gesetzt, dieses Probestück deutscher Baukunst unb Technik in der- HLltnrswätzig kurzer Zeit herzuftellcn. Mit Dank unb Anerkennung sei ihrer aller gedacht, auch des genialen Meisters der Bildhauerkunst, der die Hohenzollernbrücke mit würdigem ©djtrnuzB geturnt unb uns die ritterliche Gestalt meines unvergeßlichen Herrn Vaters so trefflich vor die Augen gestellt hat. Dem teuren Verewigten weiß ich cs besonders Dank, daß er mir schon in der Jugend Gelegenheit gegeben, den jedem Deutschen aus Herz gewachsenen, sagenumwobenen deutschen Strom mit seinen, Burgen und Städten kennen.zu leinen und einige Jahre unter der lerndeutschen rheinischen Bevölkerung zu leben, deren Eigenart nur verstehen und würdigen kann, der das Glück gehabt hat, ihr näher zu treten. Die schönen Tage und Stunden, die ich -als Bonner Student hier im ehrwürdigen Köln zu cniftem' Studium unb heiterem Frohsinn er- Idbcn burfte, gehören zu den a n g e n e h m st e n E r i n n e r u n g e n meines Lebens. Die reizvolle Stadt mit ihrem ZUM Himmel ragenden Dom, ihren historischen kirchlichen unb vrofancn Bauwerken, ihrem kräftig pulsierenden Leben an den Stätten der Industrie unb bes Handels wie auf den Straßen und dem. lebhaften Schiffsverkehr auf dem grünen Strome mußte auf dgs jugendliche Gemüt einen tiefen und blei- linden Eindruck machen. JchstabemichinJh reu Mauern stets heimisch gesuhlt unb bin auch der heutigen Einladung mit Freuden gefolgt. Eine besondere Befriedigung hat es mir aber seit Antritt meiner Regierung gewährt, wenn ich gleich meinen Vorgängern an der Krone mein landesbäterliches Interesse betätigen und zur freien Entwicklung unb Ausbehnung der Stadt l^itragen konnte. Gar manche Wandlung unb Erweiterung hat ber Ort im Lause der fast 3000 Jahre seines Bestehens erfahren, bis bie eigentlich römische Ansiedlung, die Colonia Agripina, auf einem von festen Mauern, Türmen und Toren eng umgürteten viereckigen Raum angelegt, sich zu der heutigen Großstadt im weiten Halbkreis an den Rheinstrom geschmiegt, zur zweitgrößten Stadt der Monarchie und zu einem ber bebeutenbften Handelsplätze des deutschen Reiches durchgerungen hat. Stets hat sich dabei Neben einer ausgezeichneten Verwaltung die hohe Intelligenz, die kaufmännische Begabung unb die zähe Arbeitsamkeit bei- Kölner Bürgerschaft bewährt, deren Stolz auf ihre Kraft und ihre Stiftungen durch die Geschichte ber Stabt gerechtfertigt wird.
Meine wärmsten Wünsche werden auch die Stadt in Zukunft begleiten, möge sie wie bisher unter dem friedlichen Szepter der Hohenzollern wachsen, blühen und gedeihen, möge ihre Bürgerschaft allezeit Ernst unb Fleiß mit Frohsinn und Lebenslust paaren unb getreu gegen Gott, König unb Vaterland als unveräußerliches Gut auf späte Geschlechter vererben! So erhebe ich beim mein Glas, gefüllt mit deutschem Wein, gewachsen am Strand des grünen Rheins, unb gebe alldem, was ich für Köln fühle Ausdruck in dem Rufe: Hurra! Alaf Köln!
Rach der Tafel hielt das Kaiserpaar Cercle ab unb zog viele fdjer Anwesenden ins Gespräch. Hierauf überreichten die vereinigten Handwerker Kölns eine silberne Plakette.
Vom Gürzenich begab fiel) das Kaiserpaar auf den Dampfer „Prinzessin Cecilie" zur Rheinfahrt.
Eine Fahrt auf dem Rhein.
