Ausgabe 
24.1.1911 Zweites Blatt
 
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Nr. 20 Zwettes Blatt

161. Zahrgang

frldmnl Eqkkch rrrrt Ausnahme be5 Sonntags.

Die ..Lietzener SffmiHenMätter" werden dem ,An-eißer' viermal wöchentlich beigelegt, das KrdsHatt fir de« Kreis Gießen" znreimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seih fragen" erscheinen monatlich »weunal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Dienstag, 24. Januar 1911

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universuäls - Buch- und Cteindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e=$ä>51. Rcdaklion:'L^All2. Tcl.-2ldr.: AnzetgerGießen.

Ans Staöi unö Land.

Gießen, 24. Januar 1911.

** Wegen der Gießener Viehmärkte war gestern nachmittag van dem Verein der Gastwirte eine öffentliche Versammlung -der durch das Verbot der Märkte geschädigten Kreise nach dem Einhorn-Hotel ein- berufen worden, die gut besucht war. Für das Kreis- veterinäramt war Assistcnzveterinärarzt Dr. Schweickert und von der städtischen Verwaltung die Stadtverordneten Crbig, Simon, Plank und Vetters anwesend. In der Aus­sprache, an der sich zahlreiche Redner beteiligten, wurde all­gemein zum Ausdruck gebracht, daß durch das Verbot der Gießener Viehmärkte nicht nur die Gastwirte und -Lstall- besißer oder die Metzger und Bäcker, sondern auch zahl­reiche Ladenbcsitzer in ihrem Erwerb geschädigt sind. Es sei nachzuweiscn, daß in unserer Stadt jeder Martt eine Einnahme von 25 000 bis 30 000 Mark bringe, Geld, das von außerhalb der gesamten Erwerbstätigkeit Gießens zu­fließe und das seit dem Marktverbot in unserer Stadt weniger umgesetzL wird, so daß die Steuerkraft Gießens um den Verdienst an dieser Summe gemindert ist. Dabei seien unter den Geschädigten Leute, die früher schon schwer um ihre Existenz zu ringen hätten und die, falls man das Marttverbot in dieser schroffen sVorm weiter aufrecht erhalte, vor ihreni Ruin ständen. Tas Verbot der Märkte im November sei verfrüht gewesen, da die verseuchten (legenden sehr weit von unserer (Grenze entfernt lagen. Es wurde darauf hingewiesen, daß man bis vor 8 Tagen in Wetzlar und Kirchhain Viehmärkte abgehalten hat, die von sonst hier anwesenden Geschäftsleuten stark besucht waren. Indem man den Gießener Markt verboten habe, ohne daß vom Nachbarstaat gleichzeitig die Konkurrenzmärkte geschlossen seien, habe man die Steuerkraft jener Marktplätze in Preußen auf Kosten der hessischen Steuerzahler gestärkt. Die Stadtverordneten Simon und Plank teilten mit, daß die Marktkommission heute in derselben Frage verhandelt hätte und von der ^stadt alles geschehen würde, um in dem strengen Vorgehen gegen die Gießener Viehmärkte eins Milderung herbeizuführen. Man dürfe überzeugt sein, daß die Stadt bisher alles getan habe und auch für die Folge olles versuchen würde, um einen dauernden Schaden von der Stadt abzuwenden. Die Versammlung stimmte einer Entschließung zu, das Ministerium zu ersuchen, die Gießener Märkte für vor dem Markt tierärztlich untersuchtes ober- hessisches Vieh unter dem ja die Seuche nicht vorhanden äst zu gestatten, damit dem Gießener Markt wenigstens Lie Kundschaft erhalten bleibt. Ferner soll dem Mini- Iterium der Antrag unterbreitet werden, die Märkte nur fön Fall zu Fall wie in Preußen und nicht auf lange Zeit

Das Urteil im Moabiter Urawall-prozetz.

> Berlin, 23. Ian.

