Ausgabe 
20.11.1911 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

161. Jahrgang

Nr. 215

Gilchetnl tllgllch mtt vulnahme bei Sonntage.

TicGlctze«er Zamlllcfblötter- werden dem gSnjeiflct* oiennal wöchentlich betgelegi, bal Krcliblatl für bei Kreil riehen" iroeimal wöchentlich. Die ..Landwirtichastlichev Lett- frogen" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener AMiger

General-Anzeiger für Vberhesien

Montag, 20. November 19U

Rotationsdruck anb verlaq der Srübliche» UnwersuätT-Buch- und StembrucfereL 9t Lange. Gießen.

Redaktion. Jjpebition unb Tmcfertt: Cfftnl« (träfet 7. Orpebltton unb Verlag: 5L

Rebaf ticnce^jj 112. Tel.-Tldr^:AnztigerGcc feen.

Der italienifcf)4ürfi|(t)e Krieg.

Tie Italiener in UeberschwemmungSnot.

Die Natur ist den Türken und Arabern zu Hilfe ge­kommen und lähmt das Vorgehen der Italiener. Tie an­dauernden Regengüsse haben nun noch die Berschanzungs- ltnie der Italiener durchbrochen, unb diese haben cs mit ichen Ueberschwemmungen au tun. Da die Bee so unruhig ist, daß keine Lebensmittel ans Land gebracht wer­den konnten, wird man in Tripolis nicht gcraae in rosiger Laune sich befinden. Es wird gemeldet:

Tripolis, 18. November. Tie italienischen Truppen begannen sofort nach dem Durchbruch derWasserma ssendes Ucb Mcdjcnin durch die Linie der Verschanzungen eine provisorische Lerteidigunaslinie gegenüber der Lücke hei zustellen, sowie die Verbindungen und Telephonlinien zwischen den verschiedenen Verteidigungsabschnitten und dem Haupt­quartier auszubessern. Ta die Ueberschwemmung während der vLacht merklich abgenommen hat, begannen die Truppen unverzüglich mit der Ausbesserung der ersten Ver­teidigungslinie. Von -dem Fort Sidi Mcßri nach dem Osten fließt augenblicklich ein Gießbach, der in der Höhe der kleinen Forts ins Meer stürzt. Tte italienischen Soldaten retteten während der Ueberschwemmung mit eigener Lebcns- Sesahr Eingeborene. Es liegt kein Anzeichen von einer nternehmung oder dem Abmarsch des Fein­des vor. Nur auf der Westfront werden die üblichen Schüsse abgegeben. M-eyrere Araber, die in einem Hause, das in einem kurzen Abstand von den Laufgraben muten in der Lase hegt, sich verbargen, wurden durch Gewehr und Ka nonenschuffe daraus vertrieben. Ta das Meer noch imnier bewegt ist, liegen die Schiffe und Dampfer auf der Reede. In Tripolis regnet es nur noch w e n i g. Tie durch die U eb erschw em mung an gc rich te ten Schä­den find besonders groß. Man stellt Acctylcnlampcn auf, die dazu beitragen tollen, die öj.entliche Sicherheit besser zu schützen. Lebensrnittel und Waren, die die Bevölkerung braucht, sind heute angetvmmen. Toch erlaubt das unruhige Meer nicht, sie an Land au bringen. Augenblicklich erbaut man Baracken, um den obdachlosen Eingebo- renen zu Helsen. Der allgemeine Gesundheitszustand der Truppen und der Bevölkerung ist fortgesetzt gut. Ein Zbund- schaster bestätigt die schon bekannten Nachrichten über den Feind in der Oase und fugt hinzu, daß die Türken ungefähr zweitausend ergebene Araber bcftänbig bei sich haben, denen sie Sold und Lebensmittel geben, (xin anderer Kunchchafter berichtet, der reichliche Regen sei den Eingeborenen sehr willtornmen, weil sie aus der g.instigen Ia.-reszeit Nutzen sur die Aussaat -u ziehen hoffen. Dies dürfte mciicid>t dazu bi i Streitkräfte der Araber sich zer­

splittern und daß nur wenige Berber mit den kontingenten LUS Sahel, dessen Bevölkerung teils türkischen Ursprungs ist, bei den Türken bleiben.

