pon 1848.
Em 83jähriger, her sie miterlebte, •Ober ft tu D. Spo hQ
FrcEirrt? Wird' Gießen später rcnr von Mer nnb" Tabak unter der Proteltton der Sozialdemokratie leben?
Seht Euch recht vor, Ihr lieben Fortschrittsverherer, ba& Ihr nicht stattt des Fortschritts einen jähen Stutz herberführt, itnb fragt Euch, was dem heute von Dr. Werner entwickelten Programm der sozialdemokratische Kandidat etwa Besseres entgegen zlur faßen h<u? Auf der einen Seite ftehen Kaiser und Reich und eine friedliche Entwicklung von Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, auf der anderen Kämpfe um ein Chaos, dessen Entwirrung trau- rige Opfer kosten wird. ~
Gießen, den 18. März, am 63. Jahrestage der Revolution
Latten, der eine BefteMrüng Ver Nachlaßmassen von 2000 Mk. Auswärts zu zwei Prozent verlangte.
4 Und nun noch ein kurzes, Wort über Unsere angebliche -^Iudenhetze", Ich rufe alle bte vielen Tausenoe von Wählern izu Beugen dafür an, daß die Behauptung, wir trieben „Juden- ^ehe" unwahr ift. Die Iudenfrage Hal im Wahlkampfe saft gar ikeine'Rolle gespielt. Und >,Hetze"? Die Kreise die hinter der Frankfurter Zeitung" und dem „Berliner Tageblatt stehen, 'die hoben die Stimmen der Genossen auf 8000 emporgehetzt, nicht wir die andern sind die heften Schrittmacher der Revolution. Man bewirft uns mit Kot, und wenn wir unS wehren, dann beißt es: „Seht einmal diese Seher 1" Wann ttnrb das Volk 'erlöft von der Lüge unseres öffentlichen LebenS?
5. Es ist bemerkenswert, daß die Blätter des Börsianertun^ mit lauten Posaunenstößen zur Wahl des Sozialdemokraten auf» fordern Warum? Weil die Sozialdemvkratte noch nie etwas legen die Börse und das spekulative Großkapiwl unternommen hat Eine Ehre ist der andern wert. Und deshalb werden die Herren Genossen auch in Zukunft gegen bte Besteuerung der Börsenpapiere, der Kupons, des Champagners und der Automobile stimmen. , ,,,
6 Ein Beamter darf Niemals sozialdemokratisch wühlen, wenn er ein Mann von Ehre und Eid ist. Denn öie Sozial demokratie will die bestehende Staatsordnung stürzen, und der Beamte ist der Lehnsmann des Staates.
G.rünberg- am 19. Mürz 1911.
Dr, Ferdinand We.rneL
Zum Wahlaufruf der Vertrauensmänner der fortschrittlichen Volkspartei vom 17. d. Mts. schreibt uns Herr Oberst a. D. Spohr:
Die „Vertrauensmänner" der „fortschrittlichen Volks Porte: fordern schlankweg zur Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten auf: _
Da darf man wohl Tragen: Sind bteje „Vertrauensmänner verblendet oder waren diejenigen verblendet, die sie zu ihren „Vertrauensmännern" erkoren?
Unter dem Stichwort „der schwarzblaue Block' raufte unter allen Umständen zertrümmert werden", wird, entgegen dem von dem Kandidaten der Partei selbst, Herrn Pfarrer Kvrell, getanen Ausspruch: „von den sozialdemokratischen Anschauungen trennt uns eine ganze W e l t", entgegen der seit Jahren für alle bürgerlichen reichstreuen Parteien geltenden Maxime: „unter allen Umstünden gegen die Sozialdemotratte zn ftimmen, der Ueberteilt der gesamten bisherigen Anhänger der fortschrittlichen Volkspartei ins sozialdemokratische Lager den Wählern angetreten. Und das, um an die Stelle des schwarzblauen Blocks die Sozialdemokratte zu setzen, die Partei, welche ein» gestandenermaßen das Deutsche Reich in eine Republik umwandeln will, eine Umwandlung, die, wie die Sozialdemo- Ifrohe selbst recht wohl weiß, nur auf dem Wege der Revolution 'imb Anarchie, auf einem Wege, der durch Blut und Leichen führt, erfolgen könnte. _
Attrn sieht, 1848 ift von der heutigen Bevölkerung schon vergessen. Wir, die es erlebt und die „glorreiche Revolution von 1848" mit gemacht, wir wissen, was eine Revolution ist, ein hitziges Fieber, das immer nur durch drastische Mittel zur Genesung führt. Auf „Revolution" folgt immer „Reaktion", so sicher, wie daS b am das a des o, b, c. Jeder Vernünftige zieht den Weg einer ordnungsmäßigen Entwickelung vor.
