Ausgabe 
27.9.1911 Erstes Blatt
 
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iAVs stv nv gFreten. Fabrikantcnperein beschloß, alle organi­sierten Arbeiter am 30. September auszusperren, falls bis zum 28. Septeniber die Arbeit picht wieder aufgenommen ist.

Aus den Londoner Docks sind von neuem Unruhen ausaebrochen. 500 Arbeiter sind ausständig. Die Lage scheint ernster zu werdm. Die Angelegenheit wird' dem Handelsamt Vorgelegt werden. Die Vertreter der Arbeiter erklären, die >Dock- eigeniümer unterließen, dem im letzten Streit vom .Schiedsrichter g^ällten Spruck^e zu entsprechen.

Au- Stadt rrnd Land.

Gießen, 27. September 1911.

-Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Geh. Oberschulrat Nodnagel zu Darmstadt die Er­laubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Königlichen Kconenordens 2. Klasse erteilt.

Pfarrpersonalien. Der Grobherzog hat bcm Pfarrer am Diakonissenhaus Elisabethenstift. zu Darmstadt Johs. D egg au die evang. Pfarrstelle zu Beedenkirchen übertragen.

** Lehrer Personalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Gilbert Ött zu Gundernhausen erne Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Ernsthofen, der Schul- anrtsaspirantin Gertrud Seiderz aus Speicher (Rhein­preußen) eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Bie­ber (Kr. Offenbach). Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die Lehrerstelle an der Gemeinde- Schule zu Hesselbach präsentierte Lehrer Hch. Jos. B e ck e r l e zu Lützel-Wiebelsbach. Erledigt sind: Die mit einem evang., Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Vöckelsbach, die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reb- geshain, mit ihr ist Organisten- und Vorlesedienst ver­bunden. Dem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden; die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Unter-Seiberten- ro d; mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst ver­bunden.

Stadttheater. Da WilbrandtSMeister von Palmyra", mit dem am Sonntag die neue Spielzeit er­öffnet wird, in Gießen Neuheit ist, dürfte eine kurze Inhalts- angabe des Werkes weitere Kreise interessieren:Im vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, da das niedergehende Heidentum seine letzten Kämpfe gegen das siegreiche Christen­tum kämpfte, war Palmyra die zweite Stadt des römischen Weltreiches. Der hochangesehene Baumeister Apelles kehrt als Roms Verbündeter siegreich aus einem Perserfeldzug zu­rück, freudig erwartet von der Vaterstadt Palmyra. In einer JelSwildniS begegnet er demHerrn des Todes", sowie dem Herrn des LebenS" Der letztere sagt ihm auf dringendes Bitten ewiges Leben zu, doch mit der ernsten Warnung: Leben ohne Ende, kann Reue werden ohne Ende". Doch ApelleS traut auf dieZwillingSbrüdecr Arbeit und Genuß", und während Generationen um ihn hinsinken, lebt er weiter und baut Griechentempel und christliche Basiliken den wechselnden Geschlechtern. Wie der Meister ein Bild des Lebens ist, so ist das Abbild des TodeS ein Weib, das dem ApelleS in fünferlei Gestalt durch fünf Generationen unerkannt begegnet und wieder verloren geht. Durch ein ganzes Jahr­hundert zieht sich die Handlung hin, und wie die Geschlechter vergehen, mit denen Apelles jung war, so sinken die Bau­werke in Staub, die der Meister errichtete. In den Trüm­mern von Palmyra ersteht ihm dann endlich die Erkenntnis: Nur der kann leben, der in andern lebt, an andern wächst, mit andern sich erneut; ich bin ein Mensch, ich hab des Todes Recht, und wie die Toten alle will ich sterben." DerHerr des Todes" erscheint dem Helden schließlich nicht als der Sensenmann, sondern als Pausanias,der Sorgenlöser".

