Ausgabe 
25.1.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Zweiter Blatt

Nr. 21

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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Besichtigung, wie sie seit 40 Jal-ren sich Imrans

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9hm stellt allerdings Tast die Abänderung dieses Ver­trages in Aussicht, aber es wird sich doch sehr fragen, wie England sich in dieser Beziehung verhält oder in Rücksicht aus seinen Bundee-g-nassen Japan überhaupt Verhalten kann. Tie Tatsache, daß Ecuador die von der Union beantragte Pachtung der Galapagos-Jnseln, die, allerdings in einer Entfernung von 1000 Klm., im Stillen Ozean dem Eingang des Panamakanals vorgelagert sind, ablehnt, weist jeden­falls darauf hin, daß hier internationale Schwierigkeiten keineswegs ausgeschlossen sind.

Mittwoch, 25. Januar M

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universität^ - Buch- und oteiitbruderci.

R. Lange, Gießen.

DieOiehener Zamilienblätter" werden dem »Anjeiqer* viermal wöchentlich beigelegt, baS ' Kreisblatt für den Kreis ®ie(jen" zweimal wöchentlich. Die ,.Landwirtschaftlichen Lett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Ein ungedruckter Bries Hebbels. TieGrenz- boten" verössentlichen einen Bries Hebbels an den bekannten Shakespeare Kritiker «Prof. Telius in Bonn, den wir hier ab­drucken. Ter Bries bezieht sich aus Badenstedts großes Werk Shakespeares Zeitgenossen", das Hebbel in derWiener Jtg." kritisiert halte, woraus sich aber eine heftige literarische Fehde zwischen beiden Dichtern entspann.

Der Brief lautet:

Hochgeehrter Herr?

Seyen Sie nicht verwundert, daß ich Ihnen hiebei unter Kreuzband einige Nummern der Wiener Zeitung übersende, die ein paar Aufsätze von mir enthalten. Es geschieht nicht, weil der letzte derselben auch Ihrer und Ihres großartigen Unternehmens flüchtig gedenkt: ich habe nicht das Recht, Sic zu loben, denn wenn ich auch den Shakespeare und was zu ihm gehört, über ein Viertel-Jahrhundert studire, so ging ich doch auf andere Zwecke aus, wie Sie. Es geschieht nur, weil Sie höchst wahrscheinlich ein Buck gelesen haben wetügstens nennt der Verfasser Sie an einer Stelle seinen Freund, das mir Dinge in den Mund legt, die außerhalb des Tollhauses wohl noch Niemand gesagt bat. und weil Ihnen die Abhandlung von mir, worin diese Tinge stehen sollen, bei der bescheidenen Stelle, welche die Wiener Zeitung in der gelehrten Welt spielt, schwerlich zu Gesicht gekomm.n ist. Könnte ich Ihnen diese Abhandlung selbst vorlcgen, fo würden Sie dieselbe ohne Zweifel in Ton und Fassung ganz io angeme".'n und in der Materie hoffentlich nicht viel weniger gründlich finden wie jede andere ihrer Art; leider kann das erst geschehen, wenn meine vermischten Schriften erscheinen, da die Zeitungsnummern natürlich längst vergriffen sind. Ich muß mich daher darauf be­schränken, Ihnen die nothgcdrungene Ehrenrettung mein25 ge­sunden M errschen-Verstandes zu ubcrschicken; diesen sähe ich mir

DerHosfcnrock". TenHumpelrock", dessen Herr­schaft in der Tamcn-Mode nur von kurzer Tauer war, hat eine neue Erfindung abgclöst: derHoscnrock". Man schreibt darüber aus Paris: Wer sich in den letzten Tagen unter die elegante Menge mischte, die sich gegen Mittag im Bois de Bon- logne ihr Rendezvous gibt, der tonnte einige Damen in ent- zückenden Promenadenkostümen beobachten, die, so lange sie standen, nichts Auffälliges in ihrer Erscheinung darbotcn. Aber sobald diese Damen, bei denen wir cs im Ungewissen lassen wollen, ob sie derGesellschaft" angehörten oder Manneguins großer Schneiderateliers waren, sich in Bewegung setzten, sobald sie aus­schritten, da, 0 Wunder, sah man, daß sic gar keine Röcke trugen, sondern schwarze Scidenhoscn in Form und Schnitt ben Bein­kleidern ähnlich, wie sie Amazonen tragen, die im Herrensitz reiten. Einige dieser Revolutionärinnen hatten sogar die Neu­heit ihrer Toilette noch dadurch besonders betont, das; sie ihre langen Promenadenjackctts an der Sffte gerafft hatten. Großes Aufsehen erregten die Damen weiter nicht, denn sie sahen recht nett und gar nicht sehr auffallend aus, und die Mode der letzten Jahre hat uns ja durch starkes Emporraffen der Röcke bereits am eine Teilung des Rockes vorbereitet. In dieser Fornt des geteilten Rocks, der bis zu den Knien sich beinkleidartig um die Füße schmiegt und damr in einen ganz normalen Rock weitergeht, hat die Mode bereits einige Verbreitung gesunden. Zu einem kurzen Jackett oder Bolero trägt man einen langen, glatt an­liegenden Rock, der von den Knien ab in zwei voneinander abgetrennte Teile ausläuft. An diesen entzückend ga mir tat Koitümen, hie sich nur recht dezent der männlichen Kleidung nähern, sind bequeme Taschen angebracht, bi einem langgel>egten Wunsch der bisher taschenlosen Tamcmvelt entgegen "tontrnn.

