Ausgabe 
24.4.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten.

Frankreich rüstet zum marokkanischen Krieg.

Frankreich macht Ernst! 2rr französische Ministerrat hat weittragende Beschlüsse gefaßt, die noch über das hinaus­gehen, was Herr Cruppi beantragt hatte, uiid in der amt­lich beeinflußten Presse bemüht man sich, das Eingreifen der 10000 Mann französischer Hilfskräfte nicht nur als im Interesse Frankreichs liegend, sondern auch als eine selbst- verständlichleir darzustellen, die einer Zustimmung durch die übrigen Mächte nicht einmal bedürfe. Namentlich der T e m p s" fordert dazu auf, nicht mehr die Algcciras-Akte 'unter die Lupe zu nehmen" und erklärt. u. a., die Not­wendigkeit, das Leben der französischen Militärkommissron zu retten, stehe außerhalb der Verträge. Es wäre daher, so meint das Blatt, ein Fehler, wenn man die Zustimmung der fremden Mächte verlange. Ter Sozialdemokrat Zaurös er­klärt die Nachrichten aus Marokko seien wohl übertriebene Treibereien, um Frankreich in ein bedenkliches Abenteuer zu verwickeln. Jedenfalls hat sich die Lage so zugespitzt,

zeigen des einen Jahres sogar 4219! Tculschland verurteilt m einem' einzigen Jahr vor Gericht 200 000 Jugendliche ungeiähr nur ein Drittel der zur Anzeige gebrachten. Wahrhaft erschreckende Zochlen! *

Eine.Seewasser-Heilanstalt. Zur Bel-andlung von Haut- und Verdauungskrankheiten mit Seewasser wird in Kürze in London eine Heilanstalt eröffnet werden. Ein Aus schuß von Aerzten hat bereits ttäumlidjfeiten gemietet, die eben der Einrichtung für den erwähnten Zweck unterzogen roerben. Tr Rens Qui nton hat mit dem neuen Verfahren bereits bemerkenswerte Erfolge erzielt. Die Behandlung mit Teewasser wird durch Einspritzungen vollzogen werden. Tas verwendete Teewasser wird in den Tiefen des Meeres bei angemessener Entfernung vom Lande entnommen.

kf. Wie Paganini eine Liebesromanze geigte. Binnen kurzem wird Arnaldo Bonaventura auf Gruiid neuerer Untersuchungen einige interessante Mitteilungen über den Geigen­virtuosen Paganini veröffentlichen, aus denen die,Nazione bereits jetzt eine hübsche Probe zu veröffentlichen in der Lage ist. Wahrend seines Aujenthaltes am voie von Lucca hatte Paganini mit einer Tarne von Adel zarte Beziehungen angeknüpit, die er häufig bet den musikalischen Zusammenkünften zu sehen Gelegenheit halte, die die Fürstin Elija Baciocchl leitete. Paganun machte stch nun an­heischig, während eines Konzertes seine Dame durch eine .mmuattsche Galanterie' zu überraschen, die aus ihre Beziehungen aiispielte, und teilte dem Hole mit, er wolle eine neue Kompost! ron spielen, die er Scema amorosa genannt hätte. »Die allgemeine Neugier war _, wie Paganini selbst schrieb,außerordentlich erregt; aber wie groß war die Ueberraschung der Gesellschast, als sie niich mit _einer Geige eintreten sahen, die nur zwei Satten hatte." ~te eine -saite Gllte die Empfindungen eines Mädchens ausdrucken, die andere denen eines leidenschastlicheu Liebhabers ihre Summe leihen. '.Vm öilie der beigen Saiten kam aus diese Weise eine zarte und *enh- mentale Zwie'prachc zustande, in der auf die saiistesien Worte Aus­drücke von Eifersucht folgten. Bald waren die Akkorde schmeichelnd, bald klagend, man hörte Freudenrufe, Zornausbrüche, Aeunerungen des Schmerzes und des Glückes, aber die Liebesromanze endigte mit einer Wiederversöhnung der bei e.i Verliebten, die zum Schluffe noch verliebter als zu Beginn des Stückes einen Pas de deux aus° führten, der mit einem glänzenden Finale abschloß.

Gefährdete Kinder.

Bon Privatdozent Dr. A. Uffenheimer.

