deutsch-französischen Marokkoabkom'men mit dem Vorbehalt bekannt zu geben, daß die formelle schriftliche Zustimmungserklärung zu dem Abkommen erst an einem; späteren Zeitpunkte erfolgen kann.
Die Sitzung der französischen Kammer am Samstag trug ein ruhiges Gepräge. Der Sozialist Sembat trat für das Abkommen ein. Das Wertvolle an dem Abkommen sei die Schiedsgerichtsklausel. Tas Interesse Frankreichs, sagte Sembat unter großem Beifall seiner Parteigenossen, zum Schluß, liege nicht bloß in einer Politik des Friedens, sondern in einer Politik der Entente und Annäherung an Deutschland. Hierauf trat der Obmann des Kammecausfchusses Deschanel sehr eindringlich für das Abkommen ein. Der Konservative Denys Cochin kritisierte das Abkommen sehr scharf. Wenn die Deutschen sagen: wir verlangen unseren Platz an der Sonne, so können wir darauf nur entgegnen, daß sie bereits Platz genug einnehmen, denn Deutschland besitze ein großes Kolonialreich und seine Kaufleute seien überall zu finden, dank ihrer Beharrlichkeit und Schlauheit. Er habe es bisher für semitischeCharakter- eigenschäften gehalten, sehe aber, daß dies teutonische Charaktereigenschaften seien. (Heiterkeit.) Die Aussprache wird am Montag nachmittag fortgesetzt werden.
Das englische Parlament wurde mit einer Thronrede geschlossen, in der es heißt: „Meine Beziehungen zu den fremden Mächten dauern an und firtb freundliche. Ich freue mich, sagen zu können, daß die Verhandlungen zwischen der französischen und der deutschen Regierung über die Marokko- srage, von denen meine Regierung infolge der Vertragsverpflichtung berührt wurde, zum Abschluß gebracht sind. Was den Kriegszustand angeht, der unglücklicherweise zwischen Italien und der Türkei besteht, erklärte ich in einer Proklamation meine strikte Neutralität." Die Thronrede berührt die Beratungen der Reichskonferenz im letzten Sommer und bezeichnet sie als einen Beweis für die harmonischen Beziehungen, die zwischen den Regierungen des vereinigten Königsreichs und Dominiens mit seiner Selbstverwaltung beständen und für das wachsende Verständnis und für die gemeinsamen Interessen. Die Thronrede drückt die Hoffnung aus, daß die demnächst beginnenden Arbeiten der königlichen Kommission für Untersuchung der natürlichen Hilfsquellen und der Möglichkeiten für die Entwicklung des Handels des Reiches Mittel zutage fördern werden, um eine größere Wohlfahrt und Förderung des wechselseitigen Verkehrs der Reichsglieder untereinander zu «erzielen. Es wird die zuversichtliche Erwartung ausgesprochen, daß das neue Versicherungsgesetz dazu beitragen wird, das Elend der Arbeiter zu mildern, Erkrankungen zu vermindern und ihre harte Lage zu bessern.
** Weihnachtsausstellung. Von den Veranstal- tungen vor Weihnachten ist eine der bekanntesten und besuchtesten die Ausstellung der Handarbeits- und Kunstschule Landmann, die auch dieses Jahr wieder eine große Anzahl Besucher (über 400) angelockt hat. Eine große Fülle von gediegenen, praktischen Arbeiten wurden vorgesührt, wie sie jedes junge Mädchen für den zukünftigen Haushalt haben muß. Ganz besonders hervorragend find die Kunsthandarbeiten vertreten^ bereit Aufzählung hier zu weit führen würde. Genannt seien die kunstvollen Schnitzereien, Brand- und Plättmalereien, Leder- und Metallarbeiten, Porzellanmalereien usw.
•• Stadttheater. ,DaS kleine Cbokoladen- mädchen" von Gavault, deutsch von G. v. Schönthan, das am nächsten Dienstag gegeben wird, darf als eines der liebenswürdigsten Lustspiele der letzten Jahre bezeichnet werden. Seit vergangenem Herbst nimmt es seinen Weg über die meisten Bühnen und findet überall lebhaften Beifall. Die amüsante Art, wie die energische kleine Tochter des reichen Chokoladeufabrikanten Lapistolle sich einen Mann erobert, dürfte auch hier lebhaften Beifall finden, umsomehr, da eine erste Besetzung die Aufführung des liebenswürdig harmlosen Stückes tragen wird.
