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30.8.1911 Erstes Blatt
 
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Hr 205 Erstes Blatt 16|. Zayrgang Mittwoch, 30. August 19U

SGietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhefjen ZWU

Annahme von Anzeige» Rotationsbrud und Verlag dervrühl'scken Unio.'vuch- und SteindruSerei R. Lange. Redaktion. Lrpeditton und vruckerei: Zchulstratze 7. \n VEN bi! »omütage 9UII^ Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 SeschäsKslellc vahnbosslrahe lb». A.rreiaen.e.l: e. Beck.

Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.

Prinz Eitel Friedrich Statthalter von Pommern.

Tic Provinz Pommern bat im nranze der preußischen Provinzen keine grobe Beden lang. Sie kann nicht, rote die urg, sich rühmen, das; sie den ersten der Hoheiizollernherrschast iin Norden bildete, auc dein sich das spätere Murfürftentum Brandenburg ciuroidcltc. Sie kann auch nicht, wie Ostpreußen, i.u sich in Anspruch nehmen, daß sie den Hohenzollern die üvnig-krone unb ihren bisherigen Gebiet beit Namen verlieh, und sie kann sich schließlich nicht mit geroissen, im Westen der preußischen Monarchie beleaenen Lcuidestcileu vergleichen, die in erster Linie zur Grogmachtstellung Preußens das ihrige bei ge­tragen haben. Pommern fiel eben nach dem Aussterben seiner Herzöge (1637) auf Grund von Erbverträgen an da­raus Brandenburg, war aber in feiner Gesamtheit bis zum ^afjre 1814 insofern ernstlich umstritten, als Frankreich feine Besitznahme durch den Großen tturfürften zu verhin dcrn gewußt hatte, und auch Schweden, Norroegeu und Tänemark auf Teile Pommerns Anspruch erhoben

So rangiert Pommern eigentlich in die Reihe derjenigen jungen Provinzen, die Preußen erst, wie z B. die Provinz Lachsen, nach dem Wiener Frieden in definitiven Besitz nehmen konnte. Es war daher immer einigermaßen bc fremdend, daß Pommern stets eine viel größere Rolle spielte, als die dickt bevölkerten und industriell bedeutenden Pro vinzen Westfalen und Rheinland. Tefto stärker ober ist ihre Treue, mit der sie einst an den angestammten Herzogs geschlechtern hingen, und die sie auf die Hobenzollern über­trügen. Groß ist auch der Reicktum des Landes an gesunden und guten Loldaten, sowie an tüchtigen Landwirten.

Lolche Eigenschaften in der jungen Provinz zu finden, mußte natürlich den Hoheiizollern in jeder Beziehung er­wünscht feilt. Lie zeichneten denn auch die Provinz in icber Weise ans. Nicht nur baburch, daß sie sich im alten Greifenschlosse zu Stettin nur Herzöge nennen ließen und lassen, sondern auch dadurch, daß sie, gleichsam als sei Pom­mern nicht ein integrierender Bestandteil des preußischen Ltaates und Deutschen Reiches, von Zeit ru Zeit Ltal- Halter aud der Reihe der Prinzen des königlichen Hauses ernannten. Lo ist Prinz Eitet Friedrich der vierte H o h e n z o l l c r, der in Stettin seines Amted als Statthalter Pommerns walten wird. Seine Ernennung aber mutz deshalb einigermaßen befremden, weil es bisher nur ilronpriiizen waren, die, wie der nachmalige slönig Fried­rich Wilhelm IV., der nachmalige Kaiser Wilhelm I. und der nachmalige Kaiser Friedrich III., als Statthalter in das alte Lchloß der pommerschen Herzöge einzogen. Weshalb also wurde nicht der jetzige Kronprinz zum Statthalter von Pommern ernannt, weshalb will man ihn in Danzig als Oberst der Leibhusaren auf einen sogenannten Fsolierjchemel setzen und räumt ihm nicht die traditionellen Rechte des Thronfolgers auf die Statthalterschaft Pommerns ein? Wir möchten hier nicht auf den Hofklatsch eingehen, wie er sich seinerzeit, als die Versetzung des Kronvrinzen nach Danzig bekannt wurde, an feine Fersen heftete; es mag genügen, daß die Statthalterschaft in Pommern an sich eine Sinekure bedeutet, mit bereit Besetzung ein alter Wunsch der Pommern und besonders der Stettiner erfüllt wird.

