Issue 
22/03/1911 Erstes Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Die heutige Nummer umsahl 14 Seiten.

Nr. 69 Erstes Blatt 161. Jahrgang Mtttvoch, 22. März M

Der ««ebener Lnzekger JE55Ö O W ~ nwnatlitbTS^ üiertet-

eddjftm taflhdi auger ÄMKW A A jährlich Mk. 2.20; durch

ZM miekener zlntciQit

(Tient>nig unb-tieuag), M Hfk. ® IV H BL WM W Äfc* quSroärtti 20 Pienniq.

Mn<imal monat fflnb ^L^F V W B ^F W _ W ^F ▼W Lhefrebakleur: A Goetz.

a>irtld}afllid?e5<Ufrn en n W MM verantwortlich für den

sierniplech-Anschlüsse. MF politlschen Teil: August

lläSr General-Anzeiger für Oberhessen £«?£ unnaSmt1 von Anzeige« Hotatlonsbnid und Verlag der vrühl'fchen Univ.'vuch' und 5teindruckerei H. tauge. Nedattlon, Expedition und vruckerel: Zchlllftratze 7. o^nd-: S Heb'-^iür den bi! Mrm^m^n9niih Büdingen: Zernsprecher Nr. 50 Eeschastrstelle Bahnhofstraße (6a.______________________________ ^nze.aenteü: H. Beck.

Der Stichwahlsieg Dr. Werners.

Gietzen, 22 März.

vei der gestrigen Stichwahl erhielten Dr. Werner 12 580, Bedmann 11 602 Stimmen. Werner ist gewählt.

Ein uncrtoartete# Ergebnis, dieses entscheidende lieber«- gewicht brr Wern er sch en WäUerschast über den sozialdenrokrat-isä-en Heerbann! Für nationalgesinnte Menschen, auch wenn sie mit der Wirtschaftlichen Bereinigung weder verwandt noch verschwägert sind, wäre der Abfall unseres Bürgertums zu dem internationalen Umsturz, die neue Bestätigung der allgemeinen Bolksver- stimmung, wirklich traurig gewesen. Die Zahlen der ersten Wahl vom 10. März ließen diesen Ausgang kaum er­hoffen: Beckmann hatte 7976, Werner 7958, Korell 5059 und Gisevius 2511 Stimmen. Dr. Werner hat diesmal 4622 Stimmen mehr erhalten, Beckmann nur 3626 Stimmen mehr, mürbe also in der Stichwahl von seinem Gegner um 978 Stimmen überflügelt. Die Erklärung ist sehr einfach. Bei der Stichwahl haben 678 Wähler mehr ge­wählt als das erste Mal; die Reserven sind wohl in erster Linie Herrn Werner aus der bäuerln.)en Bevölkerung beigesprungen. Aber dann zählt i)r Werner immer noch 4000 Stimmen mehr als bei der ersten Wahl. Die kamen aus dem Wählerlager des Herrn Gisevius und des Herrn Korell? Trotz der Meinungsverschiedenheiten in der nationalliberalen Partei scheinen die Wälfter des Herrn Gisevius ziemlich vollzählig der nationalliberalen Stichwahlparole gefolgt zu sein, man darf wohl annehmen, daß 2000 Stimmen da­von Herrn Dr Werner zugefallen sind. Dann wären von den 5059 Wählern des Herrn Korell über 2000 zu Dr. Werner abgesprungen. Mögen von den nationalliberalen imb fortschrittlichen Wählern der Hauptwahl manche dies­mal zu .Hause geblieben sein: Das ändert an diesem Zahlenverhältnis und Stimmungsbild nichts, denn die Ge­genrechnung ftimmt. Genosse Beckmann hat seinen Stim­menzuwachs von 3626 Stimmen zum größten Teil aus dem Lager der Fortschrittspartei erhalten!

Man mirb bemnach manche Folgerungen aus bein Er- gebnis ber .Hauptwahl korrigieren müssen. Die'Meinung, die 5000 Wähler des Herrn Pfarrer Korell gehörten alle der fortschrittlichen Bolkspartei an, ist nicht aufrecht zu erhalten. Die 2000, die jetzt zu Werner abgesprungen sind, neigen sicher eher der nationalliberalen Partei zu. Denn man braudyt sich ja auch mir der temperamentvollen Fest­stellungen in den linksliberalen Zeitungen zu erinnern: jeder wirklich fortschrittlich gesinnte Marm kann garnicht anders, so hieß es, als gegen den schwarz-blauen Block stürmen und den roten Zettel abgeben; wer sich der Stimme enthält, ist fein rechter Fortschrittsmann! Der Liberalis-

mus, der auf das Wortnational" größeren Nack)- druck legt und demgemäß handelt, hat eine Schwenkung gemacht und der fortschrittlichen Parteiparole keine Folge geleistet. Pfarrer Korell hatte die 5000 Stimmen nicht auf Grund des fortschrittl. Parteiprogramms, sondern vermöge seiner persönlichen Eigenschaften als Redner und Bekenner der Schutzzollpolittk um sich geschart.

