Ausgabe 
24.4.1911 Erstes Blatt
 
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französischen Militärmission, die beauftragt worden sind, in Rabat eine Truppe nabteilung zu bilden, mit Kriegsmaterial und Munition eingetroffen.

Rabat, 22. April. Die Zemurs rückten in Mo- quin es ein und plünderten die Stallungen des Sul­tans. Der Pascha von Moquines ist geflüchtet.

Neue Truppensendungen.

Cherbourg, 23. April. 600 Mann Koloni al- truppen gehen am Dienstag nach Marokko ab.

Biserta, 23. April. Zwei Bataillone Tirail- leurs, ein Bataillon Zu a v en, eine Eskadron Spa h is, eine Eskadron Chasseurs und eine Batterie Artil­lerie gehen am 28. April nach Marokko ab.

Bona, 23. April. Ein Dampfer mit einem Ba­taillon Tirailleurs ist nach Casablanca abgegangen. Die .Ausreise eines zweiten Dampfers mit einer Abteilung Mi- trailleusen, einem Trainkommando und einer Batterie aus Tunis steht bevor.

Madrid, 23. April. Der KreuzerRio de La Plata", der angeblich, wie verschiedene Blätter gemeldet hatten, den Auftrag haben sollte, die spanische Militär- kommission nach Casablanca zu bringen, erhielt lediglich den Befehl, für eine Kreuzfahrt längs der Küste von Marokko klarzumachen, um in Erfüllung der Spanien und Frankreich übertragenen Aufgabe auf Kontrebande zu fahnden.

Die neuen 8kandalgeschichten in Frankreich.

Mit einem sanften Ab klang scheint man in Paris die auf- yedeckten Betrügereien ufto. zu den Akten legen zu wollen. .Das kann man vielleicht aus folgenden Meldungen schließen:

Paris, 23. April. Bei feinem gestrigen Verhör gestand Harnon, daß er 200000 Franks v ergeudete, die aus einem Geschenk herrührten, das ihm ein Privatmann für ein Konsulat im Orient überwiesen habe. Eine weitere Unterschlagung habe er nicht begangen und er habe sich sonst nichts vorzuwerfen.

M a i m o n erklärte vor dem Untersuchungsrichter, daß alle Dokumente, die bei ihm gefunden wurden, ihm von R o u e t geliefert und für eine englische Zeitung bestimmt gewesen seien, deren Korrespondent er gewesen. Er verwahre sich dagegen, Spionage getrieben zu Haden. Rouet gibt in einem Schreiben an den Untersuchungsrichter zu, daß er allein Maimon informiert habe und fügt hinzu, daß unter den mitgeteilten Schriftstücken auch Aufzeichnungen über das Potsdamer Abkommen gewesen seien, und zwar über die Frage der Eisenbahnen in Kleinasien. Rouet erklärt schließlich, er habe wohl eine tadelns­werte Handlung, aber kein Verbrechen begangen, da die über­mittelten Dokumente die .Sicherheit Frankreichs keineswegs ge­fährdeten.

Vie Gärung in der junglürkischen Partei.

Die Krisis in der jungtürkischen Partei scheint mit einem Siege der national gerichteten Strömung über die liberalen Kulturniederlagen geendet zu haben:

Konstantinopel, 23. April. In der Beratung der jung­türkischen Partei, an der 178 Abgeordnete und fämtlidje Partei­minister mit Ausnahme des Finanzministers teilnahmen, ver­langten die Dissidenten die Annahme ihrer Forderungen ohne Aussprache. Der Obmann Talaat erklärte dies für unmöglich, worauf eine lange stürmische Besprechung folgte. Nach einer Rede des Ministers des Innern wurde der größte .Teil der Forderungen der Dissidenden mit einigen Abänderungen angenom­men. Ein von der Partei ausgegebenes Communiqus besagt, daß einstimmig beschlossen wurde, dem Parteiprogramm einige Artikel Hinzuzufichen und stellt fest, daß innerhalb der Partei voll­ständige Einmütigkeit erzielt wurde, daß die Partei nunmehr mit verstärkter Kraft auf das Wohl des Landes hinarbeiten werde Und daß das Vertrauen der Partei zum Kabinett in keiner Weise geschwächt fei.

Hartnäckig umlaufende Gerüchte wollen wissen, daß der Mnanzminister und der Marineminister demissionieren werden.

Erregung unter den pfälzischen Winzern.

