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24.4.1911 Zweites Blatt
 
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M Jahrgang

Zweites Blatt

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Erjchrint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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Montag. 24. April M

Rotationsdruck und Verlag der vrü dl'Khen UnwersUätS - vnch- und 6tttnbrudereL 91 Lange. Ließen.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Bdjnl- strahe 7. Expedition und Verlag: e^aK bl. Redaktion: 12. reß-SdruAnzeigerGießen.

DieGiedenrr Zamlliendlätter" werden öc . .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, bas Krehblati für den Kreis Lietzen" ziveimak wöchentlich. Dierandwirtschajtltchev Leit» fragen" erscheinen monatlich jroctmaL

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den Wünschen des Herrn Grooß befahlt hätten? In ieurem! Artikel vom 11. April verweist Herr Grooß aus seine Darlegung in seiner Schrift von 1909. Er schreibt da von seinen ..autben« tischen Unterlagen" und lagt, daß darin dein Leser alS treibend« Kräfte meist dieselben Männer und Richtungen (Frhr. v Henl, Dr. Osann usw. begegnen. In dieser Schrift rindet sich ern Kapitel: Ter Porttag von den Landständen. Um es gleich vor­weg zu nehmen! Dieser Bericht ist ein wahres Zerrbild des stenographischen Kammerberichtes Die Verzerrung ist teils eine falsche Darstellung der Vorgänge, teils rührt sic von der Weg­lassung wichtiger Acusterungen her. Tie Form ist mitunter, nnc auch in andern Kapiteln, geradezu eine beleidigende. Herr Grooß sagt da kein Wort von den damaligen Hess. Finanznöten, wie sie Fi­nanzminister Dr. Weber und Dr. Osann schildern, er Hellt deren Worte von der wirtschaftlichen Annexion Hessens (gebraucht vom Abg. Dr. Schmrtt-Mainz) nicht gegenüber, was die Herren yti- nister, Abg. Wolfskehl und namentlich Dr. Vogt an Tatsachen, aus Oberhessen u. deral. oorgebradn haben. Er verschweigt, das; Abg. Woltskehl bei Bemängelung des Wortes ,.tunlichst" den. Artikel 18 zitiert, in dem es heimDie Gemeinschaftsverwaltung wird die preußischen und h.ssifchen Linien als ein ein beit 5 liches Netz verwalten und dlesel^beninjederBeziehunq gleichmäßig behandeln. Tie wird die Verkehrs- und volkswirtschaftlichen Interessen der hessischen Landesteile ingleicher Wciseberück sichtigen wie die­jenigen der preußischen Gebietsteil e." Abg Wolts­kehl rief: ,J&ier steht nichts vontunlichst" Herr Schmitt!"

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temäv sich gründenden monistischen Philosophie als meine wich- "ligftc Lebensotifgobe festgehalten habe: in deren Interesse habe jtf) zahlreiche wissensck)afllichc Forschttngsreisen ausgesührt und trat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einer Motzen Zahl rwn berühmten Naturforschern und anderen be- ä-eutenben Männern in Briefwechsel und persönlichen Verkehr

befonberot Berichtigung beharr der Schd» derI

-nngangs erwähnten, (nicht von mir he rrichr enden) ZettungsnotiL.1 ue 14 Xage eut^sperri wurde, o-vc |tdj selbst nur darüber ge­