Allerdings, seine Ernennung stellt und das ist bas zweite Moment, weshalb wir die Ernennung bes Prinzen Eitel Friedrich nickt gerne sehen den Prinzen über den Dberpräfibenten und den ihm gleich- georbneten kommandierenden General. Und doch ist Prinz Eitel Friedrich, der fetzt im 29. Lebensjahre steht, nominell nur Major und Kommandeur der Leib- eskabron im Leib Garde-Husarenregiment Er ivirbroabr-

sckeinlick jetzt zum Obersten und Mommanbcur des Stettiner Grenodierregiments König Friedrich Wilhelm IV Nr. 2, bei dem er bereits ä la suite stehl, aufriiden, aber auck das beteiligt nicht den Zwiespalt, wie er zwischen dem Ober Präsidenten und dem foinmanbicrenbcn General auf der einen Seite und dem ihnen als Statthalter vorgesetzten, als Oberst aber m bei militärischen, sowie bureaulrauschen Rangordnung untergebenen Prinzen auf der anderen Seite bestehen wird. Man bars gespannt daraus fein, ob man künftig in Stettin bei Festlimleiten in Prinz Eitel Friedrich den Statthalter oder den Oberst sehen und ihm demgemäß seinen Platz an der Tafel anroeifen wird. Es wäre zweifellos beffer gewesen, man hätte mit der Ernennung des Prinzen Eitet Friedrich zum Statthalter Pommerns solange ge­wartet, bis er, wie seine Vorgänger auf diesem Posten, den Grad eines kommandierenden Generals erreicht hätte.

Vic Einkommen- und Dmnögcnsftcuer in Hessen für das Steuerer 19U gegen 1910.

An Einkommensteuer ,st für bas Steucriahr 1911 im ganzen Land, nach denMitt. b. Zentralst. f. i>. Landes-

- , der Betrag von 13 519 121,24 Ml zur Veranlagung gekommen, der einem steuerbarm Einkommen von 597 321 12 > Ml cniipridit. Tics bedeutet gegenüber dem Vorjahr, in bem mir 13181 125,69 Ml. Einkommensteuer veranlagt war, cm Mehr von 334 995,55 Mk Steuer oder eine Zunahme von 2,54 Proz.

wie das Mehr an Vermögenssteuer entfällt auch daSMehr an Üiiifomnieiineuer ausschließlich auf bi: beiden Provinzen Star keiiburg und Lbcrhessen, während in Rheinhessen 481,96 Mk. . - 0,01 Pro; weniger als im Vorjahr an Einkommensteuer ver­anlagt worden sind. In fünf rheinhessischen Finanzämtern bat denn ig ber Einkommensteuer abgenommen, dabei am

stärksten mt Finanzamt Osthofen, in welchem 8 475,40 Mk.

4,93 Proz.) weniger Einkommensteuer veranlagt worden sind als für das Vorjahr. Fn den Provinzen Starkenburg und Ober- Hessen weist )C ein Finanzamt einen Rückgang an Einkommen,teuer aut, nämlich Beerfelden nut einem Weniger von 3 534,30 Mk. Steuer -- 3,69 Pro-.) uno Homberg mit einem Weniger von 2410,84 Mk. Steuer . 1.24 Pro- . Die absolut größte Zu

nähme hat die Einkommensteuer dagegen im Finanzamt Offen bad) 1 erfahren, bas gegenüber dem Vorjahr ein Mehr von

6,51 Pro- aufbringt, während m relativer Beziehung Has Finanzamt Groß-Gcrgu mit einem Mein von 1 an der Spitze steht

Wie das Finanzamt Oncnbach I unter den Finanzämtern, so hat die Stadt Offenbach unter den Städten bes Landes gegenüber dem Vorjahr weitaus die größte Zunahme an Einkommensteuer erfahren. Mit ihrem Mehr von 97 669,64 Mk. übertrifft fic bas an zweiter Stelle stehende Bensheim um nicht weniger als um rund 90 000 Mk., während Mainz und Bingen sogar einen nicht unbeträchtlichen Rückgang (7505,23 Mk. und 11/8,14 Mk.) zu verzeichnen haben. Immerhin weist aber die Stabt Mainz auch letzt noch den größten Ginlommenftcucrertrag auf, der sich sür 1911 auf 2 245 218,79 Mk. beläuft, während daS an zweiter Stelle stehende Tarrn,tabt nur 1 938 964,63 Mk. Einkommen­steuer aufbringt.

