Ausgabe 
22.7.1911 Drittes Blatt
 
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161. Jahrgang

Drittes Blatt

Nr. 170

Erscheint täglich mit «utznahme des Sonntag!.

u->d Die preiivertcilung an Vie prinzchcinrich Wahrer.

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TieGießener Samllienblätter* werden bem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS wKreisbIat1 ffir b<e Kreis Cleften iroeunal wöchentlich. Tielandwlnichaflllchen itU- fragen1* erscheinen monatlich iroetmaL

Auf mich machte er nicht den Eindruck," so faßt Hedist das geistige Wesen ^Dtohammcd Alt» zusammen,ak roarc er großer Ahnen und so glänzender Tradkionen luüibig. Er wird nie imstande sein, das persische StaatsjGisf m.t eiserner Hand tlufl zwischen den Unterwasserttippen bei Zeit hindurch auch nur ein Stück wctterzufuhren." hedin unterhielt sich mit Mohammed Ali mit Hilfe eines Tol- nxetscherS, aber trotzdem hatte er öclegcnyeit, sestzusleilen, daß Mohammed Aii das Französische bcherrsa)t, denn er stellte selbst mehrere Frage,r in dieser Sprache DaS 6)c sprach bvc.,te sich naturli^ hauvt.äch.ich um Sven Hedins yteifeptäne und frühere Reisen.

Als Mohammed Alt seinem Vater auf den Thron Per lien- gefolgt war, hat Grothe einmal eine Audienz bet ihm gehabt. Auch nach dessen Schilderung ist der Schgh feine Ratur von großer Letbständigteit und Initiative und rücksichtsvoller "traft, die im .unnivic jein Sein oder Glicht jein aufs Spiel gefetzt hätte. Er ist auch keine Intelligenz, Die das Erwachen freiheitlicher und nationaler Wünsche in feinent dem Verfall zuslenernden Staate als verechtigr ein gesehen, als geistig hochstehende Persönlichkeit eine Ver Fassung zu cnilucricn milgeholfen baue, und bei Ausbau und Betätigung der Normen der Verfassung traft seiner Intelligenz' sich die Vorrechte bemal,rt hätte, die dem bc^ ynbtcn Herrscher eines Volkes znkommen. Ans der Br gegnung Grothes mit dem Schab läßt sich einiges auf dessen Wesen schließen. Grothe schildert die Audienz folgender­maßen:

Ter Schah trägt den üblichen, ocrmd)cn, schwarzen langen Schostrock, schwarze weite Beinkleider und die .'Vulinh, die m.t einer großen, das persische Wappen, i'invcn und Sonne bar- j,dienten, mit Tianiamcn belebten Agraffe geziert in Ans der Brust trägt er ein kleines Schmuckstück, dessen Edelsteine prackst'g leuchten. Die gicidic reiche Zier zeigt der Griff des SabclS, den er mit beiden Künden faßt, und ans den Boden stützt, fvahrcnb er dem Gesandten zndörl. Mohammed Ali Schah ist von lleiner, kaum die persische Mittelgroße erreichender Statur und von u in-

Huchenaten$ilittt- j r knu Lzünqbcad* w»

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

hoi ver« jimcnö,

lieber Belcitheit Sein Gesicht ist voll und rund, Kinn und Lippen sind bartlos, seine Züge sind noch nicht von der be­zeichnenden Prägung, wie ich sie von den Photogravknen seines Balers Muzzaiier EddiN und seine- Großvaters Nassr Eddin kenne. Seine Augen verbergen heb hinter einer goldenen Bnlle. -sein Genckt zeigt sich ernst, beinalx finster, wie dies aus seinen mannig lachen Ädnwfcn mit der freiheitlichen Bewegung wohl erklärlich ist. Sein Wesen, die Art, wie er sich hält, die Anwesenden br nachtet, dem Gesandten zuhört, verrät eine Unbeweglichkeit und Siam Heu, die rcobl weniger der Ausfluß innerer ^dirolTbeit als gewisser Unsicherheit, rote dteS bei einem plötzlich zur Regierung gelangten fccrri'dicr wohl begreiflich ist, der seine Jugend lern von der Hauptstadt in Täoris, ohne als Kronprinz zu Re^ präsentationspilichten herangezogen zu werden, verbracht Hai.

