Ausgabe 
21.3.1911 Erstes Blatt
 
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Aaeriesellschaft, Berlin 0.17

Der Großherzo g hat den

Techn. Hochschule.

Tageskalender für DienStag, 21. März. Stadt­theater:Faust", 1. Teil, erster Abend. Anfang 7 Uhr.

**Ehe,GeburtundTod. Im Jahre 1910 betrug in Hessen die Zahl der Eheschließungen 9531 (gegen 9633 im Jahr 1909), die Zahl der Leb end geborenen 34 670 (36 299) nnd die Zahl der Todesfälle 17 930 (19168). Die Zahl der Eheschließungen hat gegen das Vorfahr nur wenig abgenommen, dagegen ist der starke Rückgang der Sterb­lichkeit bemerkenswert. Weniger erfreulich ist die sort- gesetzte Minderung der Geburtenzahl.

* * Aus dem Militär Wochen blatt. Horning, Militär-Hilfsgeistlicher der 22. Div. in Kassel, in gleicher Eigenschaft zur Hess. Division nach Darmstadt versetzt.

* * Vom Staatsschuldbuch. Die nm 1. April fälligen Zinsen der in das Hessische Staatsschuldbuch ein­getragenen Forderungen werden bei allen in Betracht kom­menden hessischen Kassen und bei den Reichsbankanstalten vom 18. März 1911 ab gezahlt. Vom gleichen Tage ab wird die Staatsschuldenkasse die durch die Post oder durch Gut­schrift aus Reichsbank-Girokonto zu berichtigenden Schuldbuch­zinsen überweisen.

Luftschiffcihrt.

Magdeburg, 21. März. Der Flug Grade's um das Kysihmser-Denkmal hatte gestern nachmittag eine nach Tausenden zählende Menge nach F r a n k e n h a u s e n gelockt. Grade blieb eine Almute in der Luft, bann überschlug sich der Apparat. Der Flieger ist unverletzt, seine Maschine ist beschädigt.

außerordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Karlsruhe i. B. Dr. Ludw. Wöhler zum ordentlichen Professor der Chemie an der Technischen Hochschule ernannt.

* * Prüfungs-Statistik. Forstliche Prüfungs- kommission zu Gießen. Im Wintersemester 1910/11 unter­zogen sich vier Kandidaten der Vorprüfung. Keiner von ihnen bestand die Prüfung vollständig. Drei Kandidaten wurde eine Ergänzungsprüfung .in einzelnen Fächern auferlegt, der vierte Kandidat muß die ganze Prüfung wiederholen. Die Fachprüfung bestanden die drei zugelassenen Kandidaten. Zwei von ihnen hatten ) je sieben Semester nnd einer hatte neun Semester studiert. Vor dem Techni s chen Oberprüfungsamt zu Darmstadt be­standen n. d. Darmst. Ztg. im Februar 1911 sämtlick-e sechs Kan­didaten die Staatsprüfung für die höheren Stellen im Baufach, und zwar vier für das Hochbaufach und zwei für das Maschinen­baufach. Sie standen int Alter von 27 bis 29 Jahren. Ihre Studiendauer schwankte zwischen acht und zwölf Semestern. Die Prüfungsprädilate lauteten 'je einmal aufMit Auszeichnung bestanden" undGut bestanden", viermal aufBestanden". Kan­didaten des Wasser- und Straßenbaufaches, sowie des Eisenbahn­baufaches wurden nickst geprüft.

* * Erledigte Lehrer st elfen: Di« mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde schule zu Höllerbach. Dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dem Fürsten und Grafen zu Erbach-Schönberg steht das PräsentationSreckit zu. Die mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lelirerstelle an bet Gemeindeschule zu Holzmühl. Mit der Stelle ist Let'lordienst verbunden. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden.

* V o m V e r keh r s v er ein Gießen. Die nvch-- l ende Erkenntnis von der Wichtigkeit des Fremdenver­kehrs brachte es seit einer Reihe von Jahren mit sich, daß außer den schon bestehenden Verschönerungs und

Vermischte».

