Ausgabe 
23.5.1911 Zweites Blatt
 
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swenes Blatt

161. Jahrgang

M. 120

Giehener Anzeiger

Erscheint ti-lich mit Aulnohme bei Sonntagr,

General-Anzeiger für Gberheffen

TieGlehener SamlfienblStter4* werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da» Kreisblatt für bei Kreis »letzen" zweimal wöchentlich. Die ^Landwirtschaftliches Lril- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Dienstag, 23. Mai 19fl

Rotationsdruck und Verlag bet Brüblfche» Universität» * Buch- und 6teinbrudcttL R. Lang», Lieben.

Redaktion, Expedition und Dnickerri: Schul» strabe 7. Expedition und Verlag: Redaktion:e^S 112. IcL-SUbrj ^lnzeigerLteben.

bestimmt Der lautet, sind bis jetzt hierfür d r ei Kandi­daten in Aussicht genommen, nämlich Professor Bre seitens der Konservativen, Gutsbesitzer Lauer aus ftron- Hausen seitens des Bundes der Sanbroirtc und Professor Schücking seitens der Linksliberalen

Ans Statt und Land.

Giesien, 23. Mai 1911.

L.-ü. LandeSuniversitat. Herr Dr. phil. Kurt Koffka, der sich für das Jach der Philosophie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, hält Mittwoch, 24. Mai, nachmittags 4 Uhr, in der kleinen Aula eine öffentliche' Probevorlesung über das Thema: Zur Psychologie^ des Lesens. Herr Tr. Wilhelm Stepp aus Nürnbergs Assistent an der hiesigen medizinischen Klinik, der sich für das Fach der inneren Medizin an unserer Universität zu habilitieren i wünscht, hält am Mittwoch, 24. Mai, abends 6 Uhr, in der f kleinen Aula eine öffentliche Probevorlesung über das Themas liebet einige Forschungen auf dem Gebiete der inneren 1 Sekretion und ihre Bedeutung für die Therapie.

** Gesundheitspflege. Der Großherzog hat ben) Assistenzarzt än Der Landesirrenanstalr bei 2Nzey Dr. Aug. Werner zum Oberarzt an der Landesirrenanstast bet, Heppenheim ernannt.

* Erledigt ist eine mit einem kath. Lehrer zu be- - fetzende Schulstelle zu Lämmerspiel.

* Arbeitsjubiläum. Steiger Seipp auf dem Berg­werk feiert heute sein 40jährigcS Dienstjubiläum. Die Verwaltung deS Gießener BraunsteinbergmerkS beglückwünschte ihn zu dem heutigen Tag und überreichte dem Jubilar tn

Auf dem Wege zur britifdjen Reichscmheit.

Tic vierte britische ReichSkonierenz, nnc sic jetzt in London zusammentritt, konnte in fein glänzenderes Milieu 1 gestellt werden, als eS ihr durch die englischen Krönungs- rftlid)feiten geboten wird. Bor ihrem Beginn der Besuch eS deutschen Kaisers in London und die Enthüllung des Denkmals der Königin Viktoria, unter deren langer Re­gierung das britische Reich zum Weltreick) rouroe, und kurz vor» ihrem Schluß, am 22. Juni, der mit allem historischen Pomp abgehaltene feierliche Akt der Ävnigskrönung Georgs V., die Verheißungi voll die Zukunft der ans der Reichsfonferciiz vertretenen Kolonien verkörpert, für die der neue König ein ganz besonderes Interesse hegt, auch hinsichtlich deS endgültigen Zieles der Konferenz, der .Her­stellung einer Föderation der Kolonien, sowohl unterein­ander, als auch mit dem Mutterlande.