"DashessischeTuberkulose-Wander-Museum mar in der letzten Zeit auf Antrag des Landrats in Gelnhausen, Grafen von Wartensleben, je einige Tage in Gelnhausen und Bad-Orb ausgestellt. In ersterer Stadt war es von insgesamt 4500, in letzterer von rund 2900 Personen besucht; auch wurden zahlreiche ärztliche Borträge gehalten und dadurch der Ausstellung ein erhöhtes Interesse eutgegengebracht. Im nächsten Sommer wandert das Museum voraussichtlich nach Thüringen. Bis jetzt war das Museum in 111 Orten ausgestellt und von zlisammen 360 000 Personen besucht.
** Der silberne Sonntag hatte gestern viele Leute hierher gebracht, so daß der Verkehr in den Hauptgeschäftsstraßen zeitweilig stockte. W<rs der kupferne Sonntag versprochen, hat bei dem günstigen Wetter der silberne Sonntag gel-alten. In den Nachmittagsstunden war in den Läden überall flott zu tun uno die Geschäftsleute aller Branchen sind durch die Einnahmen gestern leidlich zufriedengestellt. Die Auswahl in allen Weih nach tsarnkcln ist trotzdem überall noch sehr groß, so daß in der Woche, die uns noch vom Feste trennt, noch mehr vortauft werden kann.
** Vom Kinematographen wird uns geschrieben: Das zur Vorführung kommende sensationelle dreiakttve »Drama „Zigeunerblut" ist ein Schlager auf b:m Gebiete der Kinematographie. Wo dieser Film vorgesührt wurde, nahm er das Publikum gefangen, weil seine Handlung vornehm, schon und von bestechender Wirkung, seine Darstellung meisterhaft ist. Asta Nielsen hat auch in diesem Werk verstanden, die Hauptrolle meisterhaft durch- zuführen. Eine bildschöne Zigeunerin begegnet in Begleitung eines Zigeuners einem Baron, beide verlieren sich in einander. Dieser fuhrt sie in sein Heim. Um sich des Zigeuners zu entledigen, entwendet sie dem Baron eine Brieftasche mit einem größeren Betrag, steckt die leere Tasche in eine - Tasche des Zigeuners, worauf dieser verhastet wird. Das Mädchen wird von dein Bavon in eine Pension verbracht, und dann führt er sie, als er durch den Tod feiner Aiutter selbständig geworden zum Traualtar. Nach einem Jahr erkaltet seine Liebe, auf Rache sinnend, trifft die Zigeunerin sein Herz durch einen erkünstelten Selbstmord, so daß er der Verzweiflung nahe ist, weil auch sein Kind mit ihr verschwunden war. Nach 5 Jahren kommt sie mit ihrem Kinde vor das Schloß des Barons, läßt das Kind Adujik machen und geht. Eine Baronesse, die gern die Frau des Barons werden möchte, kömmt, gibt dem Kinoe Gew, entdeckt dessen Aehiftichkrit mit dem Verschwundenen; trotz des Ringens mit der Zigeunerin entflieht sie ihr und eilt in das Schloß. Der Baron, überglücklich sein Kind wieder zu haben, gibt der Baronesse einen Kuß in dem yJtomcnt, als die Zigeunerin das Zimmer unbemerkt betritt. Herzzerreißend ist der Anbück der armen iUtutter, diese geht in dem Bewußfiein, ihr Spiel ist verloren, wirft sich auf die Schienen und wird von einem Zuge überfahren. Von dem sonsügen Pro- gramm ist besonders hervorzuheben „Fritzchen ist verliebt".
^Briefmarkensammler. Zu der am Freitag abend im Cafö Ebel abgehaltenen Hauptversammlung des Phi- late l i ste nv e re i ns in Gießen hatte sich eine stattliche Anzahl Mitglieder ringefunben. Der Vorstand wurde rinftimmig durch Zuruf wiedergewählt. Beschlossen wurde, das im März n. I. stattfindende 10jährige Stiftungsfest in würdiger Weise zu begehen. Ferner wurde beschlossen, eine zu Anfang d. I. mit Erfolg veranstaltete Briesmarken-Äusstellung in nächster Zeit zu wiederholen. Der Verein hatte in diesem Jahre eine stattliche Zahl Zuwachs an Mitgliedern. Der Kaufumsatz war ganz ansehnlich und es wurden nur ganz rinwanofreie Stücke umgefctzt. Ter Schluß des offiziellen Teiles bildete eine Verlosung von Briefmarken, wobei jeder der Anwesenden mit einem Gewinn im Werte von 3—10 Mk. bedacht wurde. Die Vereinsabende wurden wie bisher am 1. und 3. Freitag im Monat bribehalten.
