tragen wird, die guten Beziehungen, die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, noch mehr zu festigen.
Der Kaiser von Rußland gab folgende Antwort:
Ich danke Eurer Majestät von ganzem Herzen für die Gefühle, denen Sie Ausdruck verliehen haben gelegentlich der auf der Grundlage von gegenseitigen Zugestäirdnissen über einige Fragen, die bisher zwischen unseren Regierungen ungelöst geblieben waren, so glücklich zustande gebrachten Entente. Ich teile vollkommen die Gefühle, die die endgültige Regelung dieser strittigen Fragen Eurer Majestät eingegeben hat. Ich sehe in der Maßnahme, die Sie mit dem Befehl, meiner Negierung das Schiff „Angara" zurückzugeben, getroffen haben, einen neuen Beweis und ein sehr wertvolles Unterpfand der gegenseitigen Freundschaft, die uns vereinigt.___________________
Die Verhandlung gegen -en Deutschen Max Schultz wegen Spionage.
Loudon, 28. Aug. Heule begann in P^l y m o u t h die Verhandlung gegen den Deutschen Max Schultz wegen Verletzung des 'Gesetzes über das Amtsgeheimnis.
Der Vertreter der Anklagcbehördc führte aus, der Angeklagte habe versucht, von zwei Personen Nachrichten maritimen und militärischen Charakters zu erhalten, in der Absicht, sie einer fremden Regierung zu übermitteln: er habe tatsächlich die Nachrichten erhalten und sie an die deutsche Regierung geschickt. Schultz habe eine Reihe von Tatsachen betreffend die englische Flotte und die Haltung Englands in der Marokkokrise festzustellen versucht. Er habe eine Reihe von schriftlich formulierten Fragen an die beiden Personen gerichtet, welche jetzt als Zeugen auftreten. Für die Informationen habe Schultz größere Summen versprochen. Die erste von Schultz gestellte Frage habe wörtlich gelautet:
Was ist die Ansicht der Offiziere der englischen Flotte über den Ausgang eines Krieges zwischen England und Frankreich einerieits und Deutschland andererseits und über die Wahrscheinlichkeit eines Krieges wegen der Marokkofrage?
Die Verhandlung wurde auf morgen vertagt, doch wird die morgige Sitzung voraussichtlich nur kurz sein und die weitere Verhandlung am Mittwoch wieder ausgenommen werden.
Die wirren in Persien.
^tc „Vossische Zeitung" meldet aus Teheran: Die Ereignisse in Persien verwirren sich von Tag zu Tag. Aus den sich widersprechenden Nachrichten scheint wenigstens das eine mit ziemlicher Sicherheit hervorzugehen, daß der frühere Schah, von dessen Aufenthalt man so gut wie nichts weiß, langsam aber sicher gegen Teheran öorriidt. Dort hat, um die Verwirrung aus ihren Gipfel zu bringen, das Kabinett mit dem Sephardar an der Spitze, seine Entlassung eingereicht. Das Entlassungsgesuch wurde vorläufig nicht genehmigt.
. Teheran, 27. Aug. Zergam es Sultaneh soll von Sardar Aschad geschlagen worden sein. Der augenblicklich im Besitz des 80 Meilen östlich von Teheran gelegenen Aradans befindliche Sardar B a h a d u r ist gestern mit einer ansehnlichen Streitmacht auf dem Marsche nach Teheran in Kum eingetrofsen. Salar ed Dauleh hat Kermanschah verlassen und rückt auf Hamadan vox. — Ein englischer Beamter des indisch-europäischen Telegraphendienstes, der heute in jporb eintraf, wurde auf der Reise zwischen Kaschan und Ford angefallen und beraubt.
Aus Hegen.