Und um jede Umwälzung zu erreichen, soll die Sozialdemokratte gefördert werden, gefördert dadurch, daß man deutsche Männer, Männer, die angeblich dem freien Fortschritt huldigen, auffordert. Diener und Schleppträger der Sozraldemo- ftratie, in Wahrheit, Sozialdemokraten zweiter Klasse zu werden, .fcäe man wieder ,,hinausflieg en" läßt, wenn sie ihre diene- -rifd^c Schuldigkeit getan haben, den „schwarz-blauen Block" zu ,zertrümmern und dann nicht weiter orbre parieren wollen.
Zu diesem Block gehört zwar die „Wirtschaftliche Vereinigung", die Partei des Kandidaten Herrn Dr. Werner, nicht, aber Ift) lange jener Block die Majorität besitzt, muß sich die Reichs- iregierung eben nach parlamentarischen Grundsätzen auf ihn stützen! Nimmermehr aber kann s ie sich auf eine Partei stützen, die ihr den Garaus machen will!
Darum wird jeder Wähler, der zu Kaiser und Reich steht, Herrn Dr. Werner zu wählen haben und wählen!
Die Idee, daß man einen solchen Kapitalfehler, sich mit Haut und Haar der Sozialdemokratie zu Derfdjreiben, im Herbste bei den allgemeinen Wahlen wieder aut machen, etwa mit Hilfe der Sozialdemokratie (?) seinen fortschrittlichen Kandidaten durch- ibringen kann, ist ganz verfehlt, ist wahrhaft kindisch. Die Partei, die sich einmal zur Dienerin der ^Sozialdemokratie hergegeben hat für immer abgewirtschaftet. Sie taim höchstens in deren Gefolge marschierend und meist froh fein, wenn man ihr das erlaubt und ihr die gebundene Route vorschreibt.
Ein Sozialdemokrat als Vertreter der „Universitätsstadt" Gießen! Liegt die Universität auch vielleicht schon in Todes- krÄnpfen vor der Eommenben (?) Ehrlich-Hata-Universität ,in
Presse wie auf dem Theater. Ganz gegen meine Erwartung, so 'sehr, daß sich auch nicht im letzten Winkel des Herzens eine /stumme Hoffnung verbarg, die das ahnte." Schon 1862 war aber das Drama im Druck erschienen mit der Widmung an Christine, deren Kriemhild-Verkörperung in Raupachs „Nibelungenhort" ihm wohl den stärksten Anttieb gegeben, das Nibelungen-Drama zu schaffen: „Drum nimm es hin, das Bild, das Du beseelt, Demi Dir gehörts, und wenn es dauern kann. So sei's allein zu Deinem Ruhm und lege Ein Zeugnis ab von Dir und Deiner Kunst!" t — „Die Wahrheitssucher." Aus Bremen, 17. März, wird iuty geschrieben: „Tie Wahrheitssucher" von Heinttch Eßlgenftein erlebten bei ihrer Erstaufführung im Stadttheater seinen starken, unbeftrittenen Erfolg, den der geistvolle, von nronft'chen Pointen durchsetzte lebenbigc Dialog und die theater- kräftige Zuspitzung der Hcnidlung in allen drei Akten voll verdienen. Weniger gelungen ist die Emporhebung der mehr typischen Personen und ihrer etwas abstratt Dorgetragenen Idem ju lebendigen charakteristischen Individualitäten. Das Thema Jlgen- steins ist eine Kontroverse der Lüge gegen die Wahrheit. Eine siebzehnjährige, ideale (und hier aud) „freie") Ehe, die sechzehn Jahre hitrdurch im Glück einer Lüge segensreich bestanden hat, wird rasch und gründlich zerttümmert durch das halb erzwungene, halb freiwillige Geständnis der Wahrheit. Der Gatte, hatte stets behauptet, er sei jeder Wahrheit gewachsm. Aber bei der Erkenntnis, daß seine Tochter nicht seine Tochter ist, erblaßt sein ideologischer Heldenmut und das