Tratte erlangt hat. Nach der durch den Mund des sozial- demokratischen Abgeordneten v. Dollmar erfolgten Kriegserklärung der Sozialdeinokratie gegen das Zentrum ist anzu- nehmen, daß die Sozialdemokratie bereits bei der Nachwahl das Zentrum nicht mehr unterstützen wird. Bei äußerster Kraftanstrengung wäre eS möglich, daß das Zentrum aus eigener Kraft das Dlandat behauptet. Den 12 013 Zentrumsstimmen standen 1907 10 638 nationalliberale und 2000 sozialdemokratische Stimmen gegenüber. Da die National- liberalen den bekannten Rechtsanwalt Dr. Thoma in AugS- blirg ausstellen werden und die Sozialdemokraten in einer Stichwahl für diesen Kandidaten stimmen werden, so dürfte das Mandat für das Zentrum kaum zu halten sein.
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Die Hamburger Erbschaftssteuer für Abkömmlinge soll werter auS gebaut werden, und ;toar nach der Richtung, daß auch die Schenkung s st euer auf Abkömmlinge auSgebetynt wird. Aus Hamburg wird der „Boss. Ztg." darüber geschrieben:
Während die Anhänger der schwarz-blauen Mehrheit, wenn auch schloeren Herzens, den Gedanken aufrecht zu erhalten suchen, daß eine Heranziehung der Abkömmlinge des Erblassers zur Erbschaftssteuer zu einer Schädigung des Familiensinnes und -Zusammenl-angens führen müsse, ist man h.er, wo die Erb- schastssleuec für Abkömmlinge schon längst besteht, bestrebt, d:efc noch weiter auszubauen. Ein bürgerschaftlicher Ausschuß, der über eine Abänderung des hamburgischen Erbschaflssteuergesedes berät, hat nämlich beschlossen, den Senat zu ersuchen, auch b.d Schenkungssteuer a u f Abkömmlinge auszu- dehnen. Er geht davon aus, daß die Steuer auf Schenkungen unter Lebenden eine wünschenswerte Ergänzung der Erbschasts- steuer bilde, weil ohne sie die Erbschaftssteuerpfticbt dadurch umgangen werden könne, daß der Erblasser erhebliche Teile seines Vermögens schon bei Lebzeiten seinen Erben schenkungsweise überlasse. Diese Gefahr wachse natürlich mit der Nähe der Verwandtschaft und sei besonders groß im Verhältnis zwilchen Eltern und Kindern. Gegen die Erweiterung der Steuerpjlicht der Abkömmlinge werde geltend gemacht, daß ein Eindringen der Behörden in die zwischen Eltern und Kindern bestehenden Beziehungen zu erheblichen Bedenken Anlaß gebe. Doch ergab eine Anfrage in Bremen, wo die Schenkungsabgabe für Abkömmlinge bereits seit dem Jahre 1904 besteht, daß dort die Handhabung des Gesetzes zu keinerlei Unzuträglichkeiten geführt hat.
Deutsches Ueich.
Die Berliner Korrespondenz bezeichnet es als erwünscht, daß die Stadtverwaltungen ihre ©teuer- Zahlstellen in den Postscheckverkehr einbeziehen, damit die Inhaber von Postscheckkonten ihre Steuern aus das Konto der Steuerzahlstelle überweisen lassen und die übrigen Steuerzahler ihre Steuern mit Zählkarte am Voftschal- Ler zahlen können. Zur Erleichterung wird für Die Postscheckkonteninhaber folgendes Verfahren eingeführt: . Die Steuerzahlstelle teilt dem Postscheckamte die zu den Fallig- keitstermtnen abzuschreibenden Beträge mit, das Popschect- amt belastet die Konten der einzelnen Steuerzahler, die sich vorher schriftlich damit einverstanden erklärt haben müssen und übersendet die Zettel den Teilnehmern mit hem nächsten Kontoauszüge. Die abgebuchten Beträge werden dem Konto der Steuerzahlstelle in einer Summe gutgeschrieben.
