Ausgabe 
23.1.1911 Erstes Blatt
 
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und japanischer Seite abgesetzt, da er fanitärm Maßnahmen Widerstand entgegen gesetzt hatte.

Zwischenfälle bet ber Hilfeleistung.

Hankau, 22. Ian. Tie englische Polizei ließ einen Kuli, den sie todkrank aufffanb, nach der Polizeistation bringen, ber Kuli starb unterwegs. Die Chinesen behaupteten, die Po 11 i c i habe ihn getötet und brachen in Unruhen auö. loon dem englischen KanonenbootThistic" unb dem deutschen Ka­nonenbootJaguar" würben Freiwillige ausgeruien und Mordnungen gelandet, die von der Menge mit sterncu be­worfen wurden. In dem folgenden Kampf wurden acht Chi- nesen getötet Der Vizekönig entsandte d)inciifd)c Trup­pen zur Wiederherstellung ber Ordnung. Die Lage, bie zuerst ernst war, gestaltete sich bald ruhiger. M _

(peit Beginn der Pestepidemie bis zum 20. Januar smd innerhalb der Mandschurei 831 Chinesen unb 25 Europäer er­krankt, 821 Chinesen und 24 Europäer gestorben.

Kleine Tagerchronik.

Der angebliche Mörder des Rittmeisters von Krosigk, der Arbeiter Fischer, hat bet feinem Verhör durch den Untersuchungsrichter der 19. Division die Erllä.una abgegeben, daß er mit Dem Mord an dem Rittmeister v. Krosigk Nichts zu tun habe. Die Untersuchung wird fortgesetzt.

Die Pest in China.

In der Umgegend von Peking sind nach der Meldung des Reuterschen Bureaus wieder mehrere Pest falle mit köbluhem Ausgang vdrgekommen, innerhalb der Stadt aber kemer. Zahl­reiche Opfer fordert die Pest m einem Dorfe bet Tschxsu. ...Der Toatai von Chardin wurde infolge eines Protestes von runi|d)cr

Arbeilsmartt in Hessen u. Hessen-Nassau im Dez. MO-

Frankfurt a. M., im Januar 1911.

Das Weihnachtsgeschäft brachte manchem Arbeitslosen vor­übergehend Beschäftigung. Auch durch die verhältnismäßig gün­stige ÜBitterung konnte in manchen Berufen während des größten Teiles dqs Dezembers gearbeitet werden. In der Metall­industrie ist die Zahl der Arbeitslosen zurückgegangen und der Arbeitsmarkt dürfte den Erwartungen ziemlich entsprochen haben. Dxc Berichte sprechen von einer ruhigen Entwicklung der Metallindustrie. Die im vorigen Monatsbericht gemeldete Veränderung in einer großen Elektrizitätsfirma zeitigte auck) im

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Vogelsberger Sahnfragen.

AuS Lauterbach, 21. Januar, wird uns geschrieben: In unserem Kreise befaßt man sich zurzeit mit dem Pro­jekt der Verbindungsbahn Treysa-Alsfeld, die in der nächsten Zeit gebaut werden wird. Im Anschluß hieran wird empfohlen, einen rascheren Anschluß mittelst der Vogelsberg-Bahn nach Frankfurt zu schaffen, und zwar durch den Bau der Verbindungsstrecke von Bermutshain nach Birsteiu. Mit der Bahn Lauterbach-Stockheim-Vil- bel braucht man etwas über 5 Stunden, um von Lauter­bach nach Frankfurt zu gelangen, eine Strecke von 112 km; eine raschere Verbindung kann nicht erreicht werden, da auf der Strecke Stockheim-Gedern der Schienenweg mit der Landstraße verschmolzen und verbunden ist, was zur Einhaltung einer sehr geringen Geschwindigkeit verpflichtet. Eine Abänderung ist unmöglich, und so wird die Strecke Stockheim-Vilbel für alle £eilen dazu verurteilt bleiben, im Tempo der Kleinbahn zu fahren.

Anders dagegen, wenn das fehlende Glied in der Ver­bindung Lauterbach-Wächtersbach, das nur 13 Kilometer lange Stück Birst ein-Bermutshain, gebaut wer­den würde. Von Lauterbach bis Wächtersback) wären dies dann zusammen 53 Kilometer, die ganz bequem in drei Stunden gefahren werden könnten, von Wächtersbach nach Frankfurt fährt man mit dem Eilzug die 55 Kilometer in einer Stunde, also hätte man im ganzen drei Stunden Fahrzeit, dieselbe Zeit, die man über Fulda bei Benutzung der Eilzüge braucht. Doch Lostet es über Fulda zirka 90 Pfg. mehr wegen der größeren Entfernung, die zurück­gelegt werden muß.