Nach Eröffnung der heutigen Sitzung nahm noch einmal der Rechtsanwalt H e i n e m a n n das Wort zu einigen Ausführungen rechtlicher Natur Er bezeichnete die Taten der Angeklagten als Dnmmc-Jungcn-Streiche, die durch die Untersuchungshait ge­nügend gebüßt seien Ter Staatsanwalt Porzelt bleibt dem- aegenüber dabei, daß die Tatbcstandsmcrkmale des Aufruhrs und Landfriedenbruchs gegeben seien, denn man dürfe die Straftaten nicht aus dem allgemeinen Rahmen hcransgreifen. Auch hätten sich die Schutzleute in der rechtmäßigen Ausübung ihres Amtes befunden Verteidiger Justizrat Friedmann hält die Teil­nahme der Angeklagten an den Exzessen des Janhagels nicht für erwiesen. Die wirklich Schuldigen seien von dec Polizei nicht gefaßt worden. Ter Vorsitzende Landgerichtsdirektor Unger erteilt dann den Geschworenen die RcchtSbelehrung. Er macht die Geschworenen darauf aufmerksam, daß sic an diese Rechts­belehrung nicht gebunden seien, sondern nur an das Gesetz und ihre Ucberzeugung. Bei Erwähnung der polizeilichen Mißgriffe erklärt der Vorsitzende: Wer Polizeibcamtc angreijl, die Aus­schreitungen begehen, greift die Polizei nicht rechtswidrig an. Wenn ich auf den schrecklichen Fall des getöteten Arbeiters .Her­mann eingehe, so hätte derjenige, der dieser Brutalität entgegen fletreten wäre, keinen rechtswidrigen Angriff auf die, als Täter­in Betracht kommenden Polizeibeamten begangen, selbst dann nicht, wenn er etwa einen wohlgezielten Revolverschuß abgegeben hätte.

Gegen 11 Uhr ziehen sich die Geschworenen zur^Beratung ,urück. Sie erscheinen gegen 1 Uhr noch einmal un Saale und lassen sich vom Vorsitzenden noch eine Rechtsbclehrung geben. Die ihnen vorgelcgten Fragen lauten aus schweren und einfachen Landsriedeusbruch, schweren Und einfachen Ausruhr, Sachbeschädi­gung, Widerstand gtgen die Staatsgewalt, Beleidigung und groben Unfug. Bei sämtlichen Fragen wird die Unterfragc nach mildernden Umständen gestellt. .

Etwa um 6 Uhr nachmittags erscheinen bte Geschworenen wieder im Saale und der Obmann verkündet den Wahrspruch der Geschworenen. Daranf zieht sich der Gerichtshof zur Bc-

--irr. Gegen 1 ä 8 Uhr verkündet der Vorsitzende Land- serichtsdirektor Unger folgendes

Urteil:

Traub wegen schweren Aufruhrs 9 Monate, Bruhn eben­falls 9 Monate,' Bauet wegen einfachen Aufruhrs 4 Wochen. Aigner wegen schweren Aufruhrs 8 Monate, Zofka wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt 3 Monate, Orlowski ebenfalls 3 Monate, Lucksch wegen groben Unfugs 6 Wochen, Z i e s l i ck wegen Uebertretung 3 Wochen, die beiden Brüder Adamski wegen schweren Aufruhrs je 1 Jahr, Rade wegen Sachbeschädigung 4 Monate, Albrecht wegen groben Unfugs li Wochen, Scharfenberg wegen Anstiftung zum groben Un­fug (1 Wochen, Minor wegen groben Unfugs 6 Wochen Ge­fängnis.

Die Angeklagten Janke, Borowiak, Schadowski und Marquardt wurden s r e i g e s p r o ch e n. Allen An­geklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt und ihnen die Untersuchungshaft voll in Anrechnung gebracht.

Auf der Straße erwartete eine große Menschenmenge die Angeklagten. Tas Urteil wurde allgemein als milde empfunden.