Die Anfrage der Fortschrittlichen Volkspartei betreffend die Aufl)ebung des Z ü n o wa r en st e ue r° gesetz es, die an erster Stelle Der Tagesordnung der am wird, wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, 10. Januar stattfindenden Sitzung des Reichstages steht, sofort beantwortet werden.
Ausland.
Die Nachrichten über das Befinden des Kaisers Franz Josef lauten andauernd äußerst günstig.
Meldungen aus NewOrleans besagen: Der frühere Präsident Boni! la sei in der Nähe von Puerto Cortes gelandet und habe sich selbst zum konstitutionellen Präsidenten von Honduras proklamiert. Es werde täglich ein Angriff zu Lande und zur See aus Puerto Cortes erwartet. Der Dampfer „Hörnet" sei bereit, die Stadt zu beschießen, falls sie sich nicht ergibt
Den türkischen Blättern zufolge bestellte das türkische Marinem in i ft erium bei den englischen Werften zehn Kanonenboote, von denen acht für den Persischen Golf, zwei für die albanesische Küste bestimmt sind. Demnächst erfolgt die Ausschreibung eines Angebots für den Bau von 30 kleineren Kanonenbooten, die zur Ueberwachung der Küsten des Roten Meeres dienen.
Die bulgarische Sobranje wählte einen Ausschuß, der den Tatbestand der Anklage gegen die stambulowisrischen Minister genau feststellen soll und der Sobranje noch in der gegenwärtiaen Session Bericht erstatten soll. Tie Sobranje wird dann entscheiden, ob die angeklagten Minister einem Ausnahmo- gerichtshos überwiesen werden sollen.
AuS T e h e r a n wird acmeldet: MotassinedSaltaneh wurde dem Medschlis als Minister des Aeußeren vorgestellt, durch diese Ernennung ist das Ministerium der Justiz unbesetzt
Deutsche Kolonien.
Hamburg, 3. Jan. Heute vormittag fand eine Trau er- feier für den Major Dominik statt. Vertreten war der Senat der Stadt Hamburg, die Deutsche Kolonialgesellschast, das Kolonialmstitut, die Geographisch Gesellschaft, die Garnison von Hamburg-Altona und viele deutsch-afrikanilche Firmen. Das Infanterieregiment Nr. 76 stellte die Ehrenkompagnie. Professor P a s s a r g e vom Kolonialinstitut hielt die Gedächtnisrede. Ferner sprachen Alfred Stücken für den Verein westasrikanischer Kaufleute, Dr. Frierichsen für die Geographisch Gesellschaft. Der Hauptpastor Dr. v. Pröcker segnete dann die Leiche ein, die bann zum Bahnhof übergeführt wurde.
Sehrimerat Zreiherr von Sagern s.
Gestern um die Mittagsstunde gelangte die Nachricht hon dem Ableben des hessischen Gesandten in Berlin, Freiherr von Gagern, hierher. Wie überall in Hessen, hat die Trauerbotschaft, Die wir im größten Teil der Auflage noch mittcüen konnten, namentlich in Gießen und Ober- hesfen herzliche Anteilnahme hervorgerufen. Stand doch der oerftüibene verdienstvolle Beamte unserer Stadt und der Provinz Oberhessen durch seine langjährige amtliche Tätigkeit als erster Verwaltungsbeamter Overyessens besonders nahe.