Stenographie. Am Sonntag fand hier eine Bezirksversammlung der Stolze - Schrey'schen Schüler st enographen aus Hessen undHessen-Nassau statt. Das Wettschreiben am Morgen, zu dem außer Wettbewerb auch Nichtschüler zugelaffen waren, fand rund 90 Teilnehmer. Nach dem Festessen imHotel Schütz" fand dort eine geschäst- liche Beratung statt. Gleichzeitig hielten die Vereine der Erwachsenen (Bezirk Oberhessen und Dilltal) eine Vertreter­versammlung ab, mit der ein Wettlesen verbunden war. Bei der Abendunterhaltung imHotel Schütz" hielt Hauptlehrer Fenner aus Marburg einen Vortrag über die Geschichte der Kurzschrift. DaS Ergebnis des Wettschreibens und Wettlesens wurde noch am selben Abend verkündet. Es konnten trotz der strengen Bedingungen 79 Preise vergeben werden. Dabei hatte der Gymnasiasten-Verein Stolze-Schrey Gießen einen glänzenden Erfolg zu verzeichnen, eroberte er doch nicht weniger als 2 3 Preise. Abt. 240 Silben: 1. Preis Jos. Kübel. Abt. 200 Silben: 1. Pr. Adolf Dörmer. Abt. 160 Silben: 1 Pr. Karl Strack. Abt. 140 Silben: 1. Preise Ernst Strack, Ferd. Strack. Abt. 120 Silben: 1. Preise Gustav Brandau, Wilh. Schaaf (Anfänger), Kurt Frey (An­fänger); 2. Pr. Ludw. Bücking. Abt. 100 Silben: 1. Preise Otto Brandau, Friedr. Müller (Anfänger); 2. Pr. Friedr. Dahmer. Abt. 80 Silben: 1. Preise W. Nowack, Fritz Müdicken, Konr. König, Wilh. Grünewald. Abt. 60 Silben: 1. Preise Grein, NicolauS; 2. Preise Eckardt, Aubel; 3. Pr. W. Kling. Von Schülern anderer Gießener Schulen wurden noch drei Preise errungen: Abt. 100 Silben: 1. Preis Ad. Kreiling (Oberrealschule); Abt. 60 Silben: 2. Preise Ferd. Schott iRealgymnasium), Karl Ockel (Volksschule). Die meisten Preisträger erhielten außerdem noch schöne Wert­geschenke. Besondere Beachtung verdienen noch folgende sehr hervorragende Leistungen: In der Abteilung 340 Silben gab ein Mitglied des hiesigen Stadtvereins, Heinr. Bcrghöfer (Schreinergeselle) eine Arbeit ab, die nur 2^ Fehler aufwics. Er erhielt dafür einen ersten Preis. Weiterhin lieferte Herr stud. Theiß (Wetzlar) bei 240 Silben in ungekürzter.Schul­schrift eine preiswerte Arbeit ab. Beim Wettlcsen der Stadt- vereine waren die höchsten Leistungen: 1. Preis Jos. Kübel, Gießen (Gymnasium), mit 451 ©iben; 2. Pr. stud. 0. Theiß Wetzlar, mit 439 Silben, 3. Pr. Adolf Dörmer, Gießen (Gymnasium), mit 410 Silben.

_ ** heiteres Vorkommnis ereignete sich tue)er -tage ui einem oberhessischen Städtchen in oer Mitte der Marburger Straße, als die letzten Arbeiter zum Essen wollten Steht da em etwa vierjähriger Junge und schreit fortgesetztnach heim." Man nahm hieraus, daß sich der Junge verlaufen hatte. Vorübergehende Arbeiter bemühten sich nun, seinen Warnen festzusteilen, um ihnnach heim" zu; postigen. Doch auf alle Fragen antwortete der Ver­

laufene blosnach heim". Was nun, wohin mit dem immer mehrnach heim" Schreienden. Auf die Bürgermeisterei bringen, meinten verschiedene Arbeiter. Endlich kam einer der Arbeiter auf die drollige Fragewo holst du denn deinem Vater den Schnaps?" Bestürzt antwortet der Jungebeim H . . . . G......" Auf die weitere Frageund wo gehst

du denn daraus":Ei durch die Mainzer Gasse," lautete die Antwort. Bald war denn auch der arme Jungedaheim".

