Ausgabe 
26.6.1911 Zweites Blatt
 
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ent- dem den die--

mit den Torfschönen den Schluß.

lieber Germersheim, Mannheim, die Bergstraße lang tarn das Regiment am 21. nach Darmstadt. Auf Exerzierplatz wurde durch Seine Königliche .Hoheit Großherzog die Division besichtigt, dann marschierte

Aus Hessen.

Justiz- und Berwaltungsfach. Man schreibt uns: Infolge des großen Andranges unterliegt das Staats- eramen für das Justiz- und Verwaltungsfach iminer schärfer werdenden Anforderungen. Im Dezember 1910 war be­stimmt worden, daß der Kandidat schon dann das Examen nicht bestanden habe, wenn er im Zivilrecht, int öffent­lichen Recht und im Strafrecht nicht genügende Leistungen aufweist. Durch eine neue Verordnung vom 31. Mai d. I. ist weiter festgesetzt worden, daß ein durchgefallener Kan­didat sich mindestens bis zur übernächsten Prüfung nach Anweisung des Ministeriums der Justiz weiter im Vor­bereitungsdienst beschäftigen muß; er verliert hiernach also ein ganzes Jahr. Die Wiederholung der Prüfung kann zweimal gestattet werden: man taitn demnach, wie schon seither, dreimal ins Examen gehen. Neu ist jedoch, daß ein drittes Examen nicht gestattet werden soll, wenn das Urteil der Prüfungskommission sich dahin ausspricht, daß der Kandidat hauptsächlich wegen m a n g e l n d e r B e f ä h i- g u n g die vorhergehenden beiden Prüfungen nicht bestanden habe. Eine gewisse Erleichterung kann mau darin sehen, daß es nunmehr den Kaitdidaten gestattet werden kann, sich einer beschränkten Nachprüfung in den Fächern des öfsent- licheit Rechts oder des. Strafrechts zu unterziehen. Diese Nachprüfung, zu der ein Antrag der Prüfungskommission erforderlich ist, findet dann schon bei der nächsten Staats­prüfung statt.

Die R e i ch s v e r s i ch e r u n g s o r d n u n g nebst Ein­führungsgesetz wird sofort nach Bekanntgabe der hessi­sch e it Ä usführungs u n d V o l l z u g s b e st i m - m it n g e n , mit eingehenden Erläuterungen, nebst einem ausführlichen Sachregister versehen, bearbeitet von Geh. Regierungsrat Dr. Dietz, Vorsitzender des Vorstandes der Laudesversicherungsanstalt Großh. Liessen in Darmstadt, im Berlage von I. Diemer in Mainz erscheinen.

Aus Staöt und Lnnd.

Gießen, 26. Juni 1911.

Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem geschäftSsührenden Vorsitzenden des Deutschen Kriegerbundes und Preußischen LandeSkriegeroerbandeS, Geh. Regierungsrat Dr. Alfr. Westphal zu Charlottenburg, das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Otto Roth aus Worfelden eine Lehrcr- 'ictle an der Gemeindeschule zu Worfelden; dem Lehrer Aug. Merz zuFränkisch-Crumbach eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule ztt Leeheim; dem SchulamtSaspiranten Gg. Gräf aus Dienheim eine Lehrerstelle an der Schule zu Gustavsburg (Gemeinde Ginsheim). Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Wernges. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden.

* * Aus dem Militär-Wochenblatt. Schreiber Gießen), Unterapotheker des Beurlaubtenstandes, zum Ober- apothekcr befördert.

vor vierzig Zähren.

Gießen, 26. Juni.

Leute vor 40 Jahren hatte inser Gießen einen großen Freudentag. Das 2. hessische Infanterie-Regiment kehrte aus dem Feldzug nach Frankreich rühm- und sieggekrönt in seine Heimatgarnison zurück, von der es etwa 11 Monate abwesend gewesen war.

