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Erstes Blatt
161. Jahrgang
Montag, 50. Oktober 1911
Sietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Nr. 255
Ter Siebener Anzeiger erlcheint täglich, aiifeer ConntagS. - Beilagen: viermal wöchentlich OiebenerZamiliendlätler; jUDiunnl wöchentlUrei»' dlatlsvrdenKreisSiesten «TienStagttnd Freitag); zweimal invnall. Land- wirtschaftliche Zeitsragen Fernivrech - Anschlüsse: lür die Redaktion 112, Verlag it. Expedition 61 Ldiesie für Depeschen:
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Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten. ——-a~ "■ .■■■■■■■ ■-
Negierung und Dolf.
Wir sind wieder einmal vor eine eigenartige amtliche Kundgebung gestellt worden. Die „Nordd. Allg. Zeitung" schreibt:
Die Frage, ob ein Staatsvertrag über die Abtretung oder den Erwerb von Kolonialbesitz zu seiner staatsrechtlichen Gültigkeit der Zustimmung des Bundesrats und der G e n e h m i g tt n g des Reichstags bedarf, ist, wie wir hören, von den z u st ä n d i g e n Reich samtern geprüft und in verneinendem Sinne beantwortet worden.
Das deutsch-französische Abkommen geht nach allen vorliegenden Nachrichten seinem Abschluß entgegen, und es ist zu hoffen, daß, wenn erst einmal die Leidensännten sich gelegt haben, die Nützlichkeit dieser Abmachungen für beide Teile Anerkennung finden wird, lieber die Vorgeschichte und den Verlauf der Verhandlungen -u sprechen, wird ncy bei der Erörterung des Abkommens Anlas; bieten. Tics ist um so erwünschter, um nicht zu sagen notwendiger, als noch immer die merkwürdigsten Mythen darüber verbreitet werden. Insbesondere wird die Ro11eEng - lands und seine Einwirkung auf die Haltung Deutschlands noch immer falsch dargestellt. Es wird sich weiterhin zeigen, wie haltlos die Behauptung ist, das; Deutschland bei der Einleitung oder währe,rü des Verlaufs der Verhandlungen mit Frankreich .vor dem Einspruch von dritter Seite zurückgewichen sei. Deutschland sprach von Anfang an den Wunsch aus, mit Frankreich allein zu verhandeln, und ist dabei geblieben.
Die Reichsvcrsassuug war das eigeti|ic Werk Bismarcks, sie paßte sich in ihren manchmal nicht straff gezogenen Paragraphen seiner ständig wachsenden politischen Größe an, während sie um feine Epigonen, die dieses Riefengewand nicht ausfüllcn konnten, nur herumschlotterte und sie am Gehen hinderte. Formell ist natürlich der Rcichstanzler völlig im Rechts wenn er den Marotkovertrag dem Reichstage am 8. November nur zur Kenntnisnahme mitteilen will und sich eine Beschlußfafsung über i£n verbittet. Tenn die Rcichsverfafsung bejlimmt zwar ^Artikel 1), daß es tur Aenderung der Grenzen des Bundesgebiets eines Gesetzes bedarf, weshalb für jeden Vertrag, nach dem das Bundesgebiet verkleinert oder vergrößert wird, die Zustimmung der gesetzgeberischen Faktoren nötig ist. Aber Schutzgebiete gehören im Sinuc des Artikels 1 der Verfassung nicht zum Bundesgebiet. Ihre Vertleinerung oder Vergrößerung unterliegt allein der Prärogative des Kaisers, und das Konipensationsablommen mit Frankreich müßte nur dann dem Reichstag vorgelegt tverden, wenn es augenblicklich die Bewilligung von Geldmitteln nötig machte. (Artikel 11.)
Cb Bismarck wohl von diesen Artikeln Gebrauch ge- mächt hätte, um "den Reichstag dadurch zu einem politischen Disputierklub zu erniedrigen? Er würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüßte, wie mit feinem Erbe geschaltet wird. Gesetzt, Bismarck hätte aus diesem oder jenem Grunde bei dem Marolkoabkommen nicht mehr erreichen können als Herr v. Bethmann, so hätte er doch niemals zu diesen Artikeln gegriffen. Er hätte ihnen viel* mehr die Auslegung gegeben, daß, da die neue Kolonial-- erlverbung Teutfchlands im Stongo uns bald große pekuniäre Cpfer anserlegen wird, sic zur Zuständigkeit des Reichstags gehöre, und auch das spezielle Marolkoabkommen vom Reichstage gebilligt werden müsse, da es in der Zukunft für das deutsche Volk von einschneidender wirtschaftlicher und politischer Bedeutung sein würde.