Dieser Schluß trifft auch für daS heutige Ergebnis in der Stadt Gießen zu. Bon den 2081 Wählern Korells haben noch nicht ganz 1500 die 1686 Stimmen des Ge­nossen Beckmann vermehrt, so daß er 3178 Stimmen erhalten konnte. 412 Stimmen sind im ganzen weniger abgegeben worden als bei der Hauptwahl. Die Wähler des Professors Gisevius sind also auch in der Stadt Gießen im wesentlichen für Dr. Werner eingetreten, während etwa 400 Fortschritt­ler oder Wähler Korells zu Hause geblieben und beinahe 200 angebliche Anl)änger der Fortschrittspartei direkt für Dr. Werner gestimmt haben, ber 1581 Stimmen auf sich vereint'. Die fortschrittlichen und demokratischen Blätter werden ein arges Gericht abhalten müssen! DieFranks. Ztg." legt sich in ihrem heutigen Morgenblatt eine merk- würdige Zurückhaltung auf: mich sie nennt das Ergebnis eine Ueberraschung, schilt aber mehr auf die Rattonal- liberalen, die doch gar nicht ausschlaggebend toaren, als auf die Abschwenkung des Koretlschen Anhanges, daspoltt nsche Neuland", das noch sehr der Beackerung und Pflege bedürfe, wenn eSfreiheitlicher Kulturboden" werden solle

Und so wie in Gießen war es durchschnittlich auch auf dem Lande, wo sich die Wendung vielfach noch weit aus­fälliger zeigt. Da ist A l l e n b o r f a. b. Lumda, wo bei 47 liberalen Stimmen nur drei für Beckmann stimmten, während Dr. Werner sich einen Zwvachs von 71 Stimmen holte! Wo die ländliche, bäuerliche Bevölkerung zu sprechen hatte, wählte sie gegen den Sozialdemokraten. In Hungen, wo Korell 149 Stimmen erhalten hatte, brachte Dr. Werner es auf 168 Stimmen gegen 73 bei der .Hauptwahl! Beckmann erhielt dort gestern gleichfalls 168 Stimmen. In Langsdorf nahmen Werners Stimmen um 42 zu, während Beckmann nur 31 Stimmen mehr erhielt als bei der Hauptwahl, trotzdem 63 Wähler früher für Korell gestimmt hatten. In einzelnen Orten erhielt ber Sozialdemokrat weniger Stimmen als bei der Haupt­wahl. InNidda bekam Dr. Werner zu seinen 25 früheren Stimmen nicht nur die 97 der Anhänger des Professors Gisevius, sondern auch noch 46 fortschrittliche Sttmrnen, und von den 187 Wählern Korells blieben auch noch etwa 40 ber Wahlurne fern. Besonders interessant ist die dies­malige Wahl in Bobenhausen, wo die 20 Wähler Korells sämtlich sich auf Dr. Werners Seite schlugen!

Die scharfe Kampfparole gegen denschwarz-blauen Block" ist fast nirgends siegreich durchgedrungen, und das Liebäugeln mit der Sozialdemokratie ist nicht nur von den Bündlern, sondern auch vom national denkenden Libe­ralismus deutlich zurückgewiesen worden!

Minifterlrisen in Italien und Rußland.

Daß das Kabinett Luzzatti gerade am Vorabend der ilalienisckum Jubiläumssestlickikeiten zurücktritt, muß natürlich peinlich berühren. Zeigt es doch zur Genüge, wie wenig selbst Ministerien, die wie das Kabinett Liizzatli, alle bürgerlichen Parteien umfassen, in parlamentarisch regier­ten Ländern von Dauer sind, wenn es einem Teil der Koalittonsparteien beliebt, ihnen die Freundschaft zu kün bigen. .Hier find es die Radikalen, die auf einen Psiff des al im ächtt gen Giolittt, ber so lange feine Hand schützend über Luzzatti hielt, nicht mehr milmachen ivotlen unb im Bunde mit den Sozialisten dem Kabinett am Samstag das verlangte Vertrauensvotum für seine .Haltung in der Wahl rcformiragc verweigerten, ohne ihm freilich, da der ein* fad)c Uebergang zur Tagesordnung beschlossen wurde, ein direktes Mißtrauensvotum auszustellen.