Nachdem das Regiment seine letzten französischen Frie­densquartiere im Departement der Vogesen, östlich von Epinal, am 1. Juni verlassen hatte, überschritt es am 5. Juni die neuerworbene Grenze aus der Straße nach Saarburg nach Ausbringen eines Hochs aus den Kaiser unter den Klängen der Regimentsmusik und am 11. Juni wurde die alte deutsche Grenze bei Weißenburg erreicht. Major Hoffmann, der den mit Führung der 50. Brigade betrauten Oberst Krantz vertrat, hielt hier eine Ansprache, in der er auch mit warmen Worten der gefallenen, zum Teil in fremdem Boden zurückgelassenen Kameraden ge­dachte: bann wurden die ersten Quartiere in Alt-Deutsch­land bezogen.

Von der alten Grenze ab glich der Marsch einem Triumphzug. Allerorts war in den festlich geschmückten Städten imb Dörfern begeisterter Empfang. Kanonen schlüge, Glockengeläute, Ansprache des Pfarrers, Absingen derWacht am Rhein" durch die Schuljugend, Blumen- spenden, dargebracht von weißgekleideten Jungfrauen, waren das liebliche. Die Aufnahme in den Quartieren war die denkbar beste. Abends bildete meist ein Tänzchen

hatte, auf der Höhe der Klein-Lindener Chaussee. In dem­selben Augenblicke fangen alle Glocken der Stadt an zu läuten, die Geschütze donnern, und von dem Jubel der Menge begrüßt, mit einem Regen von Blumensträußen und Kränzen überschüttet, setzen die mit Eichenlaub ge- chmückten Truppen, deren Offiziere sämtlich mit Lorbeer­kränzen geziert waren, ihren Marsch bis zu der von der Stadt erbauten Ehrenpforte fort. Diese, ein Monstrum von Gebäude, ist ein Prachtwerk von Geschmack und Dekoration. Riesige Dimensionen, gepaart mit eleganter Ausstattung, wäre sie würdig zur photographischen Aufnahme, um sich auch in späteren Jahren am Anblick derselben zu erfreuen. An der Ehrenpforte wurden die Truppen von Herrn Bürger­meister Vogt im Namen der Stadt mit einer kurzen An- prache begrüßt und diese Ansprache von Herrn Oberst Kraus erwidert. An der Ehrenpforte seitwärts sahen wir leider auch die Kehrseite des frohen freudigen Festes: _bic armen Verwundeten und Verstümmelten nebst ihren Pfle- ;ern, plaziert. Doch um keinen Mißton zu erregen in lieser freudigen Stimmung wollen wir nicht länger bei ihnen verweilen und die nun entziehenden Helden in die Stadt begleiten. Dieselbe entwickelte eine Pracht, wie wir sie seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben. Jede Straße, jedes Gäßchen, so klein es auch war, hatte seinen Triumph­bogen, vom Selterstor bis zum Walltor, in größeren und kleineren Dimensionen, aufgebaut. Sinnige Sprüche, Transparente, lebende Bilder, wie die lieblichen Kinder- ''öpfe am Triumphbogen des Asterwegs, schmückten dieselben. Einzelne als die schönsten heranszugreifen, unterlassen wir, um andere nicht hintenan zu setzen: entsprangen sie doch alle der Liebe zu den Kriegern und alle aus dem einen Motiv, ihren einziehenden Helden zu zeigen, wie das .Hei­matland ihre Taten zu würdigen weiß. Die erste liebliche Erscheinung bot sich am Tore des Lazaretts, wo drei lieb­liche Kindergestalten die Sieger mit, Blumen und Kränzen begrüßten. Sodann ward dem Zuge auf dem Lindenplatz ein brillanter Empfang. Dieser Platz, unstreitig der am chönsten geschmückte, bot einen feenhaften Anblick dar. Un­gefähr ein Dutzend kleine Mädchen begrüßten hier die Ein- ziehendeu und hielt eine von ihnen eine kleine Anrede nebst lieb erreichten g eines Lorbeerkranzes an den Regimentskom­mandeur, welcher sichtlich gerührt auf's bewegteste dankte. Unter Hurra- und Hochrufen zogen sie nun weiter auf den Brandplatz. Der Einzug war hiermit beendet und die Soldaten erhielten ihre Quartierbillets.