worden zu sein, was fie zu all diesen Taten getrieben hatte. Der Schlußakt ist der Akt des unvermeidlichen Kammerdieners G stellt sich heraus, daß dieser der Bruder eines Herzogs ist, der Sefriebigung in seiner dienenden Stellung findet und Margarete heiratet, während Bobby ein kleines lustigesFreudenm/ ochen" zu feiner Frau macht Das Stück selbst endet mit einem Epilog, in welchem die Kritiker ihre Ansichten aussprechen. Die ,->citungcn, die fast stets bei Shawschen Stücken sehr geteilter Meinung sind, besprechenFanny's erstes Stück" doch recht wohlwollend. So z. B. schreibt derDaily Graphic": Tatsache ist, daß das Stück selbst viel amüsanter als die Einleitung oder der Epilog. Das ganze selbst wurde ausgezeichnet gespielt und man möchte e£ als rinieu d'esprit" auf keinen Fall missen. Die Darsteller waren vorzüglich ausgewählt und das Zusammenspiel war aus­gezeichnet. Das große Publikum selbst wird wohl einen Teil der gutmütigen Satire nicht erfassen, aber Kenner der Seit hältmsse werden einen genußreichen Abend verleben.

DrahtloseEisenbahnfern sprechet:. TasRai- lophvne", das am Tonnerstag in Stratiord-on-Avon, dem Ge­burtsort Shakespeares, eröffnet werden soll, ist ein interessantes und nützlicher Fortschritt in der Methode der drahtlosen Ver­bindung. Mit Hilfe des neuen Systems, das eilte Erfindung HanS von Kramers ist, können Nachrichten von einem in Bewegung befindlichen Zuge aus gegeben und auch von ihm entgegengenommen werden. "Dabei spielt die Schnelligkeit des Zuges feine Rolle. Notwendig ist nur ein gewöhnlicher Telephonapvarat. Wenn der Zug sich bewegt, kann man von ihm aus mit irgend einer Land­telephonstation in Verbindung treten. Die Zugbeamten können und das ist noch wichtiger mit den Signalstationen in dauernder Verbindung bleiben, wodurch die Gefahr eines Un­glücks bedeutend geringer wird. Tie Arbeit des Apparates ist ungefähr folgende: Ein isolierter Trabt wird längs der Eisenbahn­linie entweder über oder unter der Erde gelegt, der die Ver­bindung mit Signalstationen, Bahnhöfen und Postanstalten her­stellt. Der Eisenbahnwagen, der den Telephonapvarat enthält^ ist mit Spvlen von isoliertem Draht umgeben. Ein schwacher elektrischer Strom läuft sowohl durch das Land iw tnirth dis Drahtkabel im Eisenbakmwagen Die Verbindung wird mouktiv auf drahtlosem Wege bergeftellt Eine Störung im clektrisä^n Strom wird z. B. auf elektro-mognetische Induktion hin durch die Wellen der menschlichen Stimme, die auf einen Telcphow- empsänger wirkt, hervorgerufen und auf die Lritungsdrähte längs der Bahnlinie übertragen.

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Bernhard Shaws neues Drama. Aus London wird der Nat. Ztg. geschrieben: Unter dem TitelFannys erstes Stück" wurde am letzten Mittwoch im ,Little Theorie" zu Lon­don ein anonymes Stück zur Aufführung gebracht: aber das Geheimnis der Anonymität war nicht gut gewahrt worden vielleicht lag diese Absicht auch gar nicht vor und in literarischen Kreisen war schon seit längerer Zett geflüstert worden, daß der Verfasser des Stückes Bernhard Shaw sei. Das Stück selbst fand gute Aufnahme. Tie Handlung beginnt mit einem Vor­spiel. Graf O'Towda, ein irischer Gentleman, kommt noch Eng­lands weil feine Tochter Fany ein Stück geschrieben hat. Er verspricht ihr, daß dieses Stück auf geführt werden soll und oben­drein soll es gleich während der Aufführung kritisiert werden. Zu diesem Zweck werden vier Kritiker eingeführt, und nun be­ginnt das eigentliche Stück. Es ist ein beachtenswertes Drama, ba§ Fanny O'Towda geschrieben hat, nur leidet es ein wenig unter überlangen Reden. Aber die Zuschauer amüsierten sich übet die Wenteuer von Margarete Knox und Bobby Gilbey und über das Unheil, das sie über ihre äußerst respektablen Eltern brachten. Tie Gilbeys und Knoxes sind Ladeninhaber. Als der Vorhang hochgeht, sind die Gttbeys in außerordentlicher Aufregung, da ihr Sohn mit der Polizei in Konflikt gekommen ist, und trat gegen Bürgschaft frei getanen werden soll. Im nächsten Akt sieht man das Heim der Familie Knox, die mit Ausnahme der Tochter Margarete, die mit dem jungen Gttbey so gut wie ver­lobt ist, versammelt ist. Nach dem Besuch einer Gebetsversamm- lung der Heilsarmee mochte Margarete die Bekanntschatt eines jungen ttanzösischen Marineoffiziers, der fie nach einem Tanz- I lokal entführte. Im Lokal entstand eine kleine Prügelei, während