In der Begründung des Urteils heißt es: Die Angeklagten seien in Ausständige und in solche, die nicht dazu gehören, zu scheiden: ihnen sei im Lohnkanrpi ihr geringerer Bildungsgrad mildernd anzurechneir, andererseits müssen aber die schweren Folgen ihrer .Handlungsweise berücksichtigt werden. Für die zweite Gruppe der Angeklagten fallen Milderungsgründe weg. Im übrigen ergab die Verhandlung, daßZuc Polizei ; u n ä d) ft mit Besonnenheit vor ging. Später, als in­folge des Verhaltens der TunnUtanten der Gebrauch der Waffen freigegeben weichen mußte, seien Ausschreitungen einzel­ner Beamten vorgekommen, für die die Vor w a l t u n g als solche nicht verantwortlich zu machen sei.

hinaus zu sperren. Man wählte einen Ausschuß, bestehend aus dem Gastwirt Jaskowskv, Metzgermeister Schlörb, den Stadtverordneten Simon und Plank, der nötigenfalls sich durch Zuwahl verstärken soll und fick, mit dem Kreisveteri närarzt Tr. Knell ins Benehmen setzen soll, damit dieser die Eingabe an das Ministerium in der Marktfrage tun­lichst befürwortet. Die Eingabe soll zur Unterschrift der vom Marktverbot besoirders geschädigten Geschäftsleute zir­kulieren. Auch sollen die durch die Nichtabhaltung der Biehmärlte in Gießen geschädigten Bewohner in Wiescck, Heuchelheim usw. zur Unterschrift herangezogen werden.

** .H essischc Handwerkskammer Im Monat März wird der III. .Hessische Hand Werker tag in Mainz statt- sinden. Nachdem die beiden früheren Handwerkeriage in Darm­stadt und Gießen sich einer überaus zahlreichen Beteiligung aus allen Teilen des Landes zu erfreuen und bemerkenswerte Er­gebnisse zu verzeichnen halten, darf mit Bestimmt heil erwartet werden, daß auch der III. Handwerkertag gleichgroßem Interesse und allseitiger Tcilnahine begegnen wird. Es sollen auf d?r Tagung besonders die für das Handwerk im Vordergrund des Interesses stehenden Fragen zur Behandlung tommcn. Wir er- wähnen u. a. das staatliche V cr d i n g u n g s w e sen, be­züglich dessen die Großh. Regierung, unter Berücksichtigung der in mehreren gemeinsamen Beratungen der H a n d w c r t s k a m m c r mit den Vertretern der B a u a b t e i l n n g des Mini ß c r i u m s geäußerten Wünsche und Vorschläge, nunmehr ver­schiedene Neuerungen plant. Diese wurden in der letzten Plenar- sitzung der Kammer bereits behandelt und bedeuten wesentlich Vorteile für das Handwerk. Weiter teilen wir aus der ausführ­lichen Stellungnahme der Handwerkskammer zu der beabsichtigten Reichswertznwachsstcu er die Hauptrichtlinien mit: Während die ursprüngliche Regier^jngsvorlagc jeden Wertzuwachs schlechthin der Besteuerung unterwerfen ivolltc, hat die fünf­zehnte Kommission des Reick)stags die durchaus zu begrüßende Aendcrung getroffen, daß nur derohne Zutun des Eigen­tümers" entstandene, also der sogenannte unverdiente Wertzu­wachs der Steuer unterliegen soll. Indessen ist in den weiter?n Bestimmungen des Gesetzes dieser Absichl der Besteuerung allein des unverdienten Wertzuwachses iricht Reck>nung getragen worden. Der vorgclegtc Entwurf behandelt auch noch in der Fassung der Kommissionsbeschlüsfc das Sreuerobjelt wie eine Ware, rechnet zum Einkaufspreis aber, nur einen kleinen Teil der entstandenen unumgänglich notwendigen Geschäftskosten, den überschießeiiden Betrag bis zum Verkaufspreise aber als unverdienten Gewinn, der einer außerordentlich hohen Besteuerung unterworfen werden soll. Will man sich überhaupt mit einer derartigen Steuer abfinden, soll sie nicht in direktem Widerspruch zu jedem Begriff von Recht und Gerechtigkeit treten, bann müssen Einkaufspreis, alle ferneren Auslagen und ein mäßiges vcrlehrsübliches Ent­gelt für die Tätigkeit des Besitzers oder Erbauers von der Steuer frei bleiben. Aber nicht nur Betriebe, denen der Erwerb selbständigen Grundeigenrums möglich ist, werden hiervon be­rührt, es muß auch auf die Handwerksbetriebe Bedacht genommen werden, die auf crmictetc Werkstätten angewiesen sind, einmal weil sic notwendigerweise in der Nähe der Kundschaft wohnen müssen, dann aber auch, weil sie, wie die sämtlichen Kleinhaird- roerter finanziell nicht leistungsfähig genug sind. Diese Hand- wcrlsbetriebc mußten unter der von den Gesetzentwürfen, in jetziger Fassung mit zwingender Notw endig kei. zu edDciternoen Steigung der Mietpreise in ihren Produktionskosten wiederum erheblich belastet werden. Was speziell das Bauhandwerk anlangt, so muß doch auch berücksichtigt werden, daß die Bereitstellung von Wohnhäusern zu seinem Gewerbe gehört und daß die Anwendung der im jetzigen Entwürfe enthaltenen Vorschriften nicht nur die weitere Entwicklung des Bauhandwerks aushalteir, sondern einen erheblichen Rückgang herbeisühren müßte." Da sich die vorstehend mitgeitelte Stellungnahme im wesentlichen mit den auch von den andern Berussgruppen erhobenen mannig­fachen Anträaen deckt, so steht zu hoffen, daß diesen Wünschen entsprechend Rücksicht getragen wird.