Die Frage, um die es sich hier handelte, unb deren Beantwortung durch den Antrag der Radikalen unb Sozia­listen akut würbe, gipfelte barin, ob ber mit ber Beratung bes Wahlreformentwurfes betrauten Kommission ein Ter min (zwei Monate) für die Uebcrreirfyung ihres Berichtes bestimmt werben sollte, was bic Antragsteller bejahten, Luzzatti dagegen verneinte, indem er die Erstattung des Berichts erst für die kommende Herbsttagung in Aussicht stellen wollte. Diese Frage wurde aber ganz wesentlich dadurch kompliziert, das; Giolitti, der bisher nur ein äußerst lauer Anl)änger ber Wahlresorm war, am Dienstag plötzlich unter bem Jubel der ihm gefügigen Kammermehrheit bic Forderung erhob nach einer noch größeren Erweiterung des aktiven Wahlrechts, dessen Ausübung ber Regierungs- entwurf auf alle bie beschränkte, die schreiben und lesen können. Das war für den Unterrichtsminister Eredaro und für den Minister ber öffentlichen Arbeiten Sacchi, die beide ber radikalen Partei angehörten, deutlich genug, um noch am Abend ihre Demission zu geben, und bedeutete gleich­zeitig auch für Luzzatti, dessen Kabinett ja nur von der Gnade Giolittis lebte, einen Fingerzeig, dem König am Sonntag morgen das Rücktrittsgejuch des Gesamtkabinetts zu unterbreiten.

Rom, 21. März. Die Blätter beharren bei ber An­nahme, daß Giolitti die Bildung des Kabinetts über- nehmen wird und heben bic Möglichkeit hervor, daß So­zialisten in das neue Kabinett Giolitti ein tret en.

Der König empfing heute vormittag den Senator Finali unb hierauf den Deputierten Sonnino Laoava. Der Senator Bisconsi Venosta war ersucht worden, sich nach dem Quirinal zu begeben, konnte jedoch wegen lln wohlseins nicht hinkommen. Der König hatte ferner am nacknnittag Unterredungen mit dem Deputierten Bofelli, Finoechiaro, Girardi und Marchese Tap pellt

w

Petersburg, 21. März. Obwohl eine amtliche Be stätigung nickst vorliegt, steht nach durchaus zuverlässigen Privatnachrichten fest, daß StolypinsAbschiedche- willigt wurde unb bie Ernennung des bisherigen Finanz Ministers Kokowzew zu feinem gtadyfolgcr bevorsteht Wegen der andauernden Krankheit Sassonows wurde dessen Gehilfe Neratow zum Verweser deS Ministeriums des Aeußern ernannt.

Wie verlautet, ist die E r n e n n u n g Ne r a t o w s zum Verweser des Ministeriums des Aeußern nur zeitweilig unb bezweckt lediglich die Vertretting des ertränkten Mi s nisters während der Abwesenheit von den Geschäften, sie

Kunft Wissenschaft und Leben.

Friedrich H aasCs Beisetzung. Friedrich H aas c wurde am Dienstag nachmittag Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von hervorragenden Vertretern der Gesellschaft und insbesondere der Schauspielkunst -ur letzten Ruhe gebettet. Neben vielen bekannten Persönlichkeiten sah man den früheren Minister des Königlichen Hauses von Wedel-Piesdorss, den Graseni Hülsen - Häseler, Barney, Richard, Alexander und Nissen. Als Vertreter des Kaisers legte ein Flügeladiutant einen Kranz am Grabe nieder Die Witwe des Verstorbenen wurde von Albert s)t i e- mann geführt. Pfarrer Knimwacher feierte insbesondere auch die große Selbftcrtcirntnis unb die Mildtätigkeit des Verstorbenen. Rach den letzten Bestimmungeil Haases nahm zuletzt Max Grube, der langjährige Freund des Entschlasenen, zum Abschied das Wort.

Eine Komposition Ludwigs XIII. Aus Paris wird berichtet: ImFigaro littärairc" macht Paul Ginistn bie Mitteilung, daß es ihm gelungen ist, in der Bibliothek des Pariser Konservatoriums das Manuskript einer alten Tondichtung aufiiifinben, bic Lubwig XIII. 1635 im Schlosse von Chantilly verfaßt l-al. Das Werk ist ein Ballett, das den TitelMer- laison", die Amieljagd, führt: das Manuskript trägt zwar die einfache InschriftBallet du roy", aber weitere For­schungen haben bestätigt, baß es sich um eine Komposition Lub- wigs XIII. handelt. Der König tanzte, wie häufig bei den Hof- ballctten, in Franenklcidung felbst mit. Die Musik ist etwas preziös und indyt sehr ursprünglich, aber in ihrer lonrisch ge­spreizten Würde verrät sic Humor unb ermangelt nickst ber Grazie.

