erftOtter die dagegen erhobener Bedenken zu widerlegen suchen.
Der Antrag auf Erwerb des Grundstückes wird darauf ab- gelehnt.
Es folgt darauf eine sehr lang ausgedehnte Besprechung über den Entwurf eines hessischen Ausführungsgesehes zum Reichs- viehseuchengcsetz und über den Entwurf eines Gesetzes bett. die Entschädigung für an Maul-- und Klauenseuche gefallenes Vieh. Beide Gesetzentwürfe werden zu- -sammen beraten.
Nachdem Ministerialrat Hölzinger mitgeteill hat, daß die Landwirischaftskanrmer nur berechtigt sei, über diese Gesetze ihr Gutachten abzugeben, nicht aber beliebige Abändermtgseschlüsse darüber ;u fassen, berichtet Derr Walter über das Reichs- viehseuchengesetz. Er ist der Meinung, daß der Regierungsvorlage zugestimmt werden müsse. Zu dem Gesetz über die Maul- und Klauenseuche berichtet der Redner, daß hier der springende Punkt in der Enlschädigungsfragc liege. Nicht nur für gefallenes Vieh muss: Entschädigung verlangt werden, sondern auch für Not schlachtungen. Wenn das nicht zu erreichen sei, hätte das Gesetz keinen Zweck. Der Redner bittet deshalb dringend, den darüber vorgelegten Anträgen des Vorstandes zuzustimmen.
Zn der Aussprache verbreitete sich zunächst Abg. Lutz at«s Mitberichterstatter einge^nd über den Unterschied zwischen den Bestimmungen im alten und im neuen Gesetz. Das neue Reichsviehseuchengesetz habe viele Erweiterttngett und Verbesserungen erfahren. Die Kreise sollen entlastet und die Viehbesitzer mehr belastet werden. Der Redner erklärt an Beispielen die, Wirkung des neuen Gesetzes und führt weiter aus, daß der Ausschlag aus den Kopf, wie das Gesetz es will, also für das Stück Vieh 10 oder 20 Pfg., nicht güt fei und sich dafür der Ausschußantrag empfehle, auf den Wert des Viehs auszuschlagen und zwar für 100 Mark 5 Pfg. Dieser Ausschlag sei am gerechtesten, sowohl tm Interesse der Regierung, wie der Landwirtschaft.
Derr Dr. Dehlinger meint, die Regierung müsse den Landwirten entgegenkommen, denn die Seuchen seien durch die Grenzöffnung eingeschleppt worden.
Ministerialrat Hölzinger bestreitet die letztere Behauptung; es sei unzutreffend, daß die Maul- und Klauenseuche durch ftanzösischcs Vieh eingeführt nmrde.
Oekonomierat Fritsch empfiehlt die Annahme der Entwürfe nach den Ausschußantrügen und begründet einen Antrag. Die Entschädigungspfticht auf die Folgekrankheiten der Maul- und Klauenseuche auszudehnen. Der Viehhändler sei vor allen Dingen mit zur Aufbringung der Kosten heranzuziehen.
Derr Weith führt aus, daß durch die Viehhändler die Maul- und Klauenseuche hier cingeführt worden fei. Er wünsch besonders, daß die Quarantäne besser einsetzen müsse.
Geh. Rat Prof. Lorenz: Zm Voranschlag seien 37 000 Mark für Entschädigungen bei Viehseuchen eingestellt. Die Regierung könne nicht für die Einschleppung der Seuche vom Ausland aus auskommen. Es sei aber wahrscheinlich, daß die Seuche von Deutschland nach Frankreich gebracht worden sei. (Dört!) Es müsse anerkannt werden, daß Die Regierung in den Gesetzentwürfen weit entgegengekommen sei; mehr könne nicht verlangt werden. Der Redner betont, daß an dem Gesetz von der Kämmer nichts geändert werden könne und äußert dann seine Ansichten vom vetärinärischen Standpunkt aus. Ättm sollte sich mit den Entschädigungen für den direkten Tod der Tiere begnügen. Die Besitzer der entschädigten Tiere ständen sich besser, als die Laichwirte mit gesundem Vieh: die ersteren machten ein Geschäft dabei. (Große Unruhe und WidersvruM Wenn man nach dem Antrag des Vorstandes die Entschädigungspfticht ausdchne, sei eine große Zahl von Netschlachtnngen zu befürchten. (Ohonffe.- Man müsse dann in Erwügun.gen darüber eintreten, wie man sich absichtliche Schädigungen sichern könne. Es liege im Interesse der Landwirtschaft, das anzunehmen, was ihr von der 'Regierung geboten werde.