Neustadt (Hardt), 22. April. Wie derPfälzische Shrrier" aus St. Martin meldet, begaben sich gestern die Landtagsabgeordneten Eugen A b re sch und Dr. H a m - merschmidt in das dortige Winzergebiet, um die Be - völkerung zu beruhigen. Die Winzer fanden sich in ^großer Zahl zusammen. Die Stimmung war eine sehr erregte. Die Winzer machten die beiden Abgeordneten darauf aufmerksam, welch großer Schaden bei den Nach- reibearbeiten dadurch entstehen könnte, daß die jungen Triebe.an den Reben abgebrochen würden. Diese Tatsache sei auch der Grund der Aufregung, in welcher sich die Winzer bei dem Vorkommnis am letzten Mittwoch befunden hätten. Es gelang den beiden Abgeordneten, die Bevölkerung durch das Versprechen zu beruhigen, bei der Regierung eventuell dahin wirken zu wollen, daß weiteve Abreibearbeiten an­gesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit unterbleiben.

Landau, 22. April. Mit dem gestrigen Tage sind, wie die Blatter melden, die von der Oberkontrolle in den einzelnen Gemeinden für notwendig erachteten Nach­arbeiten zur Wurmbekämpfung in den Wein­bergen beendet, so daß nunmehr im ganzen, nördlich der Queih gelegenen Teil des Amtsgerichts Landau, wozu auch St. Martin gehört, die oberpolizeilichen Vorschrlf- ten durchgeführt sind.

Deutsches Reich.

Die Gesellschaft für soziale Re form hält ihre Hauptversammlung vom 11. bis 13. Mai in Berlin ab. Die gesamte Tagung wird das Thema:Die gewerblichen Lohn­arbeiter beiderlei Geschlechts int Alter von 14 bis 18 Jahren" behandeln.

Ausland.

Der Kaiser von Rußland verlieh dem Minister Stolypin den Alexander Newski-Orden und dem Finanz­minister Kokotzow den Wladimir-Orden 1. Klasse. Justiz­minister Schtsch eglowito w wurde unter Belassung aus seinem Posten zum Mitglied des vollziehenden Senats er­nannt. Die Verleihung des Alexander Newski-Ordens an den Minister des Innern Stolypin erfolgte durch ein kaiser liches Schreiben, in dem es heißt: Ihre vielseitige Tätigkeit auf dem Gebiete der höchsten Verwaltung, durchdrungen von eifriger Sorge für den Nutzen des teuren Vaterlandes, er­warb Ihnen mein vollkommenes Wohlwollen. Unlängst, in einem unterm 4. März an Sie gerichteten Reskript, wies ich auf eine Reihe wohltätiger Maßnahmen zur Regelung der Verhältnisse der Bauernbevölkerung hin, für deren Aus­arbeitung Sie so erfolgreich gewirkt haben. Aufrichtig Ihre Verdienste um den Staat schätzend, verleihe ich Ihnen den Alexander Newski-Orden.

Aus StaOt und Land.

Gießen, 24. April 1911.

In Audienz empfangen wurden vom Groß- Herzog am Samstag u. a.: Professor Dr. v. Eicken von

Gießen, Oberarzt Dietz von der Landesirrenanstalt Gießen und Geh. Kanzleirat Schaeffer von Gießen.

* * Russische Gesandtschaft in Darmstadt. Del erste Sekretär der russischen Gesandtschaft in München, Kammerherr v. Stolypin, ist wegen Beurlaubung des russischen Ministerresidenten Baron v. Knorring und des Legationssekretärs Bacon Pilar v. Pilchau bis auf weiteres mit der Führung der Geschäfte der russischen Gesandtschaft in Darmstadt beauftragt worden.

* * Titelverleihung. Der Großherzog hat dem Amts­richter bei dem Amtsgericht Alsfeld Dr. Gust. Heyer den Cha- rakter alsAmtsgerichtsrat" erteilt.

* * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Rud. L o r z zu Rothenberg eine Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Bieber. Erledigt sind eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Schulstelle zu Münster (Kr. Dieburg). Die mit ftnem kath. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Mörlen. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem kath. Pfarrer in Ober-Mörlen steht das PräsentationSrecht zu.

* * Einstellung von Einjährigen bei den Ver- kebrstruppen. Während bisher bei den Verkehrsttuppen außer bei den Eisenbahntruppen nur bei den Telegraphen-Ba- taillonen Einjahrig-Freiwillige eingestellt wurden und bei den vierten (Funkentelegraphen-) Kompagnien besonders Elektrotech­niker erwünscht sind, werden vom 1. Oktober d. Is. ab auch bei den drei Luftschiffer-Bataillonen, sowie bei dem Kraftfahr-Bataillon Einjährig-Freiwillige eingestellt, je­doch, wie bei allen technischen Truppen, nur zum Oktobertermin.