Landkreis Gießen.
>< Lollar, 17. Dez. Das Gruppenwasserwerk „G l ü ck a u f", dem die Dörfer Lollar, Mainzlar uno Staufenberg zugehören, soll eine beträchtliche Erweiterung erfahren. In Aussicht genommen ist der Anschluß zweier wasserreicher Quellen bei Nord eck und Mainzlar.
Kreis Büdingen.
t b b a , 17. Dez. Bei bem Eisenbabnnnfall am 8. Ium in Hungen, worüber kürzlich vor der Strafkammer zu Giegen verhanoeit nruriA, ia.hu x.hu, O" r u u uinty yiejigen Geschäftsmannes gesundheitliche Schäden erlitten. Bor einigen Tagen wurde ihr eine Entschädigungssumme von 3 7 00 M t. vom Eisenbahnfiskus ausbezahlt.
Kreis Lauterbach.
^Lauterbach, 17. Dez. Der Obstbauverein des Kreises Lauterbach beabsichtigt, in diesem Win- ter einen gemeinsamen B e z u g von B e r l e p s ch e n N i st - hohlen, wie sie bereits durch andere landwirtschaftliche Vereine und Forstbehörden eingeführt sind, zu veranstalten. Vorwiegend sollen Höhlen für Meisen bezogen werden, da diese die besten. Verbündeten der Landwirte im
gegen die Insektenplage sind, jedoch sind auch Nisthöhlen sur andere Vogelarten durch den Verein zu be- ziehen. An dem gemeinsamen Bezug können sich auch Nicytmitglieder des Vereins beteiligen. Etwaige Befiel- lungen werden von diesem und den Bürgermeistereien be- reitwilligst enlgegengenommen. Der Preis der Nisthöhlen betragt für das Stück einschließlich Zubehör etwa 78 Pfa.
Kreis Schotten.
t V1 ' mVr 00C NUNMehv zwölf
Wen das in der Nahe unseres Städtchens am Lllten- gelegene hessische Lehrerheim zur Verpachtung ausgeschrieben wurde, hielt es außerordentlich schwer, einen geeigneten Pachter bezw. eine Pächterin für öu, sinoen. Bei der jetzt stattfindenden Neu- verpachtung find dagegen die Bewerbungen trotz er- tro$ erschwerter Bedingungen ganz Sahlrer eingelaufen, so daß nur di? t^^EI^üen üngeoote in die engere Wahl kommen konnten. Dreie Tatsache beweist, daß der Vogelsberg als Er- ^^lhalt rn dem letzten Jahrzehnt mit Recht an Beliebtheit bedeutend gewonnen hat und daß Das Lehrer- rjeim vermöge ferner reizenden Saoe <m'*v von Lihre'n unö
Aus Stadt und Land.
Gießen, 18. Dezember 1911.
** Audienz. Als Vertreter des Automobilklubs Gießen und Umgebung wurden am Samstag vormittag Dr. Klein jun. und Architekt Karl Philipp Müller von dem Großherzog empfangen. Die Herren überreichten das Programm zu dem am 13. Januar k. Js. im Stadttheater geplanten Wohltätigkeitsfest zum Besten des Gießener Säuglingsheims und luden da§ Großherzogspaar zu der Veranstaltung ein. Der Großherzog war sehr erfreut, daß die Mitglieder des Klubs ihre Kräfte in den Dienst der sozialen Wohlfahrt stellen wollen und stellte den Besuch des Festes in Aussicht.
** Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Regierungsbaumeister Gustav Koehler zu Essen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adler-Ordens 4. Klasse erteilt.
** Ernannt wurde der Oberaufseher am Haftlokal in Offenbach, Ludw. Unverzagt, zum Werkmeister an der Zellenstrafanstalt Butzbach.