375010 Personen sind für das Stcucrjabr 1911 zur Em« kommensteuer veranlagt worden: dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um 7633 Pflichtige. Weitaus der größte Zugang hat dabei in der Provinz Starkenburg nattgcfunöJi, für welche fiel) die Zahl ber Pflichtigen um 5516 erhöht hat, während in Oberhessen 1845 und in Rheinhessen nur 272 Personen mehr als im Vonahr zur Einkommensteuer veranlagt sind. Unter den Finanzämtern hat denn auch das Finanzamt Tarmstadt I weit­aus den größten Zugang nut einem Mehr von 1316 Pflichtigen zu verzeichnen, während Lberheffen und Rheinhessen 5 Finanz­ämter aufzuweifen haben, in denen sich sogar die Zahl der Ein- tommcnlleuerpflidnigcn gegenüber bem Vorjahr vermindert bat Tiefer Rudgang ist allerdings nur für das Finanzamt Mainz I von größerem Umfang, in welchem i tige weniger als tm Vorjahr zur Einkommensteuer veranlagt find.

Dem Rückgang int Bezirk des Finanzamts Mainz I ent­sprechend hat die «ladt Mainz eine Abnahme in ber Zahl der Einlommensteuerpflichtigen zu verzeichnen, die fid) hier auf 375 Pflichtige beläuft. Fmincrlnii w.m aber die ctatt Main; ent-

sprechend ihrer überwiegenden Cinwolmerii l um er d.n .übten des Landes nach wie vor die größte Zahl uir Einkommeii'ienec veranlagter Personen auf. Tenn wahrend in l mmbad' nur 28 434, in Tarmstadt sogar nur 2« 206 Personen zur Euikontmen- steucr veranlagt find, bat die Stadt Mainz nunmehr 36 709 tfmtoiniiicnfteikrvihdmge aufzuweisen.

Tie V e r m v g en S ste u e i weist für das -stcuenahr 1911 bei einem Gesamtertrag ton 1 406 594 Mk gegenüber t-em Vor - jahr ein Mehr von 3/ 777,70 N«k Steuer ober eine Zunahme um 0,86 Proz au. Bei dein derzeitigen Ausidstag von 95 Pia aus ,c 1000 Mk Vermögen bedeutet dies für das ganze Land ein gZamtes steuerbares Vermöge.i von 1638 520 000 und gegen­über bem Vorjahr eine Verntögenszuitahmc von 39 «66 OM '.ni r. Tk'C Zunahme entfällt ausschließlich au' die haben Provinzen Starkenburg und Cberbeiien, imlebe gegenüber dem Vorjahr ein Mehr von 26 682,65 Mk. und 13618,25 Mk. an Vermögens- steuer anuuiveiicn haben Für älbembeifcn ist dagegen der Oi* trag der Velmogenssteu'i gegenüber dem Vonahr um 2523,20 Mark - 0,16 Proz.) iiirüdgcgangeii. Fu ber Provint starken- buig hat ,'id) baruad) bas steuerbare Vermögen um 28087 OOOMk. inib in ber Provinz Cberbeiien um 14 335 000 '.Vir »rbobt, tu der Provinz Rheinhessen dagegen um 2656 000 Mk. vermindert.