Jedenfalls hat Mohammed Ali in feiner zwetjahrt gen Regierung bewiesen, daß er den wirren Verhältnissen eines Landes nicht gewachsen war. Aus der Zeit, wo Mol ammed Ali bereits dem Throne hatte entsagen müssen, beiiücn wir noch eine Beschreibung von um, die ein eng lischer Tiplomat nach per,.-n.icher Kenntnis entroonen hat and zu den anderen nor., einige Ergänzungen gibt;

ter Lckrnh steht im besten Alter: er hat Niemals ein ccrail gehabt und ist der Mamcrab seiner Frau, was in asiatischen verricherhäusern euvas sehr ungewöhnliches ist- -sie ist von rem Item kaiserlichen Geblüt, er icooch von mütterlicher ^citc nicht TaS gab ihr einen gewissen Vorrang in ihrem Haust. Mohammed Ali hat nicht daS gute Herz seines Vaters und auch nicht die lieben.-würdige Haltung. Er bat einige Züge von leinem tirolp vatcr; jebenuann, der ihn kennt, hält ihn für einen Starr- iopf. In seiner Erscheinung vi nichts Pcrhlches auuer einer Kleidung, die er trägt. Tao Gcnclst ist gewöhnlich. Von Gc.ialt ist er Flein und dabei Haven schultern und Taille cmen be­trächtlichen Unhang. In seinem Benehmen wem er mcht recht, nas er mit sc.nen Händen aihang.n soll; er ist uiib »a* legen, wenn er einem Europäer m der Audienz gcgcnubertritt. Seine Augen haben von Haiti.g n Entzündungen gelitten diS- halb trägt er ost blaue Glaier und goldgefatzto Uristallgtastr, wenn er einen Fremden empsängt."

Samstag, 22. Juli 1911

fltotationlbnid und Dexckag bet 9r üblichen UnaxtfitäK Bach- und 6teinbrudertu 91 San st, Gießen.

JUbaftton, Expedition und Tnicfettü Schul­straße 7. Erveduion und Ve'iag Redaknom^Slir. $eL-9lbu2;nieiaer®iei»en.

W ii. Miii mäflolidjtr Wn ipfiebst sich

Adam Dürr jr, 4] Kirchenvlatz 3.

vom abgebantten und jurüdgefehrten 5chah.

M»ohammed Ali Schah, der vor ,wei Jahren aus die Regierung Persiens verzichten mußte, ist nach den neuesten y^hrichten auf dem Wege nach Teheran, um die Gewalt wreder in feine Hände zu bringen. Wird er fein Ziel erreichen? Tie Charakteristiken, die berufene Schilderer von ihm zu oerfchiedencn Zeiten entworfen haben, wider sprechen einander zum Teile, jo daß sich darüber gar nichts Gewisses sagen läßt. Tie einen erklären ihn für einen verweichlichten Schwächling, wahrend die anderen behaup­ten, er fei ein tatkräftiger Mann, der durchaus wisse, was er wolle.

Ueber einzelne feiner Eigenschaften und Fähigkeiten herrscht Einstimmigkeit. Schon als üronprinz soll er ziem­lich grausam gewesen fein, und es heißt, der Henker, ohne den ec sich nie gezeigt habe, hätte manchen miß­liebigen Mann aus feiner Umgebung um einen .hopf kürzer gemacht Seine Ausbildung war durchaus militärisch: schon als ganz junger Mann trat er als Fähnrich in das persische Heer ein und durchlief nach und nach alle Grade Zu denen, die den Schah als Kronprinzen lernten gelernt haben, gehört auch Sven Hedin, der eine ausführliche Schil­derung in einem feiner Rcifewerle gegeben hat. Mohammed Ali war damals schon älter, als zu der Zeit, wo Xioti ihn sah, denn im Gegensatz zu diesem, der ihn noch alszart und fein" beschreibt, sagt Hedin schon, von ihm, er wäre Hein und rundlich und hätte bereits ein Toppeliiim.

