Ausgabe 
26.6.1911 Zweites Blatt
 
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Nr. HZ

Erschein! täglich mit Ausnahme des sonntags.

T«e ^Sletzener Komilienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegl, das Kreisblalt (fir den Krtls Hießen" zweimal wöchentlich. Tie ..candwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Zweites Blatt 16(. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Montag, 26. )uni HU

Rotation-druck und Verlag der Brübl'schen UnioersuätS - Buch- und StrinbnidcccL

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition unb 2 nirfcrei: Schul- fimüc 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: I IS. Tel.-Adr.: .'tnzeigerGießen»

$taatlid)c Grwerbztatigkeit.

Während da - Teulscin Heidi zur Bestreitung feiner Ausgaben vorwiegend auf /.olle und Steuer» angewiesen 'st- bilden bet den meisten deutschen Bundesstaaten die Er werb-3anstalten die .vauptcimiahnicqiiellc Rach bcn Vor- anschlägen für 1910 stellen die Erwerbseinkünfte des Reimes rund .'>1 Prozent, der Bundesstaaten etwa <-8 Prozent der gesamten Reims bziv Staatseinnahmen dar. Tic Roh und Reinerträge de. Ermerbsanstaitcn fetzen sich nach den Voranschlägen für 1910 wie folgt zusammen (in Millionen Mark):

Roherträge Reinerträge Reich ^"ndes- Bundes- - w uaaleu * itaaten

aus Romanen..... 69,1 32,6

, Forsten...... 262,8 136.3

- Bergwerken..... 348,9 25,1

, Eisenbahnen..... 122,3 271«,U 16,1 635,6

, Poll und Telegraph . . 702,2 101,6 62,0 22 3

, ionstigen Betrieben . 47,9 241,9 38,0 41«

zuj. ö72,4 3742,3 116,1 "93,7

311 den kleineren Bundesstaaten gehen die Erwerbs cinfünfte der Hauptsache nach aus dem alten Tomäncnbcsitz hervor. Dagegen find im Reich, in Preußen, Bayern, wachsen, Württemberg, Baden, .<?cffen, Vierf(e 11 b 11 rg Sduvc rin und Oldenburg die alten privatwirlfchastlichcn Ein­nahmen an Bedentnng weit überholt bind) die Ertrage der modernen Verkehrsanstalten, der Eisenbahnen, und im Reich, in Bayern und Württemberg der Poft und Tclc graphie. Tie Staatseifenbahnen bringen in Preußen und Oldenburg mehr als die xuilftc der i>rbciitlid)cn Staats­einnahmen, in Bayern, Sachfen, Württemberg, Baden, dessen und Mecklenburg-Schwerin 39 bis 50 Prozent. Tein Reid) liefern die Eisenbahnen nur 1,3 Prozent, Post unb Telegraph dagegen 21,7 aller ordentlichen Staatseinnahmen; Bayern zieht aus Post und Telegraphie 72,1, Württem­berg 29,5 Millionen Mark. Aus Bergwerken und übn- lichen Betrieben beziehen zwölf Bundesstaaten Einlünitc, die absolut höchsten Preußen mit 282,1 Mill. Mark, die relativ (b. i. im Verhältnis zu bcn gesamten ordentlichen Staatseinnahmen höchsten Anhalt mit I8-/3 Prozent Zu bcn sonstigen Erwerbseinkünften des Reichs unb ber Bun­desstaaten gehören u. a. die Einnahmen aus der Reid>s drudcrei, ber Anteil be? Reichs am Geschäfts- gewinn ber Rcicysbank unb desReichsanzeigers", die Ein nahmen der Bundesstaaten aus Bauten, gcwcrblidicn Zn- [titutcii Porzelianmanusaltui, .Eosbräuhans, Tabatmanu- jaltur usw. >, aus Staatsdampfschifiahrt, Münze, Zciiungs wesen, Mincralbriinncn, Bädern und Staatslotterien.