dahin lautend:Durch das ganze Werk geht cm stark pole­mischer Zug gegen Kttckre und Kirchenglauben." Diese irrige Angabe hat nur insofern einigen Grund, als ich selbstverständlich den offenkundigen Gegensatz der reinen, auf Vernunft gegründeten Wissenschaft gegen den herrschenden, auf angebliche Offen­barung gestützten und durch die hohe Autorität der Kirchck geschützten Aberglauben vielfach berühren muß. Allein der widerwärtige, mir durch die unablässigen Angriffe der Kirche feit 45 Jahren aufgedrungene Kampf ist für mich persönlich ab­geschlossen und hat mit meiner letzten Verteidigungsschrift gegen die Jesuiten, der 1910 in Frankfurt erschienenen Broschüre Sandalion" seine Erledigung gefunden.

haeckelr £ebensertnnerungen.

Professor Ernst Haeckel in Jena sendet demB. T." folgendes Schreiben: . , , _ ,

Durch mehrere Zettungen wurde in den letzten Wochen eine Notiz über die bevorstehende Veröffentlichung meiner Memoiren verbreitet. Da diese Mtttvilung einige Irrtümer enthalt und ich derentwegen bereits mehrfach brieflich befragt rourbe, sehe ich mich zu folgender Berichtigung beziehungsweise Ergänzung genötigt :

1. Die Niederschrift meiner S e b e n 5 c r t n n e r u n g e n, nm die ich seit langer Zeit von vielen Freunden und Kollegen eriud>t worden bin, beschäftigt mich allerdings sett zwei Jahren, feitu dem ich (im Avril li)09) von meinem hiesigen, 48 JEe hin­durch innegehabten Lehramte nach Abschluß des 7o.ebens jahres zurückgetreten bin.

2. Diese schwierige Arbeit schreitet aber nur lang,am vor­wärts, da es sich um Sichtung und Ordnung eines äußerlt Um fangreichen Materials handelt: Tausende von Briefen und Tagebuchblättern, von inhaltreichen Zeitungsnotizen und Rezensionen. Sollte ich die begonnene, zeittaubende Arbeit noch selbst vollenden können und sie auch vielfach geäußerten Wün­schen zufolge mit zahlreichen, größtenteils selbstgezeichneten und gemalten Bildern illustrieren können, so wird das Werk mehrere Bände umfassen: die Veröffentlichung kann aber im günftigften Falle erst nach mehreren Jahren enolgen. |3nbcffeu_ ifr dafür gesorgt, daß das wertvolle und originelle luerarifche Material auch nach meinem Tode von sachkundigen freunden verwertet werden lann; es bleibt gesammelt in dem Ahy 1 etischen Archiv, über dessen Zweck und Bedeutung ib kürzlich (im ersten Aprilbeft der Frankfurter Halbmonatsschrift »Das Freie Wort") eine kurze Mitteilung veröffentlicht habe.

3. Der historische Wert meiner Memoiren in denen das snteresse an der Sache, nicht an meiner Person, das Wesentliche tft Hegt darin, daß ich seit einem halben Jahrhundert den Ausbau der modernen Entwickelungsichre und der darauf natur-

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Englisch-italienische Trinksprüche.