Ter äußere Lebenslauf des Dahingefchiedenen gestaltete sich wie folgt:
Maximillan Freiherr von Gagern, geboren am 9. Oktober 1844 in Monsheim bei Worms, sein Vater war Heinrich Freiherr von Gagern, ehemaliger hefiischer Staats- mini|ter und Präsident der deutschen 9dationatOvr|anunlung 8H ptanLfürt a. M.) studierte nach Absolvierung des Gnm- nafiuniS zu Heidelberg auf den UniDer|itateii Göttingen, Heidelberg und Wien. Nach Absolvierung seiner Studien den hejsftchen Staatsdienst und war 1864—1866 ;OU «litaajee bei den hessischen Gesandtschaften in Wien
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Quer, die feit mehr als einem Blerieliahrhundert sich daran
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gewöhnt haben, FayS achie Sodener Mlneral-'pasuUen als unentbehrlichen vauöschatz zu berrachlenl UliUiimcn Schachteln Haden Segen und Linderung htnausgetrage« tn Die Welt und heute weiß so -teintich jeder, daß bet WM allen Erlatlungserjchetnungen der Atuiungsorgane FaoS *<♦ achte Sodener öte zuverlanigsteu Helfer und. Man tauft ne für dü Psg. in allen etnschlägigen Hatidlurigen, ver- - -lange aber stets nur ,FaoS ächte Sodener^.
lange aber stets nur »FavS ächte Soöener*.
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1911.
Stadt-
Au» StaOt unO CanO«
Gießen, 4. Januar
** Tageskalender für Mittwoch, 4. Januar, thrater: .Hohe Poluik." An'attg 7 Uhr-
** Ordensverleihung. Der Großherzog
Letzte Nachrichten.
Saarbrücken, 4. Jan. Beim Rodeln fuhr ein mit 2 Knaben besetzter Rodelschlitten direkt in ein voroeisahrendes Fuhrwerk. Die beiden acht und neun Jahre alten Knaben wurden schwer verletzt.
Lüttich, 4. Jan. (Priv.-Tel.) Der Bergarbeiter- q u 5 ft q n b dehnt sich aus. Neuerdings hat er auf das Revier Seraing übergegrifsen.
Paris, 4. Jan. In einem offenbar offiziösen Artikel wird mitgetellt, daß der Minister des Auswärtigen P i ch o n am 13. Januar aus Anlaß der Budgetberatung eine Darlegung der Stellung Frankreichs in der Weltpolitil geben wird. Aus seinen Mitteilungen wird heroorgehen, daß sich an den allgemeinen Bedingungen für die Politik Frankreichs nichts geändert hat.
Bigo, 4. Jan. Bei Mansao an der portugiesisches Grenze wurden zwei Automobile beschlagnahmt, die mit Gewehren beladen die portugiesische Grenze passieren wollten. Die Garnison von Valenca do Minos steht -um Abmarsch bereit.
VT Winterkur für > W
NervenKrankti
Or- » Sohulxe-Kehleyee, Nervenerit ipjjjrj.»,A4 _____ä*n*tonuin Hofholm im Taunus.
Wer zählt die Völker, nennt die Namen
Kleine Lageschronik.
In Rastenburg üergnugien sich 15 Kinder mit Eisläufen auf dem Oberteich, plötzlich brach das Eis und vier Kinder versanken und ertranken; während zwei gerettet wurden, ertranken zwei im Aller von 11 und 10 Jahren.
In Rom ist starker Schneefall eingetreten.
In K i r ch g r a n, b o v brach, wie aus R o sl o ck gemeldet wird, der Sohn eines Arbeiters auf dem Else eines Leiches ein. Zwei Söhne eines Ehausseewarlers im Alter von zwölf bezw. zehn Jahren versuchten ihn zu reuen, alle drei ertranken.
und in Paris beschäftigt. Ten Krieg von 1870/71 machte Freiherr von Gagern als Kriegsfreiwilliger im 2. Hessischen Reiterregiment mit Er wurde im Kriege zum Leutnant befördert und erwarb sich das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Nach dem Kriege wurde Freiherr von Gagern im Jahre 1874 in das Sekretariat des Ministeriums des Innern berufen. Bald danach wurde er ban.t ReZierungsrat, 1881 Kreisrat in Worms, 1S88 Provinzialdirellor für Oberhellen in Gießen und Kreisrat des Kreises Gießen und 18£8 Provinzialdirektor für Rheinhessen und Territorialkommissär in Mainz. Aus dieser Stellung wurde er am 22. Septemoer 1908 zum Nachfolger Dr. von Neidhardts als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister am Preußischen Hofe unter Verleihung des Charakters als Wicllicher Geheimerat mit dem Prädikat Exzellenz nach Berlin berufen; am gleichen Tage wurde ihm das Kommisfarium als stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrat erteilt.
