eilten und ihm ihr aufgeslan',teS Drjonett auf die Brust setzten, wahrend die Marokkaner ihnen -»riefen, sie sollten schießen. Thirict forderte den anwesenden spanischen Offizier auf, der Szene ein Ende zu machen. Dieser mußte Gewalt anwenden und bic erregtesten seiner Leute mit dem Säbel bedrohen. Thiriet wurde an den Beinen fest gehalten und ins Lager geführt. Auf seine Forderung hin ließ der spanische Offizier ihn in ein Zelt eintret en, und gab ihm Zeit, mit ihm zu sprechen. Der Spanier warf Thiriet Animosität gegen seine Nation vor und sagte, er habe einen Angriff auf Soldaten, die zur spanischen Truppe gehörten, unternommen. Thiriet antwortete mit der Forderung, Oberst Sylvestre solle den Offizier fragen, der bei den: Vorfall zugegen gewesen war. Dieser wurde herbeigerusen und setzte dem Obersten Sylvestre die Vorgänge auseinander, jedoch in spanischer Sprache. Daraus sagte Sylvestre, daß Thiriet sich zurückziehen könne, und bot ihm die Begleitung einiger Offiziere an, die Thiriet jedoch ablehnte.
Die spanische Darstellung.
Freitag abend 11 Uhr hat die spanische Regierung ein Telegramm des spanischen Gesandten in Tanger erhalten, das den Bericht des Obersten Sylvestre über den Zwischenfall mit dem Leutnant Thieriet wicdcrgibt. Oberst Sylvestre berichtet:
Um 71/2 Uhr abends hat sich vor den Augen des Wachtpostens, der sich auf halbem Wege nach Elksar an einer Furt des Ued Gerial befindet, ein schwerer Zwischenfall abgespielt. Leutnant Thiriet von der französischen Militärmission verfolgte Wegspuren, die ihn zu einem Individuum führten, das er nach der Uniform für einen Deserteur der Mahalla hielt. Als Thiriet einen Trupp berittener Askaris vom Polizcitabor sich nähern sah, ergriff er einen Revolver und befahl der T r u v p c , Halt zu machen. Der Korporal wollte Thieriet festnehmen, um ihn zn fragen, was vorgehe. Ohne weitere Erklärung o h r fcigte Thiriet den Korporal. Der spanische Wachtposten, der den Vorgang mit an sah, gebot Thiriet Halt. Thiriet entfernte sich jedoch In dem Augenblick, wo die Wache sich an- schickte, ihn daran zu hindern, erschien eine Abteilung Kavallerie. Der Leutnant dieser Abteilung lud den französischen Leutnant höflich ein, Oberst Sylvestre auszusuchcn, um ihm die Sache zu erklären. Als er in mein Zelt eintrat, veranlaßten mich seine Bewegungen und seine lauten Ruse, die von meinen Offizieren gehört wurden, ihn zu bitten, das aufzugeben und mir den Sachver > halt zu erklären. Er teilte mir mit, daß bi: Unseren es an Achtung ihm gegenüber hätten fehlen lassen unb bot mir an, sich aiy Gefangener zu stellen. Ich antwortete ihm, ich hätte seinen Besuch zwecks Aufklärung ans vorhergehende Einladung des Leutnants empfangen. Mit Rücksicht auf seine Haltung suchte ich die Unter; rcdung abzubrechen. Um zu vermeiden, daß er sich als Gefangener betrachte, lnd ich ihn ein, sich von dem stellvertretenden Kommandanten begleiten zu lassen. Er lehnte mein Anerbieten ab. Die Haltung dieses Offiziers, der bic Schilbwache einer befreunbeten Nation so schlecht behandelt hat, zeigt Ihnen, daß die Angelegenheit eine außerordentlich schwere i ft infolge der persönlichen Einmischung in die Verfolgung der Deserteure in Elksar selbst, das unsere Truppen besetzt halten, statt bic Sorge hierfür gemäß den Vorschriften den Kaibs nnb in letzter Linie meiner Autorität zu überlassen.
Oberst Sylvestre fügt hinzu: Am 19. Quli hat berselbe Offizier vor ben Augen unseres Postens einem Mann ber Mahalla bic Bastomiabe neben lassen, ohne baß unsere Soldaten ihn in irgend einer Weise belästigen.