Denn diese Kolonien, also vor allem Kanada, Neufund­land, der südafrikanische und australische Bund, sowie Neu­seeland, zeigten, weil sie von vornherein Siedelungskolonien waren, schon lange die Tendenz, sich zu selbständigen Staa­ten zu entwickeln, und diese Tendenz verschärfte fidi, je mehr sie durch BevölkeriUigSzunahme und wirtschaftliche Reichtümer vom Atutterlande unabhängig tourben. Zwar beruht ihr Verhältnis zu Großbritannien auch heule noch staatsrechtlich auf der alten Kolonialverfassung: tatsächlich aber Haden sie sich von dieser schon heute mehr oder weniger weit entfernt, wenn auch bisher niemals das Bestreben auftrat, sich vom Mutierlande politisch unabhängig zu machen In wirtschaftlicher Beziehung dagegen hat Eng­land seinen selbständigen Kolonien, den Dominien, wie sie sich jetzt nennen, schon eine durckjatts selbständige Handels­politik zugestanden, tveil es durch die Ereignisse des Jahres 1783, wo sich die Bereinigten Staaten von Nordamerika von ihm trennten, gewitzigt war. Ja, es hat ihnen sogar eine Reihe von Rechten eingeräumt, wie sie sonst nur un­abhängigen Staaten znstchen, so z. B. das Recht, durch die High Eomrnissioners mit demUhittcrlandc zu verkehren, die eigentlich nichts anderes sind, als Gesandte der Do­minien.

Tic sogenannten Klein-Englander, die gegen eine LoS- lösung der Kolonien nichts eingcwendet haben würden, sind heute in England fast verschwunden Der Imperialismus, die Idee von einem Greater Britain hat heute fast ganz England ergriffen. Man steht auf dem Standpunkt, Eng­land und feine Kolonien durch eine gemeinsame Armee und Flotte verbinden und gewisse staatliche Einrichtungen überall gleichmäßig durch ein Reichsparlament ordnen zu wollen .liberale Imperialisten«, oder England und feine Kolonien durch einen Zollbnnd zu vereinigen und gegen das Aus­land durch eine fchutzzöUnerische Tarifreform abzuschließen (fonieroatiDc Imperialisten. Daß die britische Reichs- lonferenz schon heute diese Ziele erreicht, ist ausgeschlossen. Insbesondere erscheint der Plan eines Zollbundes bei der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Interessen und Ent- lvicklungsmöglichkeiten der Kolonien und Englands geradezu ungeheuerlich. Es ist an seine Berwirriickmng, solange ein liberales Mta binett in England am :)tubcr ist, gar nicht zu denken, mögen auch die Kolonien dem Piutterlande noch jo viele handelspolitische Vorteile gewährt haben.

Günstiger sind die Aussichten des Reichszusammen- schlnsses auf der Grundlage gemeinsamer Wehrpolitik und der Herbeiführung einer Einigung in einer Reche von Fragen, sowie bei der Errichtung eines Reichsparlaments. Zwar wird die Frage eines gemeinsamen Heeres und einer gemeinsamen Flotte auf der diesjährigen Reichskonferenz noch nicht erörtert iverden und ebensowenig die Frage eines Reichsparlaments und Senats. Aber daß es schließlich ein­mal dazu kommen wird, dafür gibt es hoffnungsvolle An­sätze. Bestehen doch schon jetzt in den Kolonien z. T. Hoeres-

Eine Landerversammlung der vunder der Landwirte für Nassau.

n. Limburg, 22. Mai Im Lokale der Alten Post sand gestern die Lande-5 Versammlung deS Bunde-der« Landwirte, Abteilung Nassau, ftnit. Nach einer Begrüßung durch den Landesvvrsu.renden Landivirl Hoffmann Niede- meisen, sprach Oebmonuerat L u ck e - Frankfurt a M. Wenn auch der Bund der Lanoivirtc, so führte der Redner auS, von den Parteien Haß und Ungunst verfolgt iverde, wenn man ihm auch den Bauernbund und Hansabunb entgegengesieklt habe, so l doch die Treue der Bauern zum Bunde der Landwirte so tin verankert, daß sie sich durch liichts abwendig machen ließen, weder durch fali'd)? Versprechungen, noch durch schöne Worte. An­schließend hieran hielt Dr. Diedrich öabit eine zweistündige Rede. Der Bund der Landwirte sei kein Feind brr Handels­verträge und Jndustriezölle, verlange aber auch einen cinsrciciren- den Getreidezoll. Tic Sclmld an den hoben Lebensmittelii trage nur der Zimschenhaitdel und nicht die Landwirte. Die .Vaupt- fordcrung bei den näcbftcn Wahleti niüssc lauten:Schutz der nationalen Arbeit".

