regiments-Kapelle ausgeführt. Dazwischen werden Gesangsvortrage und humoristftche Szenen die Gäste unterhalten, während ein Ball die Festlichkeit abschließen wird.

* Von ber Heilsarmee wird uns geschrieben: Am kommenden Dienstag wird die Heilsarmee im Saale des Hotels Einhorn eine Versammlung abhalten. Bei den llaatlicherseits anerkannten sehr guten Bestrebungen auf bem Gebiete der Nächstenliebe ist der Heilsarmee für ihre Ver- anstaltiing ein ausverkauftes HauS zu wünschen, so daß der Reinertrag, der nur den Aermsten zu gute kommt, möglichst hoch wird. Em guter Besuch sieht auch zu erwarten, weil 9iestauratiousbetrieb nicht stattfindet und daS Eintrittsgeld sehr gering bemessen ist.

Landkreis Gießen.

d. Wieseck, 21. Roo. Donnerstag, 23. b. Mts, abends 8 Uhr, findet Gemeinderatssitzung mit folgen­der Tagesordnung statt: 1. Beratung über den Vor­anschlag für bas Jahr 1912. 2. Vorlage des Vor­anschlages betreff des Baues der Wasserleitung von der Grabenstraße auf die Marburger Straße. 3. Vorlage des Vertrages über den Bau und die Lieferung von Wasser durch die Gemeinde und den Bewohnern der Marburger Straße.

Watzenborn, 21. Nov. In unserem Ort bricht sich allmählich die Erkenntnis Bahn, wie sehr eS für einen jungen Menschen von großem Stutzen ist, wenn er in der Zeit von feiner Schulentlassung bis zum sJJiihtärbienft einem Turnverein augehört unb regelmäßig die Turnstunden be­sucht. Das bestätigen auch Leute, die zurzeit ihrer Militär- psticht genügen. Unser Turnverein, ber dem Turnerbund Lahn-Dünsberg angehört, sucht möglichst mit anderen hiesigen Vereinen im besten Einvernehmen zu wirken. Auf Weih­nachten veranstaltet et eine Feier, verbunden mit Gaben­verlosung.

? AIkendorf a. b. Lahn, 22. Nov. Heute war hier über die jetzt fertiggestellte Wasserleitung große Freude. Nachbem nochmals alles durch Herrn Friedel von der Kulturinspektion geprüft worden war, konnte die Leitung heute zum ersten Male m Gebrauch genommen werden. Die Quellen sind oberhalb des Torfes, wo das Waffer in einem Behälter gesammelt und von da aus in einen vor zwei Jahren auS- geführten Brunnen im unteren Dorfe geleitet wird. Von hier aus wird das Waffer durch zwei Motore in den Hochbehälter gepumpt. Nachdem anfangs eine Anzahl der Bewohner sich geiueigert hatte, ihre Hofreiten ber Leitung anschließen zu lassen, hat schließlich sich doch nicht em einziger der Bequem­lichkeit verschloffen. Die Kosten ber Wasserleitung belaufen sich auf rund 60 000 Pik.

/X Holzheim, 21. Nov. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten hier die Eheleute Gg. Hch. Reuhl V. Das Ehepaar erhielt vom Großherzog besten Bild, vom Ober* konsistorium ein Neues Testament und vom Kirchenvorstand eine Bibel. Landwirt Reuhl ist Mitglied des Kuchen- vorstandes.

Kreis Büdingen.

s. Tübingen, 21. Nov. Unser Städtchen prangte gestern anläßlich der Hochzeit der Prinzessin Anna zu y ) enburg und Büdingen mit dem Grafen und Edlen Herrn Ernst zu Lippe-Weißenfeld in reichem Fahnenschmuck. Bereits am Montag abend brachten die- dinger Vereine einen Fackelzua dar, bei dem Bürgermeister Fendt dem Paare die herzlichsten Glückwünsche darbrachte. Der Bräutigam dankte in schneidiger Rede und der Für,! bereitete den Vereinen einige gemütliche Stunden bei freiem Bier und Zigarren. Am Dienstag beförderten die Wagen und Autos die Gäste nach dem Schloß, wo schon am Tage vorher viele Herrschaften angekommen waren. Auch viele Schaulustige aus der ganzen Umgegend waren gekommen, um sich bie Feier anzusehen. Die einzelnen Vereine bildeten um 2 Uhr vom Schlosse nach der Kirche Spalier und um i/23 Uhr bewegte sich der Hochzeitszug nach der Kirche. Nach erfolgter Trauung ging der stattliche §ug wie er ge­kommen, nach dem Schlosse zurück, wo ein Diner ftattsand. Um y47 Uhr erfolgte die Abfahrt des neuvermählten Paaren

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