Das Drängen und Treiben dauerte nun den ganzen Tag in der massenhaft überfüllten Stadt bis zum Abend, wo die Stadt sich recht eigentlich in ihr schönstes Kleid warf. Die Illumination übertraf, obgleich das Wetter durchaus nicht günstig für dieselbe war, da der heftig wehende Wind die Jlluminationslämpchen au.slöschte, den­noch alle vorhergegangenen an Pracht. Tas Erwachen Bar­barossas am Reiberscheit Hause machte einen überraschenden Effekt, wie denn die Masse der Transparente überhaupt einen wundervollen Anblick gewährte. Ter Lindenplatz war wie bei Tage so auch am Abende der Glanzpunkt der Stadt; man träumte sich in die Märchen vonTausend und eine Nacht" versetzt. Das stille harmonische Licht der BallonS und Lampen zwischen den Guirlanden, inmitten die siegende Germania, sowie der blendende Anblick des Hirschschen Hauses konnte in Wahrheit nichts besseres bieten, und müssen wir überhaupt der Veranstalterin der Dekoration des Lindenplatzes unseren herzlichen Dank spenden. Außer­dem verdient noch hervorgehoben zu werden: der Markt- Katz, die neue Anlage und das Schmallsche Haus in der Neustadt.

Was die Zirkulation am Abend betraf, so war dieselbe eine äußerst schwierige. Es macht«; sich hier namentlich die Mäusburg wieder geltend, wo es zuweilen absolut unmög­lich war, durchzukommen. Fuhr dann noch eine ober die andere Droschke dazwischen, dann gab es Stöße, Püffe und dergleichen, welche für die Beteiligten gerade nicht an­genehm waren. Dieses Drängen und Treiben dauerte bis gegen elf Uhr, wo sich die Stadt allmählich zur Ruhe begab.

Die Ordnung überhaupt während des Einzuges als auch den ganzen Tag über und am Abende war musterhaft und haben wir über feine Unzulässigkeiten zu klagen. Wir danken hiermit der ganzen Einwohnerschaft für ihr Ver­halten, welches als ein der Stadt würdiges bezeichnet wer­den muß und wie es auch allerseits anerkannt wurde.

Somit schloß eine Gießens würdige Feier, und mögen unsere heimgekehrten Sieger diese Feier mit den Gefühlen hin nehmen, mit denen wir sie ihnen dargebracht, aus freu­digem, dankerfülltem Herzen.

Mit der Rückkehr der Truppen in die Heimat erfolgte die Verleihung des hessischen Militär-Sanitäts-Kreuzes an nachstehende Gießener Einwohner, die sich unr die Pflege der verwundeten Krieger besonders verdient gemacht hatten:

Provinzialdirektor Julius Rinck Freiherrn von Stärck, Hofgerichtsrat August Friedrich David Völcker in Gießen, Rentner Georg Noll in Gießen, katholischen Pfarrer Jo­hannes Radh in Gießen, Regierungsrat Georg Haberkorn in Gießen, Gymnasiallehrer in Pension Dr. Diehl in Gießen, Freiherrn von Stein in Gießen, Fabrikant Ferdinand Gail in Gießen, Turnlehrer an der Realschule in Gießen, Christian Rübsamen, Hofgerichtsadvokaten Ottmar Weidig in Gießen, Frau des Professors Wilbrand, Albertine, in Gießen, Frau des Dekan Gustav Christian Karl Landmann in Gießen, Frau des Oberstaatsanwalts Dietz in Gießen, Professor Dr. Eugen Seitz in Gießen, Leutnant Julius Casimir Frank, "Adjutant bei der Etappenkommandautur zu Gießen, Feld­webel Peter Hofmann, praktischen Arzt Dr. Hermann Baur, Königlich Preußischen Major und Etappeninspeftor Eugen v. Randow, Kreisarzt und Medizinalrat Eduard Stammler.

selbe unter begeisterten Zurufen der aus dem ganzen Lande zusaminengeströmten Zuschauer in Darmstadt ein und vor Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog vorbei.