Tic vorstehenden Taten beziehen sich überall auf bic Roherträge. Was die in der obigen Tabelle angegebenen Reinerträge betrifft, so stellen sie, wie bei.- Kaiserliche Stau stische Amt in seiner Zusammenstellung über bic Finanzen des Reichs unb der Bundesstaaten der diese Taten cm nominell sind hervorhebt, leine Reinerträge im lauf» niänuifdjcii Sinne dar. Um diese zu erhalten, wären vor allem die .st ost en Zins, Tilgung usw für die auf die be­treffenden Anstalten ucnuenbeien Kapitalien auszuscheiden. Alsdann würden als beiläufiges Reinerträgnis z. B. der Reichseisenbahnen 5,9 Mill. Mk., der Staatseisenbahnen 269,3 Mill. Mk. verbleiben. Aus der obigen Tabelle ergibt sich, daß im Reich 86,7 Prozent der Rohem nahmen aus den Erwerbsanstallen von den Ausgaben verschlungen werden, in den Bundesstaaten nur 76,1 Prozent; speziell in Preußen betragen die Ausgaben Prozent. Zieht man vcrglcidis weije die Erträge ber Vorjahre heran, so ergibt sich für die Roheinnahmen aus den Erwerbsaiistatten im Reid) und in den Bundesstaaten zusammen innerhalb des Zeitraums

1904 bis 1910 eine Steigerung um 3\3 Prozent Bei den ^taatseisenbahuen.ist in bieiem Zeitraum ber Rohertrag um 33,6 Prozent gestiegen.

politische Lcrgcssci'au.

TaS eine tun, aber das andere nicht lasten.

Sd ul- und Gtemebibcomra.: ungen l aben die Notwendigkeit sozialer Fürsorge der Bolksschuljugeiic» gegenüber erkannt unb suchen diese Erkennrnis auf mannigiad)c Weife zu budhq n torofe Summen werden vermanbt für Speisung armer Minder, Ferienkolonien, Sincle und Wanderung n. Vandfcrijgteits 11 no VaushaltungsuMerrickt, Minbcrhcime unb .Hnabcnborn, für Wald schulen. Schulen für Schtvachbcsül uitc und nicht Volliinitige, iür Schulärzre, Schulzalnrllinden, orthopädisches Turnen 11 c Ber anftaltuiigrn. Zeder Bolksfreund wird derartige Bestrebungen mit Freuden aneilcnitrn. Allein, man braucht nidit zu den Leuicn zu gehören, die bcn Wagen idjon wieder bremien wollen, wenn er uodi bcigaui iähri, unb kann doch in den gcnaiiiueii '?litfgabcn unb Ausgaben die Gefahr crblicfen, daß durd)-sic der Schwer vunl: in der Sorge für die Volksschule verschoben, das Augenmerk von der Hauptsache abgelenkt wird. Unb diese Hauptsache ift: X) c r a b f c 6 u n g der S d> 111 c r i a l) 1 in den B 0 i 1 0 s cf) 111- klaffen. Zmmcr höhere Anforderungen werden in erziehlicher unb nntcrrid;ilid'cr Beziehung an Cie Vollsschine gestellt: n soll den Schülern ein möglichst vollkommenes Rüstzeug iür bcn erschwertenMarnps ums Taseni mitgcben. Wie aber kann sie dieses Ziel erreichen, wc.in in bcn st lassen 60, 70, 80 unb mehr Hin bei ii&cn? Tic ('hunbm&c:Berücksichtige bic Eigenart d.i st in der", ,,Widme deine Miau besonders den schwachen" werden da zum leeren Wortgcklingel. An die Stelle einet lebenweckenden. Selbst tätig leit und Selbünnbigfcit der Sri ater fördernden, du Grund lagen nie freie PersonlichteitSentwicklung id isfenden Unterrichts mit gar zu leicht Sd'abloniiiernng, Trüi. Zwischen der Einsicht und dem Tun des ürlyrcrliegt dann ein Meer und auf feinem Grunde i?;c gcfcheilcrtc pädagogische Ucbcrzcugung.Mcnfchcn Quälerei" hni ja ivolst der staijer bic Arbeit in solchen übervollen stlasscn genannt. Sonst ist man so schnell bei der Äjanb, An­regungen, Wünsche, die non ihm ausgehen, zu ocrivirUidicn. Warum madt die .Herabsetzung des Schülerbcstandcs eine Aus nähme? Warum mnrfdncri man hier nndi dem Liede: Rur immer langiant voran? Soviel ist sicher: der beste Gradmesser für ein tat.iaingcs Wohlwollen aus dem (Gebiete der Bolisichulc ist du .Mlaffcnficqucn:,. Zst sie hoch, huldigt man ber Ansicht, aus ein lanr Sdiülcr mehr oder weniger komme es nidit an, io wirb dieser bebenlüdic Mangel nicht ausgcAlich.n durch allerlei Aus Wendungen sür andere Zwecke der Jugend'iirsorgc. Za, der un- btiangcnc Beurteiler kann iid» dann des Gedankens nidit erwehren, daß ioldK Ausgaben mehr dem Aufputz 11 ad) außen dienen, wenn nid't gar Mode oder Sportbetrieb ein Wort mitsprechen. Tic Sdale will man vergolden: den stern ndftet man geringer. So loll es nidit sein, sondern: das eine - soziale Fürwrge tun, aber darunter das Wichtigste - die normale Besetzung der Klassen nicht leiden lassen!