Nach Empfang dieses Telegramms hat der Minister des Aeußern an ben französischen Botschafter in Madrid geschrieben und an den spanischen Botschafter in Paris telegraphiert, wobei er auf die Folgen hinwies, die sich aus dem Vorgänge ergeben, und die dringende Notwendigkeit gegenseitiger Maßnahmen betonte, um die Möglichkeit schwerer Konflikte zu vermeiden.
Madrid, 22. Juli. Der Ministerpräsident und vier gegenwärtig in Marokko weilende Minister trafen heute vormittag zu einer Erörterung der marokkanischen Fragen zusammen. Tie Regierung erhielt noch keine andere Nachricht aber den Zwischenfall Thiriet, als das Telegramm des Obersten Sylvestre. Die Minister beobachten strenge Zurückhaltung und stellen jede ihnen etwa zugeschriebene Aeußerung über die Zusammeir- tunst in Abrede. Canalejas telephonierte dem Minister des Aeußern, die Minister wünschten und erhofften eine schnelle und freundschaftliche Lösung.
San Sebastian, 22. Juli. Der Minister des Aeußern hatte heute vormittag mit dem französischen und dem deutschen, sowie dem englischen Geschäftsträger eine Unterredung.
Die deutschen Schiffe.
Teneriffa, 22. Juli. Am 21. Juli ist „Panthe r" hier angekommen, „Eber" liegt noch vor Anker.
Zoftf von Kofcidsti f.
Posen, 22. Juli. Das Herrenhausmitglied Josef von 'Koseielski ist auf dem Gute Miloslaw un 66. Lebensjahre gestorben.
Koseielski hat in der Aera Caprivis eine bedeutsame Rolle gespielt, als der „Versöhnungskurs" begonnen hatte. Für die Abstiminung der Polen für die Militärvorlage erhielt Koseielski damals vom Kaiser ein gnädiges Telegramm und den Krvnenorden 2. Klasse.
Heute würdigt ihn.die Köln. Ztg. wie folgt:
Mit dem ungekrönten König von Polen, wie das Herrenhaus- mitglicb Joseph v. Koseielski wegen seines Einflusses in ben Kreisen der polnischen StandeSherren häufig bezeichnet wurde, ist ein Vertreter des polnischen Abels dahingegangen, ber, unter anbern Verhältnissen zu einer Vertrauensstellung berufen, bas baburch gewonnene polnische Ansehen und Vertrauen in einer Weise benutzt hat, die den Interessen des preußischen Staates entgegen war. TaS politische Ansehen 0. Koscielskis ist in dem Maße gesunken, wie feine oft gehässige Opposition gegen die preußische Politik in der Ostmark wuchs. Diese Opposition, die dem durch bic Gunst ber höchsten Hof- und etaaldbcamienhcifc früher verwöhnten polnischen Standesherru keinen Augenblick schwer gefallen ist, zeigte sich in feiner Bekämpfung der preußischen Polenpolilik, die er u. a. vor einigen Jahren in ber französischen Zeitschrift La Revue sowie in der englischen Monatsschrift Contemporary Review in ebenso oberflächlich entstellter wie Llusschcn erregender Weise der europäischen Oeffentlichkeit bar legte. Bezeichnend für öie Kampf es weise des Mannes in dieser Frage ist der Satz, den er in dem ausgesprochen deutschfeindliche Echo bc Paris zu frechen wagte, daß nämlich alle Deutschen, die nach dem Osten acfchickt würben, zum „Abschaum ber Bevölkerung" gehörten, ein vciab, ber bei den jüngsten Erörterungen der Polenpolitik int preußischen Abgeordnetenhause wiederholt worben ist und die wuchtigsten Wiberlegungcii erfahren hat.
Versammlung Ser Fortschrittlichen Volkspartei unter freiem Himmel.
O(l. ... . . Z- Daub ringen, 23. Juli.