Die Stadt war bis in die fernsten Teile auf das Glänzendste beleuchtet. Die Fahrt der Majestäten und der Prinzessin Victorra (Suife auf dem Dampfer „Kronprinzessin Cecilie", afuf welchem sich auch die Spitzen der Behörden eingefündcn hatten, bildete einen glanzvollen Abschluß der imnmehr achtwöchigen Reise der Majestäten, welche sie über Korfu, einige süddeutsche Städte Und Landen hierher geführt hatte. Die Fahrt ging zunächst über die Südbrücke hinaus bis zur Bismarcksaucke und dann rheinabwärts wieder zur Landungsstelle. Die Ufer erstrahlten allenthalben in einem Meer roten, grünen, weißen und gelben Lichts. Ein Feuerwusserfall ging von der neuen Rheinbrücke hernieder. Auf den Ufern und auf unzähligen Dampfern Und Booten hatten tausende von Menschen Aufstellung ge- Iwmmen.
Die Abfahrt der Majestäten erfolgte lim: 11 Uhr int Sonderzug. Die Ankunft in Wildpark ist für morgen früh !unt 10 Uhr 15 Min. int Reuen Palais vorgesehen.
Die Reise de; Rronprinzenpaarer.
Kali sch, 22. Mai. Zur Begrüßung des deutschen Kronprinzenpaares, das gestern abend sum Vs 10 Uhr eintraf, waren am Bahnhof der Generalgouverneur von Warschau und der Gouverneur von Kalisch erschienen. Das Kleinrussische Dragoner- Regiment des Kronprinzen stellte die Ehrenwache. Das ganze Regiment war neben dem Bahnhof aufgestellt. Als der Zug cinfuhr spielte die Musik die deutsche Nationalhymne. Der Generalgouverneur unb die Gemahlin des Gouverneurs, sowie der Oberst des Regiments überreichten der Kronprinzessin Blumensträuße. Der Kronprinz begrüßte in russischer Sprache die Mannschaften des Regiments, als sie im Parademarsch vorbtizogen. Um 10 Uhr verließ ber Zug den Bahnhof. Die längs des Bahndamms aufgcftellten Mannschaften des JRegü ments des Kronprinzen begrüßten den Zug mit Hurrarufen.
Nach dem Unglück aus dem Pariser Flugplatz.
Paris, 22. Mai. Der deutsche Kaiser sandte dem Präsidenten Falliöres ein Beileidstelegramm, in dem er erklärt, welche Rührung er empfand, als er den Tod Berteaux' erfuhr. Gleichzeitig übermittelte er die Wünsche für die Wiederherstellung des Ministerpräsidenten. — Ebenso sandte der Kaiser von Rußland dem Präsidenten ein Telegramm, in dem er in besonders herzlicher Weise ausdrückt, welchen Anteil er an der Trauer der Regierung nimmt und Monis baldige Wiederherstellung wünscht.
Heute abend wurde dem Ministerpräsidenten nritgeteilt, daß der Kriegsminister anscheinend verloren fei. Monis war davon sehr schmerzlich berührt. Auf Anraten der Aerzte wird der Tod des Ministers Berteaux für morgen mitgeteilt.
Dr. Lannelongue erklärte über den Zustand des Ministerpräsidenten, daß jede Furcht vor Komplikation infolge innerer Verletzungen zerstreut fei.
Jssy-les-Moulineaux,22. Mai. Für den Start zu dem Wettflug Paris-Madrid, zu dem sich eine nur geringe Menschenmenge eingesunden hatte, war ein großer Ordnungsdienst aufgeboten. Es herrschte dichter Nebel. Wed rin e stieg um 4.11 Uhr auf. Die Flieger Ver- rept, Frey uni) Train erklärten, nicht zu starten.
Deutscher Reich.
Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." meldet: Die Betriebseinnahmen der Pr eußif ch-H es sis chen Staats- eisenbahuen betrugen im April 1911 gegenüber dem gleichen dNonat dcs Vorjahres int Personenverkehr 10.1 Millionen — 22.26 Proz., im Güterverkehr 2.5 Millionen — 2.20 Proz., insgesamt nrit Einschluß der Mehreinnahmen aus den sonstigen Quellen 12.9 Millionen --- 7.77 Proz. mehr. Bei der Beurteilung des Ergebnisses ist zu berücksichtigen, daß der April 1911 infolge der £agt des Osterfestes 3 Sonn- und Feiertage mehr imb 3 .Werktage weniger hatte als der gleiche Monat des Vorjahres.
Dem Reichstag ist das Pr idatbeamtenv er- sicherungsgesetz. tzugegaugen.