Tripolis, ib. Mov. (Agenzia Stefcmi.) Tic tür- fischen Stellungen sind durch die Ueberschwem­mung des Medscheninflujses, der vom Dsck-ebel (Sarian kommt und bei Arnzara vorbeifließt, start g e f ä h r d e t. Der Feind versuchte den Lauf des Med sch entn inderRichtungaufdieitalienischenVerschan- zun gen abzuleiten. Tie Gefahr wurde jedoch durch Genietruppen und Sappeure rechtzeitig abgewenbet.

Aus Homs liegen befriedigende Meldungen über die politi.che und militärische Lage vor. Wegen Mangels an Lebensmitteln uiib Desertionen sollen Unstimmig- leiten zivifchen den Arabern unb Türken bestehen.

Bon B e n g h a f i und Tobruk liegt nichts neues vor. Aus Terna wird ein neues Gefecht mit den italienischen Vorposten gemeldet. Tie Italiener hatten keine Verluste, der Feind einige Verwundete.

Tie ntneften Ereignisse.

Tripolis, 19. Nov. (Agenzia Stcsani.) Auf dem östlichen Flügel der Italiener versuchte der Feind, wie ge­wöhnlich, die Aufräumungsarbeiten durch Flintenschüße zu stören. In der Gegend von Sidi Misrt wurden einige Kanonenschüsse gewechselt. Ein heute morgen porgenom­mener Erkundungsjlug zeigte bei den Feinden dte gewöhn­lichen Bewegungen. Ter türkische Kommandaut ge- startete den Arabern, sich abzulösen und in der Heimat die Felber zu bestellen. Ein von der tunesischen Grenze kommender Mann erzählte, er habe Handelslarawanen gesehen, die nach dem Landinnern zogen oder dorther kanten und Lebensrnittel transportierten. Z u ar a ist von Frauen und .uindern Denaren. Zum Schube des Latides sind bclvaffnete Männer und etwa 150 Türken zurückgeblieben. In Zania soll unter den Arabern große Unzufriedenheit herrschen, da der Deputierte Iornal Bey eine Bekanntmachung verbreiten ließ, die den Araber von der Feldarbeit ablenken und zum Kampfe zwingen foL andernfalls ihm die Haustiere getötet und die <s>aaten mit Beschlag belegt würden. Gleichzeitig wird periuhcrt, bau viele Arader ihre Waffen an Eingeoorene in Tunis ver­kaufen. In Iuischen, Azizia und Gharian ist ein^ Bataillon Geniesoldaten cingetroßen unb befestigte die Stellungen

Freiwillige italienische Flieger.

Rom, 18. Nov. Gestern abend 10 Uhr sind zehn frei willige Flieger nach der Eyrenaika abgereist. Tie Bevolke rung bereitete ihnen herzliche Kundgebungen.

Tie italienischen Finanzen.

Rom, 18. Nov. TicAgenzia Stefani" crllärt bas Gerücht, daß die Verwaltung des italienischen Staatsschatzes eine äußere oder innere A n^l e i b c auf­nehmen wolle, für falsch und führt aus: Ter Schatz deckte und deckt noch fortlaufend die Kriegsansgabcn aus den Kassenüberschüssen, die aus dem Aktiosaldo des früheren Budgets fließen. Er verfügt noch immer über große mum­men, die ihm gestatten, aus den oroenuichen Mitteln allein alle Forderungen, die die Lage erheischt, zu decken. In der Staotskafse liegen trotz der geleisteten großen Zahlungen über eine halbe Milliarde Lires.^ Als Beweis für die starke der augenblicklichen Lage der Staatsiaise ist der ilm)taiw bemerkenswert, daß die erwähnten großen verfügbaren Wittel nicht berührt werden mußten, obwohl während der

etzten Monate trotz der Kriegsaufwendungen der Schatz >ie gewöhlichen Zahlungen regelmäßig leistete, die infolge >es besonderen Zusammentreffens sehr bedeutende Summen erforderten, insbesondere für öffentliche Arbeiten und große Lieferungen.