Eine moderne Ehe Wie es in gewissen Streifen der rwrnchmcn Weit jevt zugclst, wird durch folgende Notiz au5 der Variier GcrickstSzcitting recht kräftig illustriert: Herr Jean d Angle nwni de Tassigni) heiratete am 15. Avril 1911 Fräulein Hea Eolaeo Lsario. Am Mittwoch strengten Herr und Frau or lai- signh gegenseitig einen Säreidnngsvrozeß vor der ersten .stammet des ^ivilgcrichtcs an. Tas Urteil lautete erbaulich iolflenoei- maßen: hinsichtlich der Silage be-3 Gatten: Tn es festgesiellt ist und wie aus den Tatsachen und Schriftstücken der Angelegen heit hervorgeht, erklärte Frau de Tassignn am Abend bei vo» zeit ihrem Gatten, sie habe ihn nur geheiratet, weil sie sich ihm gegenüber ais zu weit eingelassen ansah, um ihre Heirat- abjicht zu brechen, aber bad sie entschlossen wäre, nch an keine der Pflichten zu halten, die die Heirat aufcrlcge. Übrige ns ver­harrte die Tarne in ihrer Haltung und verließ nach ihrer Ruck- tchr nach Paris mit ihrem Gatten diesen, um sich m cm Hotel cmzulogiercn. Sic blieb allen Schritten, sie in das Edcdomiul -.uruckzusühren und selbst einer Aufford-runa durch den Gerichts Vollstrecker gegenüber unbeugsam Tiese Tatsachen bilden eine schwere Beleidigung und rechtfertigen bk Forderung des Gatten. -- Auf die Gegenklage der Frau: Aber da Herr d Anglcmom. de Tassigny vom Abend seiner standesamtlichen Trauung uno zwischen dieser und der fird)lid>en Zeremonie Vergnügungslokale dis in später Morgenstunde besuchte, da diese Tatiache iciiteticit# eine verlebende Haltung der gegenüber bildet, mit der er sich eben verbunden hatte, da er nichts getan, um die Ztmcigung seiner Frau zu gewinnen: da er vielmehr nach den Erklärungen dieser am Abend der Hochzeit jebe» -artlichen Versuch der An Näherung unterließ und soiort in Sprache und Geberden nch nnc Freiheit herausnahm, die mit seiner neuen Stellung unvereinbar war, rechtfertigt all das die beharrliche Weigerung der Fran dc Tassignn und bildet ihr gegenüber eine fcknverc^ Belcioigung, die die Scheidung zu ihren Gunsten bedingt. z-ic Scheidung lüurbc also zu beiderseitigen Ungunstcn ausgesprochen.

Ast Mo.amed auf dem Vormarsch.

Asterabad, 2L Juli. Uuö Smtfchali zur.:ckk.hrende Reisende denchteu, M o y a nt e d A l i schlage heutecin Uacr 15 Müomcirr vor Asterabad am und wc.de morgen vor den Toren der Stadt aniommen. Ter Prätendent scheint die ..ta- sandcraner, welche gci.crn in San emgctroiien ,ino, aozuwartcn Gegenwärtig ordnet er die Tuifnicnciitruwen, w^.che sttindlich in großer Zahl von allen Seiten zustromcn. Omischalr wtro der Andrang von Bewohnern auS,Aste.a.ad immer g^er. Gestern iuhr auch der Vizegouverneur L-aid t Ta i hke r dort.nn. stellte sich Heraus, daß Prinz SÄua cS Saltaneh, der ehemalche Minister des Aeußcrn Saad cd a.anleh und Mutaiun ul Mull den Exschah begleiten.

Tie :..ahicgeln der persischen Regierung.