, , -"r* Einleitung zum kommenden Wahlkampf veranstal- tete die freisinnige Volkspartei in Taubriugen ein Volksfest, Zn dem )ic als Redner den Reichs- unb Landtagsab- geordneten K 0 p s ch Berlin gewonnen hatte. Trotz der Hitze war eine sehr zahlreiche Versammlung von Männern grauen im Garten des Gastwirts E. Schäfer zusammen- ^strömt. Die Ruhe, die eben in unserem Wahlkreise im politischen Leben herrsche, ,0 führte Lehrer Jüngel- Daubringen, der bic Versammlung eröffnete, einleitend aus, fei bedenklich, und. LS mußten schon jetzt leichte Winde
wehen, bevor der Sturm komme. Dann hielt Reich^tags- abaeordneter Kopsch seine Rede, die mit einem Bericht über die Tätigkeit des Herrn Abgeordneten Werner im Reichstag begann und dann das Verhalten der Konservativen und des Zentrums in der inneren Politik darlegte, -ter Bericht über die Tätigkeit des Herrn Werner fiel nicht zu dessen Gunsten aus, und der Redner hofft, daß ferne Herrlichkeit nicht allzulange dauere und daß auch die dcw nächste Mal zum Sieg des Liberalismus beitrügen, die das letzte Mal versagt hätten. Tie Antisemiten und die Kvn- servativen handelten sozial ungerecht: einmal in der Reichs- finanzresorm, dann beim Zustandekommen der drei sozialen Gesetze (Krankenkassenversicherungs-, Unfall-, Jnvaliditats- gesetz), dadurch daß die Opfer ungerecht verteilt würden und eine gesunde Mittelstandspolitit ausgeschlossen sei. Was ihre nationale Gesinnung betreffe, so hätten sie bei der Verfassungsfrage in Elsaß-Lothringen sich gezeigt, wo es sich darum handelte, eine Provinz innerlich dem Deutschen Reiche anzugliedern. Nach dem Wunsch der Konservativen sollte Elsaß-Lothringen nicht im Bundesrate vertreten sein und feine volkstümliche Verfassung bekommen. Taß trotzdem die Verfassung zustande gekommen sei, sei das Verdienst der Regierung unb der liberalen Parteien. Ebenso wie die Konservativen sei das Zentrum zu bekämpfen, das nicht in unserem Baterlande herrschen dürfe, und zur Beseitigung dieser Priesterherrschaft müsse jeder Teutsche beitragen. Tann bezeichnete ber Redner die Durchführung der Reichs- versassung in liberalen Sinne — er erinnerte dabei^an den Fall Jatho,— als eine nationale Aufgabe und den Freisinn als die Partei, die mit Stnlz Anspruch auf das Wort national erheben könne. Er schloß seine Anführungen mit dem Rufe: Bauern und Arbeiter heraus zur Durchführung eines sozial gerechten, wirtschaftlich fortschrittlichen und nationalen Programms.
Als zweiter Redner beleuchtete Professor Urstadt die politischen Verhältnisse in unserem Hessenland, das mit Unrecht den Namen eines fortschrittlichen Landes führe. Unsere Ausgabe müsse es sein, der eben herrschenden Reaktion entgegenzutreten und zu verhindern, daß solche Gesetze, wie die letzte Wahlreform, zustande läuten, bei denen der Fortschritt mit zu großen Opfern erkauft worden sei. Jederniann müsse dafür sorgen, daß bei den kommenden Landtags-Wahlen solche Leute gewählt würden, die dafür Sorge trügen, daß die zukünftigen Gesetze in freiheitlichem und fortschrittlichem Geiste erledigt würden.
Abgeordneter Kopsch berichtete dann noch über einige Erlebnisse und Geschichten aus seiner schlesischen Heimat, die das Verhältnis des kleinen Bauern zum Großgrundbesitzer tlarlegen sollten. Er schloß mit der Aufforderung, bei der nächsten Wahl einen wahrhaft Liberalen in den Reichstag zu schicken.
An» Smöe mao LanS.
Gießen, 24. Juli 1911.
Ein Flugtag in Gießen.