Tie Militarisierung der russischen Jugend.

Ter in dieser Woche gefaßte Beschluß des Ministerrats, die Bildung von st u a b c 11 a b t c i 1 u n g c 11 bis n m Aller von f ü n s z c h n I a 1) r c n zwecks militäri­scher A usbi 1 dun g int ganzen Lanbe dnrchzuführcn, ist durchaus nicht so harmlos, wie es in Westeuropa er scheinen könnte. Wer iid) darunter die in den stultnr ländern iiblichc gymnastische Vorbildung denkt, der tdufd)t |id) über den Zweck der Reuerung. Zn Wirllidfkcil sollen ans diese Weise zwölf-, dreizehnjährige oder noch jüngere Schuljungen zu waschechten Soldaten gedrillt und vor allem mitecht rujsischem Geist" durchtränkt werden. Wie weit dabei der Trill gehen soll, bewies soeben ein aus dem Gouvernement Zekatcriuoslaw gemeldeter Vorfall. Tort fand auf der Station Losowojö nach einer Trainierang, die eine Woche hindurd) angcbaitcrt hatte, eine militärische Revue und Parade von 640 Hindern des Eisenbahnperfonais statt. Ta gab es infolge Ucbcronftrcngung zahlreiche £hii

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machtsonfätte, so daß eine Reihe dieser Huibcr in deivustt- losem Zustand in bic nahenc enben Eisenbahnwagen fort- getragen werben mußte

Tast bic Bildung saldier fuge üblichen stompagnicn mit bem S d) 11 (11 n t c r r i d) 1 in keinem Z u s a m m e u - Hang stehen soll, dafür hat bic Regierung durch bie Be­stimmung gesorgt, baß sic nidit bem Unterricht: . sondern bem .Hricaslniniücilum zu unterstehen hoben Damit hat also bas Ministerkabinett bcn Riß in ber gesamten Z irgend erziehung rudfid)tvlo faiiltionicrt .Heben bem Lehrer soll jeder Hnave einen Sssizier oder Fclbwcvek über sidi haben und so in die ticic Tncaric demtrussischen" Patriotismus cingewcilu werden Tic russische Regierung vertraut eben nicht dem Geist der teilweise fr Uieitiiä) gciiiuitcii Lehrer- sd)ast unb sucht nun in dem militärisdien Trill einen Aus- weg. Sic sinkt aber damit immer mehr auf bic schiefe Ebene herab. Rod; vor zwei Fahren hatte sie in ihrem offiziellen £rgau bic von einem gewissen Lutzkeioilich propa­gierten Militarisierungsplane niu- bcitigfte verspottet. Zcyr aber gewährt sic nicht mir bcufclbcn Planen, bic )ic von, bcn cd)tcn Russen in volle Abhängigkeit bringen, ihre volle Sanktion, nein, sic stellt ihnen ihren' iiaailtdicn Apparat zu milontroltierbnrcr Benu ning zur Verfügung.