In der 2lussvrache wandle sich ein Redner des Hansa- b u n d e s, Dr. Martin aus Wiesbaden, gegen verschie­dene AuSsührtmgcn des Dr. Ticbricb Hahn, was dieser in emem! Schlußwort zu cnifräitai suchte.

Es gelangte bami eine Entschließung zur Annahmr,,- iit der die Versaninrelten es ruf daS sdiärsske verurteilen, daß über die Wirkung der neuen Steuern von liberaler und sozial- denwkratischer Seite tu gewissenloser Weise falsche Darstellungen verbreitct wnrdeit, die mm geeignet feien, bic Geschäfte -er Sozial« demvkrakie zu besorgen.

E. Friedberger Geschichtsblätter Heft 3' (1911j derFriedberger Geschichtsblätter" erscheint in etwa' 14 Tageit, 200 Seit eit stark. Ter stattliche und inhaltreiche, Band nnrb mit feinen 22 Abhandlungen eine Fundgrube? für die Geschichte der Wetterau bleiben. Einen großen Raum nehmen diesmal die Veröffentlichungen aus dem Friedberger Stadtarchiv ein. Tie hier niedergcle^ten archivalischen Forschungen haben für die Familiengeschichte, die Musikgeschichte, die Geschichte der Medizin, das Re­formationszeitalter, die Zeiten des dreißig,übrigen und siebenjährigen Krieges, die Unruhen von 1830 und 1848, das Kriegsjcchr 1866 sowie für die Geschichte zahlreicher Wetteraucr Ortschaften schätzbare und interessante neue Er-' gebnisse gezeitigt Daneben sanden im Heft 3 auch die Wetteraucr Urgeschichte ^Ausgrabungen von ProfessorI Heimle bei Langeubergheim« und die Anfänge des mittel­alterlichen Friedberg eingehende Berücksichtigung. Der Tätigkeit und den Veröffentlichungen des Friedberger Ge­schichtsvereins widersährt in wissenschaftlichen Greifen stei­gende Beachtung. Was bisher in Friedberg für Vtttseum, Stadtarchiv und Stadlbibliothek getan wurde und noch ge­plant ist, stellen die bedeutendsten deutschen Kritischen Zeit­schriften Literarisches Zentralblatt" u. v. o., als muster­gültig hin Friedberg ist auf dem besten Wege, mit seinem Museum, Stadtarchiv und Stadtbibliothek ein Mittelpunkt für Wetterauer Geschichtsforschung, Heimcttpflegc und Volksbildung zu werden.

Wien, 22. Mai. Heute nach mittag fand unter zahlreicher Beteiligung hervorragender Persönlichkeiten der Wiener Musik- weit das Leichenbegängnis Gustav Mahlers, dem letzten Wunsch des Verstorbenen gemäß in einfacher Weise ohne Grabreden, statt.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen« schäft. Die Akademie der Wifsenschaften in Krakau ernannte den Professor Ulrich v. Wilamowitz-Moellendori -um korrespondierenden Mttglieo. Aus Weimar berichtet man: Alle vom Schillerhaus an die Berliner Theaterausstellung ver­liehenen, die Weimarer Thcatcrgefchich.'e betreffenden Ma- nuskriptc und . riese Schillers sind spurlos ver­schwunden, Sic wurden wahrscheinlich gestohlen.

21 ns £?cnen.