Abg. K orell ist der Meinung, daß der Vorredner mit seinen Anregungen nur wenig Glück haben werde. Der Redner hofft aber, daß sich ein Mittelweg sinden lassen werde und verbreitet sich dann über einzelne Bestimmungen der Entwürfe. Er wünsch besonders, daß eine strenge Quarantäne ansgeübt wird, bevor das Vieh in Dessen eingeführt wird.
Ministerialrat Hölzinger teilt mit, daß Die Erlaubnis zur Einfuhr fremden Viehs von der Regierung wieder auf» gehoben worden sei. (Beifall.
Derr Heil wendet sich gegen die Regierungsenttvürfe intD empfiehlt die Annahme der Ausschußanträge.
Geh. Rat Prof. Lorenz betont, daß Dessen von verseuchten Gebieten umgeben sei. Ztu der Verbreitung der Seuche trage auch der Leichtsinn vieler Landwirte bei.
Herr Roemer vermißt bei den Sperr-Erlasftn der Kreisämter die Einheitlichkeit.
Abg. Fenchel wünscht die Vorsichtsmaßregeln gegen Die Seuche bedeutens verschärft.
Herr Hensel widerspricht oer Heranziehung der Händler zu den Kosten. Man solle Die Händler ja nicht schärfer machen, wie in Preußen, sonst zögen sie dorthin.
Oekonomierat Walter spricht sich noch besonders zu Artikel la, betr. die Entschädigungen und ersucht dringend, den Ausschußantrag auf Erweiterung anzunehmen. Dann lvendet sich der Redner gegen die Ausführungen des Vorredners und meint, daß die Händler mit der Zuziehung zu den Kosten einverstanden seien. Alsdann weist er die Bemerkung des Geh. Rat Lorenz zurück, daß die Notschlachtungen zu Gewinn führen würden.
Geh. Rat Prof. Lorenz er Härt, daß er nur für seine Person und nicht die Meinung der Regierung ausgesprochen habe. Er müsse auch zurückweisen, daß er gesagt habe, die Vorschläge der Landwirtschaftskammer seien für die Regierung unannehmbar.
Nach einer kurzen Pause werden zunächst einige Wahlen vorgenommen. An Stelle des Herrn Köhler wird Herr H e n s e V- Dortelweil zum Vorstandsmitglied, und zum stellv. Mitglied des Eisenbahnrats für Oberhessen Abg. Breidenbach, zunr Mitglied der Kommission für Gesetzgebung und Wirtschaftspolittt Abg. Lutz gewählt.
Bei Fortsetzung der Beratung über die bechen Gesetzentwürfe wünscht Abg. Breidenbach einzufügen, daß die Händler das Vieh nicht gleich vom Waggon aus verkaufen dürfen. Herrn Walter erwidert der Redner, daß die ländlichen Abgeordneten der zweiten Kammer ihr möglichstes tun wurden, die Wünsche der Landwirtschaft zur Geltung zu bringen.
Herr M ü l l e r/(Oberhessen) wünscht, daß an der Grenze für Händler Quarantänestellen errichtet werden, damit das Vieh nicht dtteki eingeführt werden kann: die Seuchen würden zumeist durch) die Schuld der Händler eingeschleppt. Zm übrigen hegt der Redner Befürchtungen über die Folgen, die aus der Annahme des Antrags entstehen könnten, daß die Ausschlagung nach dem Werte geschehen solle.
Herr Schätzet (Rheinhessen- schlägt vor, im Artikel la anstatt Notschlachtungen „Abschlachtungen" zu setzen.
Herr Schmitt (Guntersblum) führt aus, daß man bei Notoder Abschlachtuirgen nicht nur auf staatliche, sondern auch auf Privat-Tierärzte hören möchte uno daß auch^diese zur Ent- schÄdiurg berechtigt sein müßten, wenn in der Schnelligkeit kein amtlicher Tierarzt zu erreichen sei.
Nack) weiteren Bemerkungen der Herren Krapp, Vieh- vrann, Walter, Lutz, Hahn, Fritsch und Weil be- gründet Abg. Fenchel seinen Antrag auf Verschärfung der Vorsichtsmaßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche, sowie em Ersuchen an den Bundesrat, die hessischen Vorsichtsmaßregeln auf das ganze Reich zu erstrecken.