2 i e goldene Hochzeit des D r a u e r k ö n i g s. In der arbeitsamen Stabt Pasadeua in Kalifornien hat in diesen Tagen eine Feier ftattgcfiuibcn, tzic mit so großem Pomp nv szeniert worden war, daß ganz Amerika sich jetzt mit dem Fe,t,' beschäftigt. Der Besitzer ber bekanntesten amcritanifdNii Bier­brauerei, der von einer altbekannten hessischen Malzhändlerfami- lic flbftainmnibe Adolf B u s ch, feierte goldene Hochzeit. Er war e-.', der vor 60 Jahr eit zum ersten Male in der neuen Welt ein deutsckn's Lagsrbicr herstelltc unb dessen s)2amc im Zusammen­hang mit seiner Ware in Amerika eine Popularität erlangt hat, wie sie kaum ein deutscher Brauer in feinem Heimatlaudc er­rungen hat. Der Brauerkönig hatte kurz i>or_ dem Feite eine Belami:'.nachung erlassen, in der er alle seine Freuitde und Au- Sestttlleil aufforderte, an der Familienfeier tetlzunehmen, wobei er nicht vergaß anzubeuten, daß er alle Kosten auf sich nehmen wurde. Die großzügige Einlabung würbe mit tausenden von Telegrammen beantwortet, unb bic goldene Hochzeit des Brauer­königs wurde zu einem Riefenbankett, das in Rom und Babylon kaum seinesgletcklen gesehen haben mag. Bei Tagesanbruch ver­kündeten Kanonenschüsse den Bürgern von Pasabena, daß die

grofte Stunde gechlagen habe, und in gleicher Weise erfuhr auch die Ernwohn^rsä-aft von St. Louis von.bem bedeutsamen Ereignis. 3nm erstenmal feit 60 Jahren blieben in ber berühmten Busch­brauerei in St. Louis die Mascknneit stehen, und 6000 An­gestellte beeilten sich, zu ihrem Ches unb Wirt zu ziehen unb ihm Glück zu wünschen. Unmittelbar nach der Ehrensalve ließ der Jubilar hunbert Brieftauben au ffteigen, die als Boten des Friedens nach allen Windrichtungen davonflogen. Bei bem Fest­mahl krönte man die Gattin des Brauerkönigs und geleitete sie zu einer Art Miniaturthron. Die Gesck>enke, mit denen das Jubelpaar bedacht wurde, trafen aus allen Teilen Amerikas! ein unb repräsentieren in ihrer Gesamtheit einen Wett von rund zwei Millionen Mark. Tie kostbarsten Gaben stammen hanptsäcküick von beutsck)amrrikanifchen Frcnnben. Das wert­vollste Geschenk aber war ein prachtvolles Tiamantdiadem, bas der Branerkönig seiner Gemahlin überreichte und das einen Wert i(on 800 000 Matt hat: es wurde in Frankfurt hergestellt. Tie Kinder überreichten den Eltern ein Dutzend Teller ans reinem Golde, die 100 000 Mark gekostet haben, und die Enkel hatten sich zusammongetan, um einen aus ebenfalls reinem Golde gearbeiteten mächtigen Blumenkorb zu stiften, für den der Juwelier mehr als 60 000 Mark erhielt. Die Zahl der goldenen Eyren- pokale redmet noch Dutzenden: besonderes Auflehen erregte das Geschenk, das der deutsche Kaiser übersandt hatte, und der Goldpokal, den Roosevelt überreichen ließ. Präsident Taft hatte eine neue Goldmünze geschickt mit besonderer Prägung. Am Abend fand bann in St. Louis im Kolisseurn eine Maflenhuldigung ber Angestellten und Arbeiter statt. Bei bem Klange einer Kapelle von hundert Musikern zogen die Angestellten der Bufchbrauerei vorüber, unb mehr als 100000 Flaschen Bier waren aufgeboten, um den Durst ber Festteilnehmer zu stillen. Auch ber Magisttal vvn St. Louis beteiligte sich an der Feier, war es doch das Busch­bier, das St. Louis zuerst in Amerika berühmt unb populär mackste.