In allen seinen Slellungen hat Herr von Gagern s.ch .als tüchtiger kenntnisreicher Beamter und wohlwollender Vorgesetzter erwiesen, wie er auch als Mensch allgemein geschätzt und verehrt wurde. Mll feiner Gemahl.n (Elisabeth, geb. Gräfin von Wimpffen), seinem Sohne und seinen zwei Töchtern betrauert ihn unser Land als einen feiner besten Männer, der dem Lande und namentlich auch der Provinz Oberhessen seine hervorragenden Kenntnisse und Arbeitslast lange Jahre mit großem Erfolg zur Verfügung gestellt hat Herr von Gagern war hessischer Kammer.-err und Inhaber einer großen Reihe seltener Ordensauszeichnungen. Noch am letzten 2ö. November war er vorn Großherzog durch oie Verleihung des GroKreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen geehrt worden. Freiherr von Gagern gehörte der kathol.schen Religion an.
An Freifrau von Gagern in Berlin ist gestern von hier folgendes Telegramm abgegangen:
Aus Anlaß der soeben hierher gelangten Trauerbotschaft übermitteln Eurer Exzellenz und Familie die Beamten der Provinzialdirektion und des Kreisamts zu Gießen sowie die Mitglieder der Selbswerwaltungskörper von Provinz und Kreis die Venichcrung herzlichster Teilnahme.
Das Andenken an den Verstorbenen der lange Jahre Ches unserer Provinzial- und Kreisverwallung war, wie es heute noch überall in der Provinz wach ist, so auch in Zukunft bet all denjenigen lebendig bleiben und in Ehren gehalten werden, die mit dem nach einem arbeitsreichen Leben nunmehr zur ewigen Ruhe Heimgegangenen zusammen arbeiten durften.
Dr. U f i n g c r, Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen. •
Freiherr von Gagern wird am Samstag auf dem Fried- Hofe in Darmstadt beigefetzt. Seine sterblichen lleberreste werden am Mittwoch abend mit der Bahn in Darmstadt eintreffen, um dort aufgebahrt zu werden.
Bahnmeister in der Hessisch-Preußischen Eifenbahngemeinschast Karl Dickel zu Alsfeld aus Anlaß seiner Versetziing in den Ruhestand die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Bevölkern ngsbewegunginGießen. Vorn hiesig enStandesamt wurden im abgelaus ^nen Jahre 1096 Eintragungen in das Geburtsregister, 184 in das Heiratsregister und 677 in das Sterberegifter vollzogen.