Wort „Dirne" enttchlüpft ihm, als gerade die Gattin, die sonst in jeher Beziehung eine tapfere, edle Fran ist, dm Mut zur Wahrheit findet. Das Vertagen des Mannes drückt ihr den Revolver an die Schläfe. Hat hum die Kleinheit des Mannes oder die Lüge oder die Wahrheit [bas Unheil gestiftet? Diese Unllarheit der Tmdenz und der /krasse Abschluß des Wertes schaden bem nachhaltigen tiefen Eindruck. Tas Werk ist mehr eine Abschlagszahlung des geistvollen /Verfassers, als eine Erfüllung. Das Theaterpublikum war aber /trotzdem ganz in dem Bann seiner scharfen, oft sattrischen Schlag- ilichter auf das moderne Eheproblem und rief den Verfasser nach dem zweiten und britten Akt roicber vor die Rampe.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Geheimer Medizinalrat und ordentlicher Professor der Universität Berlin Dr. Lucas ist an den Folgen eines Jnfluenza- Llnsalls im 76. Lebensjahre gestorben. — Der Kaiser von Oesterreich eröffnete am Samstag die Frühjahrsausstellung der Künstlergenossenschaft in Wien, die gelegentlich des 50jährigen Bestehens der Genossenschaft stattsinoet. Der Eröffrrung roobitten bei die Erzherzöge, das diplomatische Korps, die Minister, Hof- unb Staatswürdenträger. — In London ist der Maler Ernst Erofts gestorben. — Die 1869 zu Braila gegründete Cchriftsteller-Bereinigung feierte am Sonntag in Gegenwart des Königs und der Königin, sowie dds Unterrichtsministers in S o fi a ihre Umwandlung in eine Akademie der Wissenschaften. {Sie neue Akademie umfaßt drei Abteilungen unh zählt 45 Mitglieder. Zum Präsidenten wurde Geschow gewählt.
die oft jedes sittliche Gefühl vermissen lassen, von^denen einem die Ohren wehe tun. Es kann daher nur mit^Freuben begrüßt werden, wenn das Volkslied wieder zu Ehren kommt.
Kreis Büdingen.
•X». Büdingen, 19. März. Der Voranschlag der Gemeinde Büdingen für 1911/12 verzeichnet einen Schuldenstand von 1039 872.55 Mk., ein Vermögen von 2 639 844.64 Mk., sonach ein reines Vermögen von 1599975.59 Mk. — An orbentl. Einnahmen sind eingestellt 129 483 Mk., an außerordentlichen 70142 Mk., an Umlagen 104 895 Mk. — Von den hauptsächlichsten Einnahmeposten erscheinen: Gebäude mit 3781 Mk., verliehene Güter 2 393.64 Mark, Waldungen 40998.92 Mk., Jagd und Fischerei 1858.33 Mark, Schäferei und Weidegelder 1079 Mk., Kapitalzinsen 6350.88 Mk., Marktstandgeld und Miete 370 Mk., Schule und Holzgeld 1678.85 Mk., Faselvieh 797 Mk., Hundesteuer 284 Mk., Wasserleitung 9400 Mk., Kanalgebühr 6500 Mk., Fleischbeschau 1878 Mk., Arbeiter-Versicherung 1238.06 Mk. — Außerordentliche Einnahme: Zurückzuempfangeude Kapitalien 7000 Mk., neu aufzunehmende Kapitalien 58600 Mk., Staatszuschuß zur Herstellung des Rathauses 1500 Mk., Vergütung der Präsenz wegen Räumung des Schulhauses in der Schloßaasse 2000 Mk., Umlagen 98000 Mk.; beitrage zur lano- und forsttvirtschaftttchen Berufsgenossenschaft 4600 Mk., zur Landwirtschaftskammer 1510 Mk. — Unter den Ausgaben erscheinen als hauptsächlichste Postem Gemeindesteuer 665 Mk., Brandversicherung 240 Mk., Kapitalzinsen 39 678.82 Mk., Unterhaltung gemeinheitlicher Gebäude 732 Mk., der Güter 1530 Mk., Waldungen 19 270 Mark, für abgelöste Berechtigungen aus Holzabgaben 789.16 Mark, Kosten der Kirche und der