Ausgabe 
22.2.1911 Erstes Blatt
 
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em, als Japan bet chinesischen Re giea?un g den Rat erteilt habe, nicfyt bei einer Politik zu verharren, die den Frieden in Asien gefährden könne.

Deutsches Reich.

Im preußischen Herrenhause ist von dem Grasen v. Mirbach-Sorquitten der Antrag ein­gebracht worden, die Königliche Staatsregierung zu er­suchen, in geeigneten, ebenso kleineren Organen eine offi­zielle gem einverständliche Darstellung des In­haltes der Reichsfinanzreform vom Jahre 1909 zu veröffentlichen, sowie dec durch die Steuersätze be­dingten Preiserhöhung im Gebiete der Konsumsteuer.

Der preußische Eisenbahnminister empfing den Lohnausschuß des Verbandes deutscher Eisenbahn­handwerker iinb -Arbeiter und erkannte die Wünsche nach einer allgemeinen durchgreifenden Lohnerhöhung an. Der Minister stellte eine Vermeh­rung der Stellen der Lokomotivheizer und -Führer, sowie auch die Uebersührung der Güterboden-Vorarbeiter in Lade- schafsnerstellen in Aussicht.

Zur zweiten Lesung des Militärhaus­halts hat das Zentrum int Reichstage folgende Entschließungen eingebracht: den Reichstanzler zu er­suchen, die Ar b e i t er a u s s ch ü s s e in den Mil.täcbetcic- ben so auszubauen, daH 1. den Arbeitern die im Arbeits­kammergesetzentwurf vorgesehenen Wohltaten im Sinne der kaiserlichen Erlasse zuteil werden-. 2 die Mitglieder der Ar­beiterausschüsse im Arbeitsverhältnis während ihrer Amts­dauer entsprechend gesichert werden; 3. es Vertretern der ein­zelnen Ausschüsse ermöglicht wird, in wichtigen Fällen die Wünsche der Arbeiter den höheren vorgesetzten Dienststellen vorzutragen; in Erwägungen darüber einzutreten, in welcher Weise die Versorgung der invaliden Arbeiter sowie der Wit­wen und Waisen der in den Militärbetrieben beschäftigten Arbeiter besser ausgebaut werden kann; die Löhne der in den Militärbetrieben beschäftigten Handwerker, Arbeiter und Arbeiterinnen allmählich aber stetig in der Weise aufzu­bessern, daß diese den durch Tarifvertrag festgesetzten Löhnen der.Handwerker, Arbeiter und Arbeiterinnen gleich- artiger Gewerbe an den betreffenden Orten zum mindesten gleichtommen: den Arbeiterausfchüssen bei der Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen eine geeignete Mitwir­kung zu ermöglichen.

Ausland.

In der französischen Kammer erklärte bei der Be­ratung des Gesetzentwurfes betrcfsend die Kiellegung zweier Panzerschiffe im Jahre 1911 der Marineminister die Neubauten für nötig, um die Flotte zu verstärken: die beiden Panzerschiffe würden mit den letzten Neuerungen der Technik ausgestattet werden. Der Minister zeigte die Notwendigkeit eines auf lange Zeit im Voraus durch Beschluß festgelegten Flotten­bauprogramms. Die Neubauten würden in die Privatindustrie vergeben, da die Staatswersten anderweit besänftigt seien. Ter Minister schloß mit dem Versprechen, er werde sich bemühen, die Kredite, welche das Parlament bewilligte, zum Besten der finanziellen und militärischen Kräfte des Landes zu verwenden. (Beifall auf allen Bänken, außer aus denen der äußersten Linken.) Abg. N a i l (Radikal Soz.) erkannte die Notwendigkeit an, die französische Flotte wieder an die Stelle zu bringen, die sie früher unter den Seemächten eingenommen habe, er behauptete aber, daß die Wersten in Brest und Lorient in der Lage seien, zwei Panzer­schiffe zu bauen. Demgegenüber vertrat der Marineminster die Ansicht, daß das eine Verzögerung von acht Monaten Hervor­rufen würde, da es den Staatswerften an erforderlichen Werk­zeugen fehle. Die Sitzung wurde ausgehoben und die weitere Be­ratung auf morgen verschoben.