T eher an, 21. Juli. Tie persische Regierung richtete heute an die englische, sowie an die russische GefandtsctstM die dem Inhalte nach bereits gemeldete Kote. Tut taac ist äußerst ernst. Tic Regierung nimmt, trotzdem sie zuerst mit aller Entschiedenheit vorgehen zu wollen schien, letzt eine offenbar abwartende Haltung ein. Grone Summen werden telegraphisch nach Jspahan, Hamadan und Täbris aefandt, aber dies allein durfte sich nicht als nnrHam erweisen Bis jetzt ist noch nichts getan, um em Expedition auszurüsten. ^tach Teheran sind 2000 Bachtiaren berufen, aber der .stricgsminister erklärt, diese Truppe könne sich erst in zehn Tagen in Marsch letzen Tas ^'tedichli-^ ist bemüht, das Kabinett zn Dcrnnlaiien, nnDcr> 'uqlkh mir l ja nie Schritte zur Bekämpfung der Gefahr zu tun. Jnzwtfchcn unterwarf sich der Untcrstatthalter von stcrmanschah dem Prinzen Saiar cd Taiiieh._____________

^Bersorcil Mi»w°ch sabnboi

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uhrleistangf :r Art werden prumv. init ausgettibn.

A. Ebert, Nicgelviad- Leirat*t;esucb ng.tüchi.Bäckci,iiüteig.k7 d gutem Geschäft, indii or:; jcS ilcißigcs Mädchen, oiuhfl

Lande. >!ved-? bflN irai. Vermögen ernnini«, di nicht Bedingung. Lcknistl. Angebote, wennrs li nut Bild, ivclchcs wen ckgciändl wird, unter n («irheuer »>ln.seiacv ctUj iuf i. u. II. Hl'void. Clutt wtcNestkanischchms« um

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Hrfn CtllCJUDi,W* tfen und andern Don ÜK »er ÄpS Wcfdinit °ber Uj '^mnetberm. « ^cre^galltorsiraiie 5? «nWiJSKJÄ '<%! Wäsche zum Vögeln»- 'genommen. Herren Kaitbt oihauge werden auch gcwalL j_yraii Gracicr, Walliorin

Tcn Abschluß brr Brinz-Hcinrtch FaLrt bildete rin n I a n rctipes Bankett, d-as xn dcn Räumen des Royxi Automobile Elubs nattianh, und an dcm etwa 300 Personen teilnadmcn der k?trenuifl faßen Prinz Heinrich. brr Herzog von acj. ber Herzog von Arrnbcrg, der Herzog von Jttboi. »vux h 1 > unr.*i, General Grierson, Wrji Adalbert Siastorpff, General von hab'. Präsident von Meister, Honourablc Arthur plantet', - dm,i.it Rampold uiro Racv hrm Eiien erfolgte dic Prei-vcrtcilun g Tcn Preis des Piinzen Hemrick» erhielt, wie bereits gcmcte >, der Ron al Automovile Elub Tic Zahl Oer Punkte bei ,iegreichen Mannschast ioroic des >laistrlich.n AutomabtlNuds ivuo nndt veröffentlicht Tcr Uaiferliche Automobil .stlub crU.lt Hii.it ILrinnerungApr eis X o n i o Georgs, brr Sivr ii Auto - mobile Club eine glatt <Mc Malier ffliHielm» «u*bie Srtne im Schönheits-Wettbewerb wurden den glücklich. n Gc ivinnern überreicht Tie Reden des Abends bcichrankic.i Ud) auf dic öffentlichen Iruüivrüd'e. Tcr Herzog von Leck, Praireeni vcs Roral Automobile Clubs, brackste cm Hock' aui stvrng Georg, Xah'cr Wilhelm, Königin Alexandra, den 'Brunen von Wales uno Lic königliche Familie aus, dann folgte em begeistert auiae- iwnimcncr Lrintipruch auf den P r i n z e n H c i n r, ck' als Be­gründer der Fahrt, wobei der Herzog Lun Teck,ur die g-ite^.lui- uatzme in Tcutjchlcuid dankte und darauf hinnnes, dal: dtc oahrt cai gu.e Einvcrnclmcn zwischen beiden Ländern wesentlich gc* närlt i,abc In »einer Antwortrcdc banlic Prinz Heuirich allen üfiGic.u.i Mitarbcitcin, auch den als Unparteiische iungicrenvcn l.h: criti, ror allem aber für dic glänzende Ausnahme in Eng -.o. Er beglückwünschte dic Engländer zu ihrem Siege und säst ost mit dem herzlichen AuSrus:1t was the happiest eptsode of mv iiv'" Tie Rede wurde mit nickst enbcmuollcnbnn Jubel nut- genommen. Tas allgemeine Urteil war:ES war eine prächtige Reoe!"