* * Veränderungen im 18. Armeekorps, v. Lin- denau, Gen.-Ltn. und Kommandeur der 76. Jnf.-Brig, zum Kommandeur der 16. Div. ernannt. Zum Gen.-Lt. befördert: v. , Plüskow, Kommandeur der 1. Garde-Inf.-Brig., und be­auftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte der Kommandantur von Potsdam, unter Ernennung zum Kommandeur der Großherzogl. Hess. (25J Div. Zum Gen.-Major befördert: der Oberst: Franke, Kommandeur des 7. Rhein. Jnf.-Regts. Nr. 69, unter Ernennung ^unt Kommandeur der 50. Jnf.-Brig. (2. Groß­herzogl. Hess.). Der Charakter als Gen.-Major verliehen: dem Obersten: v. Ruville, Kommandant von Mainz. Ver­setzt: Frhr. v. Gregory im 5. Großherzogl. Hess. Inf.-Regt. Nr. 168, zum Stabe des 1. Oberrhein. Jnf.-Regts. Nr. 97. Zu Bats.-Kommandeuren ernannt: die Majore: Trommer im Großen Generalstabe, unter Versetzung in das 5. Großherzogl. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168; Klotz, Major im Kriegsministerium, in die 4. Jngen.-Jnsp. versetzt und zum Ingen.-Offizier vom Platz in Mainz, ernannt. In den Generalstab der Armee versetzt: der Hauvtrnann v. Eggeling, Battr.-Ches im Groß- herzoglichen Art.-Korps, 1. Großherzogl. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, unter Ueberweisung zum Großen Generalstabe. Ver­setzt: der Major Crämer beim Stabe des 3. Lothring. Jnf.- Regts. Nr. 135, zmu Stabe des Füs.-Regts. von Gersdorfs (Kurhess.) Nr. 80. Unter Beförderung zu überzähligen Ma- loren versetzt: der Hauptmann und Komp.-Chef Schmitz im 5. Großherzogl. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, zum Stabe des 9. Bad. Jnf.-Regts. Nr. 170. Ein Patent seines Dienstgrades verliehen: dem Hauptmann und Komp.-Chef Hofmann im Leibgarde-Inf.- Regt. (1. Großherzogl. Hess.) Nr. 115. Zum Komp.-Chef ernannt: der Hauptmann Pyhrr im 5. Großherzogl. Hess. Jnf.- Regt. Nr. 168. Zu überzähligen Hauptleuten befördert: der Oberleutnant Rausch, v. Sierakowski im Jnf.-Leibregt. Groß­herzogin (3. Großherzogl. HesfO Nr. 117. Versetzt: der Leut­nant Theis im 8. Lothring. Jnf.-Regt. Nr. 159 in das Jnf.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116. Zur Dienstleistung bei der Jnf.-Schießschnle kommandiert: der Ober­leutnant Lorenz int Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großherzogl. Hess.) Nr. 117. Zum Obersten befördert: der Oberstleutnant von der Schulenburg, Kommandeur des Garde - Trag. - Regts. (1- Großherzogl. Hess.) Nr. 23. Versetzt: der Major und Eskadr.-Chef v. Schlichting im Magdeburg. Drag.-Regt. Nr. 6 zum Stabe des Thüring. Ulan-Regts. Nr. 6. Ein Patent eines Dienstgrades verliehen: dem Rittmeister und Eskadr.-Chef Graf v. Königsmarck im Leib.-Drag.-Regt. (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 24. Zum Battr.-Chef ernannt: der Hauptmann von Morenhoffen im 2. Westsäl. Feldart.-Regt. Nr. 22; mit dem 1. Mai 1911 unter gleichzeitiger Enthebung von dem Kommando als Assist, bei der Art.-Prüfungskommission und Versetzung in >as Großherzogl. Art.-Korps, 1. Großherzogl. Hess. Feldart.- Regt. Nr. 25. Heimann, Lt. der Res. des Jnf.-Leib-Negts. Großherzogin (3. Großherzogl. Hess.) Nr. 117, kommandiert zur Dienstleistung beim Trier. Feldart.-Regt. Nr. 44, als Lt. mit Patent vom 30. November 1904 im letztgenannten Regiment angestellt. Müller, Hauptm. im 2. Nassau. Pion.-Bat. Nr. 25, unter Enthebung von der Stellung beim Stabe zur Dienstleistung beim Jngen.