Die Generalbesprechung ist damit beendet. Zn der Einzelberatung werden die ersten zehnAttikel des Gesetzes zur Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes unverändert angenommen, wahrend Artiktel 11 nach Den Äusschußanttägen angenommen wich. Artikel 11 soll darnach lauten:
„Der Ausschlag der Beiträge erfolgt bei Pferden imb Rindern «Nach Stückzahl und Wert. Für den Besitzstand sind die von den Gemeinden jeweilig am 1. Januar ermittelten Werte maß- ,g£l)enD, bei Viehhändlern 20°. o des Jahresumsatzes. Für Tiere, die dem Reich, den Biuwes-staaten oder zu einem?
verlange H s y j s hussei M H HB Bür
landesherrlichen Gestüt gebSren, sowie kür Schlachtvieh ht Bieh- höfen oder in Schlächthüfan einschließlich öffentlicher Schlachthäuser, werden keine Beiträge erhoben (§ 73 des Reichsgesetzes)."
Die übrigen Artikel wurden nach der Regierungsvorlage angenommen.
Alsdann erfolgte die Annahme des Ges^entWurfs über die Entschädigung für an Dkaul- und Klauenseuche gefallenes Rind- vieh nach den Abänderungsanträgen des Ausschusses, mit einem Antrag des Ausschusses, die Regierung zu ersuchen, die Versicherung der Schafe, Ziegen und Schweine baldigst einzubeziehen.
Zur Beratung kam dann noch der Entwurf eines Gesetzes, über die Aenderung des Gesetzes über die Brandversiche- rungsanstalt für Gebäude. Den Bericht darüber erstattet Herr Krapp- Sickenhofen. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer hat bei der Beratung des Gesetzentwurfs die Abänderungsvorschläge zu ArtikÄ 2 und 22 angenommen, wonach die Zuschlagskapitalien 1/io bis s%o auf die Höchstgrenze von 5O/io erhöht werden, um die Schaden und Anteile an den Verwaltungskosten der in Betracht kommenden Gebäude zu decken. Dagegen hat der Vorstand den.Abänderungsvorschlag der Kommission zu Artikel 50 des Gesetzentwurfs abgelehnt, statt Vio bis 5O/io zu setzen Vio bis 100/i0. Bei der Ablehnung des Vorschlags ging Der Vorstand von Der Anschauung aus. daß eine Hinauf- setzung Der Höchstgrenze auf 10*7i0 des Zuschlagskapitals nicht angängig sei, weil hierdurch auch ein erhchlicher Teil landwirt- schftlüh benutzter Gebäude, z. B. Brennereien, getroffen werden können. Die Kammer nahm den Gesetzentwurf nach diesen Vorschlägen an.
Es folgte dann noch der Bericht der WahlprüfungskomMission, nach welchem sämtliche Wahlen für giftig erklärt wurden.
Nachdem dann noch Abg. Bähr den Ausführungen des Abg. Brauer gegenüber richtig gestellt hatte, daß er nicht das ganze Jahr, sondern nur 92 Tage in Darmstadt für die Kammer tätig gewesen sei, schloß die 'Tagung um 4Vs Uhr nachmittags.
Au- Statt und Land.
Gießen, 20. März 1911.
** ©tabttfyeater. Nochmals sei auf die Faust- aufführungen am Dienstag und Mittwoch hingewiesen, die als 20. und 21. MittwochabonnementvvrsteNnng in Szene gehen und daher jeweils (also auch Dienstags) um 7 Uhr beginnen. Die Inhaber von Gutscheinen werden auf diese Gelegenheit hingewiesen, da es fraglich ist, ob „Faust" in der hiesigen sehenswerten Einrichtung nochmals wiederholt werden kann. — Am Montag, 27. d. M., findet als .Beneflzvorstellung für Regisseur Guhne eine AuMH- uimg von „Flachsmann als Erziehet statt.