Der Wahlaufruf der liberalen Parteien.

Im Wahlaufruf der nationallibcralen Partei -eißt es:

Getragen von dem Gedanken der Blockpolitik, in hoher nationaler Begeisterung, im Kampfe gegen die internationalen Möchte bt-'j UltramontaniSmuS unb der Soz a war 1*307 der Reichstag zusammengettelcn. Erne neue Beu der ReichSfreubigkeit war angebrochen Ein kurzer FrühUng: stört, Fürst Bülow unb Dernburg sind aus ihren Aemtern geschieden. Kühner als je erhebt der Ulrramontanisinus sein Haupl, uno die "Sozialdemolratic feiert bei der durch die Reichs,inanzreivrm genährten llnzufricbcnhcct Tag für Tag neue Triumphe. Tic Nationalliberale Partei tragt hieran feine Schuld. Sie hat ihr äußerstes getan, um die Blockpolüik des Fürsten Bulow zu stützen. Tiefe Politik hatte große gesetzgeberische Erfolge: Vcrcinsgcsctz, Flottengefetz, t'lusbau der Kolonie«, Wctlbewervs- geictz, Sidnmng der Bauforderungen, Börsengefetz. Tie Konfcr vativen haben im Bunde mit Zentrum und Polen m ihrem EgoiS MUS den Block zertrümmert. Tic Naüonallibcrale Pan ei war bereit, dem Gleiche zu geben, was des Reiches ist. Sie mußte aber eine Reichsfi nanzreform ^blchnen, die den sozialen Aus­gleich gegenüber de indirekten Steuern nidH aUbieit unb ein icitig einzelne Volksschichten belastete. Tic nächsten Wahlen rufen das Volk auf zum Gericht! Tic Nationalliberalc Partei wird Cintreten für die nationalen Forderungen, die sich aus der Weltstellung Deutschlands ergeben Heer unb Flott« am ocr Höhe voller Leistungsfähigkeit zu erhalten, ist ihr« vornehmste Pflicht. Sic wird ctnimcn |ur die Wahrung unserer nationalen Ehre durch eine zielbewußte Auilandspoliuk. Insbesondere fordert sie eine Reform des diplomatischen Dienstes imb ine Besetzung dieser Aemter durch befähigte Pcrfonc« ohne 3iückficht auf Geburt oder Reichtum.

Von dem Bismaraijchcii Gculibsatze geleitet, daß eine große nationale Politik undurchführbar ist, wenn sie nicht von dem Vertrauen des Volles getragen wird, tritt die Nationalliberalc Partei dafür ein, daß die auswärtige Politik stets in lebendiger ,v u b i u n n mit dem deutschen Parlamente bleibt.

Auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik hält die National- liberale Partei fest an dem bestehenden un^> bewährten SystembesmaßvollenSchutzzollcs. Sie ist der lieber - zeugung, daß Landwirtschaft und Industrie aufeinander aiigeiviescn sind. Sie wird sich deshalb mit derselben Entschiedenheit gegai die überagrarischen, auch Landl irtschaft selbst schädigenden An sprüche des Bundes der Landwirte wie gegen die Bestrebungen wenden, welche ,id) in der Richtung des Freihandels bewegen, vandil und Schliiahrt wissen, daß die Nationalliberalc Partei sic tets fürsorglich fordert. .

Tic Natwnaltiberalc Partei, die an allen großen Mittelstands-- gesetzen eifrig und mit Erfolg mit gewirkt hat, wird sich für die Kräftigung des selbständigen Mittelstandes ebenso ein- eben, wie für die Interessen der Beamten und die Rechte und die virtschaftlichc Sicherstellung der Prwatangcstcllten, die in der Vorlage eines Gesetzes über die Pcnßonsverficherung der Privat- beamten ihren Ausdruck gefunden hat.