Ter Weitermarsch erfolgte in bequemen Tagesmärschen, wobei die Gegend von Neu-Isenburg, Friedberg und Butz­bach Gelegenheit hatten, die heimlehrenden Krieger zu be­grüßen und zu bewirten.

lieber den Empfang des Regiments in Gießen ent­hält der Gießener Anzeiger folgenden Bericht:

Einen festlicher erregten Tag, wie den 26. Juni, als der Einzugstag unseres zweiten Regiments, hat Gießen lange nicht gesehen, edtoit in aller Frühe strömten Scha­ren von Landleuten in die Stadt, die sämtlichen Bahnen waren außerordentlich frequentiert und namentlich die bei­den oberhessischen Bahnen waren in die Notwendigkeit ver­setzt, wegen Mangels an Personenwagen viele Passagiere in Güterwagen zu befördern. Tas Wetter schien sich zwar anfangs aufklären zu wollen, doch bald überzog der Himmel sich wieder und ließ von Zeit zu Zeit Regenschauer nieder­fallen. Doch dies tat der heiteren und festlichen Stimmung keinen Abdruck,. Gegen 9 Uhr zogen die vereinigten Körper­schaften, wie Feuerwehren, Gesangvereine usw nebst einer ungeheuren Menge anderer Personen dem anrückenden Regi- menl nach Kleinlinden entgegen. Endlich um ,10 Uhr erschien die Spitze des Zuges, der das Regiment cingeholt

fätze aut Malz g erste, Weizen, Roggen und Hafer wird sich die dnttsck'- Regierung bei künftigen .Handelsvertragsverhandlungen aber schwerlich einlassen.

Von den übrigen Rohprodukten, die wir aus Rußland beziehen, gehen viele zollfrei bei uns ein, so z. B. Flackis, Hanf, Leinsaat, rohe Haute und Felle, Borsten, Erze, lebende Gänse usw. Außer­dem sind zollfrei Kleie, Oelkuchen und dergl. Zu den zollpstichtigeu «Artikeln unserer Einsuhr aus Rußland zählen Butter, Eier, Sckw'eine, Mais, Pferde, Hülsenfrüchte, Nutzholz, MinerÄöl, Ka­viar usw. Ob für den einen oder anderen dieser Artikel eine 'Zollermäßigung herauszuschlagen sein wird, ist sehr fraglich. Ter russischen Regierung wird bei den künftigen Vertragsverhandlungen begreistich zu machen sein, daß Deutschland bei weitem der er­giebigste Absatzmartt für die russischen Produkte, ist und bleibt, lund daß eigentlich unsere Ausfuhr nach Rußland in einem recht ungünstigen Verhältnis steht zu unserer Einfuhr aus Rußland. Im Jahre 1910 haben wir aus Rußland (ohne Finnland) für 1387 Millionen Mark Waren eingeführt, innere "Ausfuhr nach Rußland batte dagegen nur einen Wert von 547 Millionen Mark. Die Einfuhr ist also um mehr als 150 Prozent größer als die Ausfuhr. Tas liegt zum großen Teil an den die Ausfuhr nach Rußland erschwerenden hohe n Z o l 1 s ä tz e n des r u s Hl' ch e n Tarifs. Dazu kommt, daß die russische Handtzlsstatistik, auf die sich natürlich die russische Regierung bei den Pertragsverhand- lungcn stützt, ein ganz falsches Bild über den deutsch-russischen Handelsverkehr gibt. In den ersten drei Monaten des lausenden Jahres hat z. B. der Versand von Weizen und Roggen aus Ruß­land nach Teutschland betragen:

nach der deutschen nach der russischen Statistik Statistik

Weizen 376081 t 91 820 t

Roggen....... 101575 t 52 310 t

Die russische Statistik schreibt nämlich alle Sendungen, die Nicht direkt, sondern auf dem Wege über Belgien, Holland usw. nach Deutschland gehen, nicht als Ausfuhr nach Deutschland, sondern als Ausfuhr nach Belgien, Holland usw. an.

* Der Bismarck -Fackelzug der Gießener Studentenschaft findet heute statt. Der Zug geht durch die Kaiser-Allee, Ludmigstraße, Bleichstraße, Löberstraße, Bismarckstraße, Süd-Anlage, Neuenweg, Seltersweg, West- Anlage hinaus zur Hardt. An die Huldigung an der Bismarcksäule schließt sich ein Kommers an.