** Eisenbahnpersonalien. Versetzt wurden: die Gütervorsteher Scholz von Gießen und Neunhaus von Bad-Nauheim nach Frankfurt a. M.; der Gütervorsteher K r a u'k w u r st und der Bahnhofsvorsteher Langt- heinz von Darmstadt nach Gießen, und der Gütervorsteher Knapp von Debra nach Gießen.
** Weihnachts-Ausführung in der neuen Aula. Eine nicht hoch genug zu schätzende Arbeit hatte der Leiter dieser Aufführung, Herr L. Geller, unternommen. Schon einen Kinderchor zu leiten, ist bei seinen Schwankungen in den Tempis sowohl wie in der Reinhaltung der Stimmen schwierig; umsomehr ist es anzuerkennen, wenn man den Genuß hatte, Massenchöre zu hören. Herzerquickend, einschmeichelnd und überzeugend klangen die Kinderstimmen und versetzten die Zuhörer in die echte Weihnachtssrimmung. Herr Geller hat mit seinem Festgesang mit Orchesterbegleituna eine gut ausgearbeitete Komposition gebracht, nur hätte die Begleitung manchmal diskreter sein dürfen. Die drei Weihnachtslieder von Peter Cornelius wurden von Herrn Hch. R e i n h a r d t aus Darmstadt recht stimmungsvoll vorgetragen; die Klavierbeglei- tung hierzu war etwas zu dezent, die Schlußakkorde der Lieder hätten überzeugender klingen dürfen. Reicher Verfall lohnte den Sänger für seinen Vortrag, der zum Dank dafür noch ein Weihnachtslied als Zugabe brachte. In dem Chor „Verleih' uns Frieden" mit Klavierbegleitung von F. Mendelssohn-Bartholdy wurde den Zuhörern ein Werk vorgetragen, das man nicht oft genug hören kann. Wenn auch manche Einsätze sicherer kommen durften, wurde es doch recht gut zu Gehör gebracht. Fraulein Ida Stammler entzückte sämtliche Anwesenden durch ihren prächtigen Gesang und seelenvollen Vortrag. Bei dem Schluß von Humperdincks „Weihnachtsfreude" hätte die Klavierbegleitung die auf „O du fröhliche" ausklingenden Akkorde etwas kräftiger cmschlagen dürfen. Die Glanzleistung der Aufführung war eine Weihnachts» Bantate, Chor mit Orchesterbegleitung, von C. Hirsch Mit wunderbarer Sicherheit folgten die Scbuler dem Dirigenten. Das Ausstehen und Hinsetzen hätte etwas geräuschloser geschehen können. Die bcioen Gesangs-Solisten entledigten sich hierbei ihrer Ausgabe sehr gut. Etwas an seiner Art büßte der Choral „Es ist ein Ros' entsprungen" insofern ein, weil das Tempo etwas zu schnell war. Um so besser kam das Hirtenmotiv zur Geltung. Naturgetreu brachte der Oboebläser die Schalmeienklänge hervor. Vorzüglich rem und sicher klang das in der Entfernung von einem Knaben-Doppelquartett gesungene „Kyrie eleison" Den Schluß dieser Kantate bildet der Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern" für Chor und Orchester, wclmer majestätisch vorgetragen wurde. Angenehmer wäre es gewesen, wenn das Biolin-Solo etwas mehr zur Gelluna gekommen wäre und sich die übrigen Streicher dem mehr angepaßt hätten. Der letzte Vers müßte mehr Fortissimo im Blech zu Horen geben, wie überhaupt wohl das Fortissimo mehr daselbst angebracht ist, um dem „Triumphiert, banft dem Herren ! Groß ist der König der Ehren! die richtige Weihe zu geben. Durch ein ausverkaustes Haus wurde Herr Geller für seine Mühe reichlich entschädigt, als teuere Belohnung dafür und wohl auch für die musterhafte Leitung wurde ihm zum Schluß ein wundervolles Blumenarranae- rnent von den Schülerinnen überreicht. Nicht unerwähnt lassen wollen wir den Vortrag „Heilige Nacht" des Schülers Lotz, der in wahrhaft glänzender Weise denselben formvollendet wiedergab.