Uraufführung von Leo Tolstois Schauspiel: „Der lebende Leichnam".
AuS Hannover, 28. Cftober, wird uns geschrieben Leo Tolstois nachgelassenes Schauspiel „Der lebende Leichnam", daS nach der russischen Uraufführung zu Moskau in deutscher Sprache ursprünglich an der „Hofburg" ui Wien her- auskoinmeu sollte, ist nun in Hannover nicht nur dem deut- scheit Publikum, sondern in dieser Gestalt überhaupt zum ersten sHi a l der Oessentlichkeit vermittelt worden, schon bei der Moskauer Ausführung war die Slrilif übereiniummcnb der Meinung, man habe es bei den im 'Nachlaß Vorgefundenen elf Szenen nicht mit einem fertigen Schauspiel zu tun, vielmehr mit einem bloßen Szenen entwarf, dem die teste Um- und Ueberarbeüung fehl.’. Aus diesem Grume daben zwei französitae Dramatiker, Jean Iosv Frappa und Georges Silber eine Bearbeitung vorgenonimen, die die elf Szenen des Lrtgma.s in ein vierakligcs Schauspiel zusammenzieht. Diese Bearbeitung hat unstreitige Vorzüge; eine wirklich dramatische Dichtung ist auS dem dramatischer Bearbeitung an sich abholden ^tori nicht geworden. Tas Ganze war und blieb eine in Szenensoigcn air gelöste Novelle, die ohne Steigerung und ohne Konflikte eine seltsame Begebenheit erzählt.
Fedor verläßt seine Frau, nachdem er seine Familie durch seinen Hang zum Trunk und zu lockerer Gesellschaft hat verarmen lassen. Dem Versuch der $amn, die Ehe zu lösen, setzt er keinen Widerstand entgegen; nur scheut sich fein Wahrheitsgefühl, alle Schuld durch Inszenierung des nötigen Lügengewebes aur sich zu nehmen. Er laßt sich, in seiner Niedergeschlagenheit schon zum Selbstmord bereit, von einem Zigeuneriiebchc.t bereden, durch iinen fingierten Selbstmord für seine Frau und die Lessentuchk.it aus dem Kreise der Lebendigen zu scheiden. Die Frau wird in ihrem Glauben bestärkt, da man |ie an die stark verweste Leiche eines Ertrunkenen führt, die sie in Abscheu und Aufregung als die des verschollenen Gatten zu erkennen rerme.nl. Sie heiratet einen Jugendgelieb.en. Durch eine Unvorsichtigkeit des immer rn.hr verkommenen „lebenden Leichnams" kommt es zu einer Anklage wegen Bigamie; und nun opfert sich der Verschollene durch Selbstmord.
Der stärkste Fehler auch dieser, äußerlich das Vorhandene dramaturgisch recht geschickt verwertenden Bearbeitung ilt der völlige Mangel an tragenden Konflikten, die absolute Passivität des Helden, die Wiederholung des gleichen Motivs mit dem fingierten Selbstmord. Amy fehlt es an den Figuren an eigenem "eben; sie sind die Schemen einer Handlung, die dem Zusa;aucr innere Anteilnahme kaum abzuringen vermag. Was schließt^
Herr v. Bethmann-HolUvca mußte den Wünschen deS Reichstags in dieser nationalen Frage entgegenkommen und nicht am Buchstaben kleben, wenn er von seinen Marokkosündcn entlastet werden wollte. Er mußte den Vertretern des deutschen Volkes die Entscheidung über eine Frage der nationalen Ehre und der nationalen Zukunft selbst überlassen, auch auf die Gefahr hin, daß die Rcichs- tagsmehrhcit erklärte: Air wollen von einem solchen Abkommen nichts wissen und wollen uns wieder auf den Boden der Beschlüsse der Algeciraskonferenz stellen, mag daraus folgen, tvas will. Ueber die Marokkosrage hinweg wird das deutsche Volk eine 'Aenderung der Verfassung verlangen, die das Bestimmungsrecht des Reichstags Über answärtige Verträge einführt, die kaiserliche Prärogative also beseitigt. Und weiter wird das deutsche Volk ciu M i u i st e r v c r a n t w o r t l i ch k e i t s g e s e tz, eine Parlamentarisierung der Kanzlerschaft und der Reichsämtcr fordern, die cs den künftigen Reichsministern unmöglich macht, auf Grund des Vertrauens der Krone gegen die vom deutschen Volke gewählten Vertreter zu regieren. Das bringt natürlich an sich eine Schwächung der Zentralgewalt mit sich, läßt aber wiederum keine Disharmonie zwischen Regierung und Volk aufkommen, wie sie heute infolge eines überalterten Reichstags und eines nicht volkstümlichen Reichskanzlers an der Tagesordnung sind.