* * Der Ertrag der städtischen Kirschenernte. Am Samstag wurde die städtische Kirschenernte versteigert. Für die vier Lose ivurden 86, 40, 59 und 161 Mk., zn-- ammen 346 Mk. geboten. Hierauf wurde die gesamte Ernte ausgeboten und dafür 433 Mark erlöst. Steigerer war R. Mas«. Für die Kirschenbäume am Lärchenwäldchen wurden 1,60 Mk. gelost.

* ' Evangel. Arbeiterverein Gießen. In der ordentlichen Hauptversammlung der Baugenossen­schaft am 24. teilte Direktor Doering zunächst mit, daß der in der außerordentlichen Versammlung am 19. Januar zugewählte Professor KranSmüller zum Vorsitzenden deS Auf­sichtsrates bestellt tuorben sei. Er wies ferner darauf hin, wenn auch die Genossenschaft nach dem in derselben Ver­sammlung einstimmig beschlossenen Verkauf des Grundstückes am Erdkauter Weg zurzeit kein zu bebauendes Gelände mehr besitze, so sei dadurch die Bautätigkeit keineswegs eingestellt; auf Wunsch werde jederzeit versucht werden, Gelände ztl erwerben. Die Geschäftstätigkeit hat im vergangenen Jahre einen Gewinn von 1369,16 Mk. erbracht, von welcher Summe 10 Prozent dem Reservefonds und 705,76 Mk. dem Spezial- Reservefonds zugeführt und außerdem, wie seither, eine 4prozentige Dividende ausgeschüttet mürbe. Die Elisabethen- Kleinkinderschule wird von 80 90 Kindern besucht. Die Einnahmen waren 2738,91 Mk.; sowohl die Stadt- wie die Sparkasse haben ihre Zuschüsse erhöht, die Ltlkasgemcinde da­gegen hat den seitherigen Zuschuß zurückgezogen, wohl infolge eines Mißverständnisses.

* Die alten Postanweisungs-Formulare ohne Quittungsanhang sind nach einer Bekanntmachung des NeichS- postamteS bis zum 30. Juni ds. IS., also nur noch wenige Tage, in Gültigkeit. Ob nach dem 30. Juni die alten Formulare mit eingedruckter Marke von der Post mngetanscht werden, ist nicht gesagt. Trotzdem tvird man gut tun, sie entweder noch zu verwenden ober gegen neue Formulare um­zutauschen, um später keine Weitläufigkeiten 511 bekommen.

*' Die beiden neuen Wagen unse rer Straßen-- bahn führen die Nummern 15 und 16 und sind ganz nach dem Typ der anderen Wagen gebaut. Nur sind die Zu­gänge nach den Plattformen vorn und hinten durch Schiebe­türen geschlossen. Zweifellos sind die Fahrgäste durch diese Neuerung gegen die Unbill deS Wetters, besonbers gegen Zugluft, so gut geschützt wie im Innern des Wagens, ob die Einrichtung sich bewähren wird, muß abgewartet werden. Wenn dies aber der Fall ist, sollen die älteren Wagen auch mit diesen Türen versehen werden. Die neuen Wagen werden noch im Laufe dieser Woche in den Verkehr gestellt werden.

Hessen-Nassau.