DormS, 21. Mai. Eine Versammlung der Ver­trauensmänner der Fortschrittlichen VolkSparteil Worms nominierte als Reichstagskandidaten ein­stimmig den jetzt in Bensheim ansässigen Gutsbesitzer« B cck cr -Ba r tma n ns h a g e n.

und Flotteneinrichtungen, die, wenn sie auch den Kolonien selbst unterstehen, doch schon heute England in den be­treffenden überseeischen Gebieten entlasten, und bic im Kriegsfälle zweifellos dem Mutterlande zur Verfügung ge­stellt würden. Auch die Forderung eines Reichsparlaments wird über kurz oder lang erfüllt fein. Denn hier ist es die vom Kabinett Asmuth zugesagte Homerulc für Irland, die den Stein inS Rollen bringt. Wenn man Irland und des weiteren, wie es heißt, auch Schottland und Wales ein eigenes Parlament zu gestellt und daS bisherige Paria' ment für England beibehält, so kann es, da man doch für gemeinsame Angelegenheiten schon des Mutterlandes ein neues Parlament schaffen muß, keinem Zweifel unterliegen, daß auch bic in den Dominien bestehenden Parlamente zu diesem ihre Vertreter entsenden und gleichzeitig auch zu einem neu zu errichtenden Reichssenat.

Tic englische Verfassung würde dann bis zu einem gewissen Grade der deutschen Reichsverfassung gleichen Aber bei ihrer "Schaffung und bei der Begründung eines britischen einheitlichen Weltreichs wird man nicht, wie in Deutschland, von einem Zollverein ausgehen, sondern von der einheit lichen Regelung einer Reihe dringender kleinerer Fragen, mit denen sich die jetzt zusammengetretene Reichskonferenz zu beschäftigen hat. So will die englische Regierung Fra- gen, wie die Stellung der Inder in den Kolonien, die Aus­weisung unerlvünfchter Einwanderer und bic Einführung einheitlicher Briefmarken, auf das Programm der Konferenz setzen. Neuseeland beantragt unter anderem bic Bildung eines Reichsrats im Uebcrgaitgsftadium als beratende, nicht beschließende Körperschaft, eine Neuorganisation des Kolo­nialamts, Penny-Postverlchr und Staatskabel, obersten Reichsgerichtshof, und Australien Zusammenarbeiten auf dem Gebiet der Handels- und Schiffahrtsinterefsen, lieber- cinftimmuna der Gesetze betreffend Warenzeichen, Patente, Naturalisation, Ucbcreinfrintmung von Geld, Maßen und Gewichten, sowie Zusammenarbeiten auf dem Gebiet der Reichsverteidigung. Wie viel von diesen Fragen auf der Reichskonferenz gelöst werden, läßt sich heute nicht sagen. Jedenfalls wird sie Beschlüsse fassen, die inhaltlich, ha Mutterland und Kolonien den Wunsch nach einer Reichs- einheit teilen, nur in der Richtung der Vorbereitung dieser Reichseinheit liegen können

Wer hätte gedacht, daß die ReichSkolonialkonfcrcnz, deren Entstehung auf ein gleichzeitiges Zusammensein der kolonialen Staatsmänner in London gelegentlich des ö0- jährigen Regierungsjubilaums der Königin Viktoria zurück- zuführen ist, das sich im Jahre 1897 gelegentlich des 60jah- rigen wiederholte, also zunächst rein privaten Charakters war, sieb unter dem ihr int Jahre 1907 verliehenen Namen Reichskonferenz" zu einer offiziellen, dauernden Einrich­tung auswachsen würde. Heute treten die Premierminister von Kanada (Sir Wilfried Lauviei >, von Australien (Andrew Fisher >, von Südafrika (General Botha«, von Neufcelaiid ,Sir Joseph Ward- und von Neufundland (Sir Edward Morris) und mit ihnen auch, wenn auch nur mit beratender Stimme, die Vertreter der Eiiizelstaateu und Provinzen, der Kronkolonien und Protektorate in London zusammen, um in Verhandlungen mit der englischen Regierung sich über Fra­gen zu einigen, die die Lösung des Problems, für ein Welt­reich eine feinen Bedürfnis en entsprechende Staatsform zu finden, vorbcreiten sollen. Tas sichert der aus beschei­denen Anfängen hervorgegangenen Retchskonferenz eine Be deutmig, die der Lösung der Frage der Vetobill nicht nur glcichsteht, sondern sie sogar, wenn man ihre mutmaßlichen Folgen betrachtet, wesentlich übertrifft.