Dieser bebentenbe Rückgang des steuerbaren Vermögens in ber Provinz Rheinhessen ist im ivriciitli(hen veianiaßt durch die 'Jlbnahmc des steuerbaren Vermögens in dem Bezirk des Finanz­amts Bingen, in dem sich die Vermögenssteuer gegenüber bem Vonahr um 4001,40 Mk. 2,53 Proz - und bas ,teuerbare Vermögen um 4 212 000 Mk. vermindert hat. Hierzu kommen noch flcinerc Ausfälle in den Bezirken ber rheuihmochen Finanz- am ter Mainz I, £bcr<iitgclbeini, Osthofen, WörrstaR und Worms I, sobaß die Vermögenszugänge m den iibtigcii Finanz­ämtern Rheinhenens den hierdurd, bedingten Gcsamtntdgang nicht völlig ausgleichen können. Auch in Startenburg und Lb-rhenen weist je ein Finanzamt iCifnibad) II und Homberg) einen Ruck- gang im Ertrag der Vermögenssteuer auf Felwch ist biefer 'Jtiiagang io geringfügig, daß er durch ben bebcutcnbcn Zugang in den übrigen Bezirken dieser Provinzen weitaus ausgeglichen wird. Hat doch z. B. das Finanzamt Zwingenberg allem im Ertrag ber Vermögenssteuer eine Zunahme von 9336,60 Mk

9,27 Proz.l zu verzeichnen, was einem Mehr von 9 828 000 Mark steuerbarem Vermögen entspricht. 21 m gering,ten ist im übrigen die Zunahme der Vermögenssteuer für den Bezirk des Finanzamts Becrselbcn, das gegenüber dein Vonahr ein Mehr von 1,90 Mk. Vermögenssteuer i 0,005 Pro;.» ober eine Ver- mögcnszunahme von 2000 Mk. aufzuweisen hat.

Auch -n 1 Städten des Landes ifl frn- Ertrag der Vermögens­steuer gegenüber bem Vorjahr jurüdgegangen nnb zwar weift .'Uzen ein Weniger von 213,75 Mk. 0,71 Proz.5 Worms ein Weniger von 410,40 Mk. <= 0,2 Proz.-, Friedberg ein Weniger von 1476,30 Mk. (= 3,33 Proz.' und Bingen ein solches von 1958,90 Mk. (= 3,29 Proz.) auf. In ben übrigen Stabten bat sich die Vermögenssteuer gegenüber bem Vorjahr durchweg er­höht: unter ihnen steht Offenbach mit einem Mehr von 4618,20 '."ff. in absoluter Beziehung weitaus an ber Spitze, wahrcnb bie relativ größte Zunahme mit einem Nlehr von 8,72 Pror. 3016,2.» Mk. Steuer) bic Stabt Bensheim zu verzeichnen hat. Es bedeutet dies für Offenbach ein Mehr von 6 736 000 Mk., für Bensheim ein Mehr von 3175000 Mk. steuerbaren Vermögens.

Tie reichste Stabt bcs Lanbes ist auch in biefem Fahr Tarmstabt, bes,en steuerbares Vermögen sich bei einem Ver- mögendfteuerertrag von 555 447,90 Mk. auf 584 682000 Mk. oder auf runb des im ganzen Laub steuerbaren Vermögen- beläuft. Tas in Mainz veranlagte Vermögen beträgt demgegen­über bei einem Steucrcrtrag von 485 712,20 Mk nur 311 276000 Mk., ivährend B Offenbach nur em Vermögen von 304 756000 Mk. (= 289 518,20 Mk Steuer« nnb Gießen ein solches von 166 988 000 Mk. -= 158 638,60 Mk. Steuer) aufzuweisen hat. Tas geringste steuerbare Vermögen hat schließ- lid) bie Stabt Alzey zu verzeichnen, beren Steucrcrtrag von 29 881,30 Mk. einem steuerbaren Vermögen von 31454 000 Mk. entspricht. ,

Tie Zahl ber zur Vermögens,teuer veranlagten Perionen hat für 1911 gegenüber bem Vorjahr nm 1478 Pflichtige zn- genommen, so baß nunmehr insgesamt 162019 Personen ver- mögcnssteuerpflichttg sinb. Weitaus bie größte Zahl Vermogens- steuervflichtiger hat dabei unter den Provinzen Starfenburg ju verzeichnen, in welcher Provinz insgesamt 63 894 Personen gegen-

Vie Heilbarkeit Ser Gehirnerweichung.