N. B. Wiesbaden, 25. Juni. Die Versammlung der Ausschüsse für daS B i s m a r ck - N a t i 0 n a 1 d e n 1 > mal auf der Elisenhöhc bei Bingerbrück tagte am Samstag bis zum Abend. Die Sitzttng des großen Ausschusses im Konzertsaal des Kurhauses wurde von Staatsminister Frbr». v. Rheinbabcn eröffnet, der einen Gruß des Reichs- lanzlers v. B e t h m a n n - H 0 l l w e g überbrachte. In erst wurde nach den Vorschlägen der einzelnen LandeSausschüfse die Zuwahl von 5 Mitgliedern zum großen Kuustansschuß vorgenommen. Aus geschieden wurde darauf aus der Beratung unter allgemeiner Zustimmung die P latzfragc, da sowohl die politischen Erwägungen, daß die Lage der Elisenhöhe ein bedeutsames Bindeglied der süddeutschen und norddeutschen Volksstämme bilde, als auch die großen, schon für den Grunderwerb ausgegebencn Summen eine Aende- ruug der wiederholt beschlossenen Stelle ausschließen. In Uebereinstimmung mit den sodann mit überwiegender Mehr­heit der Versammlung fuiibgegcbertcu Anschauungen wurde in der sich anschließenden Sitzung des Entscheidungs-Aus­schusses (großer Kunstausschuß) einstimmig folgender Beschluß gefaßt:Der große Kunstausschuß erkennt dankbar und in vollem Maße die künstlerische Würdigung an, welche seitens der Jury den Entwürfen, insbesondere dem an erster Stelle prämiierten (Hahn-Bestelmcycrschen 1 Entwurf zuteil geworden ist. Um zu einer Klärung und Verständi­gung zu gelangen, soll den seitens des Preisgerichts aus­gezeichneten Künstlern Gelegenheit zu einer weiteren Durcharbeitung ihrer Entwürfe gegeben werden. Bei dieser Gelegenheit sollen die Künstler darauf aufmerk­sam gemacht werden, daß gegenüber den preisgekrönten Entwürfen in weiteren Kreisen der Wunsch laut geworden ist, in dem Denkmal die Person Bismarcks mehr zur Er­scheinung zu bringen. Uebcr die zu erwartenden umgearbei­teten Entwürfe sollen vorbehaltlich der endgültigen ^Ent­schließung des Entscheidungsausschusses zunächst nochmals Jury und Kunstausschuß gehört werden." Als Termin für die Einsendung der abgeänderten Entwürfe wurde der 1. No­vember d. I. bestimmt.

Provirizial-Ausschutz der Provinz Oberheffen.

L. Gießen, 24. Juni.

Anwesend: Provinzialdirektor Dr. Usinger als Vorsitzender, 5 Mitglieder und 2 Ersatzmitglieder.

Anfang 9 Uhr» Ende I1/2 Uhr.

1. Enteignung von Gelände in Gemarkung Ober-Efchbach zur Erbauung einer Nebenbahn von Heddernheim nach H 0 m b u r g v. d. H. Tic Frank­furter Lokalbahn-Aktiengesellschaft zu Frankfurt n. Ni. hat als Unternehmerin die Hinterlegung der zuerkanntcn Entschädigungen nachgewiesen und den Ausspruch der Enteignung beantragt. Diesem Antrag wurde entsprochen.

2. Gesuch des Müllers I. H. S ch u d t z u Klein- Karben um Genehmigung der Erhöhung eines W c hr a u f sa tze s. Um seine Wasserkraft besser ausnutzen zu können, will der Gesuchsteller einen beweglichen Wehraufsatz an­bringen und damit bei nichtigem Wasserstand flauen. Während der Offenlegung des Konzessionsgesuches liefen Einsprüche von den Gemeinden Dortelweil, Groß- und Klein-Karben sowie den Müllern Brückmann-Tögelmühle und Amend-Scharmühle ein. Die Ge­meinden fürchteten eine Erhöhung des Grundwasserspiegels und hieraus entstehend eine Versumpfung ihres Geländes, während die beiden Müller behaupteten, in ihrem Betrieb gehindert zu sein, wenn dem Gesuch entsprochen werde. Der Kreisausschuß des Kreises Friedberg gab dem Gesuch statt, indem er zum Schutze der Anlieger eine Reihe von Bedingungen festsetzte. Gegen das Urteil des Nreisausschusses rekurrierten die Genannten an den Provinzial-Ausschuß. Durch eine Kommission ließ dieser zu­nächst Augenschein an Ort und Stelle nehmen. Auf Grund dieser und der heutigen Verhandlung beschloß der Provinzial-Ausfckuiß den Rekurs der Gemeinden Dortelweil, Groß und Klein Karven und des Millers Brückmann als unbegründet^ den des MüllcxZ