Seit ein paar Jahren haben nahezu alle Menschen, die sich eine Zeitung halten, täglich von Flügen und Fliegern gelesen, aber nur verhältnismäßig wenig haben seither ein solches Wunder gesehen. Man hat sich zwar allmählich als etwas alltägliches daran gewöhnt, daß Menschen fliegen, und es ist deshalb gewagt, von Wundern zu reden, aber wenn man sich vergegenwärtigt, daß eine einfache Schraube durch die Höhe ihrer Umdrehungen einen Apparat samt Besatzung in bic Lust reißt und .rotzdem dem leisesten Druck gehorsam bleibt, bann ist es eben doch ein Wunder. Und dieses Wunder sahen gestern Tausende von Menschen.
Der Trieb, der in einem Umfang von 200 zu 300 Metern für die Flüge des Herrn Kahnt abgesperrt war, wimmelte von Menschen. Nach einer oberflächlichen Schätzung waren wohl nahezu 10 000 Zuschauer anwc,end, die alle mir Spannung auf den ersten Aufstieg warteten. Stundenlang harrten sie in der glühenden Hitze, bis der Wind endlich etwas abflaute und dem Flieger ohne außergewöhnliche Gefahr den Aufstieg gestattete. Unter stürmischen Beifall bestieg Herr Kahnt gpgen 1/27 Uhr zum erstenmale sein Flugzeug und erhob sich nach kurzem Anlauf elegant in die Luft. Er flog über Trohe, schwenkte dann links ab und kam nach etwa 6 Minuten nach dem Flugplatz zurück, wo er unter lebhaftem Jubel sehr glatt landete. Ter Flug war nur ein Versuch gewesen, und er war, wie leicht zu ergeben war, nicht befriedigend genug ausgefallen, um sofort wieder aufzusteigen. Als der Apparat in bic höheren, kühleren Luftschichten gelangte, mußte er den Wellenbewegungen ber warmen Erdluft folgen und geriet deshalb in gefährliche Schwingungen. Eine halbe Stunde später folgte dann ber zweite Flug, der über Trohe, Altenbuseck, das Wiesecker Tal und den Philosophenwald führte. Als das Flugzeug in eleganter Fahrt über dem Wald erschien, nachdem cs eine Zeitlang den Blicken verborgen war, brach ein vielstimmiger Beifall aus, der sich bei der äußerst glatten Lanoung noch erheblich verstärkte.
Der dritte Flug war ein Passagierflug, und er sollte, wie Herr Kahnt vorher mitt eilte, nur über eine ganz kurze Strecke ausgeführt werden. Ta aber dem Publikum hiervon keine Mitteilung gemacht worden war, glaubte es nach der raschen Landung an einen Unfall und strömte von allen Seiten heran, so daß es erst nach vieler Mühe möglich war, den Platz wieder soweit frei zu machen, daß der vierte Flug unternommen werden tonnte. Ta Erniahnungcn nichts fruchteten und die Absperrung nicht mehr aufrecht zu erhalten war, ließen die Monteure den Motor aulaufen und die mächtigen Staubwolken trieben die immer näher heran- drängenden Zuschauer wenigstens einigermaßen zurück. Nachdem es Herrn Kahnt trotz dieser Schwierigkeiten gelungen war, sich Platz zum Aufstieg zu verschaffen und nachdem er noch einen prächtigen Flug ausgeführt hatte, sah er sich veranlaßt, seinen Apparat in die Halle zu schaffen, da es nicht mehr möglich war, das Publikum iu seinen Schranken zu halten. Die Zuschauer, die sich teilweise schon um 3 Uhr ein gesund en hatten, sahen sich vor eine große Geduldprvbe gestellt, da es, wie schon kurz erwähnt, wegen des böigen Windes nicht möglich war, vor i/a7 Uhr zu starten, aber diese Geduld wurde schließlich durch die schönen Flüge genügend belohnt, und Gießen muß es dem Sportverein Dank wissen, daß er sich trotz der Höhe der Kosten unb trotz des zu erwartenden Unterertrages nicht gescheut hat, einen Ö-Iicger hierher zu rufen. Der äußere Erfolg der Veranstaltung ist umso erfreulicher, als dabei nicht der geringste Unfall vorgekommen ist. Ein Kind, das in dem allgemeinen Trubel aus seinem Wägelchen geworfen wurde, hat glücklicherweise keinen Schaden genommen, es dürfte aber eine Mahnung sein, daß künftighin die Absperrung mit rücksichtsloser Schärfe durchgesührk wird. n.