Wir wollen hier von jener großen Gruppe von Ämtern sprechen, die wir am besten wohl unter dem Schlagwortine Gefährdeten" zusammenfassen. eie umfaßt alle d^e Elemente, tei denen die Gefahr besteht, daß sie die von der Ge,ell>chatt erforderte normale Stellung im sozialen Organismus nicht einnehmen rönnen. Sie werden also entweder gegen deren Geseye handeln und sich straffällig machen, oder sic werden im Sumpfe ter Berwayrlosung zugruitde gehen. Ganz allgemein hat Körner in ] einer ischnst Volksbildung als Gruitdlage des modernen Staats- und KAI Mr- lebens" die wichtigsten Vorbenglmgsmaßregeln gegen eine der­artige Gefährdung der Jugend in den folgenden Worten zuiammen- g cf atzt:Die Staatsgemeinde Hal dafür zu sorgen, teb das Heran­wachsende Geschlecht gesund ist: daß es diejenige allgemeinei Bil­dung sich aneignct, um sich selbständig zu erhalten und am Staatsleben sich beteiligen zu können, endlich daß die Schule den sittlichen Charakter ter Jugend zur Entwicklung bringe, weil in der allgemeinen Sittlichkeit die Sicherung des einzelnen und der Staatsgesellschast liegt." . .. m.. . ,

Fragen wir uns mm, so lagt der Vertaner ut dem Bändchen Säuglings- uni) Jugendfürsorge", das in der bekannten Samm­lung Wissenschaft und Bildung vor kurzem erschienen i)t, aus welchen Kreisen eigentlich die gefährdeten Kinder sich remitieren, io lautet die Antwort: Aus allen Schichten der Bevölkerung. -L-enn auch in teil Reihen der Begüterten wird vielfach die Ausbildung des Charakters in ter eindrucksfähigsten Zeit, demneutralen Kindesalter", d. h. in den eigentlichen Jahren des Elternhauses, m falsche Künde gelegt. Ich will ganz absehen von den Sunden Psychopathischer Eltern selbst, deren Folgen ter Kinderarzt alle Sage zu sehen bekommt in denLanterziehungsheimcn" haben wir eine Institution, welche geeignet ist, für ein solch ungünstiges häusliches Milieu wirksam cinzutrcten. Dagegen verdient es besonders hervorgehoben zu werden, daß außer den Ettern wie Zappert sich ausdrückt noch eine Anzahl anderer Personen die Entwicklung des Kindes beeinflussen, ja in teden Fällen viel nachhaltiger auf dieses wirken als seine natürlichen Erzieher. Ter Einfluß, den Bonnen, Kinderfrauen, Dienstboten aller Art auf das Heranwachsende Kind ausüben, darf gar nicht zu niedrig ein geschätzt werden. Die ausgezeichnete körperliche. Pflege ter jungen Kinder in wohlhabenden Häusern und ihre, in den ersten Jahren vielfach fremden und teilweise ungebildeten Menschen überlassene, Zeitige Förderung bilden einen krassen Gegensatz.

(Ein Problem aus der hessischen Gemeindefteuerresorm.

Aus Darmstadt erhalten wir folgende Zuschrift:

Seit nahezu zehn Jahren wird düe Frage der Neurege­lung unserer hessischen Gewerbebesteuerung in allen Kreisen . der Bevölkerung erörtert: an der Notwendigkeit gewisser Aenderungen zweifelt niemand. Die Wege aber, welche zur Lösung der hier gestellten Probleme vorgeschlagen wer- , den, laufen noch lange nicht in der gleichen Richtung, ge­schweige denn, das; sie sich decken. Auch jetzt, nachdem die zweite Regierungsvorlage vom Jahre 1909 durch die Kritik der Oeffentlichkeit und die eingel>enden Beratungen der Stände wesentliche Aenderungen hat erfahren müssen, bleibt -,iocf) eine ganze Reihe von Punkten übrig, über die eine Jnigung noch nicht erzielt ist, ja hier und da für kaum möglich gehalten wird. .Hierher gehört insbesondere die Frage nach der richtigen B e st e u e r u n g d e s u n b e b a u - ten Bodens in den Städten.