•• Der hessische Flotten verein hat seinen Jahresbericht für 1910 erscheinen lassen. Die Mitgltederzahl hat >'ich fast nicht verändert, sie beträgt 9474. Auf Starkenburg entfallen 4380, und zwar auf die Kreise: Darmstadt 1338, Groß-Gerau 413, Erbach 195, Dieburg 392, BenSheim 501, Heppenheim 443, Offenbach 1098; Ober hessen zählt 3311 Mitglieder: Kreis Gießen 992 (Stadt 426), Friedberg 894 (Stadt 169), Alsfeld 403 (Stadt 224), Büdingen 395, Schotten 312, Lauterbach 385; Rheinheffen zählt 1783 Mit- 'lieber: Kreis Mainz 300, Worms 606, Alzey 374, Bingen 310, Oppenheim 193. Die Jahreseinnahmen des Landesverbandes betragen 15 152 Mk., die Ausgaben 14 369 Mk. Die Hauptversammlung findet tn Auerbach a. d, B. statj. Generalleutnant Korman hat die Geschäfte des 2. Borsitzenden niedergelegt, da er zum Leiter des hessischen Sanitätswesens vom Roten Kreuz erwählt wurde. An feine Steüe ist Kovtre- Admiral z. D. Westphal getreten.
Kreis Büdingen.
l- Büdingen, 17. März. Im ,/Stent" fand am Dow nmstag abend die Hauptversammlung des Verschönerungsvereins und des Zweigvereins des Vogelsberger Höhenklubs statt. Ans Dem vom Vorsitzenden. Kreisrat B o e tf in a n n , erstatteten Jahresbericht ist mitMteilen, daß Die Mitgliederzahl des Verschönerungsvereins von 180 auf 183, die des V. H.-Kl. von "57 auf 68 ftieg. Die Arbeiten zur Verbesserung der Wege in der Umgebung nahmen einen befriedigew Dcti Fortgang, der Passantenverkehr hat sich gehoben, Nährend die Zahl der zu längerem Aufenthalt anwesenden Personen eine Steigerung nicht erfuhr. Der Waudenausschuß konnte über befriedigende Teilnahme Der Mitglieder an Den Ausflügen berichten, desgleichen Der Blumenschnuckausschuß über die stattliche Zahl der mit Preisen bedachten Teilnehmer am Wettbewerb in 'Der Blumen- pftege, ebenso hat der Verlauf des Winterfestes befriedigt. Die Sport- und Spielansstellung in Frankfurt trug dem Verein einen schönen Preis ein, bei der Einweihung des Bismarckdenkmals auf dem Taufstein, dem Herbstschießen in Büdingen,den Festlichkeiten in Grckbenhain und Alsfeld, war der Verein vertreten, und der Besuch des Frankfurter und des Gießener Zweigvereins in Büdingen trug zu angenehmem Verkehr mit den Nachbarsektionen wesentlich bei. Das Verbandsfest 1911 findet in Wildungen statt, nachdem Büdingen mit Rücksicht auf andere in diesem Jahre in Büdingen ftattfinbenDe Festlichkeiten feine Bewerbung zurückgezogen hatte. Im Berichtsjahre fanden 6 Vorstands- uno 2 Hauptversammlungen statt. Die Wegmarkierung wurde vervollständigt, 'neue Grundsätze für die Markierung der Hauptwege sind in Vorbereitung. Der Kassenbestand betrug zu Anfang des Jahres 621,69 Mk., zu Ende 433.36 Mk., die Gesamtausgaben beliefen sich auf 857,35 Mk. Im Voranschlag für 1911 werden vorgesehen an Einnahmen 1082,76 Mk., an Ausgabe 704,20 Mk., darunter 150 Mk. für Neuaufstellmrg von Bänken. 70 Mk. für Fortsetzung eines gepflasterten Fußwegs nach dem Pfgffenwald, 200 Mk. für Herstelttmg eines Fußwegs vom Mühltor nach Der Badeanstalt, 90 Mk. zur Beschaffung von Preisen für Den BlumensckMuck- wettbewerb, 71 Mk. für den Vogelsberger Höhenklub, 30 Mk. Musrkzuschuß für das gern von auswärtigen Klubmitgliedern besuchte Büdinger Herbstschießen usw. — In der folgenden Erörterung allgemeiner Angelegenheiten wurden Wünsthe über die Beseitigung von Hausabfällen und die Reinhaltung der Straßen, Plätze und Wasserläufe, über Auslichtung von die Aussicht ver- sperrmden Baumbeständen, die Vernichiung der Schnaken (Die allerdings nach Der lieberzeugung einiger ReDner in Büdingen weder zahlreich noch MutDürftig feilt sollen), über Die Freilegung Der Stadtmauer, besonders des Jerusalemer Tores und anderes vorgebracht. — Der Vorstand und Die Ausschüsse wurden wieder gewählt. Der Vorstand besteht aus: Kreisrat Boeckmann (Vorsitzender), Bürgermeister Fendt (stellv.), Buchhändler E. Eber- lina (Schriftführer), Reallehrer Roth (stellv. Schriftführer), Kassen- rechter Rullmann (Rechner), sowie den Vorsitzenden der nach bezeichneten Ausschüsse: a) Verschönerungsausschuß: Forstmeister Spengler (Vors.), Forstmeister Bücking, Hofzimmermaler Schön, Kaufmann Franz