Wählerversaninrlungdersortschrittlichen Volkspartei in Schlitz. Am Sonntag veranstaltete die fortschrittliche Volkspartei eine Versammlung in Schlitz. Wir erhalten darüber einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Herr Prof. Urstadt-Gießen sprach vor einer zahlreichen Zuhörerschaft über die bevorstehenden Reichstags wähl en. Er ging mit dem Bunde der Landwirte und den Antisemiten scharf ins Gericht. Er beschuldigte sie der Volksfcindlichkeit bei der Reichsfinanzreform, den Futtermittelzöllen, dem Kalisyndikat und den Fideikommissen. Besonders gefährlich sei die Reaktion, die dem Reichstagswahlrecht drohe und die Plitische Entrechtung des Volles durch die Junkerherrschaft. — Da sich kein Gegner zum Wort meldete, sprach der Vorsitzende Herr Dr. Köhler noch über die Reichsversicherungsordnung. Er sprach auch hier von der Voltsfeindlich- feit der Konservativen und Großgrundbesitzer. In seinem Schlußwort betonte Herr Pvof. Urstadt die Notwendigkeit des Zusammengehen sallerLiberalen. Die fortschrittliche Volkspartei sehe aber durchaus nicht auf den Gewinn zahlreicher.Mandate für sich selbst. Wenn die Nationalliberalen, wie sie schon zugesichert hatten, in Gießen für die fortschrittliche Volkspartei einträten, sei diese bereit, in Als- seld-Lauterbach und auch noch in einem oder zwei anderen Kreisen die Nationalliberalen zu unterstützen. Bedingung sei nur, daß der nationalliberale Kandidat ein Gegner des Bundes der Landwirte sei und keinen „Heyligenschein" trage.
Deutsches Reich.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung vom 21. August, nach der das Gesetz über die Verfassung Elsaß-Lothringens vom 31. Mai in seinem ganzen Umfang mit dem 1. September in Kraft tritt.
Wie das Bösmannsche Bureau in Bremen meldet, wurde die Voruntersuchung in der Spionageangelegenheit des Engländers .Stewart in Leipzig beschlossen; der Angeklagte wird in den nächsten Tagen dorthin übergeführt.
Aus 5) an au wird uns geschrieben: Die durch das Ableben des Landtagsabgeordneten Emil Junghenn (national.) notwendig gewordene Ersatzwahl zum preußischen A b - geordnetenhause für den Wahlbezirk Hanau-Stadt und -Land wird wahrscheinlich Anfang Oktober stattfinden. Im Stadtkreise Hanau sind in 19 Urwahlbezirken und int Landkreise Hanau in 12 Urwahlbezirken ErgänMngswahlen vorzunehmen. Bei der letzten, 1908 veranstalteten Wahl eines Abgeordneten sind 151 nationalliberale, 26 freisinnige, 70 sozialistische Wahlmänncr und 78 Wablmänner des Bundes der Landwirte gewählt worden. Es mußte dann eine Stichwahl staUfinden zwischen Nationalliberalen und Bund der Landwirte, bei der auf den nationalliberalen Kandidaten 168, auf den Kandidaten des Bundes der Landwirte 22 Stimmen entfielen. Die Sozialdemokraten übten bei der Stichwahl Wahlenthaltung, ebenso ein Teil der Wahlmänncr des Bundes der Landwirte.
Die Reichstags er satzwahl im ersten badischen Reichstagswahlkreise Ueberlingen-Konstanz wurde der „Karlsruher Zeitung" zufolge auf Donnerstag, den 19. Oktober 1911, 'estgesetzt. Das Mandat ist bekanntlich durch den Tod des Reichstagsabgeordneten Hug erledigt.
Bei der Landtagsersatzwahl zum bayerischen Landtag im Wahlkreis Homburg-Waldmohr wurden am Montag abgegeben für Amtsgerichtssekretär Hudlett (Ztr.> 2935, für den Arbeiter Zach (natt) 2013. üb- ^cgmann
Ohliger (christl.-soz.) 479 und für den Ärbeitersekrctär Prosit (Soz.) 1526 Stimmen. Hudlett ist gewählt. Verglichen mit der Hauptwahl 1907, verloren: die Liberalen 1736 Stimmen, das Zentrum 27 Stimmen, während die Sozialdemokratie, die 1907 erst 58 aufzuweisen hatte, mehr als 1500 Stimmen gewann.