Würde das fehlende Glied Bermutshain-Birstein ge­baut, so würde der Verkehr nach dem Vogelsberg von Frankfurt aus sich zweifellos vervielfachen, denn bann würde man an den Rand des Oberwaldes über Bermuts­hain in 1% Stunden gelangen und von Osten aus den Aufstieg vornehmen und in der gleichen Zeit statt in der doppelten (über Schotten) nach Frankfurt zurückkehren. Eine starke Benutzung der Bahn in den Vogelsberg würde auch von Bad Orb ein treten, das jetzt schon über 5000 Kurgäste hat, die dann bequemer in den Vogelsberg als in den Hochspestart kommen fömiten, weil dort eine Ver­bindungsbahn nicht vorhanden ist. Wesentliche Vorteile sind ferner zu erwarten für die Holzverwertung der berührten Strecken, man hat die Erfahrung gemacht, daß bie Bahnverbindung die Preise ungemein steigerte. Dann lande auch die hervorragend gute Milch der viehreichen Vogelsbergdörser rasche Beförderung nach Frankfurt, wo man diese würzige Qualität sicher höher bezahlen wird, als andere; für viele landwirtschaftliche Produkte, Butter, Eier, Geflügel, würden bessere Preste erzielt werden. Seit­her hat bie lange Reise die Frankfurter Jager von der Pacht der so erträglichen Jagden im Bogeisberg abge­halten, ist die Strecke aber in zwei Stunden zu erreichen, dann werden sich manche Liebhaber einfinden, die für den Herrensport hohe Preise zahlen, ebenso für die Forellen- wäsfer. In bergmännischer Beziehung ist noch manches im Vogelsberg zu erschließen, wozu die bequeme Erreich­barkeit auch größere Möglichkeiten eröffnet. Es ist also wohl desSchweißes der Edlen" wert, daß der Bau des so geringfügigen Bindegliedes Bermutshain-Birstein als­bald in die Wege geleitet wird, nicht zum mindesten zum stutzen des Kretjes Lauterbach und seiner emporblühenden Kreisstadt.

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Gesucht für L Februar ein erstes Hausmädchen das nähen, bügeln und servieren kann. loto

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deS Kaisers und des GroßherzogS. Neben dem Vater und den anderen Verwandten des Verewigten war als Vertreter deS Kaisers der kommandierende General v. Eichhorn, als Vertreter des Großherzogs Generaladjutant, General­major v. Hahn und Oberstallmeister Frhr. v. Riedesel zu Eisenbach erschienen. Weiter bemerkte man sämtliche Ofsi- 'icrc der Garnison, Staatsminister Ewald, Minister von Hombergk und eine Anzahl höhere Minifterialbcamte, Reichs­und Landtagöabg. Dr. Osann, Beigeordneten Müller, ferner eine zwölfgliedriae Marine-Abordnung aus Kiel und eine Äorbnung der Unterseeboot-Abteilung il a. m. In der Kapelle hielt Militärvfarrer Schöttler eine ergreifende Gedächtnispredigt. Nach dem Gebet des Geistlichen setzte sich der endlose Trauerzug nach der Familiengruft in Be- wegung. Am Grabe sprach der Militär-Geist.iche noch Ge­bet und Einseguna und bann schloß mit einem Choral bie würdige Trauerfeier. Unter den zahlreichen Kränzen, bie an der Gruft niedergelegt wurden, befanden sich solche von der Flottille der llnter-Seebootflotte, vom Marineverein Darmstadt und der nationalliberalen Partei Hessens.

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M Kirtorf, 21. Jan. Gestern wurde durch die hiesiac Obersörsterei zu Maulbach in der Wirtschaft von Zahrt bie erste größere H o.l z v e r st e i g e r u n g abgehalten. Es war em nicht unwesentliches Steigen der Preise gegen die des vorigen Jahres bemerkbar. Doch blieb im Durch,chnitt die Hohe des Preises bei allen Holzarten etwas unter dem Tarrs. Viele Leute, Die bei dem günstigen Preisstand vorigen Jahres ihren Bedarf retch- lid, gedeckt halten, konnten diesmal Zuschauer bleiben.