Im englischen Unterhaus erwiderte auf eine Anfrage des Abg. Mason, vb Deutschland oder die Türkei irgend welche Schritte unternommen hätten, um eine Verständigung mit der britischen Regierung betreffend der Bagdadbahnzu erzielen, Sir Edward Grey: Unter­redungen über die Bagdadbahn-Frage haben sowohl mit Deutschland als mit der Türkei zu verschiedenen Zeitpunkten stattgefunden. Auf eine weitere Anfrage betreffend den Bericht über eine Mobilisierung der russischen Truppen an der chinesischen Grenze antwortete Unterstaatssekretär Mae K i w o o d: Die Angelegenheit ist eine solche, die Ruß­land und China betrifft. Ich bin nicht imstande, dem Be­richt etwas hinzuzufügen. Es finden jetzt Verhandlungen zwischen Rußland und China statt, und ich habe keinen Grund zu der Annahme, daß eine befriedigende Beilegung nicht erreicht werden wird. Der Premierminister wurde von den Mitgliedern der Regierungspartei und den Nationa­listen mit enthusiastischem Beifall empfangen, als er sich erhob, um die V e t o b i l l einzubringen. Die Bill ist genau dieselbe, wie die in der letzten Session eingebrachte Vor­lage. Er zog die Behauptung ins Lächerliche, daß die Regie­rung darauf ausgehe, eine despotische Einzelkammer zu »errichten. Er betonte die Dringlichkeit der Vetobill, damit nicht die fortschrittliche Gesetzgebung ins Stocken gerate. Der Premierminister machte keine Andeutung über die Poli­tik, welche die Regierung befolgen wolle, falls das Ober­haus die Vetobill nicht annehmen sollte. Balfour unter­zog die Bill einer scharfen Kritik. Es sei keine Einigung darüber möglich).

Aus Stafct und Land.

©ieuen, 22. Februar 1911.

Tageskalender für Mittwoch, 22. Febr. Stadt- LH e a t e r :Die zärtlichen Verwandten" undTer Vetter". Anfang 7 Uhr.

'* Vom Großherzoglichen Hofe. Das Großherzogs­paar begab sich gestern abend 10*/, Uhr mit Gefolge nach Braunschweig, um demHerzog-Regenten und der Herzogin ihren Gegenbesuch abzustatten. Die Rückreise erfolgt am 25. d. M. abends.

** StadttHeater. Zu Ehren des Herrn Rudolf Goll wurde gestern die bereits im vorigen Jahre angekündigte Groteske Man soll k e i n e B r i e f e schreiben, unter lebhaftem Bei­fall aufgefützrl. Allerdings galt dieser Beifall in allererster Linie der schwungvollen Darstellung, hauptsächlich dein beliebten Bene­fizianten, der die lustige Schwornöterrolle des Polizeirates mit famoser Vollendung und tadelloser Haltung verkörperte. Schon bei seinem Auftreten mit herzlichem Beifall begrüßt, wurden ihm auch während des Mends freundliche Kundgebungen bereitet und eine Menge Blumen und andere Spenden überreicht. Weben ihm und Franzi Koch als Leonie, Karl Volck als Baron, Karl M a r x als Kraak, Friedrich D i m i a n als Hanke, Lore Scholz als Agnes und namentlich noch Hilde Engel als Frieda zu erwähnen.

** Im Kinern atograph wird in dieser Woche das in fast allen größeren Städten mit starkem Erfolg aufgeführte Drama

0 0 gciprell. Es schildert die Schichale einer jungen Icustklebrerln, die zufällig einen Zirkusreiter kennen lernt, mit tpm lluust, Ieine Frau ivird und dann von Stufe zu Stufe sinkt, bis )tc ui der Verzweiflung zu einem Messer greift, und Lhn ermordet. Neben bkig; spgyneuden, pva hervorragenden.

Schauspielern dargestellten Tragödie läuft der übrige, sehr glück­lich zusammengestellte Spielplan, von dem vor allem Das Mil- lionentestament, eine Detektivgeschichte, und die farbige Naturaufnahme aus Japan zu erwähnen sind.

* Ein Vortrag über Pferdezucht, besonders die Aufzucht des Arbeitspferdes, sindet auf Veranlassung der Hess. Landwirtschaftskammer am nächsten Freitag hier im Lenz'schen Felsenkeller statt. Vortragender ist Dr. L. Müller von Darmstadt.

"Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Elschbach und Piem äsens, Regierungsbezirk Pfalz; Sierksrade, Staatsgebiet Lübeck; Gries heim, Bezirk Unter-Elsaß; Unter-Dietfurt, Re­gierungsbezirk Niederbayern.

Kreis Büdingen.

-l- B ü d i n g e n, 21. Febr. Dec heute und morgen hier stattfindende Petrimaclt wurde durch das wideigcWet­ter, das mit seiner naßkalten Temperatur und die durch Schmutz schwer zu passierenden Landstraßen wenig ein­ladend wirkte, beeinträchtigt. Immerhin brachten die,Vor­mittagszüge eine ansehnliche Zahl von Besuchern. Auf dem Schweinemarkt, der einen Auftrieb von etwa 150 Tieren zeigte, bewegte sich der Handel, was Kauflust und Preise an­langt, in mäßigen Grenzen. Schwere Einlegschweine er­zielten Preise bis zu 100 Mk. das Paar, während geringere Ware nicht viel uoer 40 Mt. hinaus kosteten Sei Bedarf an Jungvieh hängt zu sehr von Den Kactoftelvoiräten ab, und wer über solche noch verfügt, zieht lieber die hohen Verkaufspreise ein, als daß er zweifelhafte Schweinemästung betreibt. Der Krämermartt zeigte das landesübliche Ge­präge in bezug auf Menge und Güte der ausgelegten Waren, die unter alten Umständenbillig" sein müssen, wenn sie Käufer finden sollen. Bessere Sachen wurden in den Läden gekauft; die Tatsache, daß die Märkte von Jahr zu Jahr an Bedeutung verlieren, trat auch hier zutage. An Unterhaltung wurde wenig geboten. Ein Automobil- Karussell und mehrere Straßenkapellen befriedigten das Vergnügungsbedürfnis vollkommen.

-l- Büdingen, 17. Febr. Gemeinderatssitzung. Anwesend: Bürgermeister Fendt, Beigeordneter Dotter, die Gc- meinderatsmitglieder Andrae, Dierner, Hinkel, Keil, Klein, Meth- sessel, Rullmann, Schäfer, Schön, Treser und Wittekind, als Vertreter des sürstl. Hauses Kammerdirektor Müller. Bürger­meister Fendt berichtete über die Aufschließungsarbeiten am Steinbruch in der Stcinröde, er hoffe, daß in den nächsten Tagen mit der Akkordarbeit begonnen werden könne, doch sei, da die bereits für die Aufschließungsarbeiten bewilligten 200 Mk. verausgabt seien, ein weiterer Kredit nötig. Die Versammlung ist mit der Bewilligung eines weiteren Kredits von 300 Mk. einverstanden. Von der Beamten-Fürsorgekasse sind der Stadt 25 000 Mk. als Anleihe zu 4 Proz. und 1 Proz. Tilgung zur Verfügung gestellt worden. Die Versammlung stimmt der Uebernahme des Darlehens unter dem Vorbehalt zu, daß der Stadt nach zehn Jahren das Kündigungsrecht zugestanden wird. Die Ueberlassung des Rathaussaales an den Wohl­fahrtspflegeverein zur Abhaltung von Vorträgen am 2. und 6. März wird genehmigt. lieber die Abrechnung für das neue Schulhaus, zu der Architekt Rosenthal aus Darmstadt erschienen war, wird beschlossen, diese nochmals an den Ausschuß zur Berichterstattung zurückzuverweisen. Der Aus­schuß trat sofort zusammen, und der Gemeinderat beschloß, die Sitzung auf Montag, 20. Februar, zu vertagen.