Landkreis Gießen.

Reiskirchen, 26. Sept, dnser Bahnhofsge­bäude wird eine bedeutende Erweiterung erfahren. Die Bahn hat zu diesem Zwecke bereits Gelände erworben. Das Bahnhofsgebäude soll his zu dem 190J erbauten Warte­haus verlängert und außerdem ein entsprechender Güter­schuppen angebaut werden. Unser Schulhausneu­bau wird mit Beginn des Winterhalbjahres eingeweiht. Um die ausgeschriebene Schulstelle haben sich 10 Lehrer gemeldet.

O Lich, 26. Sept. Die Kartoffelernte, die viel besser ausfällt, als man ursprünglich erwartete, ist jetzt in vollem Gang. Bis zur Kirmes, die nächsten Sonntag stattfindet, wird sie schon beendet sein. Eigentümlich ist die Erscheinung, daß die Kartoffeln in der Erde schon seit Wochen Keime zeigen, eine Beobachtung, die seit vielen Jahren nicht gemacht worden ist. Auf vielen Aeckern stehen die Kartoffel sogar in zweiter Blüte. Auch auf dem Stadt- wall gegenwärtig blühende Linden und Kastanien sind eine Folgeerscheinung der abnormen Sommer- ,und Herbst­witterung.

ch. Lollar, 26. Sept. Zu dem Berg tu rufe st bei Großen-Buseck am 24. d. Mts. wurden vom hiesigen Turnverein 22 Wetturner entsandt, die auch sämtlich Preise errangen. Im Laufe des Jahres 1911 wurden von dem Verein im ganzen 53 Preise errungen.

Kreis Büdingen.

::Büöing en, 25. Sept. (Schö ffeng erichtssitzung.) H. E. von Stockheim hatte gegen den ergangenen Strafbescheid des Finanzamts Nidda wegen Zuwiderhandlung gegen die Reichs­gewerbeordnung und das Hess. Wandergewerbesteuergesetz gerichtliche Entscheidung beantragt. In der heutigen Verhandlung wurde er srcigesprochen, die Kosten belasten die Staatskasse. Der Küfer K. H. von Büdingen wird wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug zu einer Gefängnisstrafe von 1 M o - nat verurteilt. Ter Straßenwärter I. B. von Lorbach wird wegen Körperverletzung mit 3 Mark oder 1 Tag Gefängnis bestraft. Ter Zimmermann R. K. aus Crissowa, zurzeit ohne festen Wohnsitz, hier in Untersuchungshaft, wird wegen Bettelns mit 2 Wochen Haft verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Ter Weißbindergeselle I. L. zu Hütten­gesäß wird wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geld­strafe von 10 Mark, oder 2 Tagen Gefängnis verurteilt. Ter Pächter Ch. W. B. von Rinderbüger-Hof wird wegen Ueber- tretung des Reichsviehseuchengesetzes zu einer Geldstrafe von 6 Mark oder 2 Tagen Haft verurteilt. Wegen Viehseuchen- Vergehens wurde der Händler S. St. freigesprochen. Unter Abtrennung der Verhandlung gegen A. St. wird das Verfahren ausgesetzt und neuer Termin auf Montag, den 13. November 1911, bestimmt. Ter Viehhändler A. F. in Büdingen ist des Vieh­seuchen-Vergehens angeklagt. Tie Verhandlung wurde auf Montag, 9. Oktober 1911, verschoben. Der Schneider K. H. S. aus Schneeberg, zurzeit ohne festen Wohnsitz, und der Taglöhner K. R. aus Eichen, werden wegen Bettelns zu je 4 Wochen Haft verurteilt. Tic erlittene Untersuchungshaft wird dem K. R. angerechnet. Beide Angeklagte sind nach verbüßter Strafe der Landespolizeibehörde zu überweisen. Der Taglöhner O. M. aus Büdingen ist der Beleidigung im Sinne des § 185 St.G.B. angeklagt; die Oeffentlichkeit wurde wegen Gefährdung der Sitt­lichkeit ausgeschlossen. Tas Schöffengericht Büdingen überweist nach erfolgter Beweisaufnahme unter Feststellung seiner Unzu­ständigkeit die Strafsache an das Schwurgericht des Landgerichts Gießen.