** Bessere B a b n v e r b i n b u n g nach dem Hin­terland. Aus dein Biebertal wird uns geschrieben: Der Einsender dieses erlaubt sich zuerst hierdurch anzufragen, loo eigentlich der im vorigen Jahre gebildete Ausschuß für die Erbauung einer Vollbahn Gieße nB ischo f- fcn geblieben ist? Diese Anfrage möge gleichzeitig als Weckruf dienen, der umso dringender notwendig erscheint, da für die Bahn WetzlarBischoffen, ein neuer Ausschuß gebildet wurde, der morgen in Hohensolms tagt. Ter Schreiber muß dem Ausschuß für die Bahn WetzlarHohen­solms die größte Anerkennung zollen für sein wirkliches Bemühen, gegenüber der Untätigkeit des Ausschusses für die Bahn Gießen Rodheim Bieber Königsberg Hohensolms Erda Mudersbach Niederweidbach Bischoffen. Durch öfteres Bereisen dieser Orte bin ich in der Lage, sagen zu können, daß alte bis aus wenige Aus­nahmen eine Verbindung mit Gießen wünschen, die einzig richtig ist. Gerade dieser Bahn ist die Rentabilität durch die Erzgruben und vlalkbrüche des Biebertales gesichert. Fast alle Bewohner dieser Orte sehen lieber eine Verbin­dung mit Gießen als mit Wetzlar. Auch die Orte des Be­zirks Rodheim erhalten durch diese Bahn eine direkte Ver­bindung mit ihrer Kreisstadt, denn daß auch alsdann die Bahn G l a d e n b a ch B i e d e n k o p f ausgcbaut wird, ist so gut wie sicher. Wir hoffen hier, daß unsere Behörden dafür eintreten, daß die Linie GießenBiedenkopf erbaut wird, vielleicht helfen auch unsere Abgeordneten, daß endlich für unseren Kreis eine der Jetztzeit entsprechende Verbin­dung hergestellt wird.

* Vom Akad. BiSmarckbund wird uns geschrieben: In der hiesigen Ortsgruppe deS Akademischen Bismarck­bundes wird am Donnerstag in Steins Garten Herr Dr. Starck-Wien eiben Vortrag halten über ltramon­tan ism ns in Oesterreich unter besonderer Berücksichti­gung der in Salzburg zu gründenden katholischen Hoch- schülc". Der Vartmg ist so gehalten, daß er nicht nur für Akademiker, sondern für jeden, der das Wirken des Ultra- montanlsmus in Oesterreich und die dadurch verursachte Los von Rom"-Bewegung kennen lernen möchte, von höchstem Interesse ist.