Deutsche Kolonien.

Auswanderung nach S ü d - W e st - A f r i k a. Man schreibt uns: Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesell­schaft, der sich die Besiedelung und Teutfchwerdung unserer mit großen Opfern an Gut und Blut erworbenen Kolonie Deutsch- Süd-West Afrika zur Aufgabe gemacht hat, vermittelt tüchtigen jungen Mädchen, vorzüglich solchen die vom Lande stammen, häusliche Dienststellungen. Tic Mädchen erhalten auf Antrag des kolonialen Frauenbundes von der Deutschen Kolonial gesellschait freie Ausreise in der 3. Schiffsklasse, und nach zwei ­jährigem Kontrakt die freie Rückreise: sic werden nur solchen Familien vermittelt, die mit ihrem Gesuch eine Befürwortung des Kaiserlichen Gouvernements einreichen. Der Monatslohn beträgt in der Regel 50 Mark. Im Herbst des letzten Jahres hat der Frauenbund in Kectmanshoop, im Süden des Sckmtzgebictes, ein Heimatshaus eröffnet, das unter Leitung einer tüchtigen Oberin steht. Dorthin entsendet er jetzt einen Teil seiner Bewerberinnen, die vom Heim aus passende Stellungen im Lande finden. Bc- itcrbungcn sind zu richten an den Frauenbund der Deutschen Kolonialgescllschast, Berlin W. 9, Potsdamer Straße 134.

menverein Gabelston «MM tzereinsabend.

Zum 8all herberich-Rürnberg.

Von einer Frau erhalten wir folgende Zuschrift:

Während noch die Allensteiner Tragödie in aller Gedächtnis lebt, gesellt sich schon eine neue hinzu. Wieder hat man es mit einer Frau zu tun, die krank und doch nicht krank ist. Wieder gehört diese Frau zu dein großen Heer der Psychopathen, die' schon von Jugend auf die psychopathische Konstitution des Gehirns zeigte. Sie ist erblich schwer belastet. Schon die außer- gcwöhnlichcn Vorgänge nach Jahresfrist, wie:mit dem Messer auf den Gatten losgehcn",Androhung von Selbstmord" u. dgl. m. schon zu Anfang ihrer ersten Ehe, gaben deutliche Kennzeichen ihrer Belastung. So hoch begabte und gebildete Frauen fassen alles tiefer auf, darum wird ihr Gemüt auch erregbarer und

genommen.

Schon in der vorigen Sitzung war Volt freisinniger Seite die Unterstützung in Höhe von 20 000 Mk. bemängelt worden, die dieMarine Rundschau" erhält. Der volks- parteiliche Redner verfolgt diese Sache weiter. Nach leb­hafter Aussprache wird die Streichung oder Kürzung der Unterstützung gegen eine beträchtliche Minderheit abgelehnt.

Beim Kapitel I n b i e n st h a l t u n g e n wird von frei- konservativer Seite bemängelt, daß es bei der Verpflegung z 11 viel Alkohol, zu wenig Zucker gebe. Von fort schrittlicher Seite wird aus die alten bewährten Nahrungs­mittel Fleisch, Speck, Schwarzbrot, Grünkohl usw. bin gewiesen. Ein Nationalliberaler bemängelt den zu starken S e k t v er b r a u ch. Es entfpinnt sich eine Aussprache über den Al5oholverbrauch in der Marine. Tie An­schauungen gehen weit auseinander. Eine Anregung von iiationalliberaler Seite, daß die Offiziere im Monat nur für 10 Mark Kredit bei ihrer Messe haben sollen, findet trotz wiederholter Unterstützung keine Gegenliebe. Gegen dieseGängelei" wird von fortschrittlicher Seite Einspruch erhoben: diese Bevormundung von Offizieren sei eine un gehörige Zumutung. Auch Staatssekretär v. Tirpitz Ocr- ivahrt sich dagegen. Es wird im Verlaufe der Aussprache hervorgehoben, daß der Akkoholkonsum z. B. in Kiel so zurückgegangen sei, daß das Offizierkasino immer mehr auch an die Zivilbevölkerung feine Weine verkaufe. Tas