Wie cs heißt, soll Stvlppin nur unter schwerem Truck bes >>ofes dazu seine Zustimmung gegeben haben. Ter Zar selbst ist für bic jugendlichen .Hompagnien begeistert und hat ihnen nud) bei mannigfachen Gelegenheiten seine S?ulb ausgebrückt. Daher resultiert ivohl ber Umschwung im Verhalten bes Ministerkabinetts

Rachbem aber diepatriotischen" Tendenzen and) auf dieson Gebiet gesiegt haben, wird es einzelnenechtrussi­schen" Herren bereits angst 1111O bange um ihr Schmerzens­kind. Welche Sicherheit besitzen sie, daß bic jugendlichen .Hompagnien nicht in eine, revolutionäre Minz sidi ver­wandeln werden'? Tai um'warnen sie schon selbst bic Re­gierung, nur ia dafür Vorsorge zu ireifen, daß keineun­berufenen" Elemente in bic beabsichtigte militärische Hinöcr- erziehung sicks ein mischen sollen. Wie lächerlich! Als ob nicht aus bcn patriotischen Hreifen unb Znstitnten oft genug gerade nitrarcüolittionarc hciuorgcgangcn find' Aus bcn Geist kommt es an. Wie wenig davon hat aber überhaupt der rusfisd)c Patriotismus zu vergeben?!

Rußland und öic yanvelsvcrlrage.

Rußland trifft, n 1 unwlk .re, jd] 11 mu BvrberiilungcN für den Abschluß neun vanccin nifd.u, iii.wcioiwnc mit Tcuiidi- lanb unö £'cfierrcuh Ungarn. Tic nlügen Verträge lönnen falbe» stcns uim Zähre 1917 bezw 1915 gelündigt werden. Sic lauten unverändert nn-ilcr, solange eine Kündigung nicht ersolgt. äs fcheiin, daß man in Rußland die Absid 1 - it, d.ii iiühcltcn Termin zur jlünbiguno zu benutzen. Man will nanilich, ioeziell Tnii'w lant» gegenüber, Erlcidiiermigen für die 'lussul'i rufiiidin Roll produlie zu erlangen fud)en und ist, wenn die beirn enden Zcitungs« mdbuiigen richtig sind, bereit, ais oii , Meinung dafür iieiidü.bciu Konzesiioncn für die Ginfuhi Ccuifd . 7> iiul.ii. ua.i Rußlank» zu mad'cn. Unter Rohprobiillcn, bereu 'Mu mljv nach Tcutfd:- laut) crlcidücri werdni soll, laut in ,) . ')aiivt'ad) nur e treibe gemeint »ein, da: imgcfnln 1» Lroicut unicrcr Eiiisuur aus Rußland nusnindH. Was Ruylanb bei den kiinftigen Handels vertragsverlfandlungen anurebfn will, würde al io 111 erster Linie eine herobictzuug der öeuiidKit'Wctvei'e.iollc icüL Vorzugsweise führen imr Gerste und Weizen aus Ruvland em, geringer ut bie

land bezogen: Fuiiergcrye 2 741 Ul 1 Toftncn, Malzgcrße 93 O Tonnen, Weizen 1498880 Tonnen, Roggen 35su71 Tonnen, Hafer 409 117 Tannen. Ter bemsu. Eingangszoll beträgt »m Zmtergerste 1"> Mt, iür Malzgerste 10 M' , für Weizen :"tk., iür Roggen und .wer 50 Ml. pro Tonne. Für Auoergcrftc ist Dcmnadi der Zoll ichoit jetzt iebr niedrig bcmciitu. Tn Sau von 13 Mk. ist seinerzeit gerade Ul oem Handelsvertrag mit Rußland vereinbart worden Am eine .vcrabicöiing der Zoll»

Paul Wallot.