** Vom Stgdttheater wird uns geschrieben: Wegen der vlötzlichen Erkrankung von Frau Baumeister ist für die heutige Vorstellung vonGlaube und Hei­mat" die Rolle derRulrin" von Frl. Scholz, die Mutter der Rottin von Frl. Hilda Thede übernommen »vorden, was auf dein Theaterzettel nicht mehr geändert werben konnte. Die Regie hat bei der Inszenierung den Haupt­wert auf die HerauSarbei.ru.ng der seelischen Konflitte in Schönherrs neuem Stück gelegt und Mrlieuschrlderung,

Ausstattung usw. erst in zweiter Linie betont. Es sind darum zur Markierung der Tiroler Sprache auch nur die charakteristischen Kehllaute als tnpisch hervorgehvben wor den, im übrigen aber der Dialekt so behandelt worden, daß er allgemein verständlich bleibt.

** Wagner-Liszt Abend. Man schreibt uns: Franz Liszt ist 1811 geboren: in das Jahr 1911 fällt also der 100. Geburtstag dieses Komponisten. Berlin rüstet ich bereits zu einem großen, viertägigen Franz Liszt Abend das im April ftattfinben soll. Der Wagner-Liszt-Abend am 30. Januar im Stadttheater, an dem Hofpianist Ernst Nie man n einige selten gehörte Klavierkompositionen Liszt -> die Fantasia gua)i Sonata apres une fefture de Tante, die Äafserfpiele der Villa d'Este, Sposalizio «nach Raffaels bekanntem Gemälde benannt und die Polonaise Nr. 2, E Dur zu Gehör bringen wird, gewinnt dadurch eine er­höhte Bedeutung. Tie jüngeren musikalischen Kreise Gießens werden schon deshalb den Genuß dieser Lisztvor träge sich nicht entgehen lassen, weil der um das Musikleben Gießens so verdiente Vertreter der Musikwissenschaft gn der Universität für das Sommersemester eine Vorlesung überFranz Liszt und seine Werke" angetünbigt hat.

Die Mitgliederversammlung des Hassia- KricgerverbandcS ist auf den 2 5. Iun i nach Fried­berg festgelegt worden. Am 19. Febtnar hält das Präsi­dium in Darmstadt eine Sitzung ab.

** Die Generalversammlung des Geflügel - und Vogelzuchtvereins Gießen und Umgegend E. V. fand am Sonntag nachmittag im (Safe Ebel statt und war stark besucht. Der Vorsitzende, Stadtv. Troß, berichtete über die Vorbereitungen für die vom 11.13. März unter dem Protektorat deS Großherzogs geplante V. Landes Ausstellung hessischer Geflügelzüchter, die auf der LiebigShöhe ftattfinben soll. Tas Ministerium hat bent veranstaltenben Verein eine Lotterie mit 10 000 Losen gestattet; mit ber Ausgabe ber Lose wirb in den nächsten Tagen begonnen, auch kommen die Ausstcllungs Programme und Anmeldeformulare bald zum Versand. Es wurde zur Bildung der Ausschüsse für die großangelegte Veranstaltung geschritten und beschlossen, einen Ehren-Aus- schuß zu bilden. An die maßgebenden Personen in unserer Stadt soll die Bitte ergehen, diesem Ausschuß beizu treten. Es wurden bann bie Mitglieder gewählt für den Fest-, den geschäftSführeirden, den Finanz-, den Dekorations-v Den Preß-, den Lotterie- und den Annahme- und Versand- Ausschuß, sowie des Ankaufs-Ausschusses und des Aus schusses für tierärztliche Beaufsichtigung. Ter Vorsitzende teilte mit, daß inzwischen der Ehrenpreis des Protektors ber Ausstellung, ein silberner Frühstückskorb, cingctroffen sei unb baß man erwarten könne, baß zahlreiche weitere Ehrenpreise einlaufen werben. Die Versammlung beschloß, 120 Mk. zum Ankauf von Vereins-Ehrenpreisen zu be­willigen. Der vom Schriftführer erstattete Jahresbericht für bas abgelaufene 13. Vereinsjahr wies einen Mitglieber- bestanb von 130 gegen 156 im Vorjahre auf, und es liegen bereits fünf neue Anmelbnngen vor. Beschloffen würbe, 500 Mk. vom Kapitalvermögen bes Vereins zur Anschaf fung neuer Käfige für bie Ausstellung zu verwenden. Bei der Vorstandswahl wurden die seitherigen Vorstandsmit­glieder wieder gewählt und der Vorstand durch Zuwahl von zwei neuen Mitgliedern ergänzt. Zum Ehrenmitglied wurde der von Anfang an dem Verein angehörende Tanzlehrer Ferd. Schmidt ernannt.