* * Die Unkenntnis des Publikums in allen den Zeuungsbetricb betreffenden Fragen ist weitaus größer als man gewöhnlich annimmt. Täglich gelangen an die Redaktionen Anfragen und Mitteilungen, dre den Anzeigeu-
teil des Blattes betreffen, und daher an die Geschäftsstelle zu richten sind. Die Redaktion einer Zeitung hat lediglich ?mt dem Textteil des Blattes zu tun und nichts mit dem Anzeigenteil. Anfragen und Auftrage, die den Inseraten- teil betreffen und bei der Redaktion cingehen, müssen von dieser an T>ie Geschäftsstelle weitergegeben werden und können dadurch leicht verzögert werden, besonders wenn sie erst in letzter Stunde einlausen. Auch bei telephonischen Ansraaeu ist das zu beachten und zwar umsomehr, als in dem amtlichen Fernsprechverzelchnis unter Gießener An- Seiger nur die Redaktion mit Nr. 11-, tiicht aber bte @e- schastsstelle, die die Nummer 51 hat und unter Bruhlsche Druckerei aufgeführt ist.
"Der Kaiser trifft, wie die Bürgermeisterei Main- bekannt gibt, am Freitag, deni 11. August in Mainz, ein.
"Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspicanten Wilhelm Grieb an§ Ober-Höcgern eine Lehrerstelle an der Gemcindeschulc zu 51 öddingen.
* * Stadttheater. Nochmals sei auf die einmalige Aufführung der neuen Operette ,,Die keusche Susanne" am morgigen Dienstag mit dem Personal des Emser Kurtheaters hingewiefen. Die Ausführung verspricht einen überaus amüsanten Abend, wie denn das Werk gegenwärtig den Spielplan der Sommertheater geradezu beherrscht So war z. B. in dem regelmäßigen Spiclplan auswärtiger Bühnen, den die Frankfurter Zeitung täglich bringt, dieser Tage bei 13 Theatern siebenmal die Aufführung unseres Werkes angezcigt. Die Studierenden genießen auch bei dieser Vorstellung an der Abendkasse Preisermäßigung.
• • Der Schützenoerein veranstaltete gestern und heute sein Schützenfest, das wie stets mit einem Preisschießen verbunden war, auf dem Schützenplatz. DaS Schießen nahm um 3 Uhr nachmittags seinen Anfang; eß dauert bis heute abend. Es wird in 7 Abteilungen geschossen: Punktscheibe, Standfestscheibe, Standlneisterscheibe, Feldmeisterscheibe, Aufleg. scheibe, Jagdscheibe. Gestern nachmittag von 4 Uhr ab begann Konzert und Tanz; die Regimentskapelle konzertierte. Auch eine bayerische Bierhalle und eine Rutschbahn war vor- banden. Ter Besuch war am Nachmittag durch die Schau- flüge auf dem Trieb etwas beeinträchtigt. Gegen Abend war der Schützenplatz gut besetzt. Karussells, Schießbuden, Schaubuden ii. dergl. in. sorgten für Volksbelustigung. Abends wurde em großes Feuerwerk abgebrannt. Montag beginnt das Schießen schon um 8 Uhr vormittags; die Preisverteilung findet abends statt.
* • Die Klinizisten -Vereinigung beging am Samstag dem 22. Juli am LudwigSbrunnen im Schiffenberger Wald ihre Jaßpartie. Am Nachmittag zogen die Angehörigen der Vereinigung mit den Professoren, Privatdozenten und Assistenzärzten unter Musikbegleitung hinaus und abends gingS im Lampionzug nach dem Vereinslokal „Hotel Royal", wo noch einige Zeit in fröhlichster Stimmung ungehalten wurde.
* • Der rheinhessische Weinbau-Verein hielt kürzlich eine Sitzung ab, die zur Regelung dec Herbstmaße wohl von weitgehender Bedeutung ist. Man beschloß nämlich, ganze Trauben im An- und Verkauf nach 50 Kilogramm zu verkaufen, gemahlene Trauben dagegen im Maße von 50 Litern abzufetzen, da das 100-Liter-Maß seiner Unhandlichkeit wegen unzweckmäßig ist.