Sitzung am 2 0. Februar. Anwesend: Bürgermeister Fendt, Beigeordneter Dotter, die Gemeinderäte Andrae, Dierner, Hinkel, Klein, Methfesscl, Rullmann, Schäfer, Schulz, Treser, Wittekind und Kammerdirektor Müller. Bürgermeister Fendt trägt den Bericht des Ausschusses über die Abrechnung für das neue Schulhaus vor. Für das Hauptgebäude waren im Voranschlag 153 750 Mk. eingesetzt, während verausgabt wurden 152 231 Mk., so daß eine Ersparnis von 1518 Mk. erzielt wurde. Der Voranschlag für die Turnhalle bezifferte sich auf 41 750 Mk., die Ausgaben betragen 39 450 Mk., es wurden also 2299,80 Mk. erspart. Es wurde beschlossen, die Abrechnung, mit Ausnahme des Titels 7, Dachdeckerarbeit, die infolge mangel­haften Materials auf Kosten der Unternehmer nochmals aus­geführt werden muß, zu genehmigen. Die Beschlußfassung über die Pflasterung der Bahnhof st raße, worüber der Voranschlag vorgelegt wurde, nach dem die Pflasterung der Straße vom Kriegerdenkmal bis zum gepflasterten Teil der Ortsdurch­fahrt bei Ausführung in Kleinpflaster 13 200 Mk., die Anlage des Bürgersteigs 16 000 Mk. kosten würde, wird ausgesetzt. (Die Kosten der Pflasterung werden zu je einem Drittel von der Pro­vinz, dem Kreis und.der Gemeinde getragen.) In den Schul­vorstand wurden die Gemeinderatsmitglieder Hinkel und Klein, sowie der Sattlermeister Heinrich Eckert gewählt. Das Gesuch des Jagdpächters um Verlängerung des Pachtvertrags um sechs Jahre von 1912 ab wird ausgesetzt, da der Gemeinderat vorerst eine endgültige Entschließung nicht geben kann. Der vom Kreisamt empfohlenen Errichtung einer Haushaltungs- und Kochschule (Kreiswanderhaushaltungsschule) in Büdingen, zu der die Gemeinde die Räume, sowie Heizung und Beleuchtung zu stellen und die Kosten des Transports zu tragen hat, stimmt der Gemeinderat zu. Der Antrag des Steinbruchbesitzers Reinhart Müller um Ueberlassung des E r l e n k i p p e l s zu dem bisherigen Pachtpreis wird genehmigt. Die Ausbesserung des Kirchendaches erfordert nach dem von der Präsenz vorgelegten Voranschlag 2519 Mark. Das von der Stadt zu stellende Bau­holz ist unverbindlich mit 630 Mk. bewertet: Der Gemeinderat beschloß, das Holz nicht zu liefern, sondern den Betrag in Geld zu bewilligen. Das Gesuch der Fürstl. Rentkammer um Er­laubnis zur Erbauung eines Stegs über den Seemen- bach bei der sog. Brotzlerschen Mühle wird bis zur nächsten Gemeinderatssitzung, der ein Revers unterbreitet werden soll, zurückgestellt. Der Antrag der historischen Kommis­sion nm Leistung eines Beitrags zu den Kosten einer Karte wird abgelehnt. Dem Antrag der fürstl. Rentkammer um käufliche Uebernahme von Teilgrundstücken an der S ch u l st r a ß e wird genehmigt. Lehrer Weinel hat beantragt, die ihm aus Benutzung eines Grundstückes zustehende Naturalbesoldung der ersten Schulstelle in einen entsprechenden Geldbetrag umzuwandeln. Der Ablösungsbetrag wird auf 150 Mk. berechnet und dem Gesuch stattgegeben, wenn für den Nachfolger des Gesuchstellers nicht dieselbe Vergünstigung verlangt, auch sonst ein Präjudiz nicht geschaffen wird. Die Anträge des Nachtwächters Albrecht und der Laternenanzünder um Gehaltserhöhung werden bis zur Voranschlagsberatung zurückgestellt. Dem Antrag des Bullen­halters Schneider auf Regelung seines Vertrages, wonach sich die jährliche Vergütung um 40 Mk. erhöht, wird stattgegeben. Auf Vorlage eines von den Sachverständigen als erstttassig bezeichneten Ziegelmusters für das Dach des neuen Schul­hauses erklärt sich der Gemeinderat mit der .Verwendung des bemusterten Materials einverstanden.

x Kohden, 21. Febr. Die hiesige Gemeindeverwal­tung hat den Ban einer Quellwasserleitung be- sckftossen. Die Quellen liegen in der Gemarkung Unter- Schmitten.

-l- Michel au, 21. Febr. Der Gastwirt I. Naumann kann in diesem Jahre sein 25jähriges Jubiläum als Bier­abnehmer der I. I. Jungschen Brauerei in Frankfurt a. M. feiern.

Kreis Friedberg.