Airche und Schule.
Stellungnahme Berliner liberaler Geistlicher zum Fall Kraah.
Im Architektenhaus in Berlin fand am Montag abend die Pastoralkonferenz der liberalen evangelisch-protestantischen Bcr-. liner Geistlichen wegeü Stellungnahme zum Falle Kraatz statt. Kurz vor Eröffnung der Versammlung, deren Vorsitz Prediger D. Max Fischer von der Markusgcmeinde übernommen hatte, ereignete sich ein eigenartiger Zwischenfall. Eine schwarz gekleidete Dame betrat sichtlich erregt den Ver- sammlungssaal. Sie trug in der linken Hand ein Paket mit Ansichtspostkarten, auf denen fromme Sprüche verzeichnet waren. In der rechten schwenkte sie eine bis dahin verborgen gehaltene weiße Fahne, auf der man den Spruch aus der Offenbarung Johannes las:.......auf daß alle, die an ihn glauben,
nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!" Tie Dame versuchte in erregter Weise anscheinend gegen die Versammlung zu protestieren und nur mit Mühe gelang es, sie davon zu überzeugen, daß sie den Saal verlassen müsse, da es sich um eine streng geschlossene Versammlung handele. Unter lebhaftem Widerspruch verließ sie das Architektenhaus. Wie bekannt wurde, handelt cs sich um die 23jährige Margarethe W. aus der Vrcite- straße in Hannover, die schon. mehrfach, wie auch am letzten Sonntag in der Luisenkirchc in Charlottenbnrg, Kundgebungen gegen den Pfarrer Kraatz unternommen hat.
Arbeiterbewegung.
Erfurt, 28. Aug. Tie Verhandlungen in der Metallindustrie sind gescheitert, weil die Arbeiter die Bedingungen der Arbeitgeber mit sehr großer Mehrheit ablehnten. Morgen beginnen die Verhandlungen wegen der Gesamtaussperrung in Berlin.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 29. August 1911.
* * Landes Universität. Der Groß Herz og hat den ordentlichen Professor in der philos. Fakultät der LandeS- universität Gießen Dr. Karl Gross auf sein Nachsuchen au§ dem Staatsdienst entlassen.
* * Vorn Staatsarchiv. Der Groß her zog hat den Direktor des Haus- und Staatsarchivs Dr. Gustav Freiherrn Schenk zu Schwei ns berg auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und vorzüglichen Dienste, in den Ruhestand versetzt und ihm den Charakter als „Geheimerat" verliehen, sowie den Haus- und Staatsarchivar Dr. Julius Heinrich Dieterich zum Direktor dc§ Haus- und Staatsarchivs ernannt.
• • Lehrerpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Vonhausen Christian Schwalm auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, und ihm das Ritterkreuz 2. Klasse be§ Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Bestätigt ivurde der von dem kath. Pfarrer zu Ober-Mörlen auf die 1. Lehrerstelle dortselbst präsentierte Schulamtsaspirant Adam Berg aus Erbach. — Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende LehrcrsteÜe zu Glattbach. Dem Inhaber kann eine Ortszulage von 100 Mk. bewilligt werden.
"'Vom Oberlandesgericht. Der Großherzog hat den Oberlandesgerichtsrat bei dem Obcrlandesgericht m Darmstadt Hch. Becker auf sein Nachsuchcn, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt.