* Die W inzerunruhen in der Pfalz. Aus Neu» ftadt (Haardt), 20. März, wird geschrieben: Wie die Blätter aus Edenkoben meßen, wurde in den letzten Tagen lster und in der Umgebung eine große Anzahl von Weinberg- besitzern, die erklärt batten, daß sie ihre Wingerte nicht

Aus Stadt und Land.

Gießen, 21. März 1911.

Hilfsverein für Vie Geisteskranken im Großherzogtum Hessen.

Anläßlich der diesjährigen Sammlung des Hilfsvereins dürfte cs angezeigt sein, das Interesse der Bevölkerung etwas anzuregen, besonders soweit es die Einwohner der Provinzialhauptstadt an­geht. Gießen wird künftighin ganz erhebliche Vorteile aus der Eröffnung der neuen Irrenanstalt ziehen. Wenn erst draußen 400 Kranke sich in Pflege befinden, wozu nöäj ein Personal von rund 100 Köpfen kommen wird, so bedeutet das für dir Gewerbe­treibenden unserer Stadt ein neues Absatzgebiet ihrer Erzeugnisse, aus dem ihnen sahraus jahrein die Summe, von annähernd 200 000 Mark zufließen wird, ein Vorteil, der hoffentlich jeden, ver Daran partizipieren wird, bestimmt, sich mit einer reichlichen Gabe an der Sammlung zu beteiligen.

Rach dem Jahresbericht des Hilfsvereins wurden im Vorjahr dahier von 630 Gebern 643 Mark 20 Pfg. vereinnahmt. Man kann wohl nicht behaupten, daß das gerade besonders viel wäre für eine Stadt Von über 30 000 Einwohnern. Vielleicht bedarf es aber bloß eines Hinweises in der Presse, um zu bewirken, daß die Gaben reichlicher fließen. 29 642 Mark hat der Hilfs­verein im Vorjahre int Lande zusammen gebracht. Seine ge­samten Einnahmen (zur Sammlung tarnen noch Zinsen aus dem Vermögen, einige Legate, Beiträge öffentlicher Kassen usw.) be­trugen gut 41000 Mark. Dazu tarn ein aus dem Vorjahre stammender Barvorrat von 3000 Mark. Demgegenüber standen 42 000 Mark Ausgaben. Das erscheint vielleicht manchem viel. Was will es aber besagen, wenn man sich die Zahl Der Kranken vergegenwärtigt, die unsere Lanbesanstalten beherbergen. Ihre Zahl nimmt sehr schnell zu, wie überall. Am 1. Januar 1909 waren es insgesamt 1823, ein Jahr später schon 1981 und zu Beginn des laufenden Jahres gar 2109. Welche Unsumme von Elend und Nor über so manche Familie hereinbricht, deren Er­nährer in Geistesstörung verfiel, davon können die Irrenärzte ein trauriges Lied singen. Um dieser Not wirksam zu steuern, um Familien durch eine trübe, sorgenvolle Zeit hindurchzubringen, bis der Vater ihr wiedergegeben werden kann, um Genesene in der ersten Zeit nach ihrer Entlassung zu stützen, solange sie vielleicht noch nicht voll erwerbsfähig sind, um1 Nervösen, die keine Ansprüche an Kassen und Versicherungen haben, beizufpringen, damit sie vor dem Zusammenbruch bewahrt bleiben, dazu ward einst in den 70 er Jahren der Verein durch Georg Ludwig begründet. Er wirkt im stillen. Das ist ein Vorzug, aber auch ein Nachteil, denn wenn man in unserer Zeit, in der für so viele Zwecke tagtäglich gesammelt wird, etwas erreichen will, so muß man schon eine energisch Propaganda dafür machen. Das ist seitens des Hilfsvereins bisher nicht geschehen. Wer trotzdem dürfte es wohl am Platze fein, wenn die Presse mit einigen empfehlenden Worten der Sammlung gedenkt. In der letzten Kuratoriumssitzung .zu Heppenheim ist schon darauf hingewiesen worden, das; die Mütel reichlicher fließen müssen, wenn auch weiterhin tatkräftige Hilfe gewährt 1 »erben soll. Die Zahl der Hilfegesuche wächst natürlich mit jedem Jahre. Mit der Eröff­nung einer neuen großen Anstalt wird sie abermals sich ver­mehren. Soll also das Kapttal nicht angegriffen werden, so muß man sich vieles versagen, oder es müsien Mittel und Wege gefunden werden, die Eimtahmen zu verbessern. Sicher ist noch so mancher, der vvn der Existenz dieses Vereins bisher nichts wußte und nur davon zu hören braucht, damit er dem Vertrauensmann des Hilfsvereins und Kuratoriumsmitglied für Gießen, Oberbürgermeister M e cum, seinen Beitrag zur Ver­fügung stellt. Vinnen kurzem werden wir hier auch unsren Mar- gueritentag haben wie andere Städte und sein Erfolg wird zeigen, daß auch in Gießen genug Leute leben, die opferwilligen Gemüts ihre Börse auftun, wenn es gilt, dem Elend zu steuern. Möge man darum jetzt auch für den Hilfsverein eine offene Hand haben. Es ist Sache jedes Gebildeten in unserer Stadt, der nicht ängstlich mit dem Pfennig zu rechnen braucht, durch eine Gabe ihn in der Verfolgung seiner edlen Ziele zu unterstützen.