-Komitee kommandiert. Nigmann, Major im 2. Nass. Pion.-Bat. Nr. 25, unter Enthebung von dem Kommando zur Dienstleistung beim Jngen.-Komitee, zum Stabe des Bats. über­getreten. Lothes, Hauptm. und Militärlehrer an der Militär- technischen Akademie, in das 1. Nassau. Pion.-Bat. Nr. 21 ver- etzt und gleichzeitig zur Dienstleistung beim Großen General- "tabe kommandiert. Zum Komp.-Chef ernannt, unter Be- örderung zum Hauptmann, vorläufig ohne Patent: der Ober­leutnant Soffner im 2. Nassau. Pion.-Bat. Nr. 25. Osch- mamt, Major und Verkehrsosfizier vom Platz in Mainz, zum Verkehrsoffizier vom Platz in Metz; Boethke, Major beim Stabe des Eisenbahn-Regts. Nr. 2, zum Verkehrsoffizier, vom Platz in Mainz, ernannt. Befördert: der Oberfeuekwerker Feld­mann beim Art.-Depot in Mainz unter Versetzung zum Art.- Depot in Thorn. Reichmann, Rittm. und Vofttand der Militär- Lehrschmiede in Hannover, unter Versetzung in das Magdeburg. Trag.-Negt. Nr. 6, vom 4. April 1911 ab, ein einjähriger Urlaub bewilligt. Zu Fähnrichen befördert: die Unteroffiziere: v. Reckow, Weder im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großherzogl. Hess.) Nr. 117; v. Schubert im Großherzogl. Art.-Korps, 1. Groß­herzogl. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25j Sonntag im Fußart.-Regt. General-Feldzeugmeister (Brandenburg.) Nr. 3. In Genehmi­gung ihres Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur Disp. gestellt: der Gen.-Major v. Grumbkow, Kommandeur der 50. Jnf.-Brig. (2. Großherzogl. Hess.); dann Major beim Stabe des Thüring. Ulan.-Regts. Nr. 6, mit der Erlaubnis rum Tragen der Uniform des Ulan.-Regts. Hennigs von Treffenfeld (Altmärk.) Nr. 16. Der Abschied mit der gesetzlichen Pension aus dem aktiven Heere bewilligt; dem Lt. Naumann im 5. Großherzogl. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168; zugleich bei den Res.-Offizieren des Regts. angestellt. Zum Regts.-Arzt ernannt unter Beförde­rung zum Oberstabsarzt: der Stabs- und Bats.-Arzt Dr. Klein des 1. Bats. Fußart.-Regts. General-Feldzeugmeifter (Branden­burg) Nr. 3, bei dem 2. Nassau. Jnf.-Regt. Nr. 88. Ver­setzt: der Oberstabs- und Regts.-Arzt Zemke des 2. Nassau. Jnf.- Regts. Nr. 88, zum Füs.-Regt. von Gersdorfs (Kurhess.) Nr. 80; der Assist.-Arzt Dr. Sauer beim 2. Nassau. Pion.-Bat. Nr. 25. ,um Metzer Jnf.-Regt. Nr. 98. Der Mschied mit der gesetzlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform bewilligt: den Oberstabs- und Regts.-Arzt Dr. Stapelfeldt des Füs.-Regts von Gersdorfs (Kurhess.) Nr. 80, unter 23er leihung des Charakters als Gen.-Oberarzt. Im Beurlaubten stände. Zu Stabsärzten befördert: der Oberarzt der Res.: Dr. Dietz (I Darmstadt); die Oberärzte der Landw. 1. Aufgebots. Dr. Lejeune (Frankfurt a. M.), Dr. Cirä (Hanau). Dr. Doch nahl (Wiesbaden), Dr. Schlink (Worms). Zu Assist.-Aerzten befördert: die Unterärzte der Res.: Dr. Klein (Höchst), Tr Lotz (Mainz). Der Abschied bewilligt: dem Stabsarzt Dr. loch (Karl) (Wiesbaden) der Res.; dem Oberarzt Dr. Landen Heimer (II Darmstadt) der Landw. 1. Aufgebots. Zum Ober­veterinär befördert: der Veterinär Schober beim Magdeburg. Drag.-Regt. Nr. 6. Der Mschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt: dem Oberstabsveterinär Reinicke beim Großherzogl. Art.- Korps, 1. Großherzogl. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, mit der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform.