** Tödlich verunglückt ist der Kaufmann Richard Schäfer, ein geborener Gießener, in Metz. Er halle bei Heyligenstaedt il Co. gelernt, war später in Aegypten als Kaufmann tätig und tarn, well er das Klima nicht vertragen konnte, in die Heimat zurück. Er war dann als französischer und englischer Korrespondent mehrere Jahre .hindurch bei der Firma Scha,sftaedt beschäftigt, um Mille Dezember eine Stelle bei Den Krombacher Werken anzu- nebmen. Seine Mutter erhielt gestern abend die telegraphische Nachricht von dem puitz.ichen Ableben ihres Sohnes. Schäfer war unter den hiesigen jungen Kaufleuten sehr bekannt und recht beliebt
** Ringkampf-Konkurrenz im Kolosseum. Gestern nahmen die Endkämpfe ihren Anfang. Es gab zunächst einen interessanten Kampf zwischen Lem mertz und Bi l ka n; letzterer siegte nach 13 Minuten. Als zweites Paar rangen dann der Türke N u r l a h und Meister Eberle. Beide rangen zunächst mögliche vorsichtig, um sich keine Blöße zu geben. Durch verfehlten Hüftschwung mußte Eberle zur Erde, und die vergeblichen Versuche des Türken, Eberle auf den Rücken zu drehen, erregten die Heiterkell des Publikums. Unter ungeheurer Kraftanstrengung gelingt es Eberle dann wieder, in den Stand zurückzukommen. Im weiteren Verlaufe mußte auch der Türke einmal zur Erde, konnte sich aber sofort wieder erheben, so daß der Kamps nach 20 Minuten abgebrochen werden mußte. Beim Entscheidungskampf Eggeberg gegen D e b i e siegte Eggeberg nach mühevollem Kampfe in einer Gesamtzeit von 49 Minuten. Debie sowie Lemmertz hatten ihre 4. Niederlage und schieden aus. Einen hochinteressanten Verlauf nahm auch der Protest- kampf Hitzler gegen den Indianer Bill. Hitzler hatte beim erpen Kanipf eine Niederlage erlitten und Protest eingelegt, so daß der gestrige Kampf maßgebend war. Trotzdem Hitzler bemüht war, einen Erfolg zu erzielen, konnte er nicht verhindern, daß der Indianer auch dieses Mal Sieger blieb. Von heute ab müssen sämtliche Kämpfe bis zur Entscheidung ausgetragen werden. Heute finden wieder 4 Kämpse patt, iu a. die Entscheidung zwischen Eoerle und dem Indianer Bill.
Kreis Büdingen.
-I- Büdingen, 3. Jan. Am Samstag, 7. Januar, oorm. IO1/, Uhr, findet im Hotel Stern hier zur Er» richtung einer Zweigstelle Büdingen für Ni utter- und Säuglingsfürsorge eine Versammlung statt Prof. Tr. K oeppe» Gießen wird über »Mutter- und Säuglings- fürsorge im allgemeinen«, RegierungSrat P i >l or-Darmftadt über »Oertliche Organisation der Zentrale" sprechen.
(?) Lind heim, 3. Jan. Zwei 13— 14pl)r ge Jungen wußten sich einen Revolver zu verschallen. Sie hantierten damit so unvorsichtig, daß der eine dem anderen eine Sch rotladung durch die lin ke H a nd schoß. Die Affäre zeigt wieder einmal, daß nie ost genug daraus aufmerksam gemacht werden kann, Kindern die Erreichung von Sck)uß- wassen unmöglich zu machen. — Heute fand die Eröffnung des ersten diesjährigen Kurses (1. Januar bis 31. Mai) der hiesigen Haushaltungsschule statt. Die Sck)ule — die von der Landwirtschaitsiammer verwaltet wird erweist sich fast bei jeder Eröffnung als zu Nein, was wohl als Bestätigung der bisher erziellen guten Erfolge gelten kann.
Kreis Alsfeld.
----Alsfeld, 3. Jan. Zu der in Nr. 2 des Gieß. Anz. mitgeteitten Nachricht, daß gegen einen hiefigen Bäcker- meister Anzeige wegen Tierquälerei erhoben worden sei, wird unS geschrieben: Anfangs Nooember v. I. warf eine dem Bäckermeister gehörige Hündm sechs Junge. Ta die
Mutier, ein schwaches, heruntergekommenes Tier, bereits eines der Jungen totgebinen hatte, war er der festen lieber,eugung, daß diese die übrigen doch nicht hochbringen könne. Er nahm deshalb die beiden schwächsten und noch blinden Jungen und tötete sie durch Ausschlagen auf den Hinterkopf und warf bann die beiden Kadaver in die Feuerung, worin ll/s Zentner Kohlen zur Weißglut gebracht werden. Hervorzliheben ist, daß die Feuerung mit dem Backofen in keinerlei Zusammenhang steht — eS handelt sich um einen engl. UiiterzugSosen — von diesem vielmehr vollständig getrennt ist. Es versteht sich hiernach von selbst, daß von Anstrengungen, die bag lunge Tier gemacht haben soll, daraus zu entrinnen, gar keine Rebe sein kann. Die Tatsache, daß das eingeleitete Verfahren auf eine Anzeige zuruckzuführen ist, die em vertragsbrüchig qeioorbener Gesell erstattet halte, beweist genug, daß eS sich hier um einen Racheakt handelt.