lieber bic seit einiger Zeit in ber medizinischen Fachpresse vielfach erörterte Möglichkeit, bic unheimlichste aller Gehirnkrank beiten, bic Gehirnerweichung zur Heilung zu bringen, veronent licht Prof. Dr. A. Friedländer, beiien cvcualitat das Studium dieser rätselhasten Zlrankheit schon feit vielen Fahren ist, interessante Mitteilungen. Unter progressiver Paralyse, wie bie Gehirnerweichung in ber Terminologie bei mcbiimndKii Wissenscyast bezeichnet wirb, versteht man bekanntlich jenen hoch grabigen, häustg an eine schon vor langen Fahren abgelamciie LueS oder an Alkoholvergiftung anknüpfenden oder auch nut Per erbung zusammenhängenden Schwund der Großhiritlappcn, dein eine fortschreitende Abnahme ber geistigen Mräite^unö der Pra zision und (rnergie ber Bewegungen auf deut Fuße nadnolgt, bis nach einem ÄrankhcitSverlaui von meistens nur wenigen Zähren mit bazwischen liegenben, ,'cheinbarcn Stillständen der um um greifende, allfeitige Verfall bem bejammcrnswcrtcii xaurui cm Enbe fetzt. Ob eS sich hierbei um eine Infektion mit -d?au^ dinnschen Spirillen ober um ein bisher noch unbefannteo Mlctu- Icbeivefen banbelt, ist noch nickt erwiesen, aber um io wahr sckeinlicher, weil bas Fortfckreiten ber Krankheit sontt kaum er klärbar wäre unb es seit ber Ernnbung bes Ultrauiikrosloves nahezu gewiß ist, baß cs in ber Welt bes uncnblidi itleinen iu?di scharen von Bakterien gibt, bic jenseits ber Sichtbarkcitsgrcnzen ber gewöhnlichen Mikroskope liegen.

Tie jetzt sich eröffnende Hoffnung, der Gehirnerwcickuiig mu Erfolg begegnen zu können, gründet sich aus die Tatsacke, da,; es schon (rüber manchmal gelungen ist, auf Baktericnm'ektion beruhende unb geistige Krankheiten zur Heilung zu bringen, indem man die Erreger einer anderen ttronfbeu einimvuc, die mit heftigem Fieber einhergeht Man muß sich ben Hcilungs- verlauf füglich so denken, daß die sich schnell vermehrenden Bak tericn der eingeimpiten Krankheit ben Sieg über bic nur langsam wachsenden Erreger der Geisteskrankheit davontragen und bann schließlich günstigensaNs selber von dem einen lebenskräftigen Mcnfchcnkörper innewohnenden natürlichen Schutzmitteln vci nichtet werden. Da dies nun leider keineswegs iicher nt, tann mau das Verfahren allerdings nur als eine heroifdic *iur und in fchlccht ausgehenden Fällen als eine Vertreibung Der «icufcl» burd) Beelzebub bezeichnen: was freilich bic Rotwenbigkcit nie. : -ausschließt, auch biqen gefahrvollen Weg an ber Haiib oral tifcher Versuche zu .erforschen. Krofessor Wagner von Zauregg

in Wien erzielte schon vor 15 Jahren in ber Heilung von Geistes­kranken ermunternbe Ersolge, als er ben Kranken seiner Klinik bie Bakterien bes Rotlaufs überimpftc, unb neuerdings hat man ebenfalls in österrcichi'chen Anstalten von 85 Paralytikern 28 gcbcilt, indem man fic mit ttochfchem Tuberkulin und etwas CuediUbcr mit Schilddrüienfait bcbanbclte. Der obengenannte Prof. Friedländer beobachtete dagegen einen Fall, in bem cm seit Fahren dem Blöbiinn verfallener Mranfer, nad, Absolvierung eines Unterleibstyphus auch seine geistige Genesung wieder ge­wonnen hatte, und schlägt jetzt vor, da die Einimpfung lebender Tnphusbakterien cm Spiel um Tod unb Leben wäre, bic Extrakte abgctötcier Tnohuskulturen zu verwenben, bic -war ein heitiges Fieber, aber nidu bic »irantheit Hervorrufen. Selbstverständlid' wäre cs frivol, ickon jetzt übcr'chwängliche Hoffnungen bei >1 ranken zu erroeden. Es handelt sich eben um einen Ausblick in bic ^ufunit, mc dazu ermutigt, aus bem einmal betretenen Wege weiter zu gehen. w L. ft.

Mottls Nachfolger.