Landkreis Gießen.

Z. Rödgen, 23. Jan. Heinrich Naumann, der bekannte Bauer und Volksschriftsteller aus Nanzhaufen bei Lohra im hessischen Hinterlande, hielt gestern abend im Saale der Klcinkinderschnle einen Vortrag überHei­mat und Heimat liebe". Wie weiß diesex Mann so schön Selbsterfahrenes und Selbstgedachtes dem Volke zu sagen. Frisch und anschaulich, ungekünstelt und volkstüm lich fließen ihm die Worte von den Lippen. Edle Mensch­lichkeit und echte Frömmigkeit spricht aus seinem ganzen Wesen, wenn er vom stillenWeiler fern im Grund", von Weihnacht' in Feindesland, vom teuren Muttergrab erzählt. Solche Töne finden den Weg zum Herzen des einfachsten Menschen; so redet man zum Volke: formvollendet und doch nicht hochtrabend, einfach und doch nicht banal. Chor gefänge, von Lehrer Koch dirigiert, und Dellamationen der Schulkinder fügten sich passend in den Rahmen des Ganzen. Pfarrer Groth dankte allen Mitwirkcnden.

= Garbe nteich, 23. Jan. Heute verunglückte die Tochter des Bahnwärters Für sterling beim Schlittenfahren so schwer, daß sofort ärztliche Hilfe gerufen werden mußte.

A Steinbach, 23. Ian. Eine Ehrung für die Kriegsteilnehmer hat unser Krieger verein beschlossen, und so wurden dieser Tage au5 Anlaß der 40jährigen Ge- Dcnkjeier die Veteranen zu Ehrenmitgliedern ernannt. Bei der Vorstandswahl wurden wiedergewählt 1. Vorsitzender Keßler, ferner Hch. Walde, Hch. Roth und Kd. Bender. Der Verein besitzt ein Vermögen von 740 Mk.

Kreis Alsfeld.

M. Maulbach, 22. Jan. Ein immer wieder z" empfehlendes Mittel zu gediegener Unterhaltung und Be­lehrung auf dem Lande ist die Gründung einer Volks- bibliothek. Aus bestimmten Gründen gebührt wohl vor einer Kreiswanderbibliothek einer eigenen Gemeindebibliothek der Vorzug. Mit einer solchen kann man sich viel leichter den jeweils zu beachtenden örtlichen Verhältnisien anpassen und Ersprießliches leisten. Tas Bedürfnis, zu lesen, und die Willigkeit, Opfer dafür zu bringe i, ist oft größer, als man gemeinhin annimmt Hier ü sie.st seit einigen Jahren eine Volksbibliothek, deren Verwaltung Dem Pfarrer obliegt und die etwas über 340 Bände umfaßt. Zu ihrer Unterhaltung steuern die Kirchen- und Gemeindekasfen einen Beitrag, und da es an freiwilligen Gaben auch nicht fehlt, ist es möglich, alljährlich für etwa 30 Mk. Neuanschaffungen zu machen. ES wird Wert darauf gelegt, daß auch gerade die neue Litteratur mit ihren besten Namen und Werken vertreten ist. Die Erfahrung zeigt, daß gerade diese Bücher, die mit ihrem