Es ist eine recht gefährliche Politik, die Herr v. Bethmann durch seine Mißachtung des Reichstags und des deutschen Volkes überhaupt bei dem Marokkovertrag treibt, wo die Reichstagsncuwahlen kurz vor der Tür stehen. Er stellt damit die Verfassung des Deutschen Reiches in Frage und schädigt daS Ansehen des Kaisers in höchstem Maße. Er, der eigentlich nichts mehr zu verlieren hat, spielt eben va banque mit dem, was das deutsche Volk nod) an monarchischen und nationalen Imponderabilien besitzt. Erft wenn ihm der Tgg von Philippi am 12. Januar aufgeht, wird er ahnen, welches Urteil einst die Geschichte über iHn füllen wird.
Die Wahlen in LIIatz-Lothringen.
Straßburg, 29. Okt. Die Parteizusanimensetzung in der heute erstmalig gewählten Zweiten Kammer von Elsaß-Lothringeu wird sich folgendermaßen gestalten: 24 Zentrum, 9 Liberale-Temokraten, 11 Sozialdemokraten, 10 Lothringer Block, 6 Unabhängige und zwar vier liberale Unabhängige und zwei zentrumsgesinnte Unabhängige.
Das ist also etiua daS vorausgesagte Ergebnis. Die Klerikalen verfügen über 26 Mandate, die Linke einschließlich der Sozialdemokraten, über 24. Der Lothringer Block ist die ausschlaggebende Gruppe.
Tie Nack)wahlen ergaben, wie aus den Meldungen zu entnehmen ist, vor allem die Vervollständigung der Niederlage des Nationalbundes. P r e i s - Eolmar ist seinem sozialistischen, Blumenthal* Eolmar dem demokratischen Gegner unterlegen. Ebenso ist in B i s ch w e i l e r der nationalistisch gesinnte Abb6 E l a d dem Bürgermeister A tz e l von Sescnheim, dem agrarischen Kandidaten des Blocks der Linken, unterlegen. Unterlegen ist ferner der Nationalist utü> Führer des elsaß-lothringischen Zentrums Langel in Schimeck dem sozialistischen Gegner Hegsch. Auck) ocr Generalsekretär des Nationalbundes, Rechtsanwalt Helmer in Markirch, ist hinter dem Block-
Sozialisten Metz er zurückgeblieben. In Strafe- b u r q sind, gemäß dem Block-Abrommen, die Führer der Liberalen, Rechtsanwalt Burger und Gg. Wolf, sowie die Sozialisten Imbs und Wolfer gewählt worden, im Landkreis Strafeburg Fix und Fischer. Vorn elsaß-lothringischen Zentrum in Mülhausen Stadl 3 der Liberale Drumm, in Mülhausen-Land der Block- Sozialist Martin gegen den RcichstagSabgeordnetcu Tr. .Spahn jun. (Zentrums, in Huningen und Habshcim die Zentrumslcute Tr. Brom und B r o g l i e. In Ält- kirch-Dammerkirch ist der bisherige Abgeordnete Tr. i cf- tin (Zentr.) gewählt worden. In Zabcrn Bürgermeister Knöpf sler (Zentr.), kn Gebweiler der unabhängige Fabrikbesitzer Schlumberger gegen den Sozialisten W i x k y.
Der italienisch-türkische Krieg.
Die letzten Gefechte zwischen den Italienern und den Türken in Tripolis müssen außerordentlich blutig gewesen sein. In einer neuen amtlick-en italienischen Meldung heißt es, die Verteidigungslinie der Italiener hätte wegen der Ausdünstung der Leichen zurückverlegt werden müssen. Wahrscheinlicher ist, daß sick) die Italiener vor der seind- lichen Truppenmacht haben sichern wollen. Noch immer fehlt die genaue Angabe der italienischen Berlustziffer, und das gibt nach wie vor sehr zu denken.