D.

Ortsvereinen besondere Vererntmlngen zur Förderung des : Fremdenverkehrs auch an solchen Orten entstanden, die i nicht, wie hie Kur- und Badeorte, durch Eigentümlick)- : keilen ihrer Lage usw. Sammelpunkte des Fremdenverkehrs i geworden mären. Es wurde nun Ausgabe dieser Verkehrs- : vereine, meist unter finanzieller Beilstlfe der Gemeinden in gemeinnützigem Sinne und unter ehrenamll. Leitung ; für das Beste des Ortes zu wirken, seine Anziehungskraft und seinen Ruf zu fördern und dadurch den Fremdenzuzug, durch diesen aber auch den Wohlstand der Bevölkerung zu heben und ihr die geistigen Vorteile der Teilnahme am großen vaterländischen und am Weltverkehr zu sichern. Daß auch der hiesige Verkehrsverein in der Tat seine Auf­gabe zu erfüllen bestrebt ist, nicht in örtlichen Interessen seine Tätigkeit erschöpft, dagegen in gemeinsamer Arbeit mit allen Schwestervereinen für das Wohl seiner Vaterstadt unentwegt weiter arbeitet, das kann nur der recht wür­digen, der auf dem Bureau des Berkehrsvereins sich von den vielseitigen Arbeiten zum Frommen der Vaterstadt überzeugen will. Einen Erfolg von den Arbeiten des Ver­eins in Frage zu stellen kann heute nur der, welcher seine unbegründeten Vorurteile und Kritik nicht fallen lassen will. Man muß den Mannern, die ihre Arbeitskraft den Verkehrs-Vereinsbestrebungen zur Verfügung zu stellen, im vollsten Maße Dank spenden.

Von der Volksschule. Es sei auf die Bekannt­machung im amtlichen Teile hingewiescn, wonach nächsten Donnerstag, 23. d. Mts., vormittags, im Schulhaus an bei Nord - Anlage die Aufnahme der schulpflichtigen Knaben, nächsten Freitag, vormittags, im Schnlhaus in der Schillerstraße die Aufnahme der schulpflichtigen Mädchen stattfindet.