Ober-Mockstadt, 23. Sept. Die U eberrei­ch u n g der Ka i s e r s ch l e i f e an den Kriegerverein fand im Beisein des Präsidialmitgliedes der Hassia, Will-Rendel, durch Kreisamtmann Fröhlich statt. Lehrer Jung hielt die Begrüßungs- und Pfarrer Kalb Henn die Festrede. Ter Posaunenchor wirkte bei der Feier mit.

Kreis Alsfeld.

lz. Renzendorf, 26. Sept. An der Straße von hier nach Unter-Sorg zu stehen viele Aepfelbäume. Da die Aepfelernte dieses Jahr spärlich ausfällt, wurden die Bäume mit doppelter Sorgfalt bewacht: denn zahlreich hingen die Früchte in den, Aesten. Aber trotzdem gelang es doch langfingrigen .Händen, die Bäume ihres Schmuckes zu berauben. Mer schon am nächsten Morgen verbreitete sich in der Umgegend das Gerücht, es werde ein Polizeihund an Ort und Stelle geführt werden, um die Diebe ausfindig zu machen und siehe da, wie exakt ein Polizeihund arbeitet! Noch hatte er seine wertvolle Nase nicht in Tätigkeit gesetzt, da waren die Diebe schon durch seine geheimnisvolle Ein­wirkung entdeckt. Freiwillig meldeten sich die beiden Uebel- täter und gestanden ihr Vergehen ein. Es waren zwei Orts- bürger aus einem Nachbardorfe.

Kreis Lauterbach.

n. Schlitz, 26. Sept. In diesen Tagen verläßt nach fast lljähriger Tätigkeit Hierselbst der Stationsführer der hiesigen Gendarmerie. Wachtmeister Jak. O h l unser Städtchen. Er ist nach Jugenheim a. d. B. versetzt wor­den. Die Bürgerschaft sieht den pflichttreuen, eifrigen, aber stets humanen Beamten nur mit großem Bedauern scheiden. An seine Stelle wurde Fußgendarm Hauß von Ober-Ingelheim hierher versetzt unter gleichzeitiger Beför­derung zum Wachtmeister.

i. Herbstein, 26. Sept. In Zeiten, wo das Schick­sal dem Menschen einmal wie in diesem heißen und dürren Sommer zuwider ist und die Gemüter der Menschen be­drückt, ist es immer etwas Beruhigendes und Tröstliches, zu hören, daß all die betrübenden Erfahrungen, die wir machen, auch anderen vor uns schon unzählige Male machen mußten. Und so mags jetzt vielen nicht uninteressant sein, zu hören, daß u. a. auch das Jahr 1590 ganz dem heurigen ähnlich war. In einem alten Herbsteiner Gerichtsbuch findet sich nämlich folgender chronikalische Vermerk:Anno Domini (15)90 ist so ein heyßer Sonne­schein große Dührn gewest von Walpurgis ahn bis zum Eriestag, daß grosser mangel mahlend halben, auch die sornrnersrücht, gerften, Habern, Erbsen, Liensen und flax, auch alles gardten-gewegse ist in diesem sonne schein alles verdorben, daß solches Jhares gleichen bet) menschen nicht gewesen, aber ein herrlicher alle maß trefflicher gubter ffiein, daß deren gleichen auch nihemals von menschen erlebt worden ist, gott schaffs serners nach sehnem göttlichen Willen." Leider verfaß der Chronist zu bemerken, ob der Wein, der in diesem bösen Jahre sein irdischer Trost war, im Rheingau oder in Herbstein gewachsen war.

i. Lanz en Hain, 26. Sept. Ein hiesiger Einwoh­ner wurde beim Ausladen von Fichtenstämmen im Ober­walde so unglücklich von einem fallenden Stamme getroffen^ er einen Bruch des, Oberschenkels, eine

Quetschung des Knöchels und, wie es scheint, auch i'onftige innere Verletzungen erlitt. Ter Mann, der als fleißig und brav bekannt ist, wird umso mehr bedauert, als er schon jahrelang mit Unglück im Viehstande und Krankheit in der Familie heimgesucht ist und infolgedessen schwer um seine Existenz zu kämpfen hat.