Rom, 22. April. Heute abend fand im Quirinal -u Ehren des Prinzen Arthur von Eonnaught ein Essen statt, bei dem

der König von Italien folgenden Trinkspruch in italienischer Sprache aus, brachte:

Ich bin glücklich, Eure Königliche Hoheit als sehr geschrtzten Gast in der Hauptstadt Italiens zu begrüßen und sende Ihrem erlauchten Vater den heißen Wunsch schneller und vollständiger Genesung. Ich danke Seiner Majestät dem König, Ihrem Er­lauchten Verwandten und meinem guten Freunde au nichtig tüt die Entsendung Ihrer Königlichen voheit, um Italien unb^mir seine Glückwünsche und die der britischen Nation zu der Feier seiner großen und glorreichen Erinnerung zu überbringen Zwischen Sr. Mai. dem König Georg und mir besteht und wird bestehen« dieselbe unwandelbare gegenseitige Freund« sch ast, die mich mit Sr. Maj. dem König Eduard verband, an den unauslöschliche Erinnerung in mir lebt und leben wird. Die Sympathie des britischen Volkes war eine Stärkung und eine Hilfe für das italienische Volk in seinem Ringen für die Um, ab hängig kett und Einigkeit. Seit jenen denkwürdigen Tagen ist die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern, die heule wie ehe­mals von demselben Glauben an Freiheit und Fortschritt bet geistert ist, stetig und unverändert geblieben und trägt wesentlich zui Erhaltung des Friedens bei, worauf das Bestreben aller Machte gerichtet ist. Mit diesen Gefühlen trinke Ich auf 31yre Majestät den König und die Königin, die Königin Alexandra, Eure Königliche Hoheit und die ganze Königliche Familie, sowie auf dte Wohlfahrt des Vereinigten Königsreichs.

Der Prinz von Eonnaught antwortete

in englischer Sprache:

Ew. Mas. bringe ich meinen aufrichtigen Dank dar für dick liebenswürdigen Worte, die Sie an mich gerichtet haben und für den glänzenden und herzlichen Empfaiig, den Sie mir in bet Hauptstadt des Landes bereitet haben. Zwisckten Ew. Maj. und Sr. Maj. dem verstorbenen König Eduard bestanden Bande der Verehrung und des gegenseitigen Vertrauens, die sich ungeschränkt auf Se. Maj. den König Georg übertragen haben Mir ist die Aufgabe zugefallen, Ew. Maj. und Ihrer Maj. der Königin! die Glückwünsche des Königs Georg und der Königin Marie zum 50 ten Jubiläum des .Königsreichs zu überbringen. Vor 50 Jahren hat Ihr erhabener Großvater die Krone von Italien angenommen und die damalige Haltung der britischen 'Regierung bewies ihr vollkommenes Einvernehmen mit den Gefühlen der Zuneigung und Verehrung, die die britische Nation für Ihr Land hegte. Diese Gefühle unwandelbarer Freund schäft n <r« den auch fernerhin unverändert bestehen und die Wünsche, tec ich zu dieser freubigen Gelegenheit berbringe, gehen nicht nur von meinem erhabenen Souverän aus, sondern sie sind auch dir herzlichen Glückwünsche bet ganzen britischen Nation. Möge bie Freunbschaft, die so lange zwischen unseren beiden Län-

3ur $ragc der preuhischHeWchen Lisenbahngemeinschast.

1.