Zu seinem 70. Geburtstag.)

Weite Areifc des deutschen Volles werden am 26. 3uni des Mannes geöenten, der den monnment.ilen Rcidistagsbau Zchus Wallot int fein Lcbcnlang rüstig gearbeitet, aber auch bcn Segen der Arbeit in reicher Fülle genonen. Geboren am 26. 5uni 1^41 ÄH £ pve n 11 e i m a. Rb. als der oicric Sohn eines Weinbändl.rs, vorgebildet ain bei VollSschulc der Baterstabt, 110 ei in der für Handwerker ringend teten Sonnt jQsid'uIc bcn einen Umerridit im Zeichnen ciTiclt, bann Sd'ülcr der Real- und bei Gcwerbeidiule zu T a cm st ad!, ciitsd'toß er 'ich in seinem acht leimten Lebens jal)rc trotz seiner starten Reigung zur Malerei, Ard'ikckt zu werden. 'Radi längeren St übten aus dem Polylcchnisitm zu Hannover, der Baualadcnnc zu Berlin und der Uniüci'iiäi 5 u Gießen, wo damals .-bofbaurat Professor Ti. >?. v. 1 r g e .1, d. 1 Wieder Hersteller der Wartburg, den Unterricht m der Ärdrilettiic er teilte, legte er oie erste bqiidv Staatsprüfung ab, ber ein kurzer Auf en t ball in München unb eine Beid .itigung als hessischer Baua ! zes 1 i ft in Tavm ft a ö 1 folgten. Zm Trang nadi ver­tiefter Ausbilbuitg war er binnen Zahn, ui st wieder 111 Berlin, um nodinalo die Bauakademie zu besuchen Radieinander sano er dann Ausnahme in den Ateliers von Martin Gropius, 'Jiidjarb üueä und Eduard hitzig Bei Eitzig war er porzugLweiie mit deut Eniwuric des Palastes Hronbcrg in Warschau bcichästigt.

Ter Lehrzeit folgte schnell die Meisterschaf 1. Bereits im Zahic !868 eröffnete Wallot, von einer Stubicnreii uadi Ober Italien uirudgcrel'.rt, eine .Hunfimcrlftättc in Frankfurt n. Eine crfolgrcid)c Praxis begann, in bereit Verlauf er o^oetbcÄ Vatcrstai'i manches ft.ntlidic unb eigenariige Wolin und föeschäns Haus bescherte. Seine angestrengte Tätiglcit binderte ihn nidit, ndi an Hervorragenden Honlurrenzen zu beteiligen und io jeder Holt Reisen nadi Ztalicn, England und Ärauhcid) zu unicrncbmeit. Tic Schöpsuiigcii bei italtcnifdxn !dochrenaissaiice, besonders die stolzen, lebciissicudigeit Bauten des Palladro unb Sanmidul: in Vicenza und Verona, übten dauernde Wiitnng auf ibn aus: sie verlieb sei not H onlurr. uzen twü. fen große, üilvolk Au'fassuitg und sicherte ihnen den Sieg. So wurde ihm die Auszeichnung zuteil, 5um engeren Wettbewerb um das R i e d e r wa l dd c n l mal Herangezögen unb für bcn schönen Entwurf zur Friedhofs- üiilagc bei der Kreuzkirdfe m Dresden mit dem ersten Preise, für den fein bnid'fad:tcn Eittwui' zur ausgedehnten B a h 11 h 0 i - a n l a g e 111 Z r a 11 f f 11 r t a. M. nut dem zweiten Preis und für den reizvollen Plan zur Stcvbanicnbrücke m Wien im cuim mit einem Preise bebadit zu werden. Aber die Mtohc ber Erfolge hübete ber Sieg im Wettbewerb um bas Haus des Tcuiidcn Reichstages: unter 189 Entwürfen wurde ber von Wal lot für bic beste Leistung erklärt. Der Sieger erhielt neben dem ersten Preis von 15 000 Mark nach ücridjicbcncn Acndcrungcn