Nicht« "'/jcfn üt?i gerne besuchter Luftkurort geworden ist.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 15. Dez. Am Bahnbcm wird zurzeit fleißig gearbeitet. Auf der Bahnslreckc Friedberg—Homburg legt man das zweite Geleise. Fünf Brücken werden den Bahnkörper überführen. Die 9lrbcitcn zum Brückenbau (Beton- und Steinhauerarbeiten) sind bereits vergeben. Die Arbeiten für den Güterbahnhof sind ebenfalls schon vergeben. Die Maschinenhalle wird 36 Maschinen ausnehmcn, während die seitherige nur 16 fassen konnte.
Starkenburg und Rheinhessen.
e. Mainz, 17. Dez. Justizrat Dr. Max Löb, ein geborener Wormser, ist gestern im Alter von 52 Jahren nach längeren schweren Leiden verstorben. Ter Verstorbene war ein hervorragender Jurist und glänzender Redner. Wenn rin Angeklagter nicht die Mittel zur Verteidigung aufbringen konnte, so ließ ihn Justizrat Dr. Löb nicht im Stiche, er verteidigte ihn auch ohne Zahlung. Der Verstorbene gehörte der fortschrittlichen Volkspartei an, eine Kandidatur zur Stadtverordnetenversammlung lehnte er jedoch stets ab.
d. Bingen, 15. Dez. In ihrer letzten Sitzung nahm die hiesige Handelskammer Stellung zu der aus strategischen Gründen zu bauenden Eisenbahnbrücke Bingen- Rüdesheim. Die Gegner des Projektes hegen die Befürchtung, daß durch eine Brücke der Verkehr gänzlich von der hessischen auf die preußische Seite gezogen würde. Tie Handelskammer hat nun Stellung genommen und zwar für den Bau der Brücke. Von der Erbauung einer festen Brücke erhofft die Handelskammer eine Einführung allgemein gültiger, normaler Gütertarife für den Wechseloerkehr zwischen Rheingau und Nhemhessen. Ferner würde eine feste Brücke bei einer Unterbrechung der Schiffahrt durch Nebel, Treibeis, Hochwasser rc. unschätzbare Dienste leisten, da mit ihrer Hilfe der Verkehr aufrecht erhalten werden könne. Die Erbauung der Brücke käme einer Erfüllung lang gehegter Wünsche gleich. Aus allen diesen Gründen richtete die Handelskammer an die Eisenbahnoerwaltung, an die Staatsregierung und die Zweite Kammer die dringende Bitte, dafür einzutreted, daß mit der Eisenbahnbrücke außer dem Gleisweg eine Straßenbahnbrücke und ein Fußsteig verbunden werden und auch fernerhin das Projekt möglichst zu fördern.
Hessen-Nassau.
O Rodheim a. d. Bieber, 17. Dez. Heute spracy tm Gern erbeverein bei Gastwirt Bechthold Rektor Grünewald- Biebrich a. Rb. über die staatsbürgerliche Erziehung des go« werblichen Nachwuchses und die Beratung der Jugendlichen bei der Berufswahl. "Vorsitzender, Schrrinermeister K. Schlierbach, bedauerte, daß der Vortrag von auswärtigen Mitgliedern nicri besser besucht gewesen sei, das sei wohl auf die jetzigen ungünstigen Wegverhältnisse zurückzuführen.
s. Marburg, 17. Dez. Die Dauer der hiesigen Hebammenkurse soll jetzt von sechs auf neun Monate verlängert werden. Während für die auf Staatskosten lernenden Schülerinnen das Pflegegeld auf 216 Mk. festgesetzt worden ist, ist es für am Gemeindekosten oder eigene Kosten Lernende auf 432 Mk. nebst 45 Mk. Lehrgeld erhöht worden.
§Marburg,17. Dez. Der VerkaufdesGemeinde- obst es im hiesigen Kreise brachte in diesem Jahre eine Gesamt einnahme von 17 495,33 Mark gegen 17 960,85 Mark im Jahre 1910. Auf die Stadt Marburg entfiel ein Erlös, von 885 Marr gegen 1714,70 Mark im Jahre 1910. Die Höchsteinnahme hatte wieder, wie in jedem Jahre, das hinter den Lahnbergen östliu- von der Stadt liegende Dörfchen Bauerbach, nämlich 1713,80 Man gegen 1846,30 Mark in den Vorjahren. Man sieht, daß bei der diesjährigen Obsternte, die kaum die Hälfte des vorjährigen Ertrags brachte, doppelt so hohe Preise bezahlt wurden.