Pfarrhäuser 1743 Mk.. Schulhäuser und Schulen 5284 Mk., Unterhaltung der Straßen, Brücken und Wege 63950 Mk., Reinigung der Straßen und Plätze 1020 Mk., Straßenbeleuchtung 6000 Mark, Wasserleitung und Brunnen 500 Mk., Bäche usw. 2870 Mk., Feuerlöschanstalten 300 Mk., Fleischbeschau 1878 Mark, Anschaffung und Unterhaltung des Faselviehs 1830 Mark, Gemeindekrankenversicherung 2847 Mk., Unterpützuno Hilfsbedürftiger 5200 Mk., Beiträge zur Kreiskasse 20 870 Mark, zur land- und forstwirtschaftl. Berufsgenossenschaft 4650 Mk., zur Landwirtschaftskammer 1510 Mk., Besoldungen 30 708.49 Mk., Pensionen 2100 Mk., Diäten und Gebühren 1752 Mk., Bureaukosten 4400 Mk., Botenlohn und Verkündigungskosten 7515 Mk., Beiträge zur Arbeiterversicherung 2257.62 Mk., uneinbringliche Posten und Nach lasse 2500 Mk. Außerordentl. Ausgaben: Zurückzuzahlenbe Kapitalien 24301 Mk., auszuleihenbe Kapitalien 3300 Mk.. Eroauung von Straßen usw. 577.31 Mk.
-l-. Büdingen, 19. März. Die am Samstag abend im Rathaussaale abgehaltene öffentliche Volksversammlung war sehr stark besucht, was einesteils der Tagesordnung: „Verteuerung der Lebensmittel und die Ausgabe der Frauen bei der nächsten Reichstagswahl", andernteils der Person der Rednerin, Frau Friedländer- Berlin, zuzuschreiben war. Ist es doch für Büdingen immerhin etwas besonderes, eine Fr au Lr. einer so großen Versammlung zu hören. Frau Friedländer erntete am Schlüsse ihrer in sozialdemokratischen Sinne gehaltenen Ausführungen, die sir^ im Rahmen der üblichen Forde- derungen ihrer Partei hielten, Beifall. Gegner schienen nicht anwesend zu sein, da sich niemand zum Wort meldete.
Kreis Friedberg.
X Bad-Nauheim, 19. März. An unserer Ernst- Ludwig-Schule, die Ostern 1905 gegründet wurde, findet am Donnerstag zum ersten Mal die Einjährigen- Prüfung statt, der sich auch einige Mädchen unterziehen. Die Obersekunda mit Koedukation wird an Ostern eingerichtet. Da an der Augustinerschule in Friedberg die Realobersekundä mit dem neuen Schuljahr eingeht, sollen, wie verlautet, die Schüler dieser Klasse unserer Ernst-Lud- wig-Schule zugewiesen werden. — Ein im hiesigen Ko- nitzkystift zur Kur weilender Mann ist beim Kahnfahren auf dem großen Teich einem Herzschlag erlegen. — Vom Prinzregent Luitpold von Bayern wurde den Veranstaltern des hiesigen Bayernabends ein Bildnis übersandt, das in einem hiesigen Geschäft ausgestellt ist.
Starkenburg unD Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 18. März. Der Provinzial- ausschuß hat heute die Berufung des zum Beigeordneten von Isenburg gewühlten Ludwig Benkert, daselbst gegen die Entscheidung des Kreisausschusses, der die Wahl für ungültig erklärt, verworfen. Der Kreisausschuß ging von der Anschauung aus, daß ein der sozial' oemokrati,chen Partei angehörender und sich offen als solcher bekennender Beigeordneter nicht geeignet sei, die Geschäfte parteilos und ohne Ansehen 6er Person zu führen. Der Provinzialausschuß schloß sich dieser Meinung an.
Kreis Wetzlar.
— O berklee n, 19. März. Unserem Gesangverein „Germania" wurde das Hüttenberger Sängerfest übertragen; es soll am 18. und 19. Juni gefeiert werden. Die benachbarten hessischen Gesangvereine nehmen mit Vorliebe Anteil an diesem Fest.
Hessen-Nassau.