KreiS Lauterbach.
Altenschlirf, 3. Jan. Eme der hiesigen Kl rch en- glocken, die erst im letzten Sommer an Stelle einer alten unbrauchbar gewordenen neu angeschafst wurde, ist plötzlich in den Turm herabge stürzt und anscheinend unbrauchbar geworden. Wahrscheinlich liegt eine fehlerhafte Konstruktion des GlockenstuhleS vor. Die KreiSbaudehörde ist zur Untersuchung der 'Angelegenheit benachr!chtigt worden.
Kreis ftricölierg.
△ Stammhei rn, 3. Jan. In der Neujahrsnacht wurde unser Polizeidiener von einem Burschen, dem er das Schießen verbot, mit einer Lalle z u Buden geschlagen, so daß er besinnungslos liegen bäeb.
Hessen-Nassau.
)( Aus dem Kreise Marburg, 3. Jan. Die Bevölkerung unseres Kreises hat sich von 53779 tm Jahre 1905 auf 5 7 64 1 vermehrt. Davon sind 28 503 £26 874) männlichen und 29 138 (27 574) woiolichen Gc- ichlechts. Auf die Stadt Marburg entfallen 21 869 (‘20 136) Einwohner. Bemerienswert ist, daß saft sämtliche Landorte zugenommen haben.
Die Londoner Polizei im Kampfe mit Anarchisten.
London, 3. Jan. Die Poliz.i suchte sich nachts in dem Hause S^dne.lltraße zweier gefährliche r Anarchisten zu bemämiigen, die unter dem Namen Fritz und Peter der Maler begannt sind und als Rädelsführer des bei Houndsditsch auf d i e Polizei verübten Re- oolveranschlags angesehen werden. Bei dem ersten Versuch, frühmorgens in die Wohnung der Anarchisten ein- zudringen, wurde einer der Polizisten durch einen R.volver- jchuß schwer verletzt. Daraus änderte die Polizei ihre Taktik, indem sie alle Zugänge zum Hause und die Straße durch ein startes Ausgebot besetzte. Tie eingeschlossenen Anarchisten unierl,L.teii nunmehr ein ständiges Revolver jener auf b i e Beamten. Schließlich wurde Militär ausgeboten, das mit einem Maschinengewehr anrückte und das Haus regelrecht beschoß. In den benachbarten Straßen sammelte sich eine ungeheure Menge Neugieriger, die jedoch durch eine ftarke Polizeimannschaft von dem Schauplatz des Kampfes selbst ferngehalten wurde. Das Haus geriet schließlich in Brand. Nachdem die Flammen das ganze Haus ergriffen hallen, stiegen die Belagerten auf das Dach, von wo sie auf die Soldaten und Polizeibeamten sck)ossen. Vielleicht hallen die Eingeschlossenen das Haus selber angezündet. Es p ü r z t e ein und begrub die Eingeschlossenen unter den Trümmern. Zwei Leichen wurden auf der Brandstätte aufgefunden, die so verstümmelt waren, daß schwer die Periöntichkeit festzustellen ist. Die Polizei ist jedoch überzeugt, daß es Die gesuchten Anarchisten sind.
Handel.
Berlin, 3. Jan. Laut Bankausweis vom 31. Dezember 1910 ist die Reichsbank mit 611557 Millionen in die Steuerpflicht gekommen.
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Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, bem ö. Jan. 1911: Wolkig, geringe Schneefälle, östliche Winbe; Temperatur wenig veränbert.
Schneebericht: HoherobSkopf 60—80 em, Felbberg i. T. 60—80 cm, Westerwald 30—40 cm; Schibahnen gut.