# Ba d-Rauheim, 21. Febr. Die hier wohnenden Bayern gedenken anläßlich deS 90. Geburtstages des Prinzregenten Luitpold eine größere Feier vev- anstalten, wozu jetzt schon die Vorbereitungen getroffen werden.

Bl Münzenberg, 21. Febr. Gegenwärtig werde« Erhaltung der Ruine auf der Burg wieder Renovierungs­arbeiten vorgenommen.

F.C. Rod heim v. d. Höhe, 21. Febr. Der hiesige Gemeinderat hat den Anschluß an das Wasserwerk In­heiden mit sieben gegen vier Stimmen beschlossen.

F.C. Nied er-Wöll stad t, 21. Febr. Der Gemeindevat lehnte den Anschluß an das I n b e i b e n e r Wasserwerk «L.

Hessen-Nassau.

Nauborn, 21. Febr. Am Sonntag wurde unter Anteilnahme der Gemeinde eine Veteranenfeier abgehalten, bei welcher Gelegenheit Bürgermeister v. Hagen jedem der Kriegsteilnehmer ein 20-Mark-Stück überreichte. Pfarrer Schneider hielt eine Festpredigt.

m Diez, 21. Febr. Der Voranschlag der Stadt Diez für 1911/12 ist in Einnahme und Ausgabe auf 285 462.01 Mark sestgestellt worden, bei einer Steuererhebung von 155% der Ein­kommensteuer, 190% der Realsteuer und 90% der Betriebssteuer; Einkommen- unb Realsteuer sind um 5% höher geworden, da­gegen hat sich die Betriebssteuer um 100% ermäßigt. Vom Regierungspräsidenten ist die Bestätigung des Bürgermeisters Scheuenr auf eine weitere 12iährige Amtsdauer eingetroffen.

Gerichtssaal.

Berlin, 21. Febr. In dem BeleidigungsProzeß des Genera Intendanten der königlichen Schauspiele Grafen von H Ül­sen - sei er wider den Direktor der Hofoper in Wien Weingartner kam es zu einem Vergleich. Die Parteien steil,en iid) gegenseitig das Zeugnis aus, daß sie in gutem Glauben gehandelt hätten und daß ihnen die Absicht einer persönlichen Beleidigung ferngelegen habe. Der Privatkläger zog den Straft antrag zurück. Weingartner übernahm die Gerrchtskvsten.

Arbeiterbewegung.

Weißenfels,21. Febr. Nach amtlicher Feststellung sind gegenwärtig in 54 Betrieben der Weißenfelser Schuhindustrie 2691 Personen ausständig, 1350 Arbeiter in 8 Betrieben arbeiten weiter. Die Firmen, die in vollem Umfange Weiter­arbeiten, haben die Forderungen der Arbeiter teils bewilligt, teils noch nicht erhalten, da sie vorerst an die Fabrikanten gerichtet morden waren, die die Resoltltion des Fabrikantenvereins unter­zeichnet hatten. Ter Fabrikantenverein Hal gestern abend beschlossen, daß die dem Verein angeschlossenen Fabrikanten, in deren Betrieben ein Teil der Arbeiter in den Ausstand getreten ist, heute zu kündigen und die Betriebe gemäß dem früheren Beschluß des Vereins zu schließen haben.

Sturm und Wasserschaden.

Infolge heftiger S ch n e e st ü r m e sinb, wie bereits gemeldet, in den von Berlin nach West- und Süddeutschland verlaufenden Telegraphenlinien umfangreiche Störungen eingetreten, die voraussichtlich erhebliche telegraphische Verzögerungen verursachen werden.

In der Eifel, im Hunsrück, in der Saar- und Mosel- gegend giingen schwere Gewitter begleitet von starkem Sturm und Hagelschlag nieder. Der Hagel liegt stellenweise zollhoch. Zahlreiche Dächer wurden abgedeckt. In der Kyll ertrank ein Arbeiter beim Ueberschreiten eines Steges, der in dem­selben Augenblick weggerissen wurde. Der Sturm warf einen Kamin um, und die niederstürzenden Teile verletzten einen Feuer­wehrmann tödlich An der norwegischen Westküste herrschte in den letzten Tagen ein furchtbarer Schneeorkan., Telegraphen- und Telephonverbindungen erlitten südlich von Drontheim große Störungen. Zahlreiche Schiffe scheiterten. Infolge des Sturmes auf dem Schwarzen Meere ist der englische Dampfer Adriana mit einer Kornladung in eine Un­tiefe geraten. Zwei Dampfer wurden von der Landungsstelle gerissen. Der Dampfer Sonnnoor ist gesunken. Der griechische Dampfer Alexander Mechalinos ist gestrandet, zwei Matrosen sind ertrunken. Einige Wagen der Uferbahn wurden mit den Schienen ins Wasser gespielt.______________________________________

Kleine Lagerchronil.