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhesien

von einem Manne, der einen und denselben Acker mit mir be­baut, wenn auch auf verschiedene Weise, nicht gern abgesprochen und Sie müssen mir ihn absolut ab sprech en, solange Sie nur meinen Gegner kennen.

Mit ausgezeichnetster Hochachtung

Ihr ganz ergebener,

Dr. Fr. Hebbel, Ritter mehrerer Orden pp.

Wien den 3ten May 1861.

yiuüuii yui, auch wenn man nur die heutige Besichtigungs­ordnung und nicht den Zustand vor. 1870 zugrunde legt, nicht ' Vatikan geleugnet oder aufgehoben werden. Natür- Vatikan sagen, er habe das Garantiegesetz nie an­erkannt, aber das würde Italien nicht hindern, gerade in einer Frage, in der es die öffentliche Meinung der ganzen Welt auf seiner Seite hätte, seinen Standpunkt geltend zu machen.

Der Papst und seine Museen.

TenLeivz. N. Nachr." wird aus Rom geschrieben: Es ist schon telegraphisch gemeldet worden, daß die Kurie den Ge­danken erwogen hat, ihre zornigen Proteste gegen die italienischen Gedenkfeiern des laufenden Jahres bis zu einer völligen Schließung der Museen, Sammlungen und Bibliotheken von März bis No­vember zu treiben. Es ist allerdings nach 24 Stunden ein De­menti erfolgt, das behauptet, der Gedanke sei nie erwogen wor­den. Nachrichten aus sehr informierten Ouellen lassen aber er­kennen, daß etwas an der Nachricht wahr ist und sei es auch nur ein Vorschlag der intransigenten Elemente gewesen, die heute wieder ganz obenauf sind. Öb der Papst in letzter Linie den Vor­schlag aus freien Stücken abgewicsen hat, oder ob die lunstischen Gegeiläußerungen der italienischen Presse die Gefahren eines solchen Schrittes doch zu sehr ins Licht gerückt haben, das ist für die Beurteilung der Stimmungen im Vatikan natürlich irre­levant. Das entscheidende für die Rombesucher ist hingegen, baß der Besuch ihnen nicht dadurch verkümmert wird, daß ein Teil der herrlichsten Schätze Roms ihnen verschlossen bleibt. Man muß sich klar machen, um wie viele Sehenswürdigkeiten es sich dabei handelt: Im Vatikan die Sixtinische Kapelle, die Stanzen und Loggien Rafaels, die Gobelinsammliulg, die Pinakothek und die Skulpturensammliingen: ferner die vatikanischen Grotten unter der Pcterskirchc, die Mosaiksabrik, endlich die ganzen Kunst­sammlungen Ticd Laterans.

Die Diskussion über die Rechtslage dauert natürlich fort. Es handelt sich um die Interpretation von Paragraph 5 des Garantie- gcsetzes vom Mai 1871. Darin heißt es, der Papst fährt fort, die vatikanischen und lateraniichen Paläste sowie den Soinincr- palast in Caftel Gandolsozu genießen" (bi goberc). Es ist also nicht von einem Besitz die Rede, sondern nur von einem Genutz und das stützt sich daraus, daß Italien sagt, bis zum 20. September 1870 fei der Papst nicht als Person, sondern als Träger der well- lichcii Krone des Kirchenstaates der Besitzer gewesen. Infolge dessen sei dieser Kronbeütz mit 1870 an den Rechtsnachfolger des Kirchenstaats, das Königreich Italien, übergegangen, das dem Papst mit dem Garantiegesctz eine weitere Nutznießung zuweist. Was speziell die Museen betrifft, so sagt derselbe Paragr. 5 des Garantiegesetzes, daß sie unverkäuflich siird. ?luch nut dieser Bestimmung ist also schon angedeutet, daß hier kein unbeschränktes Besitzrecht des Papstes vorliegt. Infolgedessen kann auch die

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktton:^^ll2. Tel.-AdruAnzetgerGteßen.