seines Emwuries am 18. Zuni lh83 den Ait'trag zur Ausführung Baues Am 9. Juni 1884 konnte, nadjt m nochmals ver

fchiedenc lltuiranbluitgcn der Pläne itattgeiunbcii hatten, durch Mailii" Wilhelm 1. bic Grundsteinlegung und am >. Tezember 1894 burd) Mail er Wilhelm i. bi. curlid; Schlußstciuleguiig geschehen Dem .Hünfllcr war seine Ausgabe nidit leicht gemacht worden, denn er barte bei ihrer Turchführung, besonders bei der Festlegung unb Ausgestaltung bei Huppci, fünftIctüdi sehr wenig begrünbeten Wünsthcn ausschlaggebender Faktoren Rechnung zu tragen. Tcnnod) gelang es ihm, dem Bau eine stolze Monumental ivirhntg zu sichern. Radi Vollendung der bcbcutciiDcn Schöpfmig ivurbcn Wal lot iihlrcidic Eliruugen zuteil: Der Kaiser verlieh ihm den TitelGeb Baurat", bic Akademie des Bauwesens er­nannte ihn zu ihrem äußeren ärmlichen Mitglied, die Untrer fität Gictzen promovierte ibn zum EHrenbottor und der Ber­liner 'Jlrdmciiciivercin trug ihm die Ehreumiigliedscbaft an. Schon vor Schlußsteinlegung des Ban.s iiat er a.< Professor sür Monn nteuialard ticltur an bi. .Kunstakademie nadi T r cebcji bcnif.it worden. Zm Cltobcr 1894 trat er feine Lehrtätigkeit an, in deren Verlauf er eine Reihe begabter tun er belang' bildet l>at. Erst vor wenigen Monaten Hat er int Wunsch nach Ruhe feine P r 0 jefiur a ui gegeben. Was er in Dresden als Architekt im Auftrag des Staates geleistet, wie er übcrljauvt bic Mu 11 ft und bas Munstgcwcrbc gefordert, insbesondere den Rubin bcutiQKV Baukunst luciihin verbreitet und als uglicb lahlrcidj . Preis­gerichte ausgezeichneten Einfluß ausgeübt hat, ro.iii jeder Mündige. 'Viögc bem tveiflichc» Mann unb Münftler ein langer unb heiterer Lebensabend bcschieden sein!

Ein ucucntbctftcr Mci ster des d e u t s ch n Rokoko. Ti bildende Munn bes 18. Jahrhunderts, bic io lange nicht beamtet, ionbern verachtet wurde, beginnt nun eine fröhliche und herrliche Auferstehung ;n erleben. Tie wuchiigen Gestalten großer Baumeister, eines R c 11 m a n it, Welsch, Stengel, reden sich mächtig empor in den stolzen Meisterwerken, die überall in deutschen Landen von ihnen geschanen nnirb 11: ein reiches >?ccr von PnbHaucrii, Stuitunitlcrn unD Munftgcnxrbi n aller Art umgibt iu*. '..ur in ber M alerci fehlten uns bisher bic bcbcutenben Persönlidfkciten, die sich bei festlichen Größe biescr Zeit ciniiigteii. Ruit iubrt eine glückliche Entdedung des Schweriner Mliicuinsdirektors 4.-ro- Ernst Sieinntann den bebeiitcnbc Maiei hervorbringen konnte em solcher Meister, ber sieb über bie bannte 10 allgemeine Nachahmung der Frcniben zu eigenen tüiisilcrifchcn 'Werten durdirang, ist Georg David Matthieii, dessen völlig DcridwlUne Per'öttllchtcit Steinmann Durch eine Ausstellung im Schweriner Museum wieder lebendig gemad'i hat und von bem er in einem 811 nah des Cicerone erzählt. Matthiens Lcbensgeschichle ist lurz und arm an äußeren Erled-