C. wols-Zerrari-. La vita nuova.

Dem Serie liegen DantcS Worte der gleichnamigen Dichtung ju Grunde Wir eiuncyincn dem Auszug der Koniposüion bic TuidHichcnbc Einleitung in die Dichtung:

Ea x ita nuova" ist der Titel eines merkwürdigen kleinen Küchleins, txiä Tante vermutlich um das Jahr 1292 geschrieben uni) in welchem er uiis die Okfdndrtc feiner Jugendliebe erzählt. Es bildet so einen Kommentar in Prosa zu einer Anzahl un Verlauf der vorhergehenden zehn Jahre verfaßten Gedichte. Den Titel crllort der Dichter selbst in den enten Zeilen des Wertes:

,Jn renem Teil des Budres meiner Erinnerung, vor welchem nur wenig zu lesen ist, findet sich eine UcberfchnTt, die ba lautet: »incipit vita nova." ,L)icr beginnt ein neues Leben.")

Tonte nwlltc das Vücblcui zuerst laiciniid) abiaifcn, ent­schied iid) aber auf Drangen feines Freundes Guido Ealvacantr für das Jtalicniiche. Er erzählt bann, >me er iid) in Florenz int Jahre 1274, neun jährig, in ein um cm Jahr jüngeres Mäd­chen verliebte und schilderte die Seligkeiten nnb schmerzen diel er Liebe bis zu ihrem äußerlichen Ende, indem die Geliebte, raum vierundzwMizigjährig, am 9. Juni 1290 itarL

Wer dieses Mädchen war, wißen nnr mehr, Amangc des Büchlcms nenm sie Dante ,Fne verklärte Hcrrut meines Geistes, bic von vielen, bie nidu ivußten, wie sie sie nauiai tollten, Beatrice genannt wurde". .Beatrice heißr: btc Be- i'cligerin.) Ihre Verherrlichung luar auch das Atotw zur 'Jlb- fciifung derDivina Commedia", dort sendet sie dem uTcnbeu Tante als Geleirer den Schatten Vtrgils, sie selbst har ihren Sitz in den innersten Reihen zunächst der Trcieinigteit: oen ersten Plan nimmt dort bic Jungfrau Maria ein, ben zweiten Eva, den britren Rahel, den vierten Beatrice. .

Tr. Karl Federn, dessen deutscher Ausgabe der \ ita nuova diese Angaben anno nimm sind, lagt über das Buch u. a.: Es ist in einer wahren Feiertagsweiic, schlicht und ergreifend, er­zählt, mit feinster Pjyckologte, so lebatswahr, jo vvlltommen, bau vielleicht nur der es ganz aufzunehmen imstande ist, der in früher Jugend ähnliches enrfimbai und erlebt hat. Es ijt das lieblick ste Bitch, das das Mittelalter hervorgebrach: hat. Alles darin ist Weichheit, 3artheit, stille, sehnsuchtsvolle, fromme Emp­findung, eine Zartheit, bic vielen von uns gar nrchr nrdjr zu­gänglich ist. Nirgenbs zeigt sich bic Spur der lünfttgen Energie and Härte Dantes, ber tünftigen Knappheil unb schroffen Linien­führung unb ber künftigen Fülle an Bilbern. Eine Welt von Sdjickfalen mußte an ihnr vorübergeben, ehe aus dem Auror desNeuen Lebens" bet Tichter derDivina Commedia" wurde.

Eines ober hat dieVita nuova" mit derDivina Commedia" gemeinsam: die furchtbare Heftigkeit der Empfindung. Das ganze Buch ist der Ausdruck gesteigerter Gefühle, die ähnlich, ober

Landtagrwahl in Marburg.