Tie NationalIcheralc Partei tritt ein für die llnanta stbar- keit des Reich Stags Wahlrechts und für die Wahrung des Loalitionsrechts. öic hat stets für die berechtigten Untereren der Arbeiter, insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge gekämpft, wendet sich aber entschieden gegen bic uto- pistischen Forderungen der Sozialdemokratie, deren Erfüllung jede Wettbewerbsfähigkeit der deutfchen Erwcrbsstänbe zunichte machen würbe. Sic verurteilt aufs schärfste die zersetzende Agitation der Sozialdemokratie und bekänipft nachdrücklich jeden Versuch, durch Terrorismus das Recht des Arbeiters auf Freiheü der Arbeit ernzuschränken. Aus allen Gebieten zeigen die letzten Jahre die wachsenden Machtansprüchc des Zentrums. In seiner Be­kämpfung erblickt die Nationalliberale Partei eine ihrer ersten Ausgaben, überzeugt, daß dtt Mtranwntanismus unverträglich ist mit der $2lutorität des Staates und der freiheitlichen Entwicklung unseres Volkslebens.

Die Nationalliberalc Partei sieht ine Größe unseres Reiches nur durch eine starke, machtbewußte Politik gesichert. Sie ver­langt eine feste Vertretung unserer nationalen 3n* leresscn nach außen unb nach innen. Die Zukunft un­seres Volkes ist gefährdet, wenn Reaktion unb UltramontaniSmuS ine Herrschaft im Staate behalten. 9tur auf liberaler Grundlage kann die Bahn frei gemacht werden zu neuer schöpferischer Arbeit.

Gs gilt, die reichen Kräfte unseres Volkes frei zumachen durch eine Gleichberechtigung, bic nicht bloß auf dem Papier steht, sondern in Wahrheit allen Bürgern des Deutsches Reiches, ohne Rücksicht auf Herkunft, Glauben, Rang und Befitz, den Zugang zu den öffentlichen Aemtern sreigibt und jeden verfassungswidrigen Eingriff m die Unabbängigfeit des Bürgertums bei der Betätigung feiner staatsbürgerlichen Rechte ausschließt.

Frohgemut und zuvernchtlich gehen rott in den Wahlkampf. Wir roerben ihn führen unter dem alten und ewig neuen Wahi- wruch: Für des Vaterlandes Größe, Ehre und Recht, für bic bürgerliche Freiheit und Gleichberechtigung!

In bem am Samstag erschienenen Wahlaufruf der Forifchrittlichen Volkspartei heißt es:

Jahrzehnte hindurch stand das öffentliche Leben unter dem Truck der Konservativen und der Zentrumspartei. Ihr Werk ist die Finanzreform, die die Grundsätze der Gerechtigkeit verletzt, Reiche und Arme schonte und den Masien der Minder­bemittelten den Lebensunterhalt verteuerte. Ihr Werk ist die wachsende Unzufriedenheit^ der Nährboden für bic Sozialdemokratie. Ihrem Einfluß iit es zuzuschreiben, baß bic von uns geforderten Maßregeln gegen bic Teuerung und bic Futternot nicht ergaben würben. Sic sind cs, bic dem Bolkc die freie Ausübung ber Wahlrechte erschweren und eine gerechte Einteilung der Wahlkreise verhindern. Tiefe Mehr­heit darf nicht wicbcrkehren. Ein aus liberalen Gedanken ge- borcnc^ zur Weltmacht gewordenes Reich, an großes, lährlich fast um eine Million wackfendes Volk darf nicht von einer kleinen rückständigen Kaste regiert werden. Bürger, Bauern, Beamte, Arbeit ter, alle müßen einen geistigen und der wirtickaftlichcn Bedeutung ent'fpreckciiden poluiidjcn Einfluß erhalten. Von der Sozial­demokratie trennen uns grundsätzliche Meinungsocrichicocn- hciien Solange he in schädlicher Kampscsart an ihrer poli­tischen kommunistischen Grundauf'aüung feuhält, als Klanen- Partei'die wirtschaftlichen Gegen,"ätze willkürlich verschärft und den Reicb^haushalt mit den Kultur- und Verteidigungsausgaben ab- lehnt, wäre ihr Wachstum im Reilbstagc am Kalten des Libe­ralismus nur ein Hindernis des Fortschritts. Je größer die Iahl der sozialdemokratischen Mandate, dato größer ilt bic Gciahr eines Rückschlags und desto näher eine innere Kriiis, die nur der Reaktion zugute kommt. treten in den Kamoi unter Wahrung unserer vollen Sclbuändigkeit. Ein Wahlabkommen liegt nur mit den Nationalliberaleu vor unb soll, ge^ep gcyalten werben» ,