* Vortrag über die Brüsseler Ausstel­lung. Am Donnerstag, 23. März, spricht auf Veran­lassung des Kaufmännischen- und Gewerbevereins in der Aula der Universität Professor K. Brockmann aus Offen­bach über Streifzüge durch die Brüsseler Weltausstellung. Der Vortragende Hai Gelegenheit gehabt, die Ausstellung nrfll vor dem Brande eingehend zu studieren und photo­graphische Aufnahmen zu machen, die im Lichtbilde vor- geführt werden. Aber auch Bilder von dem großen Brande werden vorgeführt und gezeigt, wie das Feuer ein Zer­störungswerk vollbracht hat, wie man es nicht ahnt. In­teressant sind auch die Bilder, die der Redner mit vielen Mühen und Kosten von den Jnnenräumen der verschie­denen Nationen beschafft bat, und daß der Ausstellung des deutschen Reichs besondere Sorgfalt gewidmet wird, ist wohl selbstverständlich. Der Vortrag hat in anderen Vereinen sehr beifällige Aufnahme gefunden und wird sicher auch in Gießen viele aufmerksame Hörer finden, umso­mehr, als der Vortragende von anderen Vorträgen auf das Beste bekannt ist. .

**DieMaitl-und Klauenseuche ist leider nun­mehr auck) nach Oberhessen vorgeorungen. Sie wurde am 18. März in Bad-Nauheim bei Quarantänevieh eines Händlers festgestellt. Hoffentlich findet die gefährliche Seuche in unserer Provinz keine weitere Verbreitung. Neue Ausbrüche der Seuche sind ferner festgestellt aus Walters berg, Regierungsbezirk Oberbayern, und in Witzendorf, Herzogtum Sachsen-Meiningen.

Landkreis Gießen.

A Großen - Linden, 20. März. Ein Doppel- Krieger.Verba ndSfest steht hier für den 9. und 10. Juli bevor. Unser Kriegerverein hat das Bezirksfest für den Hassia-Bezirk Gießen und das Verbandsfest für den Hüttenberger Verband übernommen.

fc. Hun gen, 20. März. Die an der Nidda und Horloff gelegenen Besitzer von Triebwerken sehen in der Anlage des Wasserwerks Inheiden eine Schädigung ihrer Interessen. Auf ihren Antrag fand auf Anordnung des Amtsgerichts Hungen ein Au g en s ch ein term i n im Quellengebiet bei Inheiden statt. Die beteiligten Mühlen- besitzer, deren Vertreter, die Vertreter der Provinz Ober­hessen, sowie die Sachverständigen Geheimrat Pfarr von der technischen Hochschule Darmstadt und Ku-lturinspettor Heyl-Frieöberg, außerdem zahlreiche Zeugen waren an­wesend. Das Quellengebiet wurde eingel)end besichtigt und eine Anzahl von Zeugen vernommen.

Kreis Büdingen.

Ap. Büding en, 20. März. Am Samstag nachmittag wurde die hiesige Gendarmerie telephonisch nach oer bei Mt-Wiedermus gelegenen, im Sommer von "Touristen viel besuchten Burg 'Ranerburg gerufen, wo sich, anschei­nend schon seit längerer Zeit, Vagabunden durch gewalt­sames Deffnen eines Tores Eingang verschafft und häus­lich eingerichtet hatten. Hierbei kamen ihnen die aus Wein und Spirituosen bestehenden Kellervorräte zu­statten. Der Burgwirt aus Dem nahen Alt-Wiedennus wurde, als er nach den Einbrechern suchte, angeschossen und leicht verletzt. Die wegen der inzwischen eingetretenen Dunkelheit unter Beistand von Ortseinwohnern mit La­ternen angstellten Nachforschungen nach den Einbrechern führten zu keinem Ergebnis, auch das Suchen am Sonn­tag früh hatte keinen Erfolg, so daß es den Spitzbuben trotz Verbarrikadierung der .Ausgänge möglich war, zu entwischen.

Büdingen, 20. März. Schöffengerichtssitzung. Der Handlungsgehilfe I. P. S. aus Riga in Rußland, ohne testen Wohnsitz und Aufenthaltsort, zuletzt hier in Untersuchungshaft, wird wegen Bettelns zu fünf Tagen Hall verurteilt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Die H. E. Ehefrau und ihr Sohn O. E. von Ealbach hatten gegen amtsrichterliche Straf­befehle wegen unerlaubten Schießens Einspruch erhoben. Der An­geklagte wird zur Strafe deS gerichtlichen Verweises verurteilt, die ; 'Angeklagte wird freigesprochen. Tie Holten, insoweit sie durch daS Verfahren gegen die Frau entstanden sind, belasten di« Staats- , tafle. Ter Taglöhner B. Sch. auS Büdingen wird wegen Ver- , nachlässigung seiner Familienpflichten zu vier Wochen Haft ver° urteilt. Nach verbüßter Strafe ist er der Landespolizeibehörde zu überweisen. Der Dienstknecht F. N. aus Oberau, zurzeit in Düdelsheim, wird wegen Bedrohung zu 14 Tagen Gefängnis ver­urteilt. Das Schöffengericht empfiehlt ihn zum bedingten Straf- , ausschtlb.