Lehning, Hofinspektor Ziegler: b) Preßausschuß: Oekonomierat Andrae (Vors.), Prof. Dr. Dingeldein, Beigeordneter Dotter, Hofbuck>händler H. Eberling, Geschäftsführer H. Elle, Sürgermelfter Fendt, Hofbuchdrucker K. Schneider: c) Wohnungsausschuß : Beig. Dotter (Vors.), Kaufm. W. Glaeser, Metzgermstr. L. Scheid, A. Schößler, Lehrer Weidmann: d) Blumenschmuckausschuß : Fabrikant Otto Schäfer (Vors.), Privatier Greber, Kcmfmamt L. Hanner, Kreisobstbauinspektor Mettemick», Direktor G. Roth: e) Wanderausschuß: Gerichtsassessor Lutz (Vors.), Kassen- redmxex Fr. Rullmann, Fabrikant O. Schäfer, Buchdrucker H. Schneider, Aktuar Walbrach. — Ein von Rechtsanwalt Keil gestellter Antrag, gegen Die Erweiterung des hiesigen Mathilden- hospitals, weil in Den berechtigten Interessen Büdingens und seiner Emlvohner, wie Der benachbarten Grundbesitzer liegend, Protest zu erheben, wurde nach langem Für und Wider an- genommen.
Kreis Lauterbach.
X. Schlitz, 18. März. Hier hat sich in diesen Tagen auf Veranlassung von Kreisrat Bechtold ein Komitee von Damen gebildet, um die Sammlung zum Besten der Mutter- und Säuglingspflege am hessischen Blumentag planmäßig zu organisieren. — Für das im Juli hier ftattfindende Gauturnfest trifft man bereits mit Eifer die nötigen Vorbereitungen. Der Vorstand des hiesigen Gesangvereins ^Harmonisches Kränzchen^ wendet sich in einem Ausruf an Die Bürgerschaft mit Der Bitte um Beteiligung von stimmbegabten, außerhalb deS Vereins stehenden Herren an einem für das Turnfest geplanten Maffenchor.
X. BernShausen, 18, März. Bei unferm Dorf befindet sich in der Nähe der Schlitz ein großes Moor, Das dem Bad Salzschlirf gehört. Zur Winterszeit ist stets eine Schar Arbeiter Damit beschäftigt, gewaltige Mengen bet Moorerde auszuheben, Die dann nach Salzschlirf gefahren werden, um dort für Bereitung von Moorbädern Verwen» düng zu finden. Ein Teil DeS MoorS ist bereits auSgebeutet; man hat daselbst jetzt einen Teich angelegt, der mit Karpfen bevölkert werden soll.
Starkenburg und Rheinheffen.
R.B .Darmstadt, 19. März. Der Verein Brauns- Hardter Heim hielt am Samstag seine 5. ordentliche Versammlung ab, die im Auftrag der antvesenden Protektorin, Fürstin Maria zu Erbach-Schönberg, Generalstaatsanwalt Dr. Praet orius leitete. Der Geschäftsführer, Pfarrer Kleberger, erstattete den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß das Heim im Jahre 1910 23 Pfleglinge (1905: 9, 1906: 13, 1907: 21, 1908: 25 und 1909 : 22) beherbergte, im Ganzen seit der am 8. Mai 1905 erfolgten Gründung 72 Personen. Zehn Mädchen wurden aus den Vorjahren übernommen, 13 neu untergebracht, doch verließen sechs davon den Marienhvf bereits nach kurzer Zeit wieder eigenmächtig, während zwei in passende private Stellen gegeben werden konnten. Der Konfession nach waren 21 evangelsich, 2 katholisch; dem Alter nach zwei 15, sechs 16, je zwei 17, 18 und 19, vier 20, je eine 22, 23, 24, 29 und 41 Jähre. Gerichtlich bestraft waren 11, Zwangszäglinge 6. Die Ausbildung der Pfleglinge betraf Waschen, Bügeln, Nähen und sonstig« Hausarbeit, sowie Gartenarbett. ®inen schweren Verlust erlitt das Heim durch den Tod der ersten Leiterin, Schwester Maria, die in der Schwester Eleonore eine tatkräftige Nach folgerin erhielt. — Der Rechenschaftsbericht des Rechners, Major Baur, ergab die Tatsache, daß die Mitglieder zahl und damit die Jahresbeiträge im Steinen begriffen sind; sie brachten 3194 Mk. Die Einnahmen oer Schwester betrugen 2546 Mk., und mit den sonstigen Einnahmen unt Reserven stellten sich die Gesamternnahmen auf 10661 Mk. Dem steht eine Gesamtausgabe von 9115.75 Mk. gegenüber, darunter ausgeliehene Kapitalien 1682 Mk., Bauuntev Haltung 296 Mk., Zinsen 584 Mk. und Haushaltungszuschuß 1168 Mk. Der Voranschlag für 1911 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 7250 Mk. Die Schulden belaufen sich noch auf 20300 Mk. — Nachdem Rechrrung und Voranschlag genehmigt waren, ergab Die Vorstandswahl für den AuS* schuß die Wiederwahl der bischerigen Mitglieder; an Stelle des als Reichsgerichtsrat nach Leipzig gehenden Ober, staatsänwalts Dr. Buff tritt Oberstaatsanwalt Dr. Schwa rz-Mainz ein.