Berlin, 21. Jan. (K a l i s y n d i kat.) In der heuNgen Gesellschaftsoersammlung des Kalis yndikats bestätigte der Vor­stand die Schätzungen, welche in der letzten Versammlung ab­gegeben wurden. Danach beläuft sich der Mehrabsatz der Syndikatwerke im Jahre 1910 gegen das Jahr 1909 auf 8 400 000 Mark, das amerikanische Syndikatsgeschast gestaltete sich im Jahre 1909 autzeroroeuilich günstig; obgleich die außersyndtntt- lichen Werke für etwa 25 Millionen Mark Kalisalze unter Zu­grundelegung der Syndikatspreise nadj ben Vereinigten Staaten Lieferten, ist das Institut in ,einem Absatz gegen bas Jahr 1909 nur um vier Millionen zurückgeblieben. Die europäischen Lander brachten einen Mehrachatz von ll'/, Millionen Mark; dieser kommt in erster Linie auf Deutschland, Holland, Frankreich, Italien, Rußland, Skandinavien und England. Mit den großen deutschen landwirtschastlichen Körperschaften wurde ein neues Ab­kommen für das Jahr 1909 vereinbart, welches demnächst unter­zeichnet werden soll. Das Kalisyndikat steht au, dem Stand­punkt, daß zur AusNärung über die rationelle Ackerwirts chatt, bie in engem Zusammenhänge mit der künstlichen Düngung stehl ein Zusammenwirken der landwirtschaftlichen Körperschaften unb bes Kalijyndikats unbedingt erforderlich ist.

Berichtsmonat Entlassungen, doch trat ein Überangebot von Arbeitsuchenden noch nicht ein. Weitere Entlassungen sind von der Firma in den nächsten drei Monaten in den auszuhebenden Produktionszweigen geplaM. Abgesehen von den Gießereien, die mit einigen Ausnahmen über schlechten Geschäftsgang nagten, herrschte in fast alten übrigen Branchen der Metallindustrie ein lotter Zug, zum Teil mit Nachtschichten und Ueberftunbcn im Gefolge. Im Jnstallationsgewerbe wurden fortgesetzt Arbeiter verlangt. Dasselbe traf für Frankfurt a. M. auf das Bau- chlossergewttbe ru, wobei wohl eine Reihe städtischer Ebjcne maßgebend gtloeien sein dürften. In der Papierindustrie herrschte guter Geschäftsgang, ein in Hanau in einer Papier- abrit anfang Dezember ausgebrochener Streik wegen höherer Lohn- ordemng tonnte roidber beigelegt werden. In der Leder­waren-und Reiseartikel-Industrie wird von Offen- bach ein andauernd guter Geschäftsgang gemeldet. In der Holz­industrie war die Deschäftigungsgelegenheit für Arbeiter auf bessere Möbel in der ersten Hälfte des Monats günstig, doch wurden am Ende des Monats Entlassungen vorgenommen. Im Be­kleidungsgewerbe war durch das Weihnachtsfest der Ar- beitsmarkt gut Die Lage des Baugewerbes war im Be­richtsmonat in den einzelnen- Gegenden verschieden. Frankfurt a. M. z. B. meldete eine Besserung, die allerdings gegen Ende des Monats infolge Stillegung einiger Neubauten nachließ; Kassel dagegen teilt mit, daß an allen Bauten im Dezember gearbeitet wurde, während Mainz berichtet, daß im Baugewerbe besonders geringe Nachfrage nach Arbeitskräften herrschte. Im Buch­druckergewerbe war, wie aus Frankfurt a. M. berichtet wird, der Geschäftsgang anfänglich gut, verschlechterte sich aber wie stets vor den Feiertagen. Der Stand der arbeitslosen Trucker blieb ziemlich auf gleicher Höhe wie im Vormonat. Am Schlüsse des Monats blieben arbeitslos 29 Setzer, 17 Dmuer, 3 Schweizer­degen, 1 Stereotypeur und Galvanoplastiker, 1 Graveur, 2 Schrift­gießer und 1 Korrektor, zusammen 54 Arbeitslose gegen 46 im Vormonat. Der Bezirk Frankfurt des Verbandes Deutscher Buch­drucker verausgabte im Dezember Arbeüslosenunterstützung an 64 Mitglieder für 1035 Tage 2232,50 Mk. (im Vorjahre an 65 Mitglieder für 1074 Tage 2332,50 Mk.) und an fReifeunter- stützung an 12 Mitglieder für 48 Tage 62 fDtt. (im Vorjahre an 22 Mitglieder für 112 Tage 138,50 Mk.). Die Ausgabe ür Arbeitslosenunterstützung ist im Dezember 1910 wesentlich geringer als 1909 gewesen, was in den obigen Zahlen nicht fo Sinn Ausdruck kommt, weil 1910 ber Dezember mit fünf Wochen, 1909 dagegen mit vier Wochen gerechnet wurde. Die Beschaf- tigungsgelegenheit im G a st w i r t s g e w e r b e war der Jahres­zeit entspr^hend schleppend. Die Vermittlungstätigkeit für sämt­liches Gastwirtspenonal war zu Anfang gering, setzte jedoch gegen Ende derart ein, daß die Zahlen des Vormonats doch fast überall erreicht rourben. Die ungelernten Arbeiter hatten durch das Weihnachtsfest unb ben dadurch hervorgerufenen verstärkten Poft- und Frachtveckehr, burch Beseitigung von Schneemassen und durch die anhaltende günstige Witterung, bie manche Erd- arbeiten erlaubte, einen guten Arbeitsmarkt zu verzeichnen. £n Kassel fanden Arbeitslose als Treiber Beschäftigung. Notstands­arbeiteri wurden in Wiesbaden in Angriff genommen. Es mel­deten sich 599 Arbeitslose, von denen 177 eingestellt wurden; trotzdem konnte ber Arbeitsnachweis in Wiesbaden größere Auf­träge für auswärtige Erdarbeiten nicht erledigen, da bie Leute auswärtige Arbeit nur ungern annehmen. Die l a n d w irisch. Vermittlung war natürlid) ber Zeit gemäß schwach, hauptsächlich Arbeiter im Mär von 3040 Jahren waren schwer unter-