Don Herrn Prof. I. L u l e y-Gießet erhalten wir im Anschluß an das neuerschienene Bierm he Huch folgende Ausführungen, die wir gerne zur Erörterung stellen:

Ein Bud, zu rechter Zeit! Das ist die Broschüre des Herrn Pros. Dr. Bierrner, die die Preußisch-Hessische Eisenbahnbetriebs- iinb Finanzgemeinschaft in umfassendster und gründlichster Weise behandelt, das schließe ich aus den 3 interessanten Artikeln, die ihm der Gießener Anzeiger widmet. Es erscheint zu rechter Zett; denn bce behandelte Frage steht seit einiger Zeit, namentlich infolge bet Broschüren des Herrn August Grooß, ehemals Direktor der Hess. Ludwigsbahn mit im Vordergründe des öffentlichen Jn- teresses in unserem Hessenlande, noch zu recktter Zeit, fuge ich euch, denn sie räumt einmal gründlich auf mit dem so vielfach rirerührenben, oft leidenschaftlichen und tendenziösen Darlegungen fr? Herrn Grooß Wenn Herr Prof. Dr. Bierrner schreibt, die Grooßschen Darlegungen hätten u. a. auch auf die Fraktions- t ebn er im Lanbtag sehr großen Einfluß gehabt, da diese geneigt schienen,die Graaffschen Darlegungen und 'Seredinungen für nrnbebingt zuverlässig zu halten, was fie^aber nicht sind", so unterschreibe ich das, gestützi aus ein vom Standpunkt des Ama keurpotitikers ziemliä) eingehendes Studium der betreffenden Fragen rollftänbig. Ja, ich wundere mich eigentlich, daß, außer der ruhrg sachlichen ausführlichen Widerlegung in dem Archiv für Eisenbahnwesen, Jahrgang 1909, Heft 6, und den jüngsten Aus­führungen des Ministerialdirektors Offenberg beide Ar­beiten stammen aus preußischer Ouelle. nicht schon längst von irgend einer berufenen Seite diesen Irreführungen in der Presse fntgeqcngctrcten worden ist.

Die oben gerügte Unzuverlässigkeit, die sich mitunter in der drastischsten Weife zeigt, findet sich auch wieder in beiden Grooß- ichcn Artikeln der Franks. Zeitung, die eine Widerlegung gegen bie Offenbergschen Darlegungen sein sollen, in denen Herr Grooß iber gerade wie in den vorhin erwähnten Erörterungen von 9?. Ouaatz offen ihm unangenehmen Tatsachen aus dem Wege geht.

Aus diesen Artikeln (1. Morgenblatt vom 11. Aprill eine Probe' Dort wendet sich Herr Grooß u. a. gegen den von Offen berg in einer kleinen Tabelle gegebenen Beweis, die hessische Ciimbahnrentc sei die einzige in Deutschland, die im Durch schnitt des letzten Jahrzwölsts, der Zeit der GcmeinschaftSverwal- . tung, g e ft i c g en fei. Herr Gr. schreibt:92 un stellt der Herr Ministerialdirektor Ossenberg eine Reiite der hessischen Linien im Jahre 1896 von 3,88 Prozent gegenüber. Wie er das bt- rechnet, ist nicht angegeben." FernerUnd wie man unter diesen Umständen und bei einer heutigen Eisenbahnrentc Hessens von 4 Prozent Bemerkung. Sie beträgt aber etwa 4,3 Prozent!) von einer Steigerung unter dieser Estnneinschaft reden tarnt, ist ganz unverstäirdlich Nach den in der Regierungsvorlage über Ne Tilgung der Staatsschuld vonr 29. November 1909 gegebenen Wahlen betrug das hessische Anlagekapital 1897/98 182 MUI. >arl und der Bezugsanteil 10671000 Mark, das sind 5,8 ßrozent." Das sieht doch wie eine glänzende Widerlegung Offen- öergs aus. Es wäre sie auch, tvenn die Zahlen des Herrn c-ftooß nickst falsch wären! Konnte Herr Grooß, als er dies schrieb, richtig unterrichtet sein? Ja! Durch wen? Durch fern eigenes Buch von 1909, Die Finanznot Hessens und der prenß.-hess. Eisenbahnverttag, dort hat Herr Gr. auf Sötte 6 in enter Tabelle stehen