X Biedenkopf, 19. März. Für den Ausbau eine) neuen VizinalwegeS von Bottenhorn nach WomelS« hausen mit einer Abzweigung nach Dernbach hat der Kreistag eine Beihilfe von 13 000 Mk. bewilligt. Gleichzeitig werden die jährlichen Unterhaltungskosten auf den Kreis übernommen.
w. Frankfurt a. M., 18, März. Der heutigen R eit- und Spring konkurrenz im Hippodrom wohnten bas Großherzogspaar von Hessen, bet Prinz und bie Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen, der Prinz und bie Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe und der Erbprinz zu Schaumburg-Lippe bei. Den Staatspreisreitkonkurrenz gewann Freiherr von Gagern (1. Garde- Dragoner) auf Don. Die Damenreitkonkurrenz Maurices Jlena, geritten von Frau Maurice. Die Sprinkonturrenz für prämiierte Pferde, Leutnant Oliveira Cezar von den argentinischen Dragonern auf Cazador und Oberleutnant Sommerhoff-Mainz (21. Pionier-Regt.). auf Szots-Grey. — Heute früh wurde der verheiratete Bahnfchaffner Josef Roth heim Rangieren eines Güterzuges in Bensheim überfahren und sofort getötet
Der Wahlausschuß für die Kandidatur Dr. Weruer Hal, wie er uns schreibt, in der Zeit zwischen Haupt- und Stichwahl noch 70 eigene Versammlungen veranstaltet, „die sämtlich einen sehr stimmungsvollen Verlauf nahmen". Außerdem sprachen Redner in 17 Versammlungen gegenüber den Rednern der Sozialdemokratie. Es ist also eine ausgedehnte Wahl arbeit geleistet worden.
Zur Aufklärung über die natioualliberale Stichwahlparole wird uns geschrieben: _
Unsere „Freunde" in der bürgerlichen Linken und der Sozialdemokratie können sich anscheinend nicht genug tun, unsere Stichwahlparole als int Gegensatz zum Liberalismus und auch zum Nationalliberalismus stehend darzustellen, um den hessischen „Nationalliberalismus zu vernichten". Es sei deshalb zur Beruhigung besorgter Gemüter mitge- teilt, daß unsere, int Gießener Anzeiger am letzten Donnerstag veröffentlichte Parole und ihre Begründung in voller Uebereinstimmung stehen mit den Ansichten führender Nationalliberalen im Reichstag und im preußischen Landtag, und zwar solcher Parlamentarier, die anerkannt auf dem linken Flüge l unserer Partei stehen und im lebhaften Kampfe mit dem „schwarz-blauen" Block stehen. Wir haben mit bie)en Herren )en nationalen Gesichtspunkt hervorgekehrt und das Gesamtinteresse berücksichtigt, was mitunter etwas schwerer ist, als Kirchturmspolitik zu treiben. L.
Tagungen der Vorstände der nationaüiberalen Partei und der sortschritttichen öclfsporkl
Berlin, 19. März. Der „Nationallib. Korresp." zufolge sand heute im Reichstagsgebäude eine zahlreich besuchte Sitzung des Zentralvorstandes der Nationalliber alenPartei statt. Ruch einem Beyrüßungs- wort des Aba. Bassermann, in dem er der im letzten Jahr Verstorbenen gedachte, wurde eine Anzahl Herren in den Zentralvorstand gewühlt, u. a. Dr. med. Frager in Fürth, Rechtsanwalt I. Werner in Schweinfurt, Gutsbesitzer C. .Andres auf Gut Leuthof bei Kreuznach, Rechtsanwalt Dr. Kaufmann in Stuttgart, Rechtsanwalt W. Frey in Karlsruhe. Im Anschluß an einen Bericht des Abg. Bassermann über die Vorbereitung zu den nächsten Reichstagswahlen fand eine eingehende Aussprache statt, in der Abg. Friedberg die Erklärung abgab, daß die Frage des Enteignungsgesetzes demnächst tm Abgeordnetenhause nach der Richtung hin erörtert werden'würde, ob die Fortsetzung des Ansiedlungsgesetzes ohne Anwendung des Enteignungsgesetzes möglich sei. Auf die Vorlegung des gedruckt vorliegenden Geschäftsberichts wurde verzichtet.