Kreis Lauterbach.

t -- Lauterbach, 20. März. Im Saalvau zuvt Jo- t hannesberg hier fand heute vormittag die gut besuchte HauptversammlungdesKreisrechnerverban-

- d e s statt, zu der Herr Kreisrat v. Bechtold und Kreis- amtsbureauvorsteher Bechtold erschienen waren. Der Vvr- , sitzende, Rechner Schott- Landenhausen begrüßte die Er- » schienenen, besonders die Beamten des Großh. Kreisamts,

Kreisamtsbureauvorsteher Bechtold gedachte der feif her letzten Versammlung verstorbenen Rechner Bernhard-Hopf- mannsseld, Greb-Engelrod, Weitz-Herbstein und Wiut-Hitz- dorf. Zum ehrenden Andenken erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. Rechner Oestreich, Stockhausen, er­stattete sodann den Rechenschaftsbericht und berichtete ü6e$ Die Hauptversammlung des Landesrechncrverbandes. (siiw längere Aussprache entspann sich über die Mitgliedschaft beim Landesrechnerverband. Schließlich wurde ein mehr­gliedriger Ausschuß beauftragt, weitere Vorschläge zu machen. Nach einem Fachvortrag schloß die Versammlung und wahrend des gemütlichen Teils brachte Kreisamts- vureauvorsteher Bechtold ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Großherzog aus.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 20. März. Unserer Reichsbank. nebenstelle ist Bad-Nauheim angegliedert, indem die hiesige Nebmstelle die Wechsel Nauheimer Interessenten ankauft. Die gleiche Einrichtung möchte auch Butzbach in Anspruch nehmen. Gegenwärtig schweben Verhandlungen zwischen Butzbach, der hiesigen Reichsbanknebenstelle, der Reichsbanthauptstelle Frankfurt und der Reichsbank in Berlin selbst.

L. Bad-Nauheim, 20. Marz. Die letzten trocknen und wärmeren Taae sind von Einfluß auf unser Kurleben gewesen, indem täglich Anmeldungen von Kur­gästen einlaufen, aber auch Frenrde, namentlich Herz- leiöende eintreffen. Ganz befonders befördern hie trocknen Tage die Bautätigkeit an unfern Staatsbanken, die durch den Maurerstreik im Herbste wie durch die ungünstige Witte­rung weniger rasch vorwärts kamen. Im Augenblick bricht man die alte Salinenschmiede ab, nachdem die beiden Siede­häuser gefallen sind. Mit dem Bau des großen Badehotel- wird man bestimmt am 1. Juli beginnen, f

Starkenburg unö Rtzetnycsscn.

io. Mainz, 20. März. Gegenwärtig wird in der Garnison Mainz ein neues Kommißbrot versucht, das in der vortigar Militarbäckerei hergestellt ist. Wenn das Brot hier als geeigneter als bas alte befunden nrirb, soll es in der ganzen Armee ein- geführt werben. Das neue Brot wiegt wie das alte vier Pfund mib ist etwas weißer, trotzdem es aus reinem Kornmehl besteht. Beim bisherigen Brot wurde der Teil her Körnerschale, der noch Nährwert hat, mitgemahlen, beim neuen wird ebenfalls der ganze Nährwert aus der Frucht gewonnen, durch ein be­sonderes Mahlverfahren aber, das Militärgeheirnnis bleibt, mehr Kleie abgesonberi als bisher. Die hiesigen Soldaten ziehen bas neue Brot dem alten vor.