JX97 Kapital Eisenbahnschuld in Mill.: 228. Wirkt. Eing.w,514 Mill. 1598 .. 239. 10,622 ,

, Ta hat Herr Gr. also die Eisetrbahnschuld besser gewußt. Er hätte sich auch tagen müssen, daß die von ihm für 1897/98 an­gegebene Eisenbahnschuld nur ungefähr die Summe betrug, bie Hessen bei liebem«hme der Hessischen Ludwigsbahn ^als Schuld auf sich nahm, daß schon etwa 40 Millionen Mark Schulden da waren, die Zahl 182 Millionen also falsch sein mußte. Herr Groos gibt also 46 Millionen Schuld zu roe nrg an und re ebnet 1'0 eine Rente von 5,8 Prozent heraus. Tas ist ein Beispiel der Zuverlässigkeit Grvoßscher Zahlen?

Seine Schriften bieten ähnliches.

In feilten Brosckvtten und in der Hess. Lit. Wochenschrift schrieb Herr Grooß, die Eisenbahnerträge feien von 1896 bis 1906 von 10 514 000 Ml. auf 14 406 000 Mk., also um 2 7 Proz. gestiegen. Diesen Prozentsatz stellt er dem Prozentsatz der Ver- kehrssteigerungen, und das in sehr eigentümlicher Wetse, gegen­über, um recht drastisch zu wirken. Diese 27 Prozent haben in der Zweiten Kammer z.B. von Abg. Ulrich eine beträchtliche Rolle

gespielt. Wer aber nur rin klein wenig in der Zinsrechnung Be­scheid weiß, muß diese Zahl sofort als falsch erkennen. Dte (rinnahmefteigerung beträgt nämlich 37 Prozent, Herr Gr. ha« das nicht gesehen: aber feine falsche Prozentrechnung hat die Gemüter aufgeregt. Es scheint, als ob Herr Gr. bei feiner Aus­rechnung von der Endrinnahme ausgegangen fei. Das wäre allerdings eine schöne Methode! Eine andere Probe von un­zuverlässiger Darlegung gibt Herr Gr. bei der Gegenüberstellung des Verkehrszuwachses auf der ehemaligen Hessischen Ludwigs­bahn und den Oberhessischen Bahnen. Er übernimmt aus der Tentschritt unserer Regierung '1908) die entsprechenden absoluten Piozentzisfern und stellt ihnen den Zuwachs an Einnahmen gegen­über (die erwähnten 27 Prozent, die aber 37 Prozent sind). Tiefe Gegensätze erfcheinen wirkungsvoll. Herr Gr. merkt, daß der angegebene Prozentzuwachs für die Ober hessischen Bahnen nicht recht stimmt und setzt hinter 284 Prozent ein Fragezeichen, aber ohne weitere Bemerkung. Dies hat er jetzt auch wieder in der Franks. Zeitung getan. Der erfahrene Finanzmann hätte sofort sehen müssen, oder es in einigen Sekunden ausrechnen können, daß es 184 Prozent heißen muß, alfo 100 Prozent weniger. Tas wäre aber weniger wirkungsvoll gewesen.

Ein nettes Verfahren ist auch die Anführung von Zahlen aus der Tenkschrist der Regierung über die außerordentliche Zunahme des Verkaufs von Fahrkarten nach dem Abschluß der Bahngemeinschaft. Tie Regienmg gab diese Zahlen, um den Aufschwung des Verkehrs infolge der Gemeinschaft und namentlich der Einführung der 4. Wagenklasse aufzuweisen. Herr ör leitet nun ohne weiteres daraus die Forderung eines viel größeren Gewinnes ab, ohne auch nur zu erwägen, daß die 4. Klasse eine riesige Verbilligung des Verkehrs brachte, obwohl in der Denkschrift an einem Bei spiel den Fahrkartenzuwackis von 1 Jahr zeigte, daß bei einer Zunahme von 30 Prozent Fahrkarten, nur eine Mehreinnahme von 7 Prozent heraus kam, nach Abzug der damals weggefallenen Ein­nahmen aus dem Gepäck (Einführung von Freigepäck, das die Hessische Ludwigsbahn nicht kannte), nur 5A Prozent Mehr- einnahme. Anlch bis heute hat Herr Gr. noch nicht in Befracht gezogen, was ihm die Denkschrift doch zeigen mußte und Herr Quaatz ihm so deutlich vorgeführt hat, nämlich, daß die A u s gaben auf der ehemaligen Hessischen Ludwigsbahn und auch auf den Ober Hess. Bahnen durch Anpassung an die preußischen Be­stimmungen über Dien st stunden, Besoldung und dergleichen so außerordentlich gewachsen sind. Tic Zahl der Fahrbeantten mußte im ersten Jahre um 22 Prozent vermehrt werden. Tie Hessische Ludwigsbahn war groß in der Ausnutzung ihrer Beamten, sie bezahlte fte elend. Quaatz rechnet vor, daß die Anpafsung an die preußischen Normen an Mehr­ausgaben verlangte, jährlich über 1 Million, für Unterhaltung und Erneuerung der Bahnanlagen 1400000 Mark, für Er baltung und Erneuerung der Bcttiebsmittel 340000 Mark jähr heb. Warum schweigt Herr Gr. hierüber? Er schreibt nur, bei Ausgabekoeffizient der Hessischen Ludwigsbahn sei etwa so groß gewesen, nnc der preußische.

Es ist aber von Quaatz festgestellt, daß beispielsweise 1894 Preußen für 1 Kilometer GeleiÄänge 2067 Mark ausgab, die Hessische Ludwigsbahn 1005 Mark, daß die Kosten der Unter­haltung und Erneuerung der Bahnanlagen für 1 Kilometer in Preußen 1894 4856 Mark betrugen, bei der Hessischen Ludwigs­bahn 1885 Mark.

Die Gehälter der unteren und mittleren Beamten waren bei der Hessischen Ludwigsbahn um 200 Mark bis etwa 1000 Mark geringer als in Preußen, die Arbeiter waren ebenfalls viel schlechter bezahlt. Und doch war die Rente der Hessischen Ludwigs­bahn von 1869 bis 1879 von 8,259 Prozent auf 5,493 Prozent auf den nicht garantierten Strecken gefallen, für alle Strecken fiel sie von 1879 bis 1886 von 4,699 Prozent auf 4,072 Prozent. Von da ab stieg fie bis 1895 wieder auf 5,078 Prozent. Wo­durch? Durch das sparen und .rusnützen an Beamten, durch Vernachlässigung und Nichtanschaffung von Wagenmaterial, Bahn­anlagen, Bahnhöfen und bergt. Und warum das? Um höhere Renten zu ermöglichen und bei dem bevorstehenden Verkauf mehr Geld hei-auszuschlagen. Tenn es stand im Vertrag, daß der Staat die Bahn gegen den 20fachen Reinertrag übernehmen könne.

Und die Furcht vor einer so künstlich gemachten höheren Rente und damit größeren Kaufsumme war es auch, die die damalige Kammermehrhrit veranlaßte, die Vorlage der Regierung rasch unter Tach und Fach zu bringen, damit der Staat durch diese künstliche Rentenschraubung nicht eine noch höhere Kauf­summe zahlen müsse. Davon schreibt Herr Gr. allerdings nichts. Nach feinen Angaben waren es nur Leichtsinn, Unverstand oder sonstige unedle Eigenschaften der Beschließenden, die sie zu raschem Handeln trieben. Was hätten wir beute an Eisenbahnschuld und Zinsen mehr zu tragen, wenn wir die Hessische Ludigsbahn nach

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