Tripolis, 28. Oft. lAgenzia Slefani.) Von den während des gestrigen Kampfes gefangen genommenen Türken u nb Arabern erfuhren die Italiener einiges über die Zahl und Art der am Kampfe beteiligten feindlichen Kräfte. Ter Kampf konzentrkerte sich hauptsächlich auf das Zentrum und den linken Flügel der italienischen Kampflinie. Von den Gefangenen erfuhr man, daß dem linken Flügel nicht weniger als 4 5 00 Türken und Araber gegenüberstanden, dem Zentrum die gleiche oder nod) höhere Truppenmacht, dem red)teil Flügel aoer weniger als die Hälfte. Tie Gesamtstärke kann man demnach mit zehn* bis zwölf tausend Mann veranschlagen, einsd)ließlick) der Kavallerie, Artillerie und Mitrailleufen. Die Verluste der Türken und Araber überschreiten weit die ersten Vermutungen. Sie müssen sick) nach übereinstimmenden Nachrichten auf 2000 Tote und b c i n a 1) c 4000 Verwundete belaufen. Eine Menge Leichen wurden im Stiche gelassen, besonders auf dem Zentrum und linken Flügel. Aus Rücksicht auf die Ausdünstungen der Leid) en und die Gefahr einer Verseuchung des Wassers iourbe die Verteidigungslinie geändert. Tie Berichte von Heldentaten sind sehr zahlreich. Tie Heeresleitung behält sich vor, später darüber zu berichten. Außer der grünen Prophetenfahne eroberte das 84. Infanterieregiment auch die rotseidene Fahne mit Halbmond und Stern und Koranversen auf weißem Feld. Tie Feinde, die die Kampflinie durchbrodien hatten, wurden umzingelt und beschossen; sie ergaben sich, nachdem sie über 50 Tote hatten.
Von jetzt ab> kann das Oaseninnere als vollständig von den Arabern gesäubert gelten. Der italienische Seitenflügel ist gesichert. Tie Araberchess von Tripolis unter Führung Heftuna-Paschas erbaten Pardon. Trotzdem sie dem Oberst- (onimanbanten für bie öffentliche Sicherheit garantierten, ließ ber Kommandant den Wachtdienst in der Stadt uno der Umgebung verstärken. Bei Haussuchungen nad) Waffen wurde viel Tynamit aujgefunben, bie betreffenden
Bühnenwirkung tut, sind Nebensächlichkeiten. Aber auch diese Bilder wirken zu skizzenhaft, als daß sie di: int Laufe des Abends immer drückender wirkende, bleierne Langeweile zu lösen vermöchten. So hatte auch die Aufführung, trotz sichtlicher Hingabe der einzelnen Hauptfpieler, einen harten Stand. Tie Ausnahme war kühl, dem nur vereinzelten Beifall, vor dem sich nicht einmal der Vorhang hob, gesellte sich freilich auch kein laut werdender Widerspruch. P. K.
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— Die Eröffnung des neuen Kollegienhauses in Freiburg. Am Samstag vormittag 1210 Uhr fuhren vor dem neuen Gebäude der Freiburger Universität das Groß- Herzogs paar, sowie das Prinzenpaar Max von Baden nebst großem (Befolge vor. Auf die Ansprack^ des Prorektors der Freiburger Universität Geh. Hofrat Prof. Dr. Fabricius, der auf die Bedeutung des Tages himvies und gelobte, daß Die Alma Mater immerdar bereit sei, rinzutreten für Kaiser und Reich, für Fürst und Vaterland, antwortete der Großh.n:zog mit einer längeren Ansprache, in der er an den Tag der Grundsteinlegung des Gebäudes erinnerte, an dem sein Vater einst so denkwürdige Worte gesprock,en. In der hierauf folgenden Festsitzung in der Aula der neuen Universität überbrachte der Kultustniniiter Tr. Boehm die Glückwünsche der Regierung. Hieraus rer.as Hofrat Pro. Tr Fabricius eine Stiftungsurkunde über eine vom Großherzog Friedrich II. zur Förderung der Wissenschaft gestifteten „Großherzog-Friedrrch-P.reis", der alle zwei Fahre einem sich durch nnsfensckrastliche Leistungen auszeichnenden Privatdozenten, nichtetatsmäßigen, außerordentlichen ober Honorar- i'rofch'or der Universität Freiburg zur Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Arbeiten erteilt werden soll. Ter in einem Geldbeträge von 1000 Mark bestehende Preis wird 1912 zum ersten Mal verteilt werden. Zum Schluß der Feier wurden twch einige Promotionen bekanntgegeben. U. a.jvurbe ernannt zum Ehrendoktor der Theologie Erzabt Schober von Beuron, zum Ehrendoktor der Jurisprudenz der Tirektor des Reicbsamrs oes Innern Easpar. '.taa) freut dtiDtudtAro i n •^eft, M» sich bis nach 2 Uhr ausdehnte, versammelten sich die Teilnehmer zum Festessen, an dem auch das Großherzogspaar und das Prinzenpaar Max von Baden teilnahmen.