* * D r. Anton Sitzensrey f- Am 26. ds. staLb nach längerem beiden in seiner Heimat Kruschau, österr. Schlesien, der Privatdozent und 1. Assistent an der chiesigen Universitäts-Frauenklinik, Herr Dr. Anton Sitzens re y. Geboren 1871 studierte er in den Jahren 1891—1898 an den Universitäten Graz, Breslau und Straßburg Medizin, erwarb sich im Juni 1897 in Graz den Doktorgrad und war dann Assistent an der Univ.-Augenklinik in Graz, den chirurgischen Kliniken Straßburg und Prag. Im Oktober 1899 trat er als Assistent in die deutsche geburtshilflichgynäkologische Klinik in Prag ein und blieb dort, bis er im September 1907 seinem Ches, Prof. v. Franqus, folgend, als 1. Assistent an die hiesige Univ.-Frauenklinik übersiedelte. Am 21. Oktober 1908 habilitierte er sich an unserer Landesuniversität für die Fächer der Gynäkologie und Geburtshilfe. Gleichzeitig wurde ihm die Approbation als Arzt für das Gebiet des Deutschen Reiches verliehen. Sein Leben war nur der Arbeit gewidmet. Durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten sicherte er sich einen hervorragenden Platz unter den deutschen Gynäkologen. Sein überaus liebenswürdiges Wesen verschaffte ihm die Verehrung aller seiner Mitarbeiter, Schüler und Patienten. Mitten aus seinem schaffensfreudigen Leben fiel er einer tückischen Krankheit zum Opfer, von der er in seiner Heimat Heilung suchte und hoffte. So bedeutet sein Tod einen schweren Verlust für die Wissenschaft, für seine Kollegen und Mitarbeiter und alle, die ihm nahe standen. Ein schönes, ehrenvolles Andenken werden sie ihm bewahren.
* * Die „dummen Iuuge n", die durch Anschlag die falsche Zeppelin-Nachricht verbreitet hatten, haben sich bei uns mit folgendem Schreiben gemeldet:
Einem verehrlichen „Gießener Anzeiger". Der Gießener Anzeiger, der ein Anzeiger sein wollte, hat die dummen Jungen in eine gelinde Aufregung versetzt, indem er in einer Spalte seines Blattes davon Mitteilung machte, daß die Polizei auf Grund der Handschrift den Täter zu ermitteln hosfe, damit er wegen groben Unfugs bestraft werden kann. (Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn.) Um von unserer Seite aus für derartige Vorkommnisse gerüstet zu sein, möchten wir einen verehrlichen Gießener Anzeiger um gütige Ueberlassung von den besonderen, vorgedruckten Formularen für eventuelle Fälle bitten.
Im übrigen wird unser Spezialberichterstatter S. P. Ass. Vogel, um dem verehrl. Gießener Anzeiger sich für die Erwähnung der Angelegenheit erkenntlich zu erzeigen, diese der humoristischen Presse übermitteln.
Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenft
Die dummen Jungen.
Verletzte Eitelkeit verkannter Genies, gemischt mit einiger Dreistigkeit! Ob jetzt noch jemand daran zweifelt, daß es sich um dumme Jungen handelt, die sich für rechte Spaßvögel halten? Die Vorsicht, mit der sie sich verstecken, steht in großem Gegensatz zu ihrem humoristischen Selbst- bewußtsetn. Vielleicht gründen die geistreichen Ueber- menschen ein ihren Begriffen entsprechendes eigenes Witzblatt? Wir würden ihnen dann gern alle bei uns einlaufenden Falschmeldungen honorarsrei als Material überweisen. Wenn es ausdrücklich dabei steht, daß es Witze sind, werden es die Leute schon glauben müssen. In der am Samstag verübten Heldentat lag aber bei ziemlicher Beschränktheit noch eine kindische Belästigung der Einwohner, gegen die allerdings vorgegangen werden muß.
* * Besitz wechsel. Das Witwe Karl Puth'sche Anwesen Marburger Straße 24 ging durch Kauf an Küfer- meister Julius Well Höfer über. Der Kaufpreis beträgt 169 000 Mark.
♦ * Unfall. Gestern vormittag wurde ein Ehepaar, das auf der Licher Straße im Stadtwald spazieren ging, von einem Motorradfahrer angefahren und zu Boden geschleudert. Beide trugen leichtere Verletzungen, bestehend in -Hautabschürfungen, davon, auch wurden die Kleider stark beschädigt und zerrissen.