Der Zentralausschuß der fortschrittlichen Volkspartei trat heute vormittag int Reichstagsgebäude zu seiner ordentlichen diesjährigen Tagung zusammen. Anwesend waren ungefähr 120 Personen. Nachdem der Vorsitzende Abg. 5und die Sitzung eröffnet, erstattete zunächst der Vorsitzende des gefchä)tsfuhrenden Ausschusses, >Abg. Fischbeck, den Geschäftsbericht, woran sich eine kurze Aus- sprack)e schloß. Hierauf wurde von dem Avg. Buddeberg, einem der beiden Kassenrevisoren, über den Stand der Parteifinanzen berichtet, lieber den Hauptpunkt der Tages-^ ordnuug, Vorbereitung der Reichstagswahlen, berichteten die Abgg. Baumann und Fischbeck mit starkem Beifall. Die sehr rege Aussprache, an der sich u. a. Träger, Stadtrat Münfterberg, Wiemer, Gothein, Fegter und Haußmann beteiligten, ergab die vollste Einmütigkeit in der Beurtellung der in Betracht kommenden taktischen Fragen. An die Tagung schloß sich ein gemeinsames Festmahl int Z en trathotel.__________________________________________________
Aus Stadt und Land.
Gießen, 20. März 1911.
** Die Verkehrseinnahmen aud dem Personen- und Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feststellung: Für die Eisenbahndirektionsbezirke Frankfurt a.M. !und Mainz: im Januar 1911 8 941 000 Mark ober Hegen das Vorjahr mehr 342 000 Mk. = 3,98 Proz., in der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 114 279 000 Mk. ober gegen das Vorjahr mehr 6 230 000 Mk. = 5,77 Proz.; für die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft: im Januar 1911 149 973 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 10 243 000 Mark = 7,33 Proz., in der Zett von Beginn des Rechnungsjahres 1 705 244 000 oder gegen das Vorjahr mehr 114 207 000 Mark ---- 7,18 Prozent.
** In Audienz empfangen wurde vom Groß- Herzog Oberstaatsanwalt Hofmann von Gießen.
Landkreis Gietzen.
---Reiskirchen, 20. März. Nach der Hauptprobe am Samstag abend hielt der Gesangverein „Harmonie" am Sonntag abend im Saale des Herrn Gundrum eine Theater-Aufführung ab, die aus der gesamten Ein- ivohnerschaft gut besucht war. Der Saal war so überfüllt, baß manche Besucher keinen Platz fanden. Es wurde beschlossen, daS schöne Stück, daS zum ersten Male in unserer Gegend gespielt worden ist, nächsten Sonntag, 26. d. Bits., zu wiederholen. Es ist ein Stück, das sich in Wirklichkeit zugetragen, ein Volksslück aus dem inneren Odenwald, genannt „DeS Müllers Liesl vom Michelbach", in drei Akten. Es fand dank der Leitung deS Dirigenten Schaf bei allen Besuchern den größten Beifall.
Allen darf a. d. Lumda, 20. März. Gestern hatten sich die Vorstände der Gesangvereine deS Lumdatal- Sängerbundes mit einem Teil ihrer Sänger im Saale des Gastwirts Ranft eingefunden. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten sangen die Vereine Treis und Ällendorf einige Lieder, die Zeugnis von dem Können ländlicher Gesangvereine ablegten. Es sind zurzeit wieder au dem Gebiete der Gesangeskunst maßgebende Persönlichkeiten an der Arbeit, eine Sammlung alter, vielfach schon vergessener Volkslieder anzufertigen. Es ist Tatsache: Em ordentliches Volkslied wird im Volke selten mehr gesungen. Man hört auf der Straße, wenn man sich Sonntags auf dem Lande in der freien schönen Natur bewegt, nur solche Lieder,
(ßcricbtsjaaL
Brüssel, 18. März. Das Gericht erllärte nach Prüfung der Akten des Untersuchungsrichters Über den Brand Der Weltausstellung, daß zu einer strafrechtlichen Verfolgung kein Anlaß vorliege.
Kleine Lageschrolnk.
Die bayrische Po st Verwaltung löste in fünf Tagen über IVs Mttlionen Mark aus dem Verkauf der neuen bäuerischen Briefmarken.
Zur Eröffnung der Rennzeit in Straußberg ereigneten sich zahlreiche Stürze, bei denen mehrere Retter zum Teil lcbivere Verlcvunoeil erlitten.