Kreis Schotten.

st. Schotten, 26. Sept. Gestern vormittag 10 Uhr versammelte sich auf Einladung des stellv. Vorsitzenden Kromm-Schotten der Kreis verein der Bürger­meister im schönen Rathaussaale zu Schotten. Der stellv. Vorsitzende widmete dem verstorbenen 1. Vorsitzenden Bür­germeister Jochem-Laubach Worte des Dankes und der An­erkennung und die Versammlung erhob sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen. In der hierauf vorgenom­menen Wahl wurde Kromm-Schotten zum 1. und Ritter- Laubach zum 2. Vorsitzenden gewählt. Tie von dem Rech­ner Lehr-Ruppertsburg vorgelegte Rechnung für 1904/10 schließt mit einem Rest von 10.33 Mk. ab. Da Lehr fein Rechneramt niederlegte, weil für ihn das Einziehen der Bei­träge mit vielen Umständen verbunden sei, wurde Stadt- sekrelär und Kreiskasserechner Staul-Schotten zum .Vereins- rechner gewählt. Nachdem Viehl-Rainrod noch das letzte Protokoll verlesen und noch verschiedene Gemeiudeangelegen- heiten erörtert worden waren, schloß der Vorsitzende die heutige Versammlung mit dem Wunsche, daß seitens des Kreisamts nach Erscheinen der neuen Landgemeindeordnung bald eine Bürgermeisterversammlung gehalten werden möge. Anschließend hieran fand um 11 Vs Uhr die 106. Hauptver­sammlung des Landw. Bezirksvereins Schotten statt. De,r 1. Direktor. Geheimrat Schönfeld- Schotten erstattete in sehr ausführlicher Weise den Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr. Die Rechnung schließt ab mit einem Rest von 635.39 Mk.; der Verein hat aus eigenen Mitteln zugunsten der Gemeinden und Mitglieder bei dem gemeinschaftlichen Bezug von künstlichem Dünger und Klee- samen über 1200 Mk. zugelegt. Nachdem dann noch der Voranschlag für 1911 festgesetzt und der 2. Direktor Cella- rius-Schotten einen sehr interessanten Bericht über die Bekämpfung der Futternot und die Erhaltung des Vieh­standes erstattet hatte, wurde die Versammlung um 1 Uhr geschlossen, nachdem vorher noch beschlossen wurde, einem Anträge des Bezirksvereins Alsfeld auf Auflösung des Pro­vinzialvereins vorerst nicht zuzustimmen. Hierauf vereinig­ten sich die Bürgermeister des Kreises, die Beamten des Kreis­amts, der Stadlvorstand und eine Anzahl Schottener Bürger zu einem Festessen im HotelZur Post" zu Ehren des am 1. Oktober aus dem Amte scheidenden Kreisrates, Ge- heimratSchönfeld. Bürgermeister Kromm-Schotten eröffnete den Reigen der Tischreden, indem er namens und im Auftrag des Stadtvorstandes dem Scheidenden für alles Gute, was er der Stadt Schotten, ihren Vereinen und jedem Einzelnen während seiner fast 24jährigen.Amts­tätigkeit hier erwiesen hat, herzlichen und aufrichtigen Dank darbrachte und seiner Freude darüber Ausdruck verlieh, daß Geheimrat Schönfeld nicht von Schotten scheiden, son­dern hier bleiben werde. Seine Rede endete mit einem Hoch auf den Landesherrn. Alsdann feierte Bürgermeister Ritter- Laubach den Scheidenden namens des Kreis­vereins der Bürgermeister als wohlwollenden und tüch­tigen Vorgesetzten und fürsorgenden Berater der Gemein­den des Kreises. Namens der Kreisschulkommission wid­mete Schulrat Feuerbrech dem Scheidenden Worte des Dankes und der Anerkennung für seine segensreiche Dienst­führung. Alsdann ergriff namens der Beamten des Kreis­amts Kreisamtmann Dr. Probst das Wort und dankte Geheimrat Schönfeld für alle guten Lehren, die er seinen Beamten stets gegeben, und das außerordentlich große Wohlwollen, das er ihnen stets bewiesen hat. Tief er­griffen von all den hochehrenden Worten der Vorredner fagte Geheimrat Schönfeld herzlichen und aufrichtigen Dank für die vielen ehrenden Worte und die hohe Ab­erkennung, die seiner dienstlichen Tätigkeit im Kreise ge­zollt wurde; er verband damit das Versprechen, daß er wohl aus dem Amte scheide, aber nicht von seiner, ihm! ans Herz gewachsenen zweiten Heimat, dem Vogelsberge, er wolle hier bleiben. Sein Hoch galt dem schonen Vogels­berg.