Landkreis Gießen.
- m. Langd, 28. Aug. Der 17 Jahre alte Hermann Gerhardt von hier stürzte am Samstag in Langsdorf, wo er bei einem Weißbindermeister in Arbeit steht, von einem Gerüst und zog sich schwere Verletzungen an beiden Beinen zu. — Hier steht auf dem Grundstück des Louis Ronkhaler ein Apfelbaum in voller Blüte.
- ch. Hungen, 28. Aug. Unter starker Beteiligung unternahm gestern der Gesangverein „Liederkranz" zu Ehren seines Dirigenten, des Lehrers K. Wolf aus Nidda, einen Ausflug nach Bad Salzhausen und Nidda. Bei dieser Gelegenheit veranstaltete der Verein in dem Garten des „KarlShofes" nachmittags 4 Uhr ein Konzert, das sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Sangesfreunde waren von nah und fern herbeigeeilt und lauschten den vorzüglich geschulten ausgewählten Chören. Die Vorträge des Vereins wie auch die des unter Leitung von K. Herold stehenden gemischten Doppelquartetts fanden lebhaften Beifall. Um 10 Uhr brachte die Bahn die Ausflügler wieder in die Heimat. — Kommenden Donnerstag begehen Herr Karl Schwarz und Ehefrau: hier das Fest ihrer silbernen Hochzeit.
KrciS Friedberg.
x Bad'-Nau heim, 28. Aug. Im kommenden Monat finden hier Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. In geheimer Sitzung der Stadtverordneten wurden heute die Beisitzer für die Wahl gewählt. — Im hiesigen Bildungs- verein wird das Rhein-Atainische Verbandstheater im kommenden Winter 7 Vorstellungen für Erwachsene und eine Kindervorstellung geben. Eine Polizeiverordnung, die Kindern den Besuch des Kinematographen nur in Begleitung der Eltern erlaubt, ist für unsere Stadt erlassen worden.
Slurteilvulg unu .uliessen.
w Worms, 28. Aug. Der 16jährige Sohn de8 Kommerzienrats und Mitinhabers der Lederwerke Dörr & Reinhart, Fritz Dörr, sprang heute nachmittag vom Sprungbrett der Rhein-Badeanstalt so unglücklich auf einen unter Wasser schwimmenden Badenden, den er nicht bemerkt hatte, daß er (Dörr) sich anscheinend tödlich verletzte und sofort unterging. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.
Kreis Wetzlar.
= Odenhausen, 28. Aug. Gestern nachmittag fand tut „Rainbacher W a l d" ein F c st der Gemeinden Odenhau- s e n und Salzböden statt, das sich zu einer wahrhaft schönen Feier gestaltete. Schon zu Anfang wurde die Feier auf den Ton der Heimatliebe gestimmt, der dann als Grundton durch die ganze Veranstaltung hindurchklang und in den Worten des Landwirts und Volksschriftstetlers Hemricy N a u m a n n von Nanzhausen bei Lohra seinen treffenden Ausdruck fand. Zu ihm tarn einmal ein alter kurhessischer Bauersmann nach einer ähnlichen Feier. „Zuerst will ich Ihnen die Hand geben," sprach er. „Sie haben uns nichts Neues gejagt," war seine nächste, vorerst etwas eigen lautende Rede. „Was Sie gesagt haben, das haben wir alle schon gewußt." „Aber," und nun tarn der Rede Kern, „was wir bisher nur im Kopfe hatten, das sitzt jetzt hier," und dabei wies seine Hand aufs Herz: Herr Naumann hat uns, was wir schon hatten, recht zuin Bewußtsein gebracht und in gewissem' Sinn ein schlummerndes Dornröschen wach gemacht. Der Gemeinsinn der Bewohner, Heimatsliebe, half Mit, dem Fest das Gelingen zu verschaffen. Mitwirkten die Gesangvereine beider Gemeinden mit ihren herzerfrischenden, ganz vortrefflichen Darbietungen, unter denen auch das Volkslied nicht fehlte. Mitwirkte der Turnverein Odenhausen, der mit seinen Leistungen ebenfalls von viel treuer, unermüdlicher Hingabe an die Sache ein beredtes Zeugnis ablegte. Nicht seht en wollte auch die Mäochenschaft der beiden Ortschaften, die es sich nicht hatte nehmen lassen, in längerem, fleißig vorbereiteten, mit Verständnis und rechtem Ausdruck vorgetragenen dichterischen Gespräch die Vorzüge des Sommers zu preisen. Und weil . chte Heimatsliebe immer zur Vaterlandsliebe sich aiudiueiter, so sand die Feier ihren natürlichen Ausllang in einem Hoch auf den Kaiser.