Dieses Problem ist in den letzten Jahren nicht nur von finanziellen, sondern vornehmlich auch von wohnungspoli­tischen Gesichtspunkten ans einer tieferen Erörterung unter­zogen worden. Die Frage, ob es möglich sei, baureifes r'and durch eine irgendwie geartete Steuer rascher der Be­bauung zu erschließen und dadurch den Wohnungsmangel und die Wohnungstcuerung zu verhindern, stand lange .Seit im Vordergrund der Agitation der Bodenreformer. Bebbern aber gewisse Erfahrungen auf diesem Gebiete ge­macht worden sind, welche darauf hindeuten, daß das Woh­nungsproblem doch nur in beschränktem Maße ein Bodcn- problem sei, daß jedenfalls die Besteuerung nach demge­meinen Wert" eine Verbilligung der Mieten nicht garan­tiere, hat man von dieser Seite die steuerlichen Momente mehr in den Hintergrund treten lassen. Es bleiben hier­nach nur die finanziellen Forderungen, die allerdings bei dem steigenden Finanzbedarf der Städte immer lauter er» i oben werden Die Städte sehen in der Möglichkeit, die ui spekulativen Köpfen entstehenden, allzuhäufig allerdings nicht realisierbaren Bodenwerte die durch das Bedürfnis der Sparkassen und Banken, ihre Mittel anzulegen, künstlich c.ochgehallen werben steuerlich zu erfassen, eine will­kommene Gelegenheit, den Eintontinensteuerloefjizienten, der für sehr viele den einzigen Maßstab (der steuerlichen Belastung bildet, niedrig zu halten und den steigenden Bedarf dem Be- völkerungsteil zur Last zu legen, derunbeweglich" ist.

Diesem Bestreben hat jawohl die Regierungsvorlage, als auch die Zweite Kammer durch die Einführung der Besteue­rung nach bem gemeinen Wert Rechnung getragen. In der Ersten Kammer sind aber gewisse Bestandteile jenes un­bebauten Geländes der Städte, nämlich Gärten, Parks und landwirtschaftlich genutzte Grundstücke von der allgemeinen Besteuerung nach dem gemeinen Wert ausgenommen und Sonderbestimmungen unterstellt worden. Für diese Grund­stücke wurde nämlich die Besteuerung nach dem Mittel vom Ertragswert und gemeinen Wert vorgeschlagen. Diele Be­schlüsse habeti aber, wie wir glauben, mit Unrecht in einem Teil der Presse eine wenig günstige Ausnahme gefunden. Denn die Gründe namentlich sozialpolitischer Natur, welche für eine derartige Regelung sprechen, sind so bedeut­sam, das; man sich ihnen aus die Dauer nirgends bat ent­ziehen tonnen. Es gibt kaum eine preußische <stadt, in deren Steuerordnung nicht der landwirtschaftliche Besitz und die Gärten eine Vorzugsbehandlung genießen. Inter­essant sind in dieser Beziehung die Bestimmungen der großen Nachbarstadt Frankfurt a. M., deren hervorragende Ver­waltung überall anerkannt wird.

Die Frankfurter Haus- und Landsteuer unterscheidet bebaute und unbebaute Grundstücke; sie unterwirft die ersten einer Ertragssteuer, die letzten einer Besteuerung nach dem gemeinen Wert. Was nun die Gärten und landwirtschaft­lich benutzten Grundstücke angeht, so heißt es in den §§ 1, 2 und 13:Vom 1. April 1896 (die Steuerordnung ist 1904 revidiert, werden die bebauten Grundstücke nebst den zugehörigen Gärten und Höfen ohne Beschränkung bin- letztlich ihrer Größe der städtischen Haussteuer unterworfen. Der Besteuerung wird der Rohertrag der bebauten Liegenschaften und der zugehörigen Gärten und Höfe zu Grunde gelegt." Diese Festsetzung geht also viel weiter, als die Beschlüsse der Ersten hessischen Kammer, welche Mittelwerte gebildet wissen wollen, während hier der Ertrag allein zu Grunde gelegt wird.

Aber auch die s el b stä n d ig e n , d. h. nicht zu einem Hause gehörigen Gärten und die landwirtschaftlichen Gär­nämlich vorgesehen ist, daß sich die Landsteuer automatisch ten erfahren in Frankfurt eine Sonderbehandlung. Während nach Ablauf bestimmter Jahre von 3 auf 5 Prozent erhöht, bleiben von dieser Erhöhung frei Grundstücke, welchevon ihren Eigentümern im Eigenbetriebe gärtnerisch oder land­wirtschaftlich benutzt" werden, wenn sie eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Das bedeutet, daß nach Ein­tritt der vorgesehenen Sieuererhöhung gärtnerisch und landwirtschaftlich benutzte Grundstücke eine steuerliche Erleichterung von 60 Proz. genießen, während nach den Vorschlägen der Ersten Kammer höchstens 50 Proz. möglich sind. Dieselbe oder ähnliche Bestimmungen mit gleicher Tendenz sinden sich auch in anderen preußischen Städten, aber auch in Hamburg.