Der Aufruf zählt bic wichtigsten F-ordcrungen bes öuii- gungsprograntniS von 1910 unter Anwendung der wick,- ligstcn Tagesfragen auf und schließt:

,,Hohen Zielen gilt der Kampf. Wähler, ihr habt die Macht. Gebrauch! sie! Funck, Voriitzcnder, v Paoer, criier, Schrader, zweiter stellvertretender Vorfitzciidcr deS ZentralauSschußes Trr gcschästsführcnde Ausschuß: Fi chheck, Borsitzcndcr, Monimsen, stellvertretender Vorsnendcr, Vielt, Cassel, Gothau, Günib-r, Gvßllng, Haußmann, Hummel, Kampf, Kovjch, v. Liszt. Müller- Meiningen, Naumann, Pachnickc, Rößler, Trager, Wlcnici.

Die hcöolulion in China.

Peking, 18. Nov. Puanschikai machte bekannt, daß die Insurgenten gestern die Kaiserlichen bei Han kau int Rücken angriffen. Es kam zu einem listigen Kamps. Die Insurgenten wurden mit großen V e r l u st e n u r ü ck g e w o r f c n.

Mnkden, 18. 9h>o. Tas Lokalkomitee crflärtc alle Beringungen der Zentra lregierung für ungültig. Der ofsizielle Verkehr des Bizekönigs mit Peking ist eingestellt.

Zum Verfolg ber dnncuidH'ii Revolution wie aller politischen Vorgänge in Litauen bietet die soeben im Verlag ber OBll^u-r Gcographucben Anstalt von Justus Perthes ea'chieucne große sarbenpruchtige Karte vom Sdauplatz ber chinesischen Revolution willkommene Gelegenheit. Ter Verlas,er ist ivieoerum Prof. Paul Langhans, ber Herausgeber derMilitärgeograpine , b.iicn cühcre SVaegslarten in Hunderttausenben von Exemplaren den Weg über den ganzen Erdball gcfunben i^aben.________________

Der russisch-persische Streit.

Petersburg, 18. Nvo TicVtowojc Wrcrnja" er* ährt, baß bic biplomatifchen Beziehungen ^wi­chen Rußlanb und Perfien abgebrochen finb, bic beider- eiligen Vertreter aber an ihren bisherigen Wohnorten verbleiben.

Au» StaSt und Land.

Gießen, 20. November 1911.

** Vortrag über Sumatra Man schreibt uns: Nur wenige Dentsck>e wissen etwas Näl^ercs über bic Jnfel Sumatra. Und doch fpielt hier die deutsche Tatkraft unb Intelligenz eine hervorragende Rolle. Nicht wenige Teutfche besitzen auf der fruchtbaren Ostküstc große Tabaiplantagen, die zu dem Aufschwung bcs deutschen Hanbcls im fernen Osten viel beitragen. In dem hohen Gebirgsland im Innern haben deutsche evangelische Glaubensboten das wilde Volk der Battrker in 50 Jahren zum großen Teil christianisiert. Die Batat-Misfion gel-ört heute zu den hervorragendsten und wichtigsten Unternehmungen des evcmg. Glaubens. Des­halb dürste der Vortrag, den Herr Missionsdiretlor Spiecker-Barmen heute abend in Steins Garten über seine diesjährige Inspektionsreise durch die Bataklaube halten wird, wohl auf Teilnahme auch in weiteren Kreisen rechnen.