niffeu. Er stammt aus einer Miinfthriamilie alle seine Bluts- vcrtwiibtcii, Männer wie Frauen, übten bic Malerei und wurde 1737 in Berlin.geboren. Semm Namen nainn der Welt dum erstenmal Goethcf, als er schrieb, iifhicu fei 1762 mit gackert ui Straliunb uttd Rügen gewesen. Zivei ZaHre später ist per jung Male, bcreiis dem Eerzog von Redlenburg verpilichtet, in Ludwigslust und Schwerin ivielt iidi sein Leben nun ab, allein Damit ausgcfüllt, immer wieder den »erzog und feine Gemahlin, die Prinzen und Prinzessinnen von Geblüt, die vci ren uno Tanten vom Yotc in farbigen Porträts sestzui altni. .'Ils er 1778 ft jrb, er eine große, wunder.wllc lo:iiiiiä Hcgabmig b u|,, vcrfüiireii, feine Bilder heut- noch so laut wie am ersten Tag, ja vi 11 eicht noch lauter, denn für gewisse «eine Fardenjymphvnün seiner Werte sind uns erst burd« oeu imprefsionismus bic Augen geith.irb worden. Co ist gelungen, ncgcn 50 datierte ober fcitierbatc Gemälde '.'caUhieus seiizus! .-en, disii nod) eine Anzahl wn- batierter Bilber, Pastelle. Miniaturen, b .nähr ^olziigu« ,1, 20 £itginalrabicrungni und nie JJi ngc Zeichnungen. Sir lassen seine Entwicklung überblicken, bie außerordentlich schnell zu.mcr

dem Bild des Freiherr'! Earl Sp.irn, m der piychologischen 7.. m- bcri der Züge, wie in der koloristischen Grazie des Anzugs eine bcn Seide, ber teilbaren Spitzenfluten, der die iirtlidu VInmut des Hotete in allen Feinheiten d.i M.cidung auszutoitcn wußte, besä- aber in 'einer elegante,1 Munft nur geringe Emwichtings möglidjfeueu, so daß seine letzten Bilder bereit: ein frühzeitiges sinken feines Sterns eri nnert lauen.

hl. Um den gefürchteten Atemstil 1 stanb in der B c t a ti b u n fl a verhüten , hat, wie cncUntschru ' meloct, Tr. N e 1 6 c r vom 9iorfefdler Zimitm in V. . un 0 rk ein« neue Methode angeivandt, bic uZniuislalionsverfahren" nennt. Ee bläst mährenb der Betäubung einen Strom Trudhiit in öi< Lunge Pmiütlflfi eines Rohr -, das durch -tehikopf und 2:>siröhre bis an die Stelle vorgcsdwbeit wird, wo tenc «ich in oir ,wel Brondien iciit. Taburdi wird es möglich, den ?ungenbl.sc-chen Sauerste'' -u u-übreu um. Hohi ..re . " . ileiten, au wenn die Atemmuskeln nicht mehr in Tätigkeit iinb. Tas beraubende Mittel, ;. B. der :i Iber, w.ro von ,v. Tiudhnt mitgcriffen, ?Rengc autgaroimnm, der Rest aber wird miede, ourck cie Ruck- ftrömung der Lnfi mitgcriffen. So wird at-äi eine Ueberladt ug des Körprrc- mit Selber verhütet. Turd) diese Behandlung wird cer Ar>i 'crncr ut den Stanb gc t, an der Lung cib'i .u ci . rtii Tiefe fällt nämlich, wenn inan bcn Brustfell lack ointet, sofort za- fammen unb Innn infolge des vermehrten Luftdruckes, der auf iijr lastet, nicht mehr atmen. Turdi bic entströmende Truckknu aber gebt der notwendige Gasaustausch unbehindert weiter.