** D er Landesausschuß der Alice-Frauen- arbeitsschulen tagte dieser Tage irr Darmstadt unter

dem Vorsitz der Großherzogin, um Bericht zu erstatten über die Erfahrungen, die bezüglich der Ausbildungskurse für Haushaltungs- und Handarbeitslehrerinnen i» den letzten zwei Jahren gemacht wurden. Allgemein war man der Ansicht, daß die Dauer der Ausbildung, wegen der zu erwerben­den pädagogischen Kenntnisse nicht unter einem Jahr betragen dürfe und daß möglichste Einheitlichkeit der Lehrpläne und Prü­fungsordnung bei den in Bettacht kommenden Schulen zu Darm­stadt, Mainz, Worms und Gießen zu erstreben sei. Um einen einheitlichen Maßstab für die Beurteilung der Schulen zu ge­winnen, soll die Regierung ersucht werden,' daß die Prüfungen und alljährlichen Besichttgungen der Schulen in die Hände des­selben Staatskommissars gelegt werden, der alljährlich der Groß­herzogin darüber einen Bericht vorzulegen habe, aus dem der Landesausschuß alsdann die für ihn nötige Information schöpfen könne. Die Verwendung der in den hauswirtschaftlichen Kursen ausgebildeten Lehrerinnen hat Fortschritte gemacht, die Kreise haben Wanderkurse eingeführt und auch die Gemeinden beginnen den Nutzen einer tüchtigen hauswirtschaftlichen Ausbildung der jungen Mädchen zu würdigen. Der Staat hat Sorge getragen für die Sicherstellung der an den Alieenschulen tätigen Lehrerinnen, die nach fünfjähriger Tätigkeit bei mindestens zwölf wöchentlichen Unterrichtsstunden Pensionsanspruch haben. Die Regelung der Gehälter soll von den einzelnen Schulen möglichst im Einklang mit den am Ort bestehenden städtischen Bestimmungen vorge­nommen werden, wobei auf möglichste Gleichheit unter den Schulen Rücksicht zu nehmen ist. Die Prüflinge für beide Kurse konnte^ an,allen Schulen mit durchschnittlich guten bis sehr guten Zeug­nissen entlassen werden. Bezüglich der Handelskurse und der Ausbildungstürse für Kindergärtnerinnen wurde zunächst noch von einheitlichen Bestimmungen für die Schulen Abstand ge­nommen.

* * Das Museum für Völkerkunde ist durch eine wertvolle Seit) gäbe des Herrn Dr. Dauert, bestehend aus über 80 Gegenständen der Ooambo und Herero, be* reichert worden.

Fortschritt!. Volkspartei. Man schreibt unS: Der Verein der fortschrittlichen Volkspartei hält am Dienstag abend seine Hauptversammlung im ,Einhorn^ ab.

"'Lohnsteigerung im Baugewerbe. Seit dem 1. April ist der Lohn der Maurer usw. um 2 Pfg. für die Stunde gestiegen, beträgt jetzt in Gießen 44 Pfg. In den letzten 10 Jahren ist der Lohn von 34 auf 44 Pfg. ge­stiegen. Allerdings sind während dieses Zeitraumes die Preise fast sämtlicher Lebensbedürfnisse in die Höhe gegangen.

** Diebstähle. In der Nacht zum Sonniaq wurden in den E i ch g ä r t e n zwei Gartenhäuschen erbrochen und ein Anzug, ein Paar Schuhe, sowie eine Rosenscheere gestohlen. Die von einem Poli eihund aufgenommene ©pur des Täters führte nach der Straße nach Wieseck, wo sie sich verlor.

"Verhaftet wurde hier am Samstag der wegen Ein­bruchsdiebstahl verfolgte Maschinist Theobald aus Frank­furt a. Al.

Landkreis Giesien.

ZS Klein-Linden, 23. Avril. Der 76jährige Orts- gerichtsmann Weigel, ein allgemein geachteter Mann, starb an den Foilgerr eines Unfalles. Unter großer Be­teiligung wurde er gestern beerdigt. Konfirmiert' wurden heute 46 Kinder, 24 Knaben und 22 Mädchen.

Großen-Linden, 24. April. Lehrer Di einer begann heute, mit dem Beginn des neuen Schuljahres, das 31. Jahr feiner hiesigen Amtstätigkeit. AuS diesem Anlaß schmückte die Gemeinde heute vormittag feinen Katheder mit einem prächtigen Blumenstrauß.