Gegen einen Oberlehrer in Dortmund, der Vorsitzender des Verbandes Deutscher I m p f g e g n e r - V e r e i n e ist, er­öffnete das Provinzialschulkollegium in Münster das Diszipli­narverfahren wegen öffentlichen agitatorischen .Auftretens gegen das Jmpfgesetz.

Um eine.besondere Anziehung auszuüben, ließ sich ein Mena-» aeriebesitzer in Kaiserslautern im Löwenkäfig ra­sieren. Der Bader wurde von einem Löwen angefallen und zerfleischt, so daß er bald darauf starb.

Vor einiger Zeit meldete sich in Oberstein a. d. Nahe ein Juwelenhändler, der angab, in der Nähe der Stadt über­fallen und um Juwelen im Werte von 20000 Mark beraubt worden zu sein. Nun wurde dec Händler verhaftet, da sich herausstellte, daß der Ueberfall vorgespiegelt fet

Durch einen Brand in der königlichen Bibliothek in Berlin wurde fast die ganze Feuerwehr Berlins alarmiert. Die Gefahr wurde sofort beseitigt. Der Feueralarm mürbe durch Jnbrandgeraten des Utensilienschrankes im Kellergeschoß veranlaßt.

Zwischen der Telefunkenstation des Eiffelturmes unb der von GlaceBayin Kanada fand dieser Tage ein vollständig gelungener regelmäßiger Depeschenanstausch mit sogen, musikalischen Funken statt. Die Entfernung beträgt über 6000 Kilometer.

Der Kaufmann Leopold Kempner vermachte der Stadt Breslau eine Million Mark zur Beschaffung billiger Woh­nungen für bedürftige Bürger.

Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag dem 23. Febr. 1911: Stürmische westliche Winde, Regenböen, mild.

Letzte Nachrichten.

R.B. Darmstadt, 22. Febr. Die Zweite Kammer hat beute ihre Frühjahrsberatungen ausgenommen. Die Haushaltungsberatungen beginnen morgen. Zu Beginn der Sitzung widmete Vizepräsident Korell dem verstorbenen Ab­geordneten Köhler-Langsdorf einen herzlichen Nachruf, worauf die Vereidigung des an Köhlers statt gewählten Abge­ordneten Fenchel vorgenommen wurde.

Darmstadt, 22. Febr. Der Großherzog verlieh dem Mit­glied der Wiener Hofoper, Madame Cahier, die als Gast im Hoftheater auftrat, die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft.

Paris, 22. Febr. Nach einem Londoner Telegramm hat. in der portugiesischen Stadt Guar da Mitte Februar anläßlich der Anwesenheit des Ministers der öffentlichen Arbeiten eine monarchistische Erhebung stattgefunden. Der Minister und zahlreiche andere Personen seien durch Schüsse getötet worden. Die Ordnung sei zwar wieder hergestellt, doch sei bte Lage Noch bedenklich.

Dscheddah, 22. Febr. Die Anhänger von Said Jdris überfielen und nahmen eine Karawane von achtzig Kamelen mit fort, die Lebensmittel und Munition für die Garnison Hab je brachte, bei Suda. Eine kleine Abteilung unter dein stellvertretenden Gouverneur von Lo­haja versuchte, die Karawane zu befreien, wurde aber mit einem Verlust von fünfzig Toten znrückge* schlagen.

Washington, 21. Febr. Das Repräsentanten­haus nahm oas Flottenbauprogramm für 1912. an, das den Bau von zwei Schlachtschiffen, zwei Kohlen- dampfern, acht Torpedobootszerstörern und vier Untersee­booten vorsieht.

C al c u t t a, 22. Febr. Der Kronprinz kehrte von seinem Ausftug in das Innere des Landes zurück und stieg im Palast des LizeköKigs ach. Dste Abreise nach Bombay erjolgl morgen früh.