* * Waldbrand. Im Stadtwald an der Annerödri Straße entstand gcflern ein Waldbrand, der eine etwa 400 □ Bieter große Flüche Unterholz zerstörte. Die Feuerwache der Obcrhess. Bahn, welche bekanntlich die Bahnstrecke während der großen Hitze beständig im Walde abpatrouillierle, entdeckte den Brand und löschte ihn unter Zuziehung von Passanten und städtischen Arbeitern ab, so daß nennenswerter Schaden nicht entstand. DaS Feuer entstand an einer Stelle, wo anscheinend vorher Waldgänger gefrühstückt hatten. Jedenfalls lag Fahrlässigkeit vor.
** Von den Schlachthöfen von Gießen und Marburg, in geringeren Massen auch von Fr an t für t a. M, Mannheim, Apolda, Koburg uno Stadtsuiza tarnen unlängst Häute, an denen ein neuer Hautfchädling angetroffen wurde, der iu Gestalt von Milbeupustelu durch die deutsche Versuchsanstalt für Leder-Industrie zu Freiberg feftgeftcUt, und folgendermaßen begutachtet worden ist : Es handelt sich um Pusteln, die aus einem häutigen Sack mit blutigem Inhalt bestehen, in deren Innerstem eine grau- weiße, eiterähnliche Substanz enthalten ist, bic sich als Milben erwies. Tie Pusteln tommen nur im weichen Kern- leder, in der Mitte der Haut, viel auch am Halse vor: Aus der enthaarten Haut erscheinen sie als zahlreich zerstreute Knötchen, die mit blutigem Inhalt gefüllt sinb und meist Linsen- bis Erbsengröße haben. In einer einzelnen Pustel besiubeu sich öOUu—10 UO.) Milben, bie einen breiten Vorher- leib mit 4 Paar kurzen dicken Füßen besitzen. Der Kopf hat einen Rüssel und 2 Tasten. Der Hinterleib ist schwanz- ähnlich zugesprtzt. Tie Pusteln gehen weder nach der Oberhaut noch nach der Fleischseite ganfi durch. Beim Bear- beiten zerquetscht oder geöffnet, entsteht in der Haut ein Hohlraum, wodurch diese entwertet wirb. Eine der Häute, die mit diesen Schädlingen behaftet war, zeigte auf jeder Hälfte ca. 50 Pusteln, so daß die Haut fast vollständig entwertet war.
Tie Maul- und Klauenseuche greift in Ober- hesien bedenklich uni sich. Auch im Kreise Büdingen, der bisher noch unverseucht mar, ist sie gestern ausgebrochen und zwar in dem Orte Hitzkirchen im südlichen Vogelsberg. In Oberhessen ist jetzt nur noch der Kreis Alsfeld von der furchtbaren Seuche verschont geblieben.
" Wertloser Dünger. Die Landwirtschaftskauuner für den Regierungsbezirk Wiesbaden warnt vor dem unter dem Namen „Universal-Stickstoff-Phosphorsäuer- und Kali» Dünger, Marke ü. 8. P. K.u, ui den Handel gebrachten Düngemittel einer Frankfurter Firma. Der Dünger soll in unserer Umgebung viel vertrieben werden. Die agrikultur» technische Versuchsstation schätzt seinen Wert aus etwa 3 Mk. für 100 Kg., während die Fabrik 12,67 Mk. dafür fordert.
Landkreis Gießen.
F ■_ -7 .W 7 s e ck, 23. Juli. Vom schönsten Wetter begünstigt feierte heute unsere Gemeinde in dem nahe gelegenen Hccgivalde lyr ^ugenofest, das im allgemeinen einen befriedigenden Verlauf nahm. Schon um 1 Uhr erfolgte von dem Schulhausc an der &nCo»CE "t.aÜd bcc malerische Festzug der durch Kränze, r^ayncu und Fähnchen geschmückten Schuler unb Schülerinnen. Jcacb einem von^ den oberen Klassen vorgetragenen Sieb hielt der Bürgermeister ch o mbcr eine schwungvolle Ansprache, Die et. mit einen1 Doch auf das .Vaterland schloß. Die einzeln en Klassen xuateii dtuirr zum spiel ab^ byn die UrMchseuW fflit sichtlich^