D. Mainz, 19. Mürz. Sin hiesiger Oberreat» schüler, der Sohn eines Lokomotivführers, hatte ohns Erlaubnis das Fahrrad eines Mitschülers benützt. Durch Sturz war das Rad beschädigt worden Dem Eigentümev entstanden 7.50 Mk. Reparaturkosten. Dee Rechnung sandte der Klassenlehrer an den LoLomotivführer, der dem Sohn wegen oer Kosten Prügel in Aussicht stellte. Das Der* anmstte den Schüler, zu verschwinden. An feinen Klassenlehrer sandte er noch eine Postkarte mit der Mitteilung, die Sache habe ihn derart aufgeregt, daß er in Den Tod gehe. Wenn der Lehrer die Karte erhalte, befände er sich nicht mehr unter den Lebenden. Die Polizei wurde von Dem Verschwinden des Schülers verständigt, es ist bis jeHt no^cl) nicht gelungen, den Aufgeregten ausfindig zu macher.
<5erid?e»faaL
Gießen, 18. März. Das Standgericht des Infanterie- Regiments Kaiser Wilhelm, bestehend aus dem Major Großmann als Lorsitzenden, Dein Hauptmann Schroeder als I. und Oberleutnant Boße als II. Beisitzer, sowie dem Oberleutnant von Peutz (Ernst) als Vertreter der Anklage, verhandelte in seiner heutigen Sitzimg gegen den Reservisten Karl Hoppert vom Landwehrbeztrl Siegen. Er hatte sich wegen unerlaubter Entfernung, begangen durch Versäumnis der Herbstkontrollversammlung 1907 und oer Frühjahrs- und Herbstkontrollversammlunqen 1908, 1909 und 1910, zu verantworten. Ter Angeklagte entschuldigt seine HandlunEweise damit, daß er angab, auf Wanderschaft gewesen zu fein. Daß er an den Versammlungen teilnehmen mußte, war ihm bekannt. Ter Anklagevertreter beantragte den Angeklagten zu 10 Tagen strengen Arrest zu verurteilen. Das Gericht ging m Anbetracht der schlecht«, Führung des Angeklagten, soivie der mehrfachen Vorstrafen über Den Antrag hinaus und verurteilte ihn wegen unerlaubter Entfemunz zu 14 Tagen strengem Arrest.
Berlin, 18. März. Das Kamm er gericht erlarotti gestern auf Aufhebung Der einstweiligen Verfügung, durch die der Firma A. Wertheim Der Weiterabbruch Des Seitenflügels bti Hauses Leipziger Straße 130 untersagt mirD. Die Firma ist Da9er in Den Stand gesetzt. Die Verbindung zwischen ihrem alten Hausr und Dem Erweiterungsbau herzustellen. In Der Begründung heißt es, Daß Professor Männchen, Der Die Verfügung Des Land' gericksts erwirkt hatte. Durch den Abbruch des Settenflligels zwar eine kleine Beeinträchtigung erfahre. Doch kämen so große Summ« für die Firma A. Wertl»eim in Frage, >daß Die Beeiträchtigung des Mieters nicht ins Gewicht falle.
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