Sind nun solche Bestimmungen etwa auf agrarische Nei­nungen oder reaktionäre Gejimiung in den genannten Städten zurückzuführen? Sicherlich nicht! Die Erhal­tung der Gärten, der offenen Bauweise, wird nur in jenen Städten höher gewertet, als ein eventueller, finan­zieller Erfolg. Auch für Hessen kirnt es nickst zweifelhaft fein, daß die Besteuerung nach dem gemeinen Wert für alle kleineren und großen (harten starke Mehrbelastungen zur Folge haben und ihr Verschwinden beschleunigen wird, in einer Zeit, in der man so viel von Gartenstädten redet. Man wird also doch nicht umhin können, auf Maßnahmen zu sinnen, um dieser Gefahr vorzubeugen. Cb dies auf tem von der Ersten Kammer vorgeschlagenen Wege oder in sonstiger Weise geschieht, ist gleichgültig, wenn nur das hier behaiidelte Problem als solches erkannt wird, auf das in der Ersten Kammer so eingehend hingewiesen wurde

daß in den nächsten Tagen, wie wir es schon am SumSlag ankündigten, schwerwiegende Entscheidungen fallen werden

Paris, 23 April Wie mehrfach verlautet, werden die neuen Verstärkungen des BesatzungSkorpS im Schauja-Gebiet mindestens 10000 M an n^betragen Ferner wird gemeldet, ba Millan Hasid außer Stande sei, die von ihm versprochene Bestrafung des Zaer-Stammes wegen des Ucbersallcs auf eine französische Truppcnobtci- lung zu vollziehen, werde voraussichtlich das französische Besatzungskorps der Schauja ihre Züchtigung Übernehmen.

Preffestimmen.

DasEcho de Paris" schreibt:

Wir haben gegenwärtig keinen Anlaß, irgendwelche Ver­handlungen zu führen. Tic französische Diplomatie beschränkt ich denn auch daraus, den verschiedenen beteiligten Negierungen >ie von ihr beschlossenen Maßnahmen mitzuteilen. Wir haben in Marokko gebieterische Pflichten sowohl unseren Landsleuteii wie den übrigen Europäern gegenüber zu erfüllen. Welche Macht würde die Verantwortung aus sich nehmen wollen, uns den Weg zu versperren? Wir handeln in vollständiger Jdeengemeinschast mit Rußland und England, welche bereit lind, unsere Anstren­gungen mit aller möglichen Energie zu unterstützen."

Ja u ras schreibt in derHumanits":

Wie seinerzeit während der Parlamentsferien der Streit von Casablanca unternommen wurde, so werden auch diesmal nach Schluß der Parlamentstagung plötzlich bedrohliche Nachrichten über Marokko verbreitet, und die Kolonialgruppcn verdoppeln ihre Bemühungen, um die Regierung und die Nation mttsort- zureißen. Tas alles sieht nach bedenklichen Mach en - chaften und Ränken aus. Man sucht durch eine Panik einen umfassenden Jnvasions- und Besetzungsplan zu erzwingen, der in gar keinem Verhältnis zu der in Marokko herrscheiiden Gärung steht. Die Urheber dieser Machenschaften treiben uns mit alarmierenden Meldungen zu einem regelrechten Kriege gegen Marokko. Wenn die Regierung so schwach ist, diesen öffentlichen Missetätern nachzugeben, dann verwickelt sie sich und Frankreich in ein unheilvolles und unsauberes Abenteuer.

Im Minifierrat teilte der Minister des Aeußern, Cruppi, die letzten Tele­gramme des französischen Geschäftsträgers in Tanger mit, die über die Lage in Fez am 18 April und über die Bewegungen der Abteilung Brenionb bis zum 12. April berichten. Der Rttnisterrat billigte die Maßregeln und hielt cs außerdem für angezeigt, die Absendung neuer ausreichender Streitkräfte nach Casablanca ins Auge zu fassen, um gegebenenfalls den ftemdcn Kolonien Hilfe bringen zu können. Die Vorbereitungen, die Bertemrx in dieser Hinsicht getroffen hat, wurden gebilligt.

Nachrichten vom Kriegsschauplatz.