— Warn in 83 ö l f f l i n nach München geht. Aus Berlin wirb gemeldet: Wie der „Lokalanzeiger" berichtet, äußerte sich Professor Tr. Heinrich Woliiltn am Freitag in der ersten Stunde seines Kollegs über die Gründe, die ihn veranlaßten, einen Rus nach München anzunehmcn. Er octonte, daß die Erörterungen in der Presse, in denen behauptet wurde, er ginge nach München, tu eil ihm von Seiten der Behörden cntgeger.gcarbeitct werde, voiltonuucn unrichtig seien. Man
sei ihm von Seiten des K u 11 u s - M i n i st e r i u m s sehr ent« gegen gekommen und habe ihn autqcfjrbert, seine Wunsche und Bedingungen, an die er sein Hierbleiben knüpfte, zu nennen und habe alles aufgeboten, ihn zu halten Tie Gninde, die für ihn maßgebend waren, den Ruf trotzdem anzunehmen, seien rein persönlicher Natur. Er sei Süddeutscher, und wenn ihn auch die Arbeit des Norddeutschen und feine feste Art zur Bc- löuntcrung hingerissen hätten, so ginge er doch lieber nach Süddeutschland, das ihm altvcnraut sei. Sein Lehrer Jakob B u r ck- harbt habe gesagt, mit vierzig Jahren müsse jeder wissen, wo er üerben wolle, und so fei es seine Absicht, in München nod) hoffentlich einige Jahrzehnte ton oer Lehrkanzel herab za verkünden, was er zu sagen habe, und dort die Arbeit seines Lebens zu beschließen.
— Tiefer sie deutsche Hochschule für Frauen wurde am Samstag in Leipzig eingeweiht Tic bfijaftrige Frau Tr. Henriette Goldschmidt, bei das Zustand.komme.! der ersten Einrichtung dieser Art in Teutschland zu dank.ii ist, hielt die Begrüs ungsrebc Obcrbürgetmaib.r Sicflriit ? iy brachte die Glückwünsche der Stadt. Ter Rektor der Universität, Professor Lamprecht, trat für hie Notwendigkeit von Fraueii- schulen ein. Für das am 1. November beginnende 1. Semeilcr haben sich bereits über 100 Damen angemeldet.
— Kurze Nachrichten aus Kun st und Wissen- Hf) a rt. Ter Psychologe Alfred B ine t ist, 54 Jahre alt, am Samstag m Paris gestorben. — Zur Feier des 25jährigen Stiftungsfestes der Berliner Termatologischen Gesellschaft sand abends im Langenbeckhauie unter dem Vor itz des Geheimrats Pros. Lesser eine Festsitzung statt, an der zahlreiche Termatologen des In- und Auslandes tcilnahmen. San;-» tätsrai Rosenthal hielt die Festrede über die Fortschritte ocr dermatologischen Wissenschaft. Tie Sitzung schloß mit einem Festmahl. — Tie Heidelberger Liszt-Feier schließt nach einer vorläufigen Feststellung mit einer Einnahm, von rund 23 000 Mk. und mit einer Ausgabe von nahezu 2li OUO ab, so daß der Garantiefonds nur einen geringen Fehldetrao zu decken hat. — Tie Buchausgabe des „Pfarrers von Kirchseld", b-r am vergangenen Freuag mit so großem Beifall hier auiqeführt wurde, liegt nun in 17. und 18. Auslage vor. Tas Bändchen, das bei 3. G. Eotta in Stuttgart erschienen ist, enthält a; , dem Text eine Vorrede Anzengrubers, sowie einen dramai:r - Bericht von Heinrich Laube. — Auf eine 25jährig' . gfc t als akademischer Lehrer kann am 30. d. M. ber iöotaimtr ßro Tenor an der Forsuckademie zu H a n n -M ü n d e n 2r Moritz Busgen zuruckblicken. Prof. Büsgen ist 1858 zu Weilburg a. d. Lahn geboren.