Aus Müncken wird gemeldet: Die Fntendanz der Kgl. Büh­nen erklärt, daß die leit Mottls Tod erledigte Stelle eines Geperalmujikdirigenten nicht bcfe( t iverbeii solle. ES soll cm ein,acker .-ooslapellmeister angeueilt werden. Uni diesen Posten i.aben lid) über 80 Bewerber gemeldet, von denen Kapellmeister Mi koren, em Sohn des srüheren Münckener Hosopernfängcrs, die meisten Aussickten haben soll. *

Falsiler Regen. Die Frage, ob die eigenartigen Merkmale, bie fick auf einigen Steinplatten erhalten hoben, Spuren eine» , foffiten Regens" barstellen, hat die prähistonsckc Willen- 'äraft vieOack be«d)äitigt Zahlreickc Geologen haben angeitom- men, daß bitfe Neinen Aushöhlungen Gmbrüde von prahiüori'cken Regentropfen sind, Die vor vielen FahrUiu'enden auf die nanc Obei'lackc ircidHn Tones fielen Auf einem vicckcprockenen fossilen Ucbcrrcn, der sich tm Peabody-Museum in Dale befindet, und Vogclivuren mit diesen Entdrüden von Regentropfen vermiichl, und es ist bei genauer Nadion'ckung möglic*. ?uegen, ob der Dogcl über dieses prähistorische Schlamm>:üd vor ober nach dem Fallen des Siegend gcidjnnen ist. Ta bic Emdrüde Ränder Haden, die ans der einen Seite Mer lmd pls auj der gndern, io

läßt fid) die schräge Richtung, in der der Regen einsicl, und dadurch auch die Richtung des Windes zu dieser Zeit scitsicllcn. Gegen diese Hypothesen, die von einem .fossilen Regen sprachen, hat sich nun vor kurzem ein osterreichisdicr Geologe, Hoeui, ge­wendet, der in einer Untersuchung, die er der Wiener JIlaDcmic der Wissenschaft vorlegte, eine ganz neue ErNärung biefei ver­meintlichen Regcntropscnhohlungen au'stellte. Nach feiner Meinung konnten die Höhlungen sehr leidit und sind wahridieinlich burd) Blasen eines Gases hervorgerusen, bas sich an bfr Lbcrsläche ber schlammigen Erbe entwickelte, bevor sic versteinerte. Nun erhob iid) bte Frage, ob bie Erklärung ber kleinen Gruben durch RcgcMropsen überhaupt möglid) ist, und daS hat ein sva- , nlfcker Gelchtter Prof. .Hermano Foss Esteban packgewieieu Er ianbte dem Herausgeber des PariserEosmoS" ein Liück Lehm, ' das genau dieselben Merkmale, durch einen Regen unserer Tage hervorgerufen, aufwies, wie der prähistorische Stein. Ter Ge- lehrte schreibt dazu:Tic Tatsachefossilen Regens" gehört burdjau? ins Bereich ber Möglichkeit unb man kann noch beute | beobachten, wie bte Spuren zustande kamen. Fm vergangenen März erzeugte em Niederschlag von bedeutender Heftigkeit in meinem Hof eine Menge 'ehr feinen Schlammes Eine 2tunte ber Ruhe und des Sonnenicknns gab dem Waffer die Möglichkeit abiulaufen unb trocknete bie Erde, so daß eine weiche Schicht von Lehm übrig blieb. Tann kam ein leiser Regenschauer, der nur wenige Sekunden dauerte uno jeder Tropfen, der auf diese weiche Schicht fiel, ließ ein .Zeichen zurück, eine kleine hohle Halbkugel, die den Spuren des fossilen Regens auf Steinen durchaus gleichen. Es ist also durchaus möglich, daß bic rätsel- baften Spuren im Gestein auf bte Wirkung eines prähistorischen Regens zurückzuführen sind."

Tiebstähle im Louvre. Ein Mitarbeiter desPetit Fonrnal" teill mit, daß ein Unbekannter ihm eine Büste über­geben habe, die er vor einiger Zeit im Louvre gestohlen hab? Fn einem sehr eingehenden Bericht erzählt der Ihibefannt:, daß er seit März 1907 im Louvre vier derartige Ticbstähle begangen habe. Ter Konservator der egyptischen Altertümer dcs^ Louvre-Museums, P o t l i e r, erkannte die Büste in bei TajL, al- Eigentum des Louvre wieder.