Die Befeftigung öes Panama-Kanals. ,

Schon feit längerer Zeit weiß man, datzdie Union danach ( krachtet, den Panamakanal, welcher am 11. Januar 191o ( eröffnet werden soll, zu befestigen. Hielt doch Exprä,ident Roosevelt im September v. Js. in Omaha (Nebraska) eine > Rede, in der er diesen Plan befürwortete, und sein Nach- folger Tast hat in seiner Sonderbotschaft an den Kongreß . int Januar ds. Js. diese Wünsche noch besonders unter­strichen. Nun stellt ja freilich eine Botschaft des ameri- kanisck)en Präsidenten nicht das dar, was wir unter einer. Thronrede verstehen, und die Stellung Tafts ist durch den Ausfall der letzten Kongreßwahlen so erschüttert, daß man seinem Verlangen nach einer Befestigung des Pauama- kanals an sich nicht so großes Gewicht beizulegen brauchte, um diese Angelegenheit hier ausführlich zu erörtern, wenn er nicht in dieser Frage das ganze amerikanische Volk auf seiner Seite hätte. Ob der näckffte Präsident der Unton ein Republikaner ober Demokrat ist, wird sich baljer in dieser Beziehung gleich bleiben.

Es war im Hinblick ans die kommende politische Umwälzung in der Union jedenfalls nicht unabsichtlich, daß Präsident Taft am Sonntag im Interesse der Befestigung des Panama- kanals in Newyork eine Rebe hielt und sich dazu gerade Den Presseklub als Resonnanzboden aussuchte. Ob es seine Rede pro domo war ober nicht, kommt hier nicht in Betracht. Jedenfalls werden seine Worte, daß bie Union das Recht unb bie Pflicht habe, ben Panamakanal zu befestigen, zur Wahrung seiner von Amerika versprochenen Neutralität, welche die anderen Mächte nicht garantiert hätten, den größten Widerspruch finden. Betrachtet man bie Befestigung des Panamakanals vom amerikanischen Standpunkte aus, so liegt es natürlich auf der Hand, daß eine Verbindung des Stillen mit dem Atlantischen Ozean ben Einfluß der Union in beiden Ozeanen nur erlstihen konnte, weil sie bann imstande wäre, ihre Flotte je nach Bedarf in beiden Meeren operieren zu lassen 'und durch starke Befestigungen an den Eingängen des Panamakanals jedem Gegner die Benutzung des Kanals zu verfchließeu. Das muß natürlich in Japan den größten Anstoß erregen, und wenn der japanische Ad­miral Jaschiro, der vor etwa vierzehn Tagen mit feinem Geschwader vor Panama lag, die Amerikaner warnte, den Kanal zu befestigen, so hat er damit wohl nur der in Japan herrschenden Stimmung Ausdruck gegeben.

Unb nun England! Es ist mit Japan verbündet und will mit der Union die freundschaftlichsten Beziehungen unterhalten. Teils wegen des gemeinsamen Angelsachsen tum3, teils auch wegen der Bestrebungen, bie sich in Kanada auf eine Loslösung von England und Angliederung an bie Union richten.' Da ist es natürlich schwer, Farbe zu bekennen. Soweit sich bisher die engliscljcn Preßmeldungen verfolgen ließen, ist aber die Meinung des englischen Volkes einer Befestigung des Panamakanals uid)t günstig gesinnt. Mag fein, daß die Anbahnung eines allgemeinen ^chieds gerichtsvertraaes, wie er kürzlich von amerikanischer Seite angeregt wurde, hier auch die Befestigung des Panamcv- kanals zur Entscheidung bringen soll. Jedenfalls schrieb Daily Graphic" noch vor wenigen Tagen, daß die be­absichtigte Befestigung ohne eine Rücksprache mit England ben Bruch eines feierlichen Vertrages bedeute. Es handelt sich ba um ben Hay-Pouncefote-Vertrag vom Jahre 1900, " "ings bei feiner Ratifizierung am 22. Februar _________ Abänderung zu. Gunsten der englischen Wünsche in der Befestigungssrage erlitt, für dessen Zustandekommen aber England sehr beträchtliche Rechte aus dem Clayton- Bulwer-Vertrag opferte. Der Inhalt des abgeänberten Ver­trages gipfelt darin, baß bie Vereinigten Staaten nur bas Recht zu bet Aufstellung einer militärischen Polizeitruppe zum Schutz des Panamakanals haben. Voii der Anlage von Befestigungen steht dagegen in diesem Vertrage kein Wort. Deshalb geht alles, was die Union jetzt hinsichtlich der Be­festigungsanlagen beabsichtigt, weit über die Grenzen des Hay-Pouneefote-Vertrages hinaus, unb es bedürfte chnes neuen Abkommens zwischen beiden Staaten, um diese Frage

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Die Kanalisierung des Neckars von Mannheim bis Heilbronn.