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i^on den Organen bes Mittelbeutschen Arbeitsnachweisver- bandes wurden, soweit fülelbungen Vorlagen, 7152 ©teilen ver­mittelt (gegen 7713 im Vormonat), darunter: Westerburg 2, Worms (Herberge zur Heimat) 3, Biebrich a Rh. 4, Darmstadt (H. z. H.) 4, Weilburg a. L. 4, Kreuznach 6, Fu da 7, Kreuz­nach f£). z. H.) 7, Wildungen (H. z. H.) 7, Marburg a. L. 9, Oberlahnstein 10, Wiesbaden (H. z. H.) 10, Fechenheim a. M. 11, Marienberg 14, Herborn 16, Wetzlar 17, Diez 24, Hanau a. M. 25, Bingen 28, Gießen (ö. z. H.) 38, Limburg 45, Mainz (H. z. H.) 60, Gießen 84, Darmstadt 165, Worms 167, Friedberg i. H. 176* Offenbach a. M. 263, Frankfurt a. M. (H. H.) 348,

Mainz 456, Wiesbaden 790, Kassel 1043 unb Frankfurt a. M. 3309. ___________________

5um hochschülstreil in Hannover.

Berlin, 21. Jan. lieber die Wirren in der Tier- anrzneischule in Hannover erklärte gestern abend der Land- Wirts chastsminister dem Budgetausschuß bes Abgeordneten­hauses, er habe schon vor drei Wochen eine Abordnung von Studierenden, die einen Streik in Aussicht stellte, ernsthaft die Studierenden dringend vor derartigen Schritten abae- raten Der Direktor der Tierarzneischule ertlärte der Ab­ordnung, er mißbillige ihr Vorgehen, am andern Tag fei tein Studierender im Hörsaal erschienen. Er habe die ernste Absicht, derartigen Ausschreitungen energisch entgegenzutreten und drohte mit der diichtanrechnung des Semesters. 2luch die Berliner 44er- arzneischule habe keine Reltoratsver.asiungen wie die Uni­versitäten, daß der Lehrkörper den Rektor nicht wähle, sondern dem Minister drei Kandidaten Vorschläge, von denen dieser einen auswähle. Tie Zeitungsnachricht, Direktor Dammann fei mitbeteiligt oder patromstere bie Verhält­nisse, ist, wie wir kürzlich schon Mitteilen konnten, völlig aus der Luft gegriffen.

Letzte Nachrichten.

Kaiserslauiern, 23. Jan. Der fahnenflüch­tige Pionier Klotz, der von 20 Pionieren verfolgt wurde, verletzte einen Offizier und einen Un­teroffizier lebensgefährlich. Als Klotz bet Du­denhofen von feinen Verfolgern gestellt wurde, tötete er sich durch einen Schuß mit seinem Gewehr.

Paris, 23. Jan. In Monacco fand gestern eine von 400 Bürgern besuchte Versammlung statt, ui der gegen den von dem Fürsten genehmigten Verfassungsent­wurf Einspruch erhoben wurde, besonders gegen die Teilung des Fürstentums in drei Gemeinden und gegen die Errichtung eines Nationalrats, der keine wirkliche Regte- rungsgewalt besitzt.

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