x Ans dem Vogelsberg, 26. Sept. Für Ver­besserungen der Hut weiden im Vogelsberg sind vom hessischen Staate im Rechnungsjahr 1910 insgesamt 18357.12 Mk. Meliorationskosten aufgewendet worden. Von diesen Kosten haben vertragsmäßig die betreffenden Ge­meinden, in deren Gemarkungen Meliorationen vorgenom­men wurden, die Hälfte der Staatskasse zu ersetzen. Im ganzen wurden im Rechnungsjahr 1910 in 12 Gemarkungen Meliorationsarbeiten ausgesüyrt, von denen 8 auf den Kreis Lauterbach und 4 auf den Kreis Schotten fallen, sodaß der Kreis Lauterbach 5757.68 Mk. und der Kreis Schotten 3420.88 Mk. beizutragen hat. Im vorigen Jahre wurden insgesamt für beide Kreise 15 902.47 Mk. für denselben Zweck aufgewendet. Die Zahl der Gemeinden betrug 9, davon 5 im Kreise Lauterbach und 4 im Kreise Schotten. Die Meliorationsarbeiten werden unter Leitung des Großh. Külturtechnikers Kunz aus Lauterbach aüsgesührt.

Kreis Friedberg.

x Bad-Nauheim, 26. Sept. Die Bad-Nauheimer Kirmes, das Saisonschlußfest, das nach all der vielen Sonnnerarbeit der Einwohnerschaft auch das Vergnügen wieder in Hülle und Fülle bietet, wird dieses Jahr am 1., 2. und 8. Oktober abgehalten. Der Blumen pflege durch Schulkinder wird in unserer Stadt besondere Auf­merksamkeit geschenkt. Der Ausschuß für Blumenschmuck laßt in den oberen Klassen der hiesigen Schulen Topfflanzen, die die staatliche Gärtnerei umsonst zur Verfügung stellt, zur Pflege alljährlich während der Sommermonate verteilen. Di« bestentwickelten Pflanzen wurden in diesen Tagen prämiiert und mit wertvollen Preisen bedacht.

Starkenburg und Rheinhessen.

rb. Groß-Gerau, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Der Direktor der Aktien-Zuckersabrik Groß-Gerau, B i l l h a r d t, fuhr heule nacht im Automobil von Frankfurt hierher. In der Nähe des Treburer Forsthauses stieß sein Wagen mit einem Bierfuhrwerk zusammen, das angeblich nach der salschen Seite auswich. Die Deichsel des Bierwagens drang dem Chauffeur in den Leib; der Mann war so­fort lvt. BUlhardt wurde herausgeschleudert, fam aber ohne ernste Verletzungen davon. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert.

rb. Ober-Ramstadt, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Tie Kamins ab ri k des Beig. Heim ist heute nacht vollstän­dig niedergebrannt. Ter Schaden ist bedeutend.

Hessen-Nassau.

[] Marburg, 26. Sept. Am 14. Oktober findet eine Sitzung des Kreistages statt. Hauptsächlich handelt es sich um die Wahl eines KommunallandtaaS.AL^^rdnetrn