Kreis Wetzlar.

x Dutenhosen, 20. März. Schon seit hem Jähre 1906 schweben Verhandlungen zwischen der Regierung zu Koblenz und der hiesigen Gemerndevertretung wegen eines Schulhausnenbaues, die immer noch keinen Abschluß ge­funden haben. Während die Behörde früher geradezu zum Schulbau drängte und vier Säle mit entsprechenden Lehren Wohnungen verlangte, soll jetzt nur eine Schule zu drei Klassen gebaut werden. Unsere Gemeinde hält aber an ilfrem Beschluß fest, da die Schülerzahl in steter Zunahme begriffen ist.

= Kinzenbach, 20. März. Am 16. und 17. April findet hier eine allgemeine Geflügel- und Kanin­chen-Ausstellung bei Gastwirt Hch. Peusch am Bahn­hof statt, zu der zahlreiche Anmeldungen vorliegen. Der hiesige Verein ist einer der ältesten Zuchtvereine.

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 20. März. Vier große Ver- stcherungS-Gesellfchaften haben im TaunuS in der Nähe von Homburg v. d. H. ein Grundstück für 200 000 Mk. erworben, um ein Ferien- und Erholungsheim für ihre Beamten einzurichten.

wandem und Helfen, väder und Sommerfrischen.

Nordseeb ad Wittdün auf Amrum. In diesem Jahr ist ein erfreulicher Fortschritt in bet Entwicklung Wittbün's zu verzeichnen. Die Jnselbabn, bie von Wittdün nach sJlorD borf bie Insel Der Länge nach durchfährt unb nicht nur ein wichtiges Beförberungsmittel ist für bie Verbinoung zwischen den Inseln Sylt, Amrum unb Föhr, sonbern. catch Dem Ausslugsvetkehr auf bet Insel selbst unb zwischen Den benachbarten Bäbern und ben Halligen bient,, ist mit Dem heutigen Tage in die Verwaltting der Hambutg-Arnetiko-Linie (Seebädetoienst) übergegangen. Dieser Name allein gewährt den Eingeweihten schon die iveitgchenoite Garantie dafür, baß Das Interesse des reisenden Publikums in ganz hervorragendem Maße gewahrt werben wird unb nntb daher von allen Besuchern unseres Bades mit ganz befonberer Freuve begrüßt werben. Ist boch bie Hamburg-Amerika-Linie auch als Eigentümerin bet Sylter Sübbahn für ihre exakte unb zuvvt- fommenbe Befötberung bet Reisenben unb ihrer Effekten unb bie Promptheit in Erreichung bet Anschlüsse betaimt. Dieser Grunv- zug ihres Betriebes kann nur zum Segen ber ueuübetnommencn Bahn unb somit der ganzen Insel gereiften.

(BericbtsiaaL

Gießen, 21. März. Eine für baS Geschäftsleben bebeutungsvolle Entscheidung fällte dieser Tage bie hiesige Zivilkammer. Der Privatmann Ehr. Petri halte der Ge­werbebank gegenüber eine Bürgschaft übernommen, die durch den Konkurs der Schmallschen Zigarrenfabrik fällig wurde. Der Bürge lehnte aber die Zahlung mit der Begründung ab, daß er f. Z. durch Krankheit so angegriffen gewesen sei, daß er die Tragweite seiner Verpflichtung nicht übersehen habe und deshalb nicht hastbar zu machen sei. Nach mehreren Terminen, in denen eine große Anzahl von Zeugen nnd Sachverständigen vernommen wurde, entschied das Gericht ,vie in kaufmännischen Kreisen nicht anders erwartet ivurde daß der Beklagte die Bürgschaftssiimme zu zahlen habe, und er­klärte das Urteil gegen Hinterlegung von 16 00 Dlf. für voll­streckbar. Das Urteil war um deswillen so wertvoll, als dainit zualeich die Frage entschieden wurde, ob bei Vertragsabschlüssen unter Umständen ein Arzt oder ein Psychiater zuzuziehen sei. Dnrch das Urteil wurde diese Frage also verneint.

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