Tie Regierung erhielt N ach r ich ten aus Fez, vom 15. ds., welche besagen, daß die Berber infolge der Niederlage am 12. April entmutigt scheinen Gleichwohl befürchtet man, daß die Hvaina und Lcheraja abfallen, wenn Bremond nicht bald nach Fez zurückkehrt. Der französische Geschäftsträger in Tanger erhielt von Brsmond Nachrichten unterrn 18. ds. Bremond rechnet darauf, daß die Regen­güsse ihr Ende erreicht haben und daß die Truppen durch den Erfolg vom 12. April besonders ermutigt sind. Der Ministerpräsident und die Minister Cruppi und Btzrteaux hielten eine Besprechung der heute früh aus Marokko ein­gegangenen Nachrichten ab, welcher der Chef und der Unter­chef des Generalstabcs, General d'Amade und Dubail, bei­wohnten. General M o i n i c r telegraphierte, daß die leichte Kolonne, die beftimmt sei, das schcrifische Heer zu unter­stützen, von heute ab bereit sei, vorzurücken Es sei ihm geglückt, die Kolonne in einer noch viel kürzeren Frist zu- iammenzustellen, als zuerst angegeben gewesen, da ja die Kolonne seiner Berechnung nach sich erst am 26. SlprU in Marsch setzen sollte. .

Casablanca, 22. April vier lind Offiziere der

Leiter sind auch die Fälle nicht so selten, in denen durch krank­haft veranlagte und sittlich detettc Ptlegcpersonen den Kmtern nicht wieder gutzumachender rdxibcn zugenigt wird (Heller). Die Mahnung, die solche hier nicht näher auszusuhrente Tat­sachen aussprechen, heißt: Tie Mütter nmtscn wieder mehr, a cs allgemeine Gewohnheit ist, die Erziehung ihrer Kinder als Hauptaufgabe betrachten. Andererseits nt unbedingt ec ne Hebung ter Stellung der im Hause tätigen erziehenden Hittsperwnen notwendig.

Was aber in den wohltebenden Kreisen immerhin nur als Ausnahme sich ereignet, daß ein Kind msolge schädlicher Er- ziehittig auf Abwege und ins Unglück gerat das ist bei ten Armen und Elenden das Alltägliche. Es kamt hier nicht naher ausgefithri werden, was mit den Kindern geichieht, deren Ettem nicht die Zett haben, sich um ihre körperliche und genttge Aul- zücht zu bemühen. Sie kommen entweder nur tagsüber m An- ftaüen oder vollständig in Kostpslegc. Das Band der Fanntts ist gelockert oder ganz gelöst, von eurer erziehlichen Leemttustung ift kaum mehr die Rete. Bei wichen Kindern übernimmt^ bann laum daß sie sich nstbürftig fortbewegen können ine Ltratze die Rolle des Erziehers. Das Resultat ihrer mir am besten aus einigen Zahlen aus ter Statistik ter Ver­wahrlosten.

Die englische Nationalgesellschaftzur Verhütung von Grau- samkett gegen Kinder" hatte innerhalb von 14 Jahren zu wegen tut 198 101 verwahrloste und Hungerleitente,

45 756 verwundete und grausam mißhandelte und

8 557 moralisch durch männliche Berwaiidtc zugrunde ge­richtete Kinder.

Barnardo, jener warmherzige Menschenfreund, den man den Pflegevater vonNiemands Kmtem" nannte, hat in London an einem Tage 37 heimlose Kinder von ter Straße amgeleien und in 38 Jabren 55 962 Kinder bes^itzt, sie m Anstalten unter­gebracht und erziehen Urnen. In Wren haben ttch tn einem einzigen Jahre 7000 Arretierungen verwahrloster und «rrfsm- mentr Kinder ereignet. Viele bei Schuftnlichtigcn (mb dort ter StutSn^oter dem Diebstahl verfallen In München, ttnd bei einer Bevölkerung von 600 000 Einwohnern nut Eimchlutz ber Landbezirke und bei einer Kopfzahl von ol 000 jugend­lichen" ün Sinne des Strafgesetzbuches 3196 Anzeigen wegen kleinerer und größerer Delikte gegen dtc,e in dem 3abr 1909 eingelaufen: m ter 3rabrif|jabt ^rnberg^ te?

ber Münchener Einwohnerzahl enthalt, betrug tee Zahl tez sw

Nr. 95 Erstes Blatt M Jahrgang Montag, 24. April M

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irtschastttcheSeitstag«i M M MM Vkraistwortlick für den

"N'Iprech'2lnschli.ffe. _ politischen Teil: August

General-Anzeiger für Gberhesien WZMI

Annahme^ von Anzeige« Rofofionsdrud mid Verlag der Vrühl'schen Univ.'vnch- und zieindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe Land": E.Heß-. für den JiJ porm^®nTute- Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.