D i e Gefahren der Reinlichkeit. Gegen Die Bademanie und Den Reinlichkeitsfanatismns unserer Zeit, der meist als ein erfreuliches Svmptom kulturellen unb Hhgienischon Fortschrittes gilt, jvenbet sich der bekannte englische Gelehrte 2ir Almrolh Wright, der Direktor am Lonboner St. Ätarh- Krankenhaus. Tie Leute glauben, daß sie mit vielem Waschen bie Mikroben besiegen, aber bic hv.st..mischen Erwartungen, die wir mit unferem peinlichen Roinlichkcitssrnn verknüpfen, ent­sprechen keineswegs der Wirklichkeit. Gewiß werden beim Baben eine Anzahl von Bakterien abgewaschen, aber wir zerstören damit auch bic Haut, die bic wichtigste Abwehr gegen ÄranCheilsfeime ist unb nnferen Körper beschützt. Sei einer schwieligen Hand Fann keine Mikrobe je nahe an die Haut kommen. Häufiges Baden unb vor allem das Dampfbad zerstött bie Widerstandskraft der Hanl und nimmt uns unseren besten Schutz gegen die Bakterien.

Durch häufiges Waschen aber werden die Mikroben auf ber Haut sogar noch vermehrt, und man kann daher nicht behaupten, daß Reinlichkeit zur Grundlage einer hygienischen Methode gemacht werden sollte. Wichttger als die Vernichtung der Mikroben im Raume ist es, den Kvrperorganismus systematisch dazu zu be­fähigen, die Mikroben bann, wenn sie eingebrungen finb, so° zusagen automatisch zu töten.

Ein W ahrtraum. Aus allen Dokumenten und Fa milienpapieren aus dem Jahre 1812 schöpft Frödörio Passy bic Einzelheiten einer interessanten Prophezeiung im Tvaumc, über die er in ber Sibliotbeauc universelle et Revues suisses genaue Mitteilungen macht. Drei Monate vor bem Ausbruch des russi frf-en Krieges, lange bevor bic große Armee in Rußland cinrfitftc, wohnte der General Graf Tutschkofss mit seiner Gemahlin in einer Villa in der Nähe von Tula. Eines Nachts träumt bie Gräfin, bau fic sich in bem Gasthofe, einer unbekannten Stadt befände: plötzlich tritt ihr Vater, ihren einzigen kleinen Sohn an bei Hand, ins Zimmer und sagt wörtlich:Dein Glück ist zu Ende dein Mmm ist gefallen, er ist bei Borodino gefallen". Voll Angst erwacht die Gräfin: als sic sich aber überzeugt, baß ihr Gatte friedlich schläft, beruhigt sic sich und sucht wieder Schlummer zu finden. Aber der Traum wiederholt sich noch ein zweites und bann sogar ein brittes Mal, so daß sie schließlich angstvoll auf springt, den Grafen weckt und ihn fragt, wo Borodüw liegt. Er weiß es nicht, beide holen Landkarten, um danach zu suchen, aber fic können den £rt nickst finden. Schließlich wird ber Zwifck>enfall vergeß'en, die kriegerifchen Ereignisse nehmen alle Aufmerksam feit in Anspruch. Die Franzosen ziehen in Moskau ein, unb General Tittsckkoff erhält den Cbcrbefebl über bic russische Reserve armcc. Eines Morgens tritt ber Vater ber Gräfin, feinen kleinen Neffen bei ber Hanb, in das Hotelzimmer, nx> bie Gräfin wohni Er ist traurig unb lagt schließlich:Er ist gefallen, er ist bei Borodino gefallen." Jetzt erst erkannte bie Gräfin, daß das ,3immer genau bem Gemache glich, bas sie damals im Traume gesehen hatte. Ihr Gatte aber war wirklich bei Borodino ge­fallen, in ber berühmten Schlacht bei dem kleinen Torfe, das feinen 'Hamen von bem nahen Borodinofluffe herleitet.

Deutsche Kolonisten im Kaukasus. Verschiedcni lick ist in letzter Zeit von dem blühenden Wohlstand ber deutschen Kolonien im naulaius berichtet worden. Vor 150 Jahren unter Katharina II. zur Auswanderung nach Rußland bewogen, haben diefc fränkischen und scknväbiichen ftoloniftcn bei fleißiger Arbeit und unter Erhaltung ihres Volkstums als Bauern öde liegende Landschaften zu einer Stätte der Kultur umgenwnbclt: als Beweis ihres Wohlstandes und ihrer nationalen Gennnung kann gelten, daß die verschiedenen kaukasischen Kolonistcndorfer eine eigene Zei­tung, die Kaukasische Post, gegründet haben unb unterhalten. Frei-