0 M a r bu r q, 21. Mai. Durch den Tob bes Lanbrats Geh. Reg.-Rat v. Negelcin muß im Wahlkreise Marburg eine Neuwahl für ben preußischen Landtag stattfinden. Wie weit idnvädxr, viele andere Menschen auch empfunden habai. yrichl die Frühe der Jahre fallt auf: gerade diese Frühreife des Gefühles ist bei Dichtern hornig: Lord Byron unb Altieri haben sich m ihrem sechsten Jahre heftig verliebt. Aber die Vita nuova" zeigt uns ein über jedes gewöhnliche Maß ge­steigertes Innenleben. Die Liebe ergreift unb Hetzerncht nicht nur Dankes Seele, sic tritt aus chm tzmous, sie flutet durch alle Gassen, sic rendjönt den Hunme! unb oergolbet die Kirchm. von Florenz: jic bringt mnftijd) ein in bas ganze Weltgebäude, das Tonic sieht bic übrigen Menschen verschwinden ihm, verlieren alle Wichtigkeit, er ist allein mit seiner Liebe, sie Leibe erfüllen die Well, undjenseits ber Sphäre, bic am größten freuet", bei Golt und ben Engeln, ist von itzr die Rede. Das zicrlidrc Deine Mädchen, das er an jenem Frühlingstage zum erstenmal iah, Hot Dantes Seele erfüllt und an itd) gcriffen, cs hm bic Welt in ihm imprägniert und gestaltet: und heule, wo bie ganze wirkliche dröhn ende Weir, die ihn umgab, em Traum und Scharren geworden ist, baue, liegt jene Welt in ihm mit ihrer Fcrerragsluft, mit ihrem reinen blauen lidircn <5 dient, mit ihrer rührenden Trauer, in derVita nuova" leben- big vor uns und das Mädchen, das diese Wett hervorrief, ist ein berühimeS Geheimnis geworden uno vielleicht bie höchjre, eigentümlichste Illustration zu dem nicht so leicht zu iaüenben Satz Goethes:Tos ewig Weibliche zieht uns hinan."

Woli-Ferrari teilt idn Werk in zwei Teile unb schickt ihnen einen Prolog voraus, ber bie Liebe als Uebcntnnbcrin bcs Tobes verherrlicht unb uns wie durch ein mächtiges Eingangstor zum ersten Teil führt. Er hat Liebe und Leben zum Jntzatt,^wett- lich ui der Örunbttwumnig der Freude am Leben und an bei Schön­heit der Natur. Aber jeuiai Schluß bildet bereits £tnc jeansone, in der bic Engel ben Herrn bitten, Beatrices Seele,deren Glanz bis zur hünmlicbcn Höhe strahlet", zu sich zu nehmen. Gmtvaters 'Jüttnrert wirb vom vollen Ehor in palcnrinückcn Klängen gesungen unb wirkt in dieser elementaren Sprache mit allergreifender Viachr. Ein Jmermezzv, bas hierauf folgt, wirft jirm CTitcnmal die Schatten pes Todes in bic Dichtung. Es ist eine verklärte, schwernruwolle Verherrlichung des Schmerzes jener Sonette, bic dem Tode von Deatricens Vater ihre Enl- itchung verdanken. Ter zweite Teil fdjilbert in einer ergreifenden Szenc den Tod Beatrices. Von en'ckälternder Wirkung ist nach dem Ehorfatz bas Baiuonfolo ui Rczuaiiv-Eoarotter^ bas durch die fahle Klavierbegleitung fast gefpenfr.icn wirkt. Die einstige Vifwn wirb nun siun Ereignis eine Schilderung bes Erdbebens ist bei Höhepunkt bes bramalisch bdebtai Teils, ber uns rn mystische Hohen eulführr und mit ben Worten.Sie lebt un Licht l" auf die erhebende Vereinigung des Ewlgkeits.- unb Liebesgedankens weil'end, seinen Abschluß findet.