Die württ embergische Regierung hat den Standen eine Denkschrift über die Kanalisierung des NeckarsvonMannheimbisHeilbronn übergeben. Die Baukosten werden, ohne eine in Heilbronn zu er­richtende Umschlagsbrücke, 33,2 Millionen Mark be­tragen, wovon 19,6 Millionen von Baden, 3,5Millionen von Hessen und 10,1 Millionen von Württemberg zu tragen sind.

Die Jahresunterhaltungskosten sind: für Baden 294 207 Mk., für Hessen 53575 Mk. und für Württemberg 151 260 Mk. Der Bau des Kanals soll ohne die Vorarbeiten in drei Jahren durch- geführt werden. Von 17 Kraftwerken werden 29 000 Pferdelräfte im Werte von 12,6 Millionen Mark gewonnen werden, von denen 21000 auf Baden, 3400 auf Hessen unb 4500 auf Württemberg en f l en. De Vorarbeiten sind dem Abschluß nahe, so daß der Entwurf der Kanali­sierung demnächst den Regierungen der drei Uferftaaten übermittelt werden kann.

Der lNarinehaurhalt im vudgetausschuh.

: : B e r l i it, 24. Jan

Die Frage der t) c i 5 c r « u l a g e n beschäftigte den Bud getausschuß auch heute. Tie Sozialdemokraten unb bie Vollspartei haben beantragt, den Heizern die gesamten Zulagen in der bisherigen Hohe zu belassen, während vom Zentrum die teilweise Wiederherstellung der gestrichenen Zulagen beantragt wird. Danach sollen 10 bezw. 15 Psg. täglich gezahlt werden. Mit diesem Antrag erklärt sich der Staatssekretär einverstanden, und er wird schließlich an­

fei im Interesse des Weinhandels zu beklagen. Ter Redner bittet, das zu unterlassen. Tiese Anregung wird von Wil­helmshaven unterstützt.

Weiterberatung Mittwoch.

Aus dem Reichsversicherungsausschuh.

.: Berlin, 24. Jan.

Ter Reichsversicherungsausschuß erledigte heute zu­nächst den Abschnitt Krankenversicherung der Dienstboten und paßte dabei die Besttmmungen den Be­schlüssen über die Versicherung der ländlichen Arbeiter an. Der Abschnitt über die unständige Beschäftigung wird nicht geändert. Im Abschnitt über das Wander­gewerbe wird bei § 490 ein Zusatz beschlossen, wonach die Satzung bestimmen kann, daß der versicherte Wander- gewerbetreibende auf feinen Antrag auch Anspruch auf bic Ärehrleistungen der Kasse hat, so lange er sich im Bezirk der Kasse aufhält. Im Abschnitt über das Hausge­werbe wird zu § 515a ein Zusatzantrag Dr. Mugdan (Vp.) angenommen, wonach eine bereits statutarisch be­stehende Versicherung der Hausgewerbetreibenden nicht nur auf Antrag des Gerneindeverbandes, fonbeni auch der be­teiligten Einzelgemeinden auch nach Inkrafttreten des Ge­setzes weiter in Geltung bleiben tarnt.

Bei § 528, der von den E r s a tz k a s s e n handelt, ent- spinnt sich eine lebhafte Aussprache. Von nationalliberaler Seite wird gegen bic Errichtung neuer Ersatzkasseti ge­sprochen, weit biefe ein Tummelplatz ber sozialbem akratischen Agitation werben würben. Ucberbies würden sie ein Ab- sließen der Mitglieder der San b fronten ("affen herb erführen unb bamit deren Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Ein Antrag der wirtschaftlichen Vereinigung auf Errichtung besonderer Ortskrankenkassen für Handels- an gestellte wird zurückgezogen. Von fozialdemo- kratischcr Seite spricht man sich entschieden für bic Beibehal­tung unb Ausgestaltung ber Ersatzkassen aus, weil bic Krankenversicherung so ausgestaltet sei, daß bic Selbstver­waltung übermäßig eingeschränkt werde. ,Abg. Dr. Mug- dan (Vp.) stellt sich auf den gleichen Standpunkt, während ein Vertreter des Zentrums sich auf ben Bobcn ber Re­gierungsvorlage stellt. Die Verhanblung hierüber wird Mittwoch fortgesetzt.

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