X Waldgirmes, 28. Aug. Tas gestrige Missionsfest zum Besten der Deutschen Orient-Mission war auch von außerhalb gut besucht, so daß unsere Kirche die Teilnehmer kaum zu lanen vermochte. Misfionsdirektor, Pastor Dr. Römer- Potsdam, gründete leine Festpredigt auf das Schriftwort „Er hebt Dürftigen aus dem Staub". In der Nachversammlung sprachen Mistionssekretar Schäfer-Potsdam, Pfarrer Braches-Blas- bach, Pfarrer A n t h e s und nochmals der Missionsdirektor. Te, Posaunenchor Dorlar, sowie der hiesige gemischte Chor wirkten bei dem Fest mit.
Universitäts-Nachrichten.
an- ? dN a r bur g 28. Aug. Als Nachfolger des verstorbenen Wiikl. Geh. Ober-Regierungsrats Schmidmann wurde nunmehr der Ober-Regierungsrat Walther H a s s e n p f l u g in Posen unter Verleihung des Charakters als Geh. Ober-Regierungsrat mit dem Rang der Räte 2. Klasse 5um Kurator der hiesigen Uni* öerntat ernannt Hassenpflug ist ein Sohn des früheren kur hessischen Ministers. — Ter außerordentliche Professor Simons in Char- lottenburg wurde zum ordentlichen Professor der theologischen Fakultät der hiesigen Universität ernannt.
vermischtes.
*Großfeuerin Berlin. In dem sog. Spreepalast, der im Südosten Berlins mehrere Grundstücke umfaßt und bis zur Spree reicht, brach in letzter Nacht in einem kleinen. Lagerraum der Schuhfabrik von Pinner Nachfolger Feuer aus, das sich so rasch über das ganze Stockwerk verbreitete, daß an eine Rettung der Lagerbe st ände gar nicht gedacht werden konnte. Als die Feuerwehr auf der Brandstätte erschien, stand bereits der ganze 4. Stock in flammen. Die Flammen hatten bereits auch nach dem etwas zurückgebauten 5. Stockwerk übergegriffen. In dem Zeitraum einer halben Stunde war trotz der massiven Decken und Wände das ganze 5. Stockwerk in Flammen aufgegangen. Die Feuerwehrleute hatten durch die Glut außerordentlich zu leiden. Endlich, gegen 1 Uhr nachts, schien die Gewalt der Flammen gebrochen zu sein. Erst an der Brandmauer des Quergebäudes und oer aus Eisen und Stein bestehenden Tecke des 3. Stockwerkes sand das Feuer Widerstand. Fast für 11/2 Millionen Mark für den Versand'' fertig gepackter Schuhwaren ind zerstört.
Einen Automobilunfall, den die gesetzlichen Vorschriften verschuldet haben, sollte man für unmöglich halten. Daß solche „Wunder" tatsächlich Vorkommen, beweist folgender Fall, über den uns aus Hirschberg gemeldet wird. In der Nähe von Jung b unzlau in Böhm en stieß das Automobil des Geheimen Kommer-, zienrats Rin te l-Landshut mir dem des Fabrikbesitzers St ess an-Prag zusammen. Das Rüttelsche Automobil wollte gemäß den preußischen Vorschriften rechts^ das anders