* Kolosfeum. Der neue Spielplan des ikolossenmS, der sich sbrtgesetzt des lebhaftesten Beifalls erfreut, bietet wieder manche schöne und überraschende Darbietung. Die Direktion ist bemüht, wirklich oute und gediegene Vor- ffceKimgen zu geben unb lauter hervorragende Künstler zu präsentieren. In G. W a l t b e r hat sie diesmal einen ganz außergewöhnlich guten Griff getan; ber junge Mann voll- führt an völlig frei stehender Leiter ausgezeichnete Uebungen und Kunststücke, die gerabezu staunencrrcgenb sind, glicht minder gut ist das komische Radfahrerpaar Darley, das alles, was bisher auf diesem Gebiet geleistet wurde, lief m den Schatten stellt. Die Fülle bes Gebotenen und die stetÄ wechselnden Kombinationen die hier vorgeradelt tocroen, übersteigt alte Begrisse. Als vorzüglicher Humorist be­wahrt sich Max Lange, das sächsische Unikum mit fernen originellen Borträgen, die außervrbentlichen Beifall finben. Als PaulaunbMaxen erzielte er mit feiner Partnerin ebenfalls die angenehmste und heckerste Wirkung. Bedeu­tende Fähigkeiten bekundet auch das Go lz-Trio auf rollenden Kugeln und am Drahtseil. Eine niedliche Sou­brette ist Paula Wacker und ihre launigen Liedlein er­freuten sich einer guten Aufnahme. Als fchicke Venvand- lungstänzerin erweist sich Heta Tamara und ihre ge­samten, schönen Darbietimgen sanden jubelnden Beifall. Auch die englischen Sand unb HolzschuhTTanzer Rose und Melsorb zeigten sich als äußerst gewandte und ge­schickte Künstler. Bernharb Leszinsky fand mit feinen teilweise aktuellen Kupletts den Beifall des Hauses und auch die burleske Schlußnummer ber MokaschlY, ein fideles Gefängnis, erfreute sich ber Ohinft des Publikums.

Kreis AlSseld.

A Alsselb, 18. yiot). Die Geflügelzuchtvereine von Lberhessen eröffneten heute eine Prooinziaigeflügel- ausstellung imDeutfchen Kaiserin Infolge bet Maul- unb Klauenseuche mußte tu letzter Stunde die Schau sehr beschränkt, unb viel angekommenes Geflügel aus den Be­obachtungsgebieten zurückgefanbt werben. Es finb nur die Züchter Der Kreise Alsfeld, Lauterbach unb Schotten zu- gelasfen unb auch hiervon mußten einige Orte ausscheiben. Demgemäß blieb auch die Zahl der ausgestellten Stämme hinter früheren Ausstellungen zurück. Unter ben ausgestell­ten Tieren fah man hervorragenbes Zu^material. Die Ausstellung wurde am Samstag durch den Vorsitzenben Rebatteur Post-Alsfelb eröffnet. Dem Ehtenausfchuß ge­hören an: Kreisrat Dr. Heinrichs, Bütgerm«stet Dr. Vol- sing, die Landlagsabg. Reh, Korell unb Lutz, Lekonomierat Schade-Alsfeld. Die Prämiierung, bie Mückler-Bingen und Fnck-Biebrich Vornahmen, hatte solgenbes Ergebnis: A. Hühner. 1. Ehrenpreis e: Hch. Rabe-Schlitz, Gast­wirt Wennerhold-Zell, Forstwarl Maul-Hartershauseu, Otto Hahit-Vabentod, G. Hch. Keil*ytrebenborf, Wilh. Harnack-- Zell, Lehrer Torr-Lehnheim, Heinrich Reinharbl-Schlitz; 2 Preise: hch. Hill-Babenrod^ Hch. Reinhardt-^Schlitz, Gasnvlrt Wennerholb-Zell, Iohs. Lchaud-Schlitz, I. Tönng- Schlitz, H. Kell-Slrebenbon, Dr. 'Neuenhagen-Romrod, Dr. Wed er-Alsselb; 3. Preise: h. PLerf chro d-Zeilb ach, .Hch. Hill-Babenrob, H. Zimmer-Zeilbach, Dr. Weber-Alsfelb, Jak. Rofenmeyet-Schlitz, Forstwart Maul-Hartershausen, Gg. Hch. Keil-Strebettdorf (6y, Karl Sehri-Badenrob, M. Döring- Alsfeld, Herm. Müllcr-Schlitz, Leyrer Fink-Zell, H. Lerch- Leizeubor^ W. Harnack-Zell, H. Iung-tzuborf, Lehrer Dörr-