Allendorf a. d. Lahn, 23. April. Die ganze Gemeinde und die Vereine nahmen heute an der Beerdigung des Matrosen Arnold teil, der im Hafen von Lübeck ertrank. Pfarrer Heinebach hielt die Grabrede. Von dem Torpedoboot 8. 185 war eine .Abordnung anwesend, bestehend aus einem Maschinistenmaaten und Kwei Ma­trosen. Prachtvolle Kränze vom Kommandanten des Schiffes, den Maaten, den Unteroffizieren und Kameraden waren angekommen. Arnold war am 1. Oktober 1910 in die Marine eingetreten und diente als Heiner auf dem Torpedoboot 8. 185, das in Wilhelmshaven stationiert war. Auf der Manöverfahrt nach der Insel Rügen erhielt er in Lübeck Urlaub, von bent er nicht zurückkehrte.

ZS Reiskirchen, 23. April. Kriegsveteran Joh. Menge! wurde am Freitag beerdigt. Die Kriegervereine von Reiskirchen und Lindenstruth gaben ihm das letzte Geleite, die 'Gießener Regimentsmusik begleitete den Leichen­zug. Menget machte den Feldzug 1870/71 als hessischer Dragoner mit.

i Lich, 22. April. Das heute nachmittag vor einem Gast­haus stehende, unbeaufsichtigte Pferd eines auswärtigen Fuhr­manns scheute vor einem Automobil und ging durch, in rasendem Galopp die Bahnhofsttaße entlang eilend. Die Straße war sehr belebt, besonders auch von kleineren Kindern, die ahnungs­los beim Spiel waren. Nur dem entschlossenen raschen Handeln eines vom Bahnhof kommenden Militärurlaubers vom Regiment Nr. 115 ist es zu danken, daß ein Unglück verhütet wurde. Er warf sich zuerst dem Tier entgegen. D<r er aber, diese Weis« seiner nicht Herr wurde, bemächtigte er sich von hinten der Zügel und brachte das sftihrwerk unter großer Anstrengung an der Wetterbrücke zum Stehen.

ch. Eberstadt, 22. April. Heute vormittag stürzte das 45jährige Söhnchen eines hiesigen Landwirts irt der Hofraite seiner Eltern von einem Neubau auf das Hof« pflaster und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Der be­dauernswerte Kleine war in Abwesenheit seiner Angehörigen auf den noch nicht fertiggestellten Boden geklettert, trat dock auf ein mürbes Brett und siel in die Tiefe.

Grünberg, 22. April. Teure Setzkartoffeln wurden heute hier verkauft. Der Zentner Frühkartoffekir Perle von Erfurt kostet 8 Mk., der Zentner Spätkartoffebr^ 4,505,50 Mark.

GründerU, 23. April. Der Kreiszi egen- zuchtverein für den Kreis Gießen hielt am Samstag! nachmittag 2 Uhr im Gasthaus zumHirsch" hier seine Hauptversammlung ab, die gut besucht wur. Der Vorsitzende Regierungsrat Dr. Merck-Gießen erstattete den Jahresberuht. Danach zählte der Kreisverein Ende 1910 13 Ortsvereine mit 790 Mitgliedern; davon entfallen auf Gießen 87, Wieseck 59, Großen-Buseck 82, Lich 40, Watzen­born-Steinberg 100, Lang-Göns 37, Großen-Linden 61, Leih­gestern 21, Langsdorf 39, Utphe 44, Inheiden 38, Obborn­hofen 39 und Bellersheim 52 Mitgliärer. Der Vorsitzende stellte fest, daß der Kreisziegenzuchtverein sich mit Befriedi­gung entwickelt und ermähnte zu wetteren Neugründungen von Ortsvereinen. Folgende neue Ortsvereine wurden an­gemeldet und von oer Versammlung einstimmig in den Kreisverein ausgenommen: Hungen mit 30, Burkhardsfelden mit 11, Dau bringen mit 39, Stangenrod mit 16, Saaseri mit 25, Hattenrod mit 17, Lauter mit 16 und Grünberg mit 40 Mitgliedern. Die an den Kreisverein abzuliefernden Beiträge sind auf 50 Pfg. für jedes Mitglied erhöht wordeu Andere Kreisvereine erheben sogar 1 Mk. Der Verein zählt ferner 39 Gemeinden als körperschaftliche Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 10 Mk. Der Verein wttl mtt Hilfe der höheren Beiträge auch! besseres für Gemeinden und Orts^