Landwirtschaft.
Die Ernte in Argentinien.
Buenos-Aires, 16. Dez. Andauernde Regengüsse haben die Ernte teilweise geschädigt. Nach offiziösen Erklärungen sind die laut gewordenen Besorgnisse jedoch übertrieben, die Ernteerträgnisse siird trotzdem sehr bedeutend.
*
— Nidda, 17. Dez. Gestern wurde hier im Gambrinus- saale die Hauptversammlung des landwirtschaftl. Bezirksoereins Büdingen abgehalten, zu der sich außer dem Vorstand des Vereins zahlreiche Vertreter der Landwirtschaftskammer, sämtliche Bürgermeister des Kreises und eine große Zahl Vereinsmitglieder eingefunden hatten. Der Vorsitzende, Kreisrat Boeckmann, gedachte der großen Verdienste des verstorbenen Ausschußmitgliebs Bürgermeister Reitz in Echzell, zu dessen Ehrung sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben. Dr. Hamann, Assistent der Landwirtschaftskammer, konnte wegen Erkrankung feinen angekündigten Vortrag über die Dürre des Sommers 1911, ihre Folgen und Mittel zu ihrer Abhilfe nicht halten. Dafür hielt Regierungsassessor Braun aus Darmstadt einen sehr ausführlichen Vortrag über „die Währschaft beim Vieh handel". Ter zweite Vortrag über „Tilgung des Scheidenkatarrhs beim Rindvieh" erstattete Bürgermeister Lehr aus Eckartshausen. Der von großer praktischer Erfahrung zeugende Vortrag gab klare Ratschläge zur Bekämpfung dieser Seuche. Besonders wichtig waren auch die Erläuterungen der „wichtigsten Gesetze und Verordnungen über die M a u l - u nd Klauenseuch e", die von Regierungsassessor S t u m p s in Büdingen gegeben wurden. Der Vorsitzende dankte nach der sehr Anregenden Aussprache über die gehörten Vorträge den Rednern Ünd ließ zum Schluß die Neuwahl für den verstorbenen Bürgermeister Reitz vornehmen, an dessen Stelle Beigeordneter Schmidt in Echzell gewählt wurde.
Gerichtssaat.
Darmstadt, 16. Dez. (Priv.-Telegr.) Der praktische Arzt Edmund Günther von Ober-Roden wurde heute von der Strafkammer wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit zu ri/2 Jahren Gefängnis verurteilt.
Verwischtes.
Ick. Eine Hochzeitsüberraschung. Ein reicher Franzose wollte jüngst bei der Hochzeitsseier feiner Tochter seine Gäste überraschen und stellte dazu die Schnelligkeit der Kinematographie in feine Dienste. Die Hochzeitstafel war eben zu Ende, gerade wollte man sich erheben, als der Brautvater seine Gäste bat, >roch einen Augenblick sitzen zu bleiben. Man erwartete nach eine Rede, aber plötzlich wurde das elektrische Licht ausgedreht, die Musik spielte einen Hochzeilsmar.ch und nun erschien an der Wand des Saales die wohlgelungene tinematographische Wiedergabe des Hochzeitszuges; die Brautführer und das Brautpaar schritten voran, dann folgte der lange Zug der Hochzeitsgäste, und jeder sah mit Befriedigung, wie gut gerade seine Aufnahme gelungen war. Schon war die Hälfte des Zuges zwischen der Menge der Zuschauer hindurch in der dunklen Kirchentür verschwunden, da unterbrach plötzlich rin erschreckter Ausruf die schweigende Bewunderung der Hochzettsgäste: „Wer Pauline!" Alles sieht einen Augenblick nach dem Sprecher und ertennt, wie jemand (natürlich Paulines Gatte) mit der Hand nach dem Bilde zeigt, uno nun sieht auch alles, wie Pauline sehr geschickt, doch nicht so geschickt, daß der mitleidlose Kinematograpd es nicht hätte leben können, einem Herrn des Zuges, der aber nicht ihr Gatte ist, ein Brieschen zusteckt.
* Eine Hinrichtung als Bühnenschanspiel. Dem „Tag" wird berichtet: Der itidt des naturalistischen Dramas hat in 'Zachon, der Hauptstadt des amerii". Staates Georgia, einen nicht
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