Im Reichstage ist von allen bürgerlichen Parteien beantragt worden, die Abteilungen 719 und 720 des Zolltarifs infolge des deutsch-schwedischenHandels- ti ertragt in Zukunft zu erhöhen. So soll der Zollsatz für
Röhren laus Ton, unglasiert oder glasiert, mit Ausnahme von Drainröhren von 40 Psg. auf 1 Mk. für den Doppelzentner erhöht werden. Ferner sollen die Zollsätze für Waren aus gemeinem Steinzeug (Röhren, Röhrenformstücke, Sohlsteine, Senkkasten, Ausgüsse, Krippen, Viehtröge) sowie Steine und Platten aller Art zu technischen Zwecken von 40 Pfg. auf 1 Mk. pro Doppelzentner erhöht werden.
Aus Hattingen meldet man: In bet Nacht zum Montag würbe die 18jährige Tochter dcs Italieners Pasgual- l u c c i in ihrer elterlichen Wohnung von Landsleuten, früheren Kostgängern, burchDolch st ichecr mordet und bie M u 11 e r durch einen Schlag auf den Kops schwer verwundet. Zwei der Täter wurden in der Nacht berbaftet, der dritte ist flüchtig
Der Landtag des Fürstentums Reuß ältere Linien ahm einstimmig den Staatsvertrag zwischen dem Königreich Sa chsen und dem Fürstentum Reuß jüngere Linie und ältere Linie betreffend den Anschluß der reußischen Fürstentümer an das sächsische Ober. Verwaltungsgericht in Dresden an. Der Staatsvertrag ist zunächst 15 Jahre unkündbar und wird voraussichtlich am 1. Juli 1912 in Kraft treten.
Ausland.
Im englischen Oberhaus wurde in zweiter Lesung der Gesetzentwurf Lord Lansdownes für die Reform des Oberhauses nach dreitägiger Aussprache einstimmig angenommen. Mehrere nnionistische Peers sprachen sich gegen einzelne Punkte der Vorlage aus, aber die Mehrheit drückte ihre Billigung der Vorlage aus. Kriegs- Minister Lord Haldane erklärte, die Regierung erkenne an, daß die Vorlage einen Fortschritt bedeute. Die allgemeine Aussprache über die Vetobill wird morgen im Oberhause beginnen.
Rach einer Blättermeldung aus Teheran scheint ein Abkommen zwischen der türkischen und persischen Regierung erzielt toorben zu Zein, dahingehend, daß sie dem Schiedsgerichts Hof im Haag jeden Punkt überweisen wollen, über den auf der demnächst in Konstantinopel stattfindenden Konferenz zur Beilegung ber Grenzfragen keine Einigung erreicht werden kann.
LineDankczkundgebuiigsürGeh.Zustizratvi-.Gutslcisch.
Der Gießener Verein der fortschrittl. Volkspartei hat unterm 18. Mai folgendes Dankschreiben an unseren seitherigen Landtagsabgeordneten Dr. Entfleisch gerichtet:
Gießen, den 18. Mai 1911 Hockwerbrter Herr Geheimer Iustrzrat!
Ten Kundgebungen, die Ihnen ans Anlaß der Niederlegnng Ihres Landtagsmandals seither schon zuteil geworden sind, schließt sich unser Verein von oanzem Herzen an.
Wir beklagen anss tieiste, daß Sie durch Ihren Gesundheitszustand gezwungen eitler Tätigkeit entsagen mußten, die Sie so lange Jahre zu>n Segen unseres Hcssenlandes und'der Stadt Gießen ausgeübt haben.
Was Sie als Mitglied der zweiten Kammer der Landstä'nde unb ihrer wichtigsten Ausschüsse in unermüdlicher Arbeitsseeudig- keit gewirkt unb geschaffen haben, tft unauslöschlich in den Blättern der Geschichte dcs hessischen Landtags, bes hessischen Vaterlandes und unserer Stadt eingetragen.
Obgleich Sie sich aut eine nur kleine Anzahl Fraktionsgenossen stützen fonnten, haben Sie cs doch verstandeil, bei einer übermächtigen Gegnerschast dem Gedanken des Liberalismus Beachtung und Geltung zu verschaffen Tas ist nicht Ihr geringster Verdienst.
Wenn die reichen Früchte dieser Arbeit der Allgemeinheit zugute kommen, so rufen wir uns in dieser Stunde ins Gedächtnis, mit Freude unb Stolz, daß unser Verein im Kampf für die liberalen Ideale Ihrer Führerschaft folgen und bis zum heutigen Tag sich Ihres Rates und Beistands erfreuen burfte.
Für all das sprechen wir Ihnen, hochverehrter Herr Geheimer Justizrat, heute unseren tiefge'ühlten, herzlicheii Daiik aus. Mit der Hoffming, Ihre Gesundheit bald unb bauernb wiederhergestellt zu sehen, verbinden wir bie Bitte, daß Sie uiis auch in Zukunft, wie seither, mit Rat und Tat zur Seite stehen mochten.
In dankbarer Ergebenheit
Der Vorstand des Vereins ber Fortschrittlichen Volkspartei (gez.) Al e tz, Vorsitzcnber. (gez.) Dr. Ebel, I. Schriftführer.
Aus Stafct und Laus.
Gießen, 23. Mai 1911.
•• LehramtSpersonalicn. Der Großherzog hat ben von dem Fürsten zu Isenburg unb Büdingen in Birstein für die Stelle eines Oberlehrers an der Oberrealschulc am Stadthaus zu Offenbach präsentierten LchramtSasiessor Nik. Axt zu Offenbach für diese Stelle bestätigt, unb zu Oberlehrern ernannt: ben Lehramtsassessor Dr. Otto Ellenberger an dem Herbstgymnasium zu Mainz, den Lehramtsassessor AloyS Appelmann an dem Wolsgang-Ernst-Gymnasium zu Büdingen, den Lehramtsassessor Liidw. Geng nagel an der Oberrealschule zu Mainz, den Lehramtsassessor Dr. Wilh. Seiler an der Oberrealschule am Friedrichsplatz zu Offenbach, den Lehratntsasfessor Dito Ziemer an dem Realgymnasium zu Mainz, den LehranitSassessor Dr. Peter Ehrhard an der höh. Bürgerschitle zu Grünberg, den Lehr» amtSasfessor Dr. Eduard Lantelnte an der höh. Bürgerschule zu Langen, den Lehramtsassessor Karl Schort an der höh. Bürgerschule zu Ober-Jngelheirn.
” DaS Inkrafttreten der neuen Maß- und Gewichtsordnung. Der BtmdeSrat hat in der vorigen Woche dem Entwurf einer Verordnung über daS Inkrafttreten der Maß- und Gewichtsordnung vom 30. Mai 1908 zugestimmt, so daß mit deren Durchführung am 1. April 1912 gerechnet werden kann. Es treten alsdann neue Bestimmungen sowohl für bie Eichpflicht landwirtschaftlicher Wagen wie des EichwesenS durch staatliche Etchämter in Kraft. Auch werden gletchzeitig V^-Pfundstücke einqeführt, ein Umstand, der für daS geschäftliche Leben von großem Wert ist.
Landkreis Gießen.
— Stangenrod, 22. Mai. Am SamStag beging unser verehrter Bürgermeister Joh. Bock und seine Ehefrau Margarete, geb. Damm, in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische ihre goldene Hochzeit. Die Feier fand im engsten Familienkreise statt; dennoch hatten sich viele Freunde und Bekannte von nah und fern eingefunben, um dem Jubelpaar die Glückwünsche persönlich darzubriugen. AuS den sehr zahlreich cingelaufcncn Glückwunschschreiben, Depeschen unb Aufmerksamkeiten konnte man ersehen, welch großer Hochachtung und Liebe sich daS Jubelpaar erfreute. Am Nachmittage traf ein von ber Kabinetts-Direktion des GrobherzogS mit eigenhändiger NamenSfchrift versehenes in Gold gerahmtes Bild des Großherzogs nebst Handschreiben zur Erinnerling an daS 50 jährige Ehejubiläum ein. Im Auftrage des Oberkonfi st onnmS überreichte Dekan Wagner von Grünberg dem langjährigen Bürgcr- meiftcr und Kirchenvorsteher als Andenken zum 50 jährigen Ehejubiläum das Neue Testament in prachtvollem Einbande nebst entsprechender Widmung. Sichtlich ergriffen dankte
bas Jubelpaar. 9lu5 bas KreiSamt Gießen sandte telegraphisch bie herzlichsten Glückwünsche. Möge eS dem Jubelpaar vergönnt sein, bei bester Gesundheit auch noch bie diamantene Hochzeit zu feiern!
Kreis Lauterbach.
x Schlitz, 22. 2)tai. Die Vorbereitungen zum Gauturnfest nehmen einen erfreulichen Fortschritt. Die Wahl des geräumigen Festplatzes in nächster Nähe des Bahnhofs kann als überaus glücklich bezeichnet werden. Die Zeichnungen für einen Garantiefonds belaufen sich bereits auf über 800 Mk. Da schon seit langer Zeit fein größeres Fest hier gefeiert wurde, ist das Interesse für das Turnfest recht lebhaft und die Bürgerschaft wird alles auibieten, um ben Turnern unb sonstigen Festgästen ben Aufenthalt in unserem altertümlichen burgengekrönten Stäbtchen recht angenehm zu machen. — Die wanbernbe Kre ishaus- h altungsschule hat am Freitag ihren anfangs April hier begonnenen Unterrichtskursus mit einer öffentlichen Prüfung in der Tnrhalle im Beisein zahlreicher Gäste mit gutem Erfolg zu Ende geführt. Abends fand eine kleinere Festlichkeit mit Tanzvergnügen für die Schülerinnen statt. Bon hier aus begibt sich die Kochschule nach Lauterbach, wo in nächster Woche ein neuer Kursus beginnt. — In der vergangenen Nacht sind Bohnen- und Gurkenpflanzen großenteils erfroren. Der gefürchtete hl. Pankratius hat sich also leibet, wenn auch verspätet, noch eingestellt.
x Nieber-Stoll, 21. Mai. Gestern ist bie Ehe- frau bes Taglöhners Schul in ber Scheuer abgestürzt unb schwer verletzt vorn Platz getragen worden.
Kreis Lauterbach.
Schlitz, 22. Mai. Wie vorteilhaft für die Landwirte eine strenge Durchführung der von der Behörde angeorbnekn Maßnahmen zur Bekämpfung ber Maul- unb Klauenseuche ist, konnte man zurzeit roieber in zwei Ortschaften des Schlitzerlandes wahrnehmen. In ber Osterwoche war in Rimbach unb Unter Wegfurth durch Ferkel die Maul- und Klauenseuche eingeschleppt worden, die sich auch auf bie Viehbestände der betreffenden Befitzer ausdehnte. Nach Feststellung ber Seuche würben vom Krtisamt Lauterbach sofort bie strengsten Maßnahmen unb Sperrmaßregeln angeorbnet, so baß bie Seuche auf zwei Gehöften zu Rimbach unb Unterwegfurth beschränkt blieb unb nach Ablauf von etwa fünf Wochen als erloschen erklärt werben fonnte. Zwar haben bie Lanbwirte ber betreffenden Orte, bie ihr Feld mit .Rindviehgespann bestellen müssen, einige Verzögerung in der Feldarbeit erlitten und mancher Unwille wurde über bie harten Maßnahmen laut, aber welch viel größeres Unheil badurch verhindert wurde, darüber haben wohl wenigs ber betroffenen Landwirte nachgcbacht. Monate lang kann bis Seuche in einem Gebiet herrschen, wenn sie infolge leid)tfertiger Durchführung der Btiämpsungsmaßregeln weiter verbreitet wiw unb durch Eingehen ganzer Bestänbe können enorme Verlusts eintreten. Die beiden Orte bleiben vorerst nur noch unter Beobachtung.
Kreis Schotten.
<1. Bur kh ards, 22. Mai. Arn 27. d. Mts. findet hier die Wahl eines Beigeordneten statt. Hoffentlich sind die Parteien durch bie Erfahrungen ber letzten Zeit klug geworben unb lassen die Wogen nicht wieder so hoch -gehen, wie bei ben drei Bürgermelsterwahlcn, bie feit anberthalb Jahren hier ftattfanben, ohne jeboch bi» bafiin zu einem Ergebnis geführt zu haben. , Im Dorfe ist feit i iefer Zeit Unfriede eingekehrt, der nicht in letzter Hinsicht zu Prozessen, Bestrafungen unb Bloßstellung der Verurteilten in der Oeffentlichkeit führte.
3. Nüttel-Sc em en, 22. Mai. Unsere kleine Ge- tneinbe, die feit langen Jahren ein durchaus ungenügendes SchulhauS besitzt und sich zur Grbammg eines neuen au8 eigenem Antrieb nicht entschließen konnte, wurde durch Entscheidung des KreisanSschnsseS dazu verurteilt.
a. Ober-Seemen, 22. Mai. Der Bezirks- lehrerverein Gedern feierte am Samstag in einer zahlreich besuchten Famitieillönserenz das 2 5 j ä 1) r ig e D i e n st j u b i läum seines langjährigen Mitgliedes, des Lehrers Keller. Der Vorsitzende, Lehrer Ludwig in Burkhards, feierte den Jubilar als treues imb eifriges Mitglied, während Pfarrer Repp der Verdienste in Schule und Gemeinde ehrend gedachte. Verschiedene Gesänge des Lehrerchors verschönten und ein flottes Tänzchen beendete die Feier.
Kreis Friedberg.
L. F r i e b b e r $, 22. Mai. Rege Tätigkeit herrscht eben bei dem Neubau uns eres Gütervahnhofes. 'Während der Personenbahnhof auf die östliche Seite oes seitherigen Bahnkörpers in die Gemarkungen Friedberg und Fauev- bach zu liegen kommt, kommt der Güterbahirhof ganz auf bie westliche Seite ber Main-Weser-Bahn in bie Gemarkung bes jetzigen Stadtteils Fauerbach. Provisorische Schienengleise sind bis zur Gemarttmg Ossenheim gelegt, woselbst ein Hügel abgehoben wird, der zur Auffüllung des eigenllichen Güterbahnhofs bient. An der Hauptzusuhrstraße zunt Gütcrbahnhof arbeitet man eben. Sie führt an der Fauer- bacher Straße (früheren Fauerbacher Landstraße! nach bent Güterbahnhof. Die Straße ist 20 Meter breit angelegt An einer Durchführung vom Güterbahnhof nach dem Personenbahnhof beginnt man in den nächsten Tagen. Die Durchführung erhält eine Länge von 180 Metern und eine Breite von 20 Metern.
8. Nieder-Weisel, 23. Mai. Heute feiern Landwirt Johann Heinrich Haub III. und seine Ehefrau Katharine, geb. Häuser, ihre goldene Hochzeit.
Starkenburg und Rhcinhcffen.
— Darmftadt, 22. Mai. Nunmehr sind bie Vorbereitungen für bas am 28. Mai im Hoftheater ftdttfinbenbc Reger- Mu s i rfe st beenbet. Das Fest ist der Anregung des Großherzogs zu verdanken. Der Plan rührt von ihm her, die Einlabung sowohl des Komponisten zur Leitung bcs Konzerts, als des Rühlschen G.'sangvereins aus Franksutt, wie bcs Musikvereins unb Lehrer- Sängerchors und der Hoskapelle zur Mitwirkung sinb von unserem Lanbcshcrrn ausgegangen. Der Regersche Psalm ift lsicr von Hosrot Willem de Haan, in Franksurt von Kapellmeister Karl Schuricht tinstudiert worben. Mc fast beispiellosen Schwierigkeiten des Werkes werben es vielen Chorvereinigungcn verbieten, |td> daran zu ivagen. Nur ein sehr großer, zuver'lässiger Chor unter Leitung.eines in allen Sätteln gerechten Dirigenten in Verbm- dung mit einem auf der Höhe stehcnbcn Orchester ist bieiec Ausgabe gewachsen. Für bas bevorstehende Konzert dürsten aue diese Faktoren gegeben sein, unb so kann eine tadellose Wiedergave des Werkes unter Leitung seines Komponisten in Au sucht gestellt werben. Die zweimalige Aufführung mit kurzer ZwisaM^ pause (3/4 Stunde) wirb bie Möglichkeit geben, bie Abuchtcn des Meisters unb den Aufbau des Werkes genau kennet: zu lernen. Doch können die Eintrittskarten aud) von zwei Zuhörern iur je eine der beiden Auffulirungcn benutzt werden. Die Preise ocr Karten für das Konzert (zwei Ausführungen) sind: Proszeniums löge 12 Mark, Fremöcnlogc 10 Mark, Balkonlogc 6 Marr, 1. Rang 5 Mark, Sperrsitz 4 Mark, Parterre 2 Mart 2. Rang 2 Mark, 1. Galerie 1,50 Mark, 2. Galette 1 Mark. Schnsttitie Bestellungen fluf